(reload vom 23.12.05)
Die Schweiz ist eine Kulturnation, nichts wird hier so hoch geschätzt und verehrt wie die klassische Musik. Ganz besonders gilt dies für den barocken Komponisten Georg Friedrich Händel. Für König Georg I. von England schrieb er 1717 die Wassermusik, später für den Thronfolger König Georg II. die Feuerwerksmusik.

Georg Friedrich ist daher in der Schweiz besonders in stürmischen Zeiten, auf dem Wasser und wenn es brenzlig wird immer präsent. Er schafft es sogar in den Wirtschaftsteil des Tages-Anzeiger am 14.12.05:
„Viele Händel um den Welthandel“

Nur so ganz verstehen wir nicht, warum die Schweizer den armen Georg Friedrich immer im Plural ansprechen. Ist er denn eine multiple Persönlichkeit? Gibt es mehrere von ihm? Oder hatte er viele fleissige und komponierende Kinder, so wie einst Johann Sebastian Bach?
Will Georg-Friedrich fremde Söhne adoptieren?
Schon im März 2001 lasen wir auf unzähligen Plakaten, Aufklebern, unübersehbar überall angebracht, diesen Satz:
„Keine Schweizer Söhne für fremde Händel“
Sogar geopfert sollten die Söhne für ihn werden:
Schweizer Söhne für fremde Händel opfern? (Quelle:)
Zum Glück hatten wir es hier nicht wirklich mit einem musikalischen Opfer zu tun, sondern es ging um die Frage, ob Schweizer Soldaten beim Kosovo-Hilfseinsatz bewaffnet sein dürfen um sich selbst zu verteidigen, oder ob das die heiligen Prinzipien der Neutralität zerstört?
Das Thema bewegte sowohl die Pazifisten ganz links, die die umstrittene Schweizer Armee sowieso am liebsten ganz abgeschafft haben mochten, als auch die Rechten um Blocher auf der anderen Seite des politischen Spektrums.
Beide bekamen sie eine Abfuhr: Die Schweizer stimmten am „Abstimmigs-Sunntag“ 10.06.2001 mit knapper Mehrheit für die Selbstverteidigung. Zugleich wurde damals ein Entscheid bestätigt, wonach der Staat der Katholischen Kirche beim Gründen von Bistümern nicht mehr reinreden darf. Jetzt kann die Katholische Kirche so viele Bistümer in der Schweiz gründen, wie sie mag, und braucht keine Genehmigung mehr von der Regierung. Es gab Zeiten, da war so ein Gesetz notwendig.
Manchmal bereuten wir es in solchen Momenten politischer Willensbildung in der Vergangenheit aufrichtig und von Herzen, dass wir da nicht mit abstimmen konnten. Wir hätten alle Macht beim Staate gelassen, soll doch die Katholische Kirche woanders ihre Bistümer gründen, wenn sie mag! Aber es hat nicht sollen sein.
Zurück zum „Händel“. Dazu vermerkt unser Duden lakonisch:
Händel (dt. Komponist).
Aber halt Stopp, direkt darüber, da steht es ja:
„Der Handel, die Händel meist Plur. (veraltet für Streit), Händel suchen“
Wieso veraltet? Was massen die sich in der Dudenredaktion eigentlich an? Die sollen doch einfach mal ein paar vernünftige Schweizer Zeitungen vom Dezember 2005 lesen! Nix da mit veraltet, denen werden wir es zeigen! Händel werden wir suchen gehen!
Jetzt sind wir erleichtert! Doch kein Georg Friedrich. Hier fehlt im Duden nur der Zusatz „Schweiz.“, der sonst alle unsere Wortentdeckungen adelt und sanktioniert. Aber wir wollen jetzt aufhören damit, Händel zu suchen und wieder schön friedlich werden.