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Der magische Papierkorb in Bülach

  • Der unsichtbare Papierkorb
  • In unserer geliebten Wahlheimat Bülach, auf dem Mitarbeiter-Parkplatz der Firma Landert, gibt es seit einigen Monaten ein höchst interessantes „magisches“ Phänomen zu bewundern. Früher stand an dieser Stelle auf privatem Grund ein hundsgemeiner Papierkorb. Dann kam irgendwann ein Magier vorbei und hat diesen Papierkorb einfach verzaubert, und fortan ward er unsichtbar.
    Der unsichtbare Papierkorb auf dem Landert-Parkplatz:
    Der unsichtbare Papierkorb

  • Magisch begabte Personen
  • Wenn ein Papierkorb nicht mehr sichtbar ist, wird er von Bürgern ohne magischer Begabung nicht mehr gesehen und folglich auch nicht mehr genutzt. Nicht so in Bülach. Hier gibt es eine extrem hohe Anzahl an magisch begabten Personen, die diesen Papierkorb immer noch sehen können, und dann versuchen, Müll in ihm zu deponieren. Vorzugweise Robidog-Beutel, sorgsam verknotet, landen in diesem Papierkorb. Nur ist das mit dem richtigen Zielen so eine Sache. Wahrscheinlich haben magisch begabte Personen schon recht lange nicht mehr ihre obligatorische Schiesspflicht ausgeübt, denn Zielen scheint irgendwie nicht ihr Ding zu sein. Weil der Papierkorb unsichtbar ist, fallen manche Beutel einfach daneben und bleiben dort liegen. Viele Tage lang, viele Wochen lang, bis es immer mehr und mehr werden und sich eines Tages ein Zauberer erbarmt und diesen unsichtbaren Papierkorb mit einem magischen Fingerschnipsen wieder leert, mitsamt des Unrats um ihn herum.

  • Aufruf an alle Magier!
  • Wir sind fasziniert von diesem Schauspiel, von den magischen Fähigkeiten der anderen Papierkorbbenutzer. Denn wir sehen das Ding einfach nicht, so sehr wir uns auch anstrengen, und nehmen unseren Robidog-Beutel brav mit bis zum Robidog Hundebriefkasten um die Ecke am Bahndamm, keine 150 Meter entfernt, bei der Firma Landert.
    Hundebriefkasten
    Vielleicht könnte man den Zauber des unsichtbaren Papierkorbs ja noch ausbauen, und einen „Verschwindezauber“ für den Müll am Fusse des Papierkorbes hinzufügen. Also falls Sie, lieber Leser, zufällig auch über magische Fähigkeiten verfügen, bitten wir Sie inständig, diese doch zur Verbesserung der Sauberkeit in der Stadt Bülach zu nutzen, und diesen Verschwindezauber hier zur Anwendung zu bringen.

    Falls nicht, dann bleibt uns wohl nur, weiterhin den Müll aufzuheben und ihn in den für alle sichtbaren Papierkorb, z. B. an der Ecke Winterthurerstrasse/Sonnmatt-Strasse einzuwerfen.
    Sichtbarer Papierkorb Ecke Winterthurer/Sonnmattstrasse

    

    18 Responses to “Der magische Papierkorb in Bülach”

    1. Narrenkönig Says:

      Das ist kein Zauber! Das ist Direkte Demokratie in ihrer Reinst- und Urform. Wir Schweizer teilen damit dem Bauamt mit, wo unseres Erachtens der Abfalleimer stehen sollte: jedes Abfallteil das dort liegt ist eine Wählerstimme 😀

    2. Cruschti Says:

      Früher haben einige Leute noch den gesamten Kehrricht in den Wald geschaufelt, um nicht Kehrrichtgebühren bezahlen zu müssen. Auch standen ganze Kühlschränke im Wald *G*. Wenns ums Sparen geht, da sind die Schweizer einsame Klasse *G*.

    3. Dan Says:

      @Narrenkoenig
      ich lebe in Kreis 4 und jeden dritten Morgen steht ein alter Fernseher oder ein altes Sofa in unserer Hofdurchfahrt meist mit dem Zettel „Zum Mitnehmen“ und ein paar Herzchen drauf. Ich habe gedacht nur ein extrem unterbegabter Zugezogener versteht nicht, dass es fuer Sperrmuell andere Wege in Zuerich gibt als die Hofdurchfahrt. Aber jetzt verstehe ich, es ist ein Statement gegenueber der Stadt dort eine Sammelstelle einzurichten. Kann ich leider nicht unterstuetzen, bin kein Stimmbuerger.

    4. Andreas Says:

      Immer diese Muggel. Ein permanenter Verschwindezauber bei einem unsichtbaren Mülleimer wäre viel zu gefährlich.

    5. Harry.R Says:

      Ein älterer Herr aus Zürich erzählte mir vor kurzem, dass seine Tochter in der Romandie lebe, da es dort noch den guten alten Sperrmüll gibt, schafft er seine sperrigen alten Sachen mit dem Auto in die Romandie. Tja, der Müll ist ein lukratives Geschäft und man kommt auf findige Ideen ihn zu entsorgen.

      @Jens
      wieder ganz köstlich geschrieben, ich für meinen Teil habe grossen Spass bei der täglichen Lektüre der Blogwiese. Danke dir für so viele Informationen, aber vor allem für die sehr humorvole Aufbereitung!

    6. Helvetia Says:

      Schweizer werfen keinen Müll in den Wald, nur Ausländer.

    7. Administrator Says:

      @Helvetia
      Das merkwürdige ist nur, dass jeder Mensch fast überall auf der Welt ein Ausländer ist.
      Aber Du hast recht, ich habe noch keinen Müll im Wald gesehen, hingegen am Strassenrand, bei Fussgängerüberwegen, auf Parkplätzen, vor Kinos etc.

    8. Cruschti Says:

      Sei doch froh, dass sie es in den unsichtbaren Mülleimer werfen und nicht dezentral am Wegrand verstreuen ^^. Ich sehe darin einen Funken Hoffnung, dass es nicht so bös gemeint war….. Zudem ist es halt so, dass wo kein Eimer steht, die Gefahr gross ist, dass man es wegwirft.

      Und in Deutschland gibts doch solche Phänomene bestimmt auch. Als ich in Berlin war, hat die Stadt auch nicht wie frisch gesaugt und aufgenommen gewirkt.

    9. Walti Says:

      Auch bei Autobahneinfahrten hat es solche Abfalleimer. Dort kann man noch die Fliehkraft ausnützen beim wegwerfen des Abfalls.
      Vielleicht sind es ja Nichtausländer, also Schweizer, die dort den Müll entsorgen.

    10. HalbCH/HalbD Says:

      Wirklich gut Jens, mein Lehrer fragte sich schon, warum ich seine (total spannende) Informatikstunde so witzig fand. 😉

    11. Dan Says:

      @Cruschti
      Berlin hat einen Ruf zu verlieren auf dem Niveau von Moskau und Rom, daher soviel Gemuelle. Ich vermute es saeh aus wie Kairo dort, wenn die BVG (Stadtreinigung) nicht soviel schwere Jungs angestellt haette, die Eindruck schinden wie Moskau-Inkasso. Meine Muellmaenner damals hatten einen halbmetergrossen Bugs-Bunny aus Stoff am Kuehlergrill festgeschnallt, keine Ahnung was das bedeuten sollte (Vodoo im Wedding?), aber wir hatten maximalen Respekt vor der Putztruppe.

    12. Martin Says:

      @Dan: Hey, dann ist das ja nicht nur bei meiner „Auch-im-Kreis-4-Hofeinfahrt“ so (und um dieselbe wird es sich ja wahrscheinlich nicht handeln)!
      Bei meiner Einfahrt habe ich den Eindruck, dass sich dort regelmässig im Laufe von ungefähr zwei Wochen sämtlicher Sperrmüll und einiges vom Hausmüll aller vom Bullingerplatz abgehenden Strassen bis vielleicht einen Kilometer Entfernung auftürmt… Und dann ist über Nacht ganz plötzlich der Spuk wie von Geisterhand verschwunden – bis auf drei trotzige, im Dreieck zusammengekettete Coop-Einkaufswagen am Strassenrand, die vermutlich den Sperrmüll-Lieferanten jedesmal gute Dienste leisten.
      Nun, solange ich mich mit dem Fah… äh Velo noch gut an der Seite durch den Gang hindurchnavigieren kann, stört mich das nicht so grossartig. Mmanchmal ist es allerdings schon kritisch – irgendetwas in mir sträubt sich dagegen, mit den Pneus über verstreute Scherben und noch spielbar aussehende Elferraus-Karten zu fahren.
      Allerdings hat mich dieses recht seltsame Müllritual doch sehr verwundert, steht es doch im krassen Widerspruch zu dem, was ich vorher bei Susann Sitzler („Grüezi und Willkommen“) und Thomas Küng („Gebrauchanweisung für die Schweiz“) über die Güselkontrolleure vom Abfuhrwesen der Stadt Zürich und über argusäugige, den Kehricht mit Warnzetteln wieder vor die Wohnungstür stellende Schweizer Hauswartsfrauen gelesen hatte.
      Dabei sind bei mir im Hardquartier doch immerhin noch 52,3 % der Einwohner Schweizer… 😉

    13. Dan Says:

      Martin:
      Lass uns eine nicht-stimmberechtigte Buergerinitiative gruenden! Ich bin nach 5 Jahren so verschweizert, dass ich der Sache ein Ende bereiten wollte: Als ich nachts Schleifgeraeusche hoerte war’s so weit, wer immer da eine Schrankwand um 5 Uhr frueh in meine Einfahrt schiebt, sollte diesmal dran glauben. Schnell angezogen und vier Stockwerke runtergestuermt traf ich dann… auf den Schneeschipper!

      Es muss sich um verschiedene Hofeinfahrten handeln, die Sachen bei mir verschwinden nicht ueber Nacht, sondern werden vom Hausmeister unter lautem Getoese auf die Strasse gekickt, wo sie dann tagsueber verschwinden.

      Gemaess der SVP-Propaganda, die sich in meinem Briefkasten verirrt, soll es in Kreis4/5 Stellen geben, wo Auslaender mit allerlei Dingen von der Stadt umsonst versorgt werden, damit sie nicht darben muessen. Ich suche das schon lange, ich bin ja schliesslich Zielgruppe. Vielleicht gibt es da jedes Quartal einen neuen Fernseher und Moebel, so dass die 47,7% gezwungen sind, die alten Sachen wieder loszuwerden.

    14. Phipu Says:

      Bei dieser Gelegenheit möchte ich allen Gemeinde-Angestellten danken, die täglich alle Respektlosigkeiten verschmutzender Egoisten aufputzen müssen. Mich nervt dieses „Littering“ nämlich auch. Wenn sogar ich (ohne universitären Abschluss im Recyclingwesen) es schaffe, alle meine Abfälle in entsprechende Eimer zu werfen, dann kann ich das nämlich mindestens auch von allen anderen erwarten.

      Von älteren Leuten hört man manchmal noch stolz, dass Ausländer lobten, die Schweiz sei so sauber, dass man sogar auf dem Boden essen könne (ich vermute, es war gemeint, den Teerboden als Teller zu benützen). Darüber kann man heute nur noch nostalgisch lächeln. Erstens weil unsere Strassen heute nicht weniger schmutzig aussehen, als die in Mailand oder Belgrad und zweitens, wegen des unsichtbaren Drecks. Man kannte damals noch keine Katalysatoren und Partikelfilter. Trotzdem „e Guete“ (auf dem Tisch).

      An Harry.R.
      Ich lebte mal in Genf. Tatsächlich gibt es dort die Sperrmüllsammlung des Werkhofs noch. Allerdings muss man mit der Stadtverwaltung einen Termin vereinbaren, wann (und nicht vorher!) es an welcher Strassenecke zu stehen hat. Im Gegenzug gibt der Abfallverurscher an, um welche Artikel es sich handelt. So habe ich mal einen alten Schrank und ein Paar Ski vereinbart. Über Nacht haben sich diese Gegenstände dann zu Kasten, Ski, Sofa, Kühlschrank, Videogerät, Fernseher, Bürostuhl, Computer-Bildschirm, Vorhangschiene und Fahrrad vermehrt. Hat sicher auch etwas mit Magie zu tun…?

    15. Martin Says:

      @Dan:
      Dann muss ich mal schauen, ob in meiner Hofeinfahrt irgendwo ein kleines Schild „SVP-Brocken-Hofeinfahrt. Brockenselbstverlad 0-24 h“ oder so was steht. Nein, unwahrscheinlich. Eher: In der SVP-Geschäftsstelle hängt eine Liste dieser Stellen oder ein Stadtplan mit den markierten Hofeinfahrten aus.

      Einmal habe ich bei mir übrigens erlebt, wie jemand in den Sachen herumwühlte (das kenne ich ja, nebenbei bemerkt, auch aus Deutschland von Sperrmüllabhol-Vorabenden). Ich fragte den sich im Halbdunkel bewegenden Wollmützenträger bewusst arglos: “Ist das hier eigentlich so eine Stelle im Quartier, wo man Sachen abladen und abholen kann?“ Ein Schulterzucken. Offensichtlich hatte er mich nicht verstanden. 🙁

      Bürgerinitiative? Gute Idee! Gleichzeitig machen wir dann unsere eigenes Hofeinfahrts-Brocki auf und werden reich (nehmen wir allein mal die Elferraus-Karten – sorgsam wieder aufgelesen und mit einem Gummiband zusammengeheftet hätten die zwischen 2 und 3 Stutz bestimmt noch gebracht… 😉

    16. Sandra-Lia Says:

      tja, so ornigsliebend sind mer.. a bode gehiemers scho, aber nur dert, wo en unsichtbare papierchorb isch

    17. efan Says:

      meiner meinung nach gibt es nur 2 möglichkeiten, littering zu unterbinden, singapur hat beide genutzt und ordentlichen erfolg damit:
      – busse für littering (ok, 500 singdollar sind ziemlich viel)
      – genügend mülleimer aufstellen

      vorallem letzterer punkt würde viel helfen. ich gestehe, auch ich werfe gelegentlich abfall auf die strasse, wenn ich in der umgebung keinen abfalleimer entdecke. vorallem zigarettenstummel. diese trage ich ungern mehr als 50 meter mit mir rum.

      würden die stadtverwaltungen ein wenig mehr mülleimer aufstellen, würde dies schon viel bewirken. ich denke, keiner (oder nur wenige) wirft abfall gerne oder mit absicht auf die strasse, sondern grundsätzlich nur in ermangelung einer besseren möglichkeit.

      der magische mülleimer ist doch das beste beispiel dafür. die leute WOLLEN ihren abfall ‚artgerecht‘ entsorgen, wird ihnen jedoch die möglichkeit genommen, landet das zeug auf der strasse.. erstmal beim ehemaligen standort des korbes, in der hoffnung, dieser wird in kürze wieder montiert, in kürze jedoch wird der abfall vermutlich immer ‚besser‘ verteilt werden.

    18. pit vo lissabon Says:

      hallo jens,
      also in basel wurde vor jahren die gratis-sperrmüll-entsorgung abgeschafft. resultat dieses geniestreichs: für den betrieb des kehrichtverbrennungsofens braucht es nun zusätzlich jede menge heizoel. früher wurde auch der grösste teil der alten möbel sowieso von den „brocantes“ der grenznahen gebiete in D und F abgeholt, aufgemotzt und dann wieder den schweizer touristen als antiquität verkauft. und alle waren zufrieden.

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