Blocher plays the guitar — Neue Töne in der Opposition

Januar 7th, 2008
  • Huckabee war Vorbild
  • Der Republikaner Mike Huckabee gewann letzte Woche die Vorwahlen in Iowa. Er überzeugte seine Wähler unter anderem durch Live-Auftritte an der Bassgitarre. Musik eröffnet einfach ein ganz anderes Publikum, muss sich der Schweizer Politiker Christoph Blocher gesagt haben und begann Western-Gitarre zu spielen, wie dieses Foto belegt:

    Blocher spielt Gitarre
    (Quelle Foto: Doris Fanconi im Tages-Anzeiger vom 5.01.08, S. 11)

    Auf das erste Album sind wir gespannt! Um nicht gleich mit seinem bekannten Namen erkannt zu werden und nur über die Musik seine Botschaft zu verbreiten, legte sich Blocher den Künstlernamen „Toni Vescoli“ zu, wie im Tages-Anzeiger vom 5.1.08 zu lesen war.

    „Ich frage mich, was die für Drogen nehmen“ — Lorenz Keiser über die SVP

    Dezember 31st, 2007
  • Leider schreiben sie jetzt nicht mehr
  • Unser Schweizer Lieblingskabarettist ist Lorenz Keiser, der Sohn des berühmten Schweizer Kabarett-Urgesteins César Keiser.

    Lorenz Keiser
    (Quelle Foto: Lorenzkeiser.ch)

    Zehn Jahre lang hat er abwechselnd mit Viktor Giacobbo für die Bindestrich-Zeitung Satiren geschrieben, jetzt gehen beide in die Opposition. Zum Abschluss gab ein „Werkstatt-Gespräch“. Zeit für ein klasse Statement von Lorenz Keiser zur aktuellen Lage der SVP:

    Vielleicht zieht sich die SVP zu einer Mediation zurück wie damals die SP unter Ursula Koch, um die eigenen Bäuche wieder zu spüren. Als sie noch einen Bundesrat hatten, sagte die SVP, Samuel Schmid sei nur ein halber SVP-Bundesrat. Jetzt haben sie zwei Bundesräte und sagen, sie haben gar keinen. In vier Jahren werden sie vier Bundesräte haben und sagen, sie hätten minus zwei. Ich frage mich, was die für Drogen nehmen.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 28.12.07, S. 3)

  • Unbedingt mal live anschauen
  • Wer je die Gelegenheit dazu hat, sollte versuchen, den genialen Lorenz Keiser einmal live auf er Bühne zu erleben. In 2008 ist er fast überall in der Schweiz irgendwann zu sehen, siehe Tourneeplan. Sein Programm ist rasend schnell und 100 % Schweizerdeutsch. Wir sind überzeugt, dass er mit einer Standarddeutschen-Variante dieses Programms in Deutschland ebenfalls grossen Erfolg haben könnte. Vielleicht kommt das ja noch.

    Kennen Sie Dr. Schacher? — Neues von der Schweizer Heimatfront

    Dezember 11th, 2007
  • Dr. Schacher hat gewonnen
  • Am Samstag, den 1. Dezember 2007 fand im Schweizer Fernsehen eine Wahl statt, bei der ein promovierter Mediziner namens „Schacher“, zum Sieger gekürt wurde. Wir wussten bis dahin (Schweizer dürfen jetzt„anhin“ lesen) noch nicht einmal, wer dieser ehrenwerte Mann eigentlich ist, und lasen, mangels Fernseher, erst am darauf folgenden Montag in unser Binde-Strich-Lieblings-Zeitung von diesem herausragenden gesellschaftlichen Ereignis:

    «Dr Schacher Seppli» ist gestern zum grössten Schweizer Hit auserkoren worden. Er setzte sich klar vor «Ewigi Liäbi» von Mash durch. Ruedi Rymann ging mit seinem «Schacher Seppli» als Favorit ins Rennen um den grössten Schweizer Hit. Mit dem Lied vom Vaganten, der tagsüber gern mal ein «Schnäpsli» trinkt, des Nachts im Heu liegt und von «Peterus» an der Himmelstür persönlich begrüsst wird. Rymann wurde der Favoritenrolle gerecht. Das Schweizervolk wählte den Evergreen mit beinahe 50 Prozent aller Stimmen zum grössten Schweizer Hit. Der sympathische Obwaldner hatte bereits auf dem Weg in den Final der «Heimat»-Sendung den Spitzenwert erreicht.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 3.12.07, S. 10)

    Da sind wir bereits so lange in der Schweiz, können mindestens drei der vergangenen Schönheitskönigen in der richtigen Reihenfolge aufzählen (2004 Fiona Hefti, 2005 Lauriane Gilliéron, 2006 Christa Rigozzi) und haben dennoch keine Ahnung, was Millionen von Schweizern im Herzen wirklich bewegt, wenn es um die Heimat geht.

  • Heimatgefühle auslösen
  • War lasen weiter:

    Nach seinem gestrigen Auftritt gabs für Rymann eine Standing Ovation. Das war ihm sichtlich peinlich («lönt doch das sii»). Er habe sich niemals vorstellen können, dass «äs alts Mandeli» so weit kommen könnte, sagte der 74-Jährige. Und: «Danke dem Fernsehen und allen lieben Freunden.» Dem begnadeten Sänger, Jodler, Musikanten und Komponisten gelang es am besten, das Volk in einen Zustand der Ergriffenheit zu versetzen – und Heimatgefühle in den Wohnstuben auszulösen.

    Jeder Versuch, den Song bei YouTube anzuhören, schlug fehl. Dort gibt es nur merkwürdige Parodien davon zu sehen. MIKAs Auftritt bei „Wetten Dass“ am 7.12.07 hingegen, den wir mangels Verblödungslaterne ebenfalls verpassten, fanden wir gleich fünf Mal. Von Ruedi Rymann hingegen keine Spur.

    Ruedi Rymann ist der zweite von links
    Ruedi Rymann auf diesem Foto ist der zweite von links.
    (Quelle Foto: zisch.ch)

    Am 4.12.07 berichtet der Tages-Anzeiger:

    1 416 000 Personen sassen am Sonntagabend vor dem Bildschirm, als die Wahl des Liedes «Dr Schacher Seppli» von Ruedi Rymann zum grössten Schweizer Hit 2007 feststand. Das entspricht einem Personenmarktanteil von 63,5 Prozent, wie das Schweizer Fernsehen am Montag mitteilte.

    Was tun, um dieses Lied doch noch zu hören, welches offensichtlich 63,5 Prozent aller Schweizer Fernsehzuschauer kennen? Ich werde morgen mein Gegenüber in der S-Bahn danach befragen, ob er mir die erste Strophe vorsummen kann. Oder die Ghettoblaster Kids, die uns jeden Morgen mit ihren quakenden Handies im Zug nerven (vgl. Blogwiese) .
    Schliesslich fanden wir noch diese Ausgabe, mit Orchester unterlegt, siehe hier als Download.

    Der Text lässt interessante sprachwissenschaftliche Studien zu, handelt er nämlich von einem „Vagant“, was sogar in unserem Duden zu finden ist:

    Vagạnt, der; -en, -en [zu lat. vagans (Gen.: vagantis), 1. Part. von: vagari, Vagabund]:
    1. (im MA.) umherziehender Sänger, Musikant, Spielmann, der bes. als Student unterwegs zu einem Studienort, nach einem Studium auf der Suche nach einer Anstellung od. aus Gefallen am ungebundenen Leben auf Wanderschaft ist.
    2. (veraltet) Vagabund.
    (Quelle: duden.de)

    Mittelalter? Veraltet? Ja, schaut denn niemand bei der Duden-Reaktion am Samstag Abend Schweizer Fernsehen?

    Für weitere sprachwissenschaftliche Studien hier noch der vollständige Text:

    Schacher Seppeli

    I be de Schacher Seppeli. im ganze Land bekannt.
    Be früener s’flottischt Bürschtli gsi, jetzt bin i e Vagant,
    Bi z’friede wenni z’Nacht im Stroh, am Tag mis Schnäpsli ha.
    Und wem der Herrgott Gsundheit schänkt. s’isch alls was bruchsch,

    S’gat uf der Wält gar artig zue, i has scho mängisch gse.
    Dass d’Lüt wäg däm verfluechte Gäld enand tüend schüli weh.
    Wie schön chönt’s doch hie unde si. Der Vogel ufem Baum
    er singt chum lueg dies Ländli a, di Schwyz isch doch en Traum.

    S’iseh mänge hüt e riche Ma, doch morn isch s leider so,
    er stirbt und muess sis liebi Gäld ja all’s hie unde la.
    Mer treit en ufe Chilehof grad näbe ärmste Ma.
    E jede muess a s’glich Ort hie. s’isch sicher wahr, ja, ja.

    Wie gleitig got die Zit vorbi, es Jöhrli und no eis.
    Es dünkt eim, sett nid mögli si, bald ben i scho ne Greis.
    Und chomm i de vor d’Himmelstür, u wott ich ine go,
    so rüefen i: Hei Peterus, der Schacher Sepp isch do.

    Und chom i de vor d’Himmelstür. stoht bereits de Petrur da
    Er rüeft mer zue „Hei sali Sepp besch du jetzt au scho da
    Chum nume ine, chum und leg dis Himmelsgwändli a.
    Die arme und verlass’ne Lüt müend’s schön im Hemmel ha.
    (Quelle: tajana.ingold.ch)

    Das Totemügerli — Die Schweizer Aufnahmeprüfung

    Dezember 5th, 2007
  • Eine 40 Jahre alte berndeutsche Geschichte
  • Jetzt läuft die Blogwiese schon im dritten Jahr, und ich habe es bis jetzt tatsächlich versäumt, das wichtigste Hörstück Schweizer Dialekt-Akrobatik zu besprechen. Die Rede ist vom „Totemügerli“, dem klassischen Prüfungstest für jedes Swissness-Abitur jede Swissness-Matura.

  • Per Klick bezahlen
  • Wenn Sie es anhören möchten, dann klicken Sie auf die kleine (1.4 MB) oder grosse (5.5 MB) Version auf dieser Seite. Damit Franz Hohler für sein geniales Stück bezahlt werden kann, dürfen sie auch kurz die AdSense Werbung dort betrachten oder anklicken. Dafür bekommt der Site-Betreiber dann ein paar Rappen, mit denen er wiederum die Tantieme an Herrn Hohler bezahlt.

  • Das gehört in die Standortbestimmung!
  • Falls Sie das Stück noch nie gehört haben, dann sind Sie entweder noch nicht lange in der Schweiz, oder man hat sie noch nicht vor diese schwierige „Berndütsch“ Hörprobe gestellt. Wer den ganze Text Fehler- und Akzentfrei aufsagen kann, dem winkt in der Schweiz eine beschleunigte Einbürgerung! Dem wird auch die „Standortbestimmung“ erlassen, jenem 250 Franken teuren Test zum Beweis der Schweizerdeutschen Sprachkompetenz (vgl. Flup ist Schweizer). Wir erlauben uns aus dem bei hucky.org abgedruckten Text, den Anfang zu zitieren:

    Der Schöppelimunggi u der Houderebäseler si einischt schpät am Abe, wo scho der Schibützu durs Gochlimoos pfoderet het, über s Batzmättere Heigisch im Erpfetli zueglüffe u hei nang na gschtigelet u gschigöggelet, das me z Gotts Bäri hätt chönne meine, si sige nanger scheich. „Na ei so schlöözige Blotzbänggu am Fläre, u i verminggle der s Bätzi, dass d Oschterpföteler ghörsch zawanggle!“
    „Drby wärsch froh, hättsch en einzige nuesige Schiggeler uf em Lugipfupf!“ U so isch das hin u härgange wie nes Färegschäderli amene Milchgröözi, da seit plözlech Houderebäseler zu Schöppelimunggi: „Schtill! Was ziberlet dert näbem Tobelöhli z grachtige n uuf u aab?“ Schöppelimunggi het gschläfzet wie ne Gitzeler u hets du o gseh. Es Totemüggerli! U nid numen eis, nei, zwöi, drü, vier, füüf, es ganzes Schoossingong voll si da desumegschläberlet u hei zängpinggerlet u globofzgerlet u gschanghangizigerlifisionööggelet, das es eim richtig agschnäggelet het. Schöppelimunggi u Houderebäseler hei nang nume zuegmutzet u hei ganz hingerbyggelig wöllen abschöberle. Aber chuum hei si der Awang ytröölet, gröözet es Totemüggerli: „Heee, dir zweee!“ (…)
    (Quelle: Hucky.org)

    Franz Hohler schrieb mit diesem Text, den er übrigens in ähnlicher Form auch in fantasievollem Französisch (absolut unverständlich) und auf Rätoromanisch veröffentlichte, Schweizer Literaturgeschichte. Sie haben nichts oder fast nichts verstanden, wissen aber trotzdem so ungefähr, um was es geht? Sie können beruhigt sein, da sind sie nicht allein auf der Welt. Das vermeintliche Berndeutsch, was sie hier hören, ist erfunden. Wir lesen über die Geschichte bei Wikipedia:

    Sie besteht zum grössten Teil aus erfundenen Wörtern, die alle sehr berndeutsch klingen. Deshalb kann man sich beim Anhören eine komplette Geschichte vorstellen. Es handelt sich um ein Beispiel eines Gromolo, einer Erzählung in einer Kunst- oder Phantasiesprache. Die Geschichte entstand 1967, als Teil von Hohlers Programm „Die Sparharfe“.
    (Quelle: Wikipedia)

    Darum erstaunt es mich um so mehr, wie überhaupt genaue Übersetzungen dieses Textes möglich sein sollen. Hier ein Versuch aus dem Jahr 2002 von Cordula Schuwey: Seelenaussauger.

  • Erst die Glocke, dann das Totenmügerli
  • Üben Sie fleissig weiter diesen Text auswendig, in Bern und anderswo wird man Sie in geselliger Runde hochleben lassen, wenn Sie den Text, gleich nach Schillers Glocke oder Goethes Mailied, lässig vorgetragen haben.

    Bündnerisch für Anfänger und Zugelaufene — I bin an Bündner Staibock

    November 30th, 2007
  • Was quatscht der Steinbock so?
  • Einen Schnellkurs in Bündnerdeutsch für einen Bergfan aus Zürich bietet dieser Clip:

    Besonders gekonnt finde ich, wie der linke Zürcher Bock kurz und elegant seinen Kopf unwillig nach hinten wirft, ohne dabei seine Hörner zu verlieren.
    Capricorn Graubünden

    Der Original-Clip ist von der Graubünder Ferien-Werbung. Dort wird man gefragt: „Häsch üsä neuschti Färnseh-Spot scho geseh?“. Doch es gibt bereits eine ganze Reihe neuer Versionen, mit denen sich prima der Kontrast „Rumantsch-Züridütsch“ veranschaulichen lässt:

    Auch als Reportage „Live us de Ferie“:

  • Jeder darf seine Version hochladen
  • Dahinter steckt ein Wettbewerb von Graubünden Ferien, der noch bis zum 31.12.2007 läuft. Werde mich gleich mal dranmachen, und eine Version in Ruhrpott-Deutschen remixen. „Hömma, kumma watta da dampft!“