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Was Schweizer gerne essen (Teil 6) — Chüngeliragout

  • Kein Klüngel um den Chüngel
  • In Köln, da gibt es den Kölschen Klüngel. An den mussten wir denken, als wir in der Schweiz zum ersten Mal das Wort „Chüngel“ oder „Küngel“ hörten:

    Kölner Klüngel, intern auch „Kölsche Klüngel“ genannt, bezeichnet (tendenziell verharmlosend) ein System auf Gegenseitigkeit beruhender Hilfeleistungen und Gefälligkeiten, das zur Vermischung von gesellschaftlichen, politischen und industriellen Interessen führt. Der Begriff Klüngel datiert aus dem 19. Jahrhundert. Er stand ursprünglich für ein Faden- oder Zwirnknäuel. (Quelle Wiki).

    In der Schweiz schreibt sich das Wort meist mit „CH“, wie denn sonst, steht ja extra hinten auf jedem Auto drauf, und spricht sich, je nach Gegend mit Rachen-Kratz-Laut wie „Chinsgi“ oder mit „K“ wie in Klünkelskerl. Der wiederum ist in meiner Heimat, dem Ruhrpott, der Alteisen-Einsammler:

    Besonders im Ruhrgebiet fuhren früher Leute mit ihrem Karren oder Wagen durch die Straßen und sammelten altes Metall ein. Sie nennt man Klüngelskerl oder auch Klüngelspit. Für das Metall gab es ein paar Pfennige. Meist bekamen diese die Kinder um sich Bonbons zu kaufen. Der Klüngelskerl wiederum brachte das alte Metall zu einem Wertstoffhof. Er macht durch einen „Vogelgesang“ (ähnlich der Melodie eines Eiswagens, nur sehr viel unmelodischer) auf sich aufmerksam. Zu bestimmten Tagen in der Woche wurden bestimmte Straßenzüge abgefahren. (Quelle Wiki)

    Doch kommen wir endlich zum Chüngel! Google-Schweiz weist 12’400Treffer dafür. Es ist bei den Schweizern kein Klüngel und kein Altwarenhändler sondern ein kleines putziges Tierchen, dass die Schweizer auch gern als Ragout oder im Topf verspeisen. Nein, keine Katze und kein Mehrschweinchen, sondern ein Kaninchen:
    Chüngeli oder Küngeli ist ein Kaninchen
    Hmm, irgendwie kriegen wir jetzt Hunger! Dazu passend also gleich das Rezept für den Chüngeli-Topf

    Wie gesagt, die Chüngeli dürfen sich auch mit K schreiben als Küngeli, dann leben sie in einem K-Z-V = Küngeli Züchter Verein wie dem KZV Nottiswil. Es soll Zeiten gegeben haben, da war die Mitgliedschaft in einem Verein, der den Buchstaben „K“ in der Abkürzung enthält, für Deutsche ein Hindernis bei der Einreise in die USA. Zum Glück ist das heute vorbei. Solange sie keine Witze über ne Bombe im Handgepäck machen, dürfen sie Mitglied sein wo immer so wollen.

    

    16 Responses to “Was Schweizer gerne essen (Teil 6) — Chüngeliragout”

    1. leu Says:

      Da hab ich einen mentalen Blocker. Mir kommt kein Chüngel ins Teller!

    2. rogerrabbit Says:

      Beim nächsten Kauf eines Chüngelschlegels denke ich an das putzige Foto.
      lecker
      😉

    3. HalbCH/HalbD Says:

      Ich vermute, wir könnten jetzt mit der Diskussion vom Pferdesteak weitermachen…
      🙂

    4. daniela aspali Says:

      dieses herzige tierchen auf dem foto ist gar kein chüngel sondern ein junger haase.das sind die, die sofort nach der geburt die augen aufmachen und davonrennen können! nestflüchter! so oder so, ich bin vegetarierin.

      ich lese deinen blog sehr gerne
      mitlieben grüssen
      dan

    5. Administrator Says:

      @Daniela
      Dann haben die Leute vom Veterinäramt der Stadt Wien wohl keine Ahnung, was ein Hase und was ein Kaninchen ist, denn von dort habe ich das Foto:
      http://www.wien.gv.at/veterinaer/tierschutz/heimtiere
      Guck es Dir selbst an

      Gruss, Jens

    6. Phipu Says:

      Ein typisches Gericht im Tessin (und angrenzenden Regionen) ist Kaninchen mit Polenta. Auf italienisch heisst Kaninchen übrigens „coniglio“ (sprich „co-NIL-lio“) Irgendwie scheint mir, „Chüngel“ sei eher mit diesem Wort als mit „Kaninchen“ verwandt.

      Ein Rezept für „coniglio con polenta“:
      http://home.balcab.ch/r.l.sperandio/rezept_381.html

      E Guete:
      http://www.7bello.ch/2003ticino/k_Coniglio%20con%20Polenta.html

    7. anna Says:

      KZV ist meines wissens oft nicht nur der Küngelizüchterverein, sondern der Kleintierzüchterverein:-). Aber dein Link ist süss, „Rabbit Grow Association“ *lol*.

    8. qsi Says:

      In Bern und umgebung wird das Kaninchen Chüngu genannt was bei Google sogar 1’590 Ergebnisse bringt…

    9. Administrator Says:

      @qsi
      Du hast recht, es gibt 1.590 Treffer, aber die wenigsten haben wirklich was mit „Kaninchen“ zu tun, sondern beziehen sich auf Kosenamen, Spitznamen, Usernamen etc. die sich alle so nennen.
      Scheint beliebt zu sein in Bern, sich selbst zum Langohr-Hoppeltier zu machen. Wenn wir gerade beim Thema sind: Wie sagst Du eigentlich auf Berndeutsch „Känguru“? Oder „kleines Känguru“?
      Gruss, Jens

    10. qsi Says:

      @administrator
      Ein Känguru ist auch in Bern ein Känguru. Einem kleinen Känguru sage ich „es chlises Känguru“ wobei der i ein wenig gedehnt wird. Wieso kommst du auf diese Frage?

    11. Peter Gloor Says:

      So komisch ist der Chüngel (Berndeutsch: Chüngu, bei uns Chünu)
      denn doch nicht.
      Das italiensiche Coniglio oder spanische Conejo ist ja auch nicht so viel davon entfernt, irgendwie näher als das Kaninchen.

    12. Peter Gloor Says:

      Hat eigentlich jemand erwähnt, das der Chüngel auch zum Verb werden kann bei uns?
      „Was hesch do wider g’chüngelet ?“
      sagt man, wenn jemand etwas gebastelt hat, das nicht allzu professionell ist.

    13. Gizmo Says:

      vielleicht kommt kanin chen ja auch von canine (der Zahn) verniedlicht dann das zähnchen… jedenfalls haben die nager ja vorne prominente zähnchen…

    14. Schnägge Says:

      @ Jens: Bei uns wird nicht geklüngelt sondern gekungelt, was aber ungefähr auf dasselbe hinausläuft. Keine Ahnung, woher das Wort kommt und ob es was mit Karnickeln zu tun hat…

    15. Ostwestfale Says:

      Wikipedia meint zur Herkunft des Begriffs Kaninchen:
      „Der Begriff Kaninchen kommt über das altfranzösische „connin“ aus dem lateinischen Wort „cuniculus“, was sowohl Kaninchen als auch „unterirdischer Gang“ oder „Höhle“ bedeutet.

      Das deutsche „Kaninchen“ kommt dann wohl aus dem altfranzösischen „connin“ während das schweizer „Chüngel“ wohl eher vom lateinischen „cuniculus“ abstammt. So erscheint mir das zumindest.

    16. Mareike Says:

      Da sucht man nach einem Rezept für Kaninchen und findet eine Diskussion über die Entstehung des Wortes. Ich persönlich finde ja, dass es schade ist, dass man das Wort „Kanin“ nicht mehr verwendet, wo es doch einfach die große oder ausgewachsene Form eines Kaninchens wäre. Da man aber nicht mehr genau sagen kann, ob es eher von „connin“ oder von „cuniculus“ stammt, würde ich sagen, dass „Chüngel“ einfach eine ursprünglichere Form ist! 😀

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