Warum wir die Schweiz so lieben — Mal was Postives
September 18th, 2006„Schreib doch mal was Positives über die Schweiz“, sagt meine Frau neulich zu mir, „man könnte ja meinen, wir fühlen uns nicht wohl hier“. Nun denn, der Wunsch meiner Frau ist mir Befehl. Warum lieben wir die Schweiz? Was gefällt uns hier besonders? Das schöne Wetter? Das gab es in Süddeutschland auch.
Wir lebten früher schon im Süden, in Freiburg im Breisgau. Morgens nach dem Wetterbericht im Radio hatte ich stets Freude, wenn der Sprecher im Deutschlandfunk verlas:
„Die Temperaturen von heute früh, 7:00 Uhr.
Hamburg 8 Grad, Köln 12 Grad, Frankfurt 15 Grad, Freiburg im Breisgau 20 Grad.“
Für Deutsche liegt die Schweiz tief im Süden, und wer noch nie „Hundstage in Norddeutschland“ bei knackigen 21 Grad in der brütend heissen Julisonne erlebt hat, der kann nicht verstehen, warum wir uns hier stets wie in einem Urlaubsland fühlen.
Wir lieben in der Schweiz das gute „währschafte“ Essen, bei dem wir vermuten, der Name kommt von der Frage „Na, wer schafft es aufzuessen?“. Wir lieben die Nähe der Berge, wenn wir im Winter auf die Rigi fahren, um dort zu „schlitteln“; ein weiteres Wort, was es in Deutschland nicht gibt. Dort kann man nur „Schlitten fahren“.

Wir lieben es, im Rhein bei Eglisau oder in Zürich am Utoquai zu baden. Versuchen Sie das mal im Rhein bei Köln oder in der Binnenalster in Hamburg. Wir lieben die immer nebelfreien Herbstage im Zürcher Unterland genauso wie die Spaziergänge in der unzersiedelten Landschaft. Kein Scherz: Die Agglo von Zürich ist zwar zersiedelt, an idyllischen Orten wie z. B. auf dem Römerturm bei Nussbaumen hat man plötzlich das Gefühl, weit ab jeglicher Zivilisation zu stehen, wenn da nicht die Dampfschwaden des KKW Leibstadt am Horizont wären.
Wir lieben das Hightech Büli-Kino in Fussnähe genauso wie die Posaunenkonzerte vom Kirchturm, abwechselnd in alle Himmelsrichtungen, damit jeder was davon hat. Wir lieben das Schauspielhaus in Zürich genauso wie die Radtouren durchs „Veloland Schweiz“.
Die Schweiz ist unser Zuhause geworden, wir möchten nicht mehr weg und haben auch keine Angst mehr, wenn wir auf der abendlichen Kasernenstrasse in Bülach zwei jungen Männer in Zivil mit geschultertem Sturmgewehr begegnen. Wir wissen, dass jetzt kein Krieg ausgebrochen ist und die auch keinen Banküberfall durchführten, sondern nur „das Obligatorische“ erledigt wurde.
Wir lieben den Humor von Patrick Frey, die Geschwindigkeit von Lorenz Keiser, den Wortwitz von Nadja Sieger (bekannt durch Ursus & Nadeschkin), von Beat Schlatter sowie die Verwandlungskunst von Viktor Giacobbo. Wir trauern über das Ende der Dienstzeit von Lauriane Gilliéron und erfreuen uns an der Nase ihrer Nachfolgerin.

(Quelle Foto: zisch.ch
Die neue Miss Schweiz mit der göttlichen Nase links, die Dame rechts ist nur zufällig mit aufs Bild geraten)
Was wir mit Abstand am meisten schätzen und lieben sind die vielen freundlichen Menschen, die es nicht aufgeben, uns täglich neu über die Geheimnisse des Schwiizerdütschen aufzuklären. Sei es durch Kommentare auf dieser Webseite, sei es durch freundliche Briefe ohne Absender. Diese humorvolle, tolerante und allem Fremden durchweg aufgeschlossene Art der Schweizer, die ein feines Gespür für Ironie und Satire an den Tag legen, begeistert uns immer wieder aufs Neue.
Kommunikation mit unseren Nachbarn, der stets höfliche und freundliche Umgang miteinander, das gegenseitige Verständnis für die Nöte und Sorgen des anderen, die Kritikfähigkeit und Toleranz, das sind die Tugenden der Eidgenossen, die uns davor bewahren, je wieder woanders als in „tu felix helvetia“ leben zu wollen.








