Der magische Papierkorb in Bülach

Januar 24th, 2006
  • Der unsichtbare Papierkorb
  • In unserer geliebten Wahlheimat Bülach, auf dem Mitarbeiter-Parkplatz der Firma Landert, gibt es seit einigen Monaten ein höchst interessantes „magisches“ Phänomen zu bewundern. Früher stand an dieser Stelle auf privatem Grund ein hundsgemeiner Papierkorb. Dann kam irgendwann ein Magier vorbei und hat diesen Papierkorb einfach verzaubert, und fortan ward er unsichtbar.
    Der unsichtbare Papierkorb auf dem Landert-Parkplatz:
    Der unsichtbare Papierkorb

  • Magisch begabte Personen
  • Wenn ein Papierkorb nicht mehr sichtbar ist, wird er von Bürgern ohne magischer Begabung nicht mehr gesehen und folglich auch nicht mehr genutzt. Nicht so in Bülach. Hier gibt es eine extrem hohe Anzahl an magisch begabten Personen, die diesen Papierkorb immer noch sehen können, und dann versuchen, Müll in ihm zu deponieren. Vorzugweise Robidog-Beutel, sorgsam verknotet, landen in diesem Papierkorb. Nur ist das mit dem richtigen Zielen so eine Sache. Wahrscheinlich haben magisch begabte Personen schon recht lange nicht mehr ihre obligatorische Schiesspflicht ausgeübt, denn Zielen scheint irgendwie nicht ihr Ding zu sein. Weil der Papierkorb unsichtbar ist, fallen manche Beutel einfach daneben und bleiben dort liegen. Viele Tage lang, viele Wochen lang, bis es immer mehr und mehr werden und sich eines Tages ein Zauberer erbarmt und diesen unsichtbaren Papierkorb mit einem magischen Fingerschnipsen wieder leert, mitsamt des Unrats um ihn herum.

  • Aufruf an alle Magier!
  • Wir sind fasziniert von diesem Schauspiel, von den magischen Fähigkeiten der anderen Papierkorbbenutzer. Denn wir sehen das Ding einfach nicht, so sehr wir uns auch anstrengen, und nehmen unseren Robidog-Beutel brav mit bis zum Robidog Hundebriefkasten um die Ecke am Bahndamm, keine 150 Meter entfernt, bei der Firma Landert.
    Hundebriefkasten
    Vielleicht könnte man den Zauber des unsichtbaren Papierkorbs ja noch ausbauen, und einen „Verschwindezauber“ für den Müll am Fusse des Papierkorbes hinzufügen. Also falls Sie, lieber Leser, zufällig auch über magische Fähigkeiten verfügen, bitten wir Sie inständig, diese doch zur Verbesserung der Sauberkeit in der Stadt Bülach zu nutzen, und diesen Verschwindezauber hier zur Anwendung zu bringen.

    Falls nicht, dann bleibt uns wohl nur, weiterhin den Müll aufzuheben und ihn in den für alle sichtbaren Papierkorb, z. B. an der Ecke Winterthurerstrasse/Sonnmatt-Strasse einzuwerfen.
    Sichtbarer Papierkorb Ecke Winterthurer/Sonnmattstrasse

    Wo gibt es hier denn Elche? — Wenn die Schweiz in Schweden ist

    Januar 23rd, 2006
  • Der Koch der Muppetshow kommt nicht aus Switzerland
  • Schweizer im Ausland haben ein Problem: Ihr Heimatland ist so schrecklich klein. Auf einem Globus ist es kaum zu sehen, und selbst auf einer Europakarte muss man es suchen. Dann sind da noch die verdammten Anfangsbuchstaben. Die Schweiz heisst auf Englisch „Switzerland“ und das fängt mit zwei exotischen Konsonanten hintereinander an: „SW-. Leider tun das die Namen von zwei anderen Ländern auch, so zum Beispiel „Sweden“. Und das kennt die Welt, besonders die amerikanische Welt. Denn einen Schweden gab es schon in der Muppet-Show, nämlich den Koch, der immer „Smörebröd, Smörebröd“ vor sich herbrummelte. Also wird die Schweiz wegen der gleichen Anfangsbuchstaben von den meisten Amis kurzerhand nach Schweden befördert.

  • „Switzerland is not Sweden“
  • Sie werden es kaum glauben, aber für diesen merkwürdigen Satz, sogar mit den Anführungszeichen drum herum, gibt es bei Google 280 Belege

    Das bedeutet schlichtweg, dass 280 Mal an diversen Stellen im Internet ein armer Auslandsschweizer sich genötigt sah, seinen neuen Freunden zu erklären, dass die Schweiz nicht das Land ist, aus dem der Koch der Muppet-Show kommt und in dem man Elche treffen kann.
    Wir warnen vor dem Elch in der Schweiz

    Elche gibt es auch im Schwarzwald (siehe Schwarzwaldelch von SWR3), aber nicht so weit im Süden, wie die Schweiz liegt.
    Schwarzwaldelch unterwegs

    Hier die Aussage einer Kanada-Schweizerin, die Mühe hat, ihren Wohnort zu erklären:

    It seems for some strange reason, that whenever I say that I live in Switzerland, I’m asked how I like living in Sweden. Switzerland is not Sweden…so please quit asking me that!
    (Quelle:)

    Und die eines Schweizers, der das mit „Schweiz ungleich Schweden“ erklären muss:

    Switzerland is NOT!!!! Sweden… Sweden is a country in northern Europe… Switzerland is famous for cheese, mountains, watchs, chocos…what more? ;)) but believe me there are lots of other things in Switzerland as well…Not everywhere in Switzerland are mountains!!! I don’t live in the mountains..: (and there are also very beautiful lakes and landscapes in Switzerland.)
    (Quelle:)

  • From Swaziland to Switzerland
  • Es gibt noch ein Land, das mit den Konsonanten SW- anfängt und so ähnlich heisst wie die Schweiz: „Swaziland“. Hier sind schon drei Konsonanten in der richtigen Reihenfolge sowie ein „–land“ vorhanden: „S-w-z-land“ Als ich mich einmal für eine Prüfung beim amerikanischen Online-Prüfungsanbieter PEARSON-VUE an einem Sonntag anmelden wollte, wählte ich die kostenlose Hotline in den U.S.A. Bei der Frage: „Which Country are you calling from?“ sagte ich gut gelaunt und nichts Böses ahnend: „Switzerland!“ Es wurde mir prompt „Swaziland? That’s fine…“ geantwortet.

    Seitdem kann ich die Probleme der Schweizer verstehen, wenn sie im Ausland erklären müssen: „Switzerland is not Swaziland and not Sweden“. Ich erhöhte das Weltwissen der freundlichen Telefondame von Pearson-Vue, in dem ich sie darüber aufklärte, dass die Entfernung von Swaziland nach Switzerland nur knapp 8.470 Km beträgt (Quelle:), also praktisch ungefähr die Distanz, die sie auch für ein Wochenende zum Skifahren in Colorado in den Rocky Mountains zurücklegt.

    Flagge von Swaziland:
    Flagge von Swaziland

    Flagge von Schweden
    Flagge von Schweden

    Merke! Die Flagge der Schweiz zeigt ein Kreuz, und sie ist Weiss und Rot!
    Flagge der Schweiz:
    Flagge der Schweiz

    Schweizer Flagge

    Was Schweizer gerne essen (Teil 6) — Chüngeliragout

    Januar 22nd, 2006
  • Kein Klüngel um den Chüngel
  • In Köln, da gibt es den Kölschen Klüngel. An den mussten wir denken, als wir in der Schweiz zum ersten Mal das Wort „Chüngel“ oder „Küngel“ hörten:

    Kölner Klüngel, intern auch „Kölsche Klüngel“ genannt, bezeichnet (tendenziell verharmlosend) ein System auf Gegenseitigkeit beruhender Hilfeleistungen und Gefälligkeiten, das zur Vermischung von gesellschaftlichen, politischen und industriellen Interessen führt. Der Begriff Klüngel datiert aus dem 19. Jahrhundert. Er stand ursprünglich für ein Faden- oder Zwirnknäuel. (Quelle Wiki).

    In der Schweiz schreibt sich das Wort meist mit „CH“, wie denn sonst, steht ja extra hinten auf jedem Auto drauf, und spricht sich, je nach Gegend mit Rachen-Kratz-Laut wie „Chinsgi“ oder mit „K“ wie in Klünkelskerl. Der wiederum ist in meiner Heimat, dem Ruhrpott, der Alteisen-Einsammler:

    Besonders im Ruhrgebiet fuhren früher Leute mit ihrem Karren oder Wagen durch die Straßen und sammelten altes Metall ein. Sie nennt man Klüngelskerl oder auch Klüngelspit. Für das Metall gab es ein paar Pfennige. Meist bekamen diese die Kinder um sich Bonbons zu kaufen. Der Klüngelskerl wiederum brachte das alte Metall zu einem Wertstoffhof. Er macht durch einen „Vogelgesang“ (ähnlich der Melodie eines Eiswagens, nur sehr viel unmelodischer) auf sich aufmerksam. Zu bestimmten Tagen in der Woche wurden bestimmte Straßenzüge abgefahren. (Quelle Wiki)

    Doch kommen wir endlich zum Chüngel! Google-Schweiz weist 12’400Treffer dafür. Es ist bei den Schweizern kein Klüngel und kein Altwarenhändler sondern ein kleines putziges Tierchen, dass die Schweizer auch gern als Ragout oder im Topf verspeisen. Nein, keine Katze und kein Mehrschweinchen, sondern ein Kaninchen:
    Chüngeli oder Küngeli ist ein Kaninchen
    Hmm, irgendwie kriegen wir jetzt Hunger! Dazu passend also gleich das Rezept für den Chüngeli-Topf

    Wie gesagt, die Chüngeli dürfen sich auch mit K schreiben als Küngeli, dann leben sie in einem K-Z-V = Küngeli Züchter Verein wie dem KZV Nottiswil. Es soll Zeiten gegeben haben, da war die Mitgliedschaft in einem Verein, der den Buchstaben „K“ in der Abkürzung enthält, für Deutsche ein Hindernis bei der Einreise in die USA. Zum Glück ist das heute vorbei. Solange sie keine Witze über ne Bombe im Handgepäck machen, dürfen sie Mitglied sein wo immer so wollen.

    Tausendmal berührt — Den Lastwagen touchiert

    Januar 21st, 2006
  • Lastwagen touchiert
  • Lastwagen touchiert. Treffer -- versenkt
    Quelle: Tages-Anzeiger vom 11.01.06 S. 17
    Und wieder fuhr der Lenker ganz alleine weiter, ganz ohne Fahrer am Steuer, aber nicht mehr unfehlbar.

  • Tausendmal berührt — tausendmal nichts gespürt
  • Diesmal sind wir seelisch und moralisch gestärkt durch die Diskussion um den „Tätschmeister“ und das „touch-me“.
    Der Duden drückt aus, was wir vermuten:

    tou|chie|ren [, …] . V.; [frz. toucher = berühren, befühlen. afrz. touchier, urspr. lautm.]:1. (bes. Sport) berühren (1): ein Hindernis t.; Er touchierte die Leitplanke auf der Gegenfahrbahn (NZZ 30. 8. 86, 7); das Pferd touchierte das letzte Hindernis, aber die Stange blieb liegen; den Gegner mit der Klinge, die Billardkugel mit der Queue touchieren; Übertragung: Auch wenn die Zwei-Prozent-Marke touchiert wird, verbirgt sich dahinter kein Aufflackern der Inflation (Capital 9, 1997, 107).
    Quelle: www.duden.ch

  • Im Land der „Ieren“
    Wir leben im Land der „Ieren„, zwar nur mit einem „r“ aber mit langem „ie“ wie in den Verben auf „-ieren“ am Ende:

    parkieren
    touchieren
    foutieren
    goutieren
    sistieren
    plafonieren


    Unser Rat an alle Deutschen, die einen Umzug in der Schweiz planen:
    a. Macht vorher noch mal schnell einen Französischkurs.
    b. Kauft Euch unbedingt ein gutes Fremdwörterlexikon.
    c. Fragt im Bedarfsfall einfach die Schweizer, die wissen zum Glück alle immer ganz genau und sofort, was „sistieren“ und die anderen -ieren Wörter bedeuten.

  • Kommen Sie auch aus einem anderen Kulturkreis?

    Januar 20th, 2006
  • Leben in einem anderen Kulturkreis
  • Zum ersten Mal hörten wir den Satz: „Sie kommen ja aus einem ganz anderen Kulturkreis“ von einem Schweizer Primarschullehrer. Er wurde ohne Ironie und Hintergedanken vorgebracht, jedenfalls war kein spöttischer Unterton und kein Zucken im Mundwinkel des Sprechers festzustellen.

    Wir waren baff, wir hielten dies für einen Joke, den wir nicht verstanden. Doch später hörten wir diesen Satz immer wieder. So zum Beispiel in einer Diskussionsrunde der Sendung „Arena“, in der echte Schweizer „Streitkultur“ gepflegt wird:
    • Alle dürfen ausreden.
    • Keiner wird laut oder ausfallend.
    • Nie würde jemand einem anderen ins Wort fallen.
    • Selbstverständlich wird nur Schwiitzerdütsch gesprochen.

    Denn auf die 1.7 Millionen Nicht-Schweizer im Land braucht hier niemand Rücksicht zu nehmen. Bei den deutschen Zuschauern geht man davon aus, dass sie alles verstehen. Aber das Tempo der Diskussion ist angenehm schnell. Auf der ARENA-Website von SF1 gibt es für die nur Hochdeutsch Verstehenden eine Zusammenfassung der Diskussionsbeiträge auf Schriftdeutsch:
    Sendung vom 06.01.06

  • Ein anderer Kulturkreis
  • Ist die Schweiz wirklich ein „anderer Kulturkreis“? Oder definiert sie sich einfach nur so? Als Abgrenzung zum „Kulturkreis Europa“? Je häufiger wir diesen Satz hören, desto mehr sind wir davon überzeugt, dass er nicht als Witz sondern sehr ernst gemeint wird.

    In unserem Kulturkreis, da fressen sie noch Hunde, zur winterkalten Stunde.

    Dieses Zitat fällt uns ein, dessen Ursprung nicht mehr feststellbar ist (es findet sich in abgewandelter Form in einem Liedtext von Rainald Grebe).

    Wenn das benachbarte Baden-Württemberg schon ein „anderer Kulturkreis“ sein soll, wie fremd müssen sich dann Menschen aus Afrika oder Asien in der Schweiz fühlen.

    Sicherlich gibt es grosse Mentalitätsunterschiede zwischen den Schweizern und Deutschen, aber sind dies Unterschiede schon Grundlage genug, von einem „anderen Kulturkreis“ zu sprechen? Wir glauben, dass die Gräben innerhalb Deutschlands zwischen Ost und West, zwischen den „Ossies“ mit 40 Jahren SED-Diktatur als Lebenserfahrung, und den „Wessies“ die oft als „Besser-Wessies“ bespöttelt werden, mindestens genauso gross, wenn nicht grösser sind. Oder zwischen dem tiefsten Bayern, Oberschwaben und den kühlen Hanseaten aus Bremen und Hamburg. Dennoch teilen wir Deutschland nicht in Kulturkreise auf. Lasst uns nicht von Kreisen reden, sondern von Gräben. Und lasst uns fleissig weiter Brücken über diese Gräben bauen!