Ob Blaufahrer ins Blaue fahren? — Neue Schweizer Lieblingswörter
Januar 24th, 2008„Les bleus“ heisst wörtlich „die Blauen“, und die werden für Frankreich in der kommenden Europäischen Fussballmeisterschaft eine ganz entscheidende Rolle spielen. Bei der letzten Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 traten im Endspiel zwei Blaue gegeneinander an: „Les Bleu“ (auch als „équipe nationale de France“ bekannt) gegen „gli Azzurri“ aus Italien. Weil die Fussballer in Frankreich schon „bleu“ sind, fährt man betrunken dort „gris“ = „grau“ durch die Gegend.
Einen „Blauen“ bekommen heisst in Deutschland, in der Schule nicht versetzt zu werden. Denn in einem amtlichen „blauen Brief“ geht die Mitteilung an die Eltern raus:
Blauer Brief ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Benachrichtigung, mit der die Schule den Eltern eines Schülers (oder dem Schüler selbst, wenn dieser volljährig ist) mitteilt, dass die Versetzung gefährdet ist.(..). Die Bezeichnung stammt aus dem 18. Jahrhundert, als Papier noch aus Lumpen hergestellt wurde, oft von Uniformen, die in dieser Zeit preußisch Blau waren.
(Quelle: Wikipedia)
In der Schweiz entdeckten wir nun den hübsche Wortschöpfung „Blaufahrer“. Ob der ohne blauen Brief gern ins Blaue fährt? Oder ob er „das Blaue vom Himmel herunter lügt“, wenn man ihn nach der Anzahl der vor Fahrtantritt getrunkenen Biere befragt?

(Quelle: Blick.ch)
Jedenfalls ist die Wortbildung „Blaufahrer“ ein Schweizer Produkt. Bei Google-CH belegen 2´520 Stellen dieses Wort, während Google-DE nur auf 628 Stellen kommt, die zumeist auch aus der Schweiz stammen.
Wir reihen es ein in unsere Sammlung der hübschen Schweizer Wortschöpfungen wie „die Strolchenfahrt“, die „Nachtbuben“ und jetzt „die Blaufahrer“ und fragen erneut, wie die Standardsprache ohne diese knackigen Ausdrücke bisher bestehen konnte? Ein „alkoholisierter Autofahrer“ klingt doch einfach nicht so schön blau wie ein „Blaufahrer„. Und „den Blues“ spürt man dabei auch viel stärker.
