Das Schweizer “Türen-aufhalten-Phänomen”
Die Schweizer sind ein äusserst höfliches und zuvorkommendes Volk, das erlebt man als Deutscher besonders deutlich. So ist es nicht verwunderlich, dass uns die Schweizer oftmals als äusserst unhöflich, ruppig und arrogant empfinden. Den Grad der Höflichkeit und Zuvorkommenheit der Schweizer kann man am besten beobachten beim “Türen-Aufhalten-Phänomen“: Durchquert in der Schweiz jemand eine Eingangstür, Glastür, Zwischentür in einem öffentlichen Gebäude oder in einem Bürokomplex, so schaut er unweigerlich hinter sich, ob da nicht noch jemand kommt, dem man die Tür aufhalten muss. Entscheidend ist nun die Distanz bis zu dieser Person. Selbst wenn die nachfolgende Person noch 5-10 Meter entfernt ist, wird eisern die Tür für sie aufgehalten.
Ob es sich hier um einen alten “Überlebensinstinkt” handelt, die Fluchtwege offen zu halten, auch für die Rudel-Genossen? Oder ob man stets befürchtet, dass es ein Vorgesetzter sein könnte, ist nicht mehr zu klären. Jedenfalls hält man in der Schweiz die Tür auf, und zwar lange… sehr lange. Wer unter 7 Meter Abstand zum nächsten eine Tür zuschnappen lässt, outet sich unweigerlich als ungehobelter Deutscher. Das gilt übrigens auch für Toiletten-Türen, wodurch die Sache ab und an recht absurde Züge bekommt:
Du wäschst dir noch in Ruhe die Hände, während da seit 20 Sekunden jemand für Dich die Ausgangstür offenhält. Denn sie einfach zu fallen zu lassen, womöglich in 5 Meter Distanz, das wäre äusserst unhöflich und kommt gar nicht in Frage.
Ich arbeitete eine paar Jahre in einem Bürohochhaus, und am Freitag Nachmittag musst ich oft mit Tasche und Computer unter dem Arm etliche Zwischentür und Korridore auf dem Weg zur Tiefgarage überwinden, dabei keine Hand frei. Fast immer fand es sich, das zufällig jemand den gleichen Weg hatte wie ich, und nun bei jeder Passage wieder und wieder so freundlich war, mir die Tür aufzuhalten, den richtigen Fahrstuhlknopf zu drücken usw., bis weit in die Tiefgarage hinein.
Dort pflegte ich mich zu bedanken mit dem Satz: „Jetzt müssen Sie mich nur noch heimfahren, das wäre perfekt.“
Später arbeitete ich in einem Gebäude mit Sicherheitsdrehtüren, die auf Knopfdruck immer nur genau eine Person durchlassen. Die Schweizer, die mir bis zu dieser Stelle alle Türen offen gehalten hatten, scheinen stets aufs Neue daran zu verzweifeln: Wie hält man eine Drehtür offen? Es geht nicht, also kapitulieren sie und wünschen einen schönen Feierabend, sichtlich frustriert darüber, dass auch die Schweizer Höflichkeit an den Tücken der neuen Sicherheitstechnik scheitern muss.
September 8th, 2005 at 10:36 pm
herzlichen Glückwunsch zur neuen Blogwiese.
September 10th, 2005 at 9:58 pm
Dieser netten Schweizerin würde ich bis zu 25 m Abstand geben; mehr ist, zumindest in der Welschschweiz, übertrieben.
September 13th, 2005 at 8:12 am
alors si j’ai bien compris, il faut une bonne hygiène dentaire!
Pour le reste, prévoir une traduction française
bisous à tous
September 19th, 2005 at 8:06 pm
Excellent, Ihre Berichte über die Schweiz ist einfach amüsant und informativ. Vielen Dank.
HR
October 18th, 2005 at 10:31 am
Dieses Phänomen beobachte ich als Schweizer an mir selber ser oft, leider habe ich auch keine Erklärung dafür, ausser das es sehr unhöflich ist die Türe nicht aufzuhalten.
October 18th, 2005 at 12:10 pm
Nun denn, man kann nicht anders. Es ist ein Trieb. Man empfindet auch den anderen als Rüpel, als rücksichslosen Egoisten, wenn er nicht mindestens 5 Minuten die Tür aufhält. Bei regem Publikumsverkehr nimmt das oft geradezu absurde Züge an, wenn dann die Rücksichslosen vorbeipreschen und keiner da ist, der als “Nächster” die Tür abnimmt und für den Übernächsten aufhält… So kann man als Türsteher Ferien machen
October 18th, 2005 at 12:59 pm
Jolie!!! Ich schriibe (schreibe) das mal (einmal) uf (auf) schwiizerdütsch!!!!
Sehr amüsante Einblicke, welche ich sonst nie bemerkt hätte.
luschtigs hobby.
October 18th, 2005 at 6:35 pm
Hurraaa !!!! endlich DIE Webseite (blog) die meine Rettung ist … gröööhl… ich krieg hier nähmlich oft die Krise. Das blog kommt sofort in die Favoriten
.
Genauso ist es doch beim Kiosk: ich möchte ein simples Zigarettenpäckchen… ein normale Kiosksituation die in der Minute einige 100.000 mal auf der Welt sich ereignet.
Nicht so hier: es ist ein kompliziertes Riutal nötig, von “haben Sie Zigaretten xxx ?” Obwohl sie supersichtbar hinter dem Kioskmenschen sind… es ist WICHTIG … seeeehr wichtig zu fragen. Ein einfaches “ein barclay braun bitte” geht nicht. Dann muss man die frage nach der Anzahl bestätigen (obwohl ich akustisch deutlich und verständlich “EIN” sagte und mit dem Finger das internationale Zeichen für die Eins machte.
Nützt alles nichts. Ne… gar nichts. Dann muss der Preis besprochen werden, das Rückgeld in die Hand gezählt werden (als sei ich ein Erstklässler), mehrere Mercis und schöne Tage etc…
Danach bin ich so fix und fertig… und nach Jahren hab ich den Bogen noch nicht raus.
Kaufe deshalb nur noch Zigaretten als Stange, so bleibt mir einige Tage dieser sensationelle Stress erspart. Obwohl… auch da gibt es mehrere Probleme:”Was … EINE Stange…eine STANGE ??” als sei das so ungewöhnlich. Die ausbrechende dienstbeflissene Hektik (wichtiger Kunde mit hohem Geldbetrag) …. ach herrje… ich denke dies ist das Land um endgültig Nichtraucher zu werden
der Einkaufsstress ist sagenhaft.
Nun… werde im Blog mal schauen ob du was über Cafebesuch geschrieben hast. Auch dort muss man fragen: “händ sie chafi ?”… etc etc…
October 18th, 2005 at 6:43 pm
Hurraaa !!!! endlich DIE Webseite (blog) die meine Rettung ist … gröööhl… ich krieg hier nähmlich oft die Krise. Das blog kommt sofort in die Favoriten
.
Genauso ist es doch beim Kiosk: ich möchte ein simples Zigarettenpäckchen… ein normale Kiosksituation die in der Minute einige 100.000 mal auf der Welt sich ereignet.
Nicht so hier, oooh nein: es ist ein kompliziertes Riutal nötig, von “haben Sie Zigaretten xxx ?” Obwohl sie supersichtbar hinter dem Kioskmenschen sind… es ist WICHTIG … seeeehr wichtig zu fragen.
Ein einfaches “ein barclay braun bitte” geht nicht. Dann muss man die frage nach der Anzahl bestätigen (obwohl ich akustisch deutlich und verständlich “EIN” sagte und mit dem Finger das internationale Zeichen für die Eins machte.
Nützt alles nichts. Ne… gar nichts. Dann muss der Preis besprochen werden, das Rückgeld in die Hand gezählt werden (als sei ich ein Erstklässler), mehrere Mercis und schöne Tage etc…
Danach bin ich so fix und fertig… und nach Jahren hab ich den Bogen noch nicht raus
.
Kaufe deshalb nur noch Zigaretten als Stange, so bleibt mir einige Tage dieser sensationelle Stress erspart.
der Einkaufsstress ist sagenhaft.
Obwohl… auch da gibt es mehrere Probleme:”Was … EINE Stange…eine STANGE ??” als sei das so ungewöhnlich.
Die ausbrechende dienstbeflissene Hektik (wichtiger Kunde mit hohem Geldbetrag) …. ach herrje… ich denke dies ist das Land um endgültig Nichtraucher zu werden
Nun… werde im Blog mal schauen ob du was über Cafebesuch geschrieben hast. Auch dort muss man fragen: “händ sie chafi ?”… etc etc…
übrigens… nach langer zeit war ich so gewöhnt diese bescheuerte Frage in ne Kneipe zu stellen… als ich dann mal kurz in der Heimat zu Besuch war und in der Kneipe fragte:”haben Sie ein Bier? ”
Kam die einzig richtige Antwort: “Sag mal… willst du mich verarschen oder was? ”
öööhmmm… hüstel… recht hatte er
October 21st, 2005 at 12:17 pm
Amüsant und sensationell liest sich dieser Blog vom Jens. Jier werden sprachliche Unterschiede zwischen uns Deutschen und unseren liebenswerten Eidgenossen süffisant beleuchtet; jeder Artikel erzeugt ein nicht zu unterdrückendes Schmunzelgefühl. Herrlich.
Bitte weiter so und nicht auf hören!!
Gelesen/entdeckt: Blacher Tagblatt, Mittwoch 19.10.2005
Herzlichen Glückwunsch. auch zum neuen Kolumisten des NBT.
October 21st, 2005 at 7:15 pm
An Oliver:
Das mit der Frage nach Verfügbarkeit (was ja wirklich an Drittweltland erinnert) ist mir selbst gar nie aufgefallen. Dies kann natürlich auch ein regionaler Dialektunterschied sein. Ausserdem leide ich auch nicht unter den Nebenwirkungen (z.B. mühsamer Kioskbesuch) des Rauchens. Ich selbst, Schweizer, verwende als Kunde ganz automatisch eine andere Floskel, und, eigentlich mit Erfolg.
Probier es einmal mit grüssen vor jedem neuen Kontakt und der Verwendung einer wohlerzogenen Formel. Bei mir ist das so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich das automatisch tue, bei jeder neuen Begegnung. Mir fällt eben auf, wenn jemand “unfreundlich” tönt.
Beispiel Kiosk: “Grüessech, I hätt bitte gärn es Päckli Goluas blö” Damit kann die Verkäuferin gut zuhören und ist bei “..es Päckli..” voll konzentriert trotz Umgebungslärm. Sie hat an meinem Beispiel bereits herausgefunden, dass ich nicht aus Zürich stamme, und sie deshalb besonders genau zuhören muss.
Wärst du also deutscher im Anfangsstadium des Schweizaufenthalts könntest du ohne weiteres “Grützi, ich hette gean einn Kaffee, bittö” So tönt die deutsche Aussprache in Ohren, die Schweizerdeutsch schreiben würden. Die “Serviertochter” hat also Gelegenheit, bis zu “..einn Kaffee” den internen Sprachschalter auf “Schriftdeutsch” umzuschalten, und versteht sofort.
im Gegenzug kannst du mir vielleicht ein paar hilfreiche Formeln liefern für meine jeweiligen Besuche in Deutschland. Schweizer ernten besonders in deutschem, städtischem Gebiet eher Verwirrung oder Verärgerung, wenn sie die effiziente Geschäftsabwicklung durch ein plumpes „Guuten Taag“ behindern, und nicht kurz und prägnant ihre Bestellung auf den Punkt bringen. (Bayrisches „Grüss Gott“ mal ausgenommen)
October 24th, 2005 at 2:05 am
hello phipu, (danke für den hinweis im anderen kapitel
… hier der versuch einer Antwort
)
also ich denk mir jeder hat verständnis für die verkäuferin vom käse in frankfurt wenn sie nicht 800 mal am tag “guten tag, was darf es sein, hätten sie noch einen wunsch, auf wiedersehen, etc” sagen muss.
Sondern einfach: “ja bitte (sagen sie ihren wunsch ich höre) noch was dazu, bzw. wars das? macht 4 euro 26.”
die tut einen ja leid wenn sie den ganzen tag mit floskeln den unterhalteraffen machen müssen.
und sie haben sich bestimmt untereinander geeinigt, das es schlicht affig ist dauernd den bückling und den devoten diener zu machen.
Vermute das wir merken wenn etwas scheel ist und darauf verzichten wir gerne.
Scheel - unecht, vorgespielt, verlogen, hinterlistig… das ist die skala von links bis rechts die der begriff scheel beinhaltet. Irgendwie sind wir da allergisch drauf.
mmm… philu, weis nicht ob dir damit geantwortet ist… vielleicht auch ein kleiner rat (ohne besserwisser wie du auch sagst im anderen thread)

Wenn du ein BRD einkaufst, so sag einfach laut und deutlich was du willst. Küss keine Ärsche und erwarte nicht das dir der speichel geleckt wird.
Du willst deine Wahre und ab nach draussen an die frische Luft. Der Verkäufer will die Wahre los werden und ab in den Feierabend. So einfach
Kein Gedöns, keine bücklinge, keine Küschen, nix scheeles dabei. Einfaches klares Leben
October 24th, 2005 at 7:37 pm
Das Türe Problem ist auch für uns Schweizer lästig.
Keine Ahnung wie wir das loswerden können. Man könnte höchstens den Maximal Abstand von fünf Meter in der Bundesverfassung verankern. Eine Volksinitiative würde hier vollends reichen. Man bräuchte nur 100′000 gültige Unterschriften, welche auf ein Formular pro Gemeinde zu schreiben sind. Diese Unterschriften würden dann von den Gemeinden gegenkontrolliert und nach mehreren Gegeninitiativen vom Volk niederschmetternd verworfen.
October 25th, 2005 at 12:18 am
an Oliver:
Vielen Dank für die Erklärung zu scheel; hätte ich nicht gewusst; und deine Argumentation. Eigentlich habe ich auch nur zur Bestätigung gefragt; ich hab nämlich selbst festgestellt, dass die Kommunikation in jedem Land anders abläuft (dies gilt auch für Frankreich etc.). Ohne dass man die eine oder andere Art als falsch oder mühsam betrachten muss. Im Zug stellt man fest, dass der Kondukteur (also CH) den Wagen betritt mit den Worten “Grüezi, Billette ab Winterthur, bitte!” während der Schaffner (D) seine effiziente und direkte Floskel “Noch jemand zugestiegen?” erwähnt. Und das ist normal so, in beiden Fällen
Dein Argument mit herunterleiern hat was. Ich war auch mal im direkten Verkauf tätig, und habe manchmal jemanden mit “Grüessech, eeh Sali…” (von frz. “salut”) angesprochen, weil ich erst nach dem herunterleiern der hundert Mal täglich repetierten Floskel, gemerkt hatte, dass ja jemand, den ich mit Vornamen kannte, oder ein Kind vor mir stand. “Guten Tag” wird mir vermutlich in D weiterhin herausrutschen, bis die Hirnströme umgeschalten haben.
Aber: im Kontakt mit Kunden will/muss es die Verkäuferin/bzw. das Geschäft ja der grossen Mehrheit der Kunden/Gästen recht machen; sonst gehen die Kunden/Gäste zur Konkurrenz (abgesehen von Einkaufen/Essen ennet der Grenze). Also wird in der Schweiz verlangt, dass eine im Kundenkontakt tätige Person grüsst, sich verabschiedet, und einen schönen Tag wünscht (… und ein Säckli anbietet, kicher!). Genau so “kriecherisch/freundlich” tun das die Kunden automatisch auch, weil es eben so üblich ist, und ihnen das die Eltern lang genug eingedrillt haben. Während deinem Aufenthalt in der Schweiz möchte ich dir nur raten, diese für dich harten Sitten zu akzeptieren und das für dich geheuchelte Spiel mitzumachen. Sonst eckst du - besonders wenn du in der Verkäufer-Position steckst - früher oder später an! Und dann weisst du vielleicht nicht einmal weshalb. Dabei hast du einfach nur bei einer Gelegenheit für unsere Ohren “unfreundlich” oder “schlechtgelaunt” geklungen. Davon hast natürlich du nichts und erwirkst zweierlei Reaktionen:
1. die entsprechenden Schweizer wollen “es” (eben, was du vielleicht nicht einmal gemerkt hast) dem “Schwob” halt möglichst bald wieder heimzahlen oder aber
2. sie meiden den Kontakt mit dir, weil es den meisten Schweizern nämlich auch nicht wohl bei der unausgesprochenen Konfliktsituation ist. (vgl. harmoniesüchtige Schweiz).
Mir ist übrigens auch nicht wohl dabei, den “Integrationshelfer” zu spielen. Ich kenne dich ja nicht persönlich und deine verschiedentlich geschilderten Schwierigkeiten könnten mir ja eigentlich am A..ugenlid vorbeiziehen. Aufgrund deiner Kommentare weiss ich aber, dass du viel Humor hast und dich auch gewandt genug ausdrücken kannst. So sollte es dir zumindest möglich sein, dich in unserem Land der demokratischen Kommunikations-Mehrheit zu fügen. Es wäre schade, nur wegen solcher sprachlicher Feinheiten Sympathien zu verspielen. Vielleicht passt du dich ja auch schon die längste Zeit an, aber nervst dich einfach darüber. Mit diesem Blog hast du natürlich ein geeignetes Ventil gefunden, deinen Heimwehfrust loszuwerden, während ich hier gern auch mal amüsiert die Situationen erwähne, die hierzulande kaum geschehen können oder gehört werden.
Zum Thema Mehrheitsenscheid finde ich übrigens den Kommentar von Dominic gleich hier oben wirklich toll. Das wäre einen Versuch wert!.
Übrigens hast du gegen Ende deines Kommentars meinen berndeutsch abgewandelten Vornamen (mit einem Buchstaben, der natürlich im Taufnamen auch vorkommt) so angepasst, dass es wie das französische “filou” klingt. Letzteres bedeutet “Schlitzohr”. Besonders in berndeutsch sagt man z.B.: “Achtung, dä isch de ne Filou, verchouf em’s de nid z’biuig” = Achtung, dieser Typ ist ein Schlitzohr, verkauf es ihm nicht zu billig!
Vielleicht ist ja Nomen Omen? Zum herausfinden über weitere Kommentare meine Rückkehr aus den Ferien abwarten.
October 25th, 2005 at 7:19 pm
oh filu… i am sooo sorry… phipu (!) meinte ich selbstverständlich, nun hab ich wieder was gelernt bzg. filu -> thanks
musste sehr schmunzeln bei deinen Zeilen, danke dir für die verschiedenen Erklärungen und Tipps… nun versteh ich einiges wirklich besser.
und… oh weh… solch frust hab ich gar nicht mehr, hat sich schon viel gebessert? Die situationen die ich notierte liegen auch schon länger zurück. I love you all.
Also ich find du bist ein guter Integrationshelfer… solch erklärungen (und solch ein blog) hätte mir viel Jahre der Irritation erspart.
Und das mit dem “wönt siii ääss säkli” ist ja zum glück im blog präzise schon formuliert… die verwirrung ist perfekt und der gewöhnungslevel verschärft … doch nun ist frieden. rundrum frieden. moll
Genies du die Ferien (ich hoffe du läufst dort nicht mit einen CH Fähnli rum zur freiwilligen Markierung).
Übrigens… hast du gestern im Radio gehört ?… irgendein Kulturmensch sagte die Schweizer Kultur solle die “Marke Schweiz” vermehrt in den Vordergrund rücken.
Ts ts ts… jede kleine popelreinigungsfirma baut sich irgendwie das “swiss” ins Label ein… soll irgendwie was mit Nationalismus oder Qualität zu tun haben, oder die Botschaft vermitteln:”hier sitzen CH Menschen am Steuer - also keine chriminelle uusländer” … ein rätsel wahrlich… mal sehen wann jens das im blog erklärt
es währe mal ein interessanter blick für eine Recherche im branchenbuch: wieviele firmen eines landes tragen den Landesnamen im Firmennamen. Die prozentualen Unterschiede innerhalb Europas wären interessant.
also… ich werd mich fleissig weiter integrieren (mit deiner und des blogs hilfe) und dieses land mit meinen steuern, konsum und lachen unterstützen. Denn es ist ein feines Land. Gute Leute. Etwas kompliziert und unbeholfen manchmal und entwicklungsfähig in vieler Hinsicht. Doch als Kontrast zum Rest der Welt würd ichs echt vermissen.
bzgl. schaffner… ich weis nicht ob ich es erwähnte….
einmal im tram in zürich gab es einen tramconducteuer… der sagte bei jeder station (kein scherz):” grüezi mitendand. herzlich wilkomme uf der linie 2 richtig tiefebrunne, ich wünsche ihne eine angenehme fahrt” (oder so ähnlich) dann, bei der nächsten station:”uff wiederluege mitenand, ich wünsche ihne eine schöne tag.” neue leute steigen ein, tram fährt los:” gruezi mitenand, herzliche willkomme uf der linie 2 richtig tiefebrunne, ich wünsche ihne eine angenehme fahrt”
merke: zwischen jeder station dauert die fahr ca. 2 Minuten. Und ich musste bis zur Endstation fahren…ca. 40 minuten. Ich sage dir… aua… ich war fix und fertig mit den nerven. Am boden zerstört, zerschmettert vor so viel penetranter freundlichkeit. Seit dem hab ich einen tramschaden im hirn irgendwie…
ich rätselte wo dieser conductuer entlaufen ist.
und keiner der gäste ging vor um ihn grün und blau zu schlagen
nun denn… eine alte geschichte, inzwischen ist längst gras drüber gewachsen, doch oben beim stichtwort “schaffner” erscheint diese horrorsituation einfach automatisch.
Also fipu… bis dann wieder, take care .
October 25th, 2005 at 7:36 pm
Hi Oliver
Deine Tramfahrer Story ähnelt doch ziemlich meiner “Zieh nii uff Bärn” Geschichte mit dem Busfahrer. Aber ich kann Dich beruhigen: Auch in Stuttgart habe ich mal einen “so netten” Strassenbahnfahrer erlebt. Auf die Dauer ist das echt nervig, aber immer noch besser als die Ansage der nächsten Station durch eine Tonbandstimme. In Basel wurde das Band glaub sogar durch eine Schauspielerin besprochen, damit die Leute nicht ausflippen.
Gruss, Jens
October 25th, 2005 at 7:53 pm
stimmt… erinnere mich, doch da war es eine gemütliche fahrt über land wo jeder sich kennt. Doch nicht in der metropole Zürich.
und der stuttgarter…. autsch wie peinlich *schäm*, ähm… woher kam der denn eigentlich? vielleicht ein ausgewanderter… ??
doch bestimmt war der nicht ganz gebacken, ja, die gibts bei uns auch *tatsache - zur beruhigung aller CH bürger, ja auch in BRD haben leute nen sprung in der schüssel*
October 25th, 2005 at 8:13 pm
ach ja, phipu, was ich noch ergänzen wollte: der (inzwischen echt superkleine nur noch) Frust hat seinen Grund in einfachen schlichtem Heimweh.
Wär auch mal ein Wort fürs blog vielleicht, ne ne ne, werd dann ganz superstill sein und nix (gar nüscht *schwör*) sagen. Sollte ich mehr “excüsis fillmoall” einbauen um die Eckpunkte meiner Kommentare abzuschleifen, ?.
Oder vielleicht: “jetzt händ sie dä kommentar geläse, sie chönt nöd eifach davon gah, nei nei nei…. wönd sie es säckli ? schöne tag und uf widderluege ! ”
*winke und bye*
ps… drüben in einem anderen kapitel hat einer gesagt: “schreibt einfach so wie ihr sprecht, vergesst die rechtschreibung”, danke für den tip, klappt doch schon viel besser so.
October 29th, 2005 at 11:27 pm
@Oliver: Ich weiss nicht, an welchem Kiosk und in welchen Beizen Du Deine halben Nervenkrisen durchmachst. Ich bin Schweizerin und bestelle seit eh und je kurz und sec - manchmal mit Gruss, manchmal ohne - je nach Lokal und Situation … e Schale bitte, gärn es Cappuccino und so weiter. Die Frage nach der Verfügbarkeit habe ich noch nie gestellt und sie kommt mir echt exotisch vor.
November 14th, 2005 at 10:27 pm
Hallo Oliver:
Vielen Dank für deine Antwort. Natürlich muss ich immer wieder auf mindestens einen Punkt reagieren.
Ich gehöre gar nicht zu den Schweizerkreuz-Trägern. Im Gegenteil: man würde gerade in Süd- und Osteuropa von viel mehr Dienstleistern wie Taxifahrern oder Gästezimmeranbietern mit $$-strahlenden Augen belagert, trüge man unser Landeszeichen zu offensichtlich umher. Wenn sich auch im globalen Sumpf die Andersartigkeiten immer weiter abschleifen, trägt unser Land doch immer noch hartnäckig den Ruf von „CH = Reich!“ (ausser in den USA, da wird man manchmal mit Bewohnern aus „Swaziland“ oder „Sweden“ verwechselt)
Bei uns gilt - oder sagen wir lieber galt zur Wirtschaftswunderzeit - das Landeslabel als absoluter Garant für Qualität. Früher war auf den CH-Produkten eine Armbrust aufgedruckt. Und nur deshalb wurde es - auch im Ausland – gekauft! Andererseits, nirgendwo anders tragen die Produkte derart inflationär Gütesiegel und Zertifikate von Stiftung Warentest und ISO als Verkaufsargument, wie in Deutschland.
Mir hat allerdings mal ein Deutscher gesagt, nirgendwo auf der Welt stünden so viele Häuser mit Fahnenstange davor und der gehissten Landesflagge, wie in der Schweiz. Und das stimmt nach meiner Erfahrung tatsächlich. Aus Spass kannst du mal statistisch erheben, bei welchem Prozentsatz sogar nur die Kantonsflagge und nicht die Landesflagge hängt. Bei Eigenbedarf: www.kellerfahnen.ch
Bloss keine „äxcüsi“ einflechten und diplomatisch werden. Deine Kommentare dürfen wohl ein wenig grobkantig daherkommen. Genau das macht einen ja reagieren. Und das ist auch der gewünschte Effekt. Nur bin ich vermutlich dem - ziemlich am Anfang dieses Blogs geschilderten - Phänomen auf den Leim gekrochen. „Es ist auf Hochdeutsch geschrieben, also ist es wahr“. Und in Deutschland pflegen die Leute niiiee zu übertrieben, nääin! Meine Kontakte zu Bewohnern des Grossen Kantons sollten mich unterdessen eigentlich eines Besseren belehrt haben.
Zum Heimweh: im 19. Jh. wurde dieses psychische Leiden auch „die Schweizer Krankheit“ genannt. Wieso, weiss ich nicht. Allerdings verkörpert gerade „Heidi“ im um 1880 von Johanna Spyri geschriebenen Buch http://literatur.geschichte-schweiz.ch/johanna-spyri-heidi.html ein Mädchen, das in Frankfurt an dieser Krankheit leidet.
An Jens:
Nun habe ich zum eigentlichen Thema schon lange nichts mehr beigetragen, hoffe aber Inspiration für neue anzusprechende Themen geliefert zu haben.
Bis zum nächsten Angriff auf die Tasten.
November 15th, 2005 at 3:12 pm
An alle, die unter zu viel Freundlichkeit und Höflichkeit bei uns leiden:
Diese Nettigkeit wurde bereits vor über 25 Jahren vom Oltner Kabarettisten Franz Hohler angeprangert. Als Lied (deshalb der eigenartige Poesie-Stil) tönt das ganze natürlich noch viel besser. (Im Zusammenhang mit “Lied” muss ich nicht “klingt” sagen, gell?). Im Internet habe ich leider die akustische Version nicht gefunden.
http://home.datacomm.ch/mik/ba/h/hohler_franz/texte/essiallisonaett.html
November 27th, 2005 at 8:09 pm
Hallo!
Ich bin per Zufall auf diese Seite gestossen und habe gespannt gelesen…;o)
Den Punkt mit der übertriebenen Höflichkeit regt mich manchmal auch als Schweizer auf. Man kann an gewissen Orten nicht spazieren gehen, da man sonst sicher 100te male einen Gegengruss abgeben muss…;o) Allerdings hat sich das in den letzten Jahren so geändert dass es 4. Gruppen gibt:
-1. Die Überfreundlichen Schweizer
-2. Immigrierte die es nicht so mit Höflichkeit haben
-3. Schweizer die sich an die 2. Gruppe angepasst haben
-4. Immigrierte die sich an die 1. Gruppe angepasst haben
Ein Mittelmass findet man selten, da ist es einfach entscheidend wo man lebt, bzw. wie sich die Kulturen zusammensetzen.
bye
Chris
December 8th, 2005 at 1:21 am
Lieber Jens!
Cooler Blog, wükiwükioniSäich!
Dein Türaufhaltbericht stimmt total und ich bin stolz drauf, denn in dieser unserer so arg verrohten Welt gibts noch Anstand und Freundlichkeit! Ich überleg mir grad, ob ich mich morgen vor das Mövenpick-WC stellen soll und von nun an den Männern wenigstens freundlich die Kloschüssel vorbeugend schweizerisch hochklappen soll.
Und, hähä, später dann den Frauen runter klapp! Heil dir Helvetia!
January 29th, 2006 at 1:05 am
hm.. naja.. ich glaube, der unterschied zwischen den deutschen und den schweizer ist, dass die schweizer wissen, was service ist, wo deutschland nur dass wort Wüste dazu einfällt..
March 2nd, 2006 at 11:17 pm
Höflichkeit… Freundlichkeit… Das ist eben der Unterschied, warum ich sehr gerne in der Schweiz lebe und habe nie wirklich gemocht in Deutschland (bin weder Deutsche noch Schweizerin).
April 7th, 2006 at 8:42 am
Tja, das Phänomen wird nun auch in seinen Grundfesten erschüttert …
seit wir nach allen Richtungen die Türe offenhalten
May 9th, 2006 at 7:27 pm
Auch ich als Schweizer beobachte das “Türaufhalten-Syndrom” immer wieder bei mir. Warum? Keine Ahnung, irgendwie angeboren.
Zufällig auf die Page gestossen, undgefällt mir wirklich, mit einem Grinsen les ich die witzigen, aber doch wahren Berichte.
;-)
June 22nd, 2006 at 12:29 pm
Hi,
hab den Blog gelesen und es kam mir etwas bekannt vor, da ich Freunde in der Schweiz habe, die haben mir finanzielle Unterstützung angeboten für ein Projekt, mit dem Kommentar: “Ob wir nun dir das Geld schenken oder der Welt-Hunger-Hilfe spenden, bleibt sich für uns gleich!”, mein erster Gedanke war:”seh ich so verhungert aus”
Es war so gemeint, dass sie sich in einer finanziellen Lage befinden, wo sie gerne jemandem helfen.
Soviel zum Thema Höflichkeit und Hilfsbereitschaft
June 26th, 2006 at 1:18 pm
Hallo zusammen
Ich bin erst Heute auf diesen Blog gestossen und habe mich auf Anhieb amüsiert. Als Urschweizer von Zürich mit Stammbaum bis zurück ins 15te Jahrhundert, aufgewachsen am Zurichsee (Goldküste), immer noch in der Region wohnend und mit zwei Töchtern (Hamburg und München), werde ich wohl hie und da etwas völkerverbindendes beisteuern können.
Ich versuche es jetzt mal aufgrund des Beitrages von
oliver vom
October 25th, 2005 at 7:19 pm
Oli sagt: . . . einmal im tram in zürich gab es einen tramconducteuer …
Ja, ja, genau das war so! Nur gibt es in den Zurcher Trams seit rund 40 Jahren keine Conducteure mehr sondern nur noch Chauffeure sprich Schofför (aus dem französischen).
Meine Frau würde jetzt sagen: “Bis doch nöd eso pingelig!”
Pingelig, eine Schweizerart? Wär vieleicht auch einen Blogg wert.
June 26th, 2006 at 9:59 pm
cooler Blog ! bin dank NZZ zu Dir gekommen und es ist es echt wert. Mach weiter so.
June 28th, 2006 at 5:28 pm
Ich bin ein typischer Schweizer, d.h. habe meinen Heimatort dreimal als Kind besucht, halte die Türen immer auf und bedanke mit für das Telefon
Ich mag die Freundlichkeit und stehe dazu. Übrigens, Frankreich ist ja DAS Land der Floskeln (wer schon mal einen französischen Brief schreiben musste, weiss was ich meine - Stichwort Grussformel) und in Amerika wird man immer mit “how are you?” begrüsst - im Walmart genauso wie im Starbucks. Freundlichkeit versüsst das Leben.
July 28th, 2006 at 11:11 am
Das Aufhalten der Tuer fuer jemanden, der noch ein ganzes Stueck entfernt ist, empfinde ich gar nicht als hoeflich, weil es den nachfolgenden zur Eile noetigt, bzw. einen Druck auf ihn ausuebt, weil ja seinetwegen der erste so lange an der Tuere warten “muss”.
Auf ca. 5 Schritte die Tuer aufhalten oder augehalten zu bekommen finde ich angemessen und freundlich, bei groesserem Abstand mache ich sie als Nachfolgender lieber selber nochmal auf, und als Vorausgehender treibe ich den Nachfolgenden nicht zur Eile.
August 30th, 2006 at 7:17 pm
Die Frage sollte eigentlich nicht lauten: “Warum halten die Leute in der Schweiz die Türen auf…?”
Man könnte sich auch mal darüber Gedanken machen warum die Leute in Deutschland (oder sonstwo) es nicht tun.
September 9th, 2006 at 10:18 am
Gerade weil das “How Are You?” in den USA allgegenwärtig ist, stellt sich aber die Frage, wie ernst es gemeint ist. Will der Fragende wirklich wissen, wie es mir geht, oder wurde er angewiesen, immer zu fragen?
Wenn meine Metzgersfrau dagegen frägt, wie es meiner Frau geht, die seit einem Skiunfall (in Österreich!) ein kaputtes Knie hat, dann habe ich schon das Gefühl, dass es sie wirklich interessiert.
Sobald man in Deutschland die größeren Städte verlässt und in gemütlichen Geschäften und Restaurants auf dem Land konsumiert, wird man im Allgemeinen durchaus nett und freundlich behandelt, auf eine ehrliche Art.
Auch das Türenaufhalten lässt sich hier durchaus beobachten. Ich fühlte mich dadurch oft genötigt, wenn ich mich aus 15 Metern Entfernung beeilen musste, um gegenüber dem höflichen Kollegen nicht unhöflich aufzutreten. Jetzt haben wir automatische Türen.
September 9th, 2006 at 4:30 pm
Das mit den Türen aufhalten, stört auch mich als Schweizer manchmal. Es nervt mich, wenn ich eine halbe Minute lang die Türe aufhalten “muss”, aber wieso ich das überhaupt mache, weiss ich auch nicht. Ich bin sicher nicht der Einzige Schweizer, den es auch nervt, wenn die Verkäuferin in der Bäckerei, nachdem ich etwas für -.50 gekauft habe sich doppelt und dreifach bedankt.
Wirklich toller Blog. Da merke ich plötzlich Dinge, die mir früher gar nie aufgefallen sind. Auch das mit dem Zug kenne ich. Ich fahre die ganze Woche über Zug, und kenne alle Ansagen schon auswendig und denke sie mir ungewollt bevor sie gesagt werden. Irgendwann habe ich noch einmal ein Trauma von dem Satz “Nächster Halt auf verlangen…”
;-)
October 17th, 2006 at 12:33 am
also mal ganz ehrlich, ich (deutscher in ch lebend) finde überhaupt nicht das das ein schweizer phänomen ist. auch bei uns (in D) schmeisst niemand die tür zu wenn grade jemand hinter einem ist. ob es nun 5 m oder 10 m sind liegt natürlich auch im auge des betrachters oder gar an der erziehung. selbst im angeblich unfreundlichen berlin wird einem die tür aufgehalten, ob nun schweizer tourist oder einheimischer.
natürlich muss ich über die meisten themen hier auch schmunzeln, obwohl man sich an das meiste schnell gewöhnt.
einzig das ritual an der ladenkasse bringt mich regelmässig aus der fassung, zumal eine offensichtlich übertrieben gespielte freundlichkeit gepaart mit aggressiver ´supercumuluscard´nachfrage, auch keine freundlichkeit ist. ich möchte nicht pauschalisieren, nur anmerken, liebe mitarbeiter und mitarbeiterinnen grosser supermarktketten.
nichts für ungut.
November 4th, 2006 at 11:27 am
Also mich stört es überhaupt nicht. Vielleicht ist es auch ein Generationsproblem. Ich finde, dass die Gesellschaft allmählich verroht. Diese kleinen Gesten, Sätze, die signalieren, dass wir als Individuum in der Masse wahrgenommen werden, ist schlicht und ergreifend Höflichkeit, die das Leben angenehm macht. Wenn jemand auf meine aufgehaltene Tür nicht reagiert, lasse ich sie eben zuschnappen. Fertig.
Nach 40 Jahren Westschweizerfahrung, stört mich jetzt der Umgangston der Deutschen in Deutschland.
Aber man sollte nicht verallgemeinern.
December 20th, 2006 at 12:05 am
Also Basel scheint mir recht deutsch zu sein. Dieses umständliche und langsame Höflichkeitsgetue ist doch eher eine Berner Spezialität. Ich kenne viele Schweizer (Basler, Zürcher) die damit auch nicht klar kommen.
Ich muss auf jeden Fall erstmal 2 Gänge runterschalten und 3 Stufen höflicher werden, sobald ich mit Bernern zu tun hab. Mit der Zeit wirds dann zienlich langweilig, auch weil im Gespräch kein für mich deutbares Feedback kommt.
Christian
January 4th, 2007 at 10:32 pm
Ein wunderbarer blog, auf den ich heute durch sponline gestossen bin. Vielen Dank dafür. Als in D geborener Sohn einer Schweizerin und eines Deutschen entdecke ich vieles wieder und finde feine neue Sachen.
Vielen Dank dafür!
@ Phipu: bezüglich der “Schweizer Krankheit” oder auch “maladie suisse” kenne ich folgende Erklärung: Zu Napoleons Zeiten, als es der Schweiz wirtschaftlich noch nicht sonderlich rosig ging, mussten sich viele Söhne armer Bauersfamilien in Napoleons Armee als Söldner verdingen. In der Fremde für fremde Herren und um fremde Politik kämpfend, litten diese armen Jungs verständlicherweise jämmerlichen Heimwehs.
Liebe Grüsse,
ulysses
January 5th, 2007 at 12:51 am
Auch wenn’s schon etwas älter ist: Nein, in den USA will bei “How are you?” niemand wissen, wie’s dir geht. Es wird erwartet, dass du sagst, dass alles bestens ist und die Frage erwiderst. Sätze, wie man sie in Deutschland gerne unter Freunden sagt wie “Ach du weisst ja, man hat’s nicht leicht, aber leicht hat’s einen” etc. führen da häufiger dazu, dass sich der andere schon fast als zum Psychotherapeuten abgestellt vorkommt. Aber wie hier ja auch diskutiert -es zu wissen ist eine Sache, danach zu handeln eine andere. Selbst nach mehreren Jahren in den USA hab ich das nicht ablegen können da ab und zu nach “Klappern gehört zum Handwerk” zu antworten.
Gleiches gilt auch für das “Mit dem Vornamen anreden” und Freundschaften etc. Die Amerikaner sind da schnell dabei, aber das wird dann häufig recht verpflichtungsfrei gesehen. In Anbetracht der Tatsache, dass insbesondere im Kundengeschäft vielfach Namensschilder sogar nur mit Vornamen beschriftet sind auch in gewissen Masse logisch.
Finde das Blog hier hochinteressant, weil ich gegenwärtig auch mehrere Bewerbungen in der Schweiz oder bei schweizer Unternehmen laufen habe -in der Pharmabranche nunmal unvermeidlich.
January 5th, 2007 at 12:02 pm
Zum Thema Schaffner:
Ich bin in Deutschland auch mal auf einen so penetrant höflichen Menschen gestoßen. Tatort München in der U-Bahn, die nächste Station war warum auch immer, gesperrt worden. Wir standen irgendwo in der Walachei und eine freundliche Stimme informierte alle Fahrgäste das die nächste Station nicht zur Einfahrt freigegeben sei und er sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen würde. So weit, so gut. Nur dass diese Durchsage im Zwei-Minuten-Rhythmus kam, ohne dass sich der Zug bewegte. Keine Bandstimme, dieser Mensch sagte das jedes Mal höchstpersönlich. Die Stimmung der Fahrgäste spielte das ganze Spektrum der Möglichkeiten durch, von anfangs freundlicher Ignoranz über Gelächter bis am Ende zu offener Wut…
January 6th, 2007 at 11:45 am
Hallo,
das mit der übertriebenen Höflichkeit fällt bereits auf, wenn man wie ich, als Nordostdeutscher nach Schwaben zieht. Im Supermarkt kann man andere Leute in den Hacken fahren und die entschuldigen sich dann noch!
Dafür kann man in der Mittagspause kaum einkaufen gehen, weil da die Hausfrauen ein Plauderabo mit den Verkäuferinnen haben .. Ich glaube, da gibt es im deutschsprachigen Raum einen Nord-Süd-Gradienten … Es ist immer wieder wohltuend, daß im Nachtzug Bern-Berlin nur Berliner Personal tätig ist, das dann auch für südd./schweizer Verhältnisse sehr klare Ansagen macht.
Matze
January 7th, 2007 at 10:13 pm
@Matthias:
och, ich komme mit beidem zurecht. Aber zugegebenermassen finde ich die Freundlichkeit in Sueddeutschland, Österreich und der Schweiz sehr angenehm. Ich find’s nur selten übertrieben und selbst dann: besser als irgendeinen dauermuffigen Grantler.
January 8th, 2007 at 6:32 pm
@nanbi:
Danke, Du sprichst mir aus dem Herzen: Ohne die Schweizer Freundlichkeit abwerten zu wollen (ich geniesse grade die grosse Freundlichkeit der Schweizer Verkäufer im Gegensatz zu den deutschen), aber einige “Unterschiede” zwischen Deutschland und der Schweiz (lebe bald seit 2 Jahren in Züri) kann ich einfach nicht bestätigen:
So bin ich auch mit dem Türen-aufhalten als völlig normalem Ausdruck von Höflichkeit aufgewachsen (in NRW) und habe nie etwas anderes kennengelernt.
Und ich habe es weder hier noch in Deutschland kaum mal erlebt, dass jemand am Telefon nach einer Pause _nicht_ “Sind sie noch da?” fragte - kein Mensch spricht dann doch einfach drauflos…?
Überhaupt Telefon:
Ich habe mir mittlerweile in der Schweiz sogar abgewöhnt bei Hotlines die üblichen Floskeln zu verwenden. “Gelernt” habe ich das etwa so:
Hotline-Mitarbeiter: “Gruezi wohl, Firma ABC, mein Name ist XYZ.”
Ich: “Ja, gruezi, mein Name ist Ingo Rau.”
H-M: “Was kann ich für Sie tun?”
Ich: “Ich hätte da eine Frage bzgl. …”
H-M: “Ja, bitte sehr” oder “Tut mir leid, da muss ich Sie verbinden.”
Mittlerweile rücke ich immer sofort mit der Frage raus, da auf meine Vorstellung immer eine unangenehme Pause folgt, in der ich auf die Nachfrage der Person am anderen Ende der Leitung warte, die aber meist nicht kommt. Jetzt lese ich hier andauernd, wie deutsch dieses Fragen stellen ohne anständige Gesprächseinleitung wäre - aber vielleicht hat mein (Nicht-)Dialekt mich schon so verraten, dass mein Gegenüber schon umgestellt hatte…
Und noch ein Wort zu Cumulus etc.-Karten: Da muss ich die deutschen Supermärkte loben, hier hat man mir die dummen Teile nur in den Wochen nach der Einführung angeboten und fragt auch nicht nach. OK, das ist vielleicht typisch deutsch (wer vergisst, sie vorzuweisen, ist selbst Schuld…), aber deutlich weniger nervig.
Daher meine Frage:
Wer beteiligt sich mit mir an einer Sammelbestellung für T-Shirts mit dem Aufdruck:
“Ich habe keine Cumulus- oder Coop-Karte!
Ich sammel auch keine Märkchen!”
;-)
January 8th, 2007 at 6:36 pm
Und gleich noch was:
Wie wär’s denn mal mit einem Blog-Eintrag über die Schweizer Eigenart, in Aufzügen immer den ->|.
Aber in der Schweiz schliesst sich die Tür meist schon, wenn ich grade mit dem ganzen Körper im Aufzug bin, da jemand, der bereits drin war, den Knopf gedrückt hat.
PS: Ich muss zugeben, mittlerweile habe ich es mir auch angewöhnt, auf diese Weise 3 Sekunden mehr Zeit im Leben zu haben…
January 12th, 2007 at 10:54 am
hhahahaa…..sehr lustig geschrieben. Wie wahr….als junger Deutscher in der Schweiz (20 Jahre) muss ich selbst nach 6 Jahren immer noch was dazulernen…aber ist ja durchaus sinnvoll sich die Türen gegenseitig aufzuhalten
January 22nd, 2007 at 3:50 pm
»Dort pflegte ich mich zu bedanken mit dem Satz: „Jetzt müssen Sie mich nur noch heimfahren, das wäre perfekt.“« Quod erat demonstrandum - von wegen deutscher Arroganz. (Sorry!)
[Anmerkung Admin: Also das soll Arroganz sein? Mensch das war doch nur ein Joke, ein lockerer Spruch, eine kleine Auflockerung zum Abschied erwachsen aus meiner Faszination über soviel Hilfsbereitschaft. Wenn das schon als “Arroganz” = Überheblichkeit aufgefasst wird, dann sehe ich die Schweiz langsam wirklich als “anderen Kulturkreis”. Merke: Niemals ein Witz zum Schluss, wenn eine Bedankungsorgie erwartet gewesen wäre. Nein, die freundlichen Taschenträger haben stets freundlich mitgelacht über diesen Satz, und ich glaub nicht, dass sie mich als arroganten Deutschen in Erinnerung behielten. ]
January 23rd, 2007 at 6:34 am
jetzt bin ich aber erstaunt… anderer kulturkreis? lieber peter, das meinst du jetzt nicht ernst; das ist doch sonnenklar oderrr…
habe dir gerade eine lange antwort gesandt, aber die anti-spam-zeile vergessen, so dass mein geschreibsel im nichts landete… schade…
also ich finde die schweiz klasse und, obwohl ich als original-preussin oft an verfrühter unausgesprochener aburteilung von seiten der lokalen bewohnerInnen leide (ich muss ja nur ein halbes wort hauchen und bin schon geoutet), scheint der mir der hauptgrund der potentiellen und schwelenden sowie manchmal sogar ausbrechenden deutsch-schweizer (nicht deutschschweizer) konflikte an unser mangelnden bereitschaft zu liegen, die schweiz als tatsächlich komplett eigenen kulturkreis anzuerkennen…
January 23rd, 2007 at 10:57 am
Liebe ecs, genau das wird es wohl sein! Vielen Dank für Deine Antwort. (Vielleicht haben es gerade die Preussen in der Schweiz etwas leichter?) – Zur Antwort von “Admin”: Die Reaktion scheint mir typisch zu sein - oder auf gut bundesdeutsch: Mir kommen die Tränen. - Kennen Sie das nicht, dass man lacht, auch wenn (oder gerade weil) man sich etwas seltsam berührt fühlt bzw. - wie Sie sich wohl ausdrücken würden - leicht veräppelt vorkommt? - Ja, Sie befinden sich in der Schweiz tatsächlich (und eben nicht nur in der französischen oder italienischen) in einem anderen Kultur- bzw. Mentalitätsbereich, kurz: im Ausland. Es fällt auf, wie gerade die Deutschen oft Mühe haben - pardon: sich schwer tun -, das schlicht und einfach zu akzeptieren oder auch nur zur Kenntnis zu nehmen. (Statt dessen wissen sie nichts Schlaueres, als sich über das, was nicht wie bei ihnen zu Hause ist, zu mokieren. Nun gut, das können Schweizer auch!)
January 29th, 2007 at 5:28 pm
Hi,
ich finde diese Seite genial und irgendwie traurig..
Ich bin jetzt schon 6 Jahre in der Schweiz und es ist grausam schwer mit Schweizer richtige Freundschaften aufzubauen.. Würde mich freuen, wenn sich wenigstens die Deutschen untereinander treffen würden. -Hallo, gibts vielleicht ein paar Deutsche in ZH?-
ich für meinen Teil mache mir ernsthafte Gedanken wieder in die Heimat zurück zu gehen.. Arbeiten ja.. aber nicht um jeden Preis.
Die Beiträge von Oliver und den Zigaretten finde ich köstlich, hab mittlerweile aufgehört zu rauchen..
January 29th, 2007 at 8:02 pm
Hallo Zämme!
Und Hallo Jens
Diese Blogwiese finde ich echt amüsant.
Ja ja, die Schweizer sind ein gar eigenes Völkchen!
Jens kann gut beobachten und gut zuhören!
Mach weiter so, Jens, wir Schweizer nehmen eh vieles viel zu “ernst” und “ernstes” viel zu wenig “ernst”.
Ich hab eh immer viel Spass, wenn wir Schweizer so richtig “gerögnt” werden!
Michael Mittermaier ist auch so ein super lustiger Komiker in solchen Sachen.
Zu Dir liebe Sandra, gib nicht auf!! Es hat viele Schweizer die Euch “Deutschen” echt gut mögen!!
Ich kenn schon viele von Euch und hab null Probleme mit Euch!
In diesem Sinne: Salü Zäme……………..
February 15th, 2007 at 8:14 pm
Liebe Sandra
Wer geht schon freiwillig nach Deutschland zurück. Mir scheint du stellst dich etwas ungeschickt an um mit Schweizern bekanntschaft zu schliessen. Du darfst mir mal ein Foto mailen und je nach dem können wir mal etwas unternehmen. Voraussetzung wäre das du Skifahren kannst und mobil bist.
March 20th, 2007 at 2:46 pm
Hab mir schon lange vorgenommen, mal diesen Blog zu besuchen. Hab mich grad köstlich über das Tür-aufhalten-Phänomen amüsiert. Schön, dass wir so viele Deutsche in unserem Land haben. Anders käme ein solcher Fundus an Beobachtungen von “kurligen” Schweizer Eigenarten wohl kaum zu Stande. Es lebe die cross cultural observation!
Allerdings, frage ich mich schon, ob das nur ein Schweizer Phänomen ist, das mit dem Türen aufhalten. Was das höfliche Benehmen Frauen gegenüber anbelangt, könnte wohl ein Engländer bei der Türe-aufhalten-Ausdauer nämlich locker mit einem Schweizer mithalten.
Daneben fällt mir gerade auf: Ist “Schweizer” als Adjektiv eigentlich das einzige länderspezifische Adjektiv das gross geschrieben wird?
April 19th, 2007 at 4:29 pm
Kompilment Jens, diese Seite ist klasse.
)
Ich habe tränen gelacht über deine Berichte und über einige der Antworten.
Für mich als Schweizerin ist es sehr amüsant zu hören welche Schwierigkeiten in der Verständigung für jemanden aus “dem grossen Kanton” entstehen. Viele Missverständnisse waren mir vorher gar nicht bewusst. ich habe mich oft gefragt warum sich die Deutschen so schwer tun uns zu verstehen. (wir reden doch gar nicht sooo sehr anders) jetzt ist mir einiges klar geworden. ;o)
übrigens: ich finde es klingt “herzig”, wenn ein Deutscher seine Sprache mit schweizerdeutschen Ausdrücken vermischt. ich finde es sympathisch.
)
May 8th, 2007 at 11:23 pm
Hmmm also ich finde es ein bisschen bedenklich wenn ich hier negative Äusserungen dem Türaufhalten gegenüber lese!
Es ist einfach anständig, ein Zeichen dafür, dass man mit offenen Augen durch die Welt geht und sich wenigstens in einem Minimum um seine Mittmenschen kümmert.
Was soll daran bitte schön negativ sein??????
(und)Dieses kleine Opfer, diese 15 Sekunden des Wartens sollte jeder erbringen können. Ich kenne niemand, der sich diese 15 Sekunden nicht leisten könnte. Ob man sich diese 15 Sekunden Zeit nimmt oder nicht, sagt sehr viel über den Charakter und über die Person aus!!
Und noch etwas für Besucher unseres schönen Landes:
Wir Schweizer bewerten Leute sehr stark nach deren Benehmen und Details wie das Türaufhalten fäll auf, positiv oder negativ! Und da die Schweiz so klein ist und quasi nur aus Details besteht, hat bei uns oft ein Detail grösste Wichtigkeit.
Priiiis!
May 21st, 2007 at 8:31 pm
Hallo Jens
mit grosser Freude habe ich das Interview heute Morgen auf DRS 1 während der Autofahrt von Zürich nach Bern aufmerksam mitgehört und dabei immer wieder laut lachen müssen. Habe Ihre Site neu zu meinen Favoriten aufgenommen und werde sicherlich bald auch meine Sicht über die Deutschen preisgeben.
Ich arbeite mit einem halben Dutzend Deutschen zusammen. Die anfängliche Skepsis ist vollumfänglich verflogen.
Gruss cosmic.snake
June 10th, 2007 at 2:32 pm
Is zwar schon ein etwas aelterer Eintrag, passt aber perfekt zu dem von mir gestern auf einer oeffentlichen Toilette Erlebten:
Jemand stand am Waschbecken und war grad fertig mit Haendewaschen, als ich noch auf dem Weg zu selbigen war. Jedenfalls hatte ich die Haende noch unter dem Wasserstrahl, da stand dieser Jemand brav an der Tuer um diese aufzuhalten. Eigentlich hatt ich ja noch vor,mir die Haende noch abzutrocknen (unterm Trockner) - habs dann aber seingelassen, weil mir diese Situation einfach zu peinlich vorkam….andrerseits so im nachhinein: Wie lang waer wohl die Geduld des anderen zum Aufhalten gewesen?????
Diti
June 21st, 2007 at 6:10 pm
Hier in der Schweiz ist es einfach nicht so wie in Deutschland! Es ist überhaupt nirgends so wie in Deutschland! Nicht mal in Deutschland selbst!
Aber schön, dass viele Deutsche in die Schweiz gefunden haben! Wir brauchen Euch und wenn Ihr eines Tages nach Deutschland zurückkehrt, könnt ihr dort die Sache mit der “Türe aufhalten” und damit ein bisschen Friede, ein bisschen Freude verbreiten.
:-)
July 13th, 2007 at 2:16 pm
Ach soooooo! Deutsche machen das nicht? Ich habe mich als Schweizerin in der Beschreibung des Türeaufhaltens wiedergefunden - und beginne nun zu ahnen, weshalb ich Deutsche manchmal (unbewusst) als ruppig empfinde.
Gut beobachtet, fein und witzig beschrieben! Irgendwie gelingt es dir total gut, die Unterschiede (meist) wertfrei darzustellen. Chapeau!
July 18th, 2007 at 9:09 pm
Dass die Schweizer tendenziell höflicher und rücksichtsvoller sind als meine deutschen Landsleute, kann ich vollauf bestätigen. Das Türenaufhalten ist in der Schweiz vermutlich weiter verbreitet als in Deutschland, obwohl (wie schon von anderen hier gesagt) es durchaus auch zu meiner Erziehung zur Höflichkeit gehörte - und das sogar im “preussischen” Berlin. Naja, zugegeben, meine Mutter stammte vom Land…
Aber (ohne Kritik, einfach als Beschreibung) es gibt auch in der Schweiz mindestens einen Ort (eine Situation?), wo aus meiner häufigen Erfahrung die Türen nicht aufgehalten werden. Im schönen Zürcher Oberland, in Effretikon, hats den Effi-Märt. An der Treppe von der Tiefgarage in den Shopping Bereich gibts eine Tür, durch die man durch muss. Da haben es ALLE immer eilig, egal ob mit Tüten in der Hand oder ohne. Tür aufhalten ist die Ausnahme und geht höchstens auf 2 m Abstand.
Muss sagen, ich hab mich schon oft gewundert, warum. Weil es so gar nicht der gewohnten Schweizer Höflichkeit und Rücksichtnahme entspricht. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.
Gruss Mattheff
July 20th, 2007 at 12:31 pm
Vielleicht kaufen im effi-markt nur wenige Schweizer ein.
August 5th, 2007 at 7:05 pm
Hallo Jens,
Grüizi all miteinander,
Als neuer Grenzgänger aus Freiburg ist mir das auch schön öfters aufgefallen, dass mit den Türen aufhalten. Und gerade am Bad. Bahnhof merkt man schon einen unterschied, wer wem die Türe aufhält und wie sich jemand bedankt. Und da Basel doch einen sehr hohen Anteil an nicht Schweizern hat, auch wenn sie durch ihre hier arbeitenden Eltern Schweizer sind und auch sehr viele Pendler aus Deutschland hier durchgehen, merkt man den unterschied oftmals erst in den Monaten Dezember bis Februar erst recht deutlich. Ich arbeite sehr gerne hier und genieße die Freundlichkeit. Ob es Floskeln sind oder auch nicht.
Und das mit dem grüßen auf der Strasse ist eine andere Sache. Ich grüße und auch andere grüße mich, meiner Meinung nach, wenn wir Respekt vor ein an der haben. Gut ich habe auch schon Situationen gehabt, da wurde ich auch nicht gegrüßt und im nach hinein stellte ich bei mir auch fest, ich hatte den Kopf voller Probleme und war morgens um 7 nach der Zugfahrt auch noch nicht ganz wach. Ich glaube die Schweizer haben manchmal doch ein sehr feines Gespür, was ich in Deutschland vermisse oder mir auch nicht mehr auffällt. Wahrscheinlich ist es andersherum bei den Schweizern, wenn sie in Deutschland sind auch so. Man achtet eben auf das nicht gewohnte eher und ich denke das ist auch normal so.
der blogg ist wirklich super und sorry Jens die Kommentare sind manchmal noch besser
auf habt euch wohl und ein schönes ( in diesem Fall leider kein Wochenende mehr, sonder eine schöne Woche)
August 20th, 2007 at 1:52 pm
Hallo Ihr Deutschen hier in der Schweiz,
bin zwar auch Deutsche, - vor 1 3/4 Jahren hier hin gezogen, aber manchmal schäme ich mich doch Deutsche zu sein.
Ich glaube Ihr vergesst, dass Ihr hier in einem anderen Land seit, geduldet und wie heisst es so schön: “Andere Länder, andere Sitten”. Ja und dann wäre da ja auch noch zu sagen: ” Wir sind die Ausländer, wir müssen uns anpassen, nicht umgekehrt.
Was wird in Deutschland immer über Ausländer hergezogen, die sich nicht anpassen möchten !!!!
Ich für meinen Teil fühle mich hier in der Schweiz “Pudelwohl”, nach Deutschland sehne ich mich nicht mehr zurück.
Anschluss habe ich hier auch gleich gefunden, es kommt halt immer darauf an wie man sich selber gibt.
Ich möchte auf jeden Fall hier nicht mehr als Deutsche erkannt werden und arbeite an meinem Schwitzerdütsch und auch an den Schweizer - Geflogenheiten.
September 25th, 2007 at 10:55 am
Mir als “Urschweizer” ist mir das Türaufhalte-Phänomen kürzlich auch aufgefallen. Ich habe mich über meine Freundlichkeit (auch das “Danke und mersi) geärgert, chan aber nöd andersch)
Ein Erklärungsversuch:
Durch das Türaufhalten muss man nachher der entsp. Person hinterhergehen.
So kann man(n) den geilen Arsch (sorry, wohlgeformtes Gesäss) betrachten.
Oder so
March 2nd, 2008 at 2:23 pm
Zum Thema:
»Dort pflegte ich mich zu bedanken mit dem Satz: „Jetzt müssen Sie mich nur noch heimfahren, das wäre perfekt.“« Quod erat demonstrandum - von wegen deutscher Arroganz. (Sorry!)
[Anmerkung Admin: Also das soll Arroganz sein? Mensch das war doch nur ein Joke, ein lockerer Spruch, eine kleine Auflockerung zum Abschied erwachsen aus meiner Faszination über soviel Hilfsbereitschaft. Wenn das schon als “Arroganz” = Überheblichkeit aufgefasst wird, dann sehe ich die Schweiz langsam wirklich als “anderen Kulturkreis”.
JA! Das klingt in Schweizer Ohren sehr arrogant, geradezu “typisch Deutsch”. Da hält Ihnen jemand sämtliche Türen auf, ist überaus freundlich und zuvorkommend (was Sie ja fasziniert), und Sie danken es der Person mit einem -äxgüsi- saublöden Spruch. Gute Schweizerisch wäre: “Herzlichen Dank, das war sehr freundlich/hilfereich/nett. Ich revangiere mich gerne bei Gelegenheit”. Merken Sie den Unterschied?
May 16th, 2008 at 11:12 pm
Ich fand es auch oberpeinlich. Und das sage ich als Hamburger. Der Spruch strahlt die totale Selbstgefälligkeit aus.
Aber auch in Deutschland gibt es sicher diese Höflickeitsrituale. Ich unterstütze die Meinung, dass es in Deutschland wohl eine Frage der Kinderstube ist.
Der Blog ist sehr gut!
Gruss aus Züri…
May 21st, 2008 at 4:23 am
Also… wir sind Schweizer,und uns wurde es von klein an beigebracht höflich zu anderen mitmenschen zu sein, auch wenn es deutsche sind
Es ist für uns eine selbstverständlichkeit jemandem mit dem einen gefallen zu tun. wie mühsam ist es wenn man beide Hände voll hat und die tür nicht selbst öffnen kann? alles abstellen bei jeder tür kann es nicht sein, so sollte man froh sein gibt es die höflichen zuvorkommenden Schweizer….
Es war uns noch nie unangenehm oder lästig, jemandem durch diese kleine geste einen gefallen und eine freude zu machen und dafür ein freundliches lächeln oder merci zu erhalten.
July 24th, 2008 at 4:21 pm
Hallo,
ich bin noch ganz frisch in der Schweiz und mir ist das auch aufgefallen. Ich dachte aber, das wär nur in unserem Unternehmen der Fall. Am Morgen kommen die Kollegen aufgereit an einer Perlenkette wie die Flugzeuge zum Zürcher Flughafen an - man hat praktisch immer jemanden vor oder hinter sich und gerade desshalb laufe ich lieber langsam und versuche möglichst viel Abstand zu meinem Vordermann zu bringen - wenn dieser eine bestimme Entfernung überschreitet. Warum? Man hält hier prinzipiell bis Sichtweite die Türen auf, was schon mal mehr als 10 Meter sein kann. Ich will dann nicht unhöflich sein und setze zum Dauerlauf an, damit der Betreffende nicht so lang an der Tür warten muss. Darauf hat man aber morgens meist keine Lust.
Andererseits muss ich sagen, dass es auf mich abfärbt. Ich denke, es gehört zur guten Stube, jemanden nicht die Nase vor der Tür zuschlagen zu lassen, aber wenn ich dann jemanden die Tür aufhalte und ich sehe, dass er anfängt, wegen mir schneller zu laufen, fühle ich mich unwohl und hätte ihm/ihr gern diesen kurzen Sprint erspart - ich hätte nie gedacht, dass mich solche Kleinigkeiten mal auf diese Art beschäftigen würden:)
July 24th, 2008 at 9:40 pm
Salü und hallo zusammen,
also ich finde, hier wird schon ein wenig ein stereotypes Positiv- bzw. Negativbild gepflegt, auf beiden Seiten.
Meine Mutter (Volksschule, zeitlebens ungelernte Hilfskraft) hat mich noch erzogen, wie es früher in Deutschland eigentlich üblich war:
Anderen Leuten die Türe aufhalten (das hat in ihrer früheren Firma sogar der Firmenchef gegenüber der “Putz”frau gemacht) und älteren Menschen im Bus den Sitzplatz anbieten.
Das ist in Deutschland erst in den letzten 15-20 Jahren sichtlich den Bach hinuntergegangen.
In der Stadt, aus der ich komme (Geburtsstadt Albert Einsteins), und deren Region, sind die dort ansässigen Schwaben selbst unter den Schwaben für ihr schlechtes Benehmen bekannt.
“Die Deutschen können sich nicht hinten anstellen” trifft auf diese am besten zu. Aber ich war beruflich schon viel unterwegs, es ist nicht überall so. In der Hohenlohe sind die Schwaben viel freundlicher.
Ebenso habe ich in der Schweiz schon beobachtet, dass Mitarbeiter in einer Firma - auf jeder Hierarchieebene - Reinigungspersonal nicht grüssen oder ihm nicht die Tür aufhalten.
Ich als Deutscher bin da selbst unter Schweizern aufgefallen, vermutlich nicht positiv. Egal, ich bin dort nicht mehr
En Grüess Ralf
August 24th, 2008 at 11:05 am
Morgens in der Firma. Die Schweizer Receptionistin begrüsst einen mit Namen und hält die Ture auf und wünscht anschliessen noch einen schönen Tag. Ihre deutsche Kollegin drückt irgenwo in der Ferne einen Knopf der die Türe entriegelt.
Ehrlich gesagt etwas dazwischen waere mir lieber..
September 15th, 2008 at 1:42 pm
Manche Sitten und bräuchte sind echt göttlich,kann man sagen was man will
September 24th, 2008 at 10:37 am
bezüglich des problems des aufhaltens der türe:
bei kurzem abstand ist das praktisch ein muss, vor allem, wenn die nachfolgende person keine hand frei hat. bei grösseren distanzen ist es tatsächlich mühsam, da die andere person regelrecht dazu genötigt wird, einen zwischensprint einzulegen, um nicht die wertvolle zeit des höflichen türaufhalters zu verschwenden. in einer solchen situation öffne ich die türe für mich und gebe ihr einen zusätzlichen schubs, sobald ich sie passiert habe. so kann der nachfolger selber entscheiden, ob er sprinten oder die tür zugehen lassen will.
March 29th, 2009 at 6:04 pm
Grütze! ; )
also mal zwo Anmerkungen:
1. es ist ja nicht so dass die Deutschen sich selbst so gut kennen, man unterschätzt hier die Unterschiede zw. den Regionen gewaltig!!!
Ich musste letztens den “Gebrauchsanweisung für Schwaben” verschenken, für nen Hessen im Ulmer Exil. Und ich erinnere mich mit grausen an meinen ersten Job in Frankfurt mit 60% Kollegen aus Berlin, da bleibt einem am Anfang erstmal die Spucke weg. Irgendwo hab ich gelesen das Rheinländer und Berliner verstärkt in die Schweiz ziehen, das dürfte manches Problem zu eher zurückhaltenden Menschen erklären. Oder redet mal mit echten Bayern die sich noch an die Zeit erinnern als für die starke Industrialisierung des Agrarstaats viele “Saupreisen” ins Land geholt wurden. Und mit dem Bairischen Batzi Humor musste ich auch erst Frieden schließen. Jede Region ist eigen.
2. Hab in Bordeaux studiert und mit erstaunen festgestellt, dass Franzosen große Umwege laufen, wenn sie eine Gruppe Bekannter erspähen. Warum? Wg der “Bise”, den Küsschen links-rechts, je nach Region 2-5 mal! Du triffts Freunde und MUSST JEDEN einzeln begrüßen, Buserl für die Frauen, Händeschütteln der Männer. Das bremst dermaßen, dass lieber ein Haken geschlagen wird.
Von Kurt Krömer gibts nen schönen Sketch wie er in nem Westdeutschen Edeka freundlich bedient wird, und er sich ständig “verarscht” vorkommt…
May 9th, 2009 at 4:50 pm
„Jetzt müssen Sie mich nur noch heimfahren, das wäre perfekt.“ Vielleicht humorlos, aber so ein Satz kommt bei mir arrogant an. Ihre Antwort auf ein höfliches Türe aufhalten - ist verletzend. Ebenso unhöflich empfinden wir, wenn Deutsch sich einfach hinsetzen (in der Bahn oder im Restaurant) ohne zu fragen, ob noch frei ist.
Weil wir so höflich sind, bekommen Deutsche nicht ganz mit, wie wir von ihnen wirklich denken - auch wenn ich viele nette Deutsche bei uns angetroffen habe. Nur diese Sprache — es ist so hart und bestimmend - lässt nichts Gemütliches zu. Anders bei Dialekten in D - z.B. die Bayern oder die Berliner - da fühle ich mich wohler.
June 19th, 2009 at 11:05 pm
genau - marc hat recht - ich mach das auch so!!! sehr gut!
August 21st, 2009 at 9:15 pm
…die Welt ist hart und furchtbar ungleichmässig. Klar - ich kann und will nur subjektiv etwas zu “deutsch-deutsch” beitragen…aber ich muss vorweg warnen: ich liebe als deutschgeborener die Schweiz und bin somit alles, bloss keinen Hauch objektiv.
Ich kann mir schon vorstellen, dass ein aus Deutschland frisch importierter Mitarbeiter, der jetzt allen zeigen möchte, wie neue Besen kehren können in der Schweiz wirken…:-))
Mit derselben Art schlägt er auf Malle auf und meint, dass überall seine Lebensart gilt, bloss weil keiner was sagt. Im Blog meinte jemand, dass die schweizer Höflichkeit etwas “falsches” an sich hat…mag sein, dass dieses Gefühl als Reaktion auf die weitverbreitete Meinung der Schweizer über “uns” Deutsche zu sehen sein kann. Mag auch sein, dass dieser Deutsche noch nicht begriffen hat, dass es wohltuend sein kann, mit Fremden rücksichtsvoll umzugehen.
Was ist schon dabei, wenn man die Wertschätzung für den “Nächsten” durch ein Türaufhalten dokumentiert. Was ist schon dabei, wenn beim Einkauf die Vorrätigkeit abgefragt wird.
Klar, wenn jemand meint, dass das kurz Gebellte als Frage reicht…OK…ich empfinde diese kurze Abfertigung als schnippisch…als beleidigend, denn der Gegenüber zeigt mir seine Gleichgültigkeit durch Unhöflichkeit.
Diese hier so breit diskutierten und vielmals negativ kommentierten Andersartigkeiten der Schweizer zu “D” sind für mich angenehm und werden mich in allernächster Zeit für immer in die Schweiz ziehen. “D” ist in seiner Art verroht und ungehobelt. Beinahe gewalttätig…im Detail, wie im Ganzen.
Lieber Eidgenossen…lasst Euch keine Komplexe einreden…;-)…bleibt ein Beispiel für Demokratie und Höflichkeit…seid geduldig…manche brauchen länger.
Gruss Gerd
September 25th, 2009 at 3:23 pm
Hallo zusammen
Ich bin 30 Jahre alt und Schweizerin. Das mit den Türen ist mir erst aufgefallen als ich diesen Blog hier gelsen habe. Auch ich halte den Menschen die Türe auf und meine Kinder tun dies auch das ist uns wohl einfach von früher anerzogen worden. Ich denke aber auch das dies nicht nur ein Typisch schweizerisches phänomen ist. Ich denke auf dem Land macht man das überall und Deutschland ist ein grosses Land und hat sehr viel mehr Grossstädte da gehen solche gepflogenheiten bald mal verloren. Ich denke da nur auch daran wenn man hier im Kanton Schwyz, auf der Strasse läuft oder Wandern geht sagt jeder beim vorbei gehen Grüezi, wenn man das in Zürich tut wird man blöde angestarrt. Ich möchte noch etwas sagen zu dem Beitrag wegen Zigaretten kaufen, also ich lebte in den 30 Jahren in dehnen ich nun auf der Welt bin in 3 kantonen in der Schweiz und habe alle deutschschweizer Kantoine schon besucht. Ich habe 17 Jahre lang geraucht ( vor 3 Monaten aufgehört) und habe noch nie in meinem Leben zuerst beim Kiosk gefragt ob sie Zigarettn habe. Ich ging hin sagte ein PArisienne Blau bitte und bekahm dies, ohne grosses nachfragen nach anzahl oder so. IOch weiss ich nicht was das ganze soll.
Patty
October 23rd, 2009 at 11:51 am
dieser blog ist wirklich gäbig, er bekräftigt mich immer wieder in meiner erfahrung, dass höflichkeit einfach etwas angenehmes ist und das leben schöner macht. ist den versuch wert!
October 25th, 2009 at 9:19 am
Höflichkeit und Freundlichkeit sind Tugenden.
Ween sie nerven outet sich.
Im übrigen ist mir eine gespielte Freundlichkeit und Höflichkeit, wenn sie denn gespielt ist, bei Amerikanern oder Schweizern wesentlich lieber als die ehrliche und von Herzen kommende Griesgrämigkeit und Unfreundlichkeit wie ich sie in Deutschland oft erlebe.
Viele Grüße,
Jürgen
May 3rd, 2010 at 12:06 am
Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, war aber immer wieder für längere Zeit in Deutschland. Ja, ein paar Dinge sollte man den Einheimischen unbedingt “abluegä u nachemachä”. Also ruhig unauffällig beobachten, wie sich die Kollegen in Standardsituationen verhalten und dann nachmachen. Aber Achtung! Auf keinen Fall versuchen, Schweizerdeutsch zu sprechen, auch keine Diminutive und und ähnliche Helvetismen übernehmen, damit macht ihr euch nur lächerlich und lauft Gefahr, dass sich Schweizer verarscht fühlen. Schweizerdeutschen Dialekt kann man nur lernen, wenn man hier aufgewachsen und in die Schule gegangen ist. Die Kosten für die “Schwyzerdütsch”-Kurse könnt ihr euch also sparen. Es empfiehlt sich aber ein möglichst dialektfreies deutliches Hochdeutsch zu sprechen (Bühnensprache, Tagesschausprache), die Schweizer haben überhaupt kein Problem damit. Nach einem halben Jahr verstehen die meisten Deutschen den schweizerdeutschen Dialekt recht gut. Ob Schweizer mit euch Schriftdeutsch oder Schweizerdeutsch sprechen, solltet ihr unbedingt ihrer Wahl überlassen. Die Regel lautet also ganz einfach: Hochdeutsch sprechen, und den anderen sprechen lassen, wie er will. Wenn man am Anfang nicht alles versteht, einfach nachfragen: Beispiel: Ich bin nicht sicher, ob ich dich/Sie richtig verstanden habe, meinst du… oder Entschuldigen Sie bitte, das ging mir etwas zu schnell, können Sie die Frage wiederholen? Wenn Schweizer Deutsch mit euch sprechen, auf keinen Fall loben, das nimmt euch keiner ab. Mit der Höflichkeit muss man es nicht übertreiben, auch hier ist es besser, authentisch zu bleiben. Auch grüssen unbedingt auf Hochdeutsch, kein merci und uf widerluege, sondern guten Tag und auf Wiedersehen. Am KIOSK. Guten Tag, ein Päckchen Camel Box bitte. Danke schön, auf Wiersehen. Wenn Schweizer einen schönen Tag wünschen, einfach danke gleichfalls sagen. Viel wichtiger ist ein freundliches und ehrliches Lächeln, also authentisch freundlich sein zu den Schweizern, auch interessiert sein, kommt hier sehr gut an. Generell empfiehlt es sich: 2/3 zuhören und die Klappe halten und 1/3 selber erzählen: das macht ungeheuer Eindruck. Ich bin 43 und lebe seit meiner Geburt hier, habe also viel Übung darin, mich vom Deutschen in den Schweizer und umgekehrt zu verwandeln. Menschen die nach ihrem 12 Lebensjahr in die Schweiz kommen, sollten das aber wie gesagt auf keinen Fall tun, im umgekehrten Fall ist es anders, bin in Berlin vielen vor allem jüngeren Schweizern begegnet, die nach ein paar Jahren akzentfrei Deutsch gesprochen haben. Der Dialekt ist nach der Pubertät einfach nicht mehr lernbar, da es keine schriftliche Form gibt und die Schweizer durch die Medien recht vertraut mit dem Hochdeutschen sind. Ich hoffe, meine Zeilen wirken nicht besserwisserisch (wohl eine eher schweizerische Befürchtung? (-: Ich finde es super, dass seit ein paar Jahren deutlich mehr Deutsche in der Schweiz sind und freue mich über jeden schweizer, den ich in Berin kennen lerne. Arbeite als Deutschlehrer in einem Gymnasium in der Nähe von Luzern und beobachte mit grosser Freude, dass schweizer und zugezogene deutsche Jugendliche auffallend gut miteinander auskommen. Liebe Grüsse, Nicolai (entschuldigt die vielen Fehler, ist schon etwas spät am Abend, habe die Seite gerade entdeckt und es hat mich gleich unter den Fingerkuppeln gejuckt, werde wieder vorbeischauen und meinen Senf abgeben (-:
August 10th, 2010 at 12:07 am
@rumpelstilz:
BRAVO !!!
Hervorragender Beitrag von Ihnen. Sie haben da ganz recht: KLAPPE HALTEN! Hätte ich nicht anders gemacht.
Solche schnoddrigen Bemerkungen gehen in Berlin (”Jetz ham´se mir so lange hofiert hier wie de Hautevolée uffn rotn Läufer denn könn´se mir ja ooch heimfahr´n, wa??”) aber in der Schweiz geht das überhaupt nicht!! Das heisst, es geht in die Hose!
Und jetzt sage ich Ihnen was: ich BIN Deutscher. Aber ich weiss wohl doch irgendwie, wo man besser einen Satz weniger sagt.
Denn ich war mich zu 99% im klaren, dass man bei einer Schweizerin/einem Schweizer da komplett ins Fettnäpfchen trampelt.
MERKE: was der Deutsche da “witzisch” findet, kann der Ausländer da als gänzlich daneben auffassen.
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Mir wär auch nichts eingefallen, ich hätte wohl einfach “Merci vielmal” gesagt.
August 10th, 2010 at 12:20 am
@Gerd
Was sagen Sie da? “Neue Besen kehren gut?”
Schon verloren.
Hübsche Story, von mir konstruiert, aber mit Sicherheit z. T. eine wahre Begebenheit
))
Schreinergeselle, Deutscher, fängt in der Schweiz in einer Werkstatt neu an.
In der ersten Woche in seinem Job muss eine Tür, fertig bearbeitet und fast transportfertig, herausgetragen werden.
Tür ruht auf 2 Böcken.
4 Mann packen an.
Chef (schriftdeutsch):
“Bitte vermeiden Sie Schmutz auf der nach draussen zeigenden Seite, wenn es geht”.
Mitarbeiter (Schweizer), zu Chef:
“Sött me villiicht die Tür es bizzeli go kehre ? ”
Chef: Die Idee isch guet. — Herr X, wir werden die Tür jetzt kehren.
Mitarbeiter (D): Alles klar! Bin gleich zurück!!
Chef + Mitarbeiter gucken verdutzt wie begossene Pudel, als der MA wegflitzt.
Als der Deutsche mit einem Handfeger zurückkommt, gibt es lautes Gelächter.
Als das abebbt, meint der Chef:
“Gopfriedstüdeli! Sie sollten die Tür nur KEHREN [1], nicht FEGEN!”
[1] In der Schweiz bedeutet “kehren” = “umdrehen”, also in diesem Fall um 180°. Kehrt man mit einem Besen, dann FEGT man.
A
October 14th, 2010 at 11:25 pm
Türe aufhalten ist eine Seelenfrage, wie auch das Grüssen bei einer Verkaufstheke. Der Schweizer trägt diese Höflichkeit tief in sich, aus Respekt gegenüber dem anderen. Es hat auch mit einer Todesehrfurcht zu tun, jemandem die Türe offen zu halten, obwohl man noch einige Meter entfernt ist: Die Türe könnte hinter einem zugehen, ohne dass man den Hintermann jemals lebend wieder sieht! So grüsst man schön, sagt noch etwas Nettes und man hält einem den Weg frei. In alten Zeiten herschten noch brutale Sitten und bei grausigen Schlachten kreuzten sich die Helebarden mit den Schwertern und auch der schwarze Tod fegte über die Alpen hinweg. Die Einwohner siechten dahin und die Dörfer und Städte leerten sich. Der Schweizer hat das nie vergessen und hält einem gerne die Türe offen und grüsst schön.
November 29th, 2010 at 10:00 am
Ich finde Ihren Blog einfach amüsant. Liebe Grüße aus dem kalten Thüringen
March 18th, 2011 at 9:48 am
Ihren blog lese ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge als möglicherweise auch bald uusländerin der Schweiz.
Danke und weiter so!
June 12th, 2011 at 7:00 pm
Als Schwabe, der nach Nordrhein-Westfalen emmigriert ist, habe ich so einige der hier beschriebenen Phänomene umgekehrt erleben müssen. Anscheinend ist man als Schwabe mit manchen Umgangsformen näher am Schweizer als an den Deutschen nördlich der Mainlinie.
Die Höflichkeitsformen im Konjunktiv sind auch bei uns sehr üblich. Die Menschen im Westen und Norden kamen mir anfangs sehr unhöflich vor, wenn sie einfach zum Bäcker reinstiefelten und ohne großes Grußwort oder Frageformel ihre Bestellung aufgaben.
Hält man in solchen Alltagssituationen hier jemand die Türe auf, wie hier beschrieben, fällt man sofort auf. Allerdings durchaus positiv, weil die Leute es gar nicht mehr gewohnt sind, dass sich jemand so rücksichtsvoll benimmt. Gut, bei den hier beschriebenen Extremabständen - und längen würde man dann irgendwann einen dummen Kommentar ernten.
Aber ich fahre meist ganz gut damit, etwas mehr zu lächeln als meine Mitmenschen und etwas freundlicher anzufragen. Besonders gut kommt es eigentlich, wenn man zu unfreundlichen Menschen unverhofft besonders nett ist.
Beispiel: Hier im Aldi um die Ecke. Die Schlange an der Kasse geht mal wieder durch den halben Wagen. Ich hatte versehentlich eine Kundin (Mutti mit Kind, die sind ja fast immer gestresst) übersehen, die wohl auch schon anstand. Dies meinte sie mir sehr ruppig mitteilen zu müssen. Ich habe sie daraufhin mit jovialer Geste vorgelassen und der Anmerkung: “Aber gerne. Ich habe viel Zeit”. Danach habe ich noch weitere Kunden gefragt, ob sie nicht vor wollen, weil sie es doch sicher eilig haben. Darauf ist dann aber keiner eingangen, allerdings breitete sich recht schnell Heiterkeit aus und die Situation war entschärft.
August 26th, 2011 at 11:46 pm
Huhu
Ich als deutsch-schweizerischer Mischling erkenne die Unterschiede, aber es trifft wirklich nicht immer zu. Es gibt auch viele unhöfliche Schweizer und sehr höfliche Deutsche. Mein Hausarzt z. B. ist Deutscher und den würde ich echt einfach nicht gehen lassen, falls er wieder nach Deutschland zurückkehren wollte. Er wirkt auf mich sehr einfühlsam in seinem Auftreten. Er muss sich gar nicht erst an schweizerische Gepflogenheiten orientieren, weil er aus sich heraus sehr sensibel und feinfühlig ist. Also ich für meinen Teil höre auch gern deutschen Dialekt, weil er sich irgenwie schweizerisch anhört. Aber ich liebe natürlich auch das Hochdeutsch. Und wer sagt, Deutsche seien nicht höflich: Mich ruft regelmäßig ein deutscher Werbefritze an und belabert mich stundenlang und ich lasse mich einschleimen, weil es einfach so schön klingt, kaufe aber nichts. LOL
Wegen dem Türeaufhalten: Ich hab Schmerzen in den Händen und freue mich deshalb über diese schweizerische Sitte. Aber es ist in der Schweiz nicht üblich, die Türe offenzuhalten, wenn der andere dann zur Eile genötigt wird. Gerade darauf wird auch sehr geachtet. Es gibt aber einen Trick, um nicht unhöflich zu wirken: So tun, als hätte man nicht nach hinten geschaut. Scheuklappen-Verhalten wird als neutral empfunden, so im Sinne von “in Gedanken verloren”, “nach vorne zugewandt”. Das ist okay so.
Ich hab aber manchmal schon auch Mühe mit deutschen Sitten, aber eher so, dass ich durch scheinbar ruppiges Verhalten verunsichert werde und dann nicht weiß, ob dies nun deutscher Stil ist oder dieser Mensch es echt nicht gut mit mir meint. Aber es gibt auch Schweizer, die so sind.
Lieben Gruß
Livi
January 2nd, 2012 at 1:26 pm
«Jetzt müssen Sie mich nur noch heimfahren, das wäre perfekt.» - das würde von uns Schweizern vermutlich auch schon wieder als etwas zuuu rude angesehen werden