Rückblick Sendung Zischtigs CLUB vom 06.02.07

Februar 7th, 2007

Die Sendung CLUB vom 06.02.07 22:20 Uhr ist jetzt abrufbar als Real-Stream.

  • Beim Schweizer Fernsehen ist es sehr nett
  • Wir wurden prima empfangen, toll bewirtet, sehr freundlich betreut. Schon bei meinem letzten Besuch bei QUER fiel mir das auf: Es geht einfach sehr sehr persönlich zu beim Schweizer Fernsehen. Die Menschen duzen sich, auch ein Stefan Klapproth wird von der Maskenbilderin beim Vornamen genannt, alles wie bei einer grossen Familie. Der Aufnahmeleiter war ein alter Bekannter, jeder kennt jeden, alles ist überschaubar.

  • Ist das Herr Mörgeli?
  • Der schüchterne freundlich lächelnde Mann, der mit dem Deutschen Botschafter von Stechow zur Sendung kam, war dann doch nicht Herr Mörgeli, wie ich zunächst vermutet hatte, sondern der Fahrer des Botschafters. Ohne Name, aber Berner. Er schaute dann mit meiner Frau zusammen die Aufzeichnung via Monitor an.

  • Warum gibt es kein Bild von Michèle Roten
  • Besonders gespannt war ich auf Michèle Roten, die Frau, von der jeder liest aber die niemand je gesehen hat. Es gibt eine Konserve einer QUER Sendung vom 29.04.05, irgendwo im Archiv von SF, wo sie auf der Strasse fremde Männer anspricht, ob sie mit ihr schlafen wollen. So eine „versteckte Kamera“ Test, bei der natürlich 99% aller gefragten Männer „JA“ sagten.
    Michèle Roten bei QUER

    Doch dieser Clip ist nicht mehr abrufbar. „Une Fille du Limmatquai“ schreibt darüber, dass sich alle googelnden Menschen auf der Suche nach einem Foto von Michèle Roten auf ihren Blog verirren.
    Wir gönnen der armen Michèle ein bisschen ihre „Anonymität“, auch wenn die nach der heutigen CLUB Sendung nicht mehr lange fortbesteht. Leider kam sie wenig zu Wort, hatte dafür das grosse Schlusswort. Sie versicherte mir nach der Sendung, dass sie trotz allem ein grosser Fan von Berlin, von Deutschland etc. ist und es ganz klasse findet, wenn so viele Deutsche nach Zürich kommen. Eindeutig „germanophil“, das ging ein bisschen unter im CLUB, dass es diese Schweizer Deutschlandfans eben auch gibt.

  • Katharina von Bock ist die Amerikanerin aus Grounding
  • Da wir nicht regelmässigen Lüthi & Blanc ansehen, sagte mir der Name erst wenig. Bis ich dann irgendwann begriff, dass sie die Amerikanerin Jacqualyn Fouse im Film Grounding spielte. Nach der Sendung unterhielten wir uns lange über die Anforderung, eine Rolle in einem fremden Dialekt oder mit einem fremden Akzent zu spielen. Einerseits gehört das nicht zur normalen Schauspielausbildung, anderseits ist alles lernbar. Doch kein Amerikaner oder Engländer würde je behaupten, es sei unmöglich für einen Deutschen, seine Sprache gut in einer Rolle zu verkörpern. Das alte Klischee „Deutsche können ja nie Schweizerdeutsch lernen“ erlebte sie auch. Wir fanden die Jacqualyn Fouse absolut glaubhaft verkörpert und werden in Zukunft bestimmt auch Lüthi & Blanc schauen.

  • Adolf Muschg kann viel erzählen, vor allem Historisches
  • Und das drohte in der Mitte der Sendung ein bisschen Überhand zu nehmen, aber Christine Meier hat es dann souverän im Griff gehabt. Ich fand seine Entgegnung, was die Schweizer als arrogant empfinden, sehr spannend und werde bestimmt später noch drüber schreiben. Als Gottfried Keller Kenner klärte er mich darüber auf, dass das berühmte „i“ in den „Zür-i-cher Novellen“ von Keller durch den Berliner Verleger dort hinein kam. Keller hatte gleichfalls kein Problem damit, ausserhalb der Schweiz „züricher“ zu schreiben und innerhalb der Schweiz „zürcher“.

  • Und Herr Mörgeli?
  • Alles halb so schlimm. Er kam nicht richtig zum Zug. Bis auf das kleine Geplänkel mit dem Deutschen Botschafter über dessen Aussage zur Kohäsionsmilliarde. Es hat ihn die Aussage „ich muss nicht Schweizer werden, ich bin schon wer“ im DOK-Film von Pino Aschwanden offensichtlich auch amüsiert. Bei welchen offenen Stellen in den Spitälern oder Universitäten es genug Schweizer Bewerber gibt, die von Deutschen Konkurrenz bekommen, konnte er mir auch auf mehrmaligen Nachfragen nicht erklären. Er liess manche „typisch deutschen“ Zitate vom Stapel, die man allenfalls in Hamburg oder Berlin zu hören bekommt. Ich fragte ihn nach der Sendung, wie oft er denn in Deutschland unterwegs ist und wirklich mit Deutschen zu tun hat. So ganz überzeugt hat mich seine Antwort nicht.

    Am spannendsten fand ich die Diskussion bei der Frage „Was ist ein Gast?“. Ich sehe diesen Titel langsam als Einschüchterung an. „Du bist Gast hier, also sei still. Gäste haben nichts zu kritisieren“. Dazu wurde es dann recht lebhaft. Alles in allem hat es sehr viel Spass gemacht diese verschiedenen Menschen kennenzulernen und sich mit diesen Positionen auseinanderzusetzen. Ich hoffe das kam bei der Sendung auch irgendwie rüber.

  • Was fehlte? Das Thema Fussball!
  • Darüber wurde merkwürdiger Weise in der Sendung fast kein Wort verloren. Zufällig hatte ich am gleichen Tag erfahren, dass heute die Schweiz in einem Freundschaftsspiel auf die Deutsche Mannschaft trifft. Ich wurde von Radio 24 befragt, wie ich denn dazu stehe. Ehrlich gesagt, ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass Spiel überhaupt anzusehen. Es ist ein Freundschaftspiel, sicher interessant zu beobachten, wieviel Elan nach wie vor in der Schweizer und in der Deutschen Mannschaft steckt. Aber es geht nicht um die Welt, und so lange keine Katastrophe passiert (z. B. eine Mannschaft von der anderen 8:1 vorgeführt wird) sollten wir dies Angelegenheit nüchtern sportlich betrachten. Die Schweizer sind im WM-Turnier unglaublich über sich hinausgewachsen, das Deutsche Team ebenfalls. Jetzt kann jeder in friedlicher Atmosphäre beobachten, was von diesen Teams noch übrig ist. Ich freue mich drauf!

    Baut Zugbrücken und sperrt die Rheinbrücken — Neue Ideen im Flughafenstreit

    Februar 6th, 2007
  • Alte Ideen werden endlich aufgeriffen
  • Am 2. August 2006 forderten wir auf der Blogwiese: Stoppt die Deutschen aus dem Norden! Baut wieder Zugbrücken!

    Nun hat uns die Realität eingeholt. Unsere damaligen Forderungen sind hoffähig geworden. Der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber wandte sich in ganzseitigen Inseraten in grossen süddeutschen Zeitungen an die Deutschen und brachte eine ganze Reihe von Argumenten zum Fluglärmstreit auf den Tisch. Ausserdem einige kreative Vorschläge zur Frage, welche „Gegenmassnahmen“ möglich seien:

    „Ich höre wöchentlich Leute“, schreibt er, „die immer drängender fordern, man müsse doch endlich Gegenmassnahmen ergreifen.“ Und erwähnt als Beispiel, man könnte doch die Rheinbrücken aus Lärmschutzgründen in denselben Stunden sperren, in denen die Nordanflüge untersagt sind. (…) man müsse Angestellten aus dem Schwarzwald am Flughafen kündigen. Oder man solle die Gäste aus dem Schwarzwald, die vom Flughafen Zürich abfliegen oder dort ankommen, „diskriminieren oder gar aussperren“.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 05.02.07)

  • Neue Ideen braucht das Land!
  • Endlich kommt Bewegung in die Sache! Endlich passiert wirklich etwas. Aber leider noch nicht genug! Gehen wir mal die sonstigen Hauptargumente Ledergerbers im Brief durch und schauen wir, was da noch hinsichtlich optimaler Wirkung rauszuholen ist:

    Auf dem Flughafen arbeiten 1‘000 Deutsche, 600 aus dem Südschwarzwald.

    Hier empfehlen wir den sofortigen Entzug der Arbeitsbewilligung. Es muss nicht jeder McDonalds von 8:00 bis 22:00 Uhr bedient sein, auch die Parfümerien und anderen Geschäfte in der Shopping Zone des Airports könnten eine frühere Schliessung gut vertragen. Und womöglich nehmen diese Deutschen beim Sicherheitsdienst oder beim Check-In eine wichtige Funktion ein? Endlich lohnt sich wieder das Warten am Flughafenschalter, denn nun werden wir ausschliesslich von Nicht-Deutschen bedient, am besten aus der Innerschweiz, und alles wird gut. Auch beim Einbehalten der 1‘000 Mal Quellsteuer durch das Klotener Finanzamt wäre dann weniger Aufwand von Nöten.

    8 Prozent aller Passagiere in Kloten (1.5 Millionen Personen) sind Deutsche, knapp ein Viertel aller Flüge verbinden Zürich mit deutschen Flughäfen.

    Ja braucht es denn überhaupt irgendwelche Verbindungen nach Deutschland? Wenn diese 1.5 Millionen Passagiere ausgesperrt würden, dann hätten wir doch automatisch eine Verminderung von Fluglärm um 8 Prozent! 1.5 Millionen weniger Personen machen auch weniger Schmutz, bezahlen weniger Flughafengebühr, machen weniger Arbeit etc. etc. Warum sind wir darauf nicht schon früher gekommen?

    Täglich fahren weit über 30 000 Menschen aus dem Südschwarzwald zur Arbeit in die Schweiz.

    Wenn wir das endlich abstellen könnten, dann ginge es doch allen viel besser. Die Innerschweizer-Migration bekäme neue Impulse, der Konkurrenzdruck unter Job-Anbietern würde die Gehälter für die Arbeitnehmer nach oben treiben, die Gewerkschaften hätten auch etwas davon und und.

    Jeden Werktag überqueren mehr als 3‘000 deutsche Lastwagen die Grenze zur Schweiz. Die Lärmbelästigung eines solchen Lastwagens ist deutlich höher als diejenige eines Landeanflugs über Hohentengen.

    Die Frage ist nur, was wollen die Lastwagen hier eigentlich. Spazierenfahren? Einen Ausflug zum Vierwaldstätter See mit dem 7.5 Tonner unternehmen? Nein, sie bringen und holen Ware, Import- und Exportgüter der Schweizer und Deutschen.

  • Warum nicht wieder per Floss oder Kahn?
  • Wenn das auf der Strasse nicht geht oder zu viel Krach macht, empfehlen wir die Wiederbelebung der Flösserei auf dem Rhein. Vielleicht wird dann endlich auch eine Schleuse am Rheinfall gebaut, um von Holland bis zum Altrhein wieder Lasten auf Stocherkähnen flussaufwärts und über den Bodensee transportieren zu können.
    Pontonniere lösen das Transportprobleme
    (Quelle Foto: aarburg.ch)

    Garantiert ohne Lärm und Abgase! Damit haben die gut ausgebildeten Schweizer Pontonniere wieder eine sinnvolle Aufgabe in Friedenszeiten und das Transportgewerbe auf allen Seen und Flüssen würde florieren.
    Flösse sind leise
    (Quelle Foto: naturparkschwarzwald.de)

    100‘000 Übernachtungen von Schweizer Touristen pro Jahr verzeichnen allein die Landkreise von Waldshut und Konstanz. Viele Schweizer kaufen zudem im Südschwarzwald ein.

  • Steigert die Binnennachfrage
  • Es wird Zeit, dass das verboten wird. Auch im Mittelland und im Zürcher Unterland gibt es hübsche Ziele für Schweizer Touristen, was wollen die denn in Deutschland? Und dass der Einkaufstourismus zur Belebung der Binnennachfrage radikal unterbunden werden sollte, darüber sind wir uns schon lange einig. Kauft vermehrt die hohe Schweizer Qualität, übernachtet im Inland!

    Gemeinsames Duschen spart Wasser und fördert die Verständigung — Neue Deutsch-Schweizer Missverständnisse

    Februar 5th, 2007
  • Ein erotisches Angebot?
  • Wer frisch aus Deutschland in die Schweiz gezogen ist, erlebt mitunter eine Reihe von missverständlichen Situationen. Dass nicht alle Schweizer ständig zur Post eilen, wenn sie „go poschte“ wollen, haben uns etliche erstaunte Deutsche erzählt. Und beim „Ledele“ wird auch nicht die Lederkluft für den nächsten Besuch im Sadomaso-Swingerclub zusammengekauft, sondern Läden systematisch unsicher gemacht („go lädele1‘070 Fundstellen bei Google-CH)

  • Willst Du mit mir duschen?
  • Willst Du mit mir Duschen?
    (Quelle Foto: valblu.at)

    Aber nicht immer sind die Missverständnisse so harmlos und so leicht aus der Welt zu schaffen wie beim „poschte“ und „lädele“. So schrieb uns ein Deutscher:

    Einmal erhielt ich ein Angebot, was mir wirklich schwer fiel, abzulehnen. Ich erzählte einer Kollegin (also einer guten Bekannten – nicht etwa einer Arbeitskollegin) von meinen komfortablen Arbeitszeitenregelungen und Freiheitsgraden als Assistent an unserem Lehrstuhl. Sie war sichtlich beeindruckt und sagte „Mit Dir wett i au gärn emal duusche„. Ich war ob des sehr spontanen Wechsels der Thematik und des recht unverfrorenen und überraschend direkten Angebots recht verdutzt. Wohl ahnend, dass ich möglicherweise etwas falsch verstanden haben könnte, merkte ich an, dass meine Dusche leider sehr klein sei und kaum zwei Personen darin Platz finden würden. Das sich anschließende Schweigen dauerte sicherlich 15 Sekunden, bevor sich endlich ein Lächeln auf dem Gesicht meines Gegenübers abzeichnete und ich einen freundschaftlichen Knuff gegen die Schulter erhielt.
    (Quelle: private E-Mail)

    Was war passiert? Wie konnte es zu dieser peinlichen Situation kommen? War die freundliche Arbeitskollegin wirklich nicht auf gemeinsames Wassersparen aus? Nein, der Grund des Missverständnisse versteckt sich in den stimmhaften und stimmlosen Konsonanten „d“ und „t“. Eine Reihe von Varianten im alemannischen Sprach setzen ein stimmhaftes „d“ dort ein, wo im Standarddeutschen ein stimmloses „t“ üblich ist. Unser Spezialist für Schweizerdeutsch erklärte es so:

    Wenn also die einheimische Krankenschwester (oder wie das auch heute heissen mag) ihren deutschen Kollegen Krankenpfleger anfragt, „chan i am Sunndi mit dir dusche?“ wird er sich vermutlich vergebens freuen, falls er überhaupt an solchen Avancen interessiert wäre. Wenn er ja sagt, heisst das dann nur, dass sie ganz glücklich aufs Personalbüro geht, die Monatseinteilung holt, und auf diesem Dienstplan den „Früehdienst“ mit dem „Spohtdienst“ abTAUSCHT.

  • Seien sie jetzt nicht enttäuscht, wenn niemand mit Ihnen duscht
  • „Duschen“ und „tauschen“ verschmelzen also in der Schweiz leicht zu einem Lautbild, und das kann ganz schön Irritationen auslösen. Wir fragen uns dann spontan, wie man dann eigentlich in der Schweiz die „Duschen tauschen“ kann, ohne das daraus eine „geduschte Dusche“ wird.

    Das Vertauschen von stimmlosen und stimmhaften Lauten ist typisches Kennzeichen im Alemannischen. Die Radio-Comix-Serie „Lafer kocht fast ein Gericht“ auf dem südbadischen Sender SWR3 basiert nur auf diesem Gag:
    Aus „Torte“ wird dort „Dorde“ und aus eine „Dennisdraumhochzeid“ ist eine „Tennis-Traumhochzeit“. Der echte Star-Koch Johann Lafer stammt aus Graz in Österreich ist regelmässiger Gast in der Kochsendung von Johannes B. Kerner. Graz liegt in der Steiermark und gehört definitiv nicht mehr zum alemannischen Sprachraum. Aber vielleicht lebt Herr Lafer einfach schon zu lange in der Pfalz, in Guldental.
    Gesamtalemannischer Sprachraum
    Der Alemannische Sprachraum
    (Quelle Foto: Wikipedia)

    Einladung zum Zischtig-Club — Blogwiese live on SF1

    Februar 4th, 2007
  • Einladung zum Zischtig-Club
  • Am Dienstag, da gehen die Schweizer und sonstigen Südalemannen gern mal einen zischen, nach der Arbeit bzw. dem „Geschäft“. Drum bekam dieser Tag einen speziellen Namen und wird hierzulande gern „Zisch-Tag“ = Zischtig genannt. Später dann um 22:20 Uhr guckt man dann daheim zu, wie Christine Meier mit Gästen im CLUB auf SF1 diskutiert.
    Fragt man auf der Suchseite des Schweizer Fernsehens jedoch noch „zischtig“, so fragt die Suchmaschine irritiert zurück: „Meinten Sie ‚wichtig‘?
    Zischtig ist wichtig

  • Willkommen im Club!
  • Am kommenden Dienstag, den 06.02.07 um 22:20 diskutiert Christine Meier über das Thema:

    Die Deutschen und wir – was uns trennt, was uns verbindet
    Unter der Leitung von Christine Maier diskutieren:
    – Andreas von Stechow, deutscher Botschafter in der Schweiz
    – Katharina von Bock, Schauspielerin, u.a. Lüthi&Blanc, Grounding
    – Adolf Muschg, Autor und ehemaliger Präs. Akademie der Künste, Berlin
    – Michèle Roten, Kolumnistin Tages Anzeiger, hat in Berlin studiert
    – Christoph Mörgeli, Nationalrat SVP/ZH
    – Jens Rainer Wiese, IT-Spezialist
    (Quelle: sf.tv)

    Club vom 06.02.07

  • 75 Minuten quasi live
  • Die Sendung wird unter Live-Bedingungen am Spätnachmittag produziert und dann mit einer Zeitverzögerung von wenigen Stunden um 22:20 Uhr ausgestrahlt. Das ist üblich so in der Schweiz, damit die Politiker und die Studio-Techniker nicht bis um Mitternacht arbeiten müssen bzw. die Gäste immer noch bequem mit dem Zug bis in die weitentfernteste Ecke der Schweiz heimfahren können. Von Zürich nach Chiasso ist das mit dem Zug um 20:09 Uhr in 3 Stunden und 49 Minuten machbar. So gesehen ist ein Live-Blogging leider nicht möglich, es sei denn es leiht mir jemand seinen Flux-Generator zum Vorstellen der Echtzeit.

    Spannend wird auch, ob ich bis Dienstag mein vernageltes rechtes Bein so weit wieder fit habe, dass es ohne blau anzlaufen oder sonstigen Ärger zu machen die Sendezeit durchsteht. Wir werden sehen.

    Für alle Menschen ohne Fernseher oder ohne SF1 Empfang wird es sicherlich einige Stunden nach Ausstrahlung den Real-Stream auf dieser Seite geben.

    Besonders freue ich mich darauf, einmal Adolf Muschg kennzulernen, der eine von mir hochgeschätzte Biographie über Gottfried Keller verfasst hat. Das Standardwerk zum Thema von 1977. Aber das wissen Blogwiese Leserinnen und Leser ja schon von dem Artikel über die Aufrichte..

    Werden Deutsche in der Schweiz gemobbt ? — Probleme bei der journalistischen Quellensuche

    Februar 2nd, 2007
  • Woher die bloss die Geschichte von den sechs Pflegekräften kennen?
  • Das Schweizer Nachrichtenmagazin „FACTS“ kam am 01.02.07 mit der Überschrift heraus „Schweizer mobben Deutsche“. Im dazugehörigen Leitartikel lasen wir:

    Zum Beispiel jenes grenznahe Spital, das sein überwiegend deutsches Pflegepersonal per Dienstanweisung angehalten hat, doch bitte «schweizerischer» zu arbeiten. Grund: Die Patienten hatten sich in einer anonymen Umfrage der Spitalleitung über die deutschen Schwestern beklagt – sie seien zu kühl, zu schnell, zu schnoddrig. Sechs Pflegerinnen liessen sich die Vorwürfe nicht gefallen – und kündigten. Offiziell bestätigen will den Fall niemand. Eine Schwester, die dabei war, sagt: «Die Deutschen wurden regelrecht hinausgeekelt.»
    (Quelle: FACTS)

    Hübsch, sehr hübsch! Vor allem die genaue Ortangabe „grenznahes Spital“ gefiel uns gut. Aber irgendwie kam uns dieser Text bekannt vor, denn stand nicht ein paar Tage zuvor in einem Blog:

    In einem solchen Bezirksspital unweit der deutschen Grenze erlebte sie einmal den Unmut unter den Patienten darüber, dass fast ausschliesslich Personal aus Deutschland eingesetzt wurde. Die Pflegeleitung startete dann eine anonyme Umfrage um zu erfahren, was die Patienten an den Deutschen Fachkräften denn störte. Das Ergebnis floss in eine „Dienstanweisung“ ein, die in Zukunft massregeln sollte, wie der Umgang mit den Patienten abzulaufen hat. Ziel war es, vermehrt „schweizerisch“ zu arbeiten, was auch immer damit genau gemeint war.
    • Kollektive Kündigung statt Konsensfindung
    Deutlicher kann sich der Schweizer-Deutsche „Kulturkonflikt“ nicht manifestieren. Die Deutschen Pflegekräfte solidarisierten sich und organisierten Widerstand gegen diese „Zurechtweisung von Oben“. Es kam nicht zum Dialog oder zur Konsensfindung sondern zum grossen Knall. Schliesslich kündigt gleich sechs Deutsche Krankenschwestern auf einmal und verliessen das Spital. Die Schweizerin, die mir das erzählte, wurde von ihrer Pflegedienstleitung dazu verdonnert, über diese Geschichte nicht in der Öffentlichkeit zu reden.
    (Quelle: Blogwiese 25.01.07 )

    Wir finden es ja sehr nett und fühlen uns sehr geehrt, von einem grossen renommierten Nachrichtenmagazin in der Schweiz so als „Ideenlieferant“ verwendet zu werden, aber wäre eine klitzekleiner Quellenverweis oder Link-Tip auf die Blogwiese nicht angebracht gewesen?

    Meine Quelle lernte ich im Spital in Zürich kennen, es wurde kein Wort über den Ort des Geschehens und den Zeitpunkt der „Patientenbefragung“ verraten. Doch der FACT-Journalist hatte zumindest etwas selbst recherchiert. Ganz zufällig sind momentan im Bezirksspital Bülach sechs Stellen für „Pflegefachkräfte“ vakant. Und dass neulich dort sechs Leute zugleich gekündigt haben, wurde auch bestätigt. Wo er nur die zitierte „Schwester“ aufgetan wurde? Ich kenne nur Pflegfachfrauen in der Schweiz.

  • Gibt es Mobbing gegen Deutsche?
  • Der FACTS-Journalist stürzte sich auf diese Geschichte, weil es sonst nicht viel Handfestes zu diesem Thema gibt. Pino Aschwanden wollte ursprünglich einen Film über die Deutschen drehen, die die Schweiz auf Grund ihrer negativen Erfahrungen wieder verlassen haben. Aus dem FACTS-Artikel wissen wir, dass 2005 genau 7298 Deutsche wieder zurück nach Deutschland gingen. Wer von denen einfach sein Praktikum beendet hatte oder richtig frustriert war und deswegen ging, ist aus diesen Zahlen nicht ersichtlich.

    Pino Aschwanden suchte im September 2006 diese „frustrierten Rückkehrer“ unter den Deutschen mit dem Aufruf:

    Wir suchen jemand, der wieder zurückkehrt nach Deutschland. Muss dieser Jemand hartherzig sein? Verbittert? Hasserfüllt? Nein. Nein. Nein.
    Was sein darf ist: Enttäuschung. Die Erfahrung, dass es schwierig war. Dass man unverstanden war.
    Wir wollen keinen, der sauertöpfisch vom Leder zieht. Sondern jemand, dessen Liebe nicht erwidert wurde. Dessen Gefühle gemischt sind. Zartbitter. Sweet&sour. Soll’s ja geben.
    (…)
    Wenn Sie unser Anliegen also in der Art weitergeben können, dass wir nicht den nach Deutschland zurückkehrenden Schweizerhasser suchen, sondern jemand, der zurückkehrt/oder zurückgekehrt ist, weil das Zusammenleben schwierig war – und von seinen Freuden und Leiden souverän erzählen kann, kommt das unserer Absicht sehr entgegen.
    (Quelle: Blogwiese 16.09.06)

    Nun, wir haben das Ergebnis als DOK gesehen. Es wurde ein ganz anderer Film daraus. Die gezeigten Deutschen wollten alle hierbleiben. Das Ehepaar in Kaiseraugst bekam das Bürgerrecht und das Pfarrerehepaar fing hoffnungsvoll ein neues Leben in einer Gemeinde in Speicher, Kanton Appenzell Ausserrhoden, an.

    Die aufgezählten Fälle in FACTS reduzieren sich auf zwei konkrete Namen und Geschichten: Anke F., 27, Einzelhandelskauffrau aus Erfurt und Karsten Ladwig, 38, der schon 1989 in die Schweiz als Verkäufer kam. Beide erlebten Negatives, Anke fühlte sich „verarscht“, aber Karsten Ladwig ging nach einem Jahr zurück nach Berlin, weil es ihm dort besser gefällt und die Kneipen länger geöffnet haben. Einige Tausend Schweizer, die in Berlin leben und dort auch einen Verein haben, sehen das nicht anders.

  • Wo sind die zahlreichen gemobbten Deutschen?
  • Der Rest sind historische Rückblicke auf vergangene deutschfeindliche Zeiten in der Schweiz, eine Menge gut zusammengetragener Fakten (warum dies Zeitung nur so heisst?) in Form von Zahlenmaterial, und nicht näher spezifizierte Verweise auf „Online-Foren“, in denen Deutsche ihren Frust über die Schweiz loswerden.

    Kurzum: Ziemlich aufgebauscht und hochgekocht. Alle Fakten drum herum stimmen, aber was die eigentlich Kernaussage angeht, dass Deutsche in der Schweiz gemobbt werden, wie es der Titel von FACTS suggeriert, dafür sind die beiden abgedruckten Beispielgeschichten ein schwacher Beleg.

    Natürlich gibt es so etwas wie eine „antideutsche Grundstimmung“ in gewissen Kreisen der Schweizer Bevölkerung. Besonders bei denen, die sich plötzlich der Konkurrenz aus Deutschland stellen müssen. Gleichzeitig gibt es „Angst vor Überfremdung“ und vor hochdeutscher sprachlicher Bevormundung. Aber gleichzeitig gibt es diejenigen, die die Deutschen Zuwanderer als einen Pluspunkt für die Schweizer Wirtschaft ansehen, und die auch persönlich keine Berührungsängste zu Deutschen kennen, sondern sie als Teil ihres Alltags und ihres Berufslebens akzeptiert haben. Und auch beim Thema „Fussball“ tut sich was. So schrieb mir der Schweizer Adrian K.:

    Dass wir Schweizer, bei zig Sportlichen Anlässen permanent gegen die Deutschen sind stimmt nicht immer, aber sehr oft. Weshalb weiss ich nicht. Dass ich, als Poldi n Tor erzielte, oder bei Lahms fantastischm Eröffnungstor und Jens prima Paraden„etwas“ jubelte, ist wohl eher die Ausnahme. -Möchte mich nicht als Fan der Deutschen Elf outen 😉 Ich denke, man sollte es nicht allzu eng sehen. Ja, auch Schweizer zollen Deutschen Respekt. Viele bewundern das kämpferische Ensembel. In meinen Kreisen hiess es meist: „bin näbscht dä Schwiiz zwar nöd grad für Dütschland, aber diä günned sicher na, muesch nur luege. Sie werded sich scho durekämpfe!“
    (Quelle: Private E-Mail)

    Persönlich habe ich bereits einige bekennende „Bayern-München-Fans“ bei den Schweizern kennengelernt. Alles halb so schlimm, ist ja nur ein Spiel, oder?