Ein Trockengedeck ist kein Trockenfisch im Trockendock — Neue Schweizer Lieblingswörter

Juli 4th, 2007
  • Eine trockene Angelegenheit beim Essen
  • Wir erhielten Post von einem Deutschen:

    Sehr geehrter Herr Wiese,
    mit großem Vergnügen las ich in Ihrem Blog. Wahrscheinlich fehlt noch ein Wort (denn alle Beiträge habe ich natürlich nicht gelesen), das mir letztes Jahr begegnet ist: das „Trockengedeck„. Als ich vom Kanton Thurgau die Einladung zu einem Mittagessen erhielt, musste ich als Deutscher rätseln, was das wohl bedeutete. Das Wort hört sich nicht gerade nach genussvollem Essen an.

    Warum nicht? Trockenfisch schmeckt doch auch lecker. Er wird auch „Stockfisch“ genannt, weil die Trocknung auf Stockgestellen erfolgt (vgl. Wikipedia)

  • Das Trockendock gab es schon in der Antike
  • Das „Trockendock“ kennen die Hamburger recht gut. Es dient dazu, Schiffe trocken zu legen um sie zu reparieren. Eine Technik, die schon aus der Antike bekannt, wie man bei Wikipedia nachlesen kann. Aber ein „Trockengedeck“? Man bekommt ja schon einen trockenen Mund, wenn man das Wort nur liest. Die Elektropost berichtet weiter:

    Nun, es war so, dass wir zum Essen eingeladen waren und das Trockengedeck spendiert bekamen. Der Kanton Thurgau lud zum Essen ein, die Getränke sollte man selbst bezahlen. Zwischen der Einladung und dem Mittagessen kamen jedoch die neuesten Bilanzen herein, so dass sich die Verantwortlichen des Kantons großzügig zeigten und auch noch die Getränke bezahlten.

    Und wirklich, das praktische und knochentrockene Wort lässt sich nur in der Schweiz nachweisen, weder unser Duden, noch Der Wortschatz der Uni-Leipzig oder Grimms Wörterbuch wissen etwas darüber. Hier die Fundstellen von Google-CH.

    Blick auf den Walensee von Filzbach
    (Quelle Foto: seeblick-filzbach.ch)

  • Steinsuppe als Trockengedeck?
  • Besonders lecker fein als „Trockengedeck“ stellen wir uns die berühmte „Steinsuppe“ vor. Die Geschichte dazu geht so:

    Es war einmal vor langer Zeit, als die Menschen noch an Märchen glaubten, da klopfte ein Landstreicher an die Tür des Seeblick in Filzbach und bat um ein wenig heisses Wasser. Das wurde im gewährt. Der Landstreicher setzte seine Gamelle mit dem Wasser auf’s Feuer, zog einen Kieselstein aus der Tasche und tat ihn dazu. Dann rührte er das heisser werdende Wasser mehrmals um, schmeckte ab, leckte sich geniesserisch die Lippen. Auf die Frage, was er da mache, antwortete er: Ich koche mir eine Steinsuppe. Ob sie gut schmecke ? Vorzüglich. Aber ehrlich – etwas Salz könnte ihr nicht schaden; sagte der Landstreicher. Das Salz wurde ihm ebenfalls bewilligt.

    Wie die Suppe jetzt schmecke ? Immer besser. Allerdings mit etwas Zwiebeln, Knoblauch und einer Handvoll Griess wäre sie ein Genuss. Auch diese Zutaten wurden ihm gereicht. Mit der Zeit erbat sich der Besucher weitere Zutaten, wie einen Fisch vom Walensee, Kräuter vom Garten, am Ende gar noch weissen Wein und geriebenen Käse. Die Suppe schmeckte wirklich herrlich. Als alle von dieser vorzüglichen Steinsuppe gegessen hatten, wusch der Landstreicher den Stein sorgfältig ab und steckte ihn in die Tasche. Aber der Wirt vom Seeblick liess nicht locker und gab solange keine Ruhe, bis der Suppenkoch ihm den Stein für teures Geld verkaufte.
    (Quelle: Homepage Restaurant Seeblick in Filzbach, Schweiz)

  • Keine alte Kamelle aber eine Gamelle
  • Die in der Geschichte erwähnte „Gamelle“ ist übrigens auch ein Schweizer Spezialwort, welches Deutsche nicht kennen dürften. Es findet sich wie vieles aus der Schweiz im Duden erklärt:

    Gamẹlle die; -, -n aus gleichbed. fr. gamelle, dies über it. gamella „Essnapf“ aus lat. camella „Schale“:
    (schweiz.) Koch- u. Essgeschirr der Soldaten
    (Quelle: duden.de)

    Eine „Kamelle“ ist hingegen etwas Süsses, nämlich ein Karamelbonbon, dass im rheinischen Karneval zur Gaudi der Zuschauer von den Umzugswagen ins Publikum geworfen wird.

    Was ist ein Chlöpfer? — Klopfer ist der Freund von Bambi

    Juni 18th, 2007
  • Klopfer ist der Freund von Bambi
  • Den ersten Kinofilm, den ich im zarten Alter von 10 Jahren in Bochum-Hamme an der Dorstenerstrasse ohne Begleitung in der Sonntagsmatinee sah, war „Bambi“ . Es kostet 2.50 DM in der Loge mit Polstersitzen oder 1.50 DM im Holzparkett. Der Tod von Bambis Mutter bewegte mich unendlich:

    Filmgeschichte schrieb die Szene, in der Bambis Mutter stirbt. Hier arbeiteten die Filmemacher mit der sogenannten Off-Camera-Technik: Der Tod von Bambis Mutter wird nicht im Bild gezeigt, ebensowenig der Jäger, der sie erschießt. Gerade deshalb hat er sich wohl jedem, der Bambi als Kind im Kino sah, so unvergesslich als früher „Kinderschock“ eingeprägt. Diese Szene wurde im Juli 2004 vom englischen „Total Film Magazine“ auf Platz 6 der 50 Top Movie Death Scenes (Die 50 berühmtesten Filmtode), (…)
    (Quelle: Wikipedia)

  • Der Chlöpfer ist bedroht!
  • Es folgten weitere sonntagmorgendliche „Godzilla vs. King Kong“ Filme, aber am besten von allen Filmhelden blieb mir Bambis Freund in Erinnerung.
    Klopfer ist Bambis Freund

    Er hiess „Klopfer“, und trommelte mit dem Pfoten mächtig auf den Boden. Schweizer Kinder werden ihn 1964 bzw. 1973 bei der Wiederaufführung nur als „Thumper“ in der untertitelten Version erlebt haben. Falls doch eine schweizerdeutsche Fassung synchronisiert wurde, mutierte er sicherlich zu „Chlöpfer“. Und so verwandelt fand ich ihn wieder, Bambis Freund, in einem Artikel des Tages-Anzeigers mit dem angsteinflössenden Titel:

    „Der Cervelat, wie wir ihn kennen, ist bedroht“
    (Tagi 09.06.07, S. 25).

    Nein, es ging nicht um ein „Reservat“ im tropischen Regenwald, auch wenn viel von Brasilien, Uruguay und Argentinien in dem Artikel die Rede war.
    Chlöpfer ist eine Wurst
    (Quelle Foto: ernestopauli.ch)

    Es ging um die Wurst, bzw. die brasilianischen Rinderdärme, aus denen das 100% schweizerische Qualitätsprodukt „Schweizer Cervelat“ hergestellt wird:

    Seit dem 1. April 2006 darf brasilianischer Rinderdarm nicht mehr importiert werden – weder in die EU noch in die Schweiz, die via ein Abkommen an die EU-Praxis gebunden ist. Schuld am Einfuhrverbot ist die Rinderseuche BSE. Weil die Brasilianer Präventionsvorschriften der EU nicht eingehalten haben, wurde den dortigen Farmern die Zulassung entzogen.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 09.06.07)

    Nochmal ganz langsam: Die EU straft Farmer in Brasilien und in der Folge haben die Schweizer ein Problem mit der Wurst, denn:

    Rinderdärme aus Argentinien sind zäh weil fettig, ausserdem würde der Cervelat damit viel zu dick. Jene aus Uruguay machen den Chlöpfer zu krumm, und die Schweizer Därme platzen zu schnell.

    Und wir glaubten bisher, nicht der Cervelat würde zu dick, sondern der Schweizer, wenn er zuviel Wurst ist. Wenn sich Bambis Freund krumm machen soll, und die Därme der Schweizer dabei platzen, dann klingt eher nach einem unappetitlichen Splatter-Movie als Wurstwarenkonsum. Doch Chlöpfer kann, in der Mehrzahl auftretend, noch viel mehr in der Schweiz.

  • Chlöpfer machen Musik
  • Durchstreift man die 2‘340 Fundstellen für „Chlöpfer“ bei Google-CH, so sind viele von ihnen sehr musikalisch, meistens in Guggenmusiken wie die „Mägi-Chlöpfer aus Mägenwil. Oft sind Chlöpfer nur in der Adventszeit aktiv, wenn sie die grossen Treichler Glocken und Peitschen schlagend durchs Dorf ziehen, wie die Trychler Chlöpfler in Malters.

  • Chlöpfer kann man auch trinken
  • Am Zürichsee gibt es einen Schaumwein, der so richtig pochend-klopfende Kopfgefühle bereitet, daher der Name „Zürichsee-Chlöpfer“.

  • Chlöpfer können auch schiessen
  • Bei Bambi schiessen nur die Jäger, und Bambis Mutter wird erschossen. Bei einer Schweizer Schützengesellschaft entdeckten wir „Hobby-Chlöpfer“, die mit dem Sturmgewehr 90 klopfen.

  • Chlöpfer saufen auch Benzin
  • Zuletzt entdeckten wir den Chlöpfer unter vielen anderen Schweizer Fahrzeugen mit zwei Rädern:

    e Zwiback-Frääsi, en Affe-Ständer (Harley), en Arschbagge-Vibrator, en Bibelforscher-Traktor, en Blöff-Töff (Harley), en Böögge-Stuel (BMW), en Chlöpfer, en Füür-Stuehl, en Grad-uus-Töff (Harley), en Hobel, es Chlöpf-Schiit, es Guezli, es Rauchvelo, es Wäschpi (Vespa)
    (Quelle: Züri Slängikon)

    Ziemlich universal verwendbar, dieses Wort. Aber wenn „es chlöpft und tätscht“ in der Schweiz, dann sollte man lieber den Kopf einziehen.

    Warum wir gern Filterkaffee trinken — Markiert Kaffee eine kulturelle Grenze?

    Mai 31st, 2007
  • Es lebe der Handfilter
  • Wir trinken gern Filterkaffee. In grossen Mengen aus grossen französischen Bols, allerdings mit Henkeln. Nicht zu stark und am liebsten aus nicht zu stark gebrannten Sorten zubereitet. Am besten gelingt Filterkaffee, wenn die Kaffeebohnen frisch gemahlen sind, und zwar nicht zu fein. „Für den Handfilter“, so lautet die Einstellung an der elektrischen Kaffeemühle und das Wasser muss sprudelnd kochend auf das Pulver im Handfilter gegossen wird. In mehreren Portionen. Die erste Ladung ist die wichtigste, denn sie „öffnet die Poren“. Dann ein bisschen warten bis das Wasser durch den Filter gelaufen ist, bevor nun in Abständen die zweite und dritte Ladung über aufgebrühte Kaffeepulver geschüttet wird. Auf den richtigen „Schwall“ kommt es an, dann wird der Kaffee prima. Nicht lecker, das passt nicht.

    Handfilter
    (Quelle Foto: ingridgrote.de)

    Natürlich mögen wir auch den Kaffee aus einer Expressomaschine, nur sind uns diese Dinge nicht ganz geheuer, sie könnten ja in die Luft gehen, ausserdem welche Maschine produziert schon auf Knopfdruck einen halben bis dreiviertel Liter Kaffee?

  • Filterpapier für Handfilter nicht beim Kaffeepulver
  • Dass die Schweizer weniger auf Filterkaffee stehen als die Deutschen merkt man untrüglich daran, dass in der Migros das dafür benötigte Filterpapier nicht in der Nähe des Kaffeepulvers (oder der ungemahlenen Kaffeebohnen) zu finden ist, wie in Deutschland, sondern bei den Kaffeemaschinen, Abteilung „Hardware für Deutsche“.

  • Ist Filterkaffee typisch für Deutsche?
  • Offensichtlich ist das eine typisch deutschen Angewohnheit, „Filterkaffee“ zu trinken. Wir lasen im Magazin des Tages-Anzeigers in einer klassen Reportage mit dem Titel „Wir gegen uns“, geschrieben von Christoph Fellmann, über die Süddeutschen und ihr Verhältnis zur Schweiz:

    Das Ehepaar Moser lebt seit 1971 an einer Wohnstrasse in Konstanz am Bodensee. Im Garten blühen die Forsythien. Serviert wird Filterkaffee und «Kaffeeglück», das ist eine Blechdose mit Kondensmilch – Kaffeegewohnheiten markieren kulturelle Grenzen.
    (Quelle: dasmagazin.ch vom26.05.07 )

  • Wer mag überhaupt Kondensmilch?
  • Nun, warum überhaupt Kondensmilch erfunden wurde, war uns auch immer ein Rätsel. Wahrscheinlich stammt die Idee aus der Zeit, als noch nicht jeder Haushalt mit einem Kühlschrank ausgestattet war, und man einen Weg suchte, Milch leicht und ungekühlt aufbewahren zu können. In meiner Kindheit galt es als besonders fiese Bestrafung, jemanden zum Trinken einer kleinen Tasse voll mit Kondensmilch zu zwingen. Ekelhaft. Heutzutage wird überall in Deutschland neben Kondensmilch auch Frischmilch zum Kaffee angeboten, einfach weil es viel besser schmeckt.

  • Trinken ältere Schweizer denn keine Kondensmilch?
  • Wir lernen bei Wikipedia:

    Kondensmilch (evaporierte Milch), auch Dosen- oder Büchsenmilch genannt, wird aus Milch unter teilweisem Wasserentzug hergestellt. Die Milch wird zur Keimabtötung und Albuminabscheidung für 10–25 Minuten auf 85–100 °C erhitzt und anschließend bei Unterdruck und 40–80 °C eingedickt. Danach hat sie einen Fettgehalt von 4–10 % und eine fettfreie Trockenmasse von etwa 23 %. Nach der Homogenisierung wird sie meist in Dosen oder Tuben abgefüllt und noch einmal sterilisiert, danach ist sie für lange Zeit haltbar.
    (Quelle: Wikipedia )

    Gibt es diese Generation in der Schweiz nicht, die gern Kondensmilch zum Kaffee trinkt?

  • Milch aus der Dose und Möhren aus dem Glas
  • Für die Generation unserer Eltern bedeutete es Fortschritt, Büchsenmilch stets zur Verfügung zuhaben. Erbsen aus der Dose und Karotten aus dem Glas haben die Arbeitsvorgänge beim Kochen enorm beschleunigten, genauso wie die Erfindung des tiefgefrorenen Blattspinats mit Rahm bzw. der Kartoffelbrei zum Anrühren. Sie wissen nicht, was „Kartoffelbrei“ ist? Kein Wunder, es gehört zu den beliebten Variantenwörtern, die überall anders heissen:

    Kartoffelpüree, Kartoffelbrei oder Kartoffelmus (österreichisch: Erdäpfelpüree, schweizerisch: Kartoffelstock, bairisch/fränkisch: Stampf oder Stopfer) ist ein Brei aus gekochten, zerdrückten und cremig gerührten Kartoffeln sowie anderen Zutaten.
    (Quelle: Wikipedia)

    Ob das auf Bairisch „Stopfer“ heisst, weil man danach nicht aufs Klo kann? Oder weil man damit die hungristen Mäulen gestopft kriegt?

    Wir nannten den Kartoffelbrei als Kinder „Astronautencreme“, weil er sich auch als Tubennahrung eignet, ähnlich wie Kondensmilch aus der Tube.

    Wenn Deutsche nur Filterkaffee trinken würden, gäbe es nicht den hohen Absatz von Espresso-Maschinen oder Kapsel-Systemen bei Media-Markt und anderen grossen Ketten. Aber in den meisten Büros in Deutschland gibt es nach wie vor Filterkaffeemaschinen, mit Wärmeplatte und der Garantie, dass auch nach 6 Stunden der Kaffee noch heiss und garantiert ohne Aroma bleibt.

  • Espresso ist billig
  • Stichwort Espressokaffee: Merkwürdiger Weise ist das einer der wenigen Artikel, der in der Schweiz billiger zu haben ist als in Deutschland. Wahrscheinlich weil er hier zu den Grundnahrungsmitteln gehört und in Deutschland als Luxus gilt, oder weil er anders besteuert wird.

    Gern schreiben wir ihn auch mit „x“: „Expressokaffee“, denn dann ist die Herkunft expressis verbi ersichtlich:

    Espresso, der; -[s], -s od. …ssi (aber: drei Espresso) [ital. (caffè) espresso, urspr. = auf ausdrücklichen Wunsch eigens (d. h. schnell) zubereiteter Kaffee, zu: espresso = ausgedrückt (lat. expressus, express]: a) (o. pl.) sehr dunkel gerösteter Kaffee; b) in einer Spezialmaschine aus Espresso zubereiteter, sehr starker Kaffee. (o. pl.)
    (Quelle: duden.de)

    Mann hab ich jetzt Lust auf nen Kaffee…

    Mir ist so flau – da trink mal Flauder — Appenzeller Mineralwasser aus dem Wallis

    Mai 25th, 2007
  • Durch Zufall entdeckt
  • Am Anfang gefiel uns die hübsche Flasche und das dezente Werbeversprechen, hier ein Mineralwasser mit Holunderblüten und Melissengeschmack zu erwerben. So stiessen wir auf „Flauder“, so blumig wie „Flieder“ und so rasant wie Niki „Lauda“ ? Dann entdeckten wir den Geschmack und die einzigartige Schweizerische Erfolgsgeschichte dieses Getränks:

    Das Getränk entstand im April 2002 mehr oder weniger per Zufall: Auf der Suche nach neuen Geschmacksrichtungen wurde einem Holundergetränk irrtümlicherweise Melisse beigemischt. Der Geschmack von Flauder wird wie folgt beschrieben: «nach Blumengarten im Morgentau, nach der vergänglichen Magie eines Frühsommertages auf dem Land.»
    (Quelle: Wikipedia)

    Flauder Blütenquell

    War April 2002 nicht die Zeit, in welcher der Anbau und Genuss von Cannabis in der Schweiz wesentlich stärker toleriert und ausgeführt wurde, als heute? In dem die jugendlichen Berufsschüler im Zug von Bülach nach Winterthur noch täglich im Raucherabteil des Pendlerzugs die Haschischrauch Produktion anwerfen konnten, so dass für normale Reisende ein tiefer „Schnuuf“ im Raucherabteil genügte, um auch stoned zu werden? (vgl. Blogwiese)
    Egal, „Blumengarten im Morgentau“ klingt wie „Schwarzer Afghane“ oder „Roter Libanese“ . Doch keine Angst, Sie müssen nicht in einen Headshop gehen, um Flauder zu kaufen. Gibt es bei Coop.

    Produziert wird das Getränk von der Mineralquelle Goba in Gontenbad im Kanton Appenzell in der Schweiz. Besitzerin der kleinsten Mineralquelle innerhalb des Verbandes der Schweizerischen Mineralquellen und Softdrink-Produzenten ist Gabriela Manser, die den Betrieb seit 1999 in dritter Generation führt. Sie hat ihn erfolgreich modernisiert, verpasste den Flaschen moderne Etiketten und kreierte neue Geschmacksrichtungen.
    (Quelle: Wikipedia)

    Wahrscheinlich ist dieser Wikipedia-Eintrag lange nicht aktualisiert worden, denn Flauder wird auch von der Migros in Lizenz verkauft, nur stammt deren Abfüllung nicht mehr aus dem Kanton Appenzell sondern wird in Nedaz im Wallis abgefüllt, wie auf dem Etikett zu lesen ist:
    Flauder aus Nendaz
    (Quelle: andare.ch)

    Ein Migros-Mitarbeiter erzählte uns einmal, dass die Migros zunächst versucht habe, einen eigenen Blütentrank auf den Markt zu bringen, das Projekt aber dann aufgab und stattdessen in die Lizenzproduktion einstieg.

    Zur Erfolgsgeschichte von Flauder gehört die ursprüngliche Werbeidee:

    Dadurch, dass jeder Lieferung ungefragt eine Flasche Flauder beigelegt wurde, konnte sich das Getränk innerhalb kurzer Zeit und ohne Werbung im Getränkemarkt durchsetzen und wurde schnell zu einem Verkaufsschlager. Flauder und die anderen Produkte der Quelle werden vor allem in der Ostschweiz verkauft. Abnehmer sind Getränkehändler, Läden, Bars, Restaurants und Grossverteiler.
    (Quelle: Wikipedia )

    Demzufolge gehört Zürich jetzt wohl auch zur Ostschweiz, siehe dazu den Beitrag über das Schweizer „Morgenland“ vom letzten Montag.

  • Kein Flickflack sondern Flickflauder
  • Ein Flickflack ist ein „Handstützüberschlag rückwärts“, ein Flickflauder hingegen hat Flügel. Wir fanden die Erklärung der Herkunft des Wortes Flauder bei Wikipedia:

    Der Name Flauder stammt vom Wort Flickflauder, dem Innerrhoder Dialektausdruck für Schmetterling.

    Das Wort „Flickflauder“ wollen wir gleich mal bei Genial Daneben (Deutschland) einreichen. Mal sehen was für unfeinen Assoziationen das bei Hella von Sinnen & Co auslöst. Wahrscheinlich halten sie es für ein Regal von Ikea, oder für eine Stellung aus dem Kamasutra, was weiss ich.

    Nicht lecker essen, sondern fein — über die Adjektive der Schweizer beim Essen

    Februar 13th, 2007
  • Nicht lecker essen, sondern fein
  • Von Adolf Muschg lernten wir in der Talk-Show CLUB, die ihr zischend fröhliches „Zischtigs“ Attribut leider abgeben musste (welches auf den „Tag des Ziu“ zurückgeht, siehe hier), was die Schweizer niemals nie zum Essen sagen, nämlich dass es „lecker“ sei.

    Schweizer Essen ist niemals „lecker“, sondern meistens „fein“ oder wenigstens „guot“. Über die Eigenschaft der Schweizer, mit grosser Vorliebe am liebsten „etwas Feines“ zu essen, hatten wir schon berichtet (vgl. Blogwiese) . Neu ist uns hingegen die offensichtliche Aversion gegen das standarddeutsche Adjektiv „lecker“. Oder ist das gar nicht Standarddeutsch, sondern ein nur in Deutschland gebrauchter „Teutonismus“, den die Schweizer selbst nie in den Mund nehmen würden?

    „Lecker“ kann sogar Leitspruch einer Diät werden:
    Lecker schlank werden
    (Quelle Foto: tvugsto-presse.tv)

    Machen wir den kleinen Google-Test. Es findet sich bei Google-CH die Kombination „lecker essen“ nur 4‘270 Mal während sie Google-DE 252‘000 Mal ausweist. Natürlich sind solche Zählungen kein objektiver Massstab, aber die Relation 1 zu 60 ist schon sehr eindrücklich. Die Fundstellen für „lecker“ bei Google-CH und Google-DE bringen es auf das Verhältnis 1 zu 20, also wird das Wort 20 Mal mehr in Deutschland verwendet als in der Schweiz, gemäss der nicht repräsentativen Google-Messung.

  • Lecker ist zu nordisch
  • Das Wörtchen „lecker“ ist nichts für die Schweizer, denn es kommt wahrscheinlich einfach zu weit aus dem Norden, dem Niederdeutschen. Im Niederländischen ist „lecker“ übrigens nicht allein ein positives Adjektiv für feines Essen, sondern hat eine viel allgemeinere Bedeutung. „Lekker“ mit zwei „k“ geschrieben steht dort für „toll, prima, schön“.
    lekker heisst schön
    (Quelle: niederlandistik.fu-berlin.de)

    Wer nach „lekkere meisjes“ googelt findet garantiert kein Rezept für delikat zubereiteten Mais, sondern hübsche holländische Mädels.

  • Ist lecker zu anrüchig?
  • Aber warum gebrauchen die Schweizer grundsätzlich dieses Wort nicht im Zusammenhang mit Essen, so wie die Deutschen? Hängt es vielleicht damit zusammen, dass es lautlich sehr nah beim Fluch „läck mr“ oder „läk“ steht? Kann etwas kaum als Lob für gutes Essen verwendet werden, was schon fast wie ein Fluch klingt?
    Vielleicht liegt es einfach daran, dass die adjektivische Vielfalt der Varianten von „feines Essen“ und „guotes Essen“ nicht weiter überfrachtet werden sollte. Warum ein drittes Adjektiv, wenn man schon zwei hat, die ihren Zweck gut und häufig erfüllen? Kleine Hunde sind „herzig“ und gutes Essen ist „fein“, so ist das eben in der Schweiz. Wer braucht schon Varianz? Für ganz ausgefallene Belobigungswünsche gibt es ja immer noch das Lob für „währschafte“ Essen.