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Nicht lecker essen, sondern fein — über die Adjektive der Schweizer beim Essen

  • Nicht lecker essen, sondern fein
  • Von Adolf Muschg lernten wir in der Talk-Show CLUB, die ihr zischend fröhliches „Zischtigs“ Attribut leider abgeben musste (welches auf den „Tag des Ziu“ zurückgeht, siehe hier), was die Schweizer niemals nie zum Essen sagen, nämlich dass es „lecker“ sei.

    Schweizer Essen ist niemals „lecker“, sondern meistens „fein“ oder wenigstens „guot“. Über die Eigenschaft der Schweizer, mit grosser Vorliebe am liebsten „etwas Feines“ zu essen, hatten wir schon berichtet (vgl. Blogwiese) . Neu ist uns hingegen die offensichtliche Aversion gegen das standarddeutsche Adjektiv „lecker“. Oder ist das gar nicht Standarddeutsch, sondern ein nur in Deutschland gebrauchter „Teutonismus“, den die Schweizer selbst nie in den Mund nehmen würden?

    „Lecker“ kann sogar Leitspruch einer Diät werden:
    Lecker schlank werden
    (Quelle Foto: tvugsto-presse.tv)

    Machen wir den kleinen Google-Test. Es findet sich bei Google-CH die Kombination „lecker essen“ nur 4‘270 Mal während sie Google-DE 252‘000 Mal ausweist. Natürlich sind solche Zählungen kein objektiver Massstab, aber die Relation 1 zu 60 ist schon sehr eindrücklich. Die Fundstellen für „lecker“ bei Google-CH und Google-DE bringen es auf das Verhältnis 1 zu 20, also wird das Wort 20 Mal mehr in Deutschland verwendet als in der Schweiz, gemäss der nicht repräsentativen Google-Messung.

  • Lecker ist zu nordisch
  • Das Wörtchen „lecker“ ist nichts für die Schweizer, denn es kommt wahrscheinlich einfach zu weit aus dem Norden, dem Niederdeutschen. Im Niederländischen ist „lecker“ übrigens nicht allein ein positives Adjektiv für feines Essen, sondern hat eine viel allgemeinere Bedeutung. „Lekker“ mit zwei „k“ geschrieben steht dort für „toll, prima, schön“.
    lekker heisst schön
    (Quelle: niederlandistik.fu-berlin.de)

    Wer nach „lekkere meisjes“ googelt findet garantiert kein Rezept für delikat zubereiteten Mais, sondern hübsche holländische Mädels.

  • Ist lecker zu anrüchig?
  • Aber warum gebrauchen die Schweizer grundsätzlich dieses Wort nicht im Zusammenhang mit Essen, so wie die Deutschen? Hängt es vielleicht damit zusammen, dass es lautlich sehr nah beim Fluch „läck mr“ oder „läk“ steht? Kann etwas kaum als Lob für gutes Essen verwendet werden, was schon fast wie ein Fluch klingt?
    Vielleicht liegt es einfach daran, dass die adjektivische Vielfalt der Varianten von „feines Essen“ und „guotes Essen“ nicht weiter überfrachtet werden sollte. Warum ein drittes Adjektiv, wenn man schon zwei hat, die ihren Zweck gut und häufig erfüllen? Kleine Hunde sind „herzig“ und gutes Essen ist „fein“, so ist das eben in der Schweiz. Wer braucht schon Varianz? Für ganz ausgefallene Belobigungswünsche gibt es ja immer noch das Lob für „währschafte“ Essen.

    

    83 Responses to “Nicht lecker essen, sondern fein — über die Adjektive der Schweizer beim Essen”

    1. Fiona Says:

      @ Admin. Ich wollte aus den „Canterbury Tales“ zitieren, bin aber wahrscheinlich geografisch am falschen Ort. P.S. Re Shakespeare – er war angeblich kein Einzelgänger, sondern Teamleader!

    2. neuromat Says:

      @ Phipu

      Da bin ich „baff“ . Fantastisch, ganz hervorragend Ihre Uebersetzung. Der Dialekt ist unterfränkisch (hat aber mit Bayern nichts zu tun) etwas oberhalb des ripuarischen.

      @ Brun(o)egg
      Mit dem Fischer seiner Frau hat das nicht allzuviel zu tun. Wieso sehen Sie eigentlich deutsche Kochstudios im Fernsehen? Wahrscheinlich weil es da so oft heisst, „ich hab da schon etwas vorbereitet“, oder – war zumindest vor vielen Jahren so, als ich ncoh dort lebte. Der Dauerquatscher heisst glaub ich Kachelmann, aber der hat gar kein Kochstudio, der isst nur Joghurt mit links und rechts drehenden Kulturen. Soll aber auch sehr lecker, äh fein sein.

    3. solar Says:

      Uiii, mit so vielen Kommentaren (eine Folge von Jens Medienpräsenz) wird entweder mein Gedächtnis überstrapaziert oder dann brauche ich zu viel Zeit, auf all die Spontanreaktionen in den vielen Beiträgen reagieren zu können (u.a., weil ich immer hin- und herswitchen muss („switchen“, ein Fremdwort; ich sollte wohl besser „gumpen“ verwenden? Hin- und herspringen wär wohl korrekt, aber switchen drückt den Vorgang irgendwie präziser aus))

      Bis man sich durchgelesen hat, vergeht einige Zeit – und schon, als Adolf Muschg das ungeliebte „lecker“ in der Sendung Club erwähnt hat, hab ich meine Reaktion darauf erforscht.

      Ich kann mich dagegen wehren, wie ich will: Ich krieg wirklich fast Pickel davon, aber warum?

      So lange man allfällige Pickel nicht sieht, käme es mir aber auch nie, nie in den Sinn, jemanden, der „lecker“ verwendet, meine Abneigung gegen dieses Wort merken zu lassen. Ich habe holländische Freunde, die es regelmässig verwenden. Auch denen hab ich es nie gesagt.

      Tatsächlich reagiere auch ich jedesmal auf das „Leckerland“ auf den grossen Lastern. Es ist wirklich wie ein kurzer Stich. Aber warum? Ich finde keine Erklärung, warum dieser Ausdruck negativer sein soll als andere, aber er ists.

      „Kekse“ sind auch so ein Wort. „Chrööli/Chröömli/Chräämli“, „Gutzi/Guutzi“, „Guetsli“ bedeuten Kleingebäck (Durchmesser unter 5 cm), während bei uns ein „Kecks“ (von engl. Cake) doch ein Kuchen in Kastenform (Querschnitt ungefähr trapezförmig, gegen oben durchs Aufgehen des Teigs etwas gewölbt und das Ganze ist einiges länger als breit und hoch) ist, für den man die Kecksform und eine Kecksplatte braucht. Wie nennen denn die Deutschen das?

      „Häts gmundet?“ ist tatsächlich zum Davonlaufen. Wird aber wohl genauso erfolgreich kommen wie der Rahm. Zum Durchbruch verhalf diesem wohl der Kaffeerahm, weil man früher extra „Kafiniidel“ nicht kannte, sondern einfach „Niidel“, wenns „feiner“ als Milch sein musste. Und als die Einzelportionen – die mit den „Kafiraamteckeli“ (Kaffeerahmdeckelchen, eine Zeit lang begehrtes Sammelobjekt) – kamen, gab es daraus die „Kafiräämli“ (Kafferähmchen). Es fällt mir noch jedes Mal unangenehm auf, wenn ich es verwende, um ein zweites „Kafiräämli“ in meinen „Kafi ggrääm“ (Kaffee crème) zu erbitten.

      Eine Anekdote: Unsere Grosseltern hatten nach dem Hirnschlag meiner Grossmutter in den späten Fünfzigern eine deutsche Hausangestellte. Als meine kleine Schwester einmal aus den Ferien zurückkam, sagte sie während des Essens immer wieder ’schmetz‘. Die Hilde habe das auch immer während des Essens gesagt.“ Offenbar hatte diese jeweils „schmeckts?“ gefragt.

      Wenn bei uns etwas schmeckt („schmöckt“), dann gibt es starken Duft oder gar Gestank ab. Das Wort Duft bzw. duften existiert aber im Schweizerdeutschen nicht. Statt schmecken“ bzw. nach etwas schmecken sagen wir relativ kompliziert: „Es hät en Guu (frz. Goût) wie …“

      Dass Deutsche Wörter verwenden, die in unserer schweizerischen Standardsprache aktiv nicht vorkommen, aber meistens verstanden werden, ist ja in Ordnung, dass aber so viele Werbedialoge in elektronischen Schweizer Medien offensichtlich von Unfähigen einfach mit Dialektaussprache deutscher Wörter übersetzt werden, sticht mich unendlich viel mehr, als wenn ich von Nichtschweizern „lecker“ hören oder lesen muss. Denn so verludert unsere eigene Sprache.

    4. Psalmist Says:

      @Tellerrand, 2xm: Manchmal gibt’s auch Dinge, da drängt sich die Frage nach dem „warum?“ einfach auf. Die Deutschschweizerische Aversion gegen das Wort „lecker“ ist so etwas. In der Diskussion sind einige interessante Antworten zusammengekommen – so lernt man etwas!

      Und übrigens, 2xm: Was heißt „es gibt keine Regel, was wie angewendet wird? „zwe“ = männlich, „zwoi“ = weiblich, „zwo“ = sächlich. Wendest du ja selbst an! Als Viertelberner habe ich immer geglaubt, das seien beliebige Varianten – sind sie nicht! Das habe ich aber erst gemerkt, als mich ein allgemeiner Sprachwissenschaftler darauf aufmerksam gemacht hat. Somit laufe ich nicht mehr Gefahr, „zwo giele“ zu sagen, was einem eingeborenen Berner wohl in den Ohren weh tut. Daraus folgt: Nachdenken ist eben doch sinnvoll! Weil ohne Nachdenken keine Völkerverständigung – nicht mal zwischen Zürchern und Bernern. Wäre doch schlimm, nicht? 😉

    5. aquado Says:

      @Anton:

      Vorurteile? inwiefern?

      Seit wann sind Wortübernahmen Vorurteile?

      Die „Teutonen“ scheinen wahrlich immer noch nicht sehr von den Schweizern gemocht zu werden, trotz dieses wertvollen Blogs.

      Das ist wirklich schade, sehr schade.

      Es tut einem wahrlich nicht gut, wenn man sein „Haus“ verlässt und nirgendwo gern gesehen bzw. willkommen ist. 🙁

    6. Andrea Says:

      Noch was zu ‚fein‘: Erst durch diesen Beitrag von JRW ist mir aufgefallen, dass ich/wir das Wort in Bezug auf Essen als „fein“ ausspreche/n, in seiner anderen Bedeutung, also im Sinne von ‚weich‘, jedoch als „fiin“.

    7. Maximus Says:

      @awo
      keine Sorge mein Herr. ich kenne alle Vorzüge der alten deutschen Kulterstätten.
      Ich bevorzuge allerdings die familiären Austauschmöglichkeiten und die liegen nun einmal im Westen.
      Gruss Maximus

    8. Anton Says:

      @aquado: Das war Ironie lieber Aquado, pure Ironie! Und es ging mir nicht um die Wortübernahmen, sondern um deinen letzten Stz. Bei diesem ist mir unwillkürlich die Skilift-Nummer des Cabaret Rotstift in den Sinn gekommen. Dieser Sketch ist zwar uralt, aber er zeigt in übertriebener Form, wieso die Teutonen in der Schweiz nicht sehr beliebt waren. Heute wird er aus Gründen der Political correctness nicht mehr am Radio gebracht, aber ich kann ihn jedem Deutschen empfehlen, der in die Schweiz ziehen will.
      Doch die Zeiten haben sich geändert und einer neuen Generation Platz gemacht.
      Ich habe mein Leben lang mit Deutschen zusammengearbeitet und habe viele deutsche Freunde und Bekannte. Arroganz ist mir dabei selten begegnet und ich muss sagen, dass mir die Deutschen generell lieber sind, als so ein Züri-Schnurri…aber das war jetzt wieder Ironie.
      Grüsse, Anton

    9. Brun(o)egg Says:

      @ solar

      Die „einschweizerung“ deutscher Wörter ist immer eine Crux. Texte aus D müssen, bei übernommenen Werbekampagnen, eingeschweizert werden und umgekehrt müssen die Helvetismen entfernt werden. Schöne Beispiel ist die Tür. Lass 10 Schweizer die Tür schreiben. 9 davon behaupten, dass es die TürE heisst. wetten. Das ist Folge der Dialekte.

      Und was das Bonbon angeht: Das staret an der französischen Greneze als Bonbon, wird in basel zum Däfeli, ist spätesten in Rheinfelden ein Gutzi und mutiert bis nach Zürich zum Zältli.

    10. Phipu Says:

      An Solar (und Brun[o]egg)
      Zu einigen deiner Themen steht sogar schon etwas in der Blogwiese. Z.B. zum „Goût haben“ für „schmecken“
      http://www.blogwiese.ch/archives/70

      oder zu den Varianten für Täfeli, Gutesli:
      http://www.blogwiese.ch/archives/279
      http://www.blogwiese.ch/archives/491

      Ich würde allerdings den „Kantenkuchen“ (Wort: Eigenkreation) als [Keek] aussprechen. So wie die „Keekform“ etc. Erst im Englischunterricht lernte ich, dass man auf richtig Englisch zum geschriebenen „Cake“: fern aller Schweizerdeutschfärbung „Ggheik“ sagt. In meinem Umfeld sprechen die meisten Leute übrigens von „der Keek“ (männlich). Genau so oft habe ich aber schon „’s Keek“ (sächlich) gehört.

      An 2xm und Psalmist
      von wegen „zwe, zwo, zwöi“. Es gibt natürlich schon Regeln, nur sind die Berndeutsch-Lehrbücher weniger verbreitet als Werke über eine Sprache, die auch eine offizielle Schriftsprache kennt (z.B. Hochdeutsch).
      Hier nachschauen, z.B. unter „Grammatik“
      http://de.wikipedia.org/wiki/Berndeutsch
      oder hier
      http://als.wikipedia.org/wiki/Genus

      In den Urzeiten der Blogwiese gibt es auch schon einen Kommentar in diesem Sinne:
      http://www.blogwiese.ch/archives/147

      Berndeutsch wird durchaus auch geschrieben:
      http://www.edimuster.ch/baernduetsch/berndeutsch.htm

    11. Schwarzbueb Says:

      @Brun(o)egg
      und was das Bonbon angeht: Im Laufental ist es ein Bummeli.

      @ Jens
      und was lecker angeht: Das kann man nun wirklich nicht auf schweizerdeutsch sagen. Wenn es jemand in seiner Sprache sagt, fällt es mir auf, aber stört mich nicht besonders.
      Eine leckere Mahlzeit wäre für mich „ä usgezeichnet Ässe“. E Guete!

    12. ronniehellström Says:

      @solar – Muschg hatte wirklich recht, lecker ist eines DER Unwörter, die sich möglicherweise langsam in den CH-Deutschen Sprachgebrauch einschleichen (habe es tatsächlich schon von CH-Schweizern gehört). Genauso wie Früehstück (aua!).

      Es geht hier gar nicht so sehr um eine Abneigung gegen die Deutschen oder das Deutsche, sondern doch einfach um die Bewahrung unserer Mundart. Und – let’s face it – Deutsch ist einfach nun mal völlig out, Englisch ist in ;-). Deshalb stören sich viel weniger Leute an all den englischen Ausdrücken, Redewendungen etc, die wir hier willig übernehmen. Obwohl mich persönlich das manchmal fast genauso nervt (inkl. Halloween – noch gröberes aua!).

    13. giacometti Says:

      Ob es der ursprüngliche Grund ist, weiss ich nicht, aber die unsägliche Deutsche Werbeindustrie hat sicher das Wort „lecker“ und andere ähnliche Wörter nicht wirklich beliebt gemacht. Ein grosser Teil der Deutschen Werbung an Fernsehen und Radio erzeugt wirklich Brechreiz. Laut, schrill, doof und humorlos. Die Werber, die solche Werbung produzieren, haben wohl das Gefühl ihre Zielgruppe seien geistig zurückgebliebene 3-jährige Babies. Auch wenn ich nicht gerne pauschalisiere, aber Schweizer Werbung ist glücklicherweise im Allgemeinen um Welten besser. Es ist zwar auch nur Werbung, aber man fühlt sich wenigstens als erwachsener Kunde ernst genommen – und sie hat mehr Humor.

      [Anmerkung Admin: Man bin ich erleichtert, dass Du nicht pauschalisiert hast. Ich dachte schon, du würdest die Ideen deutscher Werber grundsätzlich als doof und langweilig bezeichnen. Zum Glück ist das ja nur ein Klischee]

    14. Brun(o)egg Says:

      @ ronnie hellström.

      Das mit den Anglizismen / Amerikanischem Kommerzscheiss, wie X-Mas, Santaclaus, Hellowyn usw. ist ein Thema für sich.
      Und ich gestehs ein: bevor ich einmal X_Mas verwende, schreibe ich mit hängen und würgen Lekker oder lecker.

    15. mik Says:

      Es ist wirklich interessant…… Wenn ich mir’s so überlege, habe ich auch eine Aversion gegen „lecker“, kann aber nicht genau sagen wieso. Vermutlich, weil – falls richtig ausgesprochen – „zu“ deutsch klingt. Als Schweizer würde ich wahrscheinlich „lekkkkkker“ (kratzendes ck).

    16. Thomas W. Says:

      Wie sacht doch de Kölsche:
      „Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädsche, dat fingst de nur he in Kölle am Rhing“ – wobei man in Köln kein Hannibal Lecter sein muss, um Mädchen lecker zu finden…

    17. Brun(o)egg Says:

      @thomas W.

      Noch en helles , Köbes.

    18. Thomas W. Says:

      @Bruno(o)egg:
      Versuchs in Köln mal lieber mit: „Nooch een Alt, Köbes“, wenn Du dort richtig dazugehören willst… Das kommt dort noch besser als ein Helles zu bestellen.

      Kein Schmarrn übrigens: Schon im Badischen (Karlsruhe beispielsweise, eigene Erfahrung) erntet man als Münchner verblüffte Blicke bei der Bedienung, wenn man gedankenverloren ein „Helles“ bestellt – die wissen dort noch nicht mal, dass man Bier meint.

    19. awo Says:

      @giacometti
      Wieso siehst Du denn deutsche Werbung? Auf SF1 oder SF2 kommt doch nur Schweizer Werbung! Und zum „…Welten besser“ kann ich nur sagen. Schweizer Werbung ist oftmals (sicher nicht alles) dilletantisch und billig gemacht! Siehe LIPO usw. Mach ich ja mit meiner Videokamera zu Hause besser! Oder „wer hat`s erfunden“ ein typischer Schweizer Komplex kommt da zum Ausdruck!

    20. giacometti Says:

      @awo – Ich verstehe Ihre Frage nicht ganz. Ich schaue und höre Deutsche Werbung auf Deutschen Fernsehsendern, in Deutschen Radios und in Deutschen Kinos, wenn ich dort bin. Und in Deutschland wünsche ich wirklich jedes Mal, die Werbung wäre so schnell wie möglich vorbei, währenddem sie in der Schweiz meist angenehm oder gar unterhaltsam ist.

      Die Ricola-Werbung ist übrigens ja eben genau die typische Werbung für den DEUTSCHEN Markt. Sie kommt von einer Deutschen Werbeagentur. Unverkennbar, würde ich sagen! 😉 Der Vock selbst ist aber auch sonst eine Nervensäge, gebe ich zu. Aber seine Theaterstücke muss ich mir ja zum Glück nicht ungefragt reinziehen.

      LIPO? Ein sehr weit hergeholtes Beispiel… Wann haben Sie denn ernsthaft solche Werbung zum letzten Mal gesehen? In diesem Jahrhundert? Ausserdem – wenn auch billig gemacht, war es trotzdem nicht so ätzend wie ein Grossteil der Deutschen Werbung.

      @admin – doch, doch, ich habe sehr wohl pauschalisiert – bei bestem Wissen und Gewissen. 😉

    21. Frieda M. Says:

      @ Selma

      Diese Unterscheidung gibts laut unserem zürcher Russischlehrer und Sprachforscher auch im Zürichdeutschen.

    22. Phipu Says:

      Mir fielen eben ein paar Wörter ein (und davon gibt es sicher noch viel mehr Beispiele) , die sich ganz klar aus dem Hochdeutschen in den Dialekt gemausert haben. Heute sagen alle Deutschschweizer diese Wörter, ohne dass jemand davon Hühnerhaut (DE: Gänsehaut) bekäme. Hühnerhaut bekommt man eben z.B. bei „Früehstück“, „Telefonzälle“ „chlotze, nid chläckere“ oder „Leihbüecherei“ oder so. „Die gehen gar nicht!“ Aber eben, was „geht“, ist: Radiohörer, Lutsprächer (Lautsprecher) oder Färnsehzueschauer (Fernsehzuschauer).

      Genau genommen müsste es im Dialekt eigentlich „Radioloser“ heissen. Denn die, Menschen, die man als „Hörer“ bezeichnen kann, sind die, die aufmerksam „zuelose“ und nicht einfach zufällig „ghöre“, was da so gerieselt wird.
      Eigentlich hätte ich geglaubt, in der Blogwiese stünde schon etwas über „lose“, aber ich finde es nicht. Für Fremde kurz erklärt: im Schweizerdeutschen gibt es den selben Unterschied wie in Englisch und lateinischstämmigen Sprachen:
      CH: lose = UK: listen = FR: écouter
      CH: ghöre = UK:hear = FR: entendre

      Das Verb „spräche“ gibt es im Dialekt gar nicht, das wird immer durch „reden“ ersetzt, z.B. „Redet Sii Düütsch?“. Man findet es höchstens in abgewandelten Wörtern wie „Gspräch“ oder „verspräche“. Deshalb müsste der „Lutsprächer“ eigentlich ein „Lutredner“ sein.

      Der „Färnsehzueschauer“ ist ein mehrmalig eingedeutschter Ausdruck. Mit dem Fernseher kann man eben „i d‘ Färni luege“ (also nicht einfach „gseh“ = [zufällig] sehen). Deshalb müsste es ein „Färnlueger“ sein. Schon auf Deutsch ist es nicht sehr konsequent, vom „Fernseher“ zu sprechen, denn eigentlich „schaut“ (absichtlich) man ja fern. Das Verb „schaue“ gibt es in den meisten Dialekten nicht – ausser vielleicht im Berner Oberland (gschoue). Ich kenne es nur in abgewandelten Wörtern wie „Schaufäischter“. Hierzulande gehen alle Leute ein Theaterstück „luege“, Also müsste es eigentlich ein „Zuelueger“ sein. Hier gibt es die Parallele zu Englisch und lateinischstämmigen Sprachen ebenfalls:
      CH: luege = UK: look = FR: regarder
      CH: gseh = UK: see = FR: voir

      Zu „luege“ mehr hier
      http://www.blogwiese.ch/archives/121

      Nun ist „Färnluegzuelueger“ schon nicht so phantasievoll. Deshalb bin ich froh, dass einige Worte doch noch aus dem Hochdeutschen übernommen wurden. Aber auf „läcker“ kann ich getrost verzichten.

    23. Ninator Says:

      Vielleicht liegt’s einfach daran, dass man „fein“ mit vollem Mund viel besser aussprechen kann als „lecker“ (das gäbe Sprühregen) ;o)

    24. stef Says:

      Ich dachte immer ‚lecker‘ sei typisch westdeutsch. In DDR (süd) habe ich das jedenfalls bis zur Wende nicht oft gehört. Ich spüre jedesmal körperliches Unbehagen wenn das Wort in meiner Nähe gebraucht wird. Ein Spassvogel, dem ich das einmal anvertraut hatte, hat mich dann zum Spass wochenlang damit gefoltert, ausgerechnet ein Schwabe, der sowas sonst nie sagen würde.

    25. Thorsten Strauss Says:

      hallo, ich grüße aus dem süddeutschen baden-württemberg. vorneweg: für mich ist dieses leidige „lecker“ kindersprache (also wie z.b. toll, a-a, super, voll, echt usw…) l“lecker“ ist daher höchstens ein gemischtes eis, das die dreijährige lena in sich reinlöffelt und nacher mehr eis um den mund rum ist als vorher im becher war.
      leider ist „lecker“ in deutschland gerade das modewort nummer eins. kaum eine werbung für lebensmittel, die ohne – ihr wisst schon – auskommt. sogar auf den verpackungen von nahrungsprodukten ist es schon regelmäßig zu lesen. ich als „teutone“ boykottiere sämtliche firmen, die mit diesem unwort werben.

      viele grüße aus’m schwabenländle

    26. Tugiensis Says:

      Es wurde bereits erwähnt, dass „lecker“ einfach kein schweizerdeutsches Wort ist. Das reicht bereits, dass es von (Deutsch-)Schweizern nicht ausgesprochen wird. Es heisst schliesslich auch „Stäge“ und nicht „Treppe“.

      Ein weiterer Grund könnte sein, dass das wohlige Gefühl, das einem bei „feinem“ Essen widerfährt, sich mit einem „mmmhhh, feeeeiiiiin/faaaaaaiiiiin!“ wesentlich besser rüberkommt als ein „mmhh, leckkchkchkchkchkchkchkchkchkchkchkchkchkchkcher“.

    27. Matt Says:

      Hi,
      also auch ich finde „lecker“ als ungewöhnliches Wort, und dabei komme ich aus dem Umland von Berlin. Ich kenne einige in meinem Umfeld, die das Wort benutzen, und muss dabei auch immer aufhorchen und darüber nachdenken warum diese Person kein anderes Wort dafür einfällt.

      Ausserdem kommt mir „lecker“ sehr subjektiv vor. Wenn ich höre „das Essen war fein, gut, köstlich, …“ denk ich eher, dass es gut ist auch für meinen Geschmack. Ich persönlich nutze das Wort maximal spöttisch.

      Grüße

    28. Phipu Says:

      an Matt

      Ich stimme dir zu, dass besonders in der Erziehung darauf geachtet werden sollte, welche Aussagen sprachlich als subjektiv und was objektiv wiedergegeben werden soll.

      Mich erstaunt in diesem Zusammenhang, dass es mich selbst nicht stört, positive Meinungen wie „dieses Essen ist so fein/lecker!“ verallgemeinernd zu hören/sagen, bei negativen Aussagen schaltet meine Ausdrucksweise viel eher auf persönlich.

      Ich denke dabei an das Beispiel einer Mutter in meinem Bekanntenkreis, die selber immer bei Essen, das ihr nicht passt, sagt, „das isch gruusig“ (das ist grauenhaft). Die Kinder bekommen so schon eine prinzipielle Abneigung gegen gewisse Speisen. Man kann nämlich genau so gut sagen „das han i nöd gärn“ (das schmeckt mir nicht).

      Dasselbe Schema ist mir kürzlich auch bei der eher moderneren Ausdrucksweise aus Kindermund: „du närfsch!“ (du nervst!) aufgefallen. Ich habe Tendenz „du närfsch mi“ (du nervst mich) zu sagen. Ich will mir ja nicht anmassen, für alle Umstehenden, ein ganzes Volk, die Menschheit zu sprechen. Für viele Leute ist es wohl schwierig, eine andere Sichtweise als die eigene vorzustellen. Diese Sichtweise akzeptiere ich jedoch meist ungefragt im positiven Fall.

      Das funktioniert analog natürlich auch für Sachen, die „nerven“ (Z.B. „Es“ nervt, dass alle Werber heute „lecker“ brauchen).

    29. dumpgo Says:

      @thorsten: inzwischen hat’s auch die deutsche Naehrmittelindustrie geschnackelt. Hier
      http://www.frostablog.de/blog/internes/hmmmm-das-ist-aber-genussvoll
      diskutiert sie darueber, wie das L-Wort, das offensichtlich den sueddeutschen (und wie ich jetzt weiss, den alpenbewohnern) den Appetit
      verdirbt, zu vermeiden sei.

      Ich kann noch was zur Modewort-Genese beisteuern: meine grosseltern lebten nach dem krieg im ruhrgebiet. schon damals (holland ist um die ecke!) sagte die geschaeftstuechtige baeckersfrau: Na, darf’s noch was sein? eine rosinenschnecke? ein amerikaner? die sind doch lääääcker!
      fuer meine grosseltern klang das total unterschicht, die laechelten drueber. also vielleicht nicht nur eine regionale, sondern auch noch eine soziale varietaet.

      Inzwischen sag ich im uebrigen selber „lecker“. Hat sich irgendwann mal in meinen aktiven wortschatz geschlichen. gut, das neni und nani das nicht mehr erleben mussten…

    30. Phipu Says:

      Es gibt sie noch, die deutschen Werbungen, die sogar mit „fein“ auskommen:
      http://www.jacobs.de/jacobs/page?siteid=jacobs-prd&locale=dede1&PagecRef=393

      Hier werden wohl einfach die Verständnisnuancen unterschiedlich sein. In Deutschland sieht man das als „nicht grob“ (Dialekt: „fiin“) und in der Schweiz als „bekömmlich schmeckend“ (Dialekt: „fäin“).

      Dumpgo
      Du sprichst von den Grosseltern im Ruhrgebiet. Deshalb erstaunt mich, dass du sie mit den für mich nach Bündner (aus Graubünden) klingenden Ausdrücken bezeichnest: „de Neni und d’Nane“ siehe dazu hier: http://www.blogwiese.ch/archives/226

    31. vonEtten Says:

      Ihr Lieben, ich bin eine Deutsche und um es mal ganz klar zu sagen: ich bin gern in der CH und habe von den Animositaeten zw. CH u. D gehoert. Aber eines ist trotz mancher Unterschiede sicher: AUCH in Deutschland ist LECKER ein UNFEINES Wort.
      Man sagt „danke, schmackhaft, hervorragend, vorzüglich, sehr gut, fein, wunderbar…“ aber NICHT „LECKER“.
      Leider wird in der Tat immer haeufiger „lecker“ geantwortet, das liegt am Deutschen Schulsystem, an der deutschen Freude sich „unten“ zu orientieren, an deutschen TV-Sendern (privat), am dt. Hang, es nun allen recht zu machen.

    32. Thomas Says:

      Die Herkunft des Wortes ist für mich von nicht so großer Bedeutung! Das Wichtigste ist das, dass das Essen echt lecker zu sein! 🙂

    33. Elffie Says:

      Also irgendwie verstehe ich hier nur Bahnhof

      vg Elffie

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