Die Schweiz im Ausnahmezustand (Teil 2) — G8 Treffen Evian 2003
Dezember 20th, 2005Auf der Rückfahrt von den Ferien in Frankreich im Sommer 2003 kamen wir just am grossen G8 Sonntag durch Genf und Lausanne. Die Französisch-Schweizer Grenze war bombastisch bewacht.
Schon lange vor Genf war die letzte französische Péage-Mautstelle an der Autobahn von 12 Polizisten gesichert, die versuchten, einreisende Krawalltouristen abzufangen. An der Grenze selbst standen morgens um 8 Uhr vier verlorene Demonstranten-Ordner neben 20 Polizisten. Auf jeder Brücke über die Autobahn bis nach Lausanne befand sich ein Schweizer Soldat mit Funk und Fernglas. Hubschrauber in der Luft brachten die Politiker vom Flughafen auf die andere Seeseite nach Evian.
Alles war vorhanden, nur keine Demonstranten. Statt der erwarteten 500.000 – 1.000.000 waren nur 20-30.000 gekommen, und die verloren sich in Genf. Was die 200 mitgereisten Autonomen nicht daran hinderten, Sachschaden in Millionenhöhe anzurichten.
In Genf waren alle Banken und Geschäfte mit Brettern verrammelt, McDonalds glich einer Festung, die am Sonntag den BigMac-Verkauf einstellte. Die Demonstranten besprühten die Zäune, Autos gab es auffallend wenig, weil die meisten weit ab in Vororten oder anderswo geparkt wurden. Wer hatte schon Lust, ein verbranntes Wrack am nächsten Tag vorzufinden?
Dramatisch wurde es, als ein paar Aktivisten die Brücke von Aubonne sperrten mit einem Kletterseil, an dem links und rechts Kletterer als menschliche Gewichte über dem Abgrund hingen. Ein Polizist schneidet das Seil durch, wodurch ein Aktivist 20 Meter in die Tiefe stürzt und erst nach einer Stunde mit zahlreichen Brüchen gerettet werden kann. Er überlebte. Das andere Seilende wurde von Demonstranten gerade noch so gehalten, so dass die zweite Aktivistin, die Deutsche Gesine Wenzel, mit 15 Minuten Schrecken über dem Abgrund davon kam. Sie leidet noch heute an posttraumatischen Störungen.
Die ganze Aktion wurde filmisch dokumentiert und kann hier auf der Homepage der Aktivisten angeschaut werden, oder hier direkt ab YouTube:
Später hiess es: Der dazugekommene Polizist habe nicht gehört, dass an dem Seil Menschen befestigt waren. Nun, in der Video-Dokumentation sieht das aber ganz anders aus.
Ein Jahr später, am 28.06.04, findet der Prozess gegen die Aktivisten statt, und sie werden verklagt wegen Störung des öffentlichen Verkehrs (auf der Autobahn) und Gefährdung von Leben der Autofahrer. Der Polizist, der das Seil durchschnitt und damit das Leben der beiden Demonstranten aufs Spiel setzte, wurde „dazumal“ nicht belangt (Quelle).
Erst am 29.01.05 wird entschieden, die beiden verantwortlichen Polizisten wegen „schwerer Körperverletzung aus Nachlässigkeit“ anzuklagen (Quelle).
Die Geschichte von der Aubonne Brücke ist 2 ½ Jahre her und zeigt ein anderes Gesicht der friedlichen Schweiz. Schaut Euch das Video an und bildet Euch selbst eine Meinung.






