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Ist denn Deutsch ein Edelstein?

  • Der Französische Akzent ist süss
  • Die Deutschen empfinden den französischen Akzent als „süss“. Harald Schmidt begriff dies schnell, als er die Französin Nathalie Licard zum festen Bestandteil seiner Show machte:

    Nathalie. Die FAZ sah Nathalie Licard, die sympathische Französin mit dem landestypischen Akzent, schon als Stationsansagerin („Nächst ‚altestelle ‚auptbahn’of“) in irgendeiner U-Bahn versauern. Doch sie kehrt aus einer nur minimal verlängerten Kreativpause zurück und ist seit der Sendung am 19. Januar 2005 wieder regelmäßig im Einsatz.
    (Quelle: wdr.de)

  • Der Deutsche Akzent ist niemals süss
  • Die Franzosen hingegen pflegen den typisch Deutschen Akzent dadurch nachzuahmen, dass sie alle stimmlosen Konsonanten stimmhaft aussprechen, und alle stimmhaften hingegen stimmlos: Aus „bourg“ wird „pourg“ aus „les gens“ wird „les schooon“. Das Problem mit den stimmlosen und stimmhaften Konsonanten haben im Französischen in Wirklichkeit nicht alle Deutschen, sondern vor allem Schwaben, Badener (die sich selbst nicht Badenser nennen) und andere Alemannisch Sprechende, also auch die Deutschschweizer.

  • Deutsch ist hart und geschliffen
  • Und Deutsch? Wie ist kann deutsche Aussprache charakterisiert werden? Immer „geschliffen“, wie ein Edelstein. Ein Rohdiamant muss erst geschliffen werden, damit sein Form zur Geltung kommt. Offensichtlich gilt das auch für die Deutsche Sprache. Sie ist hart genug, um sie zu schleifen wie einen Diamanten
    Google findet 30 Belege.
    Und unser Duden erklärt uns:

    ge|schli.f|fen [2: eigtl. = abgeschliffen, geglättet]:
    1. 1 schleifen.
    2. (Adj.)
    a) vollendet, tadellos in Bezug auf die äußere Form, überzeugend kultiviert wirkend:
    Seine Sätze tragen etwas von geschliffenen Aphorismen an sich (Niekisch, Leben 187); Ein intelligenter Film mit subtilen, geschliffenen Dialogen (Nordschweiz 29. 3. 85) durch unermüdliches Engagement und dynamisches Auftreten, gepaart mit geschliffener Intelligenz (Caravan 1, 1980, 5);
    b) (in der Formulierung) scharf:
    sie hat eine geschliffene Zunge.
    (Quelle: duden.de)

    Dabei gibt es in Deutschland kaum jemanden, der einen „elaborierten Code“ freiwillig sprechen würde, es sei denn er will beim Theater Karriere machen. Wir Deutsche erkennen bei einer Diskussion auf Hochdeutsch den Schweizer immer daran, dass er „hyperkorrekt“ spricht, keine Laute verschleift, keine Endungen auslässt. Deutsche hingegen sprechen gern den „restringierter Code“:

    Der restringierte Code ist üblicherweise die Sprache bildungsferner Gesellschaftgruppen. Hier einige Beispiele:
    • Watt kuckse?
    • Sach mich dat nochma!
    • Aufe Fresse?
    • Gehma am Telefon, ey
    • Ey Olle, wie is? Muss! Und selbst?

    Merkmale für den restringierten Code:
    • kurze, grammatikalisch einfache, häufig unvollständige Sätze
    • begrenzte Anzahl von Adjektiven und Adverbien
    • Verwendung von Sprichwörtern
    • unpersönliche Sprechweise
    (Quelle Wiki)

    Besonders die Verwendung von Sprichwörtern ist für Nicht-Muttersprachler extrem schwierig zu lernen. Passiv werden sie beherrscht, aber aktiv wird dann leicht „Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum“ draus. Fehler, die auch einem Deutschen Muttersprachler leicht unterlaufen können:

    „Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht“
    Diese Redensart ist eine Verballhornung, gebildet aus mehreren anderen:
    Das schlägt dem Fass den Boden aus
    das setzt dem Ganzen die Krone auf
    das ist ein Schlag ins Gesicht
    Gemeint ist einerseits, dass der Böttcher die Fassreifen zu stark aufschlägt und so der Fassboden herausspringt. Andererseits wurde früher Weinverkäufern, die schlechten Wein angeboten hatten, die Böden ihrer Fässer zerschlagen, damit sie ihre Ware wirklich niemandem mehr anbieten konnten.
    (Quelle: detlev-mahnert.de)

    Doch zurück zum „deutschen Edelstein“. Wir finden, dass der Ausdruck „geschliffenes Deutsch“ sprechen, also sehr klar und ohne jeglichen Akzent zu sprechen, ohne Verschleifung, ohne einen hörbaren Fehler, nur Wunschdenken ist und in der Realität kaum existiert. Auch die viel zitierten Niedersachsen aus Hannover, die so perfekt „Hochdeutsch“ sprechen sollen, obwohl sie im „Nieder“-Deutschen Gebiet leben, sind an ihrer Aussprache erkennbar. Zitieren wir zur Abwechslung mal aus der Alemannischen Wikipedia:

    Die eigentlich Sproch in Niedersaxe isch aber nit Hochdytsch, sundern Platt. Es isch au nit so, dass Hochdytsch de Dialekt vu Hannover sei, sundern d’Hannoveraner chönne ihre aigene Dalekt fascht nimmi. Es git au plattdytschi Wikipedia, wo derzitt größer wie die Alemannisch isch. Plattdytsch giltet under Germaniste als eigeständige germanischi Sproch un numme nit als (ober)dytscher Dialekt.
    (Quelle Wikipedia)

    Also auch hier Fehlanzeige, was „geschliffenes Hochdeutsch“ angeht. Wer sich als Schweizer mit seinem Deutsch verbessern will, tut gut daran, ein bisschen auch den „restringierten Code“ zu üben, was wirklich nicht schwer ist, wenn man Deutsches Fernsehen „guckt“ (auch das ist offiziell kein Wort, das man schreiben darf) und nicht „schaut“. Nur leider wurde es den Schweizern ja schon in der Schule antrainiert, dass sie Schriftdeutsch langsam, korrekt und genau auszusprechen haben. Darum jetzt zum Schluss einen typischen Satz aus dem Ruhrgebiet zum Üben für alle:

    „Datte mich dat nich gleich alle Leute verklickern tus, wat ich dir da gesacht habe,wa!“ (Phipu, einmal übersetzen ins Bärndütsche bitte!)

    

    15 Responses to “Ist denn Deutsch ein Edelstein?”

    1. Pio Says:

      Hallo,

      ich bin aus dem Kanton Luzern, doch habe keinen ‚reinen‘ Dialekt mehr. Hier also mein Versuch:

      Das mer das wo’n ech Der do grad gseit ha, ned grad a alli Lüüt verzellsch, gäll.

      Der oben aufgeführte „restringierte Code“ erinnert mich aber stark an Kanaksprach, was vielleicht daran liegt, dass nur wenig Beispiele gegeben wurden..

      Gruss,

      Pio

    2. geissenpeter Says:

      Gäu, gooschs de ned graud aune go of d Nase benge was dr etz verzeut ha, he!

    3. doofi Says:

      die überschrift kapier ich nicht. Ist das ein restringierter code? warum klingen deine beispiel für den restringierten code eigentlich so als ob ich den pott-dialekt nachmachen würde? und nennen sie badener wirklich selbst badenser? das ist doch sicher wieder eine miese provokation. also du hast ja in freiburg gelebt und solltest es wissen. oder auch nicht.

    4. Dan Says:

      Auf Russisch heisst das (glaube ich): Je kürzer die Zunge, desto heiler die Zähne.

    5. R.B. Says:

      Hallo Jens,

      wie lange hast Du eigentlich im Musterländle gelebt? Badener nennen sich keinesfalls „Badenser“. So werden Sie vorzugsweise von Schwaben genannt. Die Badener mögen diese Bezeichnung gar nicht, da sie als abfällig aufgefasst wird.

    6. Frank Says:

      Wir Badener nennen uns NICHT Badenser!!!!!! Das tun die Schwaben, und zwar als Beleidigung!!!!

    7. Peter Says:

      Muß das nicht „Ist denn Deutsch …“ heißen?
      Gruß Peter

    8. Nicht phipu aber trotzdem Berner Says:

      «Unger üs xeit.»

    9. Administrator Says:

      @Peter
      Danke für den Hinweis, alles habe gesehen und gelesen, nur den fetten Fehler in der Überschrift nicht, denn die ist so weit oben, da gucke ich nie hin.

      Stichwort Badenser und Badener:
      Ich habe 3 Stunden das Internet abgegrast, wie es denn nun richtig heisst, und stiess nur immer wieder auf diese Erklärung: „Nur die Leute in Baden selbst dürfen sich ‚Badenser‘ nennen, alle anderen sollen ‚Badener‘ sagen. Offensichtlich sind sich da Schwaben und Leute aus Baden nicht immer ganz einig. Gern lasse ich mich belehren, aber noch lieber hätte ich mal eine wirklich aussagekräftige Quelle genannt, die diese schwierige Frage eindeutig und richtig klärt.

    10. Frank Says:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Badenser

    11. Divico Says:

      Der Zahn der Zeit wird auch über diese Wunde Gras wachsen lassen…

    12. HalbCH/HalbD Says:

      So viel ich weiss, finden die Franzosen Deutsch gar nicht so schlîmm, weil es gut artikuliert wird, wurde mir jedenfalls so erzählt.

    13. Beverly Says:

      Leider weiss ich sonst nicht, wie die Ankündigung eines Stockes anzukündigen. Deshalb tu‘ ich das jetzt unpassenderweise in einem Kommentar, der inhaltlich unschuldig ist und so gar nix mit der deutschen Verfassung zu tun hat.
      Kein Bezug – aber ein Stöckchen – Eben, ich sagte es bereits.
      Nachdem ich eine ungefragte Einladung erhielt – kommt jetzt dieses Stöckchen hierher geflogen. Staatsbürgerliche Pflichten sind aufgerufen, sich Ehr zu verschaffen. Ich hoffe, dass ist keine allzu abwegige Aufforderung. Grosse Namen wie Sandra-Li und Peter der Pan haben den Reigen eröffnet und suchen nach gescheiten Antworten auf staatsbürgerliche Fragen. Und weil hier einer derer ist, die sich im Besitze dieses roten Passes befinden, wurdest du ausgewähtl. Viel Spass! *gg* – Die Vorgeschichte bei mir – Bevely – und davor bei Sandra und davor bei Peter Pan.

    14. Phipu Says:

      Zu:
      „Datte mich dat nich gleich alle Leute verklickern tus, wat ich dir da gesacht habe,wa!“ (Phipu, einmal übersetzen ins Bärndütsche bitte!)

      restringiert: „We das umeschnurisch, bolet’s!“
      elaboriert: „I wär der sehr verbunge, we mini Üsserige mit der nötige Diskretion würsch behandle“
      wörtlich: „Das mer de das nid ged aune Lüt umebietisch, was i der hie gseit ha, gäu!“

      Sorry, Jens, ich habe die Hausaufgaben falsch gemacht, und es „dreimal“ übersetzt. Allerdings weiss ich unterdessen, dass nicht jedes „Einmal…“ mathematisch ernst genommen werden muss: http://heidiswelt.blogspot.com/2005/12/dreimal-zweimal-nein-einmal.html

    15. Thinkabout Says:

      Ich amüsiere (amusiere?) mich köstlich! Da heisst es doch immer, wir Schweizer wären so pingelig. Und dann diskutieren hier die (Nicht-)Baden(s)er und andere Grosskantönler wie die Verrückten. Und Reklamieren das Obergenaue. Ich find’s (oder schreibt man jetzt schon finds?) schöööön. Genau zu sein, kann auch Liebe ausdrücken. Und Achtsamkeit zu Tradition und Herkunft. Eine Art Fürsorge eben für das Überlieferte.

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