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Zu Lande, zu Wasser, zu Weg — Wenn Schweizer sich wohlfühlen

  • Der Weg ist das Ziel
  • Dieses alte Motto der Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Nordspanien wird in der Schweiz nicht einfach ungefragt in den Raum gestellt. Nicht allein, dass ein schönes Stück dieses Pilgerpfades mitten durch die Schweiz verläuft,
    Der Weg ist das Ziel
    (Quelle Foto: myswitzerland.com)

    nein, für die Schweizer ist die Frage, ob man er „zwäg“ sei, ein essentielles Erkunden nach dem persönlichen Wohlbefinden. Es ist damit nicht der Weg zur Waage gemeint, um den morgendlichen Gewichtszunahmeschock zu überstehen. Und damit nicht wage gegrübelt wird, ob der andere schon weg ist oder wegen des Weges Probleme hat, wird deutlich beton: „Siit er zwäg“. So geschehen auf dem Blueskonzert in Winterthur durch die Jungstar Sängerin Mia Aegerter:
    Siit er zweäg?
    (Tages-Anzeiger vom 30.08.06, S.16)

    In der Schweiz ist man vielseitig unterwegs: In der Luft, zu Wasser oder zu Lande. Letzteres dann am liebsten auf Wegen. Wichtig ist allerdings die vollständig und korrekt formulierte Frage. Hier ein paar fehlerhafte Exemplare:

    Fehler 1: Bist Du zu?
    Das fragen Sie den Schweizer Jugendlichen, wenn er auf dem Weg zur Berufsschule mit glasigen Augen und Minipupillen in den Pendlerzug steigt, oder sie fragen das ihren Kiosk der Schweizer Kiosk AG, wenn sie am Abend um 20:00 Uhr Ziggis kaufen möchten (die nichts mit David Bowies Ziggy Stardust zu tun haben, sondern geraucht werden), und sie ein charmanter Rolladen anlächelt.

    Fehler 2: Bist Du weg?
    Fast richtig, denn die korrekte Schweizerdeutsche Rückfrage würde lauten: „Bist Du noch da“ und nicht negativ „Bist Du weg?“, obwohl das aufs Gleiche hinausläuft und in dieser Gesprächssitutation genauso passend ist wie der beliebte Streitauslöser: „Schläfst Du schon?“ oder „Lebst Du noch“. Auf diese Fragen mit JA oder NEIN zu antworten, entbehrt unserer Meinung nach einer gewissen Logik. Wenn also nur eine Antwort möglich ist, nämlich „NEIN, ich bin wach“ oder „JA, ich lebe noch“, warum dann überhaupt fragen?

    Fehler 3: Zu Aldi?
    Das fragt man in der Schweiz nicht, denn das ist nicht politisch opportun. Obwohl, Sie könnten sich ja immer erklärend damit rausreden, dass sie nur fragen wollten, ob Aldi endlich dicht gemacht hat, also zu ist.

    Richtig: Bist Du zu weg / wäg / wääg /zwäg
    Egal wie sie es auch schreiben, es wird sich ein Schweizer finden, der gerade diese Art von Verschriftung nicht akzeptieren wird. Aber egal.

    Dieses nette Universalfahrzeugt sahen wir in Liverpool. Es nennt sich „Yellow Duck“ und ist in der Lage, das frisch restaurierte Albert Dock unweit der Waterfront von Liverpool am Mersey zu Lande und zu Wasser den Touristen vorzuführen.

    Leiter hochziehen
    Leiter hochziehen!

    Dann heisst es festhalten und ab geht’s ins Wasser!
    Yellow Duck im Trocknen

    Yellow Duck

    Ja, sie schwimmt wirklich

    Und sogar mit Schraube

    Das wär doch was für die Schweizer Städte Zürich, Basel, Genf oder Biel, die alle an Seen oder Flüssen liegen! Damit wären Sie immer „zwääg“.

    

    14 Responses to “Zu Lande, zu Wasser, zu Weg — Wenn Schweizer sich wohlfühlen”

    1. coop Says:

      erster;-)
      dank dir, endlich weis ich mal was es genau heißt:-)
      ein arbeitskolleg fragt mich das jeden tag, war mir aber nie ganz sicher was er nun genau damit meint. easyweasy, danke!
      jetzt weis ich das es einfach eine frage des wohlbefindens ist, und keine frage nach meinem vorabendlichen alkoholkonsum oder gleichens;-)

      der coop

    2. Marvin Says:

      „Siit er zwäg?“ => Ins beste Ruhrdeutsch übersetzt: „Alles fit im Schritt?“

      Oder so… Verstehe einer die Schweizer 🙂

      Marvin

    3. Züpf Says:

      @coop:

      Falls das morgendliche Wohlbefinden allerdings etwas mit dem vorabendlichen Alkoholkonsum zu tun hat, ist dieser in der Frage ‚Bisch zwäg‘ mit eingeschlossen.

      PS: Ziggi sollte nicht mit 2 ‚g‘ geschrieben werden, es wird auch nicht so ausgesprochen.

      [Anmerkung Admin: Schon recht, aber dann wäre der Vergleich mit Ziggy Stardust aber hinfällig, und den fand ich soooo schööööön 😉 ]

    4. Widi Says:

      Zitat Jens:
      „nein, für die Schweizer ist die Frage, ob man er „zwäg“ sei, ein essentielles Erkunden nach dem persönlichen Wohlbefinden“

      Das Wort „er“ vor „zwäg“ ist hier falsch am Platz, resp. schlicht nicht nötig. Man benutzt zwäg für sich alleine.
      -> In der Frage „Sit er zwäg“ meint das Wort „er“ das Hochdeutsche „Ihr“ – also 2. Person Plural ( – oder so, wenn ich das von meinem Deutsch-Unterricht her noch richtig im Kopf habe…).

      Gruss
      Widi

    5. myl Says:

      EIgentlich gibt es das „zwäg“ zumindest als Verb auch im Schriftdeutschen:

      „etwas zuwege bringen“

      es gibt dazu sogar Einträge in dict.cc (ger.-engl.):

      zuwege bringen:
      to manage
      to pull off
      to accomplish
      to bring about

      Somit ist es ganz naheliegend: Sobald alles erledigt ist, ist auch das Wohlbefinden gross

    6. sylv Says:

      in diesem speziellen Kontext –am konzert von Mia Aegerter war es wohl gemeint im Sinne von: ’seid ihr gut drauf?‘

      @widi,
      syt ER( eg IHR) zwäg oder syt DIR zwäg– ist schon richtig so, im Berndeutschen wird die Anrede Ihr/Dir täglich gebraucht und ist im obengenannten Kontext absolut korrekt.

    7. ichbins Says:

      „Die Schweizer sagen“ Tolle Verallgemeinerung.
      „Syt der zwäg“ fragen wohl höchstens die Berner…

    8. Widi Says:

      @Sylv:
      Bin ich nicht Deiner Meinung. Der Satz ist (resp. Teilsatz):
      „…, ob man er „zwäg“ sei…“

      Es müsste heissen: „…, ob man „zwäg“ sei…“

      das „man“ ist dann „die angesprochene Person“

      Widi

    9. markus Says:

      Also ich sage: Besch zwärg? Send ehr zwärg? Und das hat nichts mit den kleinen Männchen (Zwergen) zu tun.

      Aber diese gelbe Ente ist echt stark. So etwas muss ich auch haben!

    10. joeggel Says:

      ein Zürcher sag natürlich:
      Biisch zwääg? (Die gute Mia kommt ja westlich von Zürich her;-)))

      Mit diesem Spruch hatte lange ein Einkaufszentrum in Uster geworben, zur Erheitung von Deutschen Freunden. Aber es war der einzige Satz, denn sie anschliessend verstanden hatten und auch fliessend aussprachen…

    11. Peter Says:

      „Bisch zwäg?“ kann aber auch heissen „Bisch du zu?“, wie z.B. „Diä sind schön zwäg gsi“ heisst „Diä sind schön bsoffä gsi“.

    12. Selma Says:

      Bei diesen ganzen Fortbewegungsarten und Wegen fehlt doch noch ein Kommentar zur Frage „gohts no?“ (bzw. gahts na, geits no, etc.)…?

      „Zwäg“ kann man übrigens auch verwenden, um eine Charaktereigenschaft zu beschreiben, nicht nur das momentane Wohlbefinden. Wenn jemand „zwäg“ ist, ist er eine nette, offene Person. Man könnte auch „aufgestellt“ sagen, was aber auch kein Hochdeutsch ist. Meine deutschen Freunde, die in der Schweiz ein WG-Zimmer suchen, fragen mich immer wieder, was denn ein aufgestellter Mitbewohner sei… (auf http://www.wgzimmer.ch finden sich viele Beispiele)

    13. Luise Says:

      @Selma:

      “Gohts no?” (etc.) hat halt die deutsche Entsprechung „Geht’s noch?“.

    14. Phipu Says:

      an Jens, Widi, Sylv, Joeggel

      Tatsächlich steht im von Jens geschriebenen Text „… ob man +er+ „zwäg“ sei …“, was natürlich falsch ist.
      Richtig: „ob man +( )+ ‚zwäg‘ sei“.

      Würde Mia Aegerter „s’Biss chehre“ und „fremdsprachlich“ züridütsch fragen, hiesse es wohl „Sind ER zwäg?“; (= „seid ihr In Form?“, von der amerikanischen Live-Konzert-Frage: „are you o.k.?“ abgeleitet) was auch immer noch die 2. Person Plural darstellt – da sie ihr Publikum (= viele Leute) duzt. in ZH gegenüber BE wäre bloss das Verb „si“ (= sein) anders konjugiert.

      2. Lektion: Es kann nicht genug oft wiederholt werden, dass im Berndeutschen auch für die Höflichkeitsform (Singular & Plural) die Ihr-Form benützt wird. Fragt Mia Aegerter also den Herrn obersten Management-Direktor (siezend) nach seinem Wohlbefinden, fragt sie „Sit er zwäg?“. (Hier würde sie zwar wohl bei einem Bewerbungsgespräch eher an der Wortwahl scheitern.) Wenn Mia Aegerter den ganzen Sall voller Management-Direktoren (die sie siezt) im Saal hat, fragt sie auch „Sit er zwäg?“ (Eben, nur die Wortwahl entspricht nicht der Höflichkeitsform.)

      Unterdessen solltet ihr es ja wissen: Schweizerdeutsche Formulierungen die unbekannt sind, aber eine alte Herkunft haben könnten, findet man nicht unbedingt im Duden sondern in Grimms Wörterbuch. Siehe „Zuwege“ unter der Bedeutung 4)
      http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GZ10713

      „Are you still o.k.?“ (Sit er gäng no zwäg?) nach so viel angewandter Grammatik? „Louder – I can’t hear you! Are you still o.k.?“ (Lüter, i ghöre-n-ECH nid! Sit ER gäng no zwäg?

      [Anmerkung Admin:
      YEAH!!! Phipu is back! und wir sind all zu und weg..]

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