Komm wir machen eine Session — Wenn Schweizer Politiker sich in Flims treffen

September 8th, 2006
  • Komm wir machen Marmelade — Die Jam-Session
  • Eine Session nennt man in der Rockmusik das spontane Zusammenspielen von verschiedenen Musikern, die sonst nicht gemeinsam auftreten. Weil das soviel Spass macht und ein wunderbares Durcheinander ergibt, wie bei einem Verkehrschaos, einem „traffic jam“, wird es auch als „Jam Session“ bezeichnet. Alles Quatsch, das hat weder was mit Marmelade (=jam) noch mit Strassenverkehr zu tun:

    Eine Jamsession (v. engl. jam „improvisieren“ und session „Veranstaltung“) ist ein zwangloses Zusammenspiel von Jazz-, Blues-, Hip-Hop- oder Rock-Musikern, die nicht üblicherweise in einer Band zusammenspielen. Auf Jazz-Jamsessions werden meist Stücke gespielt, deren harmonisches Schema und Melodie allen Mitmusikern bekannt ist (sogenannte Standards).
    (Quelle: Wikipedia)

    Es gibt berühmte Beispiel, wie das Zusammentreffen von Mike Bloomfield, Al Kooper (Blood, Sweat & Tears) und Stephen Stills (Crosby, Stills, Nash & Young), was als „Supersession“ in die Musikgeschichte einging.

  • Was ist eine Session in der Schweiz?
  • In der Schweiz ist eine Session etwas ganz anderes. Es bedeutet Arbeit. Genauer gesagt: „Arbeit für die Schweizer Politiker“, die ihren Job anders als die Deutschen Bundestagsabgeordneten nicht in als Vollzeitbeschäftigung ausführen. Denn „Session“ kommt von:

    (aus lat.: sessio v. sedere sitzen) eine sich über einen längeren Zeitraum erstreckende Tagungs- oder Sitzungsperiode
    (Quelle: Wikipedia)

    In diesem Herbst ist das Bundeshaus in Bern jedoch ein Baustelle, also weichen die Politiker aus in die „Provinz“, nach Flims. So schreibt der Tages-Anzeiger vom 22.08.06:

    Am 18. September beginnt in Flims die Auswärtssession des Parlaments. Sie soll zum Ausflugsrenner werden.
    Noch 27 Tage bis zur … Herbstsession des Schweizer Parlaments. Pardon, zur «Sessiun» – mit u! Die Tagung findet nämlich auswärts statt, und nach dem Welschland und dem Tessin kommt dieses Jahr Graubünden – und das Romanische – zum Zug. Weil derzeit das Bundeshaus renoviert wird und ein Unterbruch der Arbeiten auch teuer zu stehen käme, will man sich den auf rund 1,8 Millionen Franken budgetierten Luxus trotz Spardruck leisten.
    (…)
    Die Tourismusverantwortlichen Graubündens packen ihre Chance: Mit dem Countdown und anderen PR-Kapriolen machen sie auf sich aufmerksam. Dank der exotischen Location im edlen Wellnesshotel Park-Hotel Waldhaus, in der Ferienregion Flims-Laax-Falera, steht weniger die Traktandenliste als das Drumherum im Scheinwerferlicht. Was Bundesbern nicht geheuer ist – schliesslich zählt an der Session die Arbeit, nicht das Vergnügen.
    (…)

    Eine Traktandenliste ist also nicht die Liste der Behandlungsmöglichkeiten mit Fango, Schlammbaden, oder kräftiger Massage. Traktiert werden die Vorlagen, auf sie wird „eingetreten“ oder auch nicht. Da geht es richtig zur Sache.

    Zimmer werden im Waldhaus von Montag bis Donnerstag zwar keine mehr zu haben sein: 140 der Parlamentarier und der gesamte Bundesrat nächtigen im Hotel. Aber an den Wochenenden können auch andere Gästen buchen. Vielleicht doch eine Chance, den Lieblingspolitiker in der Sauna zu treffen? Ein Teil der Parlamentarier verlängert nämlich den Aufenthalt aufs Wochenende. Falls der oder die Gewünschte nicht unter ihnen sein sollte: Der Hoteldirektor schlägt Erlebnisnächte zu Spezialpreisen in den weichen Betten vor, wo sich während der Woche die Politprominenz räkelt. Etwa im Zimmer von Bundesrat Blocher – auf Wunsch auch ohne Bettwäschewechsel.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 20.08.06)

    Na, ich merke schon, sie können sich kaum mehr halten und wollen gleich nächsten Freitag nach Flims, um DAS gleich auszuprobieren, nicht wahr?

    Teuer ist so ein Session jedenfalls nicht. Wenn in Deutschland die Parlamentarische Sommerpause wegen einer Dringlichkeitssitzung unterbrochen werden muss und die 598 Profi-Vollzeit-Parlamentarier aus allen Ecken des Landes anreisen, dann kostet allein dieser Aufwand über eine Millionen Franken. Uns erinnert der diesjährige Schweizer Wanderzirkus ein bisschen an den ewigen Wanderzirkus des Europäischen Parlaments, dass zwischen Brüssel, Luxemburg und Straßburg permanente Ortswechsel gewohnt ist:

    Als symbolischer Sitz wurde sofort nach der Gründung Straßburg festgelegt. Es symbolisiert die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Krieg. Weil es keine Büroflächen gab, wurden die Dienste zunächst in Luxemburg angesiedelt. Doch mit Gründung der EWG 1958 wurde Brüssel als Sitz der Europäischen Kommission bestimmt. Deshalb entwickelte es sich so, dass die Parlamentarischen Ausschüsse dort tagten. Mit dem Vertrag von Maastricht wurde Straßburg als Sitz endgültig bestätigt; diese Klausel wurde im Vertrag von Amsterdam bekräftigt und fehlt auch nicht im aktuell gültigen Vertrag von Nizza.
    Die Gebäude, die das Parlament in den jeweiligen Städten nutzt, wurden von den entsprechenden Staaten gebaut. Das Parlament versucht, sie an den Tagen, an denen sie nicht für Sitzungen gebraucht werden, zu vermieten. Auch der Europäische Bürgerbeauftragte hat seinen Sitz in den Gebäuden in Straßburg.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Warum tagen die Schweizer Parlamentarier nur in vier Sessions?
  • Anders als in Deutschland sind die Politiker in der Schweiz nur während dieser Sitzungsperioden, den Sessionen, tätig, denn:

    Während in den meisten Ländern die Ratsmitglieder ihr Amt als Beruf ausüben, gehen in der Schweiz die meisten Ratsmitglieder daneben noch einem Beruf nach. Die Bundesversammlung ist demzufolge ein Milizparlament oder Halbberufsparlament.
    (Quelle: parlament.ch)

    Warum das so sein mag? Wahrscheinlich ist es billiger? Oder man geht davon aus, dass jemand, der finanziell auf eigenen Füssen zu stehen vermag, nicht so leicht käuflich ist durch die agilen Lobbyisten.

  • Politikern bei der Arbeit zusehen
  • Einen seltenen und vergnüglichen Einblick in Schweiz Politik lieferte 2002 der geniale Dokumentarfilm „Mais im Bundeshuus“:

    Im Zimmer 87 des Bundeshauses trifft sich eine parlamentarische Kommission, die ein Gesetz zur Gentechnik erarbeiten soll. Hinter verschlossenen Türen wird die so genannte „Gen-Lex“ beraten, während draussen geduldig ein Filmteam wartet…
    Der Film ist wie eine Fiktion aufgebaut, verfolgt die Abenteuer dieser Kommission, begleitet die Abgeordneten bei ihrer Arbeit. und zeigt die Ränkespiele in diesen Politthriller. Die Wirtschaftsvertreter und Anhänger dieser revolutionären Technik treffen auf heftigen Widerstand der Gentech-Kritiker, die befürchten, dass alles ausser Kontrolle gerät.
    Im Herbst 2002 wird die umstrittene Vorlage im Parlament behandelt. Die Wandelhallen füllen sich und ein letztes Seilziehen beginnt…
    „Mais im Bundeshuus“ wirft einen Blick hinter die Kulissen schweizerischer Politik, wie es bislang noch kein Filmemacher in Angriff genommen hat. Spannend und witzig zeigt der Film die Machtspiele, aber auch die Grenzen unseres Politsystems. Eine Parabel auf die Macht – nicht nur in der Politik.

    Das solch ein Film in der Schweiz möglich ist, nichts könnte deutlicher zeigen wie offen und volksnah in diesem Land Politik „gemacht“ wird.

    Wir gründen (k)einen Verein — Deutsche im Ausland

    September 7th, 2006
  • Mir hei e Verein (Text & Musik: Mani Matter)
  • Mir hei e Verein, i ghöre derzue
    Und d’Lüt säge: Lue dä ghört o derzue
    Und mängisch ghören i würklech derzue
    Und i sta derzue (…)
    (Quelle: geocities.com)

  • Verein für Deutsche in der Schweiz?
  • Wir bekommen Post von einem Schweizer Journalisten aus Zug, der „über die ’Düütsche’ in der Schweiz berichten will„. Er fragte uns nach den Vereinen, in denen sich die Deutschen in der Schweiz organisiert haben, ähnlich wie die türkischen Kulturvereine, die italienischen oder portugiesischen Vereine, die es in fast jeder Schweizer Stadt zu finden gibt.

    Deutschland hat Goethe-Instituten in 126 Ländern, jedoch keines in der Schweiz. Bisher scheint es nicht notwendig zu sein, die Sprache Goethes und Heines im Heimatland von Gottfried Keller in einem Institut zu unterrichten. Die Tessiner müssen in Bern oder in Zürich woanders Deutsch lernen, bevor sie z. B. Tiermedizin studieren können. Denn diesen Studiengang gibt es in der Schweiz nur „chez les Suisses Totos“.

  • Schweizer Nationalsozialisten
  • Es fallen uns auch nach heftigem Nachdenken keine „Deutschen Vereine“ ein in der Schweiz. Bis auf den letzten Versuch dieser Art, die Schweiz Anhänger der Nationalsozialisten, genannt die „Fröntler“:

    In der Schweiz, insbesondere in der Deutschschweiz, fand der deutsche Nationalsozialismus ab 1933 durchaus einige begeisterte Anhänger, die sich in „Fronten“ zusammenschlossen. Wie in Deutschland erhielt die extreme Rechte Auftrieb durch die ständig wachsende Arbeitslosigkeit. Die Frontenbewegung knüpfte einerseits an die Bürgerwehren an, die sich im Sommer 1919 zur Bekämpfung der Streiks in Basel und Zürich gebildet hatten (antikommunistisch / antisozialistisch), (…).
    So wurde z.B. im Berner Oberland 1925 die Schweizer Heimatwehr gegründet, die – ganz im Stile des deutschen Nationalsozialismus – „den Juden, Freimaurern und der »internationalen Hochfinanz« den Kampf ansagte“.
    (Quelle: geschichte-schweiz.ch)

    Wo versammeln sich die Deutschen in der Schweiz?

  • Treffpunkt Krankenhaus Spital.
  • Besonders in Zürich und in Basel, aber auch in St. Gallen arbeiten Deutsche Mediziner:

    Laut Schätzungen der Verbindung Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) arbeiten bereits rund 2300 deutsche Mediziner jenseits von Rhein und Bodensee. Sie stellen damit fast jeden zwölften Arzt in der Eidgenossenschaft.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 30.08.06)

  • Treffpunkt Schauspielhaus.
  • Das Zürcher Schauspielhaus war schon immer ein besonderer Ort für die Deutschen in der Schweiz:

    Mit Hitlers Machtergreifung änderte sich die Situation grundlegend. Viele Emigranten, Schauspielerinnen und Schauspieler aus Deutschland, wurden von Rieser ins Ensemble aufgenommen, alle waren sie ausdrückliche Gegner des Nationalsozialismus, sie waren Juden und/oder politisch radikale Linke. Hier können nicht alle jene berühmten SchauspielerInnen und Regisseure genannt werden, die damals – und z. T. bis 1945 – in Zürich arbeiteten: Therese Giehse, Grete Heger, Albert Bassermann, Ernst Ginsberg, Wolfgang Langhoff, Kurt Horwitz, Leonard Steckel, Leopold Lindtberg u.v.a. Neben Klassikern spielte Rieser in seinem Theater zahlreiche Zeitstücke, er brachte Uraufführungen so renommierter Autoren wie Else Lasker-Schüler, Ödön von Horváth, Ferdinand Bruckner, Georg Kaiser und Friedrich Wolf heraus. Es war ein kritischer, z. T. kämpferischer Spielplan mit einer explizit antifaschistischen Stossrichtung. Die «Frontisten» in der Schweiz, die die Hitlersche Ideologie des Antisemitismus und Nationalismus übernahmen, entfesselten gegen das Schauspielhaus einen eigentlichen Kulturkampf. Ihre Kampfverbände scheuten vor gewalttätigen Aktionen nicht zurück, so dass bestimmte Aufführungen nur unter Polizeischutz über die Bühne gehen konnten.
    (Quelle: Schauspielhaus.ch)

  • Treffpunkt Deutsches Konsulat in Zürich
  • Das Deutsche Konsulat in Zürich liegt in einer angemietete Wohnung in der Freigutstrasse 15, 8002 Zürich in einem Tiefparterre, nur durch die Panzerglasscheibe und einer Schwarz-Rot-Goldenen Flagge als Deutsches Gebiet zu erkennen. Als wir vor Jahren dort unseren Pass beantragten, sorgte eine einzige Angestellte dafür, dass die Schlange der Wartenden nicht bis auf die Strasse anwuchs. Den Honorarkonsul haben wir an dem Tag nicht gesehen, der kommt nur einmal wöchentlich vorbei in dieses von Krisen und Unruhen geschütteltes Gebiet von Zürich im Kreis 2.

    Damals gab es einen Tischkopierer, der pro Seite ca. 25 Sekunden brauchte, was beim Kopieren von 10 Seiten Antragsformularen die Arbeitsgeschwindigkeit deutscher Bürokratie anschaulich vor Augen führt.

    Ein Deutsches Forum zum Thema Schweiz fand sich auch im Internet unter konsulate.de . Doch scheint es seit März 2006 verwaist. Keine Diskussionen, keine Themen.

  • Treffpunkt WM-Fussballarena auf dem Bellevue
  • Da waren sie dann wirklich gehäuft anzutreffen, die Deutschen in Zürich, und wir beobachteten, wie sie sich gegenseitig beäugten und betrachteten. Denn so ganz glücklich scheinen Deutsche nicht zu sein, wenn sie sich im Ausland treffen.
    Deutsche beim Viertelfinale in Zürich

  • Deutsche auf Mallorca
  • Etwas anderes ist es auf der liebsten Rentnerinsel der Deutschen, natürlich Mallorca. Dort gibt es Deutsche Supermärkte, Kneipen, Bars, jede Menge Ärzte und natürlich Landsleute, die lieber schwachen Filterkaffee als stark gebrannten Kaffee „doble en vaso, con leche“ trinken.

    Dann sahen wir noch dieses Schild in der Englischen Kaderschmiede Cambridge, Hort der Naturwissenschaft und weltweit grösster Produzent von Nobelpreisträgern:
    Freunde in Cambridge

    Es gibt also doch Treffpunkte für Deutsche „Freunde“ im Ausland?

    Die Guillotine muss bleiben — Gegen die Abschaffung einer alten Tradition

    September 6th, 2006

    (Der folgende Text ist frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen, oder mit tatsächlichen Ereignissen oder Vereinen, wäre nicht beabsichtigt, sondern leider unvermeidlich)

  • Verein zur Förderung des Guillotinierens
  • Wir haben einen Verein zur Förderung und Pflege des Guillotinierens gegründet. Wir fanden, es war Zeit, diese alte Tradition des Guillotinenbaus und die Pflege des korrekten Umgangs mit Guillotinen wieder aufleben zu lassen. Sonst gehen sie ganz verloren, in unserer modernen, kurzlebigen Zeit.

    Verweilen wir kurz in der glorreichen Geschichte der Guillotine in Grossherzogtum Baden:

    Im Großherzogtum Baden wurde zwischen 1848 und 1932 an 37 Männern und 2 Frauen das Todesurteil vollstreckt. Seit 1856 wurde die Vollstreckung mittels der von der Fa. Johann Mannhardt in München für 1.000 Gulden hergestellten Guillotine durchgeführt. Der Standort der Guillotine war in Bruchsal, wobei die Messer stets getrennt aufbewahrt wurden. Zum Transport der Guillotine (mit der Eisenbahn) an die verschiedenen Hinrichtungsorte in Baden wurde die Guillotine zerlegt und in Kisten verpackt. Die badische Guillotine gelangte, da seit 1933 Hinrichtungen in Stuttgart durchgeführt wurden, im Februar 1937 nach Berlin zur Strafanstalt Berlin-Plötzensee.
    (Quelle: Wikipedia.de)

    Die Badische Guillotine
    (Quelle Foto: Wikipedia.de)

    Unsere Vereinsstatuten fordern:
    1. Pflege des alten Brauchtums „Guillotinieren“. Regelmässiges Einüben der dazu notwendigen Tätigkeiten in obligatorischen Übungen. Genannt „das Obligatorische“.

    2. Wiederholungskurse für alle Mitglieder, genannt „WKs“, im jährlichen Abstand. Hier wird der korrekte und fachgerechte Aufbau der Guillotine geübt, das Einhängen und Justieren des Messers.

    3. Einüben des Auslösen des Fallbeils. All dies geschieht in unserem Vereinsheim in gesicherter Umgebung. Dicke Betonmauer verhindern, dass Blutspritzer oder Saft (wir köpfen in der Regel nur Kohlköpfe) das Gelände unkontrolliert verlassen können

    4. Förderung der Jugendarbeit. Wir veranstalten regelmässiges Jugend-Guillotinieren, bei dem der Nachwuchs schon ab 12 Jahren (Jungen wie Mädchen) guillotiniert wird in die hohe Kunst und in die alte Tradition des sicheren Fallbeil-Abzugs eingeführt wird. Insbesonders das Fetten der Fallrinne, das Säubern des Messers, inklusive das komplette Zerlegen und wieder Zusammensetzen unserer Präzisionsguillotinen wird geübt.

    5. Wir treten wie unsere historische Vorbilder für die strikte getrennte Aufbewahrung des Fallbeils und des eigentliche Blutgerüsts ein.

    6. Die Aufbewahrung der zerlegten oder zusammengebauten Guillotine mitsamt eingepacktem Messer im Privathaushalt unserer Vereinsmitglieder halten wir für einen Vertrauensbeweis in das Verantwortungsbewusstsein und der Sorgfalt unserer Mitglieder. Diese Vorgehensweise ist unbedingt beizubehalten.

    7. Es ist unseren Vereinsmitgliedern verboten, Nicht-Vereinsmitglieder oder sich selbst mit der Guillotine zu töten. Unfälle, Suizide oder Missbrauch im Haushalt mit unseren Guillotinen sind äusserst selten. Maximal 300 pro Jahr. Wer sich umbringen will, findet auch leicht ein anderes Messer. Nur wenn wir unsere Guillotinen im Haus aufbewahren, können wir sie im Ernsthaft sofort einsetzen, so verlangen es unsere Vereinsstatuten.

    Wir sind nicht für die Schlechtigkeit der Gesellschaft verantwortlich, wir pflegen nur alte Traditionen. Warum sollten wir unsere Traditionen abschaffen, nur weil sich die Gesellschaft gewandelt haben mag?

    Foto Wikipedia
    (Quelle Foto: Wikipedia)

    Das Guillotinieren ist auch in heutiger Zeit ein interessanter Sport, der Sorgfalt, Konzentration, Aufmerksamkeit und Präzision fordert und fördert. Unser Vereinsleben ist gesellig. Wir treffen uns mit in- und ausländischen Guillotinenvereinen zum gemeinsamen Guillotinieren. Zum Essen gibt es dann stets Kohlsuppe mit Gemüse, denn davon haben wir stets grosse Menge durch unsere Trainingsstunden übrig.

  • Werden Sie Mitglied!
  • Werden auch Sie Mitglied in unserem Verein. Lernen Sie einen interessanten Sport kennen, bewahren Sie mit uns diese alte Tradition des Guillotinierens, geniessen Sie mit uns die leckere Kohlsuppe.

    Zu Lande, zu Wasser, zu Weg — Wenn Schweizer sich wohlfühlen

    September 5th, 2006
  • Der Weg ist das Ziel
  • Dieses alte Motto der Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Nordspanien wird in der Schweiz nicht einfach ungefragt in den Raum gestellt. Nicht allein, dass ein schönes Stück dieses Pilgerpfades mitten durch die Schweiz verläuft,
    Der Weg ist das Ziel
    (Quelle Foto: myswitzerland.com)

    nein, für die Schweizer ist die Frage, ob man er „zwäg“ sei, ein essentielles Erkunden nach dem persönlichen Wohlbefinden. Es ist damit nicht der Weg zur Waage gemeint, um den morgendlichen Gewichtszunahmeschock zu überstehen. Und damit nicht wage gegrübelt wird, ob der andere schon weg ist oder wegen des Weges Probleme hat, wird deutlich beton: „Siit er zwäg“. So geschehen auf dem Blueskonzert in Winterthur durch die Jungstar Sängerin Mia Aegerter:
    Siit er zweäg?
    (Tages-Anzeiger vom 30.08.06, S.16)

    In der Schweiz ist man vielseitig unterwegs: In der Luft, zu Wasser oder zu Lande. Letzteres dann am liebsten auf Wegen. Wichtig ist allerdings die vollständig und korrekt formulierte Frage. Hier ein paar fehlerhafte Exemplare:

    Fehler 1: Bist Du zu?
    Das fragen Sie den Schweizer Jugendlichen, wenn er auf dem Weg zur Berufsschule mit glasigen Augen und Minipupillen in den Pendlerzug steigt, oder sie fragen das ihren Kiosk der Schweizer Kiosk AG, wenn sie am Abend um 20:00 Uhr Ziggis kaufen möchten (die nichts mit David Bowies Ziggy Stardust zu tun haben, sondern geraucht werden), und sie ein charmanter Rolladen anlächelt.

    Fehler 2: Bist Du weg?
    Fast richtig, denn die korrekte Schweizerdeutsche Rückfrage würde lauten: „Bist Du noch da“ und nicht negativ „Bist Du weg?“, obwohl das aufs Gleiche hinausläuft und in dieser Gesprächssitutation genauso passend ist wie der beliebte Streitauslöser: „Schläfst Du schon?“ oder „Lebst Du noch“. Auf diese Fragen mit JA oder NEIN zu antworten, entbehrt unserer Meinung nach einer gewissen Logik. Wenn also nur eine Antwort möglich ist, nämlich „NEIN, ich bin wach“ oder „JA, ich lebe noch“, warum dann überhaupt fragen?

    Fehler 3: Zu Aldi?
    Das fragt man in der Schweiz nicht, denn das ist nicht politisch opportun. Obwohl, Sie könnten sich ja immer erklärend damit rausreden, dass sie nur fragen wollten, ob Aldi endlich dicht gemacht hat, also zu ist.

    Richtig: Bist Du zu weg / wäg / wääg /zwäg
    Egal wie sie es auch schreiben, es wird sich ein Schweizer finden, der gerade diese Art von Verschriftung nicht akzeptieren wird. Aber egal.

    Dieses nette Universalfahrzeugt sahen wir in Liverpool. Es nennt sich „Yellow Duck“ und ist in der Lage, das frisch restaurierte Albert Dock unweit der Waterfront von Liverpool am Mersey zu Lande und zu Wasser den Touristen vorzuführen.

    Leiter hochziehen
    Leiter hochziehen!

    Dann heisst es festhalten und ab geht’s ins Wasser!
    Yellow Duck im Trocknen

    Yellow Duck

    Ja, sie schwimmt wirklich

    Und sogar mit Schraube

    Das wär doch was für die Schweizer Städte Zürich, Basel, Genf oder Biel, die alle an Seen oder Flüssen liegen! Damit wären Sie immer „zwääg“.

    Verliebt in Sara Beck — Bekennende Homosexuelle in der Schweiz

    September 4th, 2006
  • Verliebt in Sara Beck
  • Ich habe mich verliebt. Verliebt in Sara Beck. Sie lächelte mich Tag für Tag von den Plakaten der Swisscom an. Sie wirbt dort fürs Telefonieren. Telefonieren über das Festnetz. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es gibt noch Menschen mit einem Festnetz Anschluss bei der Schweizer Traditionsfirma „Swisscom“. Und zwar nicht nur so ein Telefon für den Notfall, das haben die meisten Menschen ja schon in Form eines handlichen Handies im Handschuhfach liegen, nein ein richtiger Festanschluss zum Plaudern. Damit das nicht zu teuer kommt, hat die freundliche Firma Swisscom ein „Plauder-Abo“ im Angebot. Und das nutzt sie, meine grosse Liebe, Sara Beck. Sie plaudert und plaudert, in aller Öffentlichkeit, auf Plakatwänden des Kantons Zürich.
    Sara Beck plaudert
    Nehme ich jedenfalls an, dass sie das nur in Zürich tut, denn sie plaudert auf Züridütsch. Soviel habe ich schon begriffen, aus Bern ist die nicht.

    Sie hat einen Hörer in der Hand, wie jeder erkennen kann, mit einem ganz festen Spiralkabel daran. Klar, ist ja auch Werbung für einen Festnetz-Anbieter. Was sagt sie eigentlich so?

    „… du, ich bin mega verliebt, nei, keine us de Schuel, usem Chat…“
    Sara Beck

    Mist, da fängt schon das Problem an. Sara Beck ist verliebt, nur nicht in mich. Ich könnte froh sein, es ist auch „keine us de Schuel“. Moment, steht da „keine“? Ja, ich habe richtig gelesen. Sara liebt offensichtlich ein unbekanntes Mädchen, das sie im Chat kennengelernt hat.

    Das war’s dann wohl. Ich wünsche ihr weiterhin viel Glück in dieser Beziehung. Vielleicht heiratet Sie ihre Freundin irgendwann. Ab dem 1. Januar 2007 ist das auch in der Schweiz möglich. Dann werden wohl auch noch andere heiraten. Wir lasen in einer alten Ausgabe des Blicks:

    Patrick Rohr will heiraten
    Zürich – Das Ja zum Partnerschaftsgesetz trägt erste Früchte: „Quer“-Moderator Patrick Rohr (37) will seinem Freund Simon Ming (23) bei nächster Gelegenheit einen Heiratsantrag machen.
    Das berichtet der „Blick“. „Den wird er zwar zunächst ablehnen, aber nach ein paar Wochen wird er mich dann fragen, ob ich will. So läuft das immer bei uns.“ Zeit haben die beiden noch reichlich, das neue Gesetz tritt frühestens am 1. Januar 2007 in Kraft.
    Patrick Rohr Foto SF/DRS
    Patrick Rohr will schon bald seinen Freund heiraten.
    Quelle: sda / Dienstag, 7. Juni 2005 / 12:39 h

    Lange hatten wir uns gefragt, ob es eigentlich in der Schweiz überhaupt keine bekennenden Homosexuellen gibt. Unser Lieblingstalkmaster Kurt Aeschbacher machte da noch nie ein Geheimnis draus, der Radiomoderator Sven Epiney steht das grosse Coming Out noch aus. Das Multitalent Michael von der Heide fällt uns noch ein, und das war es dann auch schon.

    Kein Schweizer Parteivorsitzender à la Guido Westerwelle von der FDP, kein regierender Bürgermeister à la Klaus Wowereit in Berlin, der sich einst mit dem Satz „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ outete, oder wie der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust, dessen Gegner Schill aus einem angeblichen Liebesskandal unter Männern per Erpressung politisches Kapital schlagen wollte, und dabei kläglich Schiffbruch erlitt.

    Aber die Schweiz ist ja auch kleiner als Deutschland. Im Ruhrgebiet leben ungefähr so viele Menschen wie Schweizer in der Schweiz, ca. 5.3 Millionen, diese Relation sollten wir uns immer vor Augen halten.