Vom Abfallprodukt zum Kultgetränk — Welche Farbe hat Dein Durst?

Oktober 16th, 2009

(reload vom 26.09.06)

  • Mögen Sie Molke? Was ist das eigentlich?
  • Milch ist eine äusserst vielseitige Flüssigkeit. Frisch von der Kuh gemolken, wird sie kurz darauf mit hohem Druck homogenisiert, um die in der Milch enthaltenen Fett und Eiweisspartikel zu zerkleinern.

    Hierbei wird die Rohmilch unter hohem Druck (150-300 bar) durch eine feine Düse gegen eine Stahlwand gespritzt, wodurch die ursprünglich relativ großen Fetttröpfchen (Chylomikronen) so stark zerkleinert werden (unter 1 µm Durchmesser), dass die Trennung von Fett und Wasser (Rahmbildung) nach diesem Verfahrensschritt ausbleibt.
    (Quelle Wikipedia)

    Täte man dies nicht, würde die Milch das tun, was sie in unbehandeltem Zustand tut, wenn man sie in die Wärme stellt und ihr ein bisschen Zeit lässt: Sie wird fest. „Dickmilch“ nennt man das Ergebnis, welches sich neben später mit Früchten angereichert in Plastikbechern verkaufen lässt. Das macht auch gar nicht dick, man, anders als die Dinger von Dickmann.

    Schöpft man diese gebundene Masse ab in ein sauberes Handtuch, so löst sich nun die „kleine Milch“ („le petit lait“ in Frankreich), d. h. die „Molke“ von der Fett und Eiweissmasse. Molke ist ein Abfallprodukt. Früher haben die Käsereien sie an die Kälber verfüttert, natürlich aus der Flasche, oder weggeschüttet. Bisweilen findet man in Bioläden die Molke als besonders wertvolles Getränk, gleich neben der Stuten- und Ziegenmilch.

    Molke (Milchserum, auch Sirte genannt) ist die wässrige grünlich-gelbe Restflüssigkeit, die bei der Käseherstellung entsteht. Sie besteht zu 94 % aus Wasser, zu 4–5 % aus Milchzucker und ist nahezu fettfrei. Außerdem enthält sie Milchsäure, die Vitamine B1, B2 (dies bewirkt die grünliche Farbe) und B6, Kalium, Kalzium, Phosphor und andere Mineralstoffe, doch vor allem 0,6–1 % Molkenprotein. Das ist deutlich weniger Eiweiß als in der Milch. Dort ist das Kasein Haupteiweiß.
    Es gibt zwei Sorten von Molke, die Lab- oder Süßmolke, die entsteht, wenn man Milch mit Lab zur Käseherstellung dicklegt. Die zweite Sorte, die Sauermolke, entsteht, wenn Milch mit Milchsäurebakterien behandelt wird. Nachdem das Eiweiß (der Käse oder Quark) abgetrennt wurde, bleibt die Molke übrig.
    Molke wirkt abführend. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde Molke als Lebenselixier entdeckt und angepriesen. Es sind zahlreiche Kuranstalten entstanden, um die Zivilisationskrankheiten zu heilen. Die Molkekur war ein Programm und ein Teil der damaligen Lebensreform-Bewegung.
    Molke wird heute hauptsächlich in der Schweinezucht verwendet, vor allem als Molkepulver. Viele Molkereien arbeiten daher eng mit Schweinemästereien zusammen.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Vom Abfallprodukt zum Kultgetränk
  • Die Schweizer hatten eine andere Idee zur Verwertung. Sie machten daraus ein Kultgetränk mit Namen „Rivella“, erhältlich in den Farben Rot, Blau und Grün.
    Rivella gibt es in drei Farben
    (Quelle: nezrouge-biel.ch)

    Seitdem heisst es in der Werbung: „Welche Farbe hat Dein Durst?“, und jeder Schweizer weiss was gemeint ist.
    Farbe bekennen. Wie schmeckt denn Rot?
    Wie schmeckt eigentlich Rot?

    Bei der Migros heisst Rivella übrigens „Mivella“. Mal wieder ein Markenklau? Von wegen, es ist einfach eine andere Abfüllung:

    Rivella ist ein kohlensäurehaltiges Tafelgetränk mit 35 % Milchserum, das in der Schweiz hergestellt wird. Rivella wird, wie auch die günstigere Kopie der Migros namens Mivella, von der gleichnamigen Rivella AG in Rothrist abgefüllt. Diese ist bis heute im Besitz der Familie des Gründers Robert Barth.
    (Quelle: Wikipedia)

    Die Rezeptur wurde für die Migros leicht geändert, damit sich Mivella von Rivella unterscheiden lässt.

  • Rivella ist nichts bei LI
  • Laktose-Intoleranz, kurz „LI“ ist ein weit verbreitetes und selten erkanntes Fehlen eines Enzyms, welches der Mensch normaler Weise zum Aufspalten von Milchzucker, d. h. von „Laktose“ benötigt. Ohne dieses Enzym, dass vor allem älteren Menschen und/oder Asiaten häufig fehlt, kann der Milchzucker nicht zerlegt, und somit nicht vom Körper verarbeitet werden. Er sammelt sich im Darm an und bereitet jede Menge Bauchweh. Da Rivella einen sehr hohen Anteil an Laktose enthält, ist dieses Getränke genau wie normale Milch natürlich für LI-Patienten äusserst unbekömmlich.

  • Laktose freie Milch gibt es bei der Migros und beim COOP
  • Die Problematik der Laktose-Intoleranz ist so verbreitet und bekannt, dass die grossen Lebensmitteldistributoren sich auf die steigende Nachfrage an laktosefreien Produkten eingestellt haben. Sie bieten laktosefreie Milch an, deren Milchzucker bereits aufgespalten ist. Handelsketten wie Edeka sind da ein Stück weiter, weswegen viele unter LI leidende Schweizer eine Reihe weiterer laktosefreier Produkte wie Joghurt, Butter oder Käse in Deutschland einkaufen. Es nützt übrigens gar nichts, bei LI auf Ziegen- oder Schafsmilch auszuweichen, in der Hoffnung, damit das Problem zu umgehen. Milchzucker enthalten die genauso. LI kann übrigens auch nur vorübergehend z. B. durch eine Stoffwechselerkrankung auftreten und dann wieder verschwinden. Hauptproblem bei diesem Krankheitsbild ist die grosse Ahnungslosigkeit vieler Ärzte, was dieses fehlende Enzym und die daraus folgende LI angeht.

  • Einmal Rivella gelb bitte
  • Wenn Sie also in die Schweiz kommen und so schweizerisch sein wollen wie die Schweizer, dann bestellen Sie sich demnächst eine Rivella. Nur die richtige Farbe müssen Sie sich vorher noch überlegen. „Rivella Gelb“ war zum Beispiel lange Zeit ganz falsch. Das dürfte man höchstens zu einem Feldschlösschen (Schweizer Edelbiermarke) sagen. Erst spät wurde begonnen, diese Sorte auf Basis von Soja- anstatt Milchserum zu produzieren.

    Und falls Sie von Rivella Rot oder Blau Bauchweh bekommen, weil Sie keine Laktose oder kein Milchserum vertragen, dann sagen Sie bitte nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.

    Für alle diejenigen, die wirklich Bauchweh von Milch oder Milchprodukten bekommen, hier noch das ernsthaftes Lebenshilfeforum zum Thema Laktoseintoleranz: www.libase.de.

    Wer sagt schon „Zürichsee?“ — Die Rapperswiler zum Beispiel

    Oktober 15th, 2009

    (reload vom 25.09.06)

  • Radeln, Velofahren und Skaten ohne Abgase
  • Am 27. September 2009 fand am Zürisee (wie schon im September 2006) zwischen Meilen und Rapperswil das „SlowUp“ Event statt. Radeln, Velofahren, Inline-Skating auf der für den Autoverkehr gesperrten Uferstrasse. 45’000 nutzen die Gelegenheit, ohne Abgasgestank bei strahlender Spätsommersonne das Seeufer autofrei zu geniessen.

    Unterwegs kamen wir an diesem Verlagshaus vorbei:
    Zürichsee Zeitungen

    Garantiert eine Gründung von einem Deutschen. Wie kann man nur so lebensmüde sein und mitten in Kanton Zürich diesen See als „Zürichsee“ zu bezeichnen? Diese Zeitung pflegt diesen Namen bereits seit 150 Jahren, wie wir auf ihrer Website nachlesen:

    Die Zürichsee-Zeitungen (ZSZ) können auf eine über 150-Jährige stolze Tradition zurückblicken und sind in den letzten Jahren zu einer einzigartigen starken Zeitungsfamilie gewachsen.
    (Quelle zsz.ch)

    Wahrscheinlich war das vor 150 Jahren bei der Gründung der Zeitung noch nicht so ein dringendes Anliegen, auf das innerte „i“ zu verzichten. Ein Beispiel, wie es richtig gemacht wird, sahen wir am gleichen Tag auf einem Smart:
    Zürisee ohne "rich"
    So haben wir das gern!

    Weitere „faux pas“ in dieser Richtung sahen wir bei der „Zürichsee Schiffahrtsgesellschaft“ und in Rapperswil bei der dortigen „Zürichsee Tourismus“ Organisation. Sind das alles Gründungen von Deutschen? Warum sagt denen niemand, dass das mit diesem „i“ einfach nicht geht, am Zürcher See? Zur Erinnerung vgl. Blogwiese. Oder ist die Geschichte mit dem „i“ einfach nur eine spezielle Macke der Zürcher, während man sich am anderen Ende des Sees kaum darum schert?

    Natürlich wissen wir, dass „zürcher“ das im Kanton Zürich korrekt verwendete Adjektiv ist, und die Stadt bzw. der Kanton „Zürich“ heisst. Aber wenn wir in unserer Umgebung fragen, ob es korrekt „Zürichsee„, „Zürcher See“ oder „Zürisee“ heisst, kriegen wir zur Antwort: „Selbstverständlich ‚Zürcher See‚“. Warum kriegen wir immer nur Schimpfe wenn wir „Zürichsee“ sagen, aber die Zeitung, die Schifffahrtsgesellschaft und der Tourismusverband darf sich so nennen?

  • Rauf oder runter nach Zürich
  • Wir wurden in Rapperswil noch Zeuge eines interessanten Disputs zwischen einer Dame von der örtlichen Touristeninformation und einer zugereisten Zürcherin. Es ging um die Frage, ob die Linienschiffe von Rapperswil „rauf nach Zürich“ oder „runter nach Zürich“ fahren. Die beiden Damen hatten da eine gegensätzliche Meinung. Nun, da die Limmat als Abfluss des Sees gilt, halten wir „runter nach Zürich“ für die korrekte Form.

    Geheimnisse im Schweizer Alltag — Wüüde Wochen

    Oktober 14th, 2009

    (reload vom 22.06.09)

  • Nicht müde sondern wüüde
  • Wer erinnert sich noch an die perfekt spanische Werbung von McDonalds, dem Restaurant zu den drei goldenen Bögen, als dort für „Los Wochos“ geworben wurde?
    Los Wochos
    Foto Los Wochos
    (Quelle Foto: Roland-Barthel.de)

    Wir waren stolz auf unsere Spanischkenntnisse, als diese Werbung lief. „Me mucho“ konnten wir fliessend und akzentfrei übersetzen. Diese Fähigkeit verliess uns hingegen, als wir neulich an diesem Schild in Bülach vorbei kamen:

    Wüüde Woch’n

    Was sich dahinter verbirgt? Wir wurden nicht „müüde“, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Der Schlüssel für das Verständnis dieses Fotos ist der Name der Biersorte. „Schützengarten“, gepaart mit der Ikonographie der drei angedeuteten, aufstrebenden Pfeile mit Schaft am unteren Bildrand. Wir wissen ja, dass Schützen schiessen, vielleicht mit Pfeil und Bogen oder einer Armbrust oder sogar mit so einem Vorderlader wie bei der Biermarke.

    Oder sind das wohlmöglich gar keine Pfeile sondern Tannen eines dichten Waldes?

    Unsicher machte uns noch die Feststellung, dass für dieses geschriebene „Wüüdi“ keinerlei weitere Belege in der Schriftsprache zu finden sind. Es ist einzigartig. Wohl, einen Lehrer mit Spitznamen „Wüdi“ haben wir schon gefunden, aber keine Wochen oder Wörter mit zwei „ü“ in der Mitte. Es blieb uns als norddeutsche Flachländer nichts anderes übrig, als zu fragen, wer denn hier so „wütend“ auf die Wochen war, dass er das „e“ gleich wegliess?

  • In the wild wild west…
  • Siehe da, die „wüüde Woch’n“ entpuppten sich schnell und ganz einfach zu „wilden Wochen“, in denen es keine Kannibalen zu fressen gibt, sondern Wild, was denn sonst. Hirschragout und Wildschweinbraten, wer hätte das gedacht.

    Kein Geld überweisen, aber Postulate

    Oktober 13th, 2009

    (reload vom 21.09.06)

  • Was ist ein Postulat?
  • Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 14.09.06, Seite 15:

    Der Zürcher Gemeinderat möchte, dass in öffentlichen Gebäuden nicht mehr geraucht wird. Ein Postulat der Grünen wurde klar überwiesen.

    Ein Postulat, dazu meint unser Duden:

    Postulat, das; -[e]s, -e [lat. postulatum]:
    1. (bildungsspr.) etw., was von einem bestimmten Standpunkt aus od. aufgrund bestimmter Umstände erforderlich, unabdingbar erscheint; Forderung: ein ethisches, moralisches, politisches Postulat; ein Postulat der Vernunft; Eine weitere Pressekonzentration ist demnach unausweichlich. Fragt sich nur, ob diese Entwicklung mit dem Postulat Pressevielfalt vereinbar ist (Tages Anzeiger 19. 11. 91, 5); Ebenso deutlich war ein Postulat für die Erstellung einer Kunsteisbahn … abgelehnt worden (NZZ 1./2. 5. 83, 22); das Postulat von der welthistorischen Sonderrolle des deutschen Volkes (Fraenkel, Staat 209).
    (Quelle: Duden.de)

    Haben Sie auch bemerkt, dass die Belegstellen allesamt aus der Schweiz stammt? Dem Heimatland des gelben „Postautos“, dass erst kürzlich seinen 100sten Geburtstag feiern durfte? Postulate gibt es also häufig in der Schweiz, und wenn, dann werden sie stets „überwiesen“.

  • Ein Postulat überweisen
  • Die Kombination „Postulat überweisen“ findet sich bei Google-CH 1500 Mal, bei Google-DE überhaupt nicht. Dabei tun sich doch die Schweizer sonst so schwer mit den Überweisungen, jedenfalls, wenn es ums Geld und ums Bezahlen von Rechnungen geht, und stellen sich lieber jeder Monat bei der „POST“ hinten an. (vgl. Blogwiese)

    Doch unser Duden ist schlau. Er kennt das Postulat auch noch als bildungssprachlich und philosophisch:

    2. (bildungsspr.) Gebot, in dem von jmdm. ein bestimmtes Handeln, Verhalten verlangt, gefordert wird: ein Postulat befolgen.
    3. (Philos.) als Ausgangspunkt, als notwendige, unentbehrliche Voraussetzung einer Theorie, eines Gedankenganges dienende Annahme, These, die nicht bewiesen od. nicht beweisbar ist:
    ein Postulat aufstellen; die Existenz Gottes ist ein Postulat der praktischen Vernunft.

    Dann erst, wenn wir schon klein beigeben wollen, rückt er mit der eigentlich interessanten Information heraus:

    4. (schweiz. Verfassungsw.) vom schweizerischen Parlament ausgehender Auftrag an den Bundesrat, die Notwendigkeit eines Gesetzentwurfs, einer bestimmten Maßnahme zu prüfen.

    Jetzt ist der Zürcher Gemeinderat kein Parlament, aber die Verfahrensweise ist sicher ähnlich dort. Wenn also die Grünen ein „Postulat überweisen“, dann erteilen sie einen Auftrag, die Notwendigkeit einer bestimmten Massnahme zu prüfen.
    Der letzte Satz des Artikels im Tages-Anzeiger lautet:

    Das Postulat wurde mit 75 zu 19 überwiesen.

  • Wie oft stimmen die denn nun ab?
  • Also hat man darüber abgestimmt, dass die Zürcher Exekutive prüfen soll, ob das Rauchen in öffentlichen Gebäuden verboten werden soll. So eine Art „Eintretensdebatte“, bzw. die Abstimmung über die Aufnahme der Eintretensdebatte. Wenn wir das jetzt noch alles richtig auf die Reihe kriegen, wird über so eine Sache mindestens dreimal abgestimmt. Beim Postulat, das überwiesen werden soll, wird entschieden, ob sich die Exekutive damit befasst. Bei der Eintretensdebatte wird entschieden, ob darüber diskutiert wird, und dann kommt noch die Vernehmlassung, in der die beteiligen Tabakonzerne und Pro-Rauchen-Lobbys ihren Senf bzw. Rauch beisteuern dürfen. Dann stimmt das Parlament ab, und dann kommt das ganze nochmals zur Abstimmung vor das Volk. In der Zwischenzeit vergehen ein paar Jährchen. Demokratie kann ganz schön kompliziert sein in der Schweiz.

  • Weiss jeder Schweizer, was das heisst?
  • Wir fragten heute gleich die freundliche Nachbarin in der S-Bahn, was denn „ein Postulat überweisen“ eigentlich bedeutet. Ihre Antwort:

    „Wie soll ich das wissen, das Frauenwahlrecht gibt es noch nicht so lange in meinem Heimatkanton..“

    Bereits am Satzanfang — Syntaktische Feinheiten der Schweizer Schriftsprache

    Oktober 12th, 2009

    (reload vom 20.9.06)

  • Bereits ohne alles
  • Seit einiger Zeit beobachten wir in den Schweizern Medien, vor allem im Tages-Anzeiger und in der Nachrichtensendung „10 vor 10“, eine syntaktische Besonderheit, von der wir nicht ganz sicher sind, ob sie nun spezifisch schweizerisch ist oder nicht. Es geht um den Satzanfang mit „bereits“, ohne ein folgendes Zeitwort.

    Beispiel:

    Bereits ist es den USA geglückt, dank der Lancierung der Pipeline Baku (Kaspisches Meer) – Tbilissi (Georgien) – Ceyhan (Türkei) eine Bresche in das russische Monopol beim Öltransport zu schlagen.
    (Quelle: Tages-Anzeiger)

    Oder hier:

    Bereits ist es einigen Programmierern gelungen, auf der PSP raubkopierte Spiele laufen zu lassen
    (Quelle: Tages-Anzeiger)

    Der Satz ist nicht falsch, aber irgend etwas fehlt uns hier. Vielleicht ein „Bereits heute“, oder ein „schon jetzt“? Wir haben noch weitere Verwendungen gefunden:

    Bereits ist es möglich, mit Techniken wie der Positron-Emission-Tomographie (PET) die Hirnaktivität beim Auftreten veränderter Bewusstseinszustände nicht nur zu messen, sondern die einzelnen Zustände entsprechenden Hirnregionen zuzuweisen.
    (Quelle: Tages-Anzeiger, zitiert auf hanflobby.de)

    Auch hier kommt uns das Ganze einfach zu knapp vor. Es fehlt ein „bereits heute“. Beim nächsten Beispiel ist es nur die Reihenfolge, die uns merkwürdig vorkommt:

    Bereits ist es einige Zeit her, dass uns Anna Witzig verlassen hat.
    (Quelle: Tages-Anzeiger)

    Bei diesem Beispielsatz kommt uns die Wortstellung ungewohnt vor. Wer ein wenig die Augen offen hält und darauf achtet, wird sicher rasch weitere Beispiele finden. Für uns kommt diese Besonderheit der helvetischen Syntax in die gleiche wundervolle Sammlung mit „für einmal“ und „erst noch“ (vgl. Blogwiese).

  • Bereits paranoid?
  • Oder ist das alles gar nichts Besonderes und es findet sich auch massig Verwendungsbeispiele für „Bereits“ am Satzanfang ohne Zeitwort in Deutschland, und ich kriege hier einfach nur die helvetische Paranoia? Bereits spüre ich so ein Ziehen im rechten Ohr. Für einmal gibt es keine Erklärung und erst noch muss ich darüber nachdenken. Bereits ist es spät. In dem Fall bis morgen dann.