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Geheimnisse im Schweizer Alltag — Wüüde Wochen

(reload vom 22.06.09)

  • Nicht müde sondern wüüde
  • Wer erinnert sich noch an die perfekt spanische Werbung von McDonalds, dem Restaurant zu den drei goldenen Bögen, als dort für „Los Wochos“ geworben wurde?
    Los Wochos
    Foto Los Wochos
    (Quelle Foto: Roland-Barthel.de)

    Wir waren stolz auf unsere Spanischkenntnisse, als diese Werbung lief. „Me mucho“ konnten wir fliessend und akzentfrei übersetzen. Diese Fähigkeit verliess uns hingegen, als wir neulich an diesem Schild in Bülach vorbei kamen:

    Wüüde Woch’n

    Was sich dahinter verbirgt? Wir wurden nicht „müüde“, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Der Schlüssel für das Verständnis dieses Fotos ist der Name der Biersorte. „Schützengarten“, gepaart mit der Ikonographie der drei angedeuteten, aufstrebenden Pfeile mit Schaft am unteren Bildrand. Wir wissen ja, dass Schützen schiessen, vielleicht mit Pfeil und Bogen oder einer Armbrust oder sogar mit so einem Vorderlader wie bei der Biermarke.

    Oder sind das wohlmöglich gar keine Pfeile sondern Tannen eines dichten Waldes?

    Unsicher machte uns noch die Feststellung, dass für dieses geschriebene „Wüüdi“ keinerlei weitere Belege in der Schriftsprache zu finden sind. Es ist einzigartig. Wohl, einen Lehrer mit Spitznamen „Wüdi“ haben wir schon gefunden, aber keine Wochen oder Wörter mit zwei „ü“ in der Mitte. Es blieb uns als norddeutsche Flachländer nichts anderes übrig, als zu fragen, wer denn hier so „wütend“ auf die Wochen war, dass er das „e“ gleich wegliess?

  • In the wild wild west…
  • Siehe da, die „wüüde Woch’n“ entpuppten sich schnell und ganz einfach zu „wilden Wochen“, in denen es keine Kannibalen zu fressen gibt, sondern Wild, was denn sonst. Hirschragout und Wildschweinbraten, wer hätte das gedacht.

    

    12 Responses to “Geheimnisse im Schweizer Alltag — Wüüde Wochen”

    1. Ric Says:

      Im Allgäu gibt’s die Sage vom „Wüüidn Moo“, so eine Art von allgäuer Bigfoot.
      Und wohl angelehnt an diese Sage gibt es in besonders abgelegenen Orten im Allgäu und auch noch in den oberbayrischen Alpen den Brauch der Wilden Männer.
      Einmal im Jahr, je nach Ort verschieden wann, kleiden sich die jungen Männer vom Ort in Felle, Masken und so weiter. Und ziehen dann aus mit Stecken jeden der bei Dunkelheit noch im Ort unterwegs ist zu scheuchen. Wenn sich einer bei Ihnen als wüüida Moo vorstellt dann tät ich wenn ich Sie wär schleunigst fortlaufen und nicht an McDonalds denken ^^

      Aber weil die Zeiten ja immer fader, spießiger und globalisierter werden und dazu noch die ganzen Zugereisten kommen ist diese Tradition gerade auch in den letzten Orten am verschwinden. Spaßfreie Neubürger rufen die Polizei und verderben es.

    2. R.Schaedeli Says:

      Ich bin kein alemannisch Sprachwissenschaftler, aber die Regeln für l vor d sind sehr klar im Berndeutsch:
      Wild wird zu Wiud
      Geld zu Geud
      Dolde zu Doude etc.
      Mr gö ga Wiud ässe- wir gehen Wild essen
      In den anderen schweizerdeutschen Dialekten ist es analog , nur kann dort das u ein ü werden und die Vokale vor dem l werden noch komplizierter verändert. Also Regel u vor d als l uebersetzen !

    3. Egon Says:

      ja ja früher war alles besser, schöner, grösser und leichter. Das Geld lag auf der Strasse, die Weiber willig und schon entkleidet in den Betten: Man brauchte keine blöden Antibiotika zu schlucken und es gab keine Impfungen.

      Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug so um die 45 vor etwa 100 – 150 Jahren in der Schweiz. Eben einfach alles besser, ein Zürcher wäre wahrscheinlich schon tot, obwohl es ja heisst Unkraut vergeht nicht, und die Türken sagen, dass böse Menschen alt werden.

    4. Guggeere Says:

      «Wüüdi Woch’n» hat keine Ähnlichkeit mit irgendeiner der mir bekannten alemannischen Mundarten der Schweiz.
      Mein Verdacht: Der Koch/Wirt/Kellner war vor den «Woch’n» zu lange auf der «Wies’n», und die Böcke (sowohl der sprachliche wie der in diesen «Woch’n» zu verspeisende) wurden in Bayern geschossen…
      Die wahrscheinlichste Ursache für das abgebildete Geschreibsel ist jedoch das folgende Phänomen: Viele von denen, die es ja so geil finden, alles in Mundart zu schreiben, tun dies nach dem Motto: «Ich schreibe, wie es mir gerade so einfällt.» Heraus kommt dabei irgendein Quatsch, der nur noch entfernt an eine indoeuropäische Sprache erinnert. – Leute, schreibt doch bitte Standarddeutsch, wenn ihr nicht mal euren eigenen Dialekt beherrscht!

    5. R.Schaedeli Says:

      an Guggeere:
      Nein, da liegen Sie ein grosses Bisschen daneben.
      Ich würde schreiben als Berner : Wiudi Wuche. Was sicher falsch ist , ist das Woche’n. Siehe mein Beispiel. Die einfache Erklärung ist die ,dass meistens „Zugewanderte “ im Restaurant arbeiten und unsere Dialekte zwar in etwa radebrechen, aber vom Schreiben im Dialekt keine Ahnung haben.

    6. Ric Says:

      Guggeere, seien’S froh auf der erwähnten Wiesn wird es echt grotesque.
      Da springen Franzosen und Düsseldorfer in Krachlederner umher, bestellen ein „Heendeel“ und eine „Maaaas“. Und jeder darf mal „Do legst di nida“ sagen. -.-

      Und die Bettina aus Braunschweig steht im Dirndl an der Straß’n, kam grad‘ von der Wies’n, und lacht sich „scheckich“ über den Straßennamen „Lueginsland“ (»Da muss die CSU ihr Hauptquartier haben« haha.). Als „uriger“ (…) Bayer kann man während dieser Wochen die Flucht ergreifen -.-

      Ich empfehle zum Verständnis Gerhard Polt (den kann man eh immer empfehlen)

      http://www.youtube.com/watch?v=9cJRqOCmyuQ („Bei uns hier in Bayern…“)

    7. Peter Says:

      Der Wirt in diesem Resto ist wahrscheinlich selbst Österreicher oder Bayer, oder hat sein Wild von dort und möchte diesem Umstand auf diese Weise Ausdruck verleihen. Schweizer Hochalemannisch ist das jedenfalls nicht. Ein eingeborenerr Bülacher würde wahrscheinlich „Wildi Wuche“ schreiben.

    8. Guggeere Says:

      @ R. Schädeli: Moooment! Ich oute mich hiermit als immerhin halber Berner, bitteschön! Und zwischen Ihrer korrekten Berner Version und jener der Bülacher Beiz liegen nicht nur ein paar Kantonsgrenzen, sondern sprachlich mindestens 500 km. Da gibts keine alemannische Verwandtschaft.
      Ich bin nicht so optimistisch wie Sie. «Vom Schreiben im Dialekt keine Ahnung haben» betrifft leider nicht nur ein paar Zugezogene, sondern, behaupte ich mal, etwa 90% der Deutschschweizer.

      @Ric: Ich kanns nachfühlen; herzliches Beileid. Mit deinem Bayernkummer wirst du zurzeit schwer geprüft. Meide bitte vorläufig die Zürcher Bahnhofhalle und die dortige «Züri-Wiesn» mit ihrem blauweissen Kitsch. Sonst läufst du gleich Amok…
      Polt ist tatsächlich ein guter Tipp. Sah ihn mal live in Chur, wo er u.a. eine Geschichte mit einem «Zwetschgenmandl» am Oktoberfest erzählte.

      http://www.zueri-wiesn.ch/

    9. Egon Says:

      es ist im Fall ein lebender running gag, dass in der Schweiz immer Zugewanderte und Ausländer für etwas verantwortlich sind, was nicht richtig ist

      http://www.youtube.com/watch?v=atEuV5NT908

      jetzt hat es auch en Klapproth erwischt, der muss eingewandert sein. Oder er hat wie alle Männer hier, nur eines im Kopf

    10. Ric Says:

      Guggeere, da weint net nur der Radi.

      Aber es gibt sie noch, die echten Traditionen fernab des „Geschunkel“:

      http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/1224530/display/18835660

      Hach, da kommen Erinnerungen ans Schnupfkatapult im Schullandheim hoch.

    11. Brun(o)egg Says:

      @ R. Schädeli

      Wüüdi Woche ist sicher ein Schreibfehler. Das versteht kein Mensch.
      Was das analoge der verschiedenen Dialekte in der Schweiz angeht: Da ist gar nicht analog. In Basel „geen mit go Wild ässe“. Kein U und schon gar kein Ü. Und da die komische Staddt dort im wilden westen immer noch zur SWchweiz gehört…?!

    12. mista lovalova Says:

      ja, in Bern würde es dann „wiudi wuche“ heissen. Oder auf dem Lande eher „wüudi wuchene“

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