Was wir von den Schweizern lernen können: Leben ohne Beamtentum

Juli 15th, 2006
  • Die Schweizer haben das Beamtentum abgeschafft
  • Schon 2001 machte die Schweiz Schluss mit dem Berufsbeamtentum, wie wir es noch von Deutschland oder Frankreich her kennen. Wer in Deutschland einmal diesen glorreichen Berufstand des Beamten erreicht hat, der hat ausgesorgt fürs Leben, denn im Prinzip kann er oder sie grundsätzlich nicht mehr entlassen werden. Wir lernten im Studienfach „Schulrecht“, was ein Lehrer in Baden-Württemberg tun bzw. nicht tun darf, bevor er tatsächlich Ärger bekommt:

    1.) Er darf nicht kriminell werden. Doch, eigentlich darf er das schon, aber nicht so richtig schwere Sachen. Bis zu 6 Monate Verurteilung auf Bewährung führt noch nicht zu einer Entlassung aus dem Beamtenstand.

    2.) Er darf sich nie nie nie mit ihm anvertrauten Schülerin (oder mit einem Schüler) einlassen. Auch wenn die oder der Betreffende bereits Volljährig ist und die Schule verlassen hat, auch wenn sie heiraten: Liebe zwischen Erziehungspersonen und ihren anvertrauten „Kindern“ wird nicht toleriert. Hier wäre zumindestens ein Orts- und/oder Schulwechsel angesagt.

    Kurzum: Wenn Sie es zum Beamten geschafft haben in Deutschland, dann können Sie abschalten. Ihren Büroschlaf oder ihr „Nichtvorbereitetsein“ beim Schulunterricht wird zwar böse beobachtet, und wenn Sie Pech haben, bekommen Sie eine „Personalrüge“ und einen „Eintrag in die Personalakte“. Das war es dann aber auch, und Sie können ewig so weiter machen bis zur Pension, und die fällt bekanntlich nicht schlecht aus für Beamte.

    Als einziges Gegenmittel, das bei solch üblen Fälle des Missbrauchs im Beamtenrecht angewendet wird, ist die Krankschreibung und/oder Frühpensionierung. Aus dem Verkehr zieht man diese schwarzen Schafe irgendwann, auf Kosten der Steuerzahler.

  • Vorbild Schweiz
  • In der Schweiz wurde das Beamtenstatut 2001 auf Bundesebene mit dem Inkrafttreten des neuen Bundespersonalgesetzes abgeschafft. Die Bundesbediensteten sind seither mit wenigen Ausnahmen (etwa der Bundesrichter) Angestellte öffentlichen Rechts. Zwar unterscheidet sich dieser neue Status immer noch in einigen Punkten vom Anstellungsverhältnis in der Privatwirtschaft (etwa bei den Kündigungsfristen), doch gehört mit dem neuen Personalrecht das Hauptmerkmal des vormaligen Beamtentums, die Unkündbarkeit, endgültig der Vergangenheit an. In den meisten Kantonen ist der Beamtenstatus in den letzten Jahren ebenfalls abgeschafft worden.
    (Quelle: Wikipedia.de)

    Doch auch in Deutschland tut sich was. Immer mehr wird in Parlamenten und sogar im Bundesrat darüber beraten, den Beamtenstatus zu ändern:

    In Nordrhein-Westfalen befand eine Regierungskommission zur Zukunft des öffentlichen Dienstes, das „hergebrachte Berufsbeamtentum“ sei unflexibel, leistungsfeindlich, unökonomisch und mit seinen Pensionslasten eine Zeitbombe für die Staatsfinanzen. Die Experten empfehlen im Abschlussbericht die Abschaffung des alten Dienstrechts. (…)

    Ende eines 200-jährigen Privilegs
    Damit geht hier zu Lande ein mehr als 200-jähriges Privileg zu Ende. Vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) ins Leben gerufen, um sich gegen die Vorrechte des korrupten Landadels durchzusetzen, sollten die Beamten pflichtbewusst, kenntnisreich und unbestechlich sein. Bald darauf erhielten Staatsdiener die Anstellung auf Lebenszeit und Schutz vor willkürlicher Entlassung. In der Weimarer Republik folgte die Besoldung per Gesetz – nach Alter, nicht nach Leistung.

    In der Bundesrepublik ist das Berufsbeamtentum ebenfalls verfassungsfest verankert; für den Staatsrechtler Theodor Eschenburg der größte Fehler der Väter des Grundgesetzes. Derzeit sind knapp zwei Millionen Beamte (plus 2,8 Millionen öffentliche Angestellte und Arbeiter) beschäftigt, während Preußen Mitte des 19. Jahrhunderts bei einer gut ein Drittel so großen Bevölkerung erst rund 150 000 Beamte hatte.
    (Quelle: zum.de)

  • Wie es anders gehen könnte, zeigt die Schweiz
  • In der Alpenrepublik sind die Mitarbeiter von Bundesverwaltung, Bundesbahnen, Eidgenössischen Technischen Hochschulen und Post mittlerweile durchweg öffentlich-rechtliche Angestellte. Ausgenommen bleiben nur rund 200 Bundesbeschäftigte mit beamtenähnlichem Status, etwa Führungskräfte bei der Bundesanwaltschaft und beim Bundesverwaltungsgericht.

    Selbst Polizisten und Mitarbeiter der Finanzverwaltung sind in der Schweiz Angestellte. Gestreikt werden darf nur, wenn die Sicherheit oder Versorgung des Landes nicht beeinträchtigt wird.

    Besonders stolz ist der Direktor des Eidgenössischen Personalamtes und Vater des neuen Bundespersonalrechts, Peter Hablützel, auf die „leistungsorientierte Entlohnung und zielorientierte Entwicklung der Angestellten“. Zu alledem verfügen die Arbeitgeber über a ein Kündigungsrecht aus betrieblichen oder wirtschaftlichen Gründen – für deutsche Beamte und BAT-Angestellte ein Sakrileg.

    So mancher deutsche Dienstherr hegt offen Sympathie für das Schweizer Modell. Im Not leidenden Berlin will Innensenator Ehrhart Körting der Verbeamtung in vielen Bereichen einen Riegel vorschieben, so bei Lehrern und Wissenschaftlern, Kulturschaffenden und den meisten Verwaltungsmitarbeitern. Das Dienstrecht des Beamtentums und „das fast noch schlimmere öffentliche Angestelltenrecht“ (Körting) formten einen „starren Personalkörper“, der alle Bemühungen zur Sanierung und Modernisierung der Staatsaufgaben blockiere.
    (Quelle: zum.de)

  • Starre Personalkörper blockieren alles
  • Als wir noch in Freiburg im Breisgau lebten, war dort der grösste Arbeitgeber in der industrieschwachen Region des Oberrheingrabens, neben der Universität Freiburg, die Stadtverwaltung selbst.

    Innerhalb dieser Verwaltung war das grösste Amt das „Personalamt“. Reformiert und „outgesourced“ wurden aber andere, wie die Abfallwirtschaft oder das Gartenamt. Die waren kleiner, überschaubarer, und man konnte besser beobachten, ob sie als „Profit-Center“ Gewinn abwerfen oder nicht. An die grosse Krake „Personalwesen“ traute sich niemand heran. Der zitierte „starre Personalkörper“ blockierte alle Bemühungen zur Sanierung und Modernisierung.

  • Deutsche Regierungsgewalt kennt viele Hierarchien
  • Wir empfinden es in der kleinen und überschaubaren Schweiz als besonders angenehm, dass die Arbeit von Verwaltungen, auf Gemeinde- wie auf Kantons- oder Bundesebene, um einiges transparenter und effizienter funktioniert als in Deutschland. Als Franz Kafka seinen Roman „Das Schloss“ schrieb, muss er ein Deutsches „Regierungspräsidium“ als Vorbild gehabt haben:

    Ein Regierungspräsidium ist eine Verwaltungsbehörde mit Bündelung von Aufgaben, die durch die Bundesländer übernommen werden. In manchen Bundesländern wird diese Landesmittelbehörde als Regierung oder Bezirksregierung bezeichnet. Die Regierungspräsidien stehen als Mittelinstanz (Landesmittelbehörde) zwischen der Ministerialebene und den Kommunen (bzw. unteren Landesbehörden). Der örtliche Zuständigkeitsbereich eines Regierungspräsidiums heißt Regierungsbezirk. In kleineren Bundesländern existiert diese Verwaltungsebene nicht.

    In nahezu allen Bundesländern wird diskutiert, die Regierungspräsidien abzuschaffen und die Aufgaben auf die Ministerial- bzw. die kommunale Ebene zu verlagern.
    (Quelle: Wikipedia)

    Für Baden-Württemberg heisst dies: Zwischen der Landesregierung in Stuttgart und den Gemeinden und Stätten gibt es noch eine dritte „Bezirksregierung“. Was die eigentlich macht, darüber hätte Kafka gern noch einen weiteren Roman schreiben können.

    Vier mal Zwanzig plus Zehn? Die spinnen, die Gallier!

    Juli 14th, 2006

    Heute ist der Französische Nationalfeiertagen, das Gedenken an den „Sturm auf die Bastille“ am 14.07.1789. Gute Gelegenheit, sich etwas mit diesem Nachbarn zu beschäftigen:

  • Vier mal Zwanzig plus Zehn ist nicht Neunzig
  • Auch in Frankreich ist es üblich, Telefonnummern immer in Zweierblöcken zu lesen. Der Einfachheit halber werden die mit Punkten voneinander getrennt, so wie die vier Oktetts einer IPv4 Adresse, zum Beispiel 10.11.12.13. Jedes Oktett besteht aus 8 Bits, also einem Byte. Darum heisst das englische Wort „Byte“ auf Französisch auch „octet“. Ein Gigabyte ist demnach ein „gigaoctet“. Wobei der gemeine Franzmann hier sicher eher an „gigot d’agneau“ denken muss, die leckere Lammkeule.

  • Zum Hochfahren des Ordinateurs den Anlasser drücken
  • Einmal mehr zeigt sich, dass die Franzosen nicht jeden Begriff der Informatik übernehmen, der aus dem Angelsächsischen zu ihnen herübergeschwappt kommt. Der Computer ist ein ordentlicher „ordinateur“ und die E-Mail ist eine „courrier électronique„. Am liebsten mag ich den Begriff für die Windows-Start-Taste, welche bei der französischen Version kunstvoll zum „bouton de démarrage“ wurde, also wenn Sie so wollen zum „Anlasserknopf“.

  • Nonante und Septante ist nicht meine Tante
  • Die Franzosen lieben es bekanntlich kompliziert, die Schweizer eher weniger. Und so kommt es, dass sich in der Westschweiz die komplizierte Art der Gallier, die Zahl „Neunundneunzig“ zu umschreiben, nicht durchsetzen konnte. Quatre-vingts-dix-neuf heisst wörtlich „Vier-Zwanzig-Zehn-Neun“, also vier mal zwanzig plus zehn plus neun, macht neunundneunzig. Die haben eine besondere Vorliebe für Mathematik, die Franzosen. Denn dort muss man diese Zahlen nicht nur lesen können, sondern auch damit rechnen!

    Nicht so bei den West-Schweizern. Die sagen schlicht „nonante“ für Neunzig und „nonante-neuf“ für Neunundneunzig. Statt „soixante-dix“ für Siebzig sagen sie „septante“. Übrigens etwas, was sie mit den Belgiern gemeinsam haben. Im Wallis und im Kanton Vaud, dem „Waadt“ oder „Waadtland“ gibt es schliesslich noch „huitante“ für Achtzig (statt quatre-vingts), was sich aber in Genf, Jura oder Neuchâtel nicht durchgesetzt hat. Wenn Sie also gut Französisch sprechen und in der Westschweiz viele Freunde am Telefon finden wollen, bleiben Sie einfach bei den französischen Originalzahlen. Minutenlanges Rechnen und „Ils sont fous ces Gaulois“ Gemurmel am anderen Ende der Leitung erklärt sich Ihnen dann hoffentlich von selbst.

    Ils sont fous ces Gaulois — die spinnen, die Gallier
    Ils sont fous ces Gaulois
    (Bild ehapa-comic-collection.de)

    Wir riefen Führungskräfte, und es kamen Deutsche

    Juli 13th, 2006
  • Wir riefen Führungskräfte, und es kamen Deutsche
  • Mit dieser Überschrift beginnt das Editorial des neuen Schweizer Nebelspalters, der genialen Satirezeitschrift mit langer Tradition:

    Der „Nebelspalter“ ist die älteste, ohne Unterbruch erscheinende humoristische Zeitschrift der Welt. Er steht 2006 im 132. Jahrgang und beweist somit, dass er trotz aller Unbill der Zeit lebensfähig und lebenswillig ist.
    (Quelle: nebelspalter.ch)

    Die Schweiz hat durch die Ratifizierung der Bilateralen Verträge II die Öffnung zur EU praktisch vollzogen und beginnt nun die Folgen zu spüren. Waren es bisher nur die Bereiche Medizin und Forschung, die in der Schweiz von deutschen Professoren und Ärzten dominiert wurden, so treten nun auch in anderen Sparten deutsche Fachkräfte vermehrt auf.

    Es sind nicht mehr nur Ingenieure und IT-Techniker, die sich von Deutschland aus in die Schweiz aufmachen und hier zu den 148.000 offiziell registrierten Deutschen gehören, sondern auch Handwerker: Schreiner, Fliesenleger, Installateure und Buchhalter (keine Buchmacher).

  • Der Bedarf an Fachkräften ist gross
  • Die Schweizer Wirtschaft boomt und braucht dringend diese Fachkräfte, die nicht nur hoch motiviert und gut ausgebildet sind, sondern auch für weniger Geld als ihre einheimischen Kollegen arbeiten. So erzählte uns ein Schweizer von einem Buchhalter, dem eine Festanstellung von einem Bewerber aus Deutschland weggeschnappt wurde. Der Deutsche sei bei gleicher Qualifikation halt billiger, beschied man ihm als Erklärung.

    Was tun gegen dieses „Lohndumping“ durch Deutsche? Verschiedene Strategien sind vorstellbar:

  • 1.) Runter mit dem Wirtschaftswachstum
  • Am einfachsten wäre es sicherlich, das Schweizer Wirtschaftswachstum zu dämpfen, in der Folge Entlassungen auszusprechen, und somit als erstes die unliebsamen Arbeitskräfte aus Deutschland einfach wieder auf die Strasse bzw. in ihre Heimat zu entlassen.

  • 2.) Selbst die Fachkräfte ausbilden
  • Eine zweite Möglichkeit wäre es, die Attraktivität guter Ausbildungswege im eigenen Land populärer zu machen, die Zahl der Maturanten und Ingenieure dadurch sukzessive zu erhöhen, und somit unabhängig vom „Brain-Import“ aus Deutschland zu werden. Doch gibt es momentan einfach zu wenig Schweizer Universitätsangehörige, um diese Bemühungen mittragen zu können, und auf die Hilfe aus dem Nachbarland wollte man ja nun gerade verzichten.

  • 3.) Grenzen zu und Grenztruppen verstärken
  • Ein dritter Weg würde darin bestehen, die Einwanderung von deutschen Fachkräften stark zu reglementieren, am besten ganz zu unterbinden, und die Grenzen besser zu überwachen. Eine Erhöhung der Grenztruppe sollte gleichzeitig auch dem Abbau der horrenden 3.1 Prozent Arbeitslosigkeit der Schweiz dienen.

    Die Arbeitslosenquote ging im Juni den fünften Monat in Folge zurück und kam auf 3,1 Prozent
    Bern – In der Schweiz hat die Zahl der Arbeitslosen im Juni wohl den tiefsten Stand dieses Jahrs erreicht. (…). Ende Juni waren 122.837 Menschen ohne Arbeit, 6.649 weniger als Ende Mai, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) am Freitag weiter bekannt gab.
    (Quelle: Der Standard vom 7.7.06)

    Das muss man sich mal vorstellen: 122.837 Schweizer waren im Juni arbeitslos, und es werden immer noch Arbeitskräfte aus dem Ausland ins Land geholt!

  • 4.) Senken wir den Ausländeranteil!
  • Der hohe Ausländeranteil kann im gleichen Zug gesenkt werden. Muss denn wirklich jede Produktion und jeder Betrieb der Schweiz, in dem Ausländer arbeiten, mit 100% Auslastung fahren? Reichen nicht auch vernünftige und gemässigte 60-70%. So könnten leicht Kapazitäten zurückgefahren, ausländische Mitarbeiter entlassen und des Landes verwiesen werden und die restlichen 122.837 Arbeitslosen Schweizer eine Stelle finden, bis zur seligen Vollbeschäftigung.

  • 5.) Privatimporte stoppen
  • Und wenn wir schon beim „Grenzen Dichtmachen“ sind: Auch die Import-Kontingente von privaten zollfreien Einkäufen bis 200 Franken pro Person und Tag sollten wir abschaffen, damit endlich nicht mehr jedes Wochenende Millionen über die Grenzen zu Aldi und Lidl ins Deutsche getragen werden! Das würde die Binnennachfrage anheben, die Wirtschaft im Land stärken und es ginge uns allen besser. Nur beisst sich diese Massnahme irgendwie mit 1.) Wollten wir nicht gerade das Wirtschaftswachstum etwas dämpfen, statt es anzukurbeln?

  • 6.) Keine Deutschen in Führungspositionen
  • Wir könnten auf die vielen Deutschen in Kaderpositionen verzichten, wenn wir für unsere eigenen Managertalenten einen Anreiz schaffen würden, sich in der heimischen Wirtschaft zu engagieren. Warum nicht ein Ausreiseverbot für Schweizer Kaderkräfte verfügen? Roger Schawinski und Josef Ackermann müssten sich per Verordnung wieder um das Wohl der einheimischen Wirtschaft, statt um den Umsatz in Deutschland kümmern. Das der Zürcher Theaterchef Matthias Hartmann im Geiste sowieso schon bei seiner nächsten Intendantur in Wien weilt, sollten wir einfach per Dekret Christoph Marthaler wieder ans Schauspielhaus zwangsverpflichten, meinetwegen darf er auch das Haus am Zürisee von Hartmann beziehen.

    Ausserdem gibt es genügend Schweizer Top-Manager ohne adäquater Beschäftigung. Wir denken da an Eric Honegger, Vreni Spoerry, Lukas Mühlemann, Thomas Schmidheiny, aber auch Mario Corti, Philippe Bruggisser sowie Georges Schorderet oder Jacqualyn Fouse (vgl. hierzu Wikipedia) . Braucht es da wirklich noch einen Führungskräfte-Import aus Deutschland?

  • 7.) Weniger Ärzte wäre besser
  • Ein Arbeitsverbot für Deutsche Mediziner wäre nur durch ein gleichzeitigen Rückbau der völlig übertriebenen und aufgeblähten ärztlichen Versorgung der Schweiz möglich. Haben wir nicht schon heute viel zu viele niedergelassene Ärzte in den grossen Städten, die zu wenig verdienen? Geben wir ihnen einfach die Chance, sich zu beweisen und bei der so gestiegenen Nachfrage nach ärztlichen Leistungen endlich genug Geld für Eigenheim, ihre Zweitvilla oder sogar ein Häuschen im Tessin zu verdienen!

    Die Baubranche würde diese gestiegene Nachfrage ebenfalls begrüssen und hätte volle Auftragsbücher, ausserdem das Geld, um einheimische Bauarbeiter besser zu bezahlen. In den Schweizer Spitälern würden wir die Bettenzahl mangels Pflegekräfte reduzieren, wir verdienen ja jetzt alle so gut, dass wir uns die in hoher Zahl neu gegründeten Privatkliniken werden leisten können, oder wir nutzen in grenznahen Regionen einfach die medizinische Infrastruktur auf der anderen Seite des Rheins. Ist sowieso billiger als so etwas selbst zu unterhalten.

  • 8.) Servicepersonal nicht mehr aus Deutschland
  • Statt wie heute permanent Servicepersonal aus den neuen Bundesländern in die Schweiz zu holen, würde durch ein Arbeitsverbot für Deutsche endlich das Jobangebot für unsere Schüler und Studenten wieder steigen. Die Nachfrage nach ausgebildeten einheimischen Servicekräfte steigt dann ebenfalls, was nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage zu einem steigenden Lohn für diese Bevölkerungsgruppe führt. Endlich bekommt ein Schweizer Kellner wieder das, was er wirklich verdienen sollte.

    Falls dann immer noch Arbeitskräfte fehlen, könnten ja die Primarlehrer als Kellner oder Tellerwäscher einspringen. Mangels Ausländer gäbe es in der Folge nämlich auch kleinerer Klassen an den Schulen, und unsere unterbeschäftigten Lehrer müssten sowieso anderswo in der Wirtschaft unterkommen, was aber garantiert kein Problem sein dürfte.

    Betriebe, die nicht genügend Personal finden, sollten halt schliessen und damit Plan 1.) realisieren. Muss es denn wirklich in jedem Dorf ein Gasthof oder Hotel geben, jetzt wo die Deutschen Monteure und Handlungsreisenden eh ausbleiben werden?

  • Dann geht es allen gut!
  • Wenn dann alle gut verdienen, die Vollbeschäftigung gewährleistet ist, die Landwirte ihre Produkte im Land zu angemessenen Preisen prima absetzen können, das Warten auf die überlastete und schlecht gelaunte Bedienung im Restaurant Zeit für ein längeres Schwätzchen mit dem Nachbarn lässt, der nächste Arztbesuch Monate im Voraus geplant werden muss, weil unser Hausarzt erst mal ausgiebig seine Ferienhausbaustellen vor Ort inspizieren muss, der Installateur auch nicht mit Bestechung zu bewegen ist, den Rohrbruch in der Küche vor Weihnachten zu beheben, dann können wir uns entspannt zurücklehnen und darüber nachdenken, wozu wir eigentlich je auf fremde Hilfe in der Schweizer Arbeitswelt angewiesen waren.

    Der Deutsche und die Schweizer Warteschlange — Geschichte einer urbanen Legende

    Juli 12th, 2006
  • Der maulige Deutsche in der Warteschlange
  • Das Schweizer Cabaret Rotstift hatte einen berühmten Sketch im Repertoire, der in einer Warteschlange zu einem Skilift in der Schweiz spielt. Unter den Wartenden befindet sich auch ein Deutscher, dem das alles zu lange dauert.

    Sie, jetzt warte ich hier schon mehr als eine Stunde an diesem Skilift und komm nicht hoch, man, hier fehlt’s doch an der Organisation, verstehen Sie, Organisation, ruck zack zack zack.“
    (Zu sehen hier im QUER Videostream Real-Player bei 0:30)

  • Wartet er, oder drängelt er sich vor?
  • Immerhin, dieser Deutsche in dem Sketch wartet wie alle anderen, er drängelt sich nicht vor. Denn das tun sie gewöhnlich, die Deutschen in der Schweiz, wenn Sie eine Warteschlange sehen: Sie gehen daran vorbei mit den Worten „ich darf das, denn ich bin Deutscher“.

    Wir erhielten diese wichtige, persönlich erlebte Begebenheit von einem Schweizer Leser per Email zugeschickt:

    Wenn ein Schweizer in Davos (notabene in der Schweiz, im eigenen Land) in der Schlange bei der Talstation steht und sich links eine Person vorbeidrängt mit den Worten: „Lass mich mal durch, ich bin Deutscher, ich darf das„, dann haben die Schweizer Mühe.
    (Quelle: Email von Blogwiese-Leser Daniel H.)

    Nun, ob das wirklich „persönlich erlebt“ ist? Uns wäre diese Begebenheit fast wieder entfallen, wenn nicht zufällig in der neusten Ausgabe der satirischen Schweizer Traditionszeitung NEBELSPALTER exakt dieser Vorfall ausführlich besprochen worden wäre:

    Lassen Sie mich vorbei, ich bin Deutscher
    (…) Und wenn es uns mal zu bunt wird, wenn sich z. B. so ein eingebildeter Ausbund an Unhöflichkeit an einer wohl geordneten Warteschlange vorbeidrückt mit den Worten: «Lassen Sie mich vorbei, ich bin Deutscher!», dann entfährt uns schon mal ein herzhaftes «Sauschwob»!
    (Quelle: Nebelspalter Juli/August 2006, S.13)

    Der Deutsche und die Warteschlange
    (Quelle Illustration: Remo Gmünder, Nebelspalter 07-2006, S. 12-13)

    Wenn einer das erlebt hat und eine Email darüber schreibt, wenn es fast Thema eines Kabarett-Sketches war, wenn es jetzt sogar mit Illustration im Nebelspalter beschrieben wurde, was folgern wir daraus: Diese Geschichte MUSS wahr sein. Oder nicht?

  • Was ist eine Urbane Legende?
  • Wir sind eher der Überzeugung, dass es sich bei der Story vom Deutschen, der ungeniert an einer Warteschlange vorbeiläuft mit dem Spruch „ich bin Deutscher, ich darf das“ um den klassischen Fall einer „urbanen Legende“ oder „Modernen Sage“ handelt:

    Moderne Sagen (engl.: urban legends), auch Großstadtlegenden, moderne Mythen, Wandermärchen oder -sagen, verwandt mit Ammenmärchen und Schauermärchen, sind mehr oder weniger skurrile Anekdoten, die meist mündlich, inzwischen häufig auch per E-Mail, weitergegeben werden und deren Quelle sich in aller Regel nicht mehr zurückverfolgen lässt. In seltenen Fällen werden sie auch, bedingt durch unzureichende Recherche, als Nachrichten in den Medien verbreitet (Zeitungsente).
    Die Protagonisten moderner Sagen sind normalerweise nicht namentlich bekannt. Allerdings wird oft berichtet, dass die jeweilige Geschichte dem Freund eines glaubwürdigen Bekannten passiert sei, im Stil „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der definitiv…!“. Ein Phänomen, das auf Irisch-Gälisch, der ursprünglichen irischen Sprache, das Dúirt bean liom gur dhúirt bean léi-Syndrom genannt wird (soviel wie: Eine Frau sagte mir, dass eine Frau ihr sagte, …).
    (Quelle: Wikipedia)

    Sicherlich werden sich nach diesem Artikel viele weitere Leser zu Wort melden, die exakt diese Szene erlebt haben, oder einen kennen, der ihnen davon erzählt hat, oder einen kennen, der einen kennt, der das erlebt hat.

  • Der psychologische Erklärungsversuch
  • Egal ob diese Szene mit der Warteschlange je passiert ist, in den Köpfen vieler Schweizer passiert sie ständig. Der „unverschämte“ Deutsche ist ein Klischee, das nach Bestätigung förmlich schreit. Es werden all die Szenen und Erlebnisse, in denen sich Deutsche brav in eine Warteschlange einreihten und wie alle anderen warten, verdrängt und vergessen, um Platz zu schaffen für dieses eine Erlebnis, was wie ein klassisches „Grossstadtmärchen“ nur vom Hörensagen bekannt ist. So könnte es gewesen sein, so muss es gewesen sein, um Klischee vom „Deutschen als arrogantes Grossmaul“, wie es die QUER Eröffnungsszene aufgreift, zu bestätigen. Tragisch an dieser Geschichte finden wir nur die Tatsache, dass von all dem die Deutschen nichts wissen, sie nach wie vor die Schweizer als Volk ansehen, dem sie selbst grundsätzlich sehr zugetan sind.
    Igor Weber Nebelspalter
    (Zeichnung von Igor Weber, Nebelspalter 07/2006, S. 14)

    Mögen Sie Kaba? Das Schlüsselerlebnis beim Schokodrink

    Juli 11th, 2006
  • Mögen Sie Kaba?
  • Wenn Sie einen Schweizer frage, wie er „Kaba“ findet, hat er eine ganz andere Vorstellung von dem, was sie meinen, als ein Deutscher. Wir Deutschen denken bei „KABA“ gleich an das leckere Schokogetränk, die auf Werbedeutsch „flüssige Schokolade“ oder schlicht „Kakao“ genannt wird. KABA in der Schweiz hingegen ist etwas ganz anderes. Sie werden noch ihr „Schlüsselerlebnis“ mit diesem Produkt haben, wenn Sie nämlich ihren Wohnungsschlüssel verlieren und bei der Verwaltung einen neuen bestellen müssen. Das ist teuer, denn es ist mit 60 % Wahrscheinlichkeit ein „KABA“ Schlüssel, den Sie da verwenden.

  • Was ist Kaba für die Deutschen?
  • Als ein Getränk, auch „Plantagengetränk“ genannt, ist Kaba die Kurzform für „Kakao und Bananentrank“:

    Kaba wurde in Bremen von Ludwig Roselius erfunden. 1929 auf den Markt gebracht, entwickelte es sich zu einem der bekanntesten deutschen Markennamen. So beantworteten 1975 96% der Befragten die Frage „Kennen Sie Kaba?“ mit ja. (Hartmut Roder, u. a. (2002): Schokolade – Geschichte, Geschäft und Genuss). Kaba hat in der Umgangssprache ein Begriffsmonopol für Schokoladen- bzw. Kakaogetränke.
    (Quelle: Wikipedia)
    Kaba Schokodrink
    (Quelle Foto: doit24.de)

  • Was ist KABA in der Schweiz
  • Kaba ist der Schweizer Markführer für Schliesssysteme mit Sitz in Rümlang.
    Kaba ohne Schokolade
    (Foto Kaba: Dieser Schlüssel ist nicht aus Kakao)

    1862 von Franz Bauer gegründet, entwickelte sich das Unternehmen von der lokalen Schlosserei für Kassen- und Panzerschränke zu einem der führenden Anbieter für Zutrittskontrolle und Zeitwirtschaft, Tür- und Schliesssysteme sowie Bankausrüstungen. Viele Meilensteine markieren die Firmengeschichte. Der berühmteste ist die Erfindung des Wendeschlüssels im Jahre 1934.
    (Quelle: kaba.ch)

    Was man mit einem Wendeschlüssel machen kann? Na zum Beispiel wenden. Das Volk der „Wenden“ , auch als „Sorben“ bekannt, ist den Schweizern fremd, sie haben genug eigene sprachliche Minderheiten um auch noch die von Deutschland zu kennen. Und zum „umdrehen“ sagen sie lieber „kehren“, aber dann denkt jeder Deutsche an den Besen und Kehricht, darum bleiben wir lieber beim „wenden“.

  • Kaba oder Kaaba für Moslems
  • Für die Moslems hingegen ist die Kaba ein Heiligtum:
    Die Kaba der Moslems

    Die Kaaba (arabisch: الكعبة „Kubus“, „Würfel“) ist das zentrale Heiligtum des Islam. Sie ist ein etwa 12 m x 10 m x 15 m großes Gebäude und befindet sich im Innenhof der großen Moschee in Mekka im heutigen Saudi-Arabien. Für gläubige Muslime ist die Kaaba das Bayt Allâh (بيت الله „Haus Gottes“).

    Umhüllt ist die Kaaba von der Kiswah, dabei handelt es sich um einen schwarzen Brokat, der jährlich erneuert wird. In ihrer südlichen Ecke sind die Bruchstücke des al-Hadschar al-Aswad (الحجر الأسود „der Schwarze Stein“) etwa auf Augenhöhe eingemauert. Häufig wird gesagt, beim „Schwarzen Stein“ handele es sich um einen Meteoriten, jedoch ist dies nur eine Vermutung, denn der Stein wurde nie wissenschaftlich untersucht. Die muslimische Überlieferung besagt, dass Abraham den Stein beim Erbauen der Kaaba als Geschenk vom Erzengel Gabriel empfing, er somit aus dem Paradies stamme. Der Stein wurde im Mittelalter beschädigt.
    (Quelle Wikipedia)

  • Ein Wort, drei Konzepte
  • So hat also jeder seine ganz private Vorstellung von dem, was für ihn „Kaba“ ist, und auch diese Tatsache liesse sich als Test verwenden, ob jemand aus der Schweiz oder Deutschland kommt. Vielleicht nur nicht gerade bei Schweizer Kids, die zu viel Deutsches Werbefernsehen gucken und mit Bezeichnungen von Schliessanlagen nicht viel anfangen können.