Wundern Sie sich nicht, wenn es Sie wunder nimmt?

März 17th, 2009

(reload vom 16.04.06)

  • Dialekte sind farbig
  • Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 6.04.06 in einem Leserbrief von Peter Sonderegger aus Wettingen auf Seite 21

    „Dem staatlichen Fernsehen würde ich gerne mehr Zurückhaltung gegenüber der Mundartmoderation empfehlen. Die Privatsender sollen sich unserer farbigen Dialekte bedienen; sie tun es auch. Der staatliche Monopolsender soll sich vor allem um ein gepflegtes Hochdeutsch bemühen. „

    Noch ein Bruder im Geiste! Farbige Dialekte finden wir einfach klasse. Welche Farbe haben eigentlich Bärndütsch und Züridütsch? Bärenbraun und Züriseeblau? Ausserdem wird hier Hochdeutsch nicht wie sonst „geschliffen“, sondern nur gepflegt, so wie man sonst seine Schuhe pflegt mit etwas Schuhwichse und einer weichen Bürste.

    „Was soll Herrn Buchelis Argument der Zuschauernähe dank Mundart bei der Wetterprognose? Nimmt es mich wunder, wie das Wetter wird, bin ich Meteo Schweiz ausgeliefert, ob Hochdeutsch oder Mundart. Nimmt es mich nicht wunder, wie das Wetter wird, habe aber nach der der „Tagesschau“ noch nicht aus- oder umgeschaltet, gehöre ich auch zu den 1,2 Millionen Zuschauern, die den Erfolg der Meteo-Sendung belegen sollen.“

    Dieser Mann versteht sein Hochdeutsch zu pflegen und zu schreiben, bis ihn ein Wunder nahm. Wir staunen über die kunstvolle Verwendung von „wundernehmen“, zum dem unser Duden weise spricht:

    wu.n|der|neh|men (geh.):
    1. in Verwunderung setzen:
    es würde mich nicht w., wenn er das täte; Es ist alles dargelegt, … darüber hinaus gibt es nichts, was wundernähme (Strauß, Niemand 194); Wen nimmt es wunder, dass dieses Juwel seit Jahrhunderten umworben und auch umkämpft war (Augsburger Allgemeine 3./4. 6. 78, VI).
    2. (schweiz.) wundern (3 a):
    es nimmt mich nur wunder
    , wie Sie mich hier aufgestöbert haben.

    Die Form unter 1. ist als „in Verwunderung setzen“ in Deutschland zwar selten, aber doch bekannt.
    Die Form unter 2. ist einzig der Schweiz vorbehalten.

    Das Variantenwörterbuch erklärt uns weiter:

    wundernehmen st.V./hat:
    1. CH neugierig machen, interessieren
    :
    Es nimmt mich wunder, was jetzt mit meinem Bruder wird (Spinner, Nella 84)

  • Da flitzt der Wunderfitz und windet sich der Gwunder
  • Wir wurden neugierig beim „wundernehmen“, und entdeckten „Wunderfitz“ und „Gwunder“ gleich nebendran im Variantenwörterbuch. Beides sind Schweizer Wörter für „Neugier“, wobei „Gwunder“ wesentlich häufiger zu finden ist bei Google-Schweiz, nämlich 3’280 Mal.

    Zu beiden gibt es auch Adjektive, so heisst „wunderfitzig“, „gwunderfitzig“ oder „gwunderig“ alles „neugierig“ in der Schweiz. Und steckt man seine Nase gwunderig in alle fremden Angelegenheiten, die einen nichts angehen, muss man sehr aufpassen, dadurch nicht zur „Gwundernase“ zu mutieren, für die Deutschen selten auch als „Wundernase“ geschrieben. Da wundert sich die Nase, bis sie wund wird, könnte man meinen.

  • Wunder gibt es immer wieder
  • Sang 1970 die Deutsche Schlagersängerin Katja Ebstein, und produzierte in den Jahren darauf fast selbst ein Wunder, als sie beim (damals noch so benannten) „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ 1970 und 1971 jeweils den dritten Platz belegte! Doch dieses Wunder wurde uns dann doch nicht gewährt. Wir mussten bis 1982 warten, als Nicole am 24. April diesen Wettbewerb erstmals als Deutsche gewann, übrigens damals dicht gefolgt von der Schweiz auf Platz 3 mit „Amour On T’aime“, gesungen von Arlette Zola.

    In dieser Zeit wurde in jedem Land noch von einem „Fachgremium“ die Punkte vergeben, und statt per „TED„, dem Tele-Vote. Das gibt es erst seit 1979. Zuvor liess man bei Spielshows die Zuschauer in einer grossen Stadt alle Stromverbraucher in den Privathaushalten anschalten, um durch den Grad des Anstiegs beim Stromverbrauchs im Elektrizitätswerk den Publikumsfavoriten zu ermitteln. Da nimmt es uns nicht wunder, dass bald darauf die Ölkrise und der Ölpreisschock diesen Unsinn beendeten.

    Vielsprachige Schweiz — Sprechen Sie auch Geld?

    März 16th, 2009

    (reload vom 12.4.06)

  • Vielsprachige Schweiz — Sprechen Sie auch Geld?
  • Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 05.04.06 auf Seite 2:

    „Als sich Freiburg jüngst um den amerikanischen Biotechnologiegiganten Amgen bemühte, musste das Kantonsparlament eiligst in Galmiz Land umzonen“

    Nein, nicht „umzäunen“, also keinen Zaun um künftige Industriegebiet errichten, sondern eine bis dahin landwirtschaftlich genutzte Zone zum Bauland für Investoren deklarieren, damit die Zone „umzonen“. Wir Deutsche habe da so unsere eigenen Erinnerungen und Konnotationen, wenn von „Zone“ geredet wird. Schliesslich lebten wir einst in „Tri-Zonesien“, wie der westliche Teil Deutschlands nach der Aufteilung in die drei Besatzungszonen durch die Siegermächte USA, Grossbritannien und Frankreich genannt wurde.

    Aber der Artikel über das Kantonsparlament geht noch weiter:

    „Zusätzliche Gelder musste es keine sprechen.“

    Gelder sprechen
    Moment, wie war das? In der Schweiz spricht man bekanntlich Französisch, Italienisch, Berndeutsch, Baseldeutsch, Zürichdeutsch, Urnerdeutsch, Walliserdeutsch, Bündnerdeutsch, Appenzellerdeutsch und St. Gallerdeutsch (vgl. Wiki) , ausserdem noch diverse rätoromanische Sprachen, aber dass jetzt auch schon GELD als eine Sprache gilt, war uns neu.

  • Sprechen Sie Geld?
  • Die Schweizer haben ein sehr pragmatisches Verhältnis zum Geld. Sie reden nicht drüber, sondern sprechen es einfach selbst. Wir hielten den Satz mit dem „Geld sprechen“ zunächst für einen Irrtum, einen Druckfehler, wie er sich leicht einmal einschleichen kann bei einer renommierten Zeitung wie dem Tages-Anzeiger. Doch dann lasen wir diese Formulierung im gleichen Artikel ein zweites Mal:

    „Das Urner Kantonsparlament soll deshalb heute 450 000 Franken sprechen“.

    Noch mehr Geld sprechen

    Wir werden unseren ehrgeizigen Plan, im nächsten Winter in einem Intensivkurs zumindest die wichtigsten vier Schweizerdeutschen Sprachen (Züridütsch-West, Zürdütsch-Goldküste, Züridütsch-Schnupfenküste und Zürcher Unterland-Platt) zu lernen, sogleich überdenken und stattdessen einen Kurs belegen in „Geld sprechen“. Ob es hier auch Dialekte gibt wie „Schweizer Frankisch“, „Neu-Euroisch“ und vielleicht sogar das fast nicht mehr gesprochene „D-Markisch“?

  • Die Schweizer sprechen gern und regelmässig Geld
  • „Wenn wir zusätzliches Geld sprechen, geht das zu Lasten von etwas anderem.“
    (Quelle unizh.ch)

    Auch im Passiv:

    Wird für ein Gesuch Geld gesprochen, so sind die Gesuchsteller verpflichtet, finanzielle und wissenschaftliche Zwischen- und Schlussberichte abzuliefern.
    (Quelle: Swisscancer.ch)

    Oder live vor der Kamera in der Sendung Arena vom 24.03.06

    „Wenn im Rahmen der IV-Revision wieder Geld gesprochen wird (…), dann würde ich garantieren, dass diese Revision nicht gelingen wird.
    Toni Bortoluzzi in Arena

    Merke: Denn wo das Geld ist, da wird es nicht „ver-sprochen“ oder „heilig gesprochen“ sondern schlicht und einfach „ge-sprochen“. Leider beherrschen dieses Idiom offensichtlich nur Parlamente und andere Entscheidungsgremien. Wir würden so gern auch mal Geld sprechen.

    Kennen Sie eigentlich schon Gottfried?

    März 13th, 2009

    (reload vom 11.4.06)

  • Die Decknamen von Gottfried Stutz
  • In den Anfangszeiten der Blogwiese haben wir behauptet, die Schweizer würden immer seltener fluchen (vgl. Blogwiese). Wir haben sie ganz einfach nie fluchen gehört. Das sollte sich schlagartig ändern, als wir die Bekanntschaft von Gottfried machten. Dürfen wir Ihnen Gottfried kurz vorstellen? Er heisst Gottfried, genauer gesagt „Gottfried Stutz“ und ist auch noch unter ein paar weiteren Decknamen bekannt:

    Gopfriedstutz
    Gopferdammi
    Gopferdeckel
    Gopfertammi
    Gopferdammi
    Gopfertori

    (Quelle: Variantenwörterbuch des Deutschen S. 303)

    Gefunden haben wir ihn neulich auf einem Werbeplakat für den BLICK .
    Gopfried-Stutz-Aktion

  • Wo arbeitet Gottfried?
  • Er muss beim Blick als Chef-Einkäufer oder Chef-Verkäufer tätig sein, und sich dort um die Superangebote kümmert. Denn auf seine Initiative hin gibt es dort als „Gopfried-Stutz-Aktion“ 147 Superangebote. Unser Freund Gottfried, der sich in der Schweiz oft mit „p“ schreibt, hat mächtig viel zu tun, denn es finden sich 109 weitere Gopfried-Stutz-Aktionen bei Google-CH.

  • Was heisst eigentlich „gopf“?
  • Wie kommt er nur zu seinem Namen? Ganz einfach: „gopf“ ist in der Schweiz eine Interjektion:

    Eine Interjektion (dt.: Empfindungswort) ist ein lenkender Ausdruck wie ach, aha oder au, der an die Mündlichkeit gebunden ist und meist aus der Hörerposition eingesetzt wird, um den Sprecher zu steuern. Interjektionen werden standardmäßig kleingeschrieben; nur weil sie eigentlich immer am Anfang des Satzes stehen, den sie selber bilden, findet man sie fast nur großgeschrieben vor.
    (Quelle Wiki)

    Fügen Sie also ruhig ab und an im Gespräch mit Schweizern ein freundlich artikuliertes „gopf“ ein, um die Situation aufzulockern und vertraulich werden zu lassen, und um Ihrem Gegenüber kund zu tun, dass Sie noch zuhören, und dass Sie voll und ganz bei der Sache sind. Woher das Wort stammt? Schwierig zu sagen. Der erste Teil ist sicherlich ein Überbleibsel von „Gott…“, vielleicht „Gott-sei-Dank„, oder „Gottvater„. Das abschliessende „-pf“ könnte dann eine onomatopoetisches Luftablassen darstellen, ein erleichtertes Ausatmen also, vielleicht im Sinne von „Mein Gott, jetzt muss ich aber erst mal tüchtig ausatmen, wenn ich Dir so zuhöre“.

  • Welchen Decknamen verwendet Gottfried am liebsten?
  • Wenn sich unser Freund Gottfried ins Internet begibt, schlägt die grosse Stunde seiner vielen Decknamen und Pseudonyme:
    Am seltensten fand wir Gopfriedstutz Google 1’070 Funde
    gefolgt von Gopfertori Google 24’000 Funde
    dann Gopfertammi Google 1’760 Funde
    und jetzt kommen die echten Lieblingsnamen:
    Gopferdammi Google 872 Funde
    und Gopferdeckel Google 335 Funde!

    Grüssen Sie Gottfried von uns, falls Sie ihn mal sehen. Wie gesagt, meistens ist er schwer in „Aktion“ beim BLICK, dann sollten Sie ihn lieber nicht stören. Bis dahin üben Sie vielleicht einfach schon mal das laute und vernehmliche Ausatmen beim Wörtchen „Gopf….

    Warten Sie mehr ab, oder warten Sie mehr zu?

    März 12th, 2009

    (reload vom 4.10.06)

  • Das lange Zuwarten
  • Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 01.04.06 einen Artikel über die Entdeckung der Gebeine Mozarts im Grab von Rossini. Eine wunderbare Glosse zum 1. April, sehr gut gemacht, darin der Absatz:

    „Eine Rolle für das lange Zuwarten hat sicherlich auch die Tatsache gespielt, dass einige Musikhistoriker kein besonders grosses Interesse daran haben, unangenehme Wahrheiten über so genannte Idole zu Tage zu fördern“

    Das lange Zuwarten
    Nun fragen wir uns natürlich: Warten Sie auch mehr ab, oder warten Sie mehr zu?
    Wahrscheinlich mehr „zu“, denn das „Abwarten“ ist in der Schweiz eine Tätigkeit, die man eher dem freundlichen Herrn mit Dackel und blauem Kittel überlässt, der es immer nicht abwarten kann und darum „Abwart“ geworden ist, sogar von Berufes wegen.

    Diesen „Abwart“ gibt es in Deutschland seltener, der ist an keinem Ort zu finden, nicht mal am „Abort“. Er wartete nämlich früher eher Blogs Blocks, und wurde daher „Blockwart“ genannt.
    Der Duden kennt sogar den Plural „Abwärte“

    Ab|wart, der; -s, -e, (seltener:) Abwärte (schweiz.): Hausmeister, Hauswart
    (Quelle: duden.de)

    Das Wort „Blockwart“ ist heute in Deutschland nur noch als Schimpfwort für solche Hausmeister verwendbar, die ständig hinter Mietern herspionieren. Ansonsten mutierte der Blockwart in Deutschland zum Hauswart.

    Natürlich findet sich das Wort „zuwarten“ auch in Deutschland. Als Ersatz für „abwarten“ finden wir bei Google-Schweiz 16.600 Einträge.
    So finden wir einen Minister, der es nicht tun will:

    Leuenberger will nicht zuwarten
    (Quelle azonline.ch)

    Und Fraktionen, die es tun wollen:

    Fraktionen wollen zuwarten
    (Quelle: wie oben)

    Auch in der Diskussion um Kampfhunde und Hundhalter wird viel zu viel zugewartet:

    Die grösste Tragik an der Geschichte in Zürich ist die, dass die Gefahr seit langem bekannt ist, die Behörden jedoch zuwarten und zuwarten…..
    Dann passiert dieser Fall = grosses Geschrei, wir müssen handeln, man konnte dies nicht voraussehen, aber jetzt…..
    1 Jahr später: zuwarten, zuwarten…….
    Ich frage Sie, wie lange noch wollen die Behörden zuwarten.
    (Quelle: www.zollikofen.ch)

    Also werden wir es nicht weiter abwarten und uns dieses schöne Wort ganz schnell angewöhnen, dann bleibt uns nichts mehr, als zu warten bis wir es auch wirklich einsetzen dürfen. Und das Warten gehört bekanntlich zu unseren Schweizer Lieblingstätigkeiten, in beiden Ausprägungen (vgl. Blogwiese). In der langsamen und in der schnellen Art: „Wart’ schnell!“. Nun ich werde extrem schnell warten, und wenn es sein muss, auch zuwarten. Könnte bis dahin nicht mal jemand mit einem Bier aufwarten?

    Beim Forfait reut es uns das Reugeld

    März 11th, 2009

    (reload 9.4.06)

  • Gimmi five, gimmi four, gimmi Forfait
  • Wir lasen im Tages-Anzeiger, dem Fachblatt für Wettrennen und Vertragsstrafen, am 25.03.06 auf Seite 12 die traurige Mitteilung:

    „René Rindlisbacher muss für die neue Fernsehserie „Der Match“ auf SF2 Forfait geben. Der Zürcher Komiker hatte am Dienstag nur wenige Stunden vor der Premiere seines neuen Bühnenprogramms einen Kreislaufkollaps erlitten.“

    Forfait geben
    Wir wünschen René Rindlisbacher an dieser Stelle natürlich gute Erholung vom Stress. Wir schätzen ihn sehr als begnadeten Situationskomiker bei der Schweizer Fassung von „Genial Daneben“ und als ehemaligen Moderator von „Wer wird Millionär“ Schweiz, auch wenn es mit der Gnade in letzter Zeit in der Sendung von Frank Baumann nicht mehr ganz so glänzend bestellt gewesen sein sollte. Kann ja wieder kommen, die Gnade, nicht die Sendung, denn die kommt auf jeden Fall gnadenlos jeden Dienstag um 20.00 Uhr im Schweizer Fernsehen. Halt! Es gab doch ein bisschen Gnade in dieser Sache, denn die Sendung wurde auf Sonntags 22:55 Uhr verlegt. Ausserdem wurde das Preisgeld für nicht gelöste Fragen um 100% erhöht, so sage und schreibe 100 Franken auf 200 Franken. Lösen die eigentlich mittlerweile auch mal eine Frage?

  • Geht es um den Match?
  • Jedenfalls verdanken wir dieser kurzen Notiz im Tages-Anzeiger eine neue Wortentdeckung. Nein, nicht „der Match“, das ist uns nix Neues. Denn Match haben wir vor der Haustür bei diesem fiesen Regenwetter jeden Tag, wenn wir auf den Parkplatz gehen, oder mit dem Hund aufs Feld. Wir kriegen ihn kaum wieder von den Schuhe, so fies klebt der an den Sohlen. Wahrscheinlich sollte es bei dieser neuen Fernsehserie auf SF2 um Schlammschlachten mit Match handeln, so genannten „mud-wrestling“ oder einem zünftigen „jawing match“. Nicht unser Stil, wir gucken lieber Talkshows.

  • Was heisst „forfait geben“?
  • Entdeckt haben wir das Wörtchen „forfait geben“. Wir kennen „gimmi five“, vielleicht gibt es ja auch „give me four“, „give me forfait?“
    Unser Duden belehrt uns wie immer eines Besseren:

    Forfait, das; -s, -s [frz. forfait = Reugeld (2),

    Was ist denn Reugeld? Klingt wie eine Hundekrankheit, die Räude, aber die schreibt sich ja mit „äu“. Es handelt sich hier bestimmt wieder um eine Übersetzung von 1871 von Campe und Co:

    Reugeld, das:
    1. (Rechtsspr., Wirtsch.) Geldsumme, die vereinbarungsgemäß beim Rücktritt von einem Vertrag zu zahlen ist.
    2. (Rennsport) Geldbuße, die der Eigentümer zu zahlen hat, wenn er sein zu einem Rennen gemeldetes Pferd nicht teilnehmen lässt.

    Der Duden weiss aber auch, was „Forfait“ besonderes in der Schweiz bedeutet:

    Forfeit] (schweiz., bes. Sport):
    Zurückziehung einer Meldung bes. für einen Sportwettbewerb; Absage: (…)

    Forfait geben (seine Teilnahme absagen; seine Meldung zurückziehen)
    :
    Die Rückenschwimmerin … musste schon auf die WM verzichten, ihre Schulterprobleme zwangen sie, auch für die nationalen Titelkämpfe Forfait zu geben (NZZ 29. 8. 86, 44).

    Da haben wir es! Hier wird überhaupt nichts gegeben, hier wird einfach nur die Teilnahme abgesagt, und zwar in eleganter französischer Form. Da sage noch mal einer, dass Englisch die Sprache des Sports in der Schweiz sei. Nach der Barrage, in der gespielt wird, und der „Blamage“, die nie eintreten wird, nun das „Forfait“, von dem wir nicht mal die deutsche Version „Reugeld“ wirklich kannten.

  • Wer verwendet denn das?
  • Ob das viele sagen in der Schweiz? Na, aber locker 1’640 Fundstellen bei Google-CH. Und in Deutschland? Immerhin noch 168 Funde, was ja nicht sooo schlecht ist. Doch es stellt sich raus, dass es fast alles Schweizer Websiten sind, die nur in Deutschland gehostet werden.

    Dafür ist der Begriff „Reugeld“ in Deutschland 3’060 Mal belegbar. Wir lesen vielleicht einfach nicht intensiv genug den Sportteil bzw. die juristischen Fachblätter, die sich mit 353 BGB „Rücktritt gegen Reugeld“ befassen. Da reut es uns dann das Geld, die zu kaufen.

    In der Tagi-Meldung vom 25.03.06 heisst es weiter:

    Zurzeit werde eifrig nach einem Ersatz für Rindlisbacher gesucht, allfällige Kandidaten werden aber keine genannt. Am 9. April werden 18 prominente Schweizer in ein Fussballcamp einrücken und unter Trainer Gilbert Gress den Alltag von Profifussballern leben.

  • Und was heisst „allfällig“?
  • Also nur kein Stress unter Trainer Gress. Ob „allfällig“ bedeutet, dass die häufiger mal hinfallen oder bald alle zu den Gefallenen (in welchem Krieg?) zählen, wissen wir nicht. Das Wörtchen gehörte bisher nicht zu unserem Wortschatz. Aber auch hier hilft uns der Duden:

    allfällig [auch: ] (bes. österr., schweiz.):
    etwa[ig]; allenfalls, gegebenenfalls [vorkommend], eventuell:

    Das soll uns doch allfällig mal nützlich sein, wenn die Zeit fällig ist!