Was den Kohl nicht fett und den Braten nicht feist macht

Juli 20th, 2006
  • Kulinarische Redewendungen in der Schweiz und in Deutschland
  • Die Schweiz und Deutschland liegen definitiv in zwei unterschiedlichen Kulturkreisen. Nirgends ist dies so deutlich zu erkennen, wie bei der Esskultur und den Redensarten, die mit diesem äusserst wichtigen Teil des Lebens zu tun haben.

  • Tu Butter bei die Fische!
  • Tu ordentlich Butter bei die Fische“ pflegt man in Norddeutschland im Ruhrgebiet zu sagen, wenn man möchte, dass bei einer Sache nicht gespart wird, dass etwas grosszügig gehandhabt werden soll, oder wenn jemand endlich deutlich mit der ganzen Wahrheit rausrücken soll. Die Schweiz liegt zwar nicht am Meer, Fisch wird jedoch auch hier in rauen Mengen aus den Seen und Flüssen geholt und gegessen. Man munkelt, dass die in der Schweiz verzehrte Menge an „original Schweizer Eglifisch“ niemals in all den Seen Platz gehabt hätten, wären sie wirklich aus der Schweiz. Ein Wunder wie das der Fischvermehrung von Jesus am See Genezareth wird vermutet.

    Fisch war nicht immer rar und teuer. So lesen wir bei Wikipedia zm Thema „Lachs“:

    Allerdings war der Lachs im 19. Jahrhundert so billig, dass die Dienstboten sich weigerten, jeden Tag Lachs essen zu müssen. Schließlich gab es eine Übereinkunft, dass nur zweimal in der Woche Lachs zumutbar sei.
    (Quelle Wikipedia)

  • Fisch, Fleisch oder Vogel?
  • Während man in Deutschland und Österreich zu nicht bestimmbaren, nicht einzuordnenden Dingen sagt: „Das ist weder Fisch noch Fleisch“, ist es in der Schweiz der Vergleich mit dem Federvieh: „Das ist weder Fisch noch Vogel“:

    Ebenso abwegig scheint uns eine verbreitete Zwischenlösung, die weder Fisch noch Vogel ist (Rutishauser, Geschäftsbriefe 22; CH);
    (Quelle Variantenwörterbuch DeGruyter, S. 246)

    So ganz glauben können wir den Jungs und Mädels aus dem DeGruyter Verlag allerdings nicht, denn obwohl die Formulierung „Das ist weder Fisch noch Vogel“ schweizerisch sein soll, findet sie sich auch an zahlreichen Stellen bei Google-Deutschland. Wahrscheinlich sind das, wie meistens in solchen Fällen, alles ausgewanderte Schweizer, die sich kein ordentliches Steak sondern nur Chicken-Nuggets leisten konnten in Deutschland und dann mit Fischstäbchen böse hereingelegt wurden.

  • Fett, feist oder feiss?
  • Während „fett“ und „feist“ zum Standarddeutschen gehören, und folglich überall verstanden werden, ist „feiss“ mit oder ohne „ß“ geschrieben, alemannisch und damit auch in der Schweiz verbreitet. Wir finden im Duden:

    Feiss
    1. feiß [mhd. vei (e), urspr. = strotzend, schwellend] (alemann.): fett, feist.
    2. Feis, Feiss, Feiß, Feist: ober- und mitteldeutsche Übernamen zu mhd. veiz(e), veizt beleibt, feist, fett . Ulr. der Faist ist a. 1340 in Regensburg bezeugt.

    Dank dieser Hilfe wird uns auch klar, warum in der Schweiz der Braten nicht „fett“ sondern „feiss“ wird in der Redewendung: „Dass macht den Braten nicht feiss“.

    Google findet hierzu lediglich Stellen in der Schweiz (vgl. Google-CH)
    Kein Wunder, denn in Deutschland ist man keinen fetten Braten, sondern lieber Kohl, auch ohne Helmut davor. Die verstorbene Frau des Alt-Kanzlers Helmut Kohl erwähnte einst vor der Presse ihre Pläne, ein Kochbuch zu veröffentlichen. Sofort mutmasste man über einen möglichen Titel: „Das macht den Kohl auch nicht fett“, aber leider war es da schon zu spät. Der stete Genuss des „Pfälzer Saumagens“ hatte seine Wirkung nicht verfehlt.

  • „Das macht den Kohl [auch]nicht fett — Das macht das Kraut [auch] nicht [mehr] fett
  • Unser Variantenwörterbuch meint dazu:

    D-nord/mittel „Das macht eine Sache nicht besser“: Natürlich kann man hie und da ein wenig in der Verwaltung einsparen, aber das macht das Kraut nicht fett. Kurier 6.3.2002, Internet
    Selbst die strukturellen Spar-Entscheidungen im öffentlichen Dienst … machen den Kohl nicht fett (TAZ 20.6.2001, Internet; D)

    Wenn das Kraut schon nicht fett wird, dann bekommt sicher sonst jemand „sein Fett ab“. Denn „ein Fett abbekommen / wegbekommen / wegkriegen“ ist nur in Deutschland (ohne südost) beliebt für „Recht für etw. bestraft oder getadelt werden

    Wir fragen uns dann natürlich, was die Schweizer abbekommen, wenn nicht ihr Fett?

    Kunst im Alltag — Die Bülacher Henkel-Skulptur

    Juli 19th, 2006
  • Im Schnittpunkt der Verkehrsströme
  • Fast täglich gingen wir an ihr achtlos vorbei, ohne sie in unserer Ignoranz und oberflächlichen Wahrnehmung zu erkennen: Die einzigartige Bülacher Henkel-Skulptur am Busbahnhof.
    Henkel Skulptur in Bülach
    Es handelt sich um ein ca 2 Meter hohes Kunstobjekt aus verschiedenen Materialien, vorwiegend metallischer Art, wahrscheinlich gegossenes Eisen, als „clin d’oeil“ des Künstlers an die ehemaliger Eisengiesser-Metropole Bülach, deren Kulturzentrum heute noch den Namen „GUSS 81-80“ trägt.

    Das Objekt besticht durch seine, der Neuen Sachlichkeit und dem italienischen Futurismus entsprungenen konzeptionelle Symmetrie und Formschönheit. Unten eine schlichte kubische Rundform, darüber das doppelte Dach, erst spitz, dann abgerundet, bis hin zu einer neckischen Ausformung ganz an der Spitze, die an die prallen weiblichen Formen einer Nicki de St. Phalle gemahnt.

  • Halt im Alltag
  • Die intendierte Aussage des werkschaffenden Künstlers ist klar: Sein Meisterwerk liefert uns Halt. Halt, mehr noch: „Rückhalt“ in dieser unruhigen, hektischen Zeit, die von ruhelosen Menschen geprägt ist, welche permanent unterwegs sind. Darum auch die clevere Positionierung dieses Meisterwerkes in der exponierten Lage am Schnittpunkt Busbahnhof und SBB-Bahnhof in Bülach!
    Halten Sie sich ruhig fest!

    Halt liefert sie uns ganz profan durch die beiden Griffe, praktisch links und rechts appliziert, mit kleinen Reliefverzierungen liebevoll ausgeführt. So können gleich zwei Menschen gleichzeitig zueinander UND Halt „in der Kunst“ bzw. „an der Kunst“ finden.

    Wir danken dem Stifter dieses Meisterwerks, der SBB Kreisdirektion III, die uns durch eine wohl platzierte Tafel über die Herkunft des Kunstwerkes aufklärt:

    Der Stadt Bülach
    zur Eröffnung des erweiterten Bahnhofes
    und der Doppelspur Niederglatt – Bülach
    am 1. Juni 1980
    gestiftet von der SBB, Kreisdirektion III, Zürich

    Kreisdirektion III

    Oder sind wir hier ein weiteres Mal dem Vexierspiel des Künstler erlegen, der uns mit dieser chiffrierten Botschaft klandestin in die „Doppelspur“ seine Werks einführen möchte? Ist die Direktion des Kreises mit der magischen III in Wirklichkeit ein Hinweis auf die Trinität, die Dreieinigkeit, das kölsche Dreigestirn?

    Ist der „erweiterte Bahnhof“ in realitas ein Symbol für unser „erweitertes Bewusstsein“ und seine Empfangsbereitschaft, wie sie sonst nur bei Besuchern eines Bahnhofes zu finden ist?

    Wir lassen die Frage bewusst offen und verweilen staunend. Den Mund machen wir aber wieder zu, damit keine Fliegen hineinfliegen.

    P.S.: Es gibt schon Plagiate dieses Meisterwerks! Billige Kopien, wahrscheinlich in Fernost angefertigt, die in Vorgärten von Bachenbülach und anderswo gesichtet wurden. Lassen Sie sich nicht beirren, nur das Original trägt die rot-weisse Widmungsplakette und ist am bewusst gewählten Standort Busbahnhof zu besichtigen.
    Führungen zum Objekt bei jeder Witterung auf Anfrage.

    Was wir als Deutsche in der Schweiz nicht vermissen: Die Baggerseen

    Juli 18th, 2006
  • Die Deutschen baden nicht im Rhein
  • Was machen die armen Deutschen, wenn es so heiss ist wie jetzt im Juli, und sie sich abkühlen wollen? Im Rhein schwimmen, das traut sich seit der Rheinkatastrophe von Sandoz niemand mehr nördlich von Basel. Obwohl es wieder möglich sein soll. Zu meiner Jugend war es hingegen möglich, Fotos im Rhein zu entwickeln. Man muss nur die richtige Stelle finden, alle notwendigen Chemikalien waren bereits in ihm vorhanden. Und Otto Waalkes brachte vor 30 Jahren den Joke: „Hände hoch! — Wieso denn, ist ja nur ne Wasserpistole. — Ja, ist aber Wasser aus dem Rhein drin“.

  • In der Elbe können Sie wieder baden
  • Der würde heute nicht mehr funktionieren. Die Flüsse sind sauber, wie uns Sabine aus Hamburg auf ihrem köstlichen Blog „Kühles Blondes“ erzählt:

    Vor achtundzwanzig Jahren schwamm ich zuletzt in der Elbe.

    Kurz darauf wurde empfohlen, dies doch lieber zu unterlassen, weil die dort hineingeleiteten Rückstände menschlicher Zivilisation dazu führen könnten, am ganzen Körper Pickel, Hautreizungen und anderweitige lustige Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Daran hielt ich mich natürlich. Wer hat schon gern Pickel?

    Seit gestern ist die Durststrecke vorbei. Es ist gem. offizieller Angaben mittlerweile nämlich gesundheitlich völlig unbedenklich, bis zu einem Liter Elbwasser zu trinken. Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen und verbrachte daher den Tag voll der fröhlichen Kindheitserinnerungen im Wasser und am Strand. Zugegebenermaßen schaffte ich keinen ganzen Liter. Doch ich vermute, daß die angegebene Menge eher optional zu betrachten ist.
    (Quelle: Kühles Blondes)

    Durch die Giftwelle, welche die Chemiefirma Sandoz am 1.11.1986 nach einem Grossbrand bei Basel in den Rhein abliess,
    Giftwelle von Sandoz
    starben nicht nur Flora und Fauna von Basel bis zur Nordsee, nein, es wurde war auch der Name dieses Unternehmens fortan in Deutschland bekannt. Ein PR Erfolg, wie er grösser nicht mit Werbung erzeugt werden konnte. Doch kurz darauf verschwand Sandoz von der Bildfläche und tauchte als „Novartis“ wieder auf. Solche negativen Ereignisse bleiben im kollektiven Gedächtnis dennoch erhalten. Wer denkt beim Namen „Landshut“ schon an das verträumte bayrische Provinzstädtchen und nicht an die von Terroristen entführte Lufthansa Maschine? Gibt es eine positive Konnotation zu Dachau? Würden Sie gern freiwillig in Gelsenkirchen wohnen? Oder in Olten? Wir wissen nicht, was die Schweizer immer gegen diesen Ort haben, wir fanden ihn bei einem Besuch bedeutend hübscher als das ganze Ruhrgebiet.

  • Die Deutschen gehen zum Baggersee
  • Seit wir in der Schweiz leben, sind wir nie wieder zu einem Baggersee zum Baden gegangen. In Deutschland ist das gang und gäbe, denn es gibt nicht viele Alternativen. Zwar hat jedes mittlere Dorf ein Freibad, aber die schönen Badeseen mit guter Wasserqualität sind nicht so dicht verteilt wie die Seen und Flüsse in der Schweiz. Da praktisch im gesamten Oberrheingraben, zwischen Basel und Karlsruhr, Flusskies abgebaut wurde oder wird, finden Sie links und rechts des Rheins und der Rheinautobahn in zuverlässigen Abständen Baggerseen und aufgelassene Kiesgruben. Ab und zu verirrt sich dahinein dann ein freigelassener Kaiman oder ein Flusskrokodil, um das Sommerloch mit nicht enden wollenden Fortsetzungsgeschichten über die vergebliche Jagd zu füllen:

    [So] Anfang der 90er Jahre ein vierbeiniger Exot namens Sammy. Der Kaiman war seinem Besitzer bei einem Ausflug an den Nievenheimer Badesee ausgebüxt und in den Fluten abgetaucht. Wochenlang blieb das Gewässer mitten in einem heißen Sommer für die Badefreunde geschlossen. Stattdessen gingen Taucher, Lebensretter, Biologen und Tierärzte auf die Suche nach dem scheuen Reptil, das seinen Jägern immer wieder entwischte. Partys wurden gefeiert, T-Shirts und Becher mit dem Konterfei von Sammy produziert, und selbst ein Schlager besang den „Held“ vom Badesee.
    (Quelle: ksta.de)

    Kaiman
    (Quelle Foto: oeaz.at)
    Auch in der Schweiz wird Kies abgebaut, z. B. in Weiach, unweit von Eglisau. Doch auf die Idee, dort in der Kiesgrube baden zu gehen, während nebenan der saubere Hochrhein fliesst, würde niemand von den Schweizern kommen.

    Wir vermissen sie nicht, diese Baggerseen mit der zweifelhaften Wasserqualität. Es gehört zu den Top-Highlights der Schweiz, dass man unweit des Bellevue-Platzes von Zürich im See baden kann, dass man in Bern mitten in der Stadt in der die Aare schwimmt und in Basel im Sommer Menschen in Badehose durch die Innenstadt laufen, um sich ein paar Kilometer den Rhein hinabtreiben zu lassen.
    Rheinschwimmer bei Basel
    Rheinschwimmer bei Basel

    Wann erleben die Hamburger das an der Alster, oder die Frankfurter das am Main? Nur die Engländer, die sind während der WM reihenweise in den Main gesprungen, um sich danach von der hessischen Wasserschutzpolizei wieder rausfischen zu lassen, hatten da keine Hemmungen. Gefährdung der Schiffahrt und so. Klar, ein stabiler Englischer Hooligan baut schnell eine Beule in so einen Lastkahn. Nur die Münchener, die trauen sich in die Isar. Aber richtig schwimmen kann man in der leider auch nicht. Nur den Champus kühlen für ein Glässchen „Kir Royal“ beim Angucken von „Monaco Franze„.

    Zu Gast bei Gönnern — Ausblick auf die EM 2008

    Juli 17th, 2006
  • Zu Gast bei Gönnern
  • Die FIFA-WM 2006 ist vorbei, alle sind wieder heim gefahren. Die Welt fühlte sich wohl in Deutschland, aber nicht alle. Manchen war dort einfach zu viel Gejubel der Gastgeber. Das letzte Spiel der Schweizer in Köln war wunderbar, wenn da die Veranstalter nicht den Fehler gemacht hätten, zu viele Deutsche ins Stadion zu lassen. So konnte einfach keine Stimmung aufkommen, und die Elfmeterschützen fühlten sich erst recht gestört. Aber vergessen wir das, blicken wir frohgemut nach vorn in die Zukunft.

    In weniger als 22 Monaten beginnt die EM in der Schweiz. Gibt es eigentlich schon ein Motto für dieses ausserordentliche, anstehende Ereignis? Wir hätten da nämlich schon eine Idee vorzubringen. „Zu Gast bei wohlwollenden Gönnern“. Wir lasen im Tages-Anzeiger den aufschlussreichen Leserbrief eines gewissen René Zellweger aus Rümlang.

    Einmal mehr kann man die Deutschen beobachten, wie sie zwischen Arroganz und Verblendung changieren. Zum Beispiel am Fernsehen bei Passantenumfragen in deutschen Städten: «Im Herzen sind wir die Weltmeister. 2008 und 2010 schnappen wir uns den Europameister- und den WM-Pokal.» So sind sie eben. Vielleicht eine Antwort darauf, warum sich viele Schweizer mehr freuen, wenn die Deutschen verlieren, als wenn irgendein anderes Land gewinnt. Leider.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 15.07.06)

    Zu Gast bei Gönnern
    (Tagi 15.07.06)

    Was lernen wir daraus? Deutsche, wenn ihr 2008 in die Schweiz fahrt, merkt Euch diese Verhaltensregeln:

    1. Klebeband mitnehmen und den Mund gut zukleben vor jedem Spiel, dass bloss kein Jubelschrei oder „Wir werden Europameister“ Ruf aus Euren Kehlen dringen mag. Nehmt Euch ein Beispiel an den zurückhaltend und still in sich hinein jubelnden Schweizer Fans. So solltet ihr euch auch verhalten, wenn ihr in der Schweiz Gast seid. Nicht singen, nicht tanzen und keine Fahnen schwenken. Kommt nicht gut an.

    2. Ein „Vielleicht schaffen wir ja die Vorrunde“ ist unter Umständen noch statthaft. Ihr solltet besser noch ein „eventuell“ einfügen, also „Vielleicht schaffen wir ja eventuell die Vorrunde“.

    3. Wenn ihr zur EM fahrt und wieder nur den Dritten Platz holt gegen 16 oder 32 konkurrierende Mannschaften, dann merkt euch, dass das nichts ist, absolut nichts, und jeder Jubel darüber beweist, wie „verblendet“ ihr seid. Also Sonnenbrille mitnehmen, oder besser gleich eine Schweissermaske (keine Schweizer-Maske!), um jeglicher „Verblendung“ von vornherein vorzubeugen.

    4. Arroganz definiert sich in der Schweiz als der Wunsch, einen Pokal erlangen zu wollen. Arroganz ist schlecht, ganz schlecht. Gott sei Dank hat nur eine Fussballnation den Anspruch auf Arroganz gepachtet. Alle anderen sind davor gefeit.

    5. Die Gedanken sind frei, die Herzen sind es nicht. Sagt bloss nie, dass ihr Euch als „Weltmeister im Herzen fühlt“, denn das ist nicht statthaft. Weltmeister sind einzig und allein die Italiener. Ihr habt, wie es sich für einen Drittplazierten geziemt, zu heulen und mit den Zähnen zu klappern vor Wut und Frustration, Freude ist ganz und gar nicht statthaft.

    6. Seid nett zu den Schweizern und verliert am besten gegen selbige, oder zumindest gegen eine Fussballnation, mit der sich die Schweiz auf Grund hoher Secondo-Zahlen im Notfall eindeutig identifizieren kann. Zur Auswahl stehen Portugal, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Albanien natürlich Italien, und warum nicht auch die Türkei?

    Im liebsten wäre uns ja, wenn ihr Deutschland besiegen würdet, diese von sich so stets überzeugte Fussballnation. Nur irgendwo gibt es da ein Problem, denn seit 1989 haben wir keine zwei Deutschen Mannschaften mehr. Wieso Problem? Es könnten doch ausnahmsweise mal 11 Deutsche gegen 11 Deutsche spielen, dann wäre auf jeden Fall die Deutschen die Besiegten und ihr hättet dem Gastland eine grosse Freude bereitet.

    Ja, so sind sie die Schweizer: Grossherzig und voller Wohlwollen. Es wird sicher eine wunderschöne EM werden für die Deutschen Fans im Heimatland des Gönnertums.

    „2008 und 2010 schnappen wir uns den Europameister- und den WM-Pokal.“

    Diesen hässlichen Satz werden wir aus unserem Vokabular streichen und endlich die Lektion der Schweizer Demut und Höflichkeit begreifen lernen. Damit lüftet sich das ewige Geheimnis, wie in der Schweiz „Arroganz“ definiert wird:

    Nach Höherem streben, Optimismus äussern und Zuversicht zum Lebensmotto machen. Das geht nicht. Bleibe stets bescheiden, niemals fröhlich, und wenn Du Dich doch als „Weltmeister im Herzen“ sehen solltest, dann behalt es für Dich, denn erstens will es niemand wissen, zweitens gehört sich so eine Selbsteinschätzung nicht, und drittens sind die Italiener Weltmeister, und sonst niemand.

    Und erwähne auf gar keinen Fall, dass Du trotz allem nicht weinerlich oder maulig gestimmt bist, sondern immer noch eine ganz klitzekleine Freude als „Weltmeister im Herzen“ hast, jawohl.
    Dank an die Weltmeister der Herzen
    (Quelle: meinBerlin.de, Foto dpa)

    P.S.: Wir freuen uns auf die Schweiz 2008!

    Wir danken per Verdankung

    Juli 16th, 2006
  • Wörter mit „ver“ und „ung“
  • Wir kannten bisher die „Vermittlung“, die „Verbreitung“ und auch die „Verlosung“. Alles hübsche Nomen der Deutschen Sprache mit einem Präfix „Ver“ und einem Suffix „-ung“. Was uns jedoch bislang entgangen war, ist die „Verdankung“. Wir fanden Sie, dankbar wie immer, im Tages-Anzeiger vom 01.07.06. Es ging darin unter der Überschrift SRG blitzt mit Rekurs zu «Traumjob» ab „um verbotenes Sponsoring:

    Verdankung des Hotels

    „Mit den ausgestrahlten Szenen aus dem Hotel Victoria-Jungrau und der blossen Verdankung des Hotels im Abspann der Sendung habe die SRG das Victoria-Jungrau nur ungenügend als Sponsor deklariert.“

    Falls Sie nun nicht wissen, was „Rekurs“ ist, einfach hier nachlesen: Blogwiese

  • Die Verdankung ist nicht selten
  • Der Duden klärt uns über dieses hübsche Wort auf:

    Verdankung, die; -, -en (schweiz., sonst selten):
    Dank, Ausdruck des Dankes:
    Hans Furter … ist unter Verdankung der geleisteten Dienste auf Ende Mai in den Ruhestand versetzt worden (NZZ 11. 4. 85, 27).
    (Quelle: Duden.de)

    Wie die Dudenredaktion dazu kommt, 18.900 Fundstellen Google-CH als „sonst selten“ abzutun? „Verdankung“ finden Sie in der Schweiz überall dort, wo es ums „Danke sagen“ geht. Hier nur ein weiteres Beispiel:

    Alle anderen, bisherigen Kuratoriumsmitglieder wurden unter Verdankung ihres Engagements in ihrer Funktion bestätigt.
    (Quelle unifr.ch)

    Unser Thesaurus- und Synonymwörterbuch kennt es jedenfalls nicht, und auch LEO.org kann damit nichts anfangen. Dabei kam uns gerade der leise Verdacht, dass es sich bei diesem Wort vielleicht um einen verunglückten Übertragungsversuch von Französisch „le remerciement“ handeln könnte?

  • Fehlte Ihnen dieses Wort nicht auch schon immer?
  • Wir fragen uns bei der Entdeckung dieses hübschen helvetischen Wörtchens, warum uns das bisher im Sprachgebrauch eigentlich überhaupt nicht gefehlt hat? Sind wir undankbar, zeigten wir nicht genug Dank, war uns die „Danksagung“ oder „Abdankung“ ausreichend genug, dass wir nicht auch noch eine „Verdankung“ haben wollten? Vielleicht liegt es einfach daran, dass das Wort „Verdankung“ ein bisschen wie „Dung“ klingt, wenn man es schneller ausspricht, und den Geruch haben wir genug in der Nase, wenn der Bauer von nebenan gerade wieder mit dem Güllewagen aufs Feld fährt. Wie nennt man eigentlich das, was er da tut? „Verdungung“ vielleicht?