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Schätzu, wir haben noch Gürkli — Ode an das Raclette

  • Wie Paris entstand
  • Mein erstes Raclette ass ich in Paris. Das ist die Hauptstadt von Frankreich. Die heisst so, weil der Riese Gargantua, wie François Rabelais uns berichtet, soviel auf einmal gefuttert hatte, dass es ihm dann im Darm drückte. Und als er lachen musste, Französisch „rire: je ris, tu ris, il rit etc.“ ist etwas sehr Grosses hinten rausgekommen, auf die Erde gefallen, liegen geblieben, und quasi durch sein Lachen, also „par rire“ oder „par-ris“. Bevor sich jetzt jemand beschwert möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Witz fast 500 Jahre alt ist. Die Pariser finden ihn nicht komisch.

  • Raclette in Paris
  • Doch zurück zum Essen, zum „Raclette“, das ich in Paris ass. Das Wort ist Französisch und kommt von „racler“ = schaben, kratzen. Eingeladen hatte zu diesem „feinen zNacht“ eine holländische Freundin, zu Gast waren ausserdem ein Amerikaner und eine Italienerin. Raclette verbindet, Raclette schmeckt. Dass Raclette eine Schweizer Erfindung sei, war mir damals nicht bewusst.

  • Raclette im Wohnheim
  • Das nächste Raclette ein paar Jahre später gab es im Winter jeden Samstag im Stundenwohnheim in Deutschland. Dort wurde regelmässig alle 6 Monate das Abonnement der Lokalzeitung gekündigt, die alle Bewohner sich teilten, aber erst nachdem ein neuer Leser oder eine Leserin im Haus angeworben worden war. So gab es regelmässig eine neue Werbeprämie, und das Wohnheim bekam nach und nach eine Kaffeemaschine, ein Kochtopf-Sortiment, einen Toaster, ein cooles Radio, und ein Fondue-Set. Irgendwann kam auch das Raclette-Set so als Werbeprämie ins Haus. 8 Leute konnten zugleich Käse schmelzen und Essen. Die Prämie wurde im nächsten Jahr nochmals ausgewählt, damit man zwei Raclette-Maschinen beim Stockwerksessen nutzen konnte. Die Bewohner wechselten, die Raclette-Maschine blieb.

  • Raclette muss beworben werden
  • Dem Schweizer Raclette scheint es schlecht zu gehen, denn es muss Werbung machen. Und die sieht so aus:
    Schätzu wir habe noch Gürkli
    (Quelle: Privates Foto — „Schätzu wir haben noch Gürkli“)

    Auf Deutsch: „Ich schätze wir haben noch Gurken“…, so lautet die geheime Parole mit der man seine Tischgenossen zum ultimativen Weiteressen beim Raclette-Abend auffordert. Es wird gegessen bis die Gurken alle sind, sonst gibt es schlechtes Wetter.

  • Der Käse vor Gericht
  • Dass man in der Schweiz über jeden Käse prima vor Gericht streiten kann, lasen wir bei Wikipedia:

    In der Schweiz sollte der Raclettekäse als Herkunftsbezeichnung (Appellation d’Origine Contrôlée, AOC) rechtlich geschützt werden – da das Raclette eine typische Walliser Speise sei, dürfe der Käse nur dann als „Raclettekäse“ verkauft werden, wenn er im Wallis hergestellt wurde.

    Dies stiess auf einige Kritik: Zum Einen wird die grosse Mehrheit des schweizerischen Raclettekäses – einschliesslich des von den Schweizer Grossverteilern wie Migros oder Coop angebotenen Käses – gar nicht im Wallis hergestellt; so wurden z. B. 2005 rund 11 000 Tonnen Schweizer, aber nur 2000 Tonnen Walliser Raclettekäse hergestellt. Zum Anderen wird der typische Walliser Raclettekäse aus nicht pasteurisierter Rohmilch hergestellt. Damit Rohmilchkäse aber ohne gesundheitliche Bedenken verzehrt werden kann und einen vollen Geschmack entwickelt, dürfen die Milchkühe nicht mit Silagefutter ernährt und müssen daher über den Winter mit Heu versorgt werden. Heu benötigt jedoch mehr Lagervolumen als Silo-Futter und wird deshalb nur noch von wenigen Bauern im Winter verfüttert.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Gericht oder Käse?
  • Im Juni 2006 entschied die Rekurskommission des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, der Begriff bezeichne ursprünglich nur ein Gericht und nicht den Käse selbst und sei somit nicht schützenswert. Im November 2007 entschied das Schweizerische Bundesgericht, Raclette sei ein Gericht, aber keine schutzwürdige Ursprungsbezeichnung. Der Name „Raclette“ für einen Käse ist daher frei verwendbar. Allerdings verfügte das Bundesgericht auch, der im Wallis hergestellte Käse solle den Herkunftsschutz „Raclette du Valais AOC“ erhalten.
    (Quelle: Wikipedia)

    

    30 Responses to “Schätzu, wir haben noch Gürkli — Ode an das Raclette”

    1. Danido Says:

      Ob das wohl eine der Finten des Jens ist, um ein paar Kommentare zu provozieren?
      Nun, Schätzu, wir haben noch Gürkli würde ich übersetzen mit „Schatz, wir haben noch Cornichons*. Auf der Gürkli-Büchse steht dann nämlich Cornichons…und eben: Schätzu ist keine Verbform sondern eine Anrede an den oder die LiebsteN.

    2. pit vo lissabon Says:

      il rit. aber sonst ist die story gut. ich selbst hab schon diverse raclette-öfen im fluggepäck nach lissabon transportiert.

    3. Simone Says:

      „il ris“, stimmt das wirklich?
      Ich stehe übrigens nicht auf Raclette…

    4. Thomas Says:

      ja ja, die Ortsbezeichnung. Siehe Champagne und Champagner.
      Ich musste schmunzeln, wie du es schaffst, auch heute noch extra das schweizerdeutsch so wunderbar misszuverstehen.
      Ich habe gestern schon nen Einkaufszettel geschrieben, um heute Raclette einkaufen zu gehen. Passt prima zum heutigen ersten schwachen Herbststurm.

    5. Phipu Says:

      Hier schon eine erste Korrektur:
      Das Konjugieren von „rire“ in der 3. Person muss nochmals revidiert werden. Ich tendiere auf „il rit“ ( http://dict.leo.org/pages.frde/stemming/verb_re_rire.html?Hilfsverb=avoir&apo=e%20&stamm=ri&stamm1=r )
      Bei Leo findest du auch „le ris“ – das Lachen (heute eher „le rire“, aber der Witz soll ja 500 Jahre alt sein), da muss man die Konjugation gar nicht bemühen.

      Aber auch ich habe jetzt etwas gelernt. Ich weiss jetzt, dass die Studenten 1968 am Hügel im Montmartre-Quartier nicht Strand unter den Pflastersteinen vorfanden, sondern…

      Dann habe ich da noch einen Hinweis für die, die immer jede von Jens überinterpretierte falsche Fährte einer hypothetischen Übersetzung von Dialektaussagen für bare Münze nehmen (vielleicht tatsächlich wider besseren Wissens).

      Beginnen wir mit der Analyse bei Null. Wer schon einen Racletteofen gesehen hat, dürfte wissen, dass dort meistens mehrere Portionen gleichzeitig erhitzt werden können, oder bei den „richtigen“ Racletteöfen gleich ein halber Käselaib eingespannt wird. (Für Novizen hier schon mal eine erste Lektion: http://heidiswelt.blogspot.com/2005/12/hast-du-ein-raclette.html . Wäre die Werbung an diese Leute gerichtet, hiesse es sowieso „… wir haben noch Speck …“) So eignet sich das Raclette also eher weniger für ein typisches Single-Gericht. Wer kommt euch in den Sinn, wenn ihr spontan jemandem ein Raclette vorschlagen würdet, häh? Ich schätze, ihr hättet „mein Schatz“ geantwortet.

      Nun, „schätzu“ könnte ja schon in Oberwalliser-Dialekt (der tönt so wie hier der oberste Kommentar: http://www.blogwiese.ch/archives/953#comment-773347 ) „Ich schätze“ heissen. Aber das Raclette kommt aus dem welschen Wallis (Unterwallis), also braucht die Werbung nicht diesen zwar sympathischen aber als schwer verständlich geltenden Dialekt zu bemühen. Wie ihr seht, ist ausser dem Wort „Schätzu“ sowieso alles auf Hochdeutsch. Und warum in anderen Regionen ein Zürcher „Schätzel“ eben kein L mehr im Namen hat, solltet ihr euch nach meinen Ausführungen an Bülacheraner auch ausmalen können: http://www.blogwiese.ch/archives/950#comment-765412
      Auch bei Dialekten ist verstehen halt besser als „schätzen“.

      [Anmerkung Admin: Il rit, natürlich… um 23:30 Uhr sollte ich kein französischen Verbformen mehr niederschreiben. Aber ist doch nett, wie vielen Lesern das gleich auffiel! Je le sais, tu le sais, il le sait … immer schön ein „t“ bei der dritten Person schreiben!]

    6. neuromat Says:

      ich weiss nicht, erst gestern bereitete ich ein aprikotiertes Lammfilet an einer feinen Rotwein Honig Sauce und würde mich nun nicht gerade als Raclette Fan bezeichnen.

      Das Problem sind wohl eher die „Gürkli“ oder wie es oben heisst Cornichon. Dass die ewig uebrig sind verwundert nicht. Ich denke, niemand muss Brandenburger sein, um die Qualität der Spreewälder Gurken wahrzunehmen. Und ueber die kommt kein Käse… 😉

    7. Helza Says:

      Lieber Jens, im Französischen gibt es beinahe mehr Ausnahmen als Regeln, beim Verben konjugieren. Versuche es lieber gar nicht erst, wenn du nicht Französisch kannst oder von Grund auf lernst, das geht immer ins Auge. Und was den Schätzu angeht, so sagt man seinem Liebsten auch im Bernbiet, nicht nur im Wallis. Ostschweizer sagen eher Schatz oder Schätzli. Wobei das ‚li‘ eher für Frauen angewendet wird, der Schätzu aber eindeutig eine Bezeichnung für gestandene Mannsbilder ist. Und hier sieht man wieder einmal sehr schön, wie ‚le tout Zurich“ die Restschweiz diskriminiert. Schätzu wird gleich als Exotenslang gebrandmarkt, alles was nicht lupenreines Tsüritüütsch ist, ist minderwertig. So hat eben jeder noch einen, auf den er herunterschauen kann. By the way: wer steht eigentlich in der Schweiz auf der unersten Stufe des Treppchens? Die Zürcher sehen auf die Aargauer herab, in der Ostschweiz gelten die Thurgauer als unterbelichtet, die Berner denken das selbe von den Freiburgern usw. Wer kennt noch weitere solche „Gräben“?

      [Anmerkung Admin: Ich werde deinen Rat beherzigen und demnächst einen Migros-Clubschule Kurs in Französisch belegen. Vielleicht kann ich dann auch als Deutscher endlich mal diese Sprache lernen, was ja schlicht unmöglich sein soll, wie man mir in der Schweiz versicherte. Deutsche können keine Fremdsprachen, die sprechen nur Deutsch und gehen davon aus, dass die ganze Welt sie versteht. Das ist so. Traurig aber wahr.
      Was die Gräben angeht, so war diese Abfolge der beliebesten Schweizer Dialekte schon mehrfach Thema auf der Blogwiese, z. B. hier: http://www.blogwiese.ch/archives/447 ]

    8. Helza Says:

      @ Zürcher: Fondue ist absolut keine Glungge, sondern etwas herrliches, wenn man sich denn die Mühe macht und es selber zubereitet, aus am Stück gekauften, richtig gereiftem Käse. Halb Greyerzer, halb Vacherin zum Beispiel. Kein Vergleich mit den Käseabfällen, die uns in den Mischungen untergejubelt werden oder noch schlimmer, den Fertigfondues, die mit tonnenweise Maizena gestreckt sind, weil das billiger ist als Käse. Und was die Verdauung angeht, gibt es zwei eiserne Regeln: Kurz bevor du das Fondue an den Tisch bringst, eine Messerspitze Natron einrühren. Zum Fondue nur Schwarztee ohne Milch trinken (enthält Gerbsäure, die hilft verdauen, wärmt den Magen) und zwischendurch mal ruhig einen Kirsch. Weisswein höchstens als Apero und allenfalls nachher. Denn der kalte Wein lässt den Käse im Magen klumpen. So zubereitet und genossen, ist es auch an einem Sommertag ein Genuss ohne Reue, wobei ich da schon bis nach Sonnenuntergang warten würde. Und wie bei allem, was toll schmeckt: lieber nicht zu schnell und vor allem nicht zu viel davon essen.

    9. ch.atzefrey Says:

      Lieber studierter Romanist Jens
      Wegen eines spätabendlichen Rechtschreibefehlers musst Du nicht nochmals von vorn anfangen!

    10. Lukas Says:

      Wie Danido schon geschrieben hat, ist „Schätzu“ ein Kosenamen wie er im Berner Oberland verwendet würde. In dieser Gegend hängt man sehr gerne mal ein „u“ an einen Namen, so zB.

      Luk-u
      Dän-u
      Änd-u

      und bei einem Hund zb Hümp-u „E lueg emol dä hümpu aa, isch dä nöd härzig?“

    11. Phipu Says:

      Für die Blogwiesen- und Fondue-Novizen:
      Da kann man neben Helzas eben gegebenen Tipps auch in den Kommentaren noch viel mehr über Fondue lernen:
      http://www.blogwiese.ch/archives/845
      http://www.blogwiese.ch/archives/121

      http://www.blogwiese.ch/archives/792
      http://www.blogwiese.ch/archives/106

      http://www.blogwiese.ch/archives/481

      An Helza
      Hier wäre noch so ein interessanter Blogwiesen-Eintrag für dich:
      http://www.blogwiese.ch/archives/843

    12. Brun(o)egg Says:

      @ all die Racltte nicht lieben.

      Macht Ferien im Wallis auf einer Alp. Und dann Raclette am/vom offenen Feuer! Da brauchts kein Cornichon mehr.

      Übrigens: Ich lass mir die Körriewurscht für die Schweiz patentieren.

    13. viking Says:

      @Helza:
      Kannst du mir sagen, wo ich den kriege? Den halb Greyerzer, halb Vacherin am Stück. Ist ja eigentlich ein Wunderkäse. Warum habe ich den noch nie an der Käsetheke meines Vertrauens gesichtet? Und wie macht der Käser das mit der Reifung. Braucht die Greyerzer Hälfte die gleiche Reifung wie die Vacherin Hälfte?

    14. stony Says:

      @viking
      An der Käsetheke deines Vertrauens wird dir der Käser gern 100g Greyerzer vom Stück und 100g Vacherin vom Stück fonduegerecht grob reiben. So einfach ist das…

      @Lukas
      Wenn schon Berndeutsch-Unterricht, dann bitte richtig: „emou“ und „niid“.

    15. neuromat Says:

      @ Brun(o)egg

      okay, absolut richtig. Aber – eben kein Raclette-Gerät… das ist dort etwas völlig anderes. Dazu bekommst Du nur Brot oder allenfalls Gschwellti. Der Käse über der Glut „grilliert“. Und keinen warmen Tee dazu sondern einen trockenen Weisswein und vielleicht noch die richtige „Schweizer – Deutsche Menschenmischung“

      Jeder isst, wenn es auf den Teller kommt und so viel reingeht. Funktioniert wahrscheinlich nur bei denen da oben.

      Bei der von Jens erwähnten Raclette Maschine handelt es sich aber doch wohl um einen Tischgrill mit kleinen antihaft beschichteten Schälchen, in denen dann der Käse seinem Schicksal überlassen wird oder käseüberbackene Rohkost hergestellt wird …

    16. AnFra Says:

      Solche Schab- und Schmelzkäse waren eine genutzte Ernährungsform historischer Vieh- und Weidevölker, wohl besonders im romanischen Gebieten.
      „Raclette“ (Schabkäse) als System und Name in dieser Schweizertümlichen Art und Weise ist eine absolut neuartige „Erfindung „ um ca. 1.900 n. Ch.

      Dies wirkt natürlich ein in solch einer juristische Streiterei um Raclettes Bart.

      Hoffentlich ist der / das „Raclette“ nicht nur ein Euphemismus!

      Einige Fundstellen bei den Brüdern Grimm:

      SCHABEN, in habgieriger, rücksichtsloser weise geld und gut zusammenraffen. selten allein stehend: …..sie (die Schweizer) schabents gelt von leüthen und nement gůte pfandt.

      SCHABENKÄSZ, m. ein habgieriger geizhals (s. u. schabhals):

      ich reysz nit sehr nach gut,
      als mancher schabenkäsz thut.

      SCHABHALS, m., ….. einer, der den hals nicht voll genug bekommen kann, ein gierschlund, philargyrus ….., ähnlich geizhals ….. , später entwickelt sich aus dem mit dem geize verbundenen schäbigen auftreten die umfassendere bedeutung ’schäbiger kerl, lump‘: lasset die alte schabhälse geitzig seyn……; hör du schabhals, hast du mich geschlagen? …..; solcherlei erzschabhälser. …..; weil der reiche schabhals blos von seinen zinsen lebe. ….., du, schabhals? du wirst mir auch der rechte sein (einen gefährlichen weg zu gehen).

    17. saletti Says:

      liebe deutsche

      dass ihr euch so angestrengt mit solchen themen befasst zementiert leider genau das problem welches ihr nicht hören wollt : eine ch-kultur welche ihr irgendwie nicht auf die reihe kriegt: raclette ist was ganz einfaches – einfach zusammen essen, freude haben , fertig ….

    18. Stella Says:

      Raclette-Maschine? doch wohl eher ein Raclette-Ofen oder Raclette-Öfeli. Trotzdem: en Guete!

    19. Hippolein Says:

      @neuromat
      MMMmmmh, Lammfilet – lecker. Ich frage mich aber, wie man ein Stück Fleisch an einer Sauce haben kann? In einer Sauce oder mit einer Sauce verstehe ich noch. Aber was ist an einer Sauce?
      @ AnFa. Wieder viel gelernt. Danke!

    20. neuromat Says:

      @ Hippolein

      „In einer Sauce“ : mir dreht sich der Magen um…

    21. viking Says:

      @stony:
      Hab ich doch tatsächlich wieder mal das Ironieflag vergessen. Soll nicht wieder vorkommen. Und wenn doch, hier noch ein paar auf Vorrat (bei Gefallen mitnehmen):

    22. Philosolver Says:

      @ Ein Zuercher

      Also ich finde zu CDs wie „40 Jahre … nix als Polka !“ die Akablas herausbringt passt der bemängelte Labskaus
      in Aussehen und Konsitenz doch ganz hervorragend.
      Allerdings hatten die Jungs bei ihrem Besuch in Hamburg, wie auf dem Foto zu sehen ist, wohl ziemliches Pech:
      da wurde doch glatt das Dillzweigchen unterschlagen. 😉

    23. AnFra Says:

      Das mit den „nationalen Spezialitäten“ is(s)t so ne Sache.

      Wenn man ca. 3 bis 5 Generationen zurückgeht haben die jetzigen Spezialitäten dann eine gänzlich andere Bedeutung.

      Diese „Lebensmittel“ hatten fast immer die tatsächliche Funktion der Speisung von armen Leuten und / oder Verwendung in Not- und Kriegszeiten!

      Bis in die Zeit der franz. Revolution war die Wertigkeitsstufung bei den „Führungsschichten“ in vereinfachter Form mit fallender Qualitätsansicht: Wild (Groß und Nieder), Geflügel, Huftiere, Fisch (See und Meer), Obst, Käse, Korn, Wurzel, Kraut, Waldfrüchte und der übrige Rest (Trockenfleisch, Trockenfisch, aufbereiteter Altkäse, Krabben) sowie die Reste und Abfälle der Lebensmittel) und was sonst noch auf der Erdoberfläche und im Untergrund kräucht und fleucht.

      Die „neuzeitlichen Spezialitäten“ wie z.B. Bündnerfleisch (Edelfäulnis), Cervela (Innereien und Hirn), Krabben (Ungetiere im Wattenschlamm), Labskaus und Haggis (abenteuerliche biologische Ansammlung von was?), Bismarckhering (damals billigste Massenernährung), Spätzle (mit Fettgrieben / Kraut / oder mit Nichts (schwäb. Billignahrung)), Pizza ( Rüst- und Abfallreste von Lebensmittel) usw., usw.

      Natürlich hatte auch der Schab- und Schmelzkäse („Raclette“) durch das Aufschmelzen die Verwendung von alten, unbrauchbaren und / oder ungenießbaren Käse der menschlichen Verwertung ermöglicht.
      Dieses ist auch vergleichbar dem „Hafenkäs“ mit der Verwertungsmöglichkeit von alten und / oder verdorbenem Käse mit angesetzter Milch zur Weiterverwertung.

      Über die von den Menschen dauernd verspeisten bakteriellen Ausscheidungsprodukte wollen wir lieber nicht sprechen.

      Man sollte halt schon aufpassen, was man in den Mund nimmt.

    24. Brun(o)egg Says:

      @ all

      Mit Tee zum Raclette kanns ja nicht gut werden. Nachdem allerdings Fendant eher ein Gesöff ist, mit dem man besser die Reben spritzt, könnts ja auch ein Chasselas aus dem Vaudt sein.
      Zudem: Wir haben unser Öfelchen zwar noch im Keller aber auch ein Cheminée. Und den passenden Käsehalter. Und dann stimmts. Problem. Ein Viertel Käse ist angesagt, sonst hauts nicht mit der Schaberei.
      Also laden wir alle Nachbarn ein und essen 2 Wochen Raclette. Aber nur einmal im Jahr. Danach: Keinen Käse bitte! Aber gut wars.

    25. Hippolein Says:

      @neuromat
      Wenn sich Dein Magen dann umgedreht hat, schaue mal bei wwwZwiebelfisch vorbei. Bastian Sick hat sich dieses Themas auch schon angenommen.

    26. neuromat Says:

      da stand:

      liebe deutsche

      dass ihr euch so angestrengt mit solchen themen befasst zementiert leider genau das problem welches ihr nicht hören wollt : eine ch-kultur welche ihr irgendwie nicht auf die reihe kriegt: raclette ist was ganz einfaches – einfach zusammen essen, freude haben , fertig ….

      Das stimmt, oder. Woher weiss die oder der so genau, wie wir in Deutschland essen. Wer hat das verraten? Jeder für sich im abgedunkelten Raum und wir führen nicht einmal Selbstgespräche dabei.

      Und Raclette ist was ganz einfaches … wir Deutschen sind aber kompliziert, etwas sonderlich vielleicht auch. Allemal aber unfähig eine CH-Kultur auf die Reihe zu kriegen. Das geht auch nicht, weil wir kriegen ein Bier und nicht etwas auf die Reihe. Das nennen wir nämlich Bierkultur. Und die versteht nicht jeder. Reihe ist etwas, aus welchem wir allenfalls tanzen.

      Das ist unsere Tanzkultur. Wir tanzen eben gerne, die Schweizer haben dafür angeblich etwas mehr geschlechtliche Liebe, das nennt man Popkultur.

      Was mich nach vielen Jahren am meisten wundert ist, wie ähnlich sich Menschen sein können, die ständig damit beschäftigt sind darzulegen, wie sehr sie sich voneinader untescheiden.

      Das war doch jetzt ein Satz. Ne Herr Aeschbacher können mich ja doch vielleicht mal einladen. Den Wiese fragen sie ja nicht.
      Ich komm mit Brun(o)egg. Zu Essen und Trinken bringen wir selber mit.

    27. neuromat Says:

      aber Hippolein,

      das kennen wir doch schon

      http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,543269,00.html

      scheint als hätte Bastian fleissig Blogwiese gelesen.

    28. Marroni Says:

      @neuromat: Zum Kurt komm ich auch mit, ich lade mich selber ein. Den kenn ich noch aus früheren Zeiten.

    29. Kreis7 Says:

      @Brun(o)egg
      Absolut korret, zum Käse gehört Chasselas, am besten, oder zumindest auf der sicheren Seite ist man mit dem Les Murailles! Sparfüchse werden ihn meiden, kostet er doch 18-19 Stutz.

    30. helza Says:

      Auch Fendant wird aus Chasselas-Trauben gekeltert. Und auch beim Fendant gibt es ausgezeichnete Weine und Massenware. Wie so oft.
      Zum Fondue ist Chasselas ein Muss, weil seine Säure dafür verantwortlich ist, dass es überhaupt gelingt. Käse mag nicht alle Weissweine, besonders nicht die säurearmen italienischen, spanischen oder französischen. Solltet ihr es trotzdem mal mit so einem Wein versuchen müssen; einige Spritzer Zitrone beigeben, einen Kaffeelöffel Senf und hoffen, dass die Suppe trotzdem schön homogen wird.

      @Brunoegg: Versuche es doch mal mit einem guten Schwarztee, ohne Milch und nur mit wenig Zucker. Du wirst staunen, wie gut du Fondue verträgst, ganz ohne schweren Magen oder stundenlanges Aufstossen. Wenn dir das Gesöff pur so zuwider ist, verfeinere es mit einem Schuss Kirsch (nicht vom Billigsten, auch da ist Qualität das A und O).

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