Leben Sie noch? Sind Sie sicher? — Am besten gleich eine Lebensbestätigung anfordern

September 12th, 2006
  • Neue alte Schweizer Lieblingswörter
  • Nach unserem Umzug in der Schweiz lernten wir in den ersten Jahren fast wöchentlich völlig unbekannte Wörter oder Wortkombinationen: Die Betreibungsauskunft, die Vernehmlassung, den Güselkübel, die Finken, den Motionär, den Goalie, die Zigi, den arroganten freundlichen Deutschen … Mit der Zeit alles kein Problem und eine praktische Bereicherung unseres Wortschatzes. Doch bei diesem hübschen Formular, das wir auf der Homepage der Gemeinde Schlieren fanden, gerieten wir doch wieder ins Staunen:
    Lebensbestätigung
    (Quelle: schlieren.ch)

    Was passiert, wenn man diese Lebensbestätigung beantragt hat, 30 Franken zahlte, sie zugeschickt bekommt und in der Zwischenzeit verstorben ist. Ist sie dann ungültig? Werden dann die 30 Franken zurückerstattet? Diese Lebensbestätigung wirft bei uns unweigerlich die Frage auf, ob wir uns eigentlich auch unseren Tod bestätigen lassen können. Ich weiss, eine rein hypothetische Frage, aber ich stell mir gerade vor, eines Tages wache ich auf und bin tot, und bräuchte das dann dringend irgendwie bestätigt, am besten via Online Schalter.

    Eine Todesbestätigung oder Sterbeurkunde kann man sich online nicht bestellen, hingegen gibt es da noch das „Handlungsfähigkeitszeugnis“, welches mit Noten belegt, dass man zu jeder Handlung fähig ist.

    Handlungsfähigkeitszeugnis

    Achten Sie hier auch wieder bitte unbedingt auf die beiden „Gentiv-S“ zwischen den Teilwörtern. „Handlungsfähigkeitzeugnis“ wäre falsch, „Handlungsfähigkeitszeugnis“ ist richtig. Habe Sie den Unterschied überhaupt bemerkt? Sonst müssen wir das noch ein bisschen üben. Setzen Sie das Wort doch einfach mal in den richtigen Genitiv. Die „Erteilung eines Handlungsfähigkeitszeugnisses“ zum Beispiel. Und das „s“ immer schön stimmlos zischen. Ja, so ist es prima!

    Die Zeugungsfähigkeit wird ja häufiger mal bezeugt, aber die Handlungsfähigkeit? Wieder ein neues Wort gelernt. Im Ruhrgebiet würde man, in entsprechender Umgebung und bei passendem Alkoholgehalt, z. B. in der Südkurve auf Schalke, bei der Frage nach einem „Handlungsfähigkeitszeugnis“ sicher sofort von der Handlungsfähigkeit seines Gegenübers praktisch überzeugt werden, nämlich eins aufs Maul kriegen.

    Soviel zum Thema: „Vom korrekten Umgang mit Schweizer-Hochdeutschen Formulierungen im situativen Kontext der kommunikativen Gesprächssituation“. (Linguistisches Seminar Sprechakttheorie II)

    Eine „Lebensbestätigung“ bekommen Sie übrigens in vielen Schweizer Gemeinden online, falls mal wieder Zweifel ob ihrer Lebendigkeit aufkommen. Siehe die 1’280 Fundstellen von Google-Schweiz. Handlungsfähigkeitszeugnisse sind noch beliebter. Es fanden sich 43’500 Stellen dazu bei Google-Schweiz.

  • Schlieren und Schlierem
  • Das wahre Geheimnis der Gemeinde Schlieren versteckt sich in ihrem Adjektiv. Es heisst nicht „schlierener“ sondern „schlieremer„, mit einem „m“ wie Martha oder wie in „Schlei-m“. Auf der Homepage wird das 41 Mal erwähnt: Schlieremer Wald, Schlieremer Berg, Schlieremer Zentrum. Wann wurde denn da aus dem „n“ ein „m“ und warum? Wollte sie keine Schlieren ziehen auf dem Glas, in der Landschaft oder ganz allgmein? Wer kann mir dieses Geheimnis eines Schweizer Adjektivs erklären? Warum „schlierem“ und nicht „schlieren„, wenn die Gemeinde doch Schlieren heisst?

    P.S.: Wir sind definitiv schon zu lange weg aus Deutschland… eben finde ich eine „Lebensbescheinigung“ auf der Homepage der Stadt Stuttgart. Auch dort leben also bescheinigte Lebende.

    Wir sammeln uns im Ereignisfall — Neues von Sara Beck

    September 11th, 2006
  • Neuigkeiten von Sara Beck
  • Wir haben sie wiedergesehen, in der Öffentlichkeit, auf einem Plakat. Sie ist jetzt auch unter die Fallschirmspringer gegangen, wie so viele Schweizer (vgl. „im Fall“)

  • Kosmische Verbindig
  • Wir sahen sie in deutlicher Schräglage:
    mir dänket im Fall genau gliich, es isch so e kosmischi Verbindig…
    Sara Beck

    Sie übte wohl für die schwierige Disziplin des Synchronspringens. Daran ist nichts „Komisches“, wie wir erst fehlerhaft lasen, sondern der Kosmos Schuld. Synchronspringen, das war bereits die Lieblingsdisziplin von unserem Traumpaar Ursus & Nadeschkin. Vor allem Synchronspringen einzeln. Hierbei muss eine Person ganz allein mit sich synchron seine Sprünge durchführen. Oder war es doch „Synchronschwimmen“? So ganz kriegen wir das jetzt nicht mehr synchronisiert. Das ist ähnlich kompliziert wie bei der Weltmeisterschaft in Patiencenlegen (Solitär mit echten Spielkarten, so was gibt es wirklich!), bei der auch regelmässig der einzige Teilnehmer gegen sich selbst verliert.

    Für die Schweizer ist „im Fall“ so manches anders als für die Deutschen. Speziell im Deutschunterricht lernen ihn die Kinder kennen, den Fall. Genauer gesagt „die Fälle“. Es gibt den „WerOderWas-Fall“, den „Wessen-Fall“, den „Wem-Fall“ und den „WenOderWas-Fall“. In der Schweiz gibt es dann noch einen mehr als in Deutschland. Wir entdeckten ihn in einer ziemlich versteckten Ecke in einer Unterführung des Zürcher Hauptbahnhofs:
    Den Ereignisfall
    Ereignisfall

    Immerhin dürfen wir uns hier im Ereignisfall „Versammeln“ und nicht „Besammeln“, wir wir es sonst in der Schweiz zu tun pflegen. Dass „Besammeln“ keine falsch geschriebene Variante von „Besamen“ ist, haben wir schon früher herausgefunden. „Du guckst so besemmelt“ soll aber gleichwohl nicht heissen, dass unser gegenüber einen „gesammelten“ Eindruck auf uns macht. Was mag dieses Schild bedeuten? Sicher: Wenn sich hier mal was ereignen sollte, treffen wir uns alle hier! Wie das wohl gemeint ist? Darf man im Brandfall nicht rausrennen sondern soll hier warten? Oder ist es ein Rendez-Vous Platz für Feuerwehrleute?

  • The Underground is not a political movement
  • Wie schön sich ansonsten Unterführungen ausgestalten liessen, haben wir in diesem Sommer auf einer Reise in England gesehen.
    Subway Newcastle

    Diese Unterführung (auch subway genannt in England) sahen wir in Newcastle upon Tyne, Partnerstadt von Gelsenkirchen upon Köddelbecke. So nennen dort die Einheimischen die Fäkalien führende Emscher, einem Nebenfluss der Ruhr, bekannt durch den gleichnamigen „Emscherschnellweg“. Das wiederum ist eine Ost-West-Autobahn durch das Ruhrgebiet, die Ihnen helfen möchte, so schnell als möglich von der Emscher weg zu kommen. („wäch kommen“ sagen die Menschen dort).

    Wochenende und 5-Tage-Woche

    September 9th, 2006
  • Am Wochenende ist Pause
  • Ein Jahr permanente Kreativität fordert ihren Tribut. Die Blogwiese braucht ab sofort am Wochenende eine Denkpause. Wir wünschen allen Lesern fröhliches „go poschte“, Auto waschen, Güseleimer leeren, auf die Berge steigen und aufmerksames Qualitätsüberwachen beim Aldi in Deutschland.

    Wir lesen uns wieder am Montag!

  • Was auf die Ohren
  • Wer auch mal was hören will über die Blogwiese, dem empfehlen wir zwei Podcast:
    Blogwiese im Kulturpavillon
    Blogwiese im Deutschlandfunk vom 4.9.06
    Die Tage kommt auch noch ein Podcast auf WDR 3, morgens in der Sendung Mosaik, irgendwann zwischen 6:00 und 9:00 Uhr. Mal sehen, ob das auch als Podcast eingestellt wird.

    Komm wir machen eine Session — Wenn Schweizer Politiker sich in Flims treffen

    September 8th, 2006
  • Komm wir machen Marmelade — Die Jam-Session
  • Eine Session nennt man in der Rockmusik das spontane Zusammenspielen von verschiedenen Musikern, die sonst nicht gemeinsam auftreten. Weil das soviel Spass macht und ein wunderbares Durcheinander ergibt, wie bei einem Verkehrschaos, einem „traffic jam“, wird es auch als „Jam Session“ bezeichnet. Alles Quatsch, das hat weder was mit Marmelade (=jam) noch mit Strassenverkehr zu tun:

    Eine Jamsession (v. engl. jam „improvisieren“ und session „Veranstaltung“) ist ein zwangloses Zusammenspiel von Jazz-, Blues-, Hip-Hop- oder Rock-Musikern, die nicht üblicherweise in einer Band zusammenspielen. Auf Jazz-Jamsessions werden meist Stücke gespielt, deren harmonisches Schema und Melodie allen Mitmusikern bekannt ist (sogenannte Standards).
    (Quelle: Wikipedia)

    Es gibt berühmte Beispiel, wie das Zusammentreffen von Mike Bloomfield, Al Kooper (Blood, Sweat & Tears) und Stephen Stills (Crosby, Stills, Nash & Young), was als „Supersession“ in die Musikgeschichte einging.

  • Was ist eine Session in der Schweiz?
  • In der Schweiz ist eine Session etwas ganz anderes. Es bedeutet Arbeit. Genauer gesagt: „Arbeit für die Schweizer Politiker“, die ihren Job anders als die Deutschen Bundestagsabgeordneten nicht in als Vollzeitbeschäftigung ausführen. Denn „Session“ kommt von:

    (aus lat.: sessio v. sedere sitzen) eine sich über einen längeren Zeitraum erstreckende Tagungs- oder Sitzungsperiode
    (Quelle: Wikipedia)

    In diesem Herbst ist das Bundeshaus in Bern jedoch ein Baustelle, also weichen die Politiker aus in die „Provinz“, nach Flims. So schreibt der Tages-Anzeiger vom 22.08.06:

    Am 18. September beginnt in Flims die Auswärtssession des Parlaments. Sie soll zum Ausflugsrenner werden.
    Noch 27 Tage bis zur … Herbstsession des Schweizer Parlaments. Pardon, zur «Sessiun» – mit u! Die Tagung findet nämlich auswärts statt, und nach dem Welschland und dem Tessin kommt dieses Jahr Graubünden – und das Romanische – zum Zug. Weil derzeit das Bundeshaus renoviert wird und ein Unterbruch der Arbeiten auch teuer zu stehen käme, will man sich den auf rund 1,8 Millionen Franken budgetierten Luxus trotz Spardruck leisten.
    (…)
    Die Tourismusverantwortlichen Graubündens packen ihre Chance: Mit dem Countdown und anderen PR-Kapriolen machen sie auf sich aufmerksam. Dank der exotischen Location im edlen Wellnesshotel Park-Hotel Waldhaus, in der Ferienregion Flims-Laax-Falera, steht weniger die Traktandenliste als das Drumherum im Scheinwerferlicht. Was Bundesbern nicht geheuer ist – schliesslich zählt an der Session die Arbeit, nicht das Vergnügen.
    (…)

    Eine Traktandenliste ist also nicht die Liste der Behandlungsmöglichkeiten mit Fango, Schlammbaden, oder kräftiger Massage. Traktiert werden die Vorlagen, auf sie wird „eingetreten“ oder auch nicht. Da geht es richtig zur Sache.

    Zimmer werden im Waldhaus von Montag bis Donnerstag zwar keine mehr zu haben sein: 140 der Parlamentarier und der gesamte Bundesrat nächtigen im Hotel. Aber an den Wochenenden können auch andere Gästen buchen. Vielleicht doch eine Chance, den Lieblingspolitiker in der Sauna zu treffen? Ein Teil der Parlamentarier verlängert nämlich den Aufenthalt aufs Wochenende. Falls der oder die Gewünschte nicht unter ihnen sein sollte: Der Hoteldirektor schlägt Erlebnisnächte zu Spezialpreisen in den weichen Betten vor, wo sich während der Woche die Politprominenz räkelt. Etwa im Zimmer von Bundesrat Blocher – auf Wunsch auch ohne Bettwäschewechsel.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 20.08.06)

    Na, ich merke schon, sie können sich kaum mehr halten und wollen gleich nächsten Freitag nach Flims, um DAS gleich auszuprobieren, nicht wahr?

    Teuer ist so ein Session jedenfalls nicht. Wenn in Deutschland die Parlamentarische Sommerpause wegen einer Dringlichkeitssitzung unterbrochen werden muss und die 598 Profi-Vollzeit-Parlamentarier aus allen Ecken des Landes anreisen, dann kostet allein dieser Aufwand über eine Millionen Franken. Uns erinnert der diesjährige Schweizer Wanderzirkus ein bisschen an den ewigen Wanderzirkus des Europäischen Parlaments, dass zwischen Brüssel, Luxemburg und Straßburg permanente Ortswechsel gewohnt ist:

    Als symbolischer Sitz wurde sofort nach der Gründung Straßburg festgelegt. Es symbolisiert die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Krieg. Weil es keine Büroflächen gab, wurden die Dienste zunächst in Luxemburg angesiedelt. Doch mit Gründung der EWG 1958 wurde Brüssel als Sitz der Europäischen Kommission bestimmt. Deshalb entwickelte es sich so, dass die Parlamentarischen Ausschüsse dort tagten. Mit dem Vertrag von Maastricht wurde Straßburg als Sitz endgültig bestätigt; diese Klausel wurde im Vertrag von Amsterdam bekräftigt und fehlt auch nicht im aktuell gültigen Vertrag von Nizza.
    Die Gebäude, die das Parlament in den jeweiligen Städten nutzt, wurden von den entsprechenden Staaten gebaut. Das Parlament versucht, sie an den Tagen, an denen sie nicht für Sitzungen gebraucht werden, zu vermieten. Auch der Europäische Bürgerbeauftragte hat seinen Sitz in den Gebäuden in Straßburg.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Warum tagen die Schweizer Parlamentarier nur in vier Sessions?
  • Anders als in Deutschland sind die Politiker in der Schweiz nur während dieser Sitzungsperioden, den Sessionen, tätig, denn:

    Während in den meisten Ländern die Ratsmitglieder ihr Amt als Beruf ausüben, gehen in der Schweiz die meisten Ratsmitglieder daneben noch einem Beruf nach. Die Bundesversammlung ist demzufolge ein Milizparlament oder Halbberufsparlament.
    (Quelle: parlament.ch)

    Warum das so sein mag? Wahrscheinlich ist es billiger? Oder man geht davon aus, dass jemand, der finanziell auf eigenen Füssen zu stehen vermag, nicht so leicht käuflich ist durch die agilen Lobbyisten.

  • Politikern bei der Arbeit zusehen
  • Einen seltenen und vergnüglichen Einblick in Schweiz Politik lieferte 2002 der geniale Dokumentarfilm „Mais im Bundeshuus“:

    Im Zimmer 87 des Bundeshauses trifft sich eine parlamentarische Kommission, die ein Gesetz zur Gentechnik erarbeiten soll. Hinter verschlossenen Türen wird die so genannte „Gen-Lex“ beraten, während draussen geduldig ein Filmteam wartet…
    Der Film ist wie eine Fiktion aufgebaut, verfolgt die Abenteuer dieser Kommission, begleitet die Abgeordneten bei ihrer Arbeit. und zeigt die Ränkespiele in diesen Politthriller. Die Wirtschaftsvertreter und Anhänger dieser revolutionären Technik treffen auf heftigen Widerstand der Gentech-Kritiker, die befürchten, dass alles ausser Kontrolle gerät.
    Im Herbst 2002 wird die umstrittene Vorlage im Parlament behandelt. Die Wandelhallen füllen sich und ein letztes Seilziehen beginnt…
    „Mais im Bundeshuus“ wirft einen Blick hinter die Kulissen schweizerischer Politik, wie es bislang noch kein Filmemacher in Angriff genommen hat. Spannend und witzig zeigt der Film die Machtspiele, aber auch die Grenzen unseres Politsystems. Eine Parabel auf die Macht – nicht nur in der Politik.

    Das solch ein Film in der Schweiz möglich ist, nichts könnte deutlicher zeigen wie offen und volksnah in diesem Land Politik „gemacht“ wird.

    Wir gründen (k)einen Verein — Deutsche im Ausland

    September 7th, 2006
  • Mir hei e Verein (Text & Musik: Mani Matter)
  • Mir hei e Verein, i ghöre derzue
    Und d’Lüt säge: Lue dä ghört o derzue
    Und mängisch ghören i würklech derzue
    Und i sta derzue (…)
    (Quelle: geocities.com)

  • Verein für Deutsche in der Schweiz?
  • Wir bekommen Post von einem Schweizer Journalisten aus Zug, der „über die ’Düütsche’ in der Schweiz berichten will„. Er fragte uns nach den Vereinen, in denen sich die Deutschen in der Schweiz organisiert haben, ähnlich wie die türkischen Kulturvereine, die italienischen oder portugiesischen Vereine, die es in fast jeder Schweizer Stadt zu finden gibt.

    Deutschland hat Goethe-Instituten in 126 Ländern, jedoch keines in der Schweiz. Bisher scheint es nicht notwendig zu sein, die Sprache Goethes und Heines im Heimatland von Gottfried Keller in einem Institut zu unterrichten. Die Tessiner müssen in Bern oder in Zürich woanders Deutsch lernen, bevor sie z. B. Tiermedizin studieren können. Denn diesen Studiengang gibt es in der Schweiz nur „chez les Suisses Totos“.

  • Schweizer Nationalsozialisten
  • Es fallen uns auch nach heftigem Nachdenken keine „Deutschen Vereine“ ein in der Schweiz. Bis auf den letzten Versuch dieser Art, die Schweiz Anhänger der Nationalsozialisten, genannt die „Fröntler“:

    In der Schweiz, insbesondere in der Deutschschweiz, fand der deutsche Nationalsozialismus ab 1933 durchaus einige begeisterte Anhänger, die sich in „Fronten“ zusammenschlossen. Wie in Deutschland erhielt die extreme Rechte Auftrieb durch die ständig wachsende Arbeitslosigkeit. Die Frontenbewegung knüpfte einerseits an die Bürgerwehren an, die sich im Sommer 1919 zur Bekämpfung der Streiks in Basel und Zürich gebildet hatten (antikommunistisch / antisozialistisch), (…).
    So wurde z.B. im Berner Oberland 1925 die Schweizer Heimatwehr gegründet, die – ganz im Stile des deutschen Nationalsozialismus – „den Juden, Freimaurern und der »internationalen Hochfinanz« den Kampf ansagte“.
    (Quelle: geschichte-schweiz.ch)

    Wo versammeln sich die Deutschen in der Schweiz?

  • Treffpunkt Krankenhaus Spital.
  • Besonders in Zürich und in Basel, aber auch in St. Gallen arbeiten Deutsche Mediziner:

    Laut Schätzungen der Verbindung Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) arbeiten bereits rund 2300 deutsche Mediziner jenseits von Rhein und Bodensee. Sie stellen damit fast jeden zwölften Arzt in der Eidgenossenschaft.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 30.08.06)

  • Treffpunkt Schauspielhaus.
  • Das Zürcher Schauspielhaus war schon immer ein besonderer Ort für die Deutschen in der Schweiz:

    Mit Hitlers Machtergreifung änderte sich die Situation grundlegend. Viele Emigranten, Schauspielerinnen und Schauspieler aus Deutschland, wurden von Rieser ins Ensemble aufgenommen, alle waren sie ausdrückliche Gegner des Nationalsozialismus, sie waren Juden und/oder politisch radikale Linke. Hier können nicht alle jene berühmten SchauspielerInnen und Regisseure genannt werden, die damals – und z. T. bis 1945 – in Zürich arbeiteten: Therese Giehse, Grete Heger, Albert Bassermann, Ernst Ginsberg, Wolfgang Langhoff, Kurt Horwitz, Leonard Steckel, Leopold Lindtberg u.v.a. Neben Klassikern spielte Rieser in seinem Theater zahlreiche Zeitstücke, er brachte Uraufführungen so renommierter Autoren wie Else Lasker-Schüler, Ödön von Horváth, Ferdinand Bruckner, Georg Kaiser und Friedrich Wolf heraus. Es war ein kritischer, z. T. kämpferischer Spielplan mit einer explizit antifaschistischen Stossrichtung. Die «Frontisten» in der Schweiz, die die Hitlersche Ideologie des Antisemitismus und Nationalismus übernahmen, entfesselten gegen das Schauspielhaus einen eigentlichen Kulturkampf. Ihre Kampfverbände scheuten vor gewalttätigen Aktionen nicht zurück, so dass bestimmte Aufführungen nur unter Polizeischutz über die Bühne gehen konnten.
    (Quelle: Schauspielhaus.ch)

  • Treffpunkt Deutsches Konsulat in Zürich
  • Das Deutsche Konsulat in Zürich liegt in einer angemietete Wohnung in der Freigutstrasse 15, 8002 Zürich in einem Tiefparterre, nur durch die Panzerglasscheibe und einer Schwarz-Rot-Goldenen Flagge als Deutsches Gebiet zu erkennen. Als wir vor Jahren dort unseren Pass beantragten, sorgte eine einzige Angestellte dafür, dass die Schlange der Wartenden nicht bis auf die Strasse anwuchs. Den Honorarkonsul haben wir an dem Tag nicht gesehen, der kommt nur einmal wöchentlich vorbei in dieses von Krisen und Unruhen geschütteltes Gebiet von Zürich im Kreis 2.

    Damals gab es einen Tischkopierer, der pro Seite ca. 25 Sekunden brauchte, was beim Kopieren von 10 Seiten Antragsformularen die Arbeitsgeschwindigkeit deutscher Bürokratie anschaulich vor Augen führt.

    Ein Deutsches Forum zum Thema Schweiz fand sich auch im Internet unter konsulate.de . Doch scheint es seit März 2006 verwaist. Keine Diskussionen, keine Themen.

  • Treffpunkt WM-Fussballarena auf dem Bellevue
  • Da waren sie dann wirklich gehäuft anzutreffen, die Deutschen in Zürich, und wir beobachteten, wie sie sich gegenseitig beäugten und betrachteten. Denn so ganz glücklich scheinen Deutsche nicht zu sein, wenn sie sich im Ausland treffen.
    Deutsche beim Viertelfinale in Zürich

  • Deutsche auf Mallorca
  • Etwas anderes ist es auf der liebsten Rentnerinsel der Deutschen, natürlich Mallorca. Dort gibt es Deutsche Supermärkte, Kneipen, Bars, jede Menge Ärzte und natürlich Landsleute, die lieber schwachen Filterkaffee als stark gebrannten Kaffee „doble en vaso, con leche“ trinken.

    Dann sahen wir noch dieses Schild in der Englischen Kaderschmiede Cambridge, Hort der Naturwissenschaft und weltweit grösster Produzent von Nobelpreisträgern:
    Freunde in Cambridge

    Es gibt also doch Treffpunkte für Deutsche „Freunde“ im Ausland?