Schweizer Höflichkeit vs Schweizer Empfindlichkeit
Die Schweizer sind ein durch und durch höfliches Volk. Das Verhalten in Standardsituationen wie Begrüssung, Verabschiedung, Verabredung (=“abmachen“), Bestellen im Restaurant, Erbeten einer Auskunft von einer unbekannten Person etc. ist geprägt durch eine Reihe von „Kommunikationsritualen“, die es unbedingt einzuhalten gilt. Der Schweizer lernt sie von seinen Eltern, in der Schule und im Laufe seiner spezifisch „helvetischen Sozialisation“ automatisch. Hinzugezogene Ausländer, insbesondere Deutsche, müssen sich dies erst abschauen und langsam erlernen, dann immer wieder erinnern und trainieren, und möglichst niemals in der entscheidenden Situation vergessen.
Geschieht es doch, wird einmal ohne Beachtung der üblichen Kommunikationsregeln der direkte Weg gesucht, reagiert ein Schweizer gelegentlich unwirsch, unhöflich und empfindlich. So schrieb ein Kommentator der Blogwiese.
Da gab es letzthin im Radio ein Kommentar von einem Tessiner Comedian, der meinte in Zürich seien alle Leute so hilfreich. Er habe eine Adresse gesucht und nachdem er eine junge Frau fragte “können sie mir sagen wo xxx ist?”, meinte diese: “Ja, kann ich” und ging weiter.
Wir erlebten mitunter, dass eine sachlich vorgebrachte Bitte oder kritische Äusserung von unserem Schweizer Gegenüber als Affront oder gar Eingriff in die persönliche Freiheit aufgenommen wurde.
Eine ruhig vorgebrachte Frage nach einem zweiten Handtuch in einem Hotel führte zu hektischen Aktivitäten und Entschuldigungstiraden.
Ich sagte zum Besitzer eines Fitnesscenters, dass er wohl an gute Parkmöglichkeit für Autos der Kunden, jedoch nicht an Fahrradständer mit Dach gedacht habe, worauf er mich sofort unwirsch an die Hand und zu selbigen führte, die etwas versteckter auf der Rückseite des Gebäudes lag. Die Anmerkung war wiederum als “harte Kritik” empfunden worden.
Wenn Sie als Deutscher nicht in der Lage sind, mit den Schweizern auf Schwiitzerdütsch zu kommunizieren, sollten sie in solchen Situationen extrem vorsichtig und umsichtig vorgehen und argumentieren. Allein die Tatsache, dass sie ihre Äusserung, Anmerkung, Kritik oder sogar Beschwerde auf Hochdeutsch formulieren, und sei sie mit noch so vielen „Bitte Schön“ und „Entschuldigen Sie bitte“ garniert, führt in Schweizer Ohren zu einer Verstärkung ihres Anliegens. Es bekommt einen offizielleren Ton, wird fast schon wie eine schriftliche Beschwerde aufgenommen. Denn daher mag es kommen: Ihre wohlformulierten Kritikpunkte werden wie eine schriftlich eingereichte und darum umso dringlichere Beschwerde empfunden.
Anderseits hörten wir etliche Geschichten von Schweizern, die sich mit Deutschen angewöhnt haben, selbst eine Spur “patziger” oder “frecher” zu sprechen, als sie es sonst gewohnt waren, um sich auf den vermeintlichen “Ton, den die Deutschen verstehen” einzustellen. Auch diese Nuancen können wir wahrnehmen, und uns ist dabei nicht wohl. Einerseits möchten wir uns manchmal auf die Zunge beissen, wenn unser Anliegen zu schnell und zu direkt vorgetragen rausgerutsch ist, anderseits können wir auch nichts mit extra “Deutsch unfreundlichen” Antworten anfangen.
Das Ganze ist eine ewige Quelle von gegenseitigen Missverständnissen und benötigt auf beiden Seiten grosses Fingerspitzengefühl. Die klassischen “Telefonrituale” kann man als Deutscher gut erlernen, sie gehen irgendwann in Fleisch und Blut über, und so gelingen Anrufe mit den nötigen Rückfragen, Danksagungen und Verabschiedungsritualen, ohne das wir uns dabei lächerlich vorkommen. Dennoch kann ich mir einen gewissen Sarkasmus nicht verkneifen, wenn ich z. B. nach meinem Namen gefragt werde, den aber just vor 2 Minuten langsam und deutlich gesagt habe, oder in einer Email die Frage lese: “Bitte senden Sie uns ihre Telefonnummer”, welche drei Zeilen weiter unten deutlich zu lesen ist. Am liebsten mag ich aber die Frage von Journalisten zum Thema Blogwiese: “Wie lange sind Sie schon in der Schweiz? Sind Sie alleine hier?“, zeugt es doch von perfekter Recherche. Lesen ist ein brutal schweres Geschäft, aber manchmal hilft es tatsächlich weiter.
(2. Teil Morgen: Als die Bildzeitung die Schweizer empfindlich beleidigte)
July 21st, 2006 at 12:22 am
hmmm ich empfinde das sozusagen ruppige deutsche meist eher als witzig.. meine arbeitskollegen gugen mich an und sagen etwas mit ihrer ruppigen art und wen ich schon wieder auf diese art von humor reinfalle lachen die sich fast vom stuhl…
wer mit sowas nicht umgehen kann ist echt zu empfindlich..
anders seh ich da einen ehemaligen mitarbeiter der in dieses klische “arroganter deutscher” passen würde… ruppig wie sau… immer mies drauf… spöttisch gegenüber anderen… herablassend usw… jaja.. warscheinlich liegt es an genau diesen leuten das wir schweizer meist so dünnhäutig reagieren
aber ich sage das ist mentaliät.. das gehört zum schweizer… so wie die deutsche art zum deutschen passt….
ein wirklich friedliches miteinander ist kaum in sicht… da der schweizer darauf wartet das sich der deutsche gefälligst anpasst…..
das problem: wie willst du dich ändern wen du garnicht weist das du was falsch machst.. wen in deiner heimat jeder so ist… und die meisten damit zurecht kommen.
andererseits kann der höfliche schweizer auch nicht dem deutschen ins gesicht sagen… “ey du machst was falsch… so mögen wir dich nicht…”
demnach müsste sich der schweizer anpassen… was er aber nicht macht…. ich kenn doch meine pappenheimer
July 21st, 2006 at 12:56 am
MIr drängt hier die Frage auf: Was dürfte denn ein Schweizer im “grossen Kanton” nie tun, was hier als normal gilt?
July 21st, 2006 at 6:23 am
ist eine echt gute frage…
was isch als störend empfinden würde ist ein beispiel aus meinem wochenend alltag:
wen ich in deutschland einkaufen gehe und da ein schweizer einen verkäufer irgendwas fragt dann in schätzungsweise 90% aller erlebten fälle auf schwwitzerdütsch.
finde ich jetzt ein wenig frech… mache das darum auch nie.
ich habe mir auch dieses chchdeutsch abgewöhtn das wir hier von kindesbeinen üben… ihr wisst schon… der seltsame klang wenn wir deutsch sprechen. der in der schule sogar noch gut benotet wird.
ich denke dieser unterton beinhaltet eine hintergrundbotschaft.. sowas wie “iich wollte nur einmal anmercken das ich aus der schweiz ckomme”
July 21st, 2006 at 7:34 am
@Doppelsack
Unter der Prämisse, dass Sie sich zum Einkauf nicht bis nach Niedersachsen bewegen, sondern im Südbadischen bleiben, können Sie bei Ihrer Mundart bleiben.
Aufkleber an Fachgeschäften in Blumberg (sinngemäss): “Do schwätzed mer Alemannisch.”
July 21st, 2006 at 8:08 am
Wieder sehr fein beobachtet und gut zusammengefasst.
Ich wette, dass dieses Thema wieder Ichbins und Jonny auf den Plan rufen wird. Mal sehen, was sie uns heute wieder vorzuwerfen haben. Weinerlichkeit, Knausrigkeit, Arroganz und im Supermarkt in die Hacken fahren hatten wir ja alles schon, aber ich bin sicher, es wird ihnen zu diesem Thema etwas einfallen.
Vorbehalte gibt es wie Sand am Meer, man muss nur gewillt sein, sie aufzugreifen und da sind Ichbins und Jonny Experten.
Die Expertenrunde ist also eröffnet: Jungs, ihr könnt euch heute mal wieder so richtig beschweren. Dann man los!
July 21st, 2006 at 8:26 am
Der “Code” ist das Eine, was einigermassen gelernt werden kann, die Persönlichkeit das Andere… Als Schweizerin erlebe ich auch oft unangenehme Reaktionen, auf die ich gern verzichten würde, und freue mich, wenn ich respektvoll und freundlich behandelt werde. Im Ausland gilt es dann, die Codes zu knacken: In Norwegen hielt niemand die Tür für Nachfolger auf und ich war immer wieder überrascht, sie im Gesicht zu haben. Die Leute drängten sich an meinem schwangeren Bauch vorbei, ohne sich zu entschuldigen. Dafür bedankten sie sich ständig für irgendetwas. In den USA genoss ich die freundlichen Worte an jeder Ecke. Ich beleidigte aber einen befreundeten Arzt tödlich, als ich es wagte, eine Frage zu seiner Behandlung zu stellen. Und so weiter.
Ich finde die Frage auch interessant, was wir Schweizer in Deutschland falsch machen. Vielleicht fallen wir zahlenmässig weniger ins Gewicht und werden entsprechend weniger bemerkt? Gibt es wirklich Schweizer, die in Deutschland Dialekt sprechen? Oder handelt es sich eher um unser Schweizer Hochdeutsch, das doch die meisten Deutschen verstehen?
July 21st, 2006 at 9:07 am
Danke für diese informative und auch humorvolle Darstellung der sprachlichen Unterschiede. Ich erfahre täglich ähnliche Situationen, aber aus einem anderen Blickwinkel heraus, da ich ein in der Schweiz lebender Österreicher bin. So gesehen erlebe ich (aufgrund der grossen Zahl Deutscher hier) sehr schön die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen deutschem, österr. und schweizer Deutsch. Wobei man dies ja nicht generalisieren kann weil ja durchaus jede Region innerhalb der einzelnen Länder wiederum eigene Rituale und Redewendungen besitzt.
Übrigens mein erster Fauxpas drehte sich um “ich bin ang’fressn über/auf etwas ” - hier in der Schweiz heisst es man “liebt” etwas sehr, in Österreich ist es eher das Gegenteil - man ist deswegen sehr sauer
Ich probiere schweizerdeutsch zu reden (wird sicher erleichtert durch Freunde und vorallem meine Partnerin die Schweizerin ist). Was mir immer wieder äuffällt ist die Angewohnheit vieler Schweizer trotzdem auf Hochdeutsch im Gespräch umzustellen - wenn ich reklamiere sind manche sehr erfreut und verwundert (aha ein Österreicher versteht sowas?) andere bleiben fallen sturr nach dem zweiten Satz schweizerdeutsch wieder ins Hochdeutsch zurück. Wobei dies wohl vermutlich eine Art Schutzreflex oder Komplex (man könnte mich eventuell nicht verstehen) ist den wir Österreicher gegenüber Deutschen die Hochdeutsch sprechen auch hervorbringen.
Ich liebe die Vielfalt der Sprache - probiere immer Unterschiede abzuleiten und alte Wörter die es in CH und Ö, nicht aber in D oder vice versa etc gibt zu erklären. Das macht Spass und wir sollten diese kleinen aber feinen Unterschiede auch weiterhin pflegen.
tschüss, sali und pfiat eich
Peter
July 21st, 2006 at 9:14 am
tja kblog, die grösste unart ist wohl schwob zu sagen, egal ob in ch oder d, auch wenn das für schweizer für “en dütsche” normal ist, ist es für mich die grösste beleidigung überhaupt. ich bin franke, schwaben gibts im raum stutgart - ulm und sonst nirgendwo!
.
andererseits erwarte ich schon von deutschen, wenn sie schon lange hier wohnen, endlich schwiitzerdütsch zu sprechen, es gibt kurse, viel wichtiger und hilfreicher ist der tägliche kontakt zu “eingeborenen”, das macht die sache schnell erlernbar
kenne immer noch landsleute, die auch nach 10 oder gar 20 jahren schweiz immer noch hochdeutsch sprechen…….find ich sehr schade!
das mit den höflichkeitsritualen ist aber gut beschrieben, auch hier gilt, nach einer weile geht das alles in fleisch und blut über…ihr wisst doch, andere länder, andere sitten…..
July 21st, 2006 at 9:16 am
Ich habe mal in einem Viersternehotel mächtig deutsche Klischees bestätigt. Wir waren dienstlich in der Schweiz und haben für die Übernachtung Nichtraucherzimmer bestellt. Dies wurde auch so akzeptiert. Einige aus der Gruppe, darunter ich, erhielten beim Eichchecken jedoch sehr muffige Raucherzimmer. Als ich an der Rezeption vorsichtig (natürlich auf Hochdeutsch) um ein Nichtraucherzimmer bat, konnte ich schon an den genervten Blicken, die das Personal dort austauschte, sehen was sie dachten: Wieder so ein quengeliger Mecker-Deutscher, dem unsere Zimmer nicht gut genug sind. Auch die Antworten waren zwar vom Wortlaut her korrekt, aber in einem Ton, der eher genervt-patzig klang. Um die amerikanischen Touristen war man jedoch rührend bemüht und las ihnen jeden Wunsch von den Augen ab.
July 21st, 2006 at 9:55 am
@Thomas W.
Also für solche Zustände in unseren Hotels möchte ich mich als Schweizer entschuldigen! Man bezahlt hier viel (sogar für ein ganz einfaches Zimmer) und wird dann auch noch unfreundlich empfangen, obwohl genau das den Betrieb wenig kostet, aber einen sehr grossen Effekt auf das Wohlbefinden des Gastes hat. Das ist zum Glück nicht überall so, vorallem dann wenn hinter den Tresen deutsches Personal steht! Ich glaube die werden extrem streng geschult schweizer Freundlichkeit zu zeigen, dass sie es besser machen als die Einheimischen
.
July 21st, 2006 at 10:02 am
@elisabeth
zitat:
Gibt es wirklich Schweizer, die in Deutschland Dialekt sprechen?
zitat ende
gibt es zu genüge.. da kann ich aus erfahrung sprechen… und das nicht nur nähe grenze… meist sind sie sehr bestürzt das sie nicht verstanden werden.
allerdings sind es meist ältere personen die sich dann auch etwas stur verhalten… da ich oft in D untewegs bin bemerke ich das imer wieder mal.
July 21st, 2006 at 10:06 am
@Lapsus 4711
allemanisch ist nicht schweitzerdeutsch!
……und “do schwätzed mer allemanisch” is nich mal allemannisch. So wie du das schreibst ist es Schwäbisch
Fehlt nur noch “do hanne”,………. “do hanne schwätzed mer allemannisch”
July 21st, 2006 at 10:12 am
@Wolfi: das ist doch Unsinn. Kein Mensch lernt aktiv einen anderen Dialekt als den eigenen. Ein Berliner würde nie Münchnerisch reden, auch wenn er schon seit 50 Jahren dort lebt. Es gibt ja sogar noch alte Leute, denen man anhört, daß sie aus Ostpreußen kommen. Oder ein plattdeutsch redender Wiener-neeee, bloß nicht. Man nimmt vielleicht nach Jahren ein bißchen was vom lokalen Dialekt an, aber sich einen fremden Dialekt anzueignen ist doch ziemlich unnötig. Schon mal einen Schweizer berlinern gehört? Eben. Es erwartet auch niemand, daß man als zugezogener seine Sprache anpaßt, außer daß man vielleicht Grüß Gott oder Grüezi statt Guten Tag (oder Guten Tach) sagt. Hochdeutsch ist nunmal das gemeinsame Sprachniveau, auf dem sich alle im deutschen Sprachraum Lebenden verständigen können sollten. Um Mißverständnissen vorzubeugen: im vorhergehenden Satz steht “können sollten”, nicht “sollten”.
July 21st, 2006 at 10:18 am
Wieso muss man denn eine Soziologie der helvetischen Freundlichkeit entwickeln? Ich habe als Deutscher einige Jahre in der Schweiz gearbeitet und war immer von der respektvollen, charmanten Schweizer Höflichkeit begeistert und beschämt (und immer wieder traurig berührt, wenn ich ins ruppige Deutschland zurückkehrte). Ein deutsche Polizist pöbelt, ein Schweizer lächelt, gibt die Hand, stellt sich vor und klärt die Fragen. Ich habe oft in Schweizer Hotels übernachtet und Restaurants gegessen, aber nie auch nur den Hauch von Unhöflichkeit erlebt. Meine Geschäftspartner musste ich mit Mühe überreden, dass wir es halten wie an der Management-Schule in Fontainebleau: sie reden Schweizerdeutsch, ich Hochdeutsch, jeder versteht jeden. Wer natürlich die Botschaft verströmt “Ich will, dass Ihr mich als ruppigen Deutschen empfindet und behandelt”, der könnte womöglich Erfolg haben. Aber warum?
July 21st, 2006 at 10:43 am
@wolfi
Ich halte gar nichts von der Dialektannahme, es sei denn man ist Comedian. Es klingt doch meisst sehr schrecklich wenn Leute krampfhaft versuchen einen Dialekt zu imitieren. Das Wichtigste ist doch, dass man sich versteht und wo ist das Problem wenn jemand z. B. Schweizerdeutsch redet und ich Hochdeutsch? Meinst du wirklich dass es hilfreich ist wenn man als Deutscher Schweizerdeutsch redet.
Sollte man in Deutschland wenn man das Bundesland wechselt auch einen neuen Dialekt erlernen?
Wichtig ist doch was jemand sagt, wie er es sagt usw, da soll doch jeder bei seinem Dialekt bleiben. Falls man merkt, dass man nicht mehr verstanden wird kann man ja auf Hochdeutsch umschalten.
Ich arbeite schon seit Jahren im Aussendienst in der Schweiz und komme prima klar mit den Leuten hier, noch nie hat jemand von mir gefordert ich möchte doch Schweizerdeutsch sprechen. Es gibt so viele echte Probleme auf dieser Welt, da sollten wir doch etwas gosszügiger sein und uns freuen, dass wir einander verstehen und nicht künstlich Probleme kreieren.
July 21st, 2006 at 11:34 am
@jens
lieber jens, wieso protokollierst du die schweiz eigentlich auf so eine einseitige art? meinst du nicht, du fängst dadurch an alles und jeden zu kontrollieren? siehst den schweizer nur noch als schweizer mit seinen komischen ritualen und eigenschaften? find ich nämlich schade, denn wenn ich mit jemandem rede möchte ich nicht dass er aus meinem gespräch nationale schlüsse zieht. tu ich hier in deutschland auch nicht.
ich weiss nicht mit welchen leuten du zu tun hast…das sich die dienstleistung so verhält wundert mich nicht…geht ja auch um produkte.
in berlin übrigens, und das ist ja auch symphatisch, geben sie dir im laden tips wo du noch billiger einkaufen kannst und raten dir die eigene ware ab.
geschäftlich gesehen ist dies natürlich nicht gerade fördernd…
du bist schon selber schuld wenn du dir solche mühe gibst dich anzupassen, denn wer sagt dass du dies tun sollst? du kannst doch eine eigene weise finden zu kommunzieren, ist eh viel charmanter.
July 21st, 2006 at 11:47 am
gilt vorher die Frage zu klären, handelt es sich beim Schweizerdeutschen überhaupt um einen Dialekt oder sollte es als eigenständige Sprache angesehen werden?
Ich selbst spreche derzeit auch kein Schweizerdeutsch, aber Sinn machen würde es wahrscheinlich schon, da ich mich zum Einen damit nicht automatisch als Aussengeländer oute und zum Anderen mit meinem Gegenüber auf Augenhöhe unterhalten kann. Vertraulichkeiten und Humor lassen sich doch besser teilen, wenn sich die Kommunizierenden in der gleiche Sprachebene bewegen…..oder nicht?
@Harry R.
ich glaube da ist schon noch ein Unterschied, ob man in der Schweiz wohnt und mit dem Gesamtalltäglichen im Austausch lebt oder als Aussendienstler beruflichen Kontakt zur Schweiz pflegt.
July 21st, 2006 at 11:55 am
@moffi
Weisst Du, moffi, das ist hier ein Blog. Und der hat ein Thema. Und das lautet nicht: “Wie ist das Wetter heute?” oder: “1000 und eine Idee wie man Fondue verfeinern könnte”, sondern “Erlebnisse und sprachliche Beobachtungen als Deutscher in der Schweiz“.
Keine Angst, ich protokolliere nicht den ganzen Tag und lebe wirklich sehr gern in der Schweiz. Auch andere zu “kontrollieren” liegt mir fern. Es ist “beobachten” und nicht “kontrollieren“. Auch das “Schlüsse ziehen” liegt mir fern, den jeder Mensch ist anders, und sobald ich meine, etwas entdeckt zu haben, findet sich rasch ein Gegenbeweis.
Darum schreibe ich diesen Blog, um diese Dinge zu diskutieren, um die Erfahrungen mit anderen darüber auszutauschen, um dazu zu lernen, um mich belehren zu lassen (ich wusste bis vorgestern nicht, was eine “Abläute” am Bahnhof ist!), um auf Dinge aufmerksam zu machen, um Missverständnisse zu beseitigen, das gegenseitige Verständnis von Schweizern und Deutschen zu fördern, um endlich mal in eine Talkshow eingeladen zu werden und um ein Denkmal in Bronze oder Granit gegenüber von Brunnen im Vierwaldstättersee unweit vom Rütli zu bekommen, neben dem von Schiller.
Noch Fragen?
Und von wegen einseitig: Ich bin leider keine multiple Persönlichkeit um alle anderen Ansichten auch wiederzugeben, eigene Meinung oder persönlich Erlebtes ist darum zwangsläufig einseitig. Das Bloggen anzufangen ist nicht schwer, es steht jedem frei, es zu tun.
Und falls das nicht deutlich genug wurde: Es gibt viele nette Schweizer mit einem wunderbaren Charme, wir leben sehr gern hier in der Schweiz und wollen auch nicht weg, wir lieben Schweizerdeutsch und finden es immer wieder faszinierend, aber über diese positive Dinge den ganzen Tag zu schreiben, wen würde das permanent interessieren? Ich finde die kritischen Punkte berichtenswerter, und ausserdem ist “motzen” doch unsere Lieblingstätigkeit, wenn wir nicht gerade mit “arrogant sein” beschäftigt sind.
July 21st, 2006 at 12:10 pm
[img]http://www.cheesebuerger.de/images/smilie/boese/e040.gif[/img] Ja, ja, so sind wir Germanen!
Immer so…direkt…bomm…!
Is doch eigentlich schade, dass wir dann immer wieder zurückrudern und betonen, wie gerne wir doch hier leben, das Zwitscherdütsch mögen usw. usf. (Ich ertappe mich auch immer wieder dabei - und: Es kommt aus dem tiefsten Inneren meiner Seele).
Aaaaber: Es muss doch auch möglich sein, mal was Pointiertes zu sagen, ohne dass man gleich von den Helvetieren einen Apfel auf den Kopf gelegt bekommt!
Ich finde dieses Forum nicht zuletzt deswegen köstlich, weil viele Vorurteile, die hier - ironisch - kommentiert werden, kurze Zeit später im Comment-Bereich bestätigt werden.
July 21st, 2006 at 12:14 pm
Zum Abschnitt:
Es gibt Leute, die verwenden für auch in der Schweiz publizierte Artikel Ausdrücke wie „Danksagungen“, obwohl erst vor wenigen Tagen das Wort „Verdankung“ und in den Kommentaren zu http://www.blogwiese.ch/archives/339 der Zusammenhang der „Danksagung“ mit Trauerarbeit publiziert wurde. (Beispiel unter http://www.arnold-und-sohn.ch/index.php?sid=69 )
Bei derart viel Lesestoff kann natürlich so ein Detail untergehen. Da muss ich mir meinen gewissen Sarkasmus wohl verkneifen.
July 21st, 2006 at 1:24 pm
@phipu
Woher wusstest Du, dass ich von Beileidsmitteilungen am Telefon sprach?
“Danksagung” hat für mich im Standarddeutschen nicht die Konnotation von “Nur bei Todesfällen”.
July 21st, 2006 at 1:45 pm
@jens
jeder mensch ist multipel und hat die möglichkeit verschiedene sichtweisen wiederzugeben. ausser er ist verbort.
das kann ich verstehen sich austauschen zu wollen. wieso sind aber deine texte immer so beleidigt(nicht beleidigend!)?
motzen empfinde ich nicht als eine deutsche eigenschaft.
und wie man mit arrogant beschäftigt sein kann, musst du mir noch erklären.
hallo? ich will auf keinen fall als netter schweizer gelten, verdammt, das ist ja das problem in diesen blogs hier…ob eine nationalität nett ist oder nicht ist sowas von egal. eine bestätigung brauche ich persönlich nicht.
an diesen blogs ist mir aufgefallen das immer alles versucht wird in eine schublade zu stecken, pro oder anti. und ich kritisiere das! es gibt nun einmal andere arten zu kommunizieren.
ich finde deine früheren texte einfach interessanter…mir kam es vor, als wären sie auf eine art sachlicher und führen tatsächlich zu einem interessantem austausch. sachlichkeit ist nicht gleich neutralität; nur um ein vorurteil vorzubeugen.
talkshows sind out und das schiller-jahr ist auch vorbei. bringt also keine popularität mehr sein denkmal dort aufzustellen.
July 21st, 2006 at 1:46 pm
@Mänu: Kein Grund für eine Entschuldigung - es gibt ja keine Kollektivhaftung für mürrische Rezeptionisten. Sonst müsste ich mich als Deutscher ja och mehr entschuldigen und schämen. Wobei: auch hier gibt es absolut rühende Bedienungen und meist werde ich in D-land entgegen dem Klischee sowohl am Schalter als auch im Supermarkt oder Restaurant durchaus rührig, teils sogar liebenswert bedient.
Zudem habe ich in anderen Schweizer Hotels durchweg positive Erfahrungen gemacht. Meine erste Übernachtungserfahrung in der Schweiz war jedoch mal ein Hostel in Zürich - das den Namen eines dämmebauenden Tieres trägt. So eng und muffig habe ich noch nie übernachtet - zumal für diesen Preis, da war die Basler Jugendherberge anschließend eine absolute Wohltat, mit äußerst zuvorkommendem Personal.
@wolfi: ich habe es ja noch nicht mal geschafft, mir den Dialekt der Gegend wo ich aufgewachsen bin, anzueignen. Bayerisch würde ich mir auch nicht zutrauen, obwohl ich hier fast zehn Jahre meines Lebens verbracht habe. Selbst ein einfacher bayerischer Satz kommt bei den Einheimischen eher als Verarsche an und sie meinen, ich wollte mich über sie lustig machen. Selbst beim Gruezi-sagen habe ich in der Schweiz so seltsame Blicke bekommen, dass ich es dann sein ließ und einfach “Grüß Sie!”, “Grüß Gott” bzw. “Hallo” gesagt habe. In der Schlange beim Supermarkt hatte ich beim “Gruezi” das Gefühl, in diesem Moment leuchtet über mir ein grosses, blinkendes Leuchtschild “ignoranter Deutscher” auf und alle schauen pikiert - und dabei habe ich es noch nicht mal als “Grüt-zi” ausgesprochen.
July 21st, 2006 at 1:59 pm
@moffi
Da geht das Wundern wieder los: Wo bitte schön erwecken meine Texte den Eindruck, ich wäre beleidigt? Das ist wie mit dem “weinerlich” Vorwurf. Wir können das absolut nicht nachvollziehen. Irgendwie scheint “Beleidigt sein” oder “weinerlich gestimmt sein” in der Schweiz und bei Deutschen völlig verschiedene Zustände zu beschreiben.
Gerade heute das Posting: Es ist eine sachliche Aneinanderreihung von Beschreibungen, mit dem sachten Versuch einer Deutung. In welchem Satz, Wort oder an welcher Stelle hast Du den Eindruck, ich wäre “beleidigt”? ich kann Dir versichern, ich bin es nicht. Die Szene im Hotel bzw. im Fitnessclub habe ich doch nur zur Verdeutlichung geschrieben, wie leicht eine jede kritische Äusserung missverstanden werden kann, nur weil sie auf Hochdeutsch erfolgt. Beleidigt war ich in beiden Fällen nicht, woher her denn, sondern eher irritiert über die heftigen Reaktionen bei nichtigem Anlasse.
July 21st, 2006 at 2:06 pm
@Peter:
Vielleicht ist folgender Link von Interesse für dich. Ich mache dort regelmäßig bei den Befragungen mit und finde es immer wieder spannend:
http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/sprachwissenschaft/ada/
@Frank u. Harry:
Ich bin Deutsche, lebe nicht in der Schweiz, führe aber eine Fernbeziehung mit einem Schweizer und bin deshalb sehr oft dort. Zu Beginn habe ich in der Schweiz immer Hochdeutsch gesprochen, wobei mir allerdings mit der Zeit auffiel, dass ich mir die schweizer Sprachmelodie angewöhnt hatte, so stark, dass es z.B. meine Eltern bemerkten, wenn ich direkt nach einem Schweizbesuch bei ihnen war. Außerdem fühlte ich mich in der Schweiz immer irgendwie als Außenseiterin und fand es nicht unbedingt toll, ständig als Deutsche aufzufallen.
Irgendwann habe ich dann angefangen, nach und nach Schweizerdeutsch zu lernen und jetzt rede ich mit Schweizern nur noch Schweizerdeutsch, außer wir befinden uns in Deutschland und es sind andere Deutsche dabei.
Ich bekomme auch nur Lob (bisher jedenfalls) für meine Aussprache und manche Leute sind sogar verblüfft, dass ich Deutsche bin. Klar mache ich mal Fehler, aber das geht den meisten Schweizern beim Hochdeutschen ja nicht anders. Auf alle Fälle hat das Schweizerdeutsche vieles für mich vereinfacht. Fühle mich so bei Gesprächen einfach wohler. Wenn ich mal nicht weiß, wie ein Wort auf Schweizerdeutsch heißt, frage ich einfach nach und meistens geben die Leute sehr gerne Auskunft und es führt oft zu interessanten Gesprächen.
July 21st, 2006 at 2:16 pm
@jens
der text insgesamt macht diesen eindruck, nicht einzelne geschehnisse. frage: meinst du wir mit wir deutsche? dann fühl ich mich auch dazugehörend, lebe schliesslich schon ziemlich lange in deutschland. mich irritiert hier(berlin) nicht mehr wenn die leute unfreundlich sind und beim reden keine miene verziehen. find ich eher lustig. ich hab mich nach einem jahr daran gewöhnt. auch die absolut witzigen witze und anspielungen über schweizer, irgendwie höre ich sie nicht mehr.
@ thomas w.
in supermärkten schauen immer alle pikiert wenn jemand sein maul aufmacht, egal was da rauskommt. kommen halt menschen zusammen, die nicht zusammen kommen wollen. ganz genau wie im tram, im bus und blablabla.
also wegen preis und hotel; geh nach italien, england usw., da hast heruntergekommene pensionen und hotels zu mordspreisen. und freundlich sind sie da auch nicht.
July 21st, 2006 at 2:38 pm
@ Luise
Dann bist Du definitiv ein ausgesprochenes Sprach-Talent und nimmst den fremden Dialekt schnell und automatisch an. Das gibt es (eine/r von hundert) !
Das ist aber die Ausnahme, bei den allermeisten Deutschen tönt es einfach schrecklich, wenn sie versuchen Schweizerdeutsch zu sprechen.
July 21st, 2006 at 2:47 pm
@moffi
Wenn ich von “wir” schreiben, dann meine ich damit: Ich und mein Ego.
Im Ernst: Es sind häufig Erlebnisse von mir, meiner Frau, meiner Tochter, niemals von “allen Deutschen”, gegentlich auch von anderen Freunden.
July 21st, 2006 at 2:48 pm
@Jean Gabin
Ich kenne sogar noch einen. Der Onkel meines Freundes ist auch Deutscher und spricht Schweizerdeutsch. Ist sicherlich wesentlich einfacher, wenn der Partner Schweizer ist. Da hat man ganz viel Gelegenheit zum Üben und es muss einem auch nicht peinlich sein, wenn man Fehler macht…
July 21st, 2006 at 3:00 pm
sanchoz, du sagst es, man kommuniziert auf augenhöhe und wird urplötzlich ganz anders, nämlich als schwiizer wahrgenommen, was im alltagsleben natürlich ein gewaltiger vorteil ist.$
richtig luise, manchmal passiert ein “fehler”, das ist aber kein problem, sondern eher lustig.
sehe schweizerdeutsch eindeutig als eigenständige sprache an, die sich dann natürlich wieder landesweit unterscheidet, aber das grundmuster ist so extrem anders, das man nicht von einem dialekt reden kann.
sicher ist aller anfang schwer, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, nach fünf jahren schweiz weiss ich wovon ich spreche
.
viel wichtiger ist aber tatsächlich, was mein gegenüber meint oder denkt, egal, ob in gebrochenem, stilsicherem hoch- oder in schweizerdeutsch.
aber wiegesagt, schweizer achten zu allererst eben auf die sprache…..
July 21st, 2006 at 3:11 pm
@thomas
grüüähzie kann doch nicht so schwer sein? alternativ ist u.a. auch grüasach möglich, der anfang ist also gemacht…;-)
July 21st, 2006 at 3:16 pm
Hallo Herr Wiese
Sie schreiben dass Sie Erlebnisse und sprachliche Beobachtungen als Deutscher in der Schweiz wiedergeben. Sie geben aber nur Erlebnisse und sprachliche Beobachtungen als Deutscher in der Deutschschweiz ab.
Das dies etwas einseitig ist – dürfte jedem der sich länger in der Schweiz aufhaltet klar werden – ausser man will nicht. Wir sind Multikulturell – auch dies sollte man nach einem längeren Aufenthalt in der Schweiz herausfinden:-).
Die Schweiz ist viel zu vielseitig als das sie mit dem „Tunnelblick“ eines Germanistikers angeschaut werden sollte (Deutschland ja auch).
Damit die Sachlichkeit gegeben ist müssen Sie nicht nur (meistens) negative Erlebnisse wieder gegeben -.Versuchen Sie positiv zu denken:-).
Springen Sie über Ihren Germanistik schatten und geniessen sie dieses Land/Leute/Kultur. Einen längeren Ausflug im Jura, Waadtland oder gar ins Tessin hat noch niemanden geschadet. Übrigens hat es im Tessin ein Museum von Hermann Hesse das nicht nur für Schweizer ist:-)
.
Wie wäre es mit einem Blog mit dem Namen – Die Schweiz das Multikultiland aus der sicht eines Deutschen der die Schweiz auf die Deutschschweiz reduziert… .-) .-)
Freundliche Grüsse
D. Montebasso
July 21st, 2006 at 3:17 pm
Bitte nicht den Lokaldialekt annehmen versuchen! Seid Stolz auf die Herkunft. Früher störte es mich wenn mein Akzent zu stark rauskam und ich deswegen angesprochen wurde. Seit ein paar Jahren ist das anders. Ich stehe zu meinem Dialekt und Akzent in anderen Sprachen. Wenn aber jemand wie Luise die Begabung zur Adaption der Aussprache hat, dann ist das Erlernen des Dialektes eine willkommene Geste zur Assmilation.
Schweizerdeutsch: DAS Schweizerdeutsch gibt es nicht. Es gibt jedoch sehr viele regionale und sogar lokale Dialekte. Ein und dieselbe Sache kann in den verschiedenen Schweizer Dialekten auch verschieden benamst werden ( Beispiel: Butter/Anke). Es gibt sogar in den Medien jeweils Ranglisten, welcher Dialekt bei den Schweizern am beliebtesten ist. Gibts in Deutschland auch eine Beliebtheitsliste der Mundarten?
Ich mag die ironischen Texte und insgesamt den Blog als Spiegel unserer Kultur.
July 21st, 2006 at 3:40 pm
Sali Luise
Danke für den link, habe gerade bei einer Umfrage mitgemacht. Aber es ist schon “schlimm” wie man seine eigene Sprache durch Übersiedelung verändert. Teilweise war es schwer mich zu erinner ob wir fünfzehn oder fuchzehn (15) sagen etc. Ausserdem fällt mir auf dass ich mehr und mehr helvetische Ausdrücke (arbeiten=schaffe, Handy=Natel, han i=hab i) verwende wenn ich mit nicht schweizerdeutsch sprechenden Freunden oder der Familie daheim in Österreich rede. Irgendwie wird mein Deutsch immer mehr zur Mischkulanz
Unser Baby (erwarten es im Oktober) wird dann drei-deutsch-sprachig erzogen - von meiner Partnerin schweizerdeutsch, mein oberösterreichisch dazu und ausserdem natürlich hochdeutsch. Ohje, ich hoffe es wird es verkraften
Andererseits fördert sowas sicher auch Flexibilität und Kreativität gegenüber Sprachen und Sprachverständnis.
July 21st, 2006 at 3:46 pm
Für mich klingt das alles (insbesondere die Kommentare) als würden die Schweizer (ausschliesslich) von uns Deutschen erwarten, dass man ihnen dauernd die Anerkennung ausspricht, und wie toll die Schweiz doch ist, und dass man, wenn man es nicht tut, ihnen damit sofort unterstellt, hinterwäldlerisch, zurückgeblieben oder sonstwas zu sein.
Auch wenn ich eigentlich nur für mich selbst reden kann, bin ich mir sicher, dass Jens und auch die meisten anderen Deutschen genauso denken, wie ich.
Daher, liebe Schweizer lasst mich Folgendes sagen: wir haben euch lieb. Wir halten Euch für wunderbare, sehr höfliche, hart arbeitende Menschen, die mindestens genauso modern und intelligent sind wie wir, und die wir durchaus als (in jeder Hinsicht) gleichberechtigt ansehen.
Wenn wir mal etwas sagen, ist das nicht immer als Kritik, sondern oft nur als Frage gemeint. In Deutschland haben wir andere Umgangsformen, deshalb beherrschen viele von uns nicht die helvetischen Höflichkeitsformen. Wenn wir diese weglassen, ist das kein Ausdruck von geringer Wertschätzung oder gar die Vorstufe zu übelster Kritik (”Motzerei”). Vielmehr handelt es sich schlicht um einen kulturellen Unterschied. Und der wird von den Schweizern doch sonst bei jeder Gelegenheit betont und verteidigt. Also seht es uns nach, wir wissen es einfach nicht besser…
July 21st, 2006 at 4:09 pm
@Administrator: Was Moffi anspricht wollte ich Dir auch schon schreiben. Vieles was Du schreibst tönt sehr tendenziös. Ich möchte mich jetzt hier nicht näher drüber auslassen. Was ich Dir aber ans Herz lege ist folgendes: überleg Dir immer gut bevor Du schreibst, was Du damit auslöst. Schau doch mal unter http://www.hallo-schweiz.ch/ - Gästebuch - Eintrag von “mareike” vom 19.Juli 2006 09:53
Das sagt alles…..
July 21st, 2006 at 4:18 pm
@moffi: Ich habe ja geschrieben, dass ich in der Schweiz durchaus positive Erfahrungen gemacht habe. Und halt auch mal was Negatives, möglicherweise in Bezug auf mein Hochdeutsch. Und nicht generell und nicht pauschal.
In Italien und England kann man ebenso gute und schlechte Erfahrungen haben. Wenn ein Italiener jetzt Deinen Beitrag liest, so könnte er genau so sauer reagieren. Peace!
Was Anspielungen über Schweizer in Berlin betrifft: Da gibt es innerhalb Deutschlands sicher mehr Neckereien zwischen Hamburgern und Bayern, Westfalen und Sachsen oder insbesondere zwischen Baden und Schwaben (wo die schwäbischen Kollegen in Karlsruhe ständig von ihren badischen Kollegen mit entsprechenden Witzen bombardiert wurden und sicher noch werden). Auch nicht nett, wenn man hier in München Gläser mit “nur” 0,4 oder 0,33 Litern gerne als “Preußenhalbe” bezeichnet.
July 21st, 2006 at 4:38 pm
@Jens
Humor oder Sachlichkeit?
„Gerade heute das Posting: Es ist eine sachliche Aneinanderreihung von Beschreibungen, mit dem sachten Versuch einer Deutung“…. aber eingebettet in einer guten Portion Sarkasmus und Freude am Polarisieren? Warum hast du z.B. im Fitnesscenter nicht einfach nach einem Veloständer gefragt, sondern kritisiert, sie hätten nicht an die Velos gedacht (nur an die Autos)? Nervt es dich wirklich, deinen Namen nach 2 Minuten wiederholen zu müssen (ich vergesse Namen sehr oft schon nach 1 Minute)? Leidest du wirklich so sehr unter den Kommunikationsritualen („insbesondere Deutsche, müssen sich dies erst abschauen und langsam erlernen, dann immer wieder erinnern und trainieren, und möglichst niemals in der entscheidenden Situation vergessen“)?
Dein Humor und deine Emotionen sind spürbar (lebst du WIRKLICH gern in der Schweiz?;-)) und sie lösen einen ganzen Strom von Kommentaren aus. Nicht schlecht, bei dieser Hitze!
July 21st, 2006 at 4:49 pm
@ René
Ist doch gut, wenn die Deutschen (z.B. über diesen Blog) darüber aufgeklärt werden, dass man sie in der Schweiz nicht mag. So können sie sich wenigstens auf die Ablehnungshaltung der Schweizer innerlich einstellen bevor sich in der CH niederlassen und werden zudem von den negativen Reaktionen nicht überrascht. Oder sie können die Schweiz ganz meiden. Was auch nicht so schlimm ist, oder ?
Und ich finde es sehr interessant, wenn Jens so “tendenziös” schreibt. So sind eben die Erfahrung, die man als Deutscher hier macht.
July 21st, 2006 at 4:50 pm
@ sanchoz
[klugscheiss] Alemannisch ist geneu genommen die Sammelbezeichnung für alle (logisch) alemmanischen Dialekte. Schwäbisch, Niederalemmanisch, Höchst- bzw. Hochalemannisch wären hierbei die Untergliederungen die du wieder weiter aufdröseln kannst.
Insofern ist ein Schild “Mir schwätzet allemanisch” durchaus legitim…
Und da du Schwaben und Alemannen historisch sowieso gleichsetzen darfst, darfst du Schweizer theoretisch auch als Schwaben bezeichnen, genauso wie Badener oder Elsässer. Auch wenn es jede dieser Volksgruppen vehement abstreitet.
[/klugscheiss)
July 21st, 2006 at 5:19 pm
@Jean Gabin
Ich finde auch, das man dringend etwas gegen die vielen Deutschen in der Schweiz tun sollte, vgl. http://www.blogwiese.ch/archives/348
@Elisabeth
Ich habe im Fitnesscenter nicht mal kritisiert, dass es keine Fahrradständer gibt, sondern ich habe mich über den grossen Parkplatz vor der Tür amüsiert, auf dem lauter Autos von Leuten standen, die INNEN mit dem Spinning Bike auf der Stelle fuhren. “Veloständer wären noch schick” sagte ich, vielleicht etwas zu ironisch. Egal, die Reaktion zeigte mir, dass es immer eine heikle Angelegenheit ist, auf Hochdeutsch überhaupt sowas zu äussern.
July 21st, 2006 at 5:47 pm
@Jean Gabin
weisst du, ich würde mir das genauso wünschen wie du. Es sollte sogar in ganz Deutschland der breiten Masse zugänglich gemacht werden, dass die Schweizer dem gemeinen Deutschen sehr ablehnend eingestellt sind. Damit die verschlafenen Deutschen endlich diesen Traum vom netten multikulturellen Alpenstaat aufgeben und auch dementsprechend mal reagieren.
So dass dann jeder Schweizer in Zukunft, sobald er die Grenze Richtung Norden überquert auch nur noch in grimmige hasserfüllte Gesichter schaut, sobald er als Schweizer entlarvt ist. Schöne Vorstellung!
Dann würden Sie wahrscheinlich dauerhaft Deutschland meiden. Wunderschöne Vorstellung! Endlich die Autobahnen frei von Linksspurschleichern und an den grenznahen Gebieten nicht mehr die von Schweizern überlaufenen Geschäfte. Keine schweizer Pensionäre mehr, die im Südschwarzwald die Immo-Preise hochtreiben, weil sie dort ihren Lebensabend verbringen wollen.
Schöner Traum, aber leider ist die Realität anders, drüben im Reich weiss leider keiner Bescheid ;-(
July 21st, 2006 at 6:31 pm
Dieser Thread scheint statt Höflichkeit das Thema zu diskutieren: “Dürfen Deutsche Schwiizerdütsch sprechen?” Das ist aber sicherlich ein wichtiges Thema.
Ich meine, von jedem italienischen, spanischen etc. Gastarbeiter wird erwartet, dass er Schwiizerdütsch spricht, nur wir Deutsche dürfen es nicht. Ist doch irgendwie diskriminierend, oder?
Dabei wäre das doch die Anerkennung der Tatsache, dass es eben nicht nur ein deutscher Dialekt, sondern eine eigene Sprache mit einer eigenen Grammatik ist, die sich schon vom Mittelhochdeutsch abgetrennt hat.
Ich selbst habe mir Schwiizerdütsch beigebracht (nämlich als ich als Student in einer Fabrik gearbeitet habe, wo mich die ital. und span. Gastarbeiter auf Hochdeutsch nicht verstanden haben). War ganz schön schwer und es gehört eben mehr als nur Grüezi und “-li”-Anhängen dazu.
Die Reaktionen darauf sind wirklich sehr verschieden. Es gibt einige, die sagen, dass es “härzig” klingt und dass ich weitermachen sollte. Andere aber lehnen es grundweg ab (auch wenn sie mir vorher versichert haben, dass ich meine ganz gut mache). In der Tendenz gab es jedoch immer jemanden, der einen Schreikrampf gemimt hat und daher hab ich’s sein gelassen.
Natürlich finde ich es auch ok und bequem und cool, wenn jeder spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: ein Deutscher Hauchdütsch, ein Schweizer seine Mundart. Wenn man aber Freundschaften schliessen oder gar Beziehungen eingehen möchte, habe ich das Gefühl, dass sich in dieser Situation zwischen Deutschen und Schweizern eine förmliche Sprachbarriere errichtet. Keiner der beiden kann sich “zu Hause” fühlen. Es bleibt immer Fremdsein übrig. Dieses Gefühl meine ich nicht so stark zu fühlen, wenn sich beide auf eines der beiden Idiome einigen.
Fazit: Deutsche sollten ermuntert werden, gut Mundart zu lernen, wenn sie Lust haben
July 21st, 2006 at 6:45 pm
@ party und jens
Der Satz (”was auch nicht so schlimm ist, oder ?”) war doch nur ein kleiner Scherz ! Ehrlich.
Ich glaube übrigens die Schweizer sind vorallem gegenüber Deutschland als Nation ablehnend eingestellt und nicht gegenüber dem einzelnen Deutschen.
Meiner Meinung nach sollten die in der Schweiz lebenden Deutschen (in Zürich stellen sie zahlenmässig ja schon die grösste Ausländergruppe) offensiver gegen diese Anfeindungen vorgehen. Ich stelle immer wieder fest, dass die Deutschen hier nicht so selbstbewusst auftreten, wie in ihrer Heimat.
Die Deutschen hier möchten möglichst ihr Deutschsein verbergen, sich ja nicht als Deutsche “outen”. Das ist aber genau der falsche Weg und unterstützt das Verhalten der Schweizer. Macht es den Schweizer nicht so einfach: nicht immer kuschen, sondern sich gegen die Anfeindungen wehren ! Macht es wie die Italien, Portugiesen, Spanier - seid stolz auf eure Heimat und zeigt das auch den Schweizern. Schliesst euch zusammen, in Clubs, in Vereinen.
Äussert euren Unmut über das Verhalten der Schweizer, stellt deutschlandfeindliche Schweizer zur Rede, zeigt eure Freunde gegen aussen, wenn eure Fussballnationalmannschaft gewinnt (wie es die hierlebenden Italien, Portugiesen, Spanier etc. dies auch tun), macht Autokorsos, wenn D im Fussball gewinnt, kommt aus euren Schneckenhäusern heraus.
Macht es den Schweizern doch nicht so einfach.
July 21st, 2006 at 7:11 pm
möchte festhalten (für deutsche Staatsbürger eher selten) dass sich Herr Wiese sehr flüssig und ausdruckstark verbal auch der französchen Sprache bedient. Chapeau;-)
July 21st, 2006 at 7:18 pm
Da stehen ein paar Sätze zum Schluss (Lese ist…). Wer weiss was die Bedeuten? Ich bekomm noch eine Antwort, bitte!
July 21st, 2006 at 7:58 pm
@Vertbeau
Meinst Du den letzten Satz des Postings? Nun, da habe ich mich über Menschen aufgeregt, die mich Sachen über die Blogwiese gefragt haben, welche jeder auf der Titelseite des Blogs rechts oben lesen kann.
@schampar
Mit absoluten Zahlen kann ich leider nicht aufwarten, aber vor 20 Jahren gab es 2000 Studienanfänger im Fach Romanistik an den Unis in Baden-Württemberg. Jedes mittelgrosse Gymnasium in Deutschland wird neben einem Englisch- auch einen Franz-Leistungskurs mit mindestens 6 Zeitstunden pro Woche anbieten vor dem Abitur, darin hocken 12-20 Schülerinnen und Schüler.
Französisch ist neben Latein und nach Englisch überall immer noch die zweite Fremdsprache in Deutschland, es gibt ein Deutsch-Französisches Gymnasium in Freiburg so wie in Saarbrücken. Das Deutsch-Französische Jugendwerk organisiert jährlich für zig tausend Jugendliche einen Austausch. Ich weiss also nicht, woher das Gerücht stammt, dass Deutsche “eher selten” Französisch gelernt haben. Trotzdem vielen Dank für das Kompliment.
Sicher ist Baden-Württemberg “enger” an Frankreich orientiert als andere Bundesländer, aber Franz. studieren kannst Du überall, und an den Schulen wird es auch überall gut gelehrt. Die Methoden aus dem Klett-Verlag und aus dem Cornelsen Verlag sind sehr ansprechend und effizient, damit lernen die Kids in 2-3 Jahren eine solides “Kommunikaitonsfranzösisch”. Dann noch eine Klassenfahrt oder ein Au-Pair Aufenthalt (sicher einige tausend pro Jahr), und schon klappt das mit der Verständigung. Vielleicht ist aber auch hier mein Blick getrübt, weil ich oft in Frankreich im Urlaub bin und dort regelmässig Deutsche treffe, die passabel Französisch sprechen.
July 21st, 2006 at 8:15 pm
@Peter:
Ich denke eigentlich auch, Dreisprachigkeit wird dem Kind sicher nicht schaden. Alles Gute übrigens!
Ja, ich muss bei diesen Fragebögen auch oft erstmal überlegen. Normalerweise hilft es, wenn ich mir vorstelle, ich würde mich mit meinen Eltern oder meinem Bruder unterhalten.
Was ich übrigens ganz interessant finde, ist, dass ich seit ich in der Schweiz nur noch Schweizerdeutsch spreche viel weniger Probleme mit dem Umschalten habe. Wenn ich jetzt zu meinen Eltern fahre, habe ich nicht mehr diese schweizer Sprachmelodie, sondern kann da sehr gut trennen. Noch ein Vorteil.
July 21st, 2006 at 8:34 pm
Rassismus pur, denn in der Schweiz leben nicht nur Schweizer, nein, auch Ausländer (21%) haben in der Schweiz Rechte. Ausserdem sind die Schweizer nicht besser als ein Albaner oder ein Afrikaner.
Wenn es nach uns geht, dann wäre die schweizerische Kultur längst ausgestorben - denn Ausländer sind die neuen Schweizer, ohne Humanität, ohne Stolz, ein Vielvolk eben - Kriminalität wird toleriert.
Die Welt ist ja voller Kriminellen, warum nicht auch in der Schweiz, denn wir sind wie jeder andere!?
www.sp-schweiz.ch
July 21st, 2006 at 8:45 pm
@Luise
Danke!
Geht mir sonst auch so mit dem Umschalten.
Auf der von Dir gelinkten webpage gibts auch tolle Auswertungen ist interessant auch auf meine Heimat bezogen zu sehen welche regionalen Unterschiede es gibt.
Interessant ist aber auch dass es trotz aller Eingebundenheit ins Schweizerdeutsche durch Freundin, Freunde, Kollegen immer wieder (zwar selten) diese kleinen kulturellen Unterschiede gibt, die wirklich ins Auge gehen könnten. Ich meine damit einfach, dass ich als Österreicher zBsp im Brief- oder e-mailverkehr mit Schweizern sehr oft den Text als beleidigend , distanziert oder herablassend auffasse - hier ist ähnlich wie vielleicht D zu CH auch hier A zu CH der Charme der Sprache oder die Wortwahl anders und man meint zwischen den Zeilen einen negativen Unterton feststellen zu können. Ich meine einfach wenn Schweizer oft meinen dass Deutsche sehr hart oder unfreundlich reden, so empfinde ich das Deutsch im Schriftverkehr von Schweizern auch oft sehr hart und distanziert. Aber das ist nur Einbildung weil die Sprache einfach etwas anders verwendet wird, einzelne Wörter oft in der Bedeutung kleinwenig abweichen oder einem vom Sprachgefühl her deplaziert vorkommen. Das muss man lernen es zu nehmen wie es ist - ich finde es sehr bereichernd und spannend. Auch hat es seinen Reiz auch gelegentlich unsere speziellen österr.Kreationen des Deutschen aufzuzeigen
Diese Vielfalt der Regionen ist toll, wir verstehen uns alle, dennoch sind wir nicht gleich
July 21st, 2006 at 8:55 pm
Vieles hängt davon ab, wo man in der Deutschschweiz lebt. Has our esteemed Administrator lived exclusively in Bülach? Uebrigens, weshalb
Bülach?
July 21st, 2006 at 9:19 pm
Jens, die Schweizer haben Französisch “gepachtet” und halten einem Vorträge, wie man es auszusprechen hat.
July 21st, 2006 at 9:46 pm
Lieber D. Montebasso,
Das stimmt so nicht ganz, denn ich habe auch über Erlebnisse in der Westschweiz berichtet, und über die Situation der Tessiner
http://www.blogwiese.ch/archives/217
http://www.blogwiese.ch/archives/171
http://www.blogwiese.ch/archives/26
Nun leben wir aber im Zürcher Unterland, und das ist für uns „Schweiz“, obwohl wir gern und regelmässig auch in anderen Teilen des Landes unterwegs sind. Sie haben recht, ich sollte mal was über Erlebnisse im Tessin schreiben, nur leider sind die nicht so zahlreich oder erzählenswert wie die hier in der Gegend. Doch erhebe ich keinen Anspruch auf komplette Abdeckung aller Schweizer Landesteile und Lebenswirklichkeiten. Die Blogwiese ist keine Lexikon oder Nachschlagewerk, sondern einfach nur ein ganz persönliches Online-Tagebuch mit einem Thema.
„Als Deutscher in der der Deutschschweiz“ klang in meinen Ohren so, als ob ich damit klarstellen möchte: „Seht her, noch nicht ‚Deutsch-Land’ aber schon ‚Deutsch-Schweiz’“ Finden Sie das wirklich hübscher?
Auch dieses Thema wurde diverse Male diskutiert. Einseitigkeit ist normal, wenn nur einer schreibt und die anderen kommentieren. Am „multi-kulturellsten“ finde ich mit Abstand die Schweizer Autoversicherer, die meiner Arbeitskollegin, die von Serben abstammt und seit 22 Jahren hier lebt, 30% mehr Versicherungsprämie in Rechnung stellt, weil offensichtlich der falschen Kultur angehört.
Den Germanisten habe ich vor 12 Jahren an den Nagel gehängt, und dort wird er von Journalisten gern immer wieder heruntergeholt. Den Tunnelblick versuche ich zu vermeiden, in dem ich die Augen aufhalte. Das Leben ist vielseitig, die Schweiz auch. Der Blick eines einzelnen ist immer reduziert, liegt so an der Natur der Sache.
Also wer das Gefühl hat, dass ich hier auf 345 Postings nur negative Erlebnisse wiedergegeben habe, der soll bitte nochmals am Anfang anfangen mit lesen und mir dann eine Liste schicken von den Postings, in den ich Negatives schildere. Ich denke, die wird ziemlich kurz werden. Darf ich Sie höflich fragen, wieviel Postings sie gelesen haben? Kleiner Tipp: http://www.blogwiese.ch/inhaltsverzeichnis dort ganz oben anfangen und nicht vergessen mir die Liste zusammenzustellen, wo ich immer alles so negativ sehe.
Wenn ich jetzt anfange, alle Touren aufzuzählen, die wir in und durch die Schweiz bereits machten, hätte ich Stoff für die nächsten 20 Postings, aber dann keine Leser mehr, denn wer mag schon Reiseberichte lesen (ausser er heisst Phipu).
Tolle Idee. Ich werde die Umbenennung gleich morgen in Angriff nehmen. Könnte der Titel nicht noch ein Spur länger und deutlicher werden? Er sollte auch möglichst in vier Sprachen sein.
Ich wünsche weiterhin viel Spass beim Lesen der Tunnelblick-Berichte
Gruss, Jens Wiese
July 21st, 2006 at 10:58 pm
Gerüchte…und absolute Zahlen?
In Gymnasien Französisch in Leistungskursen anzubieten ist gut. Diese zu belegen, mündlich/schriftlich auch erfolgreich abzuschliessen ist das Andere. Die Fremdsprache auch versuchen zu leben, “ist eine paar andere Hose unter die Bauchnabel, wo es so schön geprickelt at”;-D.
Lange nicht alle Eingeschriebenen schaffen diese Hürde locker.
Ich denke, Sie denken französisch, wenn es die Situation erfordert. Das ist ein Vorteil und macht Sie glaubwürdig, für wen auch immer.
July 21st, 2006 at 11:29 pm
@administrator
Was, bitte schön, ist eine “Abläute” im Bahnhof?
July 21st, 2006 at 11:39 pm
Sehr interessant hier die Diskussion!
Deutschschweiz wird meines Wissens nach ganz einfach für den deutschsprachigen Teil der Schweiz verwendet, ohne Bezug zu Deutschland.
Ich kenne einige Leute, die als Erwachsene perfekt Schweizerdeutsch gelernt haben. Ich finde dies toll - und die Schweizer sollten denjenigen Deutschen, die Schweizerdeutsch lernen wollen, mehr Toleranz entgegen bringen und sie dabei unterstützen! Dass Deutsche Schweizerdeutsch sprechen DÜRFEN, sollte keine Frage sein. Ich für meinen Teil erlaube es mir, aus dem Berlinerischen die Wörter zu übernehmen, die mir gefallen, während meine Mitbewohnerin hier in Berlin auch gerne Schweizerdeutsche Ausdrücke gebraucht. Wir haben beide riesen Spass, neue Wörter zu lernen und verstehen uns prächtig!
Des weiteren finde ich die Frage danach, ob Schweizerdeutsch eine eigene Sprache sei, sehr interessant.
Man kann beobachten, dass man auf die Frage nach der ersten Fremdsprache, die ein Schweizer gelernt hat, vielleicht Französisch oder Englisch als Antwort bekommt, jedoch kein Hochdeutsch. Als Muttersprache wiederum wird aber nicht das Hochdeutsche, sondern das Schweizerdeutsche angesehen.
Linguistisch gesehen ist das Schweizerdeutsche eine Varietät des Deutschen. Die Unterschiede zwischen dem Standarddeutschen und dem Schweizerdeutschen liegen jedoch nicht nur auf lexikalischer Ebene, sondern auf syntaktischer, pragmatischer, phonetischer…
Vielleicht ist es deswegen für Deutsche so schwierig, das Schweizerdeutsche zu verstehen oder zu lernen.
July 22nd, 2006 at 8:36 am
Wie Michael bereits anspricht, ist Schweizerdeutsch nur der Sammelbegriff für eine Vielzahl zum Teil stark unterschiedlicher Dialekte. Und zwar: alemannischer Dialekte!
Halten wir fest: (@wolfi und @sanchoz):
Schweizerdeutsch ist keine eigenständige Sprache, trotz der zahlreichen Besonderheiten der Schweizer Dialekte. Es gibt keine einheitliche Grammatik und keine Rechtschreibung, wie z. B. im Niederländischen. In der Deutschschweiz werden alemannische Dialekte gesprochen, das sagt uns nicht zuletzt die alemannische Wikipedia.
Trotzdem hat Sanchoz irgendwo Recht: “Schweitzerdeutsch ist nicht Allemannisch”, beides existiert nämlich nicht.
July 22nd, 2006 at 3:06 pm
Ich bin keine fleissige Blogleserin und weiss daher nicht, ob die Anmerkung, die ich zum Thema Dialekt/Hochsprache machen möchte, hier nicht längst diskutiert worden ist.
Eine kleine Geschichte vorweg: ich bin als Ostfriesin auf einem grossen Bauernhof in Ostfriesland aufgewachsen. Um mich herum sprachen alle Plattdeutsch. Die Grosseltern, die Mutter, unsere Arbeiter und deren Kinder, unsere Spielgefährten. - Aber mit uns Kindern sprachen die Erwachsenen Hochdeutsch. - damit wir etwas Höheres lernen sollten. Der Dialekt galt (und gilt) als Sprache zweiter Klasse.
Als ich vierzehn wurde und der Erfolg im Gymansium langsam als gesichert galt (da kann man sich bekanntlich gewaltig täuschen), wollte mein Grossvater mit mir Plattdeutsch sprechen, weil er nun fürchtete, dass ich mich von meinen Wurzeln allzu weit entfernen könnte und wohl auch weil er begriff, dass das Plattdeutsche ein akut gefährdeter Dialekt war und ist. Plattdeutsch hatte ich natürlich langst gelernt, aber mit Grossvater blieb ich beim Hochdeutschen.
Als ich dann nach Deutschland ging um zu studieren, sagte Grossvater zu mir:”Kind, du geist nu na Dütschland, aber breng mi nich soon Dütschen int Hus.” Das passierte dann halt doch und noch dazu lebten wir in der Schweiz.
Für Schweizer: mir ist klar, dass es hier nicht Hochdeutsch, sondern Schriftdeutsch heisst. Und das hat einen guten Grund. Es ist ein sachlicher Ausdruck für die schweizerische Doppelsprachigkeit, das Nebeneinander von gesprochenenr und geschriebener Sprache. Und es soll zeigen, dass dieses Schriftdeutsch in der Schweiz nichts “Höheres” ist, sondern ….??? Hier weiss ich eigentlich nicht, wie ich es ausdrücken könnte, ohne jemanden zu kränken, ohne … na, über die zahllos herumterstehenden Fettnäpfchen lesen wir ja hier in fast jedem Beitrag.
Mir scheint, es gibt hier zwei Varianten. Mainstream,offizielle Ansicht ist, dass der Dialekt nicht nur eine vollwertige Sprache sei, sondern dass man auch alles in ihr kommunizieren könne. Was vor gut zehn Jahren zur Folge hatte, dass auch eine schweizerdeutsche Schriftsprache gefordert wurde. Das scheint heute kein Thema mehr zu sein. Heimlich scheint manche/r daran zu zweifeln.
Daher wehe dem, der Schweizerdeutsch niedlich findet oder glaubt, in einem (hoch)deutschen Sprachraum sollte doch jeder Hochdeutsch können.
Als Deutsche sind wir so sozialisiert worden: Hoch = hoch und platt = platt bzw. tief-stehend, geistig gesehen wohlverstanden, nicht etwa wegen der Landschaft.
Da treffen also zwei Sprachwelten aufeinander.
Und ausserdem scheint es mit noch etwas komplexer zu sein. Warum muss der Dialekt in der Schweiz so vehement verteidigt werden?
1. - es gibt eine Diskussion darüber innerhalb der deutschsprachigen Schweiz, in der bezieht man dabei Stellung. Schriftdeutsch im Kindergarten ??? etc.
2. - es gibt diesen Riesennachbarn, der eine andere Haltung vertritt. Da muss man sich wehren. “David und Goliath-Sydrom”.
3. - und es gibt diese nagende innere Stimme, die fragt, ob man wirklich auf Schweizerdeutsch über Kant diskutieren kann, ob sich das Schweizerische bürgerliche Gesetzbuch wirklich im Dialekt formulieren lasse … und ob nicht sogar der Wetterbericht etwas an Zuverlässigkeit gewönne … aber in diesen Punkt hat die Tagesschau nun freilich anders entschieden.
- und 4. gibt es einen Trost: liebe Freunde, man kann auch auf Hochdeutsch sagen: ich habe dich gern, ich mag dich - oder: soll ich dir die Schuhe binden? oder: bring endlich den Müll runter oder: es is heiss heute, lass uns baden gehn. Das klingt sogar alles sehr herzlich und alltäglich und küchenmässig und normal, wenn man damit aufgewachsen ist.
Der liebe Gott, so scheint mir, hat hier wieder einmal alle seine Kinder gleich gern, aber sie streiten nach wie vor darum, wer seinem Herzen näher sei.
Ich lebe übrigens inzwischen seit 42 Jahren in der Schweiz, manchmal gern, manchmal könnte ich sie alle auf den Mond schiessen, die Schweizer. Und dort würden sie dann die Deutschen und die Ostfriesen treffen, die ich auch schon dorthin geschossen habe.
Moin, moin
Folma
July 22nd, 2006 at 9:07 pm
Zum Schweizerdeutsch. Schweizerdeutsch ist keine eigenständige Sprache. Sondern eine vielzahl von Dialekten wovon die mehrzahl Allemannischer herkunft sind. Auch wenn dass jetzt meine Landsleute nicht gerne hören, es ist so. Darum und jetzt zum Thema “Schweizerdeutsch” sprechende Schweizer in Deutschland. Ich rede auch meinen “Dialekt” in Deutschland und zwar im Südbadischen und um den Bodensee. Ihr solltet mal die Gesichter sehen. Mir scheint es wie “he do traut si jo einer allemanisch t`schwätze”. Wenns jemand nicht versteht rede ich halt Hochdeutsch. Ich liebe Dialekte und wundere mich immer wenn ich Deutschland bin das dort so wenig Dialekt gesprochen wird. Ihr habt so schöne Dialekte.
Noch was zur wahrnemung der Schweiz und der Schweizer in Deutschland. Wir Schweizer und die Schweiz werden in Deutschland und von den Deutschen nicht so negativ wahrgenommen wie wir das immer meinen. Folgendes Beispiel: Ich nahm letztes Jahr an einem Musikanten treffen eines Musikforums teil. Es wahren Teilnehmer aus ganz Deutschland, drei aus Österreich und ich aus der Schweiz. Am ersten Abend gabs das obligate sich vorstellen. Ich stellte mich vor mit den Worten “Ich komme aus dem schönsten Land Europas” darauf riesen gelächter. Viele die hier Posten würden jetzt sagen “die arroganten Deutschen lachen uns aus”
Ich sahs eher so die haben über meine aussage gelacht und sie haben bestimmt nicht mich, die Schweiz oder die Schweizer ausgelacht. Das ganze Wochende war toll, ich habe eine menge toller leute kennen gelernt. Weder Arrogant noch eingebildet noch sonstwas.
Auch dieses Jahr gibts wieder ein treffen und als einer (Aus Baden) sah das ich wieder komme schrieb er im Forum “Toll das du kommst ich mag deinen Akzent” Das heisst für mich die Deutschen haben kein Problem damit wie wir “Hochdeutsch” sprechen, sondern sie mögen es.
Liebe Schweizer Landsleute, nehmt doch nicht alles so ernst.
July 22nd, 2006 at 10:43 pm
Naja, was eine Sprache ist und was ein Dialekt, wird von Menschen mit bestimmten Interessen definiert. Standardsprachen wie das Schriftdeutsche werden irgendwann von bestimmten Gruppen von Leuten “erfunden”: Sie haben die Macht, zu definieren, was “richtiges” und “falsches”, und was überhaupt gar kein Deutsch sei. So wurde behauptet, es handle sich bei ostfriesischen Platt und Alemannisch aus dem Südschwarzwald um die Varianten der gleichen Sprache. In der Folge wurde erwartet, dass sich die Leute anpassten und ein “sauberes Deutsch” lernten. Und sauberes Deutsch, soviel war klar, war weder Elsässisch noch Tirolerisch noch Oberlausitzer Dialekt. Sauberes Deutsch, das war die von Luther geprägte Sprache der protestantischen preussischen Beamten und Gelehrten. Wer ein anderes Deutsch sprach, hatte einen Dialekt - Kennzeichen von Provinzialität und Unterklassigkeit. Drum finden Deutsche Schweizerdeutsch putzig - sie erleben es als etwas Deviantes und Inferiores. Und dass sie uns, bewusst oder unbewusst, als deviant und inferior erleben, macht uns, oft auch nur unbewusst, gelegentlich sauer.
Doch lassen wir uns nicht beirren. Natürlich kann man auf Schweizerdeutsch über Kant diskutieren. Dürrenmatt und Frisch wären kaum auf die Idee gekommen, miteinander Schriftdeutsch zu sprechen. Und was die arroganten Schweizer angeht, die in Süddeutschland Schweizerdeutsch reden: Wer mal mit einem Einheimischen aus Lörrach, dem Hotzenwald oder dem Wiesental geplaudert hat, weiss, was er von diesem Statement zu halten hat ; )
Liebe Grüsse aus dem Dreyland (in dem Alemannisch immer noch die wahre Lingua Franca ist)
Peter
July 23rd, 2006 at 2:27 am
@Peter:
In einem Land der Größe und Vielfalt der Dialekte wie Deutschland ist die Verwendung von Hochdeutsch (das auch keine abstrakte Erfindung ist) ein Muss um sich zu verstehen. Ansonsten empfehle ich jeden Österreicher oder Schweizer, mal in einem Münsterländer Dorf in die Kneipe zu gehen und zu lauschen, wie da op Platt gekürt und vertellt wird.
Das sich eine bestimmte Sprachvariante für die übergreifende Kommunikation herausbildet, ist übrigens kein deutsches Phänomen. Gleich in Frankreich gibt es das nächste Beispiel. Und schon die Römer, Griechen und Ägypter haben ihre Reich mittels gemeinsamer Sprache regiert.
Das Hochdeutsche hat sich tatsächlich - im Gegensatz zum Niederdeutschen - aus den in den bergigeren Regionen südlich (!) der so genannten Benrather Linie entwickelt. Die Süddeutschen Dialekte stehen dem Hochdeutschen näher als die damals im Norden gesprochenen Sprachvarianten. Der Begriff ist daher nicht abwertend gemeint gewesen. Aber selbst die Hanse hatte als norddeutsche Handelsorganisation schon zuvor das Mittelniederdeutsche zum Standard im Handel gemacht, bis es dann vom Hochdeutschen verdrängt wurde, dass sich auch über hunderte Jahre hinweg entwickelte und nicht von einem auf den anderen Tag erfunden oder verordnet wurde. Erst recht nicht von Luther, wie ich als Katholik anmerken muss!
Deutsche finden übrigens das Schweizerdeutsch nicht putzig, weil wir es für einen unterentwickelten Dialekt hielten. Die meisten Deutschen kennen doch sowieso nur den Akzent, wenn Schweizer Hochdeutsch reden. Nein, der Klang ist einfach nett! Bei Frauen sogar sexy. Und wirkt sogar modern und fortschrittlich, da wir die Schweiz so toll finden. Denn sonst müssten wir ja auch das Wienerische, Berlinerische, Sächsische oder (Gott bewahre!) Schwäbische putzig und süss finden. Finden wir allerdings nicht.
July 23rd, 2006 at 12:38 pm
Hm, so von wegen der Kommentare ob Schweizerdeutsch eine eigene Sprache ist habe ich da auch noch meinen Senf dazuzugeben.Als stolzes ‘Berner Modi’ ist meine Muttersprache auch meine Identität, aber ich bemühe mich reines Berndeutsch zu sprechen und die alten Ausdrücke zu benützen,was manchmal dazu führt das meine Teenietochter nachfragen muss: ‘ Mam,was heisst denn das schon wieder:) ?!’
So zum beispiel techle oder sirachne statt speeden,es ist doch fast überall so dass die Sprache immer mehr mit englischen echt- und pseudoausdrücken gespickt wird und dies das Orginal total verfremdet.
Don’t get me wrong, I love England and speaking and writing english,aber jedes zu seiner Zeit und nicht miteinander vermischt.
July 23rd, 2006 at 9:32 pm
Hallo zusammen ich weiss es haben hier schon 62 etwas geschrieben, aber ich versuchs trotzdem auch nochmal.
Ich finde der Schweizerdialekt ist im prinzip eine eigene sprache. Der Unterschied zu anderen Sprachen ist bloss, dass wir kein allgemeines Schweizerdeutsch haben über das sich aller verständigen können.
Vielleicht ist es gerade das, auf was man hierzulande so stolz ist. Vielleicht auch eine sprachliche Ausprägung des Kantönligeists.
An alle die, die die ganze Zeit Jens Artikel kritisieren, weil sie etwas negativ rüberkommen… schnappt euch mal einen duden und schlagt sarkasmus nach.. Ich habe die Artikel bis jetzt immer als sehr freundlich empfunden. Negativ wären sie wenn er jemanden dafür verantwortlich machen würde oder darüber motzen, tut er aber nicht!!!!! Die Artikel sind aufmunternd geschrieben und bringen die meisten schweizer zum grinsen (alle die ich kenne, mich eingeschlossen).
Aber jetzt mal zum ursprünglichen Thema, ich finde nicht das schweizer sonderlich empfindlich sind gegenüber deutschen, diese sind aber auch nicht wirklich ruppig wie hier oft beschrieben. ich arbeite bei Ravensburger Schweiz und da unser Mutterhaus in deutschland ist haben wir oft deutsche am telefon. Sie waren bis jetzt immer höflich. Es gibt nur eine Eigenart die mir bis jetzt aufgefallen ist. Sie nehmen das telefon ob mit hallo ab, meist fragend, was ich anfangs oft falsch interpretierte. Ich dachte immer man versteht mich nicht richtig oder so…
so jetz seid ihr dran
July 24th, 2006 at 12:56 am
@gabi: das mit dem Hallo ist dann wohl eine Ravensburger Eigenart. Deutsche melden sich privat meist mit dem Nachnamen (manchmal auch Vor- und Nachnamen), dienstlich jedoch mit der Firma und Namen, beispielsweise “Ravensburger, Seifert”
Dafür wird aber im Ausland stets Hallo gesagt und nie der Name - in England, USA und Kandada hale Hello, in Italien ausschliesslich “Pronto” und in Frankreich auch was in der Richtung.
July 24th, 2006 at 11:30 am
Tut mir leid, dass ich so insistiere. Ich sehe aber immer noch nicht, was der letzte Absatz mit “Schweizer Höflickkeit” zu tun hat. (oder vielleicht mit Empfindlichkeit….?)
July 24th, 2006 at 11:40 am
@Vertbeau
Ich hatte mal geschrieben, dass die “vorauseilende Entschuldigung” typisch Schweizerisch ist. Für die hast Du gerade ein gutes Beispiel geliefert.
Du hast Recht, der letzte Absatz hat nur noch indirekt etwas mit “Höflichkeit” zu tun. Ich resümierte darin die Situation als Deutscher, der sich an die vielen Rückfragen und guten Wünsche am Ende eines Telefongesprächs gewöhnt hat und das jetzt selbst praktiziert. Deutsche sagen gern am Ende des Telefonats: “danke und Tschüss”, und schon ist Feierabend. Dieses abrupte Ende wird von Schweizern unhöflich empfunden. Ich füge dann noch an, dass ich es hingegen unhöflich finde, wenn ich von meinem Gegenüber Dinge gefragt werde, die zum Beispiel auf der Titelseite des Blogs stehen, oder die ich ihm gerade mit einer Mail geschickt habe. Das ist in sofern Unhöflich, weil es mir zeigt, dass sich der andere nicht wirklich die Mühe gemacht hat, etwas zu lesen.
Du hast recht, dass ist dann nicht mehr das Thema “Schweizer Empfindlichkeit”, sondern “meine Empfindlichkeit”.
Der Schluss des Postings ist deswegen ein bisschen “krumm” geraten, weil ich erst spät beschlossen habe, den Teil mit der Bildzeitung auf den nächsten Tag zu verschieben. Ursprünglich war das ein Artikel, der mir aber dann zu lang wurde, wie so oft.. Sorry und Entschuldigung deswegen, mache ich bestimmt nicht mehr… waren jetzt alle Deine Fragen geklärt? Dann wünsche ich noch einen recht schönen Tag!
July 24th, 2006 at 12:00 pm
Ich bin kein Experte, aber meines Erachtens verhalten sich Schweizerdeutsch und Hochdeutsch etwa so wie Schwedisch und Dänisch, Nynorsk und Bokmal (beides Norwegen), Katalanisch und Spanisch. Sardisch und Italienisch, etc…
Es zu einer Sprache mit eigenem Recht zu erheben, wäre eine einfache Entscheidung. Luxemburg hat diese Entscheidung 1984 einfach getroffen: http://de.wikipedia.org/wiki/Luxemburgische_Sprache
Das macht man, indem man eine eigene Rechtschreibung eingeführt und die Sprache in offiziellen Dokumenten verwendet.
Dass die Berner alle L’s zu U’s machen, die Sanggaller auf der Zunge und die Basler durch die Nase reden, sollte niemanden daran hindern eine gemeingültige Schriftsprache einzuführen. Wenn man durch Deutschland fährt, kann man (auch dort wo keine Dialekte, sondern nur Akzente gespochen werden) hören, wie verschieden auch dort das (von Luther in seiner Bibelübersetzung verwendete sächsische) Hochdeutsch ausgesprochen werden kann.
Die Entscheidung, Schwiizerdütsch nicht zur Sprache zu erheben, ist m.E. bewusst getroffen worden, aber auch nachvollziehbar: man will Romands und Tessiner nicht brüskieren, man will Hochdeutsch gebräuchlich halten, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, man will sich das Hickhack welche regionale Ausssprache zur Schriftsprache übernommen wird ersparen, etc…
Das heisst aber noch lange nicht, dass Schweizerdeutsch nicht eine vollwertige Sprache sein könnte.
July 24th, 2006 at 2:49 pm
Ich weiss, dass Schwyzerdütsch nicht als eigene Sprache gilt, so wirklich als Muttersprache kann ich sie aber auch nicht ansehen. Meine Mutter hat ihrer Lebtag nie Hochdeutsch mit mir geredet, von ein paar Kinderversen und Gedichten mal abgesehen.
Hier noch eine Episode, als ich in Basel die Lehrzeit absolvierte.
Eine Schweizer Kollegin stritt sich mit einer Deutschen, dass es wohl unmöglich sei, in einer (oder zwei?) Stunde einen Rock zu nähen. Schliesslich stellte es sich heraus: Gemeint war ein Jupe; und weiter
Schweiz Jupe entspricht Hochdeutsch Rock
Rock ” Kleid
Chleid (Bchleidig) entspricht (Herren-) Anzug
Azug ” (Bett-) Bezug
Dafür wusste ich lange Zeit nicht, was eine Apfelsine ist und was Frikadellen sind, von denen ich den Jugendbüchern las (Es gab noch kein Google) und der Stiftekopf erinnerte mich immer an einen Stiftzahn.
Ich jedenfalls finde die verschiedenen Ausdrücke sehr spannend.
Übrigens: Im Spanischen bedeutet das gleiche Wort in Spanien und in Südamerika auch nicht immer dasselbe.
July 24th, 2006 at 3:10 pm
@Jan: Die Schweizer Dialekte sind nicht mehr und nicht weniger eigentständige Sprachen als sämtliche anderen Dialekte. Im Unterschied dazu gibt es in Norrddeutschland das Friesische - tatsächlich eine eigene Sprache, und erst recht im sächsischen das slawische Sorbische. Wenn sich die Schweiz allerdings tatsächlich auf den Weg zu einer eigenen Sprache machen will, dann ist die Verschriftung nur ein kleiner Schritt dahin (dies wird in Bayern auch ab und an mal ganz gerne versucht, mit lächerlich-folkloristischen Ergebnissen, die nicht mal die Bayern schön finden).
Ihr müsst es halt schaffen, dass wir Euch wirklich nicht mehr verstehen und Ihr uns möglichst auch nicht - also das, was das Niederländische geschafft hat. Oder Ihr erkundigt Euch bei den österreichischen Nachbarn, wie man ein Land im deutschen Sprachraum sein kann und dennoch ganz unabhängig und selbstbewusst, auch ohne die Illusion einer eigenen Sprache. Auch in Südtirol glaubt man, Deutsch zu sprechen, und muss sich nicht vom deutschen Sprachraum distanzieren. Überhaupt ist dies eine seltsame Diskussion - sowas gibt es weder im französischem noch im englischen oder spanischen Sprachraum.
Es gibt jedoch eine andere Möglichkeit: Steigt doch einfach alle auf Französisch oder besser noch Rätoromanisch um, dann habt Ihr nix mehr mit Deutsch zu tun. Und wenn Ihr uns dann noch das Rösti-Monopol übergebt, können wir den Röstigraben an den Bodensee verschieben. Weiterhin an Deutsch hängende Schweizer erhalten dann natürlich in Schwaben und Bayern Asyl, im Allgäu sogar mit netten Bergen.
July 24th, 2006 at 4:02 pm
@ThomasW:
1. In Dein “Ihr” schliesst Du mich offensichtlich nicht ein, denn ich bin Deutscher
2. Friesisch und Sorbisch sind eigene Sprachen und haben wenig mit Deutsch gemein. Es gibt allerdings unter den deutschen Dialekten grosse Unterschiede. Sachsen und Hessen sprechen Hochdeutsch mit Akzent. Bayern, Schwaben, Badener sprechen ein eigenes Idiom, das sich nicht nur im Wortschatz, sondern auch in der Grammatik abhebt. Schweizerdeutsch hat sich vom Mittelhochdeutsch abgespalten. Holländisch und Plattdeutsch meines Erachtens vom mittelalterlichen Niederdeutsch.
3. Stimmt, Holländisch ist auch ein Beispiel dafür, dass ein halbwegs für Deutsche verständlicher Dialekt zu einer eigenen Sprache erklärt wurde. Wenn Du mal versuchen würdest Holländisch in Holland zu sprechen, würdest Du feststellen, dass die ähnliche Probleme wie die Schweizer haben, wenn ein Deutscher anfängt ihr “Idiom” zu sprechen.
4. Dass Österreicher selbstbewusst und unabhängig sind, wäre zu beweisen. Wir “Piefkes” sind auch dort nicht gern gesehen.
5. Die Südtiroler hingegen müssen sich nicht vom deutschen, sondern vom italienischen Sprachraum distanzieren. Und das tun sie heftig, aber das ist eine andere Geschichte.
6. Dass es diese Diskussion in Frankreich nicht gibt liegt daran, dass seit der französischen Revolution alle Dialekte (patois, wie das Languedoc) und Lokalsprachen kontrolliert plattgemacht wurden. Bei den Patois hat’s geklappt, bei den nicht-französischen Sprachgruppen hat es bei den Korsen, Bretonen, Katalanen, Basken und inzwischen auch Elsässern zu einer mehr oder minder heftigen Gegenreaktion geführt.
7. Ueber die Probleme der Spanier wollen wir lieber schweigen.
8. Die Engländer haben etwas, was man Soziolekte nennt: jeder, der kein Oxford-Englisch spricht, outet sich als Prolo. Ein ähnliches Phänomen haben wir Deutsche übrigens auch, sobald wir den Weisswurstäquator (Mainlinie) überschreiten.
9. Dein Vorschlag wurde m.E. in der Schweiz nach dem Krieg sogar erwogen. Der Kanton Fribourg ist daher jetzt ein welscher Kanton, obwohl er mehrheitlich von Dütschschwiizern bewohnt wird.
July 24th, 2006 at 11:14 pm
@jan
ich schliesse mich dir an. und das waren “nur” die europäischen beispiele…
@ThomasW
Haben die niederländer sich wirklich versucht von den deutschen abzugrenzen um dann eine eigene sprache zu entwickelt? ich würde sagen das ist eine ansichtsache. es gibt nicht nur das “nichtdeutsche” sondern auch entwicklungen durch die lokalität betreffenden umstände.
es tut mir leid, aber mich stört dieses “wir” und “ihr”. ich finde das schafft nur fronten, zu denen ich entweder gehöre oder nicht. und als schweizer hat man dann ja bei dir schlechte karten…
July 25th, 2006 at 12:49 am
@jan: Nun ja, das mit dem halbwegs verständlich für Holländisch werden die meisten Deutschen sicher so nicht unterschreiben. Und klar, die Österreicher sind nicht unbedingt Deutschlandfans, aber wo in Europa ist man denn Deutschland wohl gesonnen? 60 Jahre sind wohl zu kurz und Deutschland zu gross um es zu lieben. Ansonsten ging es mit eher um all die französischsprachigen, spanischsprachigen, englischsprachigen Länder auf allen Kontinenten, die für Ihre eigene Identität keine eigene Sprache definieren müssen oder ihren Ursprung so vergessen machen wollen. Und ein Österreicher zweifelt auch nicht an seinem Österreichertum, obwohl er Deutsch spricht. Ich kenne allerdings fast keinen Engländer, der “Oxford-Englisch” benutzt. Ausser im Fernsehen oder ab und an mit Touristen. Da schlackern einem fast die Ohren. Speziell in Schottland - beispielsweise im Umland von Glasgow, kann man nur raten, was gesagt wurde. Obwohl der Sprecher gerade meinte, Englisch mit Dir zu reden.
@Schwarzbueb: In Bayern gibt es keine Frikadellen, sondern Fleischpflanzerl. Und in Berlin heissen die Dinger Buletten. In Hamburg hingegen Hamburger… na ja, fast.
July 25th, 2006 at 4:43 pm
ok, ich habe mich jetzt durch den ganzen Kommentar-Dschungel durchgelesen und mein Fazit ist ein “typisch-Schweizerisch-harmoniesüchtiges” Friedensangebot: Mir als Schweizerin ist mein Dialekt wichtig. Er ist Teil meiner kulturellen Identität. Ich wohne nicht mehr in der Schweiz und werde im Ausland oft gefragt, was den meine Muttersprache sei (gemeint ist Deutsch, Französisch oder Italienisch) und ich antworte jeweils mit “ein deutschter Dialekt”. Denn a) ist es keine offizielle Sprache und b) gibt es kein Schweizerdeutsch. Wirklich nicht (und mir stehen jedesmal die Haare zu Berge, wenn das Wort benutzt wird… was auf diesem Blog ständig der Fall ist… Bayrisch und Hessisch ist auch nicht das selbe, warum sollte Züridütsch und Wallisertitsch das selbe sein? Aber lassen wir das bei Seite).
Vive la difference!
Ich glaube der Grund, warum mir (und vielen meiner Landsleute) der Dialekt so wichtig ist, ist die klare Abgrenzug gegen aussen. Das hat nix mit Rassismus zu tun. Aber schaut doch mal ganz sachlich die Karte an: Klein-Schweizchen ist (um nur mal diesen Aspekt zu betrachten) nun wirklich keine Einheit. Es gibt drei Teile, die sich ganz einfach dem angrenzenden Ausland zuwenden könnten (und es in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel was die Medien betrifft auch tun). Obwohl mein Heimatkanton bilingue ist, möchte ich jetzt bei den deutschsprechenden Schweizern bleiben: Am Dialekt festzuhalten ist Teil des Schweizer-/nicht-Deutscher-Seins. - Oder frei nach Simmel: der Fremde stiftet die Gruppe durch Abgrenzung. Und hey: Solange IHR anerkennt, dass WIR die schönsten, besten, cleversten und witzigsten sind, haben wir ja keine Probleme!
Oh, ein letzter Kommentar zum Unterschied Dänisch/Schwedisch, der ist nämlich beachtlich. In den meisten Fällen wird hier Englisch gesprochen (es sei den, einer der beiden spreche die andere Sprache). Nicht so bei Dänisch/Norwegisch: Hier kann man sich durchaus zweisprachig verständigen… und beide finden den anderen amüsant.
July 25th, 2006 at 6:27 pm
@steph
Stimmt, Walliserdeutsch hat im Gegensatz zu den anderen Schweizer Dialekten eine wichtige Lautverschiebung nicht mitgemacht. Es heisst daher auch Höchstallemanisch, der Rest der Schweizer Dialekte wird aber unter Hochallemanisch zusammengefasst. Dass man für diese Gruppe keine (wie Du sagst identitätsstiftende) Rechtschreibung hinbekommen soll, ist mir schleierhaft. Irgendeinen Kompromiss zwischen (z.B.) “goosch du heime?”, “gahsch du hei?” wird man doch wohl finden können. Warum nid? (warum nööd?)
Bayrisch ist übrigens näher verwandt mit den Schweizer Dialekten als mit dem Hessischen (weil letzteres die 2. Lautverschiebung nur teilweise mitgemacht hat).
July 26th, 2006 at 12:51 am
@Jan
uiuiui: Habe ich da einen Germanisten geweckt? (Falls ja, ist die Verlockung auf Dialekt weiterzuschreiben riesig - All meine grammatikalischen und orthographischen Fehler müssen bei dir ja das Augenwasser hervorrufen! Pardon!)
Natürlich hast du recht. Diese Lautverschiebung haben wir nicht mitgemacht, aber wenn ich mich recht erinnere, habe ich da mal was von Baselditsch und Wallisertitsch als allemanischen Dialekten und den restlichen als germanischen Dialekten gelesen… Korrigiere mich doch bitte oder gib mir ‘ne gute URL - Ich finde das jetzt gerade recht spannend.
Noch schnell ein Wort (oder zweihundert) wegen der einheitlichen Rechtschreibung: Kannst du dir das beim Schweizerischen Kantönligeist ernsthaft vorstellen? Als Beispiel: Vor geraumer Zeit (in den 80ern, wenn ich mich recht erinnere) wurde Rumantsch Grischun entwickelt - eine Fusion der bisherigen fünf romanischen Dialekte, um der Sprache eine Überlebenschance zu geben. Die Sprache hat sich (zumindest mündlich) bis heute nicht durchgesetzt… Wir Schweizer sind doch Schtieggini (=Stiere - haben harte Köpfe und lieben es mit diesen durch die Wand zu gehen).
July 26th, 2006 at 8:23 am
@steph
Deine Frage trifft den Kern des Problems: Will man sich in der Schweiz durch Kantönligeist lieber voneinenader abgrenzen, oder durch eine identitätsstiftende Sprache von den Dütsch’n. Was wiegt stärker?
Keine Sorge, bin kein Germanist, sondern habe nur ein “Faible” (wie man auf gut Deutsch sagt) für Sprachen.
July 26th, 2006 at 11:31 am
@Jan
Ich weiss nicht, vielleicht sagen wir gerne Nein - vorerst und sicherheitshalber. Vielleicht hilft da aber auch wieder Herr Simmel weiter (’tschuldiung - meine Profession schimmert ständig durch), in dem sich die Identität der Gruppe jeweils am gruppenfremden Element orientiert und wenn es halt nur Schweizer in einem Raum gibt, wird die Gruppeneinteilung auf die nächste Ebene, die Kantone, verschoben. Meine persönliche Erklärung, weshalb dieses Verhalten in der Schweiz so stark ist, würde ich auf die Entstehungsgeschichte verweisen: Auf dem Rütli war nicht die Rede von einem “einig Volk von Brüdern” - zumindest nicht in einem romantischen Sinn. Es war vielmehr eine Zweckgemeinschaft gegen das fremde Element (die Habsburger). Mit anderen Worten: Vier Sprachen, unendlich viele Dialekte, eine Vielzahl von Kulturen gepaar mit dem harten (manchmal engstirnigen Willen von Bergmenschen) ist ein guter Nährboden für Missverständnisse und endlose Diskussionen. Ach, wie schön ist die Heimat.
Hihi, diesen Faible für Sprachen teile ich mit dir - allerdings steht bei mir Kommunikation mit anderen Menschen in deren Muttersprache an erster Stelle, dicht gefolgt von nicht-übersetzter Literatur… Sprachgeschichte hat mich früher auch interessiert, aber derzeit fehlt mir die Zeit.
July 26th, 2006 at 12:53 pm
Ich hatte heute auch ein Erlebnis, bei dem ich sofort an diesen Blog-Beitrag denken musste. Eine Dame wollte, dass ich mein Auto umparke und wurde sofort reserviert, als ich nicht gleich jubelnd JA sagte, sondern anfing nachzufragen. Zum Schluss drehte sie sich eingeschnappt weg, ließ mich stehen und verschwand im Haus.
Wobei ich nicht weiß, ob sie (aufgrund des Alters?) einfach keine Widerrede (mehr) duldet oder einfach ein Typ ist, der es nicht anders kennt oder ob es schweizerisch sein soll. Wage ich nicht einzuordnen. Nur: An Jens’ Beitrag denken musste ich dennoch…
July 26th, 2006 at 7:00 pm
Wie man von dem Leitartikel hin zu den Eigenarten der “Schweizer Sprache” kommen kann um diese dann endlos lang zu kommentieren, ist wieder ein gutes Beispiel für die Schweizer Mentalität.
July 26th, 2006 at 11:00 pm
Vielen Dank. Alle meine Fragen sind nun geklärt, und das mit deutscher Gründlichkeit!
July 27th, 2006 at 12:16 pm
@ aquado und vertbeau
der eine bezieht den Diskussionsverlauf dieses Threads auf deutsche Gründlichkeit, der andere auf Schweizer Mentalität…
Hallo! Das hier ist ein gemischter Blog (mindestens D und CH), falls es Euch noch nicht aufgefallen ist. Das “Ihr”, “Wir”, “Euer”, “Deren” bringt hier niemanden weiter.
July 29th, 2006 at 4:19 pm
Gestern am Zürisee: Ein Hund springt mit Freude in den See und planscht ne ganze Weile umher. Ich geselle mich dazu: In der Hoffnung etwas Humor in den Alltag zu bringen: Entschuldigung vielmals: Ich wusste noch garnicht das es “Seehunde” im Zürisee gibt….
Daraufhin der fragende Blick und dann folgender Satz: Ja das ist meiner….ohne zu lächeln oder sonstwas….
Ich in meiner Bestürzung gedacht: Hab ich jetzt was falsches gesagt?, habe ich zu schnell gesprochen?, wissen Zürcher überhaupt was Seehunde sind?….
Oder hat die Dame den nicht unbedingt feinsinnigen Humor überhaupt verstanden???
Zuhause die Geschichte meiner Schweizer Ehefrau erzählt: Ergebnis: Wir haben lauthalts gelacht….
Insofern lags dann doch wohl an der Hitze in Züri….
July 31st, 2006 at 3:45 pm
@Mike
nich lustig
August 3rd, 2006 at 1:04 am
@Mike:
Sauguat!
(das war bayerisch, nicht dass hier jemand denkt, ich hätte mich an einem Schweizer Dialekt vergriffen)
February 21st, 2007 at 5:41 pm
Schweizerdeutsch ist nicht gleich Schweizerdeutsch. Nur ein Einheimischer kann sofort feststellen aus welchem Winkel der Schweiz man kommt. Das wird ein Ausländer wohl nie können. Selbst von Tal zu Tal gibt es Unterschiede. So heisst im einen Tal hinauf = ämbruuf, im nächsten Tal = uechi oder hinab = achi oder ämbraha. Noch nach Jahren wohnhaft in einem andern Gebiet merkt man, aus welchem Tal man stammt. Es sind Sprachmeldodien - man betont anders - z.B. singen die Berner Oberländer während die Stadt Berner Patrizier die Vornehmheit gepachtet haben und die Walliser sehr originell klingen. Wenn ein Basler vom Buschi spricht, tönt das liebevoller als vom Kind. Ich liebe die Schweizer Dialekte - aber ich mag auch den Dialekt der Bayern. Im Badischen Raum habe ich Ferien gemacht - man sagte mir dort, man hört mich lieber in Schweizer Deutsch als in Preussisch. Das waren Deutsche! Auch die Schweizer mögen nicht jeden ihrer Dialekte gleich gern. Favoriten sind: Graubünden, Bern und Wallis - am wenigsten beliebt sind die Ostschweizer: St. Gallen, Thurgau und Zürich. Liedermacher sind am ehesten in Berndeutsch erfolgreich. Ich war ein Jahr in Berlin - jedes schweizerdeutsche Wort brachte mich vor Heimweh zum Weinen. Ich würde niemals in Deutschland leben wollen. Das geht doch auch Heimweh-Italienern oder Spaniern so. Dort wo man aufwächst, ist man verwurzelt - ein Leben lang. Das scheint man heute bei der Völkerwanderung und Babylonisierung zu vergessen.