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Was den Kohl nicht fett und den Braten nicht feist macht

  • Kulinarische Redewendungen in der Schweiz und in Deutschland
  • Die Schweiz und Deutschland liegen definitiv in zwei unterschiedlichen Kulturkreisen. Nirgends ist dies so deutlich zu erkennen, wie bei der Esskultur und den Redensarten, die mit diesem äusserst wichtigen Teil des Lebens zu tun haben.

  • Tu Butter bei die Fische!
  • Tu ordentlich Butter bei die Fische“ pflegt man in Norddeutschland im Ruhrgebiet zu sagen, wenn man möchte, dass bei einer Sache nicht gespart wird, dass etwas grosszügig gehandhabt werden soll, oder wenn jemand endlich deutlich mit der ganzen Wahrheit rausrücken soll. Die Schweiz liegt zwar nicht am Meer, Fisch wird jedoch auch hier in rauen Mengen aus den Seen und Flüssen geholt und gegessen. Man munkelt, dass die in der Schweiz verzehrte Menge an „original Schweizer Eglifisch“ niemals in all den Seen Platz gehabt hätten, wären sie wirklich aus der Schweiz. Ein Wunder wie das der Fischvermehrung von Jesus am See Genezareth wird vermutet.

    Fisch war nicht immer rar und teuer. So lesen wir bei Wikipedia zm Thema „Lachs“:

    Allerdings war der Lachs im 19. Jahrhundert so billig, dass die Dienstboten sich weigerten, jeden Tag Lachs essen zu müssen. Schließlich gab es eine Übereinkunft, dass nur zweimal in der Woche Lachs zumutbar sei.
    (Quelle Wikipedia)

  • Fisch, Fleisch oder Vogel?
  • Während man in Deutschland und Österreich zu nicht bestimmbaren, nicht einzuordnenden Dingen sagt: „Das ist weder Fisch noch Fleisch“, ist es in der Schweiz der Vergleich mit dem Federvieh: „Das ist weder Fisch noch Vogel“:

    Ebenso abwegig scheint uns eine verbreitete Zwischenlösung, die weder Fisch noch Vogel ist (Rutishauser, Geschäftsbriefe 22; CH);
    (Quelle Variantenwörterbuch DeGruyter, S. 246)

    So ganz glauben können wir den Jungs und Mädels aus dem DeGruyter Verlag allerdings nicht, denn obwohl die Formulierung „Das ist weder Fisch noch Vogel“ schweizerisch sein soll, findet sie sich auch an zahlreichen Stellen bei Google-Deutschland. Wahrscheinlich sind das, wie meistens in solchen Fällen, alles ausgewanderte Schweizer, die sich kein ordentliches Steak sondern nur Chicken-Nuggets leisten konnten in Deutschland und dann mit Fischstäbchen böse hereingelegt wurden.

  • Fett, feist oder feiss?
  • Während „fett“ und „feist“ zum Standarddeutschen gehören, und folglich überall verstanden werden, ist „feiss“ mit oder ohne „ß“ geschrieben, alemannisch und damit auch in der Schweiz verbreitet. Wir finden im Duden:

    Feiss
    1. feiß [mhd. vei (e), urspr. = strotzend, schwellend] (alemann.): fett, feist.
    2. Feis, Feiss, Feiß, Feist: ober- und mitteldeutsche Übernamen zu mhd. veiz(e), veizt beleibt, feist, fett . Ulr. der Faist ist a. 1340 in Regensburg bezeugt.

    Dank dieser Hilfe wird uns auch klar, warum in der Schweiz der Braten nicht „fett“ sondern „feiss“ wird in der Redewendung: „Dass macht den Braten nicht feiss“.

    Google findet hierzu lediglich Stellen in der Schweiz (vgl. Google-CH)
    Kein Wunder, denn in Deutschland ist man keinen fetten Braten, sondern lieber Kohl, auch ohne Helmut davor. Die verstorbene Frau des Alt-Kanzlers Helmut Kohl erwähnte einst vor der Presse ihre Pläne, ein Kochbuch zu veröffentlichen. Sofort mutmasste man über einen möglichen Titel: „Das macht den Kohl auch nicht fett“, aber leider war es da schon zu spät. Der stete Genuss des „Pfälzer Saumagens“ hatte seine Wirkung nicht verfehlt.

  • „Das macht den Kohl [auch]nicht fett — Das macht das Kraut [auch] nicht [mehr] fett
  • Unser Variantenwörterbuch meint dazu:

    D-nord/mittel „Das macht eine Sache nicht besser“: Natürlich kann man hie und da ein wenig in der Verwaltung einsparen, aber das macht das Kraut nicht fett. Kurier 6.3.2002, Internet
    Selbst die strukturellen Spar-Entscheidungen im öffentlichen Dienst … machen den Kohl nicht fett (TAZ 20.6.2001, Internet; D)

    Wenn das Kraut schon nicht fett wird, dann bekommt sicher sonst jemand „sein Fett ab“. Denn „ein Fett abbekommen / wegbekommen / wegkriegen“ ist nur in Deutschland (ohne südost) beliebt für „Recht für etw. bestraft oder getadelt werden

    Wir fragen uns dann natürlich, was die Schweizer abbekommen, wenn nicht ihr Fett?

    

    8 Responses to “Was den Kohl nicht fett und den Braten nicht feist macht”

    1. Kiki Says:

      Ich lebe zwar nun auch schon seit 1998 in Lübeck, aber den Ausspruch „Tu mal ordentlich Butter bei die Fische“ habe ich „hier oben“ noch nie gehört.

      Als Kind des Ruhrgebiets (gebürtiger Bochumer) ist mir hingegen der Satz „Jetzt aber mal Butter bei die Fische“ ein Begriff, mit den man sein Gegenüber auffordert, endlich mal Klartext zu reden!

    2. sabine Says:

      „jetzt ma butter bei die fische“ heißt hier in norddeutschland übrigens so viel wie: jetzt ma tacheles, red nich wie die katze um den heißen brei sondern komm aufn punkt 🙂
      ärmel hoch und hacken in`n teer.
      so ungefähr..

    3. Phipu Says:

      Natürlich gibt es auch vegetarische Aussagen:

      Was mehr oder weniger grob mit etwas unappetitlichem beschrieben werden kann „So ein Mist/Scheissdreck!“ kann natürlich auch geniessbar ausgedrückt werden: „So ein Chabis“ http://www.kochbuch-und-kuechenhilfe.de/Seiten/Lexikon/w/weikohl.htm

      Werden in Deutschland Kraut und Rüben durcheinander gemischt, sind es in der Schweiz „Chrut und Chabis“ mit viel schönerem Stabreim (Kraut und Weisskohl). http://www.radiofr.ch/de/emission.php?id=16

      Im Sinn von „dem habe ich aber meine Meinung gesagt!“ gibt es die flüssig-kulinarische Aussage „dem habe ich aber gesagt, wo der Bartli (für Bartholomäus) den Most holt!“.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Most_(Getr%C3%A4nk)

      Das ist wohl nur der Anfang. Andere Kommentatoren werden sicher noch viele ähnliche Ausdrücke beizutragen haben.

    4. René Says:

      Also, der Spruch „das fett abkriegen“ ist hier sehr üblich (in der Schweiz). Das Wort „bei“ ist allerdings bei uns eher nicht üblich. Meine Freundin (Köln) braucht das sehr oft. „Mach die Türe etwas bei“, was sehr zu Verwirrungen führen kann.
      Aber der schönste „bei“ Satz ist natürlich „komm mal bei misch bei“ :-))

    5. sylv Says:

      Das isch doch es Beeri /Zwätschge/Bire/Pfluume
      ( jemand die/der nicht gerade sehr clever oder körperlich nicht fit ist)

      Däm ha i ds Mösch putzt ( jemandem das Messing[geschirr] putzen) e.g Die Meinung sagen

    6. Sara Says:

      Also in Süddeutschland gibt es diesen Ausdruck „feist“ auch noch

      Quelle: http://www.badische-seiten.de/wissen/faissen.php

    7. Phipu Says:

      an Sara

      Interessant; Auch in vielen Gebieten der Schweiz kennt man vor der Fasnacht oder zu Fasnachtsbeginn den „schmutzig/schmutzige Donnschtig“. Natürlich hat dieser wie die „Faissen“ einen kulinarischen Ursprung:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Schmutziger_Donnerstag

    8. Michael Says:

      Als typischer Schweizer will ich immer das „Füfi und s’Weggli“.

      Zwätschge gilt auch als harte Beleidigung einer Frau „die zwätschge het mer de vortritt gno“. „sBeeri“ ist für mich die etwas verniedlichende Form der Beleidigung (so in etwas „sie ist halt noch jung, naiv“ etc.).

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