Muni ist keine Munition — Ein Bulle nur in Deutschland?
März 15th, 2010Wir lasen auf News.ch am 7.01.2010
Polizei erschiesst wildgewordenen Muni
Eschenbach SG – Nach einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd ist in Eschenbach SG ein wildgewordener Muni auf der Flucht erschossen worden. Das Tier war von einem Tiertransporter gesprungen, hatte eine Polizeisperre durchbrochen und war in einen Wald geflüchtet. (bert/sda)
(Quelle: news.ch)
Muni? Ist das nun ein Maultier oder ein Muli oder Esel? Der freundliche Nachbar in der S-Bahn nach Zürich weiss Bescheid: „Das ist ein Rind“, genauer gesagt ein „Stier“, kein Ochse. Und richtig, im Variantenwörterbuch aus dem De Gruyter Verlag steht auf S. 514
„Muni CH der; – s, – s Bulle D, Zuchstiere
(Quelle: Variantenwörterbuch)
Warum der so heisst? Wir denken da an eine einfache Eselsbrücke: Das Tier trägt die „Munition“ für viele weitere Bullenkinder grad bei sich, schweizerdeutsch „auf sich“, obwohl „unter sich“ eigentlich korrekter wäre. So voller „Muni“ ist de Bulle, dass er auch „Muni“ heissen darf. Der Muni von Eschenbach wurde leider erschossen, mit Muni(tion).

(Quelle: Filomenal.ch)
Auf dem Blog „Filomenal.ch“ finden wir eine genauere Erklärung, was ein Ochse, ein Stier und ein Muni ist:
Der Ochse ist ein kastrierter Stier. Meist werden sie im Alter von wenigen Wochen kastriert. Dies ist vor allem für die extensive Mast, da das Muskelwachstum im Gegensatz zum Stier langsamer ist und nicht so viel Kraftfutter benötigt.
Der Stier ist ein Muni und umgekehrt. Meist spricht man im Bernbiet generell vom Muni. Für die KB (künstliche Besamung) eingesetzten männlichen Tiere werden aber meist als Stier bezeichnet, auch im Schweizerdeutschen. Die meisten Stiere gehen in die Munimast. Ein junger Stier ist ein Munikalb.
(Quelle: Filomenal.ch)
Interessant finden wir am Eintrag im Variantenwörterbuch, dass „Bulle“ mit D wie Deutschland versehen ist, es sich bei diesem Wort also nicht um ein Wort der gemeinsamen Standardsprache, sondern um eine nur in Deutschland übliche Variante für „Rind“ handelt. Ob Schweizer wirklich nicht „Bulle“ sagen? Es findet sich diese Buchstabenfolge noch in der Ortsbezeichnung „Bulle“ (bei Freiburg). Den Begriff „Bulle“ kennt jeder Schweizer ansonsten garantiert dank des grenzüberschreitenden Bildungsauftrags von SAT1 und ORF in Form der Krimiserie „Der Bulle aus Tölz“ (wurde im März 2009 nach dem Tod der Hauptdarstellerin Ruth Drexel eingestellt).
Ähnlich wie für das Wort „arbeiten„, findet sich im Züri-Slängikon (das kräftig Anleihen bei vielen weiteren Mundarten zu machen pflegt) eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Herren Polizisten in der Schweiz anders zu betiteln. Ganz vorn ist auch ein aus Deutschland geliehener „d Bulle“ dabei:
d Böögge, d Buebe in Blau, d Bulle, d Bullerei, d Luusbuebe, d Polänte, d Polüüpe, d Pozilei, d Rännleitig, d Schmier, d Schmier isch läufig (bei hoher Polizeipräsenz), d Trachtegruppe, d Zolipey, da mues es es Näscht haa (an jeder Ecke eine Kontrolle), eini, wo s Gäld uf de Strass verdient (Politesse), en bewaffnete Briefträger, en bewaffnete Pöschtler, en Blaue, en blaue Briefträger (Busszettel-Verteiler), en Bobby (engl.), en Buse-Scheriff (Politesse), en Chappe-Gloon (engl. Clown), en Chappe-Maa, en Chugelschriiber-Pilot, en Flic (franz.), en Flüügende (Polizist auf Motorrad), en Gorilla-Blauarsch, en Hilfs-Sheriff (Polizist, der nur Bussen verteilt), en Landjeger, en Lang-Fing-Fang (ein Langfinger-Fänger), en Lang-Fing-Fang-Wau (Polizeihund), en Länzgi (Landjäger), en Politschugger, en Polyp, en Schandarm (franz.), en Schlumpf, en Schlumpf (Polizist in Demo-Montur), en Schmierlappe (Streifenwagen), en Schmierlatz, en Schrooter, en Schugger, en Stadtmusikant, en Tschugger, en Zolipischt, es Blauröckli, es isch Bulle-Wätter (an jeder Ecke eine Kontrolle), es Streifehörnli, es Zädel-Lisi (Politesse), Klavier spile (sich Fingerabdrücke abnehmen lassen), Lang-Fing-Fang-Pang (Dienstwaffe), Polizischtli-Lumpechischtli
(Quelle: Slängikon)




















