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Warum die Appenzeller einen Löffel an den Löffeln tragen — Neues aus der Ostschweiz

  • Bei Sonnenaufgang mit der Kuh bergauf
  • Im Mai 2007 wird von der SBB für Tagesausflüge in die Ostschweiz geworben, bezeichnet als das „Morgenland“ der Eidgenossenschaft, bevölkert von Menschen mit schwarzen Hüten und kleinen Löffeln an den Ohren, die bei Sonnenaufgang ihre Hunde Kühe an der Leine auf den Berg führen, oder so ähnlich. Die Kampagne heisst: „Entdecken Sie das Morgenland„.

    Morgenland der Schweiz
    (Quelle Foto: sbb.ch)

    Betrachtet man Appenzeller Männer genauer, fällt einem sofort ein merkwürdiges Teil am rechten Ohr auf:
    Appenzeller mit Ohrschmuck
    (Quelle Foto: appenzell.ch)

    Was die Appenzeller Männer da am rechten Ohr tragen, nennt sich „Ohrschuefe“:
    Ohrschuefen
    (Quelle Foto: appenzeller-schmuck.ch)

    Der Preis dieser Schmuckstücke (vergoldet, aber aus Silber) wird nur auf Anfrage bekanntgegeben, er ist offensichtlich genauso Geheimsache wie das Rezept der Kräutersulz für den Appenzeller Käse, das auch Heiner Lauterbach Uwe Ochsenknecht nicht erfuhr:


    Das Geheimnis der Kräutersulz ist für jeden aufmerksamen Beobachter offensichtlich. Man beachte einfach die Farbe und die Konsistenz der gezeigten Flüssigkeit.

    Was ist in den Flaschen?

    Auch der Form der Flasche oben rechts im Bild kommt mir vom letzten Spitalaufenthalt im Januar noch sehr bekannt vor (à propos: Dem Bein geht es besser, Nagel ist noch drin, Laufen geht langsam, Schwimmen und Velofahren sogar schnell). Man nennt solche Weithalsflaschen in der Chemie auch „Erlmeierkolben“ oder „Birnenmann“. Urea Pura oder auch Kohlensäurediamid soll sehr würzend sein. Wer nun Harndrang verspürt, bei dem sind die Reflexe noch in Ordnung.

  • Absatzsteigerung um 14 Prozent
  • Dieser Film wurde von der Agentur Contexta AG aus Bern für die Appenzeller Käse GmbH in Appenzell produziert:

    Appenzeller ist einer der profiliertesten Käse der Schweiz, hat aber wegen Konsumentenlust auf Abwechslung, sinkende Markentreue sowie Preisaktions- und Sortimentszunahme im Handel an Marktanteil verloren. Mit der Kampagne wurden der Aktualitätsgrad stark erhöht und die Kaufintervalle verkürzt. Daraus resultierte eine Absatzsteigerung um stolze 14%.
    (Quelle: EFFIE.ch)

    Der Film bekam den Werbepreis Swiss-EFFIE 2006.

    Vielleicht hat ja doch jemand verraten, was in der Sulz ist, weswegen der Marktanteil dann rapide verloren ging?

  • Wazu kann man diesen Schaufel-Löffel gebrauchen?
  • So ganz ist uns die Funktion dieses Löffels noch nicht klar geworden. Kann man ihn vom Ohr abnehmen, um schnell mal ein Pröbchen der Kräutersulz zu verköstigen, ohne sich dabei die Finger zu benetzen? Oder wird er benötigt, um damit über einer Kerzenflamme diverse Substanzen aufzukochen, sozusagen als portables Spritzenbesteck?
    Wir finden diese Erklärung

    Die Ohrschuefe ist ein kleiner Schöpflöffel der geschilderten Art, meistens aus vergoldetem Silber, aufgehängt an einem S-Haken, der in eine Schlange übergeht, die sich in den Schwanz beisst. Die Schuefe wird nur am rechten Ohr getragen.
    (Quelle: waldegg-teufen.ch)

    Bevor wir nun darüber spekulieren, welche geheime Bedeutung die Schlange haben mag, wenden wir uns lieber dem Appenzeller Dialekt zu. Zwei Männer mit Löffel im Ohr geben uns davon ein hübsches Beispiel:

    Sprachlich gesehen höchst interessant! Verstanden haben wir den Witz allerdings nicht so ganz. Oder war da gar keiner?

    

    33 Responses to “Warum die Appenzeller einen Löffel an den Löffeln tragen — Neues aus der Ostschweiz”

    1. myl Says:

      Ist das jetzt eine Jens-Provokation – mal schauen, wer von den Schweizern Uwe von Heiner nicht unterscheiden kann…???
      Also wirklich…

      Die beiden Appenzeller sind das Duo „Messer und Gabel“ und haben noch weit mehr drauf, als „nur“ den Appenzeller – habe sie live erlebt – sind genial!!!!

    2. Karsten Says:

      War der >Mann mit der Kraeutersulz

    3. Simon Says:

      War das nicht Uwe Ochsenknecht mit dem Affen aus „Männer“ im Werbespot?

    4. Thomas Says:

      hier noch ein passendes Lied:
      Ade bin i loschdig gse
      Ond ade bi de Lüüte
      Ond wer mer’s nüd verträge mag,
      De söll mer’s gad verbüte:
      Zigerefisch ond was guet isch
      Ond Schotte-n-a de Zehne!
      Wenn d’scho e betzeli höbscher bischt,
      So muesch di gär nüd meene.
      Ke rote Wii, ke wysse Wii,
      Gad Wasser ab de Röhre;
      Ond, Buebe. Tüe mer d’Müler zue,
      I mag i nömme g’höre.

      ps hast du den Witz echt nicht verstanden???16

    5. lamiacucina Says:

      Der Kräutersulzforscher heisst wohl eher Uwe Ochsenknecht als Heiner Lauterbach und ist ebenfalls deutscher Schauspieler.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Ochsenknecht

      [Anmerkung Admin: Ich streue Asche auf mein Haupt… Habe nachgeschaut, wer alles bei „Männer“ mitspielte, und den ersten Namen rausgepickt. Und ich dachte noch bei mir: „Mensch, der Heiner Lauterbach hat sich aber verändert…“ . Danke für die Hinweise, ist schon korrigiert!]

    6. neuromat Says:

      Endlich einmal eine Region, die längst zu Blogwiese Ehren hätte bringen müssen. Wie zahnlose Flensburger Greise sagen das Affenfell. Im Appenzell wird zwischen innen und aussen unterschieden und die drei rot bewamsten Herrschaften auf dem Foto, ganz links, das ist übrigens Heiner Lauterbach (wenn man ganz genau hinsieht), die kommen zweifelsfrei aus Appenzell Ausserohren; denn sie haben diesen lustigen Sticker da baumeln, die anderen tragen den im unsichtbar im Innenohr. Mit Käse hat das nicht das mindeste zu tun. Es ist eine subtile, feine, vornehme, ja fast möchte ich sagen, grazile Lösung für ein typisch männliches Problem: Das Nasebohren. Betrachten wir das Hilfsmittel etwas genauer. Das Schwanzende lässt sich durch eine graziöse Drehbewegung aus dem Schlangenmaul ziehen und nun frei drehen. Der so gewonnene rundlich geschwungene Stift passt hervorragend in die Nasenmuschel und das diskret gezogene Sekret in den mitgelieferten Löffel, der dann nur noch gelegentlich ordnungsgemäss entleert und das Entleerte verschnürt werden muss. Vorbei sind die Zeiten, in denen der Schnodder achtlos am Hosenbein abgeschmiert werden musste. Und da sage noch einer, die Schweiz sei rätselhaft.

    7. Selma Says:

      @Thomas: Ich check den Witz auch nicht – erklär mal, bitte…

      @Admin: Ich vermisse die Hinweise aufs Talerschwingen und Jodeln

    8. Fiona Says:

      Re: die zwei Männer mit Löffel im Ohr. Der Witz war:

      Der 1. Maa hat gefragt: What do your cows do on a Saturday night?
      Der 2. Maa hat geantwortet: They go to the mooooooooovies.

    9. Nessi Says:

      @ neuromat

      wäää bisch än grüsel 🙂

      @ Selma

      im ernst? liegts am dialekt? brauchst du eine übersetzung? oder möchtest du einfach testen wer zuerst darauf reinfällt ?? 😉

    10. Selma Says:

      @Nessi: Vielleicht liegt es am Dialekt und es gibt da verborgene 2. und 3. Ebenen der Bedeutung, die sich meinem wörtlichen Verständnis entziehen. Was soll den nun der Witz sein? Ein tolles Wortspiel, das mir nicht aufgefallen ist?

      [Anmerkung Admin: Es ist ein simpler Witz, aber sehr schön erzählt. Besonders den Typen auf der rechten Seite finde ich cool. Könnte glatt als Südfriese durchgehen, wegen seiner Eloquenz und den geistvollen Zwischenbemerkungen. Was mir entging, war der Name des Sohnes. „Köbi“? Oder „Köpple“? Wahrscheinlich wieder eine Konrad Variante.]

    11. Nessi Says:

      @ Jens

      der bub heisst „Köbeli“ eine abkürzung für Jakob.

      ich bin ganz einig mit dir, der typ auf der rechten seite ist „dä hammer“ mit seinen komentaren :o)

    12. Nessi Says:

      @ Jens

      noch was……das Köbe(li) weil er ein bub ist, beim erwachsenen wirds dann zu Köbi.

    13. neuromat Says:

      @ nessi

      ja, ja, der dütsche is eben de grüsel „an sich“. Vielleicht sollte ich mir auch ein weiteres Pseudonym zulegen. „Grüsel“. Mit wieviel Identitäten darf man hier eigentlich auftreten? Vielleicht bin ich auch ganz allein, alle anderen sind Jens Rainer Wiese? Dann hätte ich noch ein paar Namen zu gut.

      Mittlerweile bin ich aber der Meinung, dass auf dem zweiten Bild von oben eine bisher nicht veröffentlichte Filmszene des Films „Männer“ zu sehen ist. Wie gesagt ganz links, das muss doch Heiner Lauterbach sein (zu erkennen am Zigarillo, damals noch Kettenraucher) und ganz rechts das ist doch Uwe Ochsenknecht, der trägt ja auch so ein Ochsenknechtendes Geschirr um den Kragen.

      Heiner und Uwe könnten ja vielleicht Messer und Gabel synchronisieren, damit essen können sie ja wahrscheinlich schon.

      @ Jens , natürlich genial zum Thema Löffel, das Duo Messer und Gabel anzubringen, sozusagen das gesamte Appenzeller Besteck.

      was den Löffel im Ohr angelangt: In der Schweiz wird von dä Mannen aus irgend einem Grund nicht gerade selten so ein Ohrstecker getragen, der ja in Deutschland eine gewisse Stigmatisierung besitzt. So wie die einen net druus chöme haben die anderen ihr Coming Out. Oder sollt etwa das gesamte Appenzell … nicht auszudenken

    14. Schnägge Says:

      Und der Lehrer heißt Herr Wiese und hat eine Anti-Spam-Einrichtung instaliert. Was gibt es da bitteschön nicht zu verstehen? 🙂

    15. Schnägge Says:

      @ NeuroTisch: Deine Tarnung ist aufgeflogen! Nun gib schon zu, dass du in Wirklichkeit überhaupt gar kein Sachse bist und im RL Mörgeli heißt!

      @ neuro + Jens: Mahlzeit.

    16. lapsus4711 Says:

      Das Löffelchen ist perfekt dazu geeignet, sich eine Portion Schnee reinzuziehen.

    17. Thiis Says:

      @neuromat
      Hoffe ja wirklich nicht, dass deine letzte Vermutung zutrifft. Wirklich nicht auszudenken! 😀 Die müssten ja enorm schüchtern sein, dass es dort überhaupt noch Kinder gibt. So, genug dazu 😉

      @jens und alle andern
      Das mit der Schlange am Schuefe… Ist ein uraltes Symbol, das jedem, der mal etwas länger Geschichte in der Schule hatte, auffallen sollte. Link mit Infos dazu hier: http://www.sgipt.org/galerie/tier/schlang/urob0.htm

      Greez

    18. Selma Says:

      Ich glaube, es ist einfach nicht meine Art von Humor. Jedenfalls hapert’s bei mir nicht daran, dass ich nicht verstehe, dass es um den Köbeli geht.

      Als Thurgauerin möchte ich übrigens noch anmerken, dass die Ostschweiz nicht nur aus dem Appenzell besteht…

    19. Stefan* Says:

      Vielleicht ist es ja auch ein Koks-Löffel, den früher viele in den Staaten um den Hals getragen haben 😉

    20. Brun(o)egg Says:

      „Dr Witz hani versschtande, aber was sie saage nit!“

    21. Brun(o)egg Says:

      Knüppeldickes Thema Herr Wiese.
      Eigentlich sind ale Kommentare korrekt, von Neuromat mit dem Nasenbohrer Löffelchen bis zum Koksbeförderer. Die machen das. Der Vergleich mit den Friesen hinkt allerdings gewaltig. Soweit sind die noch nicht.

      Und das Coming out von
      @neuromat.

      Doch, doch, die haben ja auch gelbe Hosen an.

    22. Marischi Says:

      @Selma: Übrigens heisst es nie „das Appenzell“ – da outet sich jeder gleich als Nichtmorgenländer, auch wenn du von dir sagst, das du aus dem Turgi kämest. Es heisst immer „das Appenzellerland, im Appenzellerland und aus dem Appenzellerland heraus“.
      Appenzell ist der Hauptort von Appenzell Innnerhoden, da sagt man dann „z Appezöll“, oder „in Appenzell“ aber auch niemals „das Appenzell“. Wääk.

      Im Appenzellerland tragen schon die kleinen „Gööfli“ (das ist dort ein Kosewort!) Ohreringli, die Määtli tragen Ringli oder sonstige Gehänge, die Buebe kleine goldene Chüeli oder eben eine sennische „Schlangezunge“.Die Kelle wird nur an hohen Festagen, wenn man die Tracht trägt, an die Schlangenzunge drangehängt. Sie ist schliesslich auch ziemlich schwer.
      Mir als Appenzeller Gööfli wurde als Kind gesagt, dass man sich mit dem Ohrenstechen die guten Augen erhalte. Bei mir hat es nichts genützt – Ohrringe trage ich trotzdem.

      marischi

    23. neuromat Says:

      @ Thiis ganz hervorragender Link, so macht blogwiesen Spass!

      und

      @ brun(o)egg
      da mühe ich mich ab über Zeilen, wenn ein einziges
      “Dr Witz hani versschtande, aber was sie saage nit!”
      mich eine Stunde vor Lachen lang am Luft holen hindert.

      ach ja
      @ schnägge, zwar habe ich bereits im Fernsehen gelegentlich mein Zweithaar gelüftet, aber Sie können doch nicht einfach meine Identität so schonungslos darlegen. Darf ich Sie wenigstens im Hinblick auf einen künftigen Parteieintritt zu einem Gratis Benimm Kurs für Teutoneneinzelweiber einladen. Migros Clubschule, Apéro 18:15 in der Germano Lounge, Spaziergang (3min.) zum Vortrag CM: „Parkieren, Logieren, Manieren – Die Schweiz und wie ich als Deutscher in ihr überlebe“, Spaziergang (3min), Schlummertrunk im Castello Morgelli, restliche zwei Stunden fröhliches Toupetsuchen mit dem Weibsvolk.

    24. Selma Says:

      @Marischi: Da entschuldige ich mich doch tausend Mal. Soll nicht wieder vorkommen, dass ich einer Appenzellerländerin sage, sie sei aus dem Appenzell. Und Du hast auch ganz richtig erkannt, dass ich kein eingeborenes Thurgauer Gööfli bin (Turgi ist übrigens ein Ort im Kanton Aargau), sondern in einem anderen Kanton geboren bin. Eigentlich dürfte ich gar nicht mitreden, meine Eltern sind schliessich nicht mal Schweizer.

    25. Ursu Says:

      Die Appenzeller haben nicht nur ihren eigenen Käse, sondern auch ihre eigene Musik. http://www.zentrum-appenzellermusik.ch/appenzellermusik.html Interessanterweise meinte ich bei meinen Aufenthalten in Rumänien eine Verwandtschaft zwischen rumänisch-zigeunerischer Volksmusik und Appenzeller Streichmusik zu hören. Ob dies irgendwie begründet ist, also in der Appenzellermusik ebenfalls von früher her zigeunerische Einflüsse enthalten sind, weiss ich nicht. Ich kenne die Appenzellermusik zu wenig gut, es könnte auch Einbildung gewesen sein.

    26. solar Says:

      Bin ja noch lange physisch schreibbehindert, aber lesen und lachen kann ich noch. Euch allen herzlichen Dank für die heute wieder herrlichen, schrägen Gelegenheiten dazu!!

    27. me Says:

      Ich versteh denn Witz einfach nicht. Habe das Viedo nun 3 Mal angeschaut und denke, dass ich dsa Schwyzerdütsch schon verstehe. Aber wo ist der Witz? Kann mir den jemand erklären?

    28. Chimaera Says:

      @ me

      Dass der Lehrer ihn eben doch nicht mobbt/ oder prügelt sondern der Sohnemann einfach zu doof zum rechnen ist?

    29. Thomas Says:

      ..unglaublich, dass nun doch einer den Witz erklärt….

      Der witz hat ne durchaus tragische Realkomponente. Wenn ich da an die MAR denke…

    30. anny Says:

      die am ohr getragene ‚kelle‘ nennt sich ’schuefle‘ und nicht schuefe, wie auf dieser seite fälschlicherweise genannt.
      man kann sie an verschiedenen orten kaufen, in drei grössen und der preis hängt von der qualität der ausführung und des gewählten edelmetalls ab (von ca. 50 franken an aufwärts).

    31. Fridolin Says:

      Gruss aus der Schweiz

    32. sacha Says:

      ok zu dem Komentar von dem Appenzeller Ohrring. in Original nennt man diesen Ring Ohren Schueffel, bestehen aus dem Löffel und der Schlange.
      Der Löffel kommt von der Rahm Kelle zum Rahm schöpfen, die Schlange soll böses verhindern. die Preise varieren von 90.– (Silber) bis ca 1000.– (Gold). Ihr Staunt was die Appenzeller sonst noch so an Schmuck tragen, beste Info findet Ihr bei http://www.fusters.ch
      übrigens die Schuefgfel muss recht’s getragen werden, smile kein komentar, sind eben ein fleissiges spezielles Völklein die Appenzellr

    33. mishi Says:

      selber tschold, wennt nüt veschtoosch !

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