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Z wie Zürich — Sagen Sie bloss nie „Züricher“ zu den Zürchern

  • Der Zorn der Zürcher über ein ignorantes „i“
  • Wir erhielten Post von einem Leser der Blogwiese:

    Wahrscheinlich wird Ihr Blog auch von vielen in der Schweiz lebenden Deutschen gelesen. Bitte nennen Sie die Einwohner des Kantons Zürich „Zürcher“ und nicht Züricher. Die Deutschen sollten sich das wirklich mal merken. Ihr nennt uns immer so!

    Nun, wer auf der Blogwiese einfach mal nach „Züricher“ und „Zürcher“ sucht, wird feststellen, dass sich für letzteres ein paar, für ersteres aber nur einen einzigen Verweis findet, und der hat es in sich:
    Der grosse Schweizer Schriftsteller Gottfried Keller, den wir sehr schätzen, nannte seine berühmte Novellensammlung „Züricher Novellen“, mit einem deutlichen „i“ nach dem r (siehe hier:)

    Der Leser schrieb weiter:

    Das stelle ich fest, wenn ich verschiedene Kommunikationsplattformen (Blogs, Foren, Gästebücher, etc.) besuche. Google findet schon 766’000 Einträge des Begriffs Züricher, obwohl die Einwohner definitiv nicht so genannt werden.

    Vielleicht können wir die Zürcher ein wenig trösten mit der Bemerkung, dass auch die Einwohner des Badenerlandes nicht immer mit Badener sondern fälschlich als „Badenser“ bezeichnet werden:

    Die Grenze zwischen Schwäbisch und Badisch
    Wer die Pforzheimer und ihre Sprache als schwäbisch bezeichnet könnte böse Blicke und Worte provozieren, deshalb: Pforzheimer sind Badener ( Badenser gilt als Schimpfwort!). Doch ebenso Vorsicht: Wer in einen Ort nach Süden, also Birkenfeld oder Unterreichenbach oder nach Osten also Heimsheim fährt und die Leute dort als Badener einstuft, hat sich ebenfalls in eine unangenehme Situation gebracht: die Leute dort sind nämlich schon Schwaben! (Quelle zur Zeit leider offline)

    Wir lernen: Die sprechen alle Hochdeutsch, die Deutschen, und mit Dialekten haben sie sowieso nie irgendwelche Meinungsverschiedenheiten:

    Was sind eigentlich alles Schwaben ?
    Das ist eine sehr berechtigte Frage. Geht man einmal nach Baden, kann man gelegentlich den Spruch hören: „Mir sin koi Schwobe, mir sin Badner.“ Oder in der Schweiz, da kann man hören, wie über die „chaibe Schwoba“ geschimpft wird. (Quelle)

    Doch zurück zu den echten und berechtigten Sprachsorgen der Zürcher:
    Der Wegfall des „i“ in „Züricher“ im geschriebenen Eigennamen und im Adjektiv ist historisch noch nicht so wahnsinnig alt, und es dauert eine Weile, bis sich das überall durchsetzt.

    Bis dahin dürfen die falsch benannten Zürcher zu jedem Deutschen „Deutschländer“ sagen, wenn der nicht aufhört „Züricher“ zu sagen, das gleicht sich dann hoffentlich aus und sorgt auf jeden Fall für Stimmung und Völkerverständigung.

    Denken wir lieber an was deftig Leckeres: Ein genüsslich betontes und in die Länge gezogenes „Zü-ri-cher Ge-schnet-zel-tes“ zergeht doch viel besser auf der Zunge, macht uns eher lustig „gluschtig“, als ein kurz gebelltes „Zürcher Geschnetzeltes„, oder?

    Der Duden sagt klar und deutlich dazu:

    „Züricher, in der Schweiz nur Zürcher. “
    „züricherisch, in der Schweiz nur zürcherisch“

    Also wollen wir ausserhalb der Schweiz das „i“ tolerieren und es innerhalb der Schweiz dudengemäss bekämpfen!

    Der Duden ist übrigens sonst oft auf der Seite der Schweiz, wir haben viele Wörter im Duden entdeckt, von denen wir nicht wussten, dass sie auch zur Deutschen Sprache gehören, und speziell durch die Schweiz beigetragen wurden. Schade, dass der Band „Duden „Wie sagt man in der Schweiz“, von Kurt Meyer“ nicht mehr lieferbar ist. Bei Amazon.de warten bereits vier Käufer darauf, dass jemand sein Exemplar verkaufen möchte. Die Nachfrage übersteigt das Angebot.

    Vielleicht ist es auch nicht schade, vielleicht ist es gut so. Denn der Duden gilt als Standardwerk für die Deutsche Sprache in Deutschland, Österreich UND die Schweiz. Es sind so viele echt Schweizer Ausdrücke darin zu finden, da braucht es keinen „Duden Schweiz“ mehr.

    Es sind bestimmt nicht nur die Dialektwörter, die Schweizerdeutsch ausmachen, sondern für uns vor allem die kleinen Redewendungen und Wörter, die im restlichen Deutschen Sprachraum nicht existieren oder anders verwendet werden, und die unsere Sprache so stark bereichern und interessant machen, wie z. B. „nicht draus kommen“ oder „der Zapfenzieher“.

    

    35 Responses to “Z wie Zürich — Sagen Sie bloss nie „Züricher“ zu den Zürchern”

    1. Urs Müller Says:

      Ja, lieber Jens…
      Das mit den Zürichern ist fast das selbe, wie mit den Baselern 😉

      Grüsse von Urs aus Bern, der einmal in Zürich an der Baslerstrasse wohnte und von Deutschland immer Post an die „Baseler Strasse“ erhielt.

    2. Robin Says:

      Wie sagt man eigentlich den Bewohnern von München? Münchener oder Münchner? Ich glaube schon Münchner.

      Baseler oder Basler 😉

      Oder ist das was ganz anderes?

      Gruss von nem Zürcher

    3. Chrigl Says:

      Jawohl! Gibs diesen Zürichern! 🙂

      (geschrieben von einem St. Gallener)

    4. viking Says:

      […Bis dahin dürfen die falsch benannten Zürcher zu jedem Deutschen “Deutschländer” sagen…]
      Iih, ist das etwa der Grundstoff der „Deutschländer Würstchen“ von Meica? 😉

      [.l..Wie sagt man eigentlich den Bewohnern von München? Münchener oder Münchner? …]
      -> Mingener

      Gruss von einem Neeremer

    5. Isabella Says:

      Züricher-Geschnetzeltes heisst bei uns schlicht „Züri-Gschnätzlets…“

      en Guete!

    6. mimei Says:

      @Isabella

      in den Restaurants steht meistens: „Geschnetzeltes Zürcher Art“

    7. Spooky Says:

      *schmunzelt* Ich glaube ich bin das als Ruhrgebiet abstämmiger noch untoleranter, wenn es darum geht, Dialekt zu vertreten.

      Hinter Bonn (aus der Sicht eines „Ruhrpottlers“) ist eh schon Norditalien. Bayern ist ergo eh „unser“ Vorstadtparkplatz (auch wenn diese es eh nicht so einsehen möchten). Schwaben, „Badensern“ und sonstige Gruppe, koennen in unseren Ohren alles, außer hochdeutsch. Aber ich schweife ab..*g*

      Zürcher ist in meinen Ohren einfach eine Dialektaussprache, wo bei es im „SCHRIFTdeutsch“ def. „Züricher“ heißen müsste. Das Schweizervolk allg. hält zum größten Teil eh nichts von „Schriftdeutsch“, was es mir in div. Foren einfach unmöglich macht, nur irgend etwas von dem „gesagten“ zu verstehen.

      Bitte bitte, lieber Schweizerinnen und Schweizer. Zur Rettung der deut. Sprache benutzt lieber „Schriftdeutsch“. 🙂

      Gruß, der Quotendeutsche aus Richti

    8. another anonymous Says:

      @Spooky: Schriftdeutsch korrekt würde es wie von Oli angemerkt auch „Deutschländer“ heissen, alles andere ist genauso „falsch“ wie „Zürcher“.

    9. yäni Says:

      hey jens!

      das is mal wieder ein eintrag, den ich besonders gelungen finde 😉 is doch egal, wi man den zürchern sagt, solange man den bernern nicht zürcher sagt wird niemand so richtig böse ;D

      (um dem „i“ auszuweichen, kann man auch ganz einfach ost-berner sagen ;))

    10. MaxH Says:

      am meisten wundert mich, daß dieser Beitrag für Google Ads besonders von Leuten mit dem dringenden Wunsch, Laminatboden zu kaufen, gelesen wird. Das Geheimnis dieser Zuordnung wird mir ewig unklar bleiben. Oder gibt es ein Laminat Zürcher Art?

      BTW: ansonsten habe ich schon viele interessante Dinge durch das Befolgen der Verbraucherinformationen erfahren – wäre fast genug für ein eigenes Blog.

      Weiter so! – ich meine damit den redaktionellen Teil

    11. MaxH Says:

      Nachtrag!

      Das ist ein echtes Schätzchen… dieser Duden, den gibt es gebraucht bei Amazon uk! Und kostet (ist als „low price“ ausgewiesen!) 58,60 PFUND! Für ein Duden Taschenbuch! Ich denke, das Buch gibt es nicht, weil alle Schweizer sich eines in ihr Bankschließfach gelegt haben. Ca. 150% Wertzuwachs in dre bis vier Jahren, das macht kaum eine andere Anlageform!
      http://www.amazon.co.uk/exec/obidos/tg/detail/offer-listing/-/3411041315/all/ASIN/3411041315/202-7568273-0044645

    12. Hydra Says:

      Gruss von einem Berner…………….

    13. viking Says:

      Wo kommt jetzt der Ausdruck „Züri West“ schon wieder her 🙂 SCNR

    14. another anonymous Says:

      Apropos Bern…Wäre doch auch mal ein Blogwiesen-Thema, dass viele Deutsche meinen Zürich sei die Hauptstadt der Schweiz (gut…eigentlich haben sie ja auch recht ;-))))

    15. Administrator Says:

      von wegen Hauptstadt…
      es reicht uns, dass Microsoft in allen Official Curriculum Kursen (MOC) in den Unterlagen der fiktiven Firma NWTRADERS.MSFT meint, BONN sei nach wie vor die Hauptstadt der Bundesrepublik, und das im Jahr 2005, lange nach dem Umzug nach Berlin..

      Gruss, Jens

    16. eggestei Says:

      heisst es ein st. galler oder ein st. gallener? 🙂

      gruss

      übrigens für mich ist ein Badener einfach einer aus meinem Nachbarort…

    17. Administrator Says:

      Hallo Eggestei,
      im Zweifelsfall ein Gallier…

      Gruss, Jens, vom Stamm der Jenner…

    18. reidan Says:

      Mein Exemplar von „Wie sagt man in der Schweiz“ ist unverkäuflich. Da im Züricher Bankfach, gleich neben der Uhr, der Schokolade und dem Emmentaler Käse.

    19. Gerald Says:

      Hi Jens,

      wenn ich mich nicht vollständig täusche, hatten wir die gleiche Konstruktion wie die z.B. die Niederlande. Berlin war immer die Deutsche Hauptstadt und Bonn der Regierungssitz. Der offizielle Amtssitz des Bundespräsidenten war auch immer in Berlin.

      Gerald

    20. Dan Says:

      Gerald, stell Dir vor, Deutschland bestand mal aus zwei Staaten!

    21. Janine Says:

      Danke für den Hinweis darauf dass ich tatsächlich einen Schatz hüte: ein nagelneues Exemplat des Dudens „wie sagt man in der Schweiz“. Angebote in schwindelnder Höhe bitte direkt an mich hier :-)))

    22. viking Says:

      @Dan … und trotzdem hat Gerald recht. Siehe http://www.deutschegeschichten.de/zeitraum/themaindex.asp?KategorieID=1006&InhaltID=1576

      Gruss
      Bruno

    23. Phipu Says:

      Wieder zum Thema „Zürcher“: googelt einmal nach „Züricher“ und nach „Zürcher“. Wer findet einen Site aus der Schweiz, bei dem das nach deutscher Ansicht „korrekte“ Züricher verwendet wird? (Auch draufklicken und sehen, wie’s dann in der Homepage steht)

      Wenn man in der Schweiz „Zürcher“ sagt, dann betrachte ich diese Version als „richtig“. Würden mich morgen ein oder mehrere Bayern (ich weiss, Bayern liegt ja schon fast in Italien, ist für Standard-Deutsch wohl ein schlechtes Beispiel) belehren, man nenne die Bevölkerung des Bundeslandes „Bayerner“ würde ich auch diese Version als „richtig“ akzeptieren (und würde sie natürlich auch so im Duden finden). Die lokale Bevölkerung kennt die örtlichen Spezialitäten wohl am besten.

      An Spooky:
      Zürcher ist nicht Schweizerdeutsch (ausser für einige Ohren); dieses Wort steht im Duden. „Nicht draus kommen“ ist hingegen schon Dialekt. Dass Schweizer in deutschen Foren Hochdeutsch schreiben sollten, finde ich selbstverständlich. Leider beherrschen wir nicht alle „unsere erste Fremdsprache“, die uns erst in der Schule gelehrt wird, selbst wenn wir uns Mühe geben. Die Pisa-Studie lässt grüssen.

      Gottfried Keller hatte einfach das Gespür eines gewieften Marketing-Consultants von heute, und wusste, dass er seine Geschichten „Züricher Novellen“ nennen musste, um die Verbreitung in Deutschland (einem grösseren Absatzmarkt) sicherzustellen. In Deutschland hätte niemand ein seriöses Werk gekauft, das einen ach so niedlichen Helvetismus im Titel enthält. Aus welchem Grund singen wohl viele Schweizer Musiker heute englisch (z.B. Gotthard, DJ Bobo)? Bei diesen Künstlern richtet sich ihr Werk auch an den erhofften Abnehmermarkt.

    24. Gerald Says:

      @ viking:
      Danke, ich hatte leider kein „altes“ Grundgesetz zum nachsehen zur Verfügung.

      @ Dan:
      Habe ich da die Ironie-Tags übersehen?
      Einem in Frankfurt(M) geborenen Reserveoffizier der Deutschen Luftwaffe die Deutsche Teilung erklären zu wollen, finde ich schon etwas seltsam.

      Deine Aussage ist übrigens nur bedingt richtig.

      Gemäss Völkerecht bestand Deutschland von Kriegsende 1945 (nur Waffenstillstand) bis zum Inkrafttreten des 2+4 Vertrages noch in den Grenzen des Deutschen Reichs von 1939. Für Deutschland galt bis dahin noch immer das Besatzungsstatut.
      Das regelmässig von 2 Deutschen Staaten gesprochen wurde, hat nichts mit der tatsächlich vorhandenen juristischen Situation zu tun.

      Gerald

    25. Berner Says:

      >>Der Wegfall des “i” in “Züricher” im geschriebenen Eigennamen und im Adjektiv ist historisch noch nicht so wahnsinnig alt, und es dauert eine Weile, bis sich das überall durchsetzt.

    26. Berner Says:

      Wieso kommt nur die obere Hälfte, also das Zitat am Ziel an?!

      Der Rest:

      Das stimmt nicht. Zürich hiess früher Schriftdeutsch „Zürch“. Den Rest kann man sich ja denken.
      Aber auch sonst ist das absolut unnötige i ein Krebserreger für die Augen und ein Pestvirus in den Ohren.

    27. nchenga Says:

      Die Duden-Alternative aus Basel (http://www.canoo.net) kennt beide Varianten….
      Zürcher und Züricher.

    28. Sascha Says:

      Wie zeigt man, dass man sich im Ausland zivilisiert zu benehmen weiß? Man sagt auf schweizer Boden „Zürcher“! Was im Duden steht ist doch diesbezüglich völlig irrelevant.

      Diesbezüglich lasse ich mich gerne als deutschen Besserwisser bezeichnen;)

    29. Frederick Says:

      http://www.books.ch/shop/action/productDetails?aUrl=90007790&artiId=3139443&nav=4001

      Saletti zäme!
      Ich bin gestern, 28.03.06, beim Lesen des Tagi (Tages-Anzeiger) auf die Homepage aufmerksam geworden. Begonnen habe ich um 04.00 morgens (ich wollte nur schnell etwas nachschauen…) und es ist schon 06.25. Absolut genial geschriebene Homepage – ich musste ein paar Mal vorsichtig sein, dass ich nicht zu laut lache.

      Zu oberst habe ich den Link „Kurt Meyer: Das Schweizer Wörterbuch
      Wie sagt man in der Schweiz?“ von http://www.books.ch angegeben, welches gemäss books.ch am 1. April 06 herausgegeben wird und nun schon vorbestellt werden kann.

      Weiter so!
      Frederick

    30. Gizmo Says:

      @ gerald: hat nichts mit der tatsächlich vorhandenen juristischen Situation zu tun.

      so ist das im leben eigentlich immer… das echte leben hat praktisch nie was mit der vorhandenen juristischen situation zu tun…

      oder kennt da jemand ausnahmen?

    31. Gizmo Says:

      Wie man es ausspricht? Na so wie man es gelernt hat oder? Oder wer kann schon Worcester Sauce aussprechen?

    32. Tschäse Says:

      Die Deutschen nenne ich Holländer.

      bis sie’s gelernt haben.
      (und das Letten geräumt haben)

    33. bart simpson Says:

      Wie man sehen kann, ist es mit den Adjektiven/Einwohnerbezeichnungen zu Städtenamen auch in Deutschland nicht so einfach:
      München — Münchner
      Dresden — Dresdner
      Jena — Jenenser
      Kassel — Kassler
      Tuttlingen — Tuttlinger
      Hannover — Hannoveraner
      Dieser Blogeintrag ist ein typischer Fall deutscher Spracharroganz, der obendrein noch mangelnde Reflexion über die in Deutschland gebräuchliche Varietät der deutschen Sprache zeigt. Schade.

    34. Gery us büüli. Says:

      @ berner. genau.
      und noch viel früher wurde Zürich „Turicum“ genannt. Zu den Zeiten als die Römer (Nein, nicht das Weinglas…) an der Macht waren.
      also sind Zürcher neue Turicumer??

    35. Chrigel Says:

      Es ist eigentlich Wurst, was Duden, Deutsche und Restschweizer zu diesem Thema sagen. Wir Zürcher wollen Zürcher genannt werden! Und da wir in der Gesamtheit sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Kriterien und der Lebensqualität unser Hauptstadt nicht nur im deutschen Sprachraum Nömber Wan sind, sollte man das von Hamburg bis Bozen und von Strassburg bis Königsberg akzeptieren.
      Wir kaufen sonst alle auf!

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