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Schweizerdeutsch für Fortgeschrittene (Teil 11) — Plauschen Sie auch so gern?

  • Plauschen beim Fondue
  • Die Schweizer treffen sich oft und gern zum „plauschen„. Ein „Fondueplausch“ ist die Gelegenheit für sie, gemeinsam Fondue zu essen und dabei zu plaudern. Das Wort „Plausch“ ist auch sonst häufig in Gebrauch:

    Wir finden in Google-Schweiz 173.000 Beispiele,

  • Hockey-Plausch:
  • Hier wird Hockey gespielt und nebenher ein Schwätzchen gehalten. Die Schweizer lieben Hockey und sind darin gleich so gut, dass sie dieses Spiel in mehreren Ausführungen spielen, welche man in Deutschland nicht alle kennt.
    a.) Iiis-Hockey (wir erinnern an die ISO-KWM = Eishockey
    b.) Uni-Hockey, auch „Floorball“ genannt, weil es in der Halle gespielt wird und der Ball Löcher hat, um die Luft durchzulassen.
    c.) Feld-Hockey, auf einem Rasenplatz möglich, nur bei gutem Wetter, sonst wird es eine Schlammschlacht.

    Plausch-Turnier: Hier wird dann um die Wette gequatscht bis der Turniersieger feststeht.

    Trotti-Plausch: Keine Ansammlung von Trotteln, die quatschen, auch keine grosse Diskussion auf dem Bürgersteig, dem „Trottoir„, sondern gepflegte Gespräche, die die Schweizer führen, während sie mit einem „Trottinette“= Roller oder Trettroller unterwegs sind. Die Dinger gibt es in der Schweiz auch motorisiert, und es werden regelmässig Rennen damit veranstaltet.
    Motortrotti Rennen
    (Quelle)

    Weissbier-Plausch: Hier reden Biere miteinander, bzw. sie treffen höchstwahrscheinlich ein paar Exil-Bayern an, die über ein Weissbier plauschen.

    Plausch-Olympiade: Und hier werden dann alle Disziplinen des Plausches als Wettbewerb angeboten, 100-Meter-Plausch, Plausch-Weitsprung, Plausch-Hochsprung etc.

  • Gerümpel aus dem Keller holen und damit spielen
  • Wir kennen aus dem Süddeutschen Raum das „Gerümpel-Turnier„, das in der Schweiz zum „Grümpel-Turnier“ mutierte. Wird bei diesen Turnieren erst der Keller gemeinsam vom Gerümpel befreit, bevor man entspannt eine Runde Fussball gegeneinander spielt? Nein, es ist eher das Gerümpel, das selbst auf dem Platz spielt. So wie die Leute aussehen und in Form sind, die da auf solch einem Turnier gegeneinander antreten, ganz ohne Ziel und Zweck, einfach nur aus Spass an der Freud.

  • Es streng haben
  • Und wenn es mal kein Plausch ist, den die Schweizer haben, dann greifen sie gleich in die Sado-Maso-Utensilienkiste und fragen: „Na, hast Du es auch streng gehabt„?
    Das erinnert an den „strengen“ Lehrer in der Schule, das „strenge“ Elternhaus, das uns immer daran hinderte, „über die Stränge zu schlagen„. Es ist sozusagen das absolute Gegenteil von „Plausch haben“: „Es streng haben„.

    „S’isch streng gsii“ würde ein Schweizer sagen, wenn er sich am Wochenende keine Ruhe, keinen Plausch gegönnt hat. Auch im Fitnessstudio wird nach einer Aerobic-Stunde, die nur noch „Group-Fitness“ genannt werden darf, über den Drillsergeant gesagt: „Der war jetzt mega streng„. Dabei konnte er garantiert auf die Peitsche beim Training verzichten. „Streng“ kommt für die Schweizer schlichtweg von „an-streng-end“ und hat mit Zucht und Ordnung, Rohrstock oder dem erhobenen Zeigefinger des Lehrers nichts zu tun.

    

    15 Responses to “Schweizerdeutsch für Fortgeschrittene (Teil 11) — Plauschen Sie auch so gern?”

    1. Martin Says:

      Hallo Jens,
      toll, wieder mal wirklich lustig und informativ gleichzeitig, dein Blog heute. 🙂

      Eine kleine Ergänzung:
      Nicht nur, dass Schweizer alle nur erdenklichen Arten von Plauschen (oder Pläuschen?) kennen, nein, manchmal besitzen sie auch
      den(Universal-)Plausch überhaupt.
      (Beispiele, ). Z.B. „ich habe den plausch an meiner Kantonsfahne“, „Hatten total den Plausch“ oder „Der Lohn ist nicht so wichtig, Hauptsache, ich habe den Plausch.“

      Grusss aus ZH-Hardquartier von einem Ex-Braunschweiger,
      Martin

    2. Daniel Says:

      Hier in der Ostschweiz kommt mir auch immer wieder der Spaghetti-Plausch unter. Ich bin sogar schon mal bei einem gewesen, und das war gar nicht streng, sondern uuuu läss… 😉 Immer weiter so, Jens, es gibt noch viele Eigenheiten und Mysterien unserer eidgenössischen Freunde zu erkunden…

    3. reidan Says:

      Als ich von Zürich in die Innerschweiz umgezogen bin, wurde ich mit einer für mich als St. Galler Oberländer neuen Bedeutung des Wortes „streng“ konfrontiert:

      Frage: „Wie streng muess d Spitex (ambulante Krankenbetreuung) cho?“
      Antwort: „Jede Tag!“.

      streng ~ oft = strange (strëinsch).

    4. ichbins Says:

      „Grusss aus ZH-Hardquartier von einem Ex-Braunschweiger“

      Hallo Martin.

      Ja das Quartier kenn ich nur zu gut 😉

    5. Phipu Says:

      Im Zusammenhang mit „Plausch“ gibt es nebst dem Verb „plausche“ auch „plöischle“ (schreib etwa verhochdeutscht: „pläuscheln“). Damit ändert sich jedoch der Sinn der Aussage.

      z.B.
      „mer händ nöd richtig tschuttet; nu e chli umeplöischlet“ = wir haben nicht richtig Fussball gespielt; nur ein wenig umhergekickt. Sogar das gibt’s in Google! http://www.google.ch/search?hl=de&q=pl%C3%A4uschle&btnG=Suche&meta=

      „pläuscheln“ würde ich je nach Umfeld mit der deutschen Aussage „sich amüsieren/etwas nicht ernsthaft tun“ übersetzen. Nicht aber „an einen Vergnügungsanlass gehen/sich freuen“.

      „ich gange an Fondue-Plausch“ = Ich gehe zum Fondue-Vergnügungsanlass
      „im Europapark hämmer schaurig de Plausch gha“ = im Europapark haben wir uns köstlich amüsiert (wörtlich übersetzt: … hatten wir unglaubliches Vergnügen)
      „A dim Wiehnachtsgschänk han ich schaurig de Plausch gha!“ = über dein Weihnachtsgeschenk habe ich mich ausserordentlich gefreut! (wörtlich: an … hatte ich ausserordentliche Freude!)

      An Martin:
      Die Mehrzahl von „de Plausch“ wird „d’Plöisch“ ausgesprochen. Im Schriftdeutsch-Transkript würde ich es also mit „die Pläusche“ übertragen.

      An Reidan, Jens :
      Je weiter westlich, um so mehr skurrile Bedeutungen von „streng“ Etwas sich wiederholendes „streng“ (häufig) tun, kennen wir nun. (Wenig Zusammenhang mit „an-streng-end“)

      Zumindest auf Berndeutsch kann etwas auch „streng gehen“.
      „d’Türfaue geit afe chlei sträng, i muess se äuä de wieder öle“ = Die Türfalle/Türklinke bewegt sich allmählich ein wenig harzig, ich muss sie wohl bald wieder ölen.
      Wenn etwas „streng geht“, handelt es sich also um etwas mechanisches, das harzt. (… das eben auch nur mit An-„streng“-ung bewegt werden kann)

    6. geissenpeter Says:

      @Phipu: Zu deinem letzten Eintrag muss ich hinzufügen, dass – wie ich hier sehr schnell herausgefunden habe- „es harzt“ auch schweizerisch ist und hier von niemandem verstanden wird 🙂 Grüsse aus Hamburg! G.

    7. Administrator Says:

      Hallo Geissenpeter,
      seit Harz IV versteht das jeder.
      Im Ernst: der Harz ist bekannt, in Harz gefasst hat jeder, der schon mal im Wald war, und „es harzt“ dürfte auch Deutschlandweit bekannt sein.
      Gruss, Jens

    8. Administrator Says:

      „Es harzt“ hat http://www.google.ch/search?hl=de&q=%22es+harzt%22&meta=
      244 Einträge in Google, die meisten in der Schweiz, aber auch in .de
      Gruss, Jens

    9. Phipu Says:

      Hallo Geissenpeter und Jens

      Danke für den Hinweis hin, und danke für den Hinweis her. Auf eure Reaktionen hin suchte ich nach einem Synonym für „es harzt“, und hier bin ich gelandet: http://wortschatz.uni-leipzig.de/index_js.html Versucht nun, „harzen“, danach „harzig“ und „harzt“ zuoberst einzugeben. Oft findet man erst bei „weitere Beispiele“ den Sinn, den ich meine.

      Daraus schliesse ich, dass mein Sinn vermutlich nur bis zu der imaginären Sprachgrenze verstanden wird, die „Weindorf/Italien-Raum“ von „Fischmarkt-Region“ trennt; kurz, wird nur im Süden verstanden. (Vielleicht gibt es ja in Deutschland einen ähnlich schönen Ausdruck wie der „Röstigraben“, der diese beiden Kulturen trennt)

      Eigentlich meinte ich ja nur „schwergängig“ (streng-gängig!!!)

      Im ganzen deutschen Sprachraum versteht man übrigens „streng riechen“ und „einen strengen Winter“, (hab‘ ich vorsichtshalber bei Google abgefragt), was ja auch nicht gerade dem ursprünglichen Sinn von „streng“ entspricht.

    10. geissenpeter Says:

      Hallo Jens und Phipu,
      wenn ich in Hamburg „es harzt“ sage, werde ich ausgelacht. Ist mir zweimal passiert, musste zweimal erklären, was ich damit meine, seither sag ichs nicht mehr 🙂
      Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur an die Falschen geraten…

    11. Administrator Says:

      Haben die da keine Tannenbäume? „Ssstehen“ alle auf „sspizzen Sssteinen“ und lachen über griffige Redewendungen aus dem Süden … traurig traurig, die Kultur dieser Hamburger, kein Wunder das sie bei McDonalds verkauft werden

      Gruss, Jens

    12. Phipu Says:

      Eben kam mir noch der Ausdruck „hert ha“ (wörtlich „hart haben“) in den Sinn als Ergänzung für „schwer gehen“ oder „klemmen“ Beispiel: „die Türe het afe e cheli hert“ (Diese Tür geht nunmehr etwas schwer). Auch wenn das nun nichts mehr mit „streng“ zu tun hat, mag das euer Dialekt-Vokabular erweitern.

    13. Sylvie Says:

      @geissenpeter und Jens

      Selbstverständlich kennt man in Hamburg den Ausdruck „das Holz harzt“, aber nicht im Schweizerischen Sinne.

    14. Gizmo Says:

      es harzt ist im Norden unbekannt, es klemmt dürfte in etwa die Bedeutung treffen…

    15. Diti Says:

      Letztens war ich in ner Turnhalle wo da am Eingang stand: „Harzverbot“ undhabe damit auch erstmal Harz IV assoziiert 😉

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