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Allein unter Schweizern — Die „Nein Danke — Ja Gärn“ Allergie

  • Bei jeder Mahlzeit die gleichen Floskeln
  • Unser Kind verbrachte im Sommer eine Ferienwoche mit anderen Schweizer Kindern. Fern von den Eltern auf einem Bauernhof mit vielen Pferden. Vielleicht lag es daran, dass die anderen Schweizer Kindern auf dieser Freizeit alle durchweg wohl erzogen waren, oder nur aus gut situierten Kreisen stammten, jedenfalls spielte sich am Frühstückstisch, beim Mittagessen, Kaffeetrinken oder beim Abendessen (= Zmorge, Zmittag, Vieri, Znacht ) stets die gleiche Szene ab, wie uns unser Kind berichtete.

  • Ja gärn und Nein Dankre
  • Jemand bekommt etwas angeboten oder bittet selbst um eine Sache. Die Antwort war stets und permanent: „Nein Dankre“ (mit deutlich gekrachtem „kr“ am Ende) oder „Ja gärn“ (mit langezogenem „ä“). Dieses andauernde „Ja gärn – Nein Danke“ , ohne jede Variation oder Abweichung, ging unserem Kind bereits nach zwei Tagen so auf den Keks, dass es mit einer „Ja gärn — Nein Dankre“ Allergie nach Hause kam. Und die äussert sich nun so, dass wir, egal was wir fragen, bitten oder fordern, zunächst ein „Ja gärn“ oder ein „Nein Dankre“ zu hören bekommen.

  • Cultur Clash der Höflichkeitsfloskel?
  • Welchen „Cultur clash“ durften wir hier beobachten? Was war der Auslöser für diese Allergie? Sind es wirklich nur zwei harmlose Höflichkeitsfloskeln, die, auf Schweizerdeutsch ausgesprochen, bei einem ansonsten auf Hochdeutsch aufgewachsenem Kind diese Allergie auslösen? Oder ist es der Mangel an Varianz, das Fehlen von „Ja Bitte“ oder „Danke Nein“ zur Abwechslung, welches plötzlich so stark ins Bewusstsein rückte?

  • Alles ist herzig
  • Wir haben bereits an anderer Stelle im Zusammenhang mit dem Wörtchen „herzig“ ausgeführt, dass das Stilmittel der „Varianz“, d. h. immer möglichst unterschiedliche Ausdrücke verwenden um damit nicht langweilig zu werden, sehr viel jünger ist als die Methode, Dinge durch ständige Wiederholung eindrücklich wirken zu lassen. Da Mundarten grundsätzlich eher konservativ sind und alte Gewohnheiten tradieren, liegt der Verdacht nahe, dass auch bei den „Nein Danke — Ja gärn“ Gelegenheiten unbewusst auf jede Variation verzichtet wird.

    Für Schweizer Muttersprachler gehört es zum Alltag und ist es völlig normal, stets die gleichen Floskeln zu verwenden. Uns hochdeutschen Zuzüglern und nur Standardsprache Sprechenden geht das nach einer Weile gehörig auf den Sack, bzw. wir übernehmen diese „Vermeidung von Varianz“ Taktik einfach unterbewusst. Ein Zeichen von sprachlicher Assimilation? Auch für manche Deutsche wird dann jeder kleine Hund „herzig“, jedes gute Essen „fein“ und jedes ausserordentliche Ereignis „mega“. Kann noch jemand ein Beispiel für besonders eindrückliche, sich stets wiederholende Schweizerdeutsche Ausdrucksweise nennen? Ja gärn!

  • Zuviel Varianz kann ebenfalls nerven
  • Das andere stilistische Extrem, die permanente Verwendung von Varianten, gehört übrigens mittlerweile zum Stilmittel der Trivialliteratur und wird häufig für Parodien verwendet. Wenn z. B. die Hauptperson eines Liebesromans in jedem neuen Satz anders bezeichnet wird, als „die Mittdreissigerin“, die „brünette Sekretärin“, etc. Berühmt wurde die Ex-Biologie- und Deutschlehrerin Nina Ruge nicht nur für ihren „Alles wird gut“ Spruch am Ende ihrer Talk-Show „Leute heute“, sondern auch für genau diese sprachliche Macke, den gleichen Sachverhalt in einem Satz drei mal variiert zum Ausdruck zu bringen. Ein Steilvorlage für die Wochenshow und für Anke Engelkes Parodien. Oder für Stefan Raab:

    Besonders gut gefallen uns hier die „Süsswaren, die auch einen ethischem Hintergrund haben“.

    

    36 Responses to “Allein unter Schweizern — Die „Nein Danke — Ja Gärn“ Allergie”

    1. Hafenrabauke Says:

      Unsinn, die Varianz ist im Pott oder hier in Hamburg auch nicht größer.
      Die Schweizer haben nun mal einfach mehr Höflichkeitsfloskeln, das muss man mögen oder nicht. Dort sagt man eben nicht einfach nur Ja oder Nein (wie hier), sondern man sagt „Ja gerne“ oder „Nein danke“.
      Hier heißt es einfach schnöde:“Ja.“ „Nee.“ „Danichfür.“ „Dankeschön.“ Auch nicht gerade abwechslungsreich.
      Vielleicht reagiert deine Tochter ja einfach nur allergisch auf Schweizer Floskeln, weil sie von den anderen Kindern oder den Schweizern allgemein angenervt war.

    2. Brun(o)egg Says:

      Danke mit R? Dankre? Kaum. Die Dialektvariante gibt es nicht. War wohl ein abgewürgtes ch. „Dankche!
      Und gegen Alergien dieser Art gibts Pamir oder Ohropax.

      [Anmerkung: Das „r“ am Ende von „Danke“ war mein hilfloser Versuch, den „ch“ Krachlaut irgendwie zu verschriften, denn die Sonderzeichen für Phonetik sind mir nicht mir ganz geläufig. Geht sicher besser niederzuschreiben. Einfach als Ohropax ist die Methode, einfach wegzudenken, wenn etwas in der Art gesagt wird.]

    3. sylv Says:

      Für mich gehören diese ‚Floskeln‘ zu den guten Manieren und auch meine Kinderlein kriegen nichts ohne ,’Bissoguet‘ mit anschliessendem ‚Merci‘,’ja gärn‘ oder simplem Danke ( wer sagt denn, dass es da keine Variationen gibt:) )
      Hat m.E. nix mit Gutsituiertheit zu tun,dafür aber viiiieeeel mit Anstand,welcher leider heutzutage auch bald ausgestorben ist……….

      Schöne Mändig!!

    4. Tellerrand Says:

      Schön sind auch immer wieder die Dankes- und Verabschiedungsorgien beim Bäcker, mit endlosen „merci vielmal“ und „ade“ und weiss nicht was. Während dahinter die Schlange immer länger wird…

      Ob Kinder wirklich Anstand besitzen, zeigt sich wohl kaum an der Essensausgabe des Jugendlagers. Für mich haben maschinenartig wiederholte Floskeln auch nichts mit guten Manieren zu tun. Sie sind wohl eher das Produkt einer dressurartigen Konditionierung – meine Frau und ich haben dafür eine nette Bezeichnung gefunden: Silo-Kinder.

    5. neuromat Says:

      Floskeln haben nichts mit Manieren zu tun. Süsses Getue allein reicht häufig ncht aus und nervt. Es nervt besonders dann, wenn dahinter dieagressive Gehemmtheit oder pädagogische Ignoranz für jeden spürbar wird. Insofern haben „Süsswaren“ einen ethischen Hintergrund.

    6. solanna Says:

      Ich denke, die Kinder oder Jugendlichen haben je nach Herkunft „Ja gärn/Jo gäärn/Ja gääre“ etc. und „Nei tanke/nai dangge/nei tangge“ etc. gesagt. Alles Andere wäre anstandslos. Das sind DIE beiden stehenden Wendungen für diese Situation der Annahme bzw. der höflichen Ablehnung.

      Was hast denn Du Deine Tochter betreffend höflichen Umgangsformen des Alltags gelehrt?

    7. dampfnudle Says:

      Ich denke, es braucht die üblichen Anstandsausdrücke UND echte Höflichkeitsbezeugungen. Das gegeneinander auszuspielen ist doof. Ja gern und nein danke sind im normalen Alltag nicht maschinenartig wiederholte Floskeln – höchstens für Personen in Situationen, wo sich dies in rascher Abfolge mit ständig neuem Gegenüber wiederholt.

      Wärs denn netter wie kürzlich in einem südlichen EU-Land erlebt, wenn das Verkaufspersonal mit Ablösch-Visage völlig apathisch bedient oder kassiert? Da sollte man sich wohl entschuldigen muss, dass man offenbar durch das Einkaufen ihren Tag versaut?

    8. Phipu Says:

      Da kann ich Sylvie und Solanna nur beipflichten.
      Die Eltern hierzulande in guten Kinderstuben (kommen glücklicherweise in verschiedensten sozialen Schichten vor) hatten nämlich schon seit jeher eine Allergie auf variantenreiche Ausdrucksweise am Esstisch. Wer „ja gärn“ und „nei dankke“ (mögliche Krachschreibversion) durch „mhm, ja, ähä, ou ja!“ bzw. „nä-ä, nei! mgm, sicher nöd!“ und viele andere phantasiestrotzenden Varianten ersetzte, kam immer erzieherische Allergiereaktionen zu spüren. Diese Allergiensymptome haben sich natürlich je nach Zeitalter der erzieherischen Gepflogenheiten weiterentwickelt. Als gewünschten Effekt stellt sich jedoch immer nach einer Weile der Automatismus ein, und man sagt ganz einfach „das Richtige“.

      Wie hier schon kommentiert wurde, sind gelernte Standardsätze nicht als einzige Skala einer guten Erziehung zu werten. Und natürlich klingen Höflichkeitsfloskeln in jedem Fall irgendwie abgedroschen und nicht ganz ehrlich (freut mich, sehr geehrte Dame, freundliche Grüsse, mach ich sofort, tiefstes Beileid, etc.). Was aber viel mehr erschreckt, und augenblicklich einen schlechten Eindruck hinterlässt, ist, wenn die erwartete Höflichkeit im kritischen Moment fehlt. Und hierzulande gilt halt eben diese Antwort als Standard. Es ist daher ein wichtiges Element der Erziehung, die Kinder darauf vorzubereiten, dass sie in den gesellschaftlich wichtigen Momenten das sagen oder tun, was von ihnen erwartet wird. Andernfalls springt ihnen immer eine gewisse Distanz entgegen, was sich bis hin zum Arbeitsmarkt negativ auf sie auswirken kann. Es gibt genügend andere, von der Gesellschaft weniger mit Normen gerasterte Lebensbereiche, in denen die individuelle Persönlichkeitsentwicklung, die sprachliche Vielfalt, das das kritische Aufnehmen von neu Gelerntem (wurde auf solche Themen mit den „Silokindern“ angespielt?) anerzogen werden können. In diesem Sinne ist das Beibringen der für die Kommunikation mit der übrigen Gesellschaft richtigen Antwort ein Bestandteil der Erziehung.

      Bei „härzig“ (es fehlt bisher der Link hierhin: http://www.blogwiese.ch/archives/73 ) und „fein“ (auch hier ein Link dazu: http://www.blogwiese.ch/archives/523 ) ist hingegen egal, ob sich jemand phantasiereich oder eintönig ausdrückt. In solchen Situationen macht niemand eine schlechte Falle (siehe http://www.blogwiese.ch/archives/331 ), weil dieses oder jenes gesagt wurde. Es gibt ja hier keine erwartete oder aber falsche Antwort.

      In den Schweizer Mundarten ist der Variantenreichtum übrigens gar nicht so dringend nötig. Wer einen Aufsatz oder Zeitungsartikel o.ä. schreibt, wo variieren erwünscht ist, bedient sich ja sowieso der Schriftsprache, also reicht es, ein in Hochdeutsch verfasstes Synonym-Wörterbuch zu konsultieren.

    9. Schnägge Says:

      Hm, mir fallen im Hochdeutschen auch nicht so wirklich viele Alternativen zu „Danke“ und „Bitte“ ein. Außer vielleicht: „Schmeiß mal die Butter rüber!“

    10. Tellerrand Says:

      @ Phipu

      Silokinder leitet sich von mundartlichen „si loh“ ab – der wohl meistgehörtesten Wortfolge auf (Inner-)Schweizer Kinderspielplätzen und sonstigen Orten, wo Kinder öffentlich „erzogen“ werden. Dieses verbale Fundamentalunterbinden jeglichen kindlichen Forscherdramges hat meine Frau und mich hier anfangs sehr erschreckt (tut es eigentlich immer noch), nur hatte es auch eine gewisse Komik, da „Silo“ der grösste Deutsche Hersteller von Mülleimern ist. Man stelle sich also vor als Schweizer Adaption vor, da schreit permant jemand „Ochsner“ auf dem Spielplatz 😉

    11. neuromat Says:

      @ Phipu

      sicherlich erschreckt es, wenn die erwartete Höflichkeit fehlt. Das vermutlich grössere Erschrecken könnte sich jedoch ergeben, wenn zwar die Form stimmt, aber es doch spürbar ist, dass diese nur Fassade bedeutet. Damit verkommt dann auf die Dauer der so angelernte höfliche Umgang zur Floskel.

      Varianten sollten sich daher auch immer aus dem Kontext ergeben und setzen ein gewisses Mass an Empfindungsvermögen und Empathie voraus. Dann glaube ich auch nicht, dass manches private oder offizielle Gespräch so langweilig bleiben muss wie die vorhersagbare Schwafelei bestimmter Populisten zum Eidgenössischen Schwingerfest.

      Nach meiner Erfahrung haben auch Schweizer(innen) Freude a sprachlicher Abwechslung – ich möchte sogar meinen, dass ein gewisser Phipu ein real existierendes Beispiel hierfür darstellt. 😉

    12. AnFra Says:

      @Tellerrand

      Möchte einen winzigen Verbesserungsvorschlag kundtun. Der große deutsche Abfallbehälterhersteller und Umwelttechnikdienstleister heißt nicht „Silo“ sondern „Sulo“. Siehe unter: http://www.sulo.de
      Ansonsten ist die Bemerkung von Tellerrand goldrichtig.

      PS.: „Müll“ gibt es im deutschen Abfall- und Wertstoffgesetz nicht, sondern nur „Abfall“ bzw. „Wertstoffe“. Diesen „Müll“ gibt es jedoch in den übrigen Gesetzen in Überfluß.

    13. Flaneur Says:

      Ist das jetzt wieder ein brandneuer Beitrag, oder ein reload?

      Dankre!

      [Antwort Admin: Nun, reloads erkennt man meistens daran, dass „reload vom …“ oben in der ersten Zeile steht. Wenn das da nicht steht, ist es meistens kein reload. Es sei denn, ich habe vergessen es drüber zu schreiben. Zu schwierig? Finde ich auch, deswegen klappt es auch nicht immer so gut. Ist ne reine Konzentrationsübung. Wenn Du meinst, es sei ein brandneuer Beitrag, dann sei es so. ]

    14. Tellerrand Says:

      @AnFra

      Verflixt noch mal, bin schon zu lange weg aus D-Land. Sulo, nicht Silo heissen die. Aber Silo gibt’s auch, nämlich diese grossen stinkenden Tiernahrungsbehältnisse. Macht die lautliche Verwandschaft nicht unbedingt attraktiver…

    15. mare Says:

      „Heuchelei ist der Tribut des Lsters an die Tugend“, sagte Pestalozzi. Entsprechend könnte man den Rückschluss ziehen, dass derjenige, der heuchelt, noch weiss, dass er eigentlich ein mindestmass an Höflichkeit, Respekt, Wertschätzung aufbringen müsste. Deshalb ist mir eine geheuchelte Höflichkeit immer noch lieber als eine ungeheuchelte Grobheit, welche die Würde des Menschen auch verletzt, genau wie auch rein äusserliche , kalte Höflichkeit verletzen kann.
      Und ich weiss zwar, wie beengend so eine Sozialkontrolle in Dörfern, Läden usw. sein kan und auch, wie mühsam es manchmal ist, wenn die Verkäuferin beim Bäcker mit jemandem – meist ist es ein älterer oder alter Mensch – schwatzt. Andererseits: Klagt man denn nicht immer wieder über die Vereinsamung der Alten und auch weniger Alten? Statt diese Leute dann in eine Volltherapie zu schicken (die erst noch wieder über Prämien zu bezahlen wäre), täte es manchmal auch einfach, wenn sie beim Laden schwatzen könnten. Früher war’s der Dorfbrunnen, heute könnte es der Quartierladen sein.
      Höflichkeit kostet mich nichts, also bin ich höflich, den Zuschauer kostet es vielleicht Zeit. Nicht höflich zu sein hingegen kann andere Leute sehr wohl etwas kosten: Selbstvertrauen etc. und die Therapie kostet Geld. So oder so: kosten tut’s immer, manchmal sind die einen Kosten allerdings erfreulicher als sie anderen.
      Noch ein kleines Beispiel für ehrliche Unhöflichkeit: Ich sitze auf der Gastterrasse des Hotels, der Kellner stellt mir grade eine kleine Erfrischung hin, als ein Auto mit deutschem Nummernschild heranrauscht, der Fahrer grade soweit aussteigt, dass er über die Autotür dem kellner zurufen kann:“He! Heute halb sieben Tisch für 8 Personen!“ Türe wieder zuschletzt und davonfährt. Ehrlich, knapp, offen, gradeaus – wunderbar! So hätten wir’s also gern!

    16. mare Says:

      Noch ganz kurz zu den „Silo“- oder “ Silah“-Kindern: Ich kenne auch andere als Silah-Kinder: solche, die alles anrühren, wenn sie zu Besuch sind, ohne überhaupt zu fragen, ob das oder jenes vielleicht wirklich einfach so zum Anrühren sei. Es gibt überall heikle Dinge, die man einem Kind sehr wohl zeigen, aber ihm nicht selber in die Finger drücken will. Und wie ist es denn mit Beeren und ähnlichem: Wenn ich nicht sicher bin, ob etwas giftig ist – soll ich da nichts sagen? Das Kind in seinem Forscherdrang merkt spätestens bei starken Bauchschmerzen (vielleicht auch gar nicht mehr), dass das eine Eibenbeere, eine Tollkirsche oder sonst etwas Schönes war, was es gegessen hat

    17. viking Says:

      Vielleicht haben Deutsche Zuzüger einfach etwas Probleme damit, sich daran zu gewöhnen, dass die hier gesprochenen Dialekte meist etwas derber daherkommen als das „geschliffene“ Deutsch, aber handkehrum eine „permanente“ Höflichkeitsorgie verlangt wird? 😉
      Ansonsten kann ich mich Sylv bezüglich Anstand nur anschliessen…
      Wie heisst das Wort mit zwei ‚t‘?…. „Aber flott!“

    18. viking Says:

      @Tellerrand
      […Sulo, nicht Silo heissen die…]
      Wo die Dinger doch sogar einen eigenen Song haben:
      http://www.stefan-gwildis.de/cm_standard_1.3.1/site/modules/index.php?area=disco&disc=7 -> Track 11: Sulo (gespielt auf einem echten „Sulo“ ;))

    19. vorgestern Says:

      Schön, dass die Blogwiese wieder geöffnet ist!
      Ich habe als Kind in Deutschland in den Dreissigerjahren auch noch sture Floskeln anerzogen bekommen und brav „ja, bitte“ und „nein, danke“ sagen gelernt. Ich kann sie bis heute nicht ablegen, ergänze sie aber bei Bedarf mit einem ehrlichen Zusatz wie „das schmeckt aber auch unheimlich gut“ oder Ähnlichem. Bin aber einverstanden, dass die Floskeln manchmal nerven, in den Geschäften wird oft furchtbar übertrieben. Im Welschland bekam ich jeweils Schreikrämpfe, wenn ich beim Bäcker oder sonst einem „Lädeli“ das mit accent vaudois gesungene „Au revoir, Madame, merciiiiii“ hörte.
      Meine beiden Schwestern in Amerika (USA) haben ihre Töchter unterschiedlich erzogen, die eine lernte, „bitte“ und „danke“ zu sagen, die andere nicht. Was zuerst nur als Floskel verinnerlicht wurde, wirkt sich heute so aus, dass die so Erzogene mir auf Hochzeits- oder Taufgeschenke nette Mails mit Fotos.schickt, während sich die andere in Schweigen hüllt.

    20. Einerdersgutmeint Says:

      Den Jens überschlägts schobn bald wieder. Er verfällt wieder in seine alte „Krankheit“: gleich zwei Themen aufs Mal verbraten! Geh haushälterisch damit um, dafür gibts wieder häufig oder täglich Neu-Artikel. Sowieso danke!

    21. Phipu Says:

      An Tellerrand und AnFra

      Jetzt verstehe ich, die „Silo“-Kinder ist eine treffende Wortschöpfung, die mir bisher nicht bekannt war. Ich hatte natürlich an „Wohnsilo“ oder landwirtschaftliches „Futtersilo“ oder gar „Autosilo“ (ital. Für „Parkhaus“) gedacht und keinen Zusammenhang erkennen können.
      Damit man die Verbindung zu einer „Ghüderchübu“-Marke herstellen kann, helfen vielleicht andere Dialektvarianten: „Lo sii!“ (SO) oder „La sii!“ (BE)?

      An Flaneur
      Lies jetzt endlich mal alle Beiträge durch, dann erkennst du die, die dir bekannt vorkommen und kannst sie von denen, die neu sind, unterscheiden, auch ohne Warnung. Obwohl ich natürlich aufgrund der Blogwiesensucht auch manchmal über die Warnung froh wäre. – Excusez, ich wollte natürlich „Würdest du bitte … durchlesen …“ schreiben, damit auch das Zauberwort drin ist.

    22. schampar Says:

      @mare

      Gratulation, du hast den Nagel am besten auf den Kopf getroffen. Peace.

    23. neuromat Says:

      es gibt dann auch noch Solo und Sumo. Die beiden grossen Probleme unserer westlichen Individualismusgesellschaften, in den die Einzelkinder, dann auch noch zu dick sind.

      Ja und wo soll das alles enden, wenn die dann keine Höflichkeitsfloskeln eintrainiert haben.

      Sicher gibt es überall heikle Dinge, die man zwar zeigen, aber nicht jeden drantatschen lassen möchte. Zum Beispiel meine Finger. Hier grabscht gleich jeder zur Begrüssung zu und hält dies für Höflichkeit, was in Japan als die allerübelste Grobschlächtigkeit daherkäme.

      Und natürlich was für eine bodenlose Unverschämtheit, dem Kellner da ausgerechnet die Reservierung zuzubrüllen, als dieser die kleine, bescheidene Erfrischung hinstellte, nur hinstellte , nicht einschenkte, nein man will nicht unverschämt sein. Ganz klar, nur ein deutsches Nummernschild kann am Fahrzeug dieses Barbaren prangen. Ich mache das im Fall ganz genau so. Rase mit meinem Zuffenhauserner Gefährt bis an den Zaun und sach dann mal bescheid, aber nicht so umständlich :”He! Heute halb sieben Tisch für 8 Personen!” Nein, nein: „Halb sieben für acht – Alles Klar?!“ So geht das, alles andere ist unhöflich und auch unrealistisch. Leider habe ich nur so noch nie einen Tisch reservieren können; denn die Voraussetzung dafür ist, den Kellner sehr gut zu kennen. Da scheint mir doch diese Geschichte etwas falsch ausgedacht – ist mir übel.

      Sag mal schnägge hattest Du nicht irgendwo diese Geschichte eingestellt, wie ein Zürcher in Berlin Schrippen kauft? Die würde ich dann doch viel lieber noch mal lesen.

      Na ja, lieber unaufrichtig und heuchlerisch als ehrlich und direkt; denn wie durften wir da lernen: Heuchelei schafft Vertrauen. Das kann ich mir so richtig gut vorstellen. Da vertraue ich doch gerne – schliesslich weiss ich bei aller ausgesuchter Höflichkeit nicht woran ich bin und dass ist doch die Grundlage für jedes Vertrauen.

      Und umgekehrt konnten wir lesen, dass wenn die Wahrheit zwar aufrichtig, aber etwas grob daherkommt – dann entstehen Kosten. Diese Leute müssen dann in Therapie. Die Vereinsamung greift dann um sich – also wieder Solo Kinder und dann fangen die an zu essen vor Kummer und werden schliesslich auch noch Sumo Kinder, rund und dick und drücken keinem mehr die Hand sondern verbeugen sich nur voreinander.

      Und ich will jetzt wirklich wissen, ob diese Reloadphase langsam vorbei geht. Ich ereiche langsam wieder Betriebstemperaturen… und die Fotos, obwohl auf denen wäre man ja zu erkennen. Die könnten aber vielleicht doch via Email , ja, … ja gärn, dankrch(e) ..

    24. Thomas Says:

      fuer alle die, welche partout nicht ja gern, und nein danke sagen wollen, gibts ja auch verchiedene schweizerdeutsche umschreibungen:
      zb: dä macht ke schnorre uf, dä isch ufs muu ghocket etc.

      ach ja, man kann auch einfach reotur bruellen, so mitten ins gesicht „WIE HEISSTS“

    25. Fränzi Says:

      @Phipu:

      Danke für deinen letzten Beitrag! Ich hab die ganze Zeit beim Lesen gerätselt, was denn mit „Si loh“ gemeint sein könnte – dank deiner Umformulierung bin ich endlich dahintergestiegen…

    26. Tellerrand Says:

      @ Phipu

      Selbstverständlich lasse ich meine Kinder überall ran und ihrem Forscherdrang freien Lauf auch wenn es die Ming-Vase des Nachbarn oder die Tollkirsche im Wald ist. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir differenzieren würden! Und schliesslich habe ich ja genug Kinder…

      @ all

      Liesst hier ein Luzerner mit? Wie würde das mundartliche „Lass sein“ korrekt Lozärnerisch ohne Lautschrift in die Tasten getippt? Für mich klingt es nach „si“ (stimmhaftes S, langer Vokal I) „loh“ (sehr langer Vokal O), aber ich beherrsche natürlich die variantenreiche Schweizerdeutsche Richtigschreibung nicht 😉

    27. neuromat Says:

      @ thomas et al.

      wer partout nicht „wie bitte“ sagen möchte kann auch die Dialektvariante „wiiää?!“ benutzen, hier absolut ohne Bitte.

      Das zieht uns grob gestrickten nördlichen Barbaren vor Höflichkeit immer wieder die Schuhe aus. Gerne auch in Kombination mit einem vorwurfsvoll gedehnten “ grueeziii “ mit lang gekniffenem z.

      Dies kann dann an bescheidener Zurückhaltung und e chl finer Lebensweis nur noch vom eidgenössisch diplomierten Zahnarzt getopt werden: „s Muul uff“

    28. AnFra Says:

      @Tellerrand

      Hier noch ein kleiner Nachschlag zu den Silokindern.

      Habe im aktuellem „Infomüll“ folgendes gelesen: Die Schauspielerin Angelina Jolie nennt ihr eigene Tochter „Shiloh“!!! Dieser Name „Shiloh“ steht für den biblischen Ort SILO im Heiligen Land. In engl. Shiloh geschrieben.
      In unserer Steinzeit gab es irgend wann die TV-Serie: „Los rancheros de la shiloh“, oder?
      Nun ist wieder ein europäisches Vorurteil bestätigt. Die Amis lieben`s im/in Silo.

    29. Schnägge Says:

      @neuromat: Das heißt selbstverständlich nicht „Wie bitte?”, das heißt: „Häääh??!“.
      Was den Bäckertext betrifft, das war ein Basler in Berlin, und wo der steht, da müsstest du Phipu fragen. 😉

      Quote neuromat: „Na ja, lieber unaufrichtig und heuchlerisch als ehrlich und direkt; denn wie durften wir da lernen: Heuchelei schafft Vertrauen. Das kann ich mir so richtig gut vorstellen. Da vertraue ich doch gerne – schliesslich weiss ich bei aller ausgesuchter Höflichkeit nicht woran ich bin und dass ist doch die Grundlage für jedes Vertrauen.
      Und umgekehrt konnten wir lesen, dass wenn die Wahrheit zwar aufrichtig, aber etwas grob daherkommt – dann entstehen Kosten. Diese Leute müssen dann in Therapie… “

      Ich verneige mich. Höflichst und bewundernd. 🙂

    30. Tellerrand Says:

      Ja: Neuromat=Salz in der Suppe!

      Verneigung CTRL+C 😉

    31. Phipu Says:

      An AnFra

      Im deutschen Sprachraum sieht man diese biblische Anspielung allerdings als „Siloah“ verschriftet. Und dieser Ort liegt nicht etwa in Jerusalem, sondern dahin kann man mit dem Überlandtram Linie G ab Bern hinfahren http://www.rbs.ch/pdf/fahrplaene/G_siloah_zytglogge_2007.pdf (und es gibt natürlich noch viele weitere dieser Namensgebungen). Diese Linie G ist übrigens schweizweit als „‘s blaue Bähnli“ aus einem Radiosketch bekannt. Viel Vergnüben bem Berndeutsch lesen: http://www.dentenberg.ch/000000980c09f1e01/00000098121260601/index.html (mit geschichtlichem Hintergrund des Sketches) http://www.worb.ch/pdf/gemeinde/waeg-nach-worb.pdf (hier nur Text)
      Auch das biblische Bethlehem ist nicht allzuweit von Siloah entfernt: http://mypage.bluewin.ch/ewaeber/live.html

      An Schnägge

      Wieso soll ausgerechnet ich nach der Antwort suchen? Wenn du meine Aussage zur Bäckerei willst, ist es diese hier. Aber Achtung, die ist ziemlich gähn gegenüber dem Link, der dann weiter unten folgt: http://www.blogwiese.ch/archives/1#comment-299

      Du darfst künftig ruhig selber Google bemühen, um diesen Kommentar herauszusuchen, das ging nämlich länger, als ich gedacht hatte: http://www.blogwiese.ch/archives/553#comment-62826
      Bitte –gern geschehen!

      .. und an Neuromat

      Das mit dem „hä“ kenne ich aus diesem Witz: ‚Wie sagt man auf Schweizerdeutsch: „Entschuldigung, könnten Sie das bitte wiederholen? Ich habe Sie leider nicht richtig verstanden.“ ‘. Die richtige Antwort ist dann eben „Hä?“. Siehst du, unsere Sprachgepflogenheiten sind nicht nur „echli“ sondern „viil fiiner“ und wir nehmen unsere Höflichkeit immer tierisch ernst.

      Der Zahnarzt ist wirklich sehr höflich, dass er etwas ruck-zuck-zack-zack spricht und arbeitet, da entstehen dann eben weniger Kosten im Gesundheitswesen, was sich konkret in weniger Taxpunkten auf der Rechnung für den Patienten niederschlägt. Siehe hier: http://www.blogwiese.ch/archives/11 und geriloudet: http://www.blogwiese.ch/archives/628
      Ich ginge allerdings nicht soweit, dieses Beispiel gleich auf die ganze Erziehungspsychologie und die der Gesellschaft überwälzten Kosten der Freundlichkeit anzuwenden.
      Jetzt habe ich „Rumms“, ganz „fiin“ ein paar Suppenlöffel Aromat in die bisher dezent gesalzene Suppe geschüttet. http://www.blogwiese.ch/archives/94

    32. neuromat Says:

      @ Phipu

      na also: n fröhlich Hart is beter as’n Schapp vull mit Puulkantüffeln un beter dreemal lachen as eenmaal na’n (Tähn)dokter. 🙂

    33. Schnägge Says:

      Quote Phipu: „Wieso soll ausgerechnet ich nach der Antwort suchen?“

      Ja, wieso bloß? 😉 (Hey, das war als Kompliment gemeint!)

      Merci viumau!

    34. Phipu Says:

      An Schnägge

      Schön, hast du auf meine höfliche (!) Provokation reagiert. Mit einem ursprünglich wohl erzogenen aber bei Gelegenheit auch demonstrativ platzierten „Bitte – gern geschehen“ vor dem „Danke“ kann man sehr schön zeigen, dass man mindestens ein „Danke“ erwarten würde/erwartet hätte. Für Dich: Auftrag glänzend erfüllt!

    35. Schnägge Says:

      @ Phipu: Ja siehst du, sogar Deutsche sind unter gewissen Umständen lernfähig, wenn man sie richtig erzieht. 😉

      Was ich ursprünglich sagen wollte war einfach nur, dass ich jedesmal (auf Norddeutsch gesagt) baff bin, wie du zu jedem Thema die passenden Links aus dem Ärmel schüttelst.

    36. Geissenpeter Says:

      Das ist typisch deutscher Protestantismus: Alle Verzierungen ablehnen, nur auf die angeblich wertvollere Innerlichkeit pochen und das dann auch noch um jeden Preis in die Welt hinaustragen. 😉 Die Schweizer mögen eben die Verzierung, sie mögen das schön Gestaltete, die nette Geste, das macht das Leben angenehmer – ich jedenfalls mag es lieber so. Lieber jedenfalls als diese unfreundliche norddeutsche Nüchternheit, ganz ohne Lächeln, ganz ohne gute Wünsche und ohne Sinn für bella figura – dafür aber ganz bestimmt auch so gemeint.

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