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Muni ist keine Munition — Ein Bulle nur in Deutschland?

  • Wenn ein Bulle auf einen Muni schiesst
  • Wir lasen auf News.ch am 7.01.2010

    Polizei erschiesst wildgewordenen Muni
    Eschenbach SG – Nach einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd ist in Eschenbach SG ein wildgewordener Muni auf der Flucht erschossen worden. Das Tier war von einem Tiertransporter gesprungen, hatte eine Polizeisperre durchbrochen und war in einen Wald geflüchtet. (bert/sda)
    (Quelle: news.ch)

    Muni? Ist das nun ein Maultier oder ein Muli oder Esel? Der freundliche Nachbar in der S-Bahn nach Zürich weiss Bescheid: „Das ist ein Rind“, genauer gesagt ein „Stier“, kein Ochse. Und richtig, im Variantenwörterbuch aus dem De Gruyter Verlag steht auf S. 514

    „Muni CH der; – s, – s Bulle D, Zuchstiere
    (Quelle: Variantenwörterbuch)

  • Warum heisst der Bulle in der Schweiz „Muni“?
  • Warum der so heisst? Wir denken da an eine einfache Eselsbrücke: Das Tier trägt die „Munition“ für viele weitere Bullenkinder grad bei sich, schweizerdeutsch „auf sich“, obwohl „unter sich“ eigentlich korrekter wäre. So voller „Muni“ ist de Bulle, dass er auch „Muni“ heissen darf. Der Muni von Eschenbach wurde leider erschossen, mit Muni(tion).

    Ein Muni ist ein Stier
    (Quelle: Filomenal.ch)
    Auf dem Blog „Filomenal.ch“ finden wir eine genauere Erklärung, was ein Ochse, ein Stier und ein Muni ist:

    Der Ochse ist ein kastrierter Stier. Meist werden sie im Alter von wenigen Wochen kastriert. Dies ist vor allem für die extensive Mast, da das Muskelwachstum im Gegensatz zum Stier langsamer ist und nicht so viel Kraftfutter benötigt.
    Der Stier ist ein Muni und umgekehrt. Meist spricht man im Bernbiet generell vom Muni. Für die KB (künstliche Besamung) eingesetzten männlichen Tiere werden aber meist als Stier bezeichnet, auch im Schweizerdeutschen. Die meisten Stiere gehen in die Munimast. Ein junger Stier ist ein Munikalb.
    (Quelle: Filomenal.ch)

  • Kein Bulle sondern der Schmier
  • Interessant finden wir am Eintrag im Variantenwörterbuch, dass „Bulle“ mit D wie Deutschland versehen ist, es sich bei diesem Wort also nicht um ein Wort der gemeinsamen Standardsprache, sondern um eine nur in Deutschland übliche Variante für „Rind“ handelt. Ob Schweizer wirklich nicht „Bulle“ sagen? Es findet sich diese Buchstabenfolge noch in der Ortsbezeichnung „Bulle“ (bei Freiburg). Den Begriff „Bulle“ kennt jeder Schweizer ansonsten garantiert dank des grenzüberschreitenden Bildungsauftrags von SAT1 und ORF in Form der Krimiserie „Der Bulle aus Tölz“ (wurde im März 2009 nach dem Tod der Hauptdarstellerin Ruth Drexel eingestellt).

  • Varianten für Bulle
  • Ähnlich wie für das Wort „arbeiten„, findet sich im Züri-Slängikon (das kräftig Anleihen bei vielen weiteren Mundarten zu machen pflegt) eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Herren Polizisten in der Schweiz anders zu betiteln. Ganz vorn ist auch ein aus Deutschland geliehener „d Bulle“ dabei:

    d Böögge, d Buebe in Blau, d Bulle, d Bullerei, d Luusbuebe, d Polänte, d Polüüpe, d Pozilei, d Rännleitig, d Schmier, d Schmier isch läufig (bei hoher Polizeipräsenz), d Trachtegruppe, d Zolipey, da mues es es Näscht haa (an jeder Ecke eine Kontrolle), eini, wo s Gäld uf de Strass verdient (Politesse), en bewaffnete Briefträger, en bewaffnete Pöschtler, en Blaue, en blaue Briefträger (Busszettel-Verteiler), en Bobby (engl.), en Buse-Scheriff (Politesse), en Chappe-Gloon (engl. Clown), en Chappe-Maa, en Chugelschriiber-Pilot, en Flic (franz.), en Flüügende (Polizist auf Motorrad), en Gorilla-Blauarsch, en Hilfs-Sheriff (Polizist, der nur Bussen verteilt), en Landjeger, en Lang-Fing-Fang (ein Langfinger-Fänger), en Lang-Fing-Fang-Wau (Polizeihund), en Länzgi (Landjäger), en Politschugger, en Polyp, en Schandarm (franz.), en Schlumpf, en Schlumpf (Polizist in Demo-Montur), en Schmierlappe (Streifenwagen), en Schmierlatz, en Schrooter, en Schugger, en Stadtmusikant, en Tschugger, en Zolipischt, es Blauröckli, es isch Bulle-Wätter (an jeder Ecke eine Kontrolle), es Streifehörnli, es Zädel-Lisi (Politesse), Klavier spile (sich Fingerabdrücke abnehmen lassen), Lang-Fing-Fang-Pang (Dienstwaffe), Polizischtli-Lumpechischtli
    (Quelle: Slängikon)

    

    11 Responses to “Muni ist keine Munition — Ein Bulle nur in Deutschland?”

    1. neuromat Says:

      zunächst einmal Bewunderung, gezollt für die sicherlich nicht ganz einfach Entscheidung …

      natürlich kann so manch einer von der „Bullerei“ es rächts Muneli sein oder auch ein Munigring, ausgestattet mit nem Muniäcke und je nach Suchtneigung beschäftigt mit dem Munihung.

    2. cocomere Says:

      „D’Bulle“ für Polizei hat mit dem Rindvieh nichts zu tun. Die Gendarmerie wurde früher „Landpuller“ oder „Bohler“ genannt. Nachzulesen bei:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Polizeivollzugsbeamter#Der_Ausdruck_.E2.80.9EBulle.E2.80.9C

    3. Guggeere Says:

      Zwar hört man, im Zeitalter deutscher Fernsehkrimis, «Bulle» für Polizist auch bei uns immer häufiger. Es passt aber irgendwie nicht in die Schweizer Mundarten.
      Auch schon gehört habe ich «Fründ»; eine Anspielung auf den alten Werbespruch «die Polizei, dein Freund und Helfer».
      @ cocomere: Guter Link. Kaum zu glauben, dass das Wort «Bulle» in Deutschland vor 45 Jahren so teuer sein konnte … Anderseits waren damals in meinem Elternhaus all die hübschen Ausdrücke wie Tschugger, Schroter, Schmier etc. ebenfalls auf dem Index.

    4. neuromat Says:

      Das Rindvieh ist wirlklich nicht gemeint, mir kommen aber Zweifel an dem Link von Cocomere und setze einmal diesen:

      http://de.wiktionary.org/wiki/Bulle

      dieser Eintrag ist fast wörtlich übernommen aus Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Und hier heisst bol nndl. doch etwas anderes.

      Die Polente als gaunersprachliche Abwandlung von Polizei, mit der umgangsprachlichen Abkürzung Pole wird durch eine Konsonantenschwächung dann zu Bulle.

    5. Marroni Says:

      WOW! Neuromat lebt! Willkommen zurück im Blogwiese.
      Ausdruck für Polizist bei uns „än Kantööndler“

    6. AnFra Says:

      Wenn der @neuromat wieder auftaucht, dann versuchsmamernochmal

      Das mit den „deutschen Bullen“ ist so ne Sache. Die Namensquelle ist m. E. nicht direkt der Stier, auch wenn man dies meinen könnte, sondern sehr, sehr indirekt doch eben dieser Stier bzw. Ochse!

      Denn der gemeinte / gemeine Begriff „Bulle“ meint wohl eigentlich einen ehemals wichtigen Bestandteil der Ochsen- bzw. Polizei-Tracht: Die Umhängekette der militärischen Polizei, bzw. der ehem. Feldgendarmerie auch der preuss. Armee und der dt. Wehrmacht. Diese besondere milt. Polizei hatte eine Umhängekette mit kleinem Schild, welche um den Hals gelegt auf der Brust getragen wurde. Dies Ding hat sich aus der gepanzerten Brustplatte entwickelt. Auf diesem Schild war altersher im Regelfall das „Signum“, also das Wappenschild des Regenten, eingearbeitet. Solche Herrschaftszeichen waren bei z. B. bei Siegelringen, Petschaften, Machsymbolen sowie eben diesen Umhängeketten eingeschnitten oder aufgebracht. Eine liebevoll-verächtliche Bezeichnung war bis Ende des 2. WK der dt. Soldaten für diese Feldgendarmerie die der „Kettenhunde“.
      Aber die wahrscheinliche Namensquelle erachte ich im Begriff für solche Siegel und Hochheitzeichen im aus dem späteren Mittelalter kommenden Begriff „Bulle“ für solcherart von Zeichen. Möchte auf die „Goldene Bulle“ der Päpste verweisen. Die Bezeichnung Bulle / bulla meinte lt. Grimm ein rundes Zeichen, also das Siegel für die Gültigkeit der Urkunden, Verträge und Anordnungen der Päpste! Siehe als Beispiel: http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle .
      Also hat sich der Begriff „Bulle“ aus der geschichtlichen Entwicklung nur in D bilden können, weil es nur hier diese „Bullen“ mit den Umhängeketten und den umgehängten „Bullen“ gegeben hat.

      Drum muss man es Bullshitt finden, wenn ein Ochse am Lenkrad besoffen zum deutschen Bullen „Ihr sch…. Bullen“ sagt, obwohl diese Bullen tatsächlich früher ihre Bullen an ihrer Bullenbrust getragen haben. Was ist da beleidigend?

    7. Wahnfried Says:

      @ neuromat: Was soll daran mutig sein, wie du es hier unterstellst? Wenn man kritische Stimmen einfach so mal zensiert, zeugt das keineswegs von Mut. Ausserdem erweist der Betreiber uns Deutschen einen Bärendienst. Wir haben es genug schwer in der Welt (Vergangenheit, Tonfall usw.), zur Zeit besonders in der Schweiz. Da helfen solche übereilten Aktionen keineswegs (ich höre schon Köppels Kavallerie anreiten). Ausserdem ist der beträchtliche Unterhaltungswert eines Zürichers hin (merkt man bereits an der schwindenden Anzahl der Kommentare). Und Belangloses müssen wir uns nicht antun. Da reicht dann auch das Testbild.

    8. AnFra Says:

      Das Ding mit dem Schweizer „Muni“ ist nur über die Ochsentour zu ermitteln!
      Denn der Begriff „Munition“ lässt sich über frz. „munition“ zum lat. „munitio“ für Wehrbau, Befestigung, Ummauerung zurückführen. Dieses kann vom Zw. „munire“ für aufmauern, bewehren zurückführen.
      Und hier ist die Lösung. Die ersten Munitionshersteller für die damaligen Kanonen waren Maurer und Steinmetze aus der Baubranche. Diese haben den Begriff „munition de guerre“, was Kriegsmaterial bedeutet, aber historisch und sprachlich tatsächlich „Steinstück, Mauerstück, behauener Stein für den Krieg“ bedeutete etabliert. Siehe auch Minizipal = ehem. befestigte Stadt, munimentum= lat. Befestigung, munio= lat. befestigen, schanzen. Denn diese Kanonen-Munition war für den Einsatz als Wuchtmunition, um die meist steinernen Mauern niederzuschießen. Wie mit der US-englischen abgereicherten Uran-Wuchtgeschossen in den beiden Irak-Kriegen! Alles kommt wieder!

      Der Namensübergang auf die Stiere erfolgte sicherlich bereits im Mittelalter, als die Bauern mit ihren Gespannen den damaligen Frondienst nachkommen mussten. Denn die Ochsen (kastriert) waren überwiegend bei den gewerblichen Fuhrleuten wegen der kräftigeren Muskulatur eingesetzt. Die Stiere der Bauern jedoch waren einerseits Zugtiere bei den Frondiensten und andererseits Zuchttiere im bäuerlichen Betrieb. Der Namensübergang ist m. E. durch die Bezeichnung der Stiere als Gespanntiere für die Transporte der „Munition“, also Steine, Wacken, Baustoffe und Materialien für sakrale und profane Gebäude entstanden. Die Stiere waren die Viecher für die Transporte der „Munition“, eben deshalb also die „Muni“.

      Die Ochsentreiber und Ackerleute verwendeten als Befehl für die Zugtiere, wenn diese nach der linken Seite gehen sollten den Zuruf „har“. Vermutlich sollte der uns auferlegte diabolische Zuruf „har, har“ für hart nach der linken Seite gehen bedeuten. Aber es soll keine Ochsentreiber mehr geben!?

      @Wahnfried

      Der Schwund der Kommentare begann ab dem Auftauchen vom Züricher!
      Belandloses gibt es in anderen Blogs.

    9. neuromat Says:

      @ Wahnfried

      Sie beantworten sich die Frage nach dem Mut selbst, denn sie hören ja schon Köppels Kavallerie.

      Und was den Schwund anbelangt und die Belanglosigkeit, da erlaube ich mir anderer Meinung zu sein. Wenn eine einzelne Person, die dann auch noch erkennbar sich mehrerer Nicknames bedient, nur die gleichen belanglosen Beleidigungen postet macht das noch keinen „beträchtlichen Unterhaltungswert“. Und wenn genau diese Comments den Schwund erst auslösen, dann hilft es auch nicht, wenn diese Person vier oder achtmal am Tag dasselbe postet.

    10. Allmechtna Says:

      @Guggeere

      Den Kölnern hat das nie was ausgemacht. 🙂 „Pas op, wenn de Schmier kütt“ ist Standard-Kölsch ohne gaunersprachlichen (gs) oder vulgären Unterton 🙂
      [obwohl die „Schmiere“ dennoch aus dem Rotwelschen [GS!] stammen könnte]

    11. Felicitas Says:

      Jaja, die Schweizer *grins*

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