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Keine deutsche Welle — Wie integriert man sich als Deutscher?

  • Wie integriert man sich als Deutscher in der Schweiz?
  • Auf NZZVotum gibt es heute eine Replik auf einen Kommentar in der NZZ vom Samstag/Sonntag 19/20. Januar 2008, S. 57
    Keine Deutsche Welle

    Es gibt keine „Neue deutsche Welle“. Das war eine Musikrichtung die 1976 aufkam und 1980 zerfiel. Sie schrieb sich mit einem grossen „D“. In der Schweiz wird „Schweizerisch“ grundsätzlich gross geschrieben. Bei „deutschen“ Adjektiven ist hingegen die Kleinschreibung passend. (weiterlesen)

    

    10 Responses to “Keine deutsche Welle — Wie integriert man sich als Deutscher?”

    1. pit vo lissabon Says:

      stimmt nicht: „schweizerisch“ ist ein adjektiv und wird auch in der schweiz grundsätzlich klein geschrieben. als teil von firmenbezeichnungen, etwa beim ehemaligen“Schweizerischen Bankverein“ ist jedoch gross-schreibung üblich. wenn aber „Schweizer“ als adjektivisch gebrauchtes substantiv verwendet wird (etwa in „Schweizer Pass“) wird es gross geschrieben.
      sind jetzt sämtliche klarheiten beseitigt?

    2. Schnägge Says:

      Den NZZ-Artikel „Eine deutsche Welle“ finde ich sehr ausgewogen und durchdacht geschrieben. Lesenswert!

    3. balzercomp Says:

      Hallo Schnägge,

      gibt’s dazu einen Link?

    4. balzercomp Says:

      Hab‘ den Link selbst gefunden. http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/neue_deutsche_welle_1.653890.html

    5. Neuromat Says:

      Meinen heutigen Ausführungen möchte ich voranschicken: Ich bin interniert. Sehr gut sogar. Schliesslich verheiratet. Aber wie heisst es: Dies sei zwar ein Grund aber kein Hindernis. Und ich stelle fest, völlig falsch da vorne: das muss heissen integriert. Integer bin ich auch. Aber vor allem integriert.

      Ich habe viele Kontakte. Bei mir rufen Menschen an, die mich fragen, ob ich die Orange wechseln will, nein, ob ich zu Orange wechseln will. Ich soll einen Beobachter abonnieren. Wer hat denn da die Krankenakte von meinem Augenarzt angezapft, oder macht sich jemand sorgen um die Beziehung, läuft da etwas hinter meinem Rücken und ist Beobachter wieder so eine sprachliche Variante für Detektiv.

      Wie schaffe ich das nur, frage ich mich, derart gut integriert zu sein. Sicher das muss etwas mit der Kleidung zu tun haben. Kleidung ist schon das falsche Wort. Eine anständige Integration erfordert das Wort Tenue. Das sollte eigentlich auch von Frau oder Herrn Kuhn zu erwarten sein. In die Verlegenheit des Tenue grün bin ich natürlich nie gekommen. Nein, die Vorbilder sind andere und derzeit sind es die Wintersporthelden.

      Zugegeben, an arbeitsreichen Tagen – schliesslich bin ich nicht zum Vergnügen hier – gehe ich aus Zeitmangel nackt aus dem Haus, aber in der Regel trage ich in den letzten Wochen konsequent den Tenue Overall rot, der Reissverschluss ist bis handbreit unter dem Bauchnabel geöffnet… das darunter ist, nennt man in der Mathematik Integral und in der Mythologie den heiligen Gral.

      Und an einer Universität, da sollten doch Professoren sein, die von diesen Dingen schon einmal etwas gehört haben. Was ist denn da in Zürich los fragen wir uns, wenn wir diesen Artikel lesen. Schnägge, Sie schreiben, dieser Artikel sei ausgewogen. Das ist ein Begriff aus der Ernährung. Es wird uns nahe gelegt, so sollten wir essen. Im Kanton Zug sind 51% aller Männer zu dick. Wer sich da integrieren will. Guten Appetit!

      Da sind also 30% der Professoren an dieser Universität Deutsche. Wer hat die eigentlich reingelassen? Beherrscht von den Schweizer Mathematik Professoren denn niemand Prozent- und Wahrscheinlichkeitsrechnung; denn schliesslich ist mathematisches Verständnis ja die Schweizer Domäne, neben den überlegenen Wirtschafts- und Finanzfächern, der Physik und der Jurisprudenz. Da heisst es in diesem Artikel: „Zweitens sieht sich das Schweizer Bildungswesen mit einem Phänomen konfrontiert, das man eigentlich hat kommen sehen: … Deutsche Professoren unterrichten Schweizer Studierende“. Nein unglaublich, zu welchem anderen Zweck hat man die denn angestellt? Sollten die die Tafeln sauber halten, die Power Point Präsentationen assitieren?

      Mein Rat: Das muss ein sofortiges Ende haben. Nehmen wir statt dessen Brasilianerinnen. Die können unsere Mathe- und Physikgenies noch richtig trainieren und vielleicht springt dann da auch etwas von der Fussballintelligenz ab. Oder lassen wir das doch ganz. Wozu brauchen wir eigentlich Studierende. Es ging doch auch bisher mit einer geringen Anzahl. Und unsere Professoren, die können wir dann ja immer noch aus Deutschland holen.

      Also ausgewogen hin oder her – einen grösseren Mist, als diesen Blödsinn in der NZZ habe ich schon lange nicht mehr gelesen: „Das kann Schwierigkeiten mit sich bringen, beispielsweise wenn es in Zürich deutschen Rechtsprofessoren an Praxisbezug mangelt.“ Seit wann haben Rechtsprofessoren einen Praxisbezug, könnte es möglicherweise sein, dass der Herr Rechtsprofessor vielleicht Europäisches Recht lehrt, Internationales Handelsrecht…

      Aber noch mal zurück: Wer hat die geholt? Stehen die an der Grenze in Warteschlangen, so wie am Skilift und sind Wuppertaler unter ihnen. Erfüllen die das durchschnittliche Körpergewicht für einen Wohnsitz im Kanton Zug und welche Landessprache können die nicht sprechen: etwa deutsch.

      Es gibt eine ganz einfache Lösung: Die Stellen werden mit dem eigenen Nachwuchs besetzt.

      30%, das muss man sich mal überlegen. Das entspricht genau der Anzahl der Raucher in der Schweizerischen Bevölkerung. Und die will der Couchepin ja jetzt auch abschaffen. Die müssen einfach raus, an die frische Luft. Die sind nicht mehr dabei, beim Nachtessen und dann nehmen sie ab und dann passen sie auch nicht mehr in den Kanton Zug. Die sind dann nicht mehr integriert.

      „Eigentlich hat man das alles kommen sehen.“

      Das ist die Kernaussage. Heute eine Welle, morgen ein Tsunami. Da hilft nur ein Frühwarnsystem. Oder vielleicht doch etwas mehr Mut, die eigenen Fähigkeiten zu nutzen. Tatsächlich diese verhasste Sprache zu nutzen, sich zu bilden. Vielleicht etwas weniger Neid auf den, der sich in diesen Dingen schlauer anstellt und dann Professor werden darf, wenn er denn will. Natürlich darf es auch eine Sie sein (aus Brasilien wäre natürlich noch ein pikanter Aspekt dabei).
      Statt dessen wird da jetzt rumgeleiert: „Integration ist aber ein beidseitiges Abkommen. Dieser Grundsatz gilt für ausländische Akademiker genauso wie für die Einwanderer mit tiefem Bildungsniveau. … Gerade deshalb ist es bewährte Praxis, dass sich Hochschulprofessoren auch gesellschaftlich am Ort der Hochschule engagieren, etwa in wohltätigen Organisationen, Stiftungen, kulturellen Institutionen oder Bildungseinrichtungen. Dazu braucht es eine persönliche Verbundenheit zu diesem Ort, die ausländische Dozenten erst aufbauen müssen.“
      Darf ich dem Autoren oder der Autorin mitteilen, worin die Reaktion bestünde für den Fall, dass sich die 30% Professoren nun auch noch in Organisationen, Stiftungen, kulturellen Institutionen breit machten und dort Einsitz nehmen und sich ausbreiteten – ach ja und ist eine Universität keine Bildungseinrichtung. Niemand muss Integrale ausrechnen können um sich auszumalen, was die Reaktion wäre: „Jetzt germanisieren sie auch noch Pro Juventute“. Ja reicht es nicht, dass sie sich an der Universität breit machen, nein sie drängen sich auch noch ins kulturelle Leben. Können die sich nicht zurückhalten. Möglicherweise sind in der Oper für die nächsten zwanzig Jahre die Karten für die besten Plätze fest in deutschen Händen. Dann haben sie das Präsidentenamt bei Kiwanis und im Lions. In der Konsequenz führt das dann noch zu politischer Aktivität – auf „Augenhöhe“ mit fremden „kulturellen“ Hintergrund.
      Jetzt ist die Stimmung sowieso gekippt … Zeit ernste Töne anzuschlagen: Ein hausgemachtes Problem bleibt ein hausgemachtes Problem. Und diese gemachte Integrationsschmonzette ist nur peinlich. Vielleicht traue ich den Schweizer Jugendlichen ja auch zuviel zu, aber nach meinem Empfinden werden durch ein Bildungssystem, das sich auch noch seiner Qualitäten rühmt, viele geniale Köpfe an einer einheimischen akademischen Karriere gehindert. Und möglicherweise ist es genau diese Mitteilung, die „den Verantwortlichen“ Magenschmerzen macht; denn sie könnte ja vielleicht eines Tages von einem deutschen Professor stammen.

    6. jä i chume us basel Says:

      Ich interessiere mich für die Sprach-Kommunikation zwischen schweizerdeutsch und deutsch. Dabei ist mir aufgefallen, dass die deutsche Sprache oft konkreter ist. Wesentlicher. Mehr Spannung in der Konstellation der Sätze.
      Stimmt das?

      Schaut euch mal diese Sendung beim sf an. Welche Geschichte ist am interessantesten erzählt? Ich finde die des Deutschen.

      http://www.sf.tv/sf1/nachtwach/index.php?docid=20080114

    7. Schnoederli Says:

      die schweiz hat selbst genug dreck am stecken:
      – Juden im 3. Reich wurden nicht reingelassen
      – reinwaschen von mafiageldern
      – reinwaschen von diktatorengeldern
      – Rosinenpickerei

    8. Simone Says:

      @Neuromat:
      Du bringst es wieder einmal auf den Punkt. Die Sache ist die mit dem Huhn und dem Ei. Das Problem ist der Mangel an Akademikern. Die fehlen. Es können keine neuen Akademiker-Küken schlüpfen, weil vielen von ihnen nicht die Möglichkeit gegeben wird. Es gibt zu viele Hindernisse im Schulsystem. Also kommen die eigenen Leute nicht hoch. Deshalb holt man sie aus dem Ausland, resp. aus Deutschland. Wenn die Leute kann da sind, fällt es dem einen oder anderen wie Schuppen von den Augen. die vielen Akademiker aus Deutschland halten dem Schweizer einen Spiegel vor Augen, in dem deutlich wird, welche Mängel das System hat. Aber statt auch nur ein wenig daran zu feilen und zu modulieren, wird die Energie anderweitig vergeudet und man konzentriert sich auf den Hass, den man den Einwanderern entgegenbringt. Statt zu schauen, was die mitbringen, schwingt man die Integrationskeule und ruft laut: „Lernt Schweizerdeutsch und haltet Euch zurück mit Euren Leistungen! Wir vertragen so viel Spiegel nicht. Geht am besten wieder, damit wir das nicht sehen! Oder werdet so wie wir. Dann werdet Ihr uns nicht zur Konkurrenz.“ Mühsam, mühsam. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchstehe, mich ständig diesem vermeintlichen Integrationsdruck beugen zu müssen, der nichts anderes beinhaltet, als eine zielgerichtete Kommunikation an den Nagel hängen zu müssen, gemeinsam mit einer gewissen Direktheit, mit einem Mindestmass an Manieren (die Leute waren heute bei Aldi Suisse mal wieder ausser Rand und Band). Wo führt das noch hin? Irgendwie passe ich nicht hierher. Aber wenn es so weitergeht, verliere ich meine sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten für Deutschland.

    9. Tellerrand Says:

      @ Simone

      An diesem Punkt war ich in den letzen Jahren immer wieder mal. Jetzt wechsle ich demnächst den Job und gehe in eine andere schweizer Stadt und gebe dem Land ein zweite Chance. Allzu gross sind meine Hoffnungen nicht.

    10. Dr. Stefan Spandau Says:

      Ich als in Berlin niedergelassener Augenarzt spiele schon lange mit dem Gedanken mich in der Schweiz niederzulassen.

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