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Wie langsam sind die Schweizer? — Vortritt geben und nicht Vordrängeln

  • Die Nachbarstädte Konstanz und Kreuzlingen
  • Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 06.01.07 auf Seite 2 einen interessanten Artikel über die Nachbarstädte Kreuzlingen und Konstanz:
    Langsame Schweizer

    Die sechs Jahre Weltkrieg waren für Kreuzlingen eine unmittelbare Bedrohung, die jahrzehntelang nachgewirkt und Ressentiments hinterlassen hat. Hinzu kommen Mentalitätsunterschiede: „Deutsche fahren schneller in den Parkplatz als wir; sie sind zuerst im Lift und reden rascher“, sagt der Kreuzlinger Lehrer Thomas Brütsch. „Da fühlen wir Schweizer uns immer ein bisschen minderwertig.“
    (Quelle: Tagi vom 05.01.07)

  • Fahren Deutsche schneller in Parkplätze?
  • Uns ist noch gar nicht aufgefallen, wie die Geschwindigkeit beim „in einen Parkplatz fahren“ gemessen wird. Es kann natürlich sein, dass wer so ein langes Verb wie „parkieren“ statt einem kurzen „parken“ benutzt, für die Tätigkeit an sich dann auch mehr Zeit braucht. Wahrscheinlich fühlen sich Schweizer Einkaufstouristen aus Kreuzlingen im hektischen samstäglichen Stadtverkehr in Konstanz nur unsicherer als die Einheimischen und fahren daher langsamer. Deutsche, die an einem verkaufsoffenen Sonntag im Einkaufsparadis Glattzentrum bei Zürich eine freie Parkmöglichkeit unter den 4.800 Parkplätzen suchten, kurvten ähnlich nervös und vorsichtig herum. An diesen verkaufsoffenen Sonntage in der Weihnachtszeit war bereits ab 10:00 Uhr kein Parkplatz mehr rund um Zürich zu finden. Wer 42.5 Stunden arbeitet wie die Schweizer kann nur am Sonntag Geld ausgeben, und dann aber bitte alle gleichzeitig.

    Kreuzlingen am Bodensee
    (Quelle Foto: pfimi-kreuzl.ch)

  • Nudeltage in Kreuzlingen
  • Der Einkaufstourismus zwischen den Nachbarorten Kreuzlingen und Konstanz funktioniert in beide Richtungen:

    Die Konstanzer kommen derweil zum Tanken und in die Migros — Letzteres gleich scharenweise, wenn doppelte Cumuluspunkte vergeben werden. Dabei kauft die deutsche Kundschaft mit Vorliebe Teigwaren ein. Weshalb Doppelcumulus-Tage in Kreuzlingen „Nudeltage“ heissen.
    (Quelle: Tagi vom 05.01.07)

    Falls Sie jetzt nicht wissen, was „Cumulus“ ist, dann lassen Sie sich vor ihrem nächsten Schweizbesuch vorwarnen. Wenn die Migros-Kassiererin „Haben Sie Cumulus?“ fragt, dürfen Sie auf keinen Fall „Darüber würde ich nur mit meinem Arzt reden“ antworten. Wenn die Migros-Verkäuferin Sie hingegen nach Ihrer Coop-Supercard fragt, dann haben Sie sich vertan und sind gar nicht in der Migros, sondern im Coop gelandet. Ist uns alles schon passiert. Falls Sie mit deutschen Bekannten zum ersten Mal in die Migros kommen, schicken Sie die am besten gleich los zum Weinkaufen , dann können Sie in Ruhe „go poschte“, d. h. ihre Posten erledigen, sprich „einkaufen“ und sehen die Bekannten garantiert eine Weile nicht mehr.

  • Deutsche sind zuerst im Lift
  • Wir kommen zurück zum Tagi-Zitat: „sie [die Deutschen] sind zuerst im Lift und reden rascher
    Die Deutschen kennen sonst nur Fahrstühle und Aufzüge, um damit in den Keller hinabzufahren. Kein Wunder dass sie gleich losrennen, wenn sie zum ersten Mal einen Schweizer „Lift“ sehen. Skilift, klar, der ist ihnen bekannt. Und erst recht kommt Freude auf, wenn sie dann im Lift das Schild entdecken, dass sie mit einem von „Schindlers Lifte“ unterwegs sind. Aber im Ernst: Es sind nicht die Deutschen zuerst im Lift, sondern es sind die Schweizer, die länger warten, die Tür aufhalten und den anderen automatisch den Vortritt lassen. Wir haben es das „Türen-aufhalten-Phänomen“ genannt.

  • Kein Vordrängeln sondern den Vortritt geben
  • Kein Deutsches „Vordrängeln“ also, sondern ein Schweizerisches „Vortritt geben“ ist Schuld an der Misere. Den „Vortritt“ geben die Schweizer sowieso gern, meistens zwangsweise, speziell im Strassenverkehr. Hier sind alle zu Fuss unterwegs, und garantiert immer den Vortritt hat „das Tram“ in Zürich. Kein einsames Tram(per-Mädchen), sondern eine neutrale Strassenbahn. Siehe hier: Strassenbahnen, bitte vortreten.

  • Wenn sich Schweizer minderwertig fühlen
  • Der entscheidende Satz des Lehrers Thomas Brütsch ist „Da fühlen wir Schweizer uns immer ein bisschen minderwertig.“ Er sagt nicht, dass die Deutschen von oben auf die Schweizer herabschauen oder sich über sie lustig machen, nein, das Minderwertigkeitsgefühl stellt sich ganz von allein ein. Sowas nennt man in der Psychologie einen „Minderwertigkeitskomplex„. Wikipedia meint dazu:

    Der Minderwertigkeitskomplex ist Ausdruck einer fehlangepassten Persönlichkeitsstruktur, die von Gefühlen der Unterlegenheit bestimmt ist und das Verhalten der Menschen wesentlich beeinflusst. Er entsteht aus Erfahrungen von Fehlern und eigenem Versagen.
    Die Thematisierung von Minderwertigkeitsgefühlen in der Psychodynamik wurde von Alfred Adler in die Tiefenpsychologie eingeführt.
    Menschen, die unter einem Minderwertigkeitskomplex leiden, sehen sich selbst als etwas Kleines, Unbedeutendes an. Sehr viele Patienten leiden auch unter Depressionen, worauf eine akute oder latente Suizidgefahr folgen kann.
    (Quelle Wikipedia)

    Zwar ist die Schweiz kleiner als Deutschland, aber warum daraus gleich ein Komplex erwachsen muss, bleibt für uns ein Rätsel. Deutschland ist auf einer Weltkarte auf Grund seiner geringen Ausdehnung auch nicht gerade leicht zu finden. Wichtig scheint mir, dass die Deutschen für diesen Minderwertigkeitskomplex wenig verantwortlich gemacht werden können, denn den reden sich die manche Schweizer offensichtlich ganz allein ein. Wir meinen, völlig zu Unrecht.

  • Komplexe können gefährlich enden
  • Wie wir bei Wikipedia gelesen haben, kann das dann sogar zum Selbstmord führen. In der Schweiz ein ganz besonderes Thema, dem wir an Weihnachten ein eigenes Posting gewidmet haben. Siehe hier: Alternativen für den Schweizer Selbstmord.
    Darum zum Schluss ein Aufruf an die Deutschen in der Schweiz: Lernt das anständige Türenaufhalten und drängelt euch beim Lift nicht immer vor! Auch das Vordrängeln der Deutschen am Skilift ist in der Schweiz fast ein nationales Trauma. Dazu mehr unter Der Deutsche und die Warteschlange.

    

    24 Responses to “Wie langsam sind die Schweizer? — Vortritt geben und nicht Vordrängeln”

    1. wolfi Says:

      erstmal erstauntes hallo jens, du machst jetzt wieder am wochenende durch ohne vorher bescheid zu geben? ;-).

      komme von 3 tagen skifahren zurück, tatsächlich drängeln sich „dütschi“ immer wieder mal vor, von schweizern sieht man das eher selten oder gar nicht.
      fährt man in der gondel oder dem sessellift, ist das gschnorr vo de lüüt gleich gross, egal welche nationalität man antrifft.
      interessant ist, dass man – wenn es denn der fall ist – ausschliesslich von deutschen angesprochen wird, sei es am tisch beim mittag essen oder susch wo.

      was das parkieren angeht, kann ich nicht sagen, ob das stimmt. wohl stimmt die tatsache, dass man in der schweiz allgemein wesentlich umsichtiger und angenehmer auto fährt, tempo 50 innerorts und 80 ausserorts wird von bestimmt 90% eingehalten, wohl auch wegen der vielen radarkontrollen ;-).

      fahre ich in deutschland überlandstrassen, „muss“ ich mindestens 120 km/h fahren, damit mir nicht ständig jemand auf dem heck klebt. fahre heute überhaupt nicht mehr gerne durch dütschland, alles viel hektischer.

      und das thema türaufhalten hast du schon mal vortrefflich behandelt. ja in der schweiz hält man auch leuten die tür auf, die noch 10 sec. entfernt sind. ist doch eine schöne sache.

      in diesem sinne, bis neulich

      der wolfi

    2. Christian Says:

      Die Probleme zwischen dem Schweizer und seinem nördlichen Nachbarn beginnen mit der Kommunikation. Der Schweizer, der Schriftdeutsch spricht, ist dem Deutschen in den meisten Fällen hinsichtlich Kadenz und Wortschatz unterlegen. Das Schweizer Hochdeutsch ist zudem vielfach akzentbehaftet („Ricola-Deutsch“), was die Kommunikationsbarriere – und das Lächeln auf den Gesichtern der Deutschen – zusätzlich vergrössert. Dieses Gefühl der sprachlichen Unterlegenheit mag einer der Gründe für das angespannte Verhältnis zwischen Schweizern und Deutschen sein. Als Schweizer hatte ich anfangs Mühe, von meinen Deutschen Gesprächspartnern Ernst genommen zu werden, mittlerweile gehe ich glücklicherweise schon fast als Deutscher durch…

    3. mare Says:

      Originalgeschichte, wirklich so passiert:
      Lehrkraft: „Diese Geschichte (Friedrich Dürrenmatt: das Versprechen) ist verfilmt worden, der Film heisst ‚the Pledge‘ mit jack Nicholson.“ Schüler: „Das kann nicht sein, Dürrenmatt ist doch bloss ein Schweizer“. Woher kommt dieser Minderwertigkeitskomplex?

    4. Locus Says:

      Hallo Jens: Deine Idee finde ich genial: „Wenn die Migros-Verkäuferin „Haben Sie Cumulus?“ fragt, dürfen Sie auf keinen Fall „Darüber würde ich nur mit meinem Arzt reden“ antworten.“ Das nächste Mal an der Kasse im Migros werde ich der Verkäuferin genau so antworten und dir dann die Reaktion melden.
      Man muss die Leute beim Wort nehmen!
      Da ich zum Teil verschiedene Billette mit mir herumtrage, zeige ich dem Schaffner in der SBB ab zu alle meine ca. 10 Billette, wenn er durch die Gänge marschiert und „Alle Billette“ in tiefer Basslage posaunt. Dies macht im Alltag Spass für ihn, für mich und auch für die Passanten.

      Vielfach blättere ich in deinem Archiv herum, z.B. nach „Cumulus“.
      http://www.blogwiese.ch/archives/17 Im Gegensatz zu Orts- und Flurnamen, dessen Schreibweise auch nach 50 Jahren noch unverändert gültig sein sollte und deshalb keine Angabe der Jahrzahl notwendig ist, würde ich es begrüssen, wenn in deinem Archiv von blogwiese jeweils das Datum erscheinen würde, wann der blog publiziert wurde. Das Cumulus System von der Migros hat seit dem Erscheinen des Artikels 17 geändert. Wären alle Artikel mit einem Datum versehen, dann würden sich keine Widersprüche zu damals korrekten Aussagen ergeben. Dies ist nur als Anregung und nicht als Kritik zu verstehen. Vielleicht wäre eine aufwändige Umprogrammierung des Systems nötig, was aber sicher nicht meine Absicht ist.

    5. Ben Says:

      Gehört am Skilift: „In Laax ist es am schönsten, da hat es fast keine Schweizer.“

      Erlebt in der Warteschlange: Dame drängelt sich vor. Ich: „Aber hallo!“. Dame (auf Standarddeutsch): „Oh, ich habe Sie gar nicht warten sehen. Ich dachte, Sie stehen hier nur so rum.“

      Gelesen im Cartoon: Paar im Restaurant in Italien: „Nein, nein, wir sind keine Deutsche, wir sind Schweizer“. Kellner: „Das ist nicht so schlimm, es gibt ja auch anständige Schweizer.“

      In diesem Sinne…

    6. wolfi Says:

      Gehört am Skilift: “In Laax ist es am schönsten, da hat es fast keine Schweizer.”

      Von Deutschen hast du das nicht gehört, die würden sagen….da SIND fast keine Schweizer.

      Schönen Gruss

    7. mGt2 Says:

      Nun ja wer sich von den Schweizern noch an die Schule erinnern kann wir mir wohl sicher beipflichten das eine der unangenehmsten Erfahrungen war vor der ganzen Klasse auf Hochdeutsch einen Vortrag zu halten.
      Gerade für jene Schüler die selten Hochdeutsch sprechen und weniger extravertiert sind war das damals eine Qual.

      Und jetzt muss der Schüler mit seinem Schultrauma 😉 auch noch nach der Schule Vorträge halten und das bloss weil einer kein Schweizerdeutsch versteht was für ein Dilemma 😉

      Bevor ich in Münster gearbeitet hab, bemerkte ich oft das ich lieber Französisch sprach als Hochdeutsch obwohl ich im Hochdeutsch sicher den grösseren Wortschatz und die Sprache dem Mundart, logischerweise, viel näher ist.

      Aber es ist alles eine Sache der Übung.

      Und das Schweizer langsamer seien bzw. langsamer sprechen ist auch nur dann der Fall wenn sie Hochdeutsch sprechen. Ich würde behaupten das gewisse Dialekte, Berndeutsch ausgeschlossen, mindestens ebenso schnell sind wenn nicht gar schneller als Hochdeutsch.

      Auch dieses ganze Warteschlangen „Phänomen“ ist nicht ein Problem der Deutschen sondern eines der Schweizer.

    8. Fiona Says:

      Vortritt geben – Ladies first! Vordrängeln – am Buffet nie!

      Die Schweizer Grossbank Credit Suisse hat vor einigen Jahren ein Vademecum herausgegeben mit vielen Tipps zum Themen „Savoire-faire“ und „Savoir-vivre“.

      P.S. Was können die Deutschen von deren Nachbarn, den Oesterreichern, lernen? 🙂

    9. Reiner Says:

      Seit wann kennen Deutsche keinen „Lift“ oder assoziieren das automatisch mit Skilift? Für mich sind Aufzug, Lift und Fahrstuhl völlig normale Wörter mit der gleichen Bedeutung, die auch im Alltag in Deutschland regelmäßig verwendet werden. Manche Leute sagen lieber Aufzug, andere lieber Lift – da kann ich keine schweizerdeutsche Besonderheit erkennen.

      [Anmerkung Admin:
      Ein Blick in das Variantenwörterbuch des Deutschen aus dem De Gruyter Verlag verrät: Das Wort „Fahrstuhl“ gibt es nur in der D-Variante, d. h. die Schweizer und Österreicher verstehen es, gebrauchen es aber nicht. „Aufzug“ ist in D und A ebenfalls gebräuchlich, „Lift“ hingegen als englisches Lehnwort wird vor allem in der Schweiz verwendet, in D und A aber gleichwohl verstanden. So ist das mit den Varianten. Du gebrauchst sie offenbar alle drei und hast es dir noch keine Gedanken über die Unterschiede gemacht. ]

    10. Phipu Says:

      Hier etwas zum „in den Lift drängeln“; und das ist nach meiner Feststellung nationen- und generationenübergreifend.

      Darf ich hier mal alle darauf hinweisen, dass man als wichtiges Bestandteil der Erziehung normalerweise mitbekommt, dass aussteigende Leute zuerst durchgelassen werden sollen, bevor man hereindrängt. Und zum herauslassen sollte man am besten seitlich neben – und nicht genau vor die Tür stehen. Etwas Vorstellungsvermögen in räumlichem Denken hilft auch, dies als logisch zu betrachten. Diese Überlegung darf auch analog auf das Ende von Rolltreppen und Türen öffentlicher Verkehrsmittel übertragen werden. Bei Parkplätzen funktioniert es erstaunlicherweise. Da lassen die Platzsuchenden immer zuerst den Lückenfreigeber wegfahren.

      „Ellbögle“ (sich mit den Ellenbogen durchkämpfen) scheint aber heute viel salonfähiger zu sein, als eine gute Kinderstube zu beweisen. Den höflich beiseite stehenden gibt es dann eben schon Komplexe, wenn dann die rücksichtslosen Kämpfer obenauf schwimmen.

    11. dantonbln Says:

      Aus meinen beruflichen Anfängen in Konstanz ist mir eine Schmonzette bezüglich des Verhältnisses Schweizer/Deutsche in Erinnerung. In der Nähe des deutschen Grenzübergang hatten sich in den 70er/80er Jahren einige Sexläden angesiedelt, es gab auch ein Bordell im Industriegebiet, „Klein-Paris“ genannt.
      Der Schweizer Staatsanwalt mokierte sich über die „unzüchtigen Deutschen“, was die Konstanzer Behörden mit dem Hinweis parierten, daß ebendort die Schweizer die besten Kunden seien…

      [Anmerkung Admin:
      Im Grenzgebiet Lörrach-Basel gibt es einen ähnlichen „Sex-Streifen“ auf Deutscher Seite. Selbst im Einkaufsparadis Jestetten verdient das Rotlicht-Milieu gut an den Schweizern. Siehe: Die Schweizer beim Einkaufen — Boomtown Jestetten]

    12. Frank Says:

      Deutsche drängeln sich nicht vor, sie nehmen bloß die wartenden Schweizer nicht wahr. Schweizer halten einfach grundsätzlich mehr Abstand. Mir ist das auch schon selbst ein paar mal passiert, daß ich einen am Geld- oder Ticketautomaten (für Schweizer: Bancomat oder Billettautomat) wartenden Schweizer übersehen habe, weil dieser etwa 5 Meter vom Automaten entfernt gewartet hat.

    13. richard Says:

      ja also, schon seltsam, dass mir der hier erwähnte begriff „nudeltage“ auch nach 13 jahren kreuzlingen (und das 200 m von der migros entfernt wohnend) noch nie begegnet ist. Vielleicht ist der begriff den migros-angestellten geläufig? weitere verbreitung kann er kaum haben.

      etwas lustiger finde ich schon, wie häufig man den begriff „kleinstaat“ für die schweiz (in schweizerischen medien und politik) bemüht. sollte damit die fläche gemeint sein? aber da steht die schweiz eher in europäischen mittelfeld, wie auch tschechien, slowakei, slowenien, belgien, niederlande etc. etc. – oder sollte damit die einwohnerzahl gemeint sein? aber auch da tut sie vielen anderen europäischen staaten nicht viel, siehe die vorgenannten staaten, aber auch plusminus ungarn, finnland oder österreich. es gibt eine tendenz, sich künstlich klein zu machen. wieso auch immer. ich kann’s nicht nachvollziehen. auch ich als schweizer nicht.

    14. Michael Says:

      also meine erfahrung an der ETH:
      in der mensa drängeln sich immer leute von der seite in die schlange (ok, der ausländeranteil ist dort auch extrem hoch)
      aber im lift: wenn ich in den lift gehe und nicht alleine bin, dann drückt dieser jemand quasi immer ganz hektisch auf den „tür schließen“-knopf, von dem ich vorher nichtmal wusste, dass es ihn gibt. ich warte normalerweise immer höflich, ob nicht noch jemand kommt, der auch in den lift will. hier scheint es jedoch üblich zu sein, die tür so schnell wie möglich zu schließen.
      so viel zum thema höflichkeit und nationalität. ich finde, man kann nicht so einfach eine „wir“ und eine „die“ Grenze ziehen. es gibt solche und solche. in beiden ländern

    15. Grenzgänger Says:

      Wenn bei Aldi in Konstanz die Kassenschlange stockt und die Kassierin unwirsch guckt, kannst Du drauf wetten, dass (meine Tastatur gibt kein ß her, was sagt uns das?) ein Schweizer die Ursache ist. In aller Ruhe wird eingepackt und noch das passende Geld gesucht.
      Die Konstanzer und andere Grenzbewohner kennen das ja mittlerweile, aber wehe es sind Auswärtige in der Schlange…

      @Wolfi:
      Den Kommentar mit den 50 und 80 würde ich nochmals überdenken. Nach 5jähriger Erfahrung auf schweizer Strassen mit D und CH Kennzeichen kann ich nur sagen, 80% der schweizer Autofahrer (in den Kantonen TG und SG besonders zu beobachen) fahren höchstens 40 in der Ortschaft und 60 – 70 km/h ausserhalb. Wenn man schneller fahren will (so um die 80, wie erlaubt) und überholt, gibt’s ein wildes Gehupe.
      Die Konstanzer haben sich übrigens da schon angepasst. Wenn man aus dem nördlichen Teil des grossen Kantons kommt, fällt das sofort auf. 🙂

    16. wolfi Says:

      grenzgänger
      naja, 80% find ich etwas übertrieben, aber exteme schleicher gibt es schon, das ist richtig. wenn man einen schweizer überholt, und dabei innerhalb der erlaubten geschwindigkeit bleibt, führt das in der regel tätsächlich zu einem gehupe, das sind sie aboslut nicht gewohnt, kann ich dir nur zustimen. dennoch ist autofahren in CH wesentlich angenehmer.

      schönen gruss

    17. Branitar Says:

      @Grenzgänger
      Wie gut, dass deine Tastatur kein ß hergibt, denn „dass“ wird seit der Rechtschreibreform auch in Deutschland mit s (bzw. Doppel-s) geschrieben, wie das „das“, das nur ein s hat. 😉

    18. Brun(o)egg Says:

      Höflickeit und Stil hat nichts mit Nationalität zu tun, sondern mit Erziehung und Anstand. Vielleicht empfinden wir Schweizer das so, weil in jedem von uns ein kleiner Polizist steckt?

      Ich empfehle im übrigen das TA Magazin 6. Januar. Die Schweiz von aussen betrachtet oder so.

    19. Myrhylinn Says:

      Ein wenig Schmunzeln musste ich nun schon bei dem Beitrag, wen ich mich auch – als Deutscher – ein wenig angegriffen fühle.

      In meiner Anfangszeit in der Schweiz bewunderte ich den schweizer Verkehr. Wie höflich alle waren… man liess einfahren, wartete und war überaus rücksichtsvoll. Aber wenige Monate später verflucht eich die schweizer Höflichkeit im Straßenverkehr: Führte Sie doch regelmässig in den Stoßzeiten zu einem kompletten Zusammenbruch des Züricher Stadtverkehrs.. ich hätte in 10 Minuten daheim sein können, musste aber – wegen der „tollen“ Höflichkeit mehr als 1 Stunde auf meinen Feierabend warten…

      Auf Autobahnen führte ein – ein in Deutschland absolut übliches – 10km „zu schnell fahren“ als erlaubt regelmässig zu gehupe und sogar – man mag es kaum glauben: zu ich-fahre-links Spurblockaden!
      Und bis ein Schweizer merkt, dass ich gerne an ihm vorbei wollte, da ich noch ca. 8 Stunden Autofahrt vor mir hatte um meine Freundin in Deutschland zu besuchen, da kochte mein Blut schon 50 km nach Zürich…

      Auch die schweizer Höflichkeit ist ein ganz besonderes Thema:
      Anfang empfand ich nur Verwunderung ob der schweizer Höflichkeit. Nach einigen Monaten war ich soweit, dass ich kurz vorm Amoklauf stand, wenn noch ein Mensch höflich zu mir ist. Es kann doch nicht sein, dass ein ganzes Land derart höflich ist.
      Daheim in Deutschland genoß ich tatsächlich griesgrämig dreinschauende Menschen…

      Und ja: Die Berner sind langsam…
      Und wer glaubte, dass Deutschland ein Bürokratieland sei, der solle mal in die Schweiz gehen… aber das ist bei unseren Nachbarn aus Frankreich auch ungleich bürokratischer…

      Aber – um meinen Worten etwas die Kritik zu nehmen:
      Die Schweiz und ihre Bewohner sind ein wunderbar und ich habe mich alles in allem sehr wohlgefühlt. Ich würde jederzeit wieder ein paar Jahre in der Schweiz leben wollen… Ich liebe doch den Dialekt (auch wenn ich nicht immer alles verstanden habe), ich liebe sogar zum Teil ihre Ressentiments gegenüber uns Deutschen, ich liebe die Gemütlichkeit, die wunderschönen Städte, sogar ihre Höflichkeit finde ich mittlerweile ansteckend.. alles in allem: Ein wunderbares land!

      Viele Grüße

      Myrhylinn

    20. aquado Says:

      Es ist wirklich putzig hier! 🙂

    21. ichbins Says:

      Was ist denn das für ein Sch****?

      Den ganzen Beitrag hat es einfach nicht eingetragen. Naja…Nicht so wichtig. Das Gemotze über die bösen Schweizer sollte man den Deutschen ruhig lassen. Ihr meckert ja so gerne…

    22. StoiBär Says:

      Ich muß ja zugeben, dass wir bei jedem Besuch in St. Gallen ein bestimmtes Himbeer-Dickmilchdessert in großen Mengen kaufen. Das gibts nur bei Migros und wir haben auch schon öfters den kompletten Bestand gekauft und mußten dann trotzdem noch in eine andere Filiale fahren. Die Kassiererinen gucken uns dann schon immer ein wenig sinderbar an. An der Grenze haben wir dann immer Angst, wegen Joghurtschmuggels verhaftet zu werden.

      @Myrhylinn: Schweizer Autobahnen sind der Traum für deutsche Tempomatfahrer 😉

      @ichbins: Motzen tun wir nicht so viel. Jammern können wir viel besser.

    23. thomas brütsch Says:

      liebe loite.
      sfroit mich gewaltig, welche diskussionen meine schludderig dahergeplapperten wörtchen bei euch auslösen. noch mehr froits mich, dass redaktor nussbaumer mich im TA so dezent zitiert hat – meine worte waren deftiger…
      anyhow. man könnte ja auch die zwischenzeilen verstehen!
      1. anhang: übrigens fragen geutgelaunte migros-kassiererinnen heute: „wo haben sie kolumbus?“
      2. anhang: wir haben keinen ausgeprägten minderwertigkeitskomplex. „darüber reden“ dient uns als schutzschild – und das, obwohl noch nie ein schweizer bürger wegen negativaussagen über die deutschen nach dem anti-rassismus-gesetz verurteilt worden ist.

      kusz vom bodensee.
      brü.

    24. peter Says:

      Grüetzi aus Dütschland,

      das Schweizer Minderwertigkeits-Komplexe gegenüber uns haben können, ist uns völlig unerklärlich. Die Schweiz ist für uns historisch gebeutelte Deutsche sowas wie ein stabiles Paradies. Euer Land ist unvergleichlich schön. Der Menschenschlag ist urig, freundlich und solide. Alles ist gut organisiert (noch besser als bei uns)! Eure SBB ist sauber und sogar pünktlich. Ihr streikt nicht dauernd und eure direktere Demokratie hätten wir auch gern. Eure Schokolade, die Bündner Nusstorte und das Bündner Fleisch sind unerreicht. Über eure Nationalstraßen zu fahren ist nicht gerade billig aber doch sehr viel stressfreier als die freie Jagd auf unseren Autobahmen.
      Und wenn wir manchmal über euer Schwitzerdütsch etwas schmunzeln, dann ist das keine Überheblichkeit, sondern weil es so schön urig klingt!

      Morgen wollen wir zum Nudelnkaufen nach Kreuzlingen!

      Ciao! Peter

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