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Jetzt blas mir doch in die Schuhe — Air Condition auf Schweizerdeutsch

  • Heisse Füsse auf dem Weg der Schweiz
  • Die Schweizer sind ein wanderlustiges Völkchen. Gern sind sie in ihren wunderschönen Bergen unterwegs, zum Beispiel auf dem „Weg der Schweiz“, der in knappen 36 Km am Tag rund um den Urnersee bewältigt werden kann (vgl. Blogwiese)
    Der Weg der Schweiz rund um den Urner See

  • Was tun gegen heisse Füsse?
  • Natürlich werden bei solchen sportlichen Aktivitäten, vor allem wenn sie im Sommer stattfinden, schnell mal die Füsse heiss. Was tun gegen die unerwünschte Hitze im Schuhbereich? Genau, da hilft nur Frischluft. Also fordern sich die Schweizer gegenseitig gern auf:
    „Jetzt blas mir doch in die Schuhe“,
    oder auf Schwiizerdütsch:
    „Du chasch mer mal i d‘Schueh blasä.“.

    Auffällig ist hier die persönliche Anrede auf der Du-Ebene. Selbst wenn ein Schweizer allein ist, vermutet er oft die Ursache seines Kummers bei den heissen Füssen. Darum hört man ihn dann auch leise vor sich hin brummeln: „Jetzt blas mir doch in die Schuh“.

    Auch der Schweizer Kult-Liedermacher Mani Matter erwähnt diesen Wunsch in seinem Lied „Ds Nüünitram“, hier sogar auf Bärndütsch „id Schue!“

    Druf ischs wider stiller worden und de schliesslech Rue
    Ds Nüünitram isch hinden um e Rank em Depot zue
    Eine het no grüeft: I pfuuse, blaset mir id Schue!
    Und dir heit jitz vo mym Gschichtli sicher alli gnue
    (Quelle: )

    Selbst kommen sie ja nicht dran, an den heissen Fussbereich, jedenfalls nicht der durchschnittlich trainierte Schweizer, also braucht er Unterstützung vom Nebenmann.

    Wenn sie es unterlassen, das „In die Schuhe blasen“, dann gibt es selbige, nämlich Blasen, und zwar in den Schuhen, genauer gesagt: An den Füssen.
    Da wurde zu wenig in die Schuhe geblasen

    Merke die Schweizer Lebensweisheit: „Gegen Blasen im Schuh hilft nur in die Schuhe blasen„.

    Nach einer anderen Theorie, die wir jedoch nicht teilen, würden die Schweizer in die Schuhe reinblasen, um dann den Geruch so richtig tief inhalieren und geniessen zu können. Der Grund: Exzessive Käsesucht im fortgeschrittenen Stadium.

    Alles klar? Dann sind jetzt alle entlassen und dürfen sich zur Abwechslung mal die Füsse im kühlen Urnersee waschen.

    

    13 Responses to “Jetzt blas mir doch in die Schuhe — Air Condition auf Schweizerdeutsch”

    1. Reto Says:

      Ich würde jetzt mal behaupten dass es immer ‚in die schue blasen‘ ist.. die singular-Form tönt für mich irgendwie falsch (kann aber auch nur an meinem Dialekt liegen).

      Gruss
      reto

    2. Administrator Says:

      @Reto
      Du hast recht, habes recherchiert: Die Formulierung ist tatsächlich immer im Plural zu finden, nie in der Einzahl. Habe es geändert. Vielen Dank für den Hinweis!
      Gruss, Jens

    3. tr Says:

      Würde mich ja wundernehmen, wieviele „nicht-Native“ jetzt wissen, was das Sprichwort überhaupt heisst ob all der heissen Luft. 🙂

      Ich bin übrigens der Meinung, dass man durchaus „Blaset Sie mer doch i d’Schueh“ sagen kann und das Sprichwort nicht zwingen das Du verlangt.

    4. Dänu Says:

      Leute, die in Ruhe gelassen werden wollen, haben allem Anschein nach einen Sauberkeitsfimmel; sie kriegen die Schuhe ausgeblasen, den Ar… geleckt und man rutscht ihnen den Buckel runter (wobei dieser bestimmt poliert wird). Sauberkeit und Verschlossenheit, beliebte Eigenschaften von uns Schweizern.

      Gruss
      Dänu

    5. Phipu Says:

      Wer auch nach den bisherigen Kommentaren noch nicht verstanden hat, was „in die Schuhe blasen“ wirklich bedeutet, höre sich mal das Lied „Oh, läck du mir …“des „Trio Eugster“ (1970) an. Hier der Liedtext:
      http://www.golyr.de/ql/songtext-oh-laeck-du-mir-366374.html%20title=

      Übrigens, das gefundene Wortspiel mit „auf Blasen blasen“ klingt in Dialekt leider nicht so schön. Da müsste man „uf Blatere blase“. Daher auch der Krankheitsname für D: „Windpocken“: CH: „Wildi Blatere“ oder „Spitzi Blatere“ (wilde Blasen/spitze Blasen).

      Noch eine kleine Anstrengung, und dann ist der Transkript in ZH-Dialekt besser gelungen:
      „Du chasch mer mal i d‘Schueh blasä“ (auch analog Liedtext: „und blas du mir id Schueh“). Jetzt habe ich sicher wieder eine Serie: „Wenn ein Deutscher auf Schweizerdeutsch schreibt“ lanciert: http://www.blogwiese.ch/archives/59

    6. Administrator Says:

      @Phipu
      vielen Dank für die Korrektur, ich habe es gleich übernommen und werde dich in Zukunft lieber wieder gleich vorher fragen. Meine Schreibweise hatte ich auf einer CH-Seite gefunden, ich ging also davon aus, dass der schreibende Schweizer seine Sprache gut verschriften kann.
      Die „Blattern“ sind doch auch eine bekannte anstrengende Krankheit, wusste nicht, dass das von „Wind-Pocken“ = Wind-Blasen/Blattern“ kommt.
      Das Medizinwörterbuch sagt: Blattern = Variola, und das sind die „Pocken“, dazu gehören auch die Windpocken.
      Gruss, Jens

    7. Simu Says:

      Es gibt dann noch die häuslichere Variante „in die Finken blasen“. Siehe dazu auch hier http://www.blogwiese.ch/archives/5

      „Blas mer doch id Finke / Schue“ ist eine etwas höflichere Art zu sagen: Leck mich doch am A… oder noch gröbere Sprüche…

      Eine modernere kinematographische Variante: „Chasch mi ja filme!“

    8. transalpin Says:

      Die – etwas veraltete – deutsche Variante lautet: «Blas mir doch die Schuhe auf!»
      Meine Grossmutter pflegte sich direkter auszudrücken: «Chasch mi blöterle!» Die ärmste hatte keine Ahnung, was das bedeutet.

    9. tüpflischiisser Says:

      nur ne kleine bemerkung am rande, beim reuegeld ging ein „n“ verloren („Was ist den Reugeld? „);)

    10. Administrator Says:

      @tüpflischiiser
      Verrate mir bitte, wo Du ein „n“ vermisst? „Reugeld“ wird im Artikel http://www.blogwiese.ch/archives/238 gross und breit erklärt. Das schreibt sich wirklich ohne „n“.
      Gruss, Jens

    11. Phipu Says:

      Tüpflischiiser-Unterstützung:
      Das „n“ fehlt nicht in „Reuegeld“, sondern in DENN.

      So wie in http://www.blogwiese.ch/archives/235 nur dank der Grossschreibung klar ist, ob du „Waren wahren“ willst (Abschnitt: Schweizer mögen keine Preisvergleiche).

      Aber ich sage jetzt lieber nichts. Mir all meine Fehler in den seit Oktober geschriebenen Kommentaren vorhalten, gäbe mindestens sieben A4-Seiten in Schriftgrösse 8.

    12. Administrator Says:

      @Phipu und Tüpflischiiser
      Vielen Dank für die Hinweise auf Rechtschreibfehler. Ich freue mich, wenn ihr solche entdeckt und sie per Mail zuschickt, damit ich sie gleich korrigieren kann. Leider kommt es immer wieder vor, dass solche Fehler durchschlupfen. Ohne Fehler ist die Seite lesbarer, also immer her mit Euren Entdeckungen!
      Gruss, Jens

    13. HaegarCH Says:

      Also entweder chasch mir i d’Schue bloose oder i d’Chabe schiise.

      Beides bedeutet in etwa „lass mich in Ruhe“ oder lass mich mit dem in Ruhe.

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