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Chrüsimüsi oder Tohuwabohu — Neues von bei Hämpels unterm Sofa

  • Gekreuzigt sein muss ich
  • Wir wurden gefragt, ob wir den Urschweizer „Gekreuzigt sein muss ich“ Ausruf „Chrüsimüsi“ kennen. Er sei ein äusserst beliebtes Schweizer Synonym für jegliche Unordnung, jegliches Chaos. Nun, wir haben oft darüber reden gehört, dass es so etwas geben soll, ein Wort für „Chaos“ in der Schweiz. Allein, es ist uns nicht wirklich in der helvetischen aussersprachlichen Realität begegnet, so ein Chaos. Denn in der Schweiz herrscht Ordnung. „Eine Ordnung“, möchten wir betonen. Die paar „Fetzeli“ am Rande der Flughafenautobahn, oder das Gewusel der zigtausend Pendler am Zürcher Hauptbahnhof am Morgen, das mag doch niemand wirklich als ein „Chrüsimüsi“ bezeichnen, oder?

  • Tohuwabohu ist keine Südseeinsel
  • Was sagten wir zu diesem seltenen Zustand in Deutschland? Ein „Tohuwabohu“. Das ist übrigens nicht nach einem einsamen Südsee-Atoll benannt, wie die Damenoberbekleidung „Bikini“, sondern steht so in der Bibel, genauer gesagt am Anfang des Alten Testaments im 1. Buch Mose auf Hebräisch:

    Tohuwabohu (hebr. tohu-va-vohu, „wüst und leer“) bezeichnet ein großes Durcheinander, einen Wirrwarr. Der hebräische Begriff ist dem 1. Buch Mose 1-2 entnommen und bedeutet nach Luther „wüst und leer“. Dabei bezeichnet tohu die Wüstheit, wa bedeutet „und“ und bohu ist die Leere.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Bei den Hempels
  • Als Kind hatte ich einen Freund, dessen Mutter hiess „Hempel“. Kein dankbarer Name in Deutschland, denn jeder denkt dort gleich an das Sofa. Dann liess sie sich scheiden und heiratete neu. Nun hiess sie „Hampel“. Im Pass brauchten die Behörden nur den Buchstaben überkleben. Es sieht aus wie „bei Hempels unterm Sofa“ ist ein beliebter Ausdruck für ein grossen Durcheinander in Deutschland. Erstaunlich, wieviele Menschen schon unter des Sofa der Familie Hempel geschaut haben. Warum bloss? Mehr als ein paar „Nato-Mäuse“ (Bundeswehrjargon für Staubflocken) wird man dort kaum finden. Ich habe nachgesehen.

  • Chrüsimüsi in der Schweiz
  • Sooo wahnsinnig häufig findet es sich dann doch nicht, nur 2‘730 Belege bei Google-CH, aber das mag an den diversen Schreibvarianten mit Umlaut oder „ue“ liegen. „Für einmal“ wird es sogar in der Anzahl von Fundstellen durch Google-DE geschlagen, dort finden wir 10‘900 Belege. Alles den 71‘000 eingewanderten Schweizern in Deutschland zu verdanken, die auf dem Chaostrip sind? Nein, oftmals ist es eine Markenbezeichnung oder eine griffiger Begriff für eine Kita = Kindertagesstätte, in der Kinder tagen können. Auch „Kuddelmuddel“ ist in Deutschland beliebter als „Chrüsimüsi“.

    So selten wir das aussersprachliche Konzept „Chrüsimüsi“ antreffen, häufig erwähnt wird es schon, gern auch im Bezug auf die Schweizer Sprache mit ihrem wohlgeordneten Regelwerk:

    Chrüsimüsi im Blick
    (Quelle: Blick.ch)

    Was es nun wirklich bedeutet? Keine Ahnung. Wir hören da immer den Ruf „Gekreuzigt sein muss ich“, wahrscheinlich aus der Karfreitag-Liturgie entnommen. Wir freuen uns schon auf die Erweiterung unseres WeltSchweizerwissens.

    

    20 Responses to “Chrüsimüsi oder Tohuwabohu — Neues von bei Hämpels unterm Sofa”

    1. Phipu Says:

      Meiner Meinung nach hat es am Strassenrand eher „Fötzeli“, da man, um die zusammenzusammeln, „Fötzele“ muss, und ich eher nicht von „Fätzele“ sprechen würde. Der Wortursprung von „Fätze“ (Fetzen) und „Fötzel“ wird aber wohl derselbe sein. Da du zu „Fötzel“ auch schon einen Eintrag produziert hast, lassen wir mal die Leser vergleichen: http://www.blogwiese.ch/archives/620

      Glücklicherweise wird hier niemand aufgrund des Nachnamens diskriminiert. Wie es auf, unter und über dem Kanapee bei Hempels und anderen Leuten aussieht, kann man in einem schlimmen Fall mit „es Puff“ (ein Puff, [das = weiblich]) zusammenfassen.
      http://www.blogwiese.ch/archives/683
      http://www.blogwiese.ch/archives/70
      Wobei „Chrüsimüsi“ sehr viel niedlicher tönt als „Puff“ und ich daher bei jemandem mit einem „Chrüsimüsi“ sicher schneller mit „fötzelen“ fertig wäre.

      Es erstaunt mich übrigens gar nicht, dass die Kindertagesstätte „Chrüsimüsi“ ausgerechnet in Kriens bei Luzern zuhause ist. Ich kenne dieses Wort eher in meinem passiven Dialektwortschatz. Das klingt für mich besonders Innerschweizerisch (für Üsserschwiizer und andere Fremdsprachige: „Innerschweiz“ heisst nicht „innerhalb der Schweizergrenzen“ sondern „im Innersten der Schweiz“, also „Zentralschweiz“, Raum Luzern. „Üsserschwiizer“ heisst übrigens auch nicht „ausserhalb der Schweiz“ sondern wird von den Oberwallisern gebraucht für „Schweizer, von ausserhalb des Wallis“).

      Sicher würden sich gerne viele Hobby- und auch professionelle Sprachforscher bei Diealektwörtern an vergütesieglete und Stiftung-Warentest-Gewährleistungs-verbriefte Dokumente halten, um „Chrüsimüsi“ 1:1 auf Hochdeutsch zu übersetzen. Aber solche Werke gibt es nun mal nur wenige. So bin ich nicht einmal in Grimms Wörterbuch auf eine sichere Herkunft gestossen. Also verwende ich mein subjektives Sprachgefühl und streiche Jens’ Hypothese von „Kreuz“ und „müssen“ gleich mal weg. Ich tippe eher auf „Kraus, Kraushaar“ („Chruseli“) und „Mus“ („Mues“), einfach zwei Dinge, die nicht zusammen passen, und daher unordentlich wirken – und dann sprachlich reimfähig verarbeitet wurden; etwa wie der nur im Dialekt vorhandene Stabreim in „Chrut und Chabis“ (Kraut und Rüben, wörtlich „Kraut und Kohl“).

      Die Annahme mit „Kraushaar“ führt mich natürlich auch in die Nähe der Natomäuse unter dem Sofa. Vor dem Staubsauger wurden diese immobilen Tierchen aus Haarresten mit dem „Fluumer“ (Besen mit Wollfäden zum Staubwischen auf glatten Flächen, Wortherkunft von „Flaum“) gejagt. Heute entsorgen wir diese „Mäuse“ nur noch dank der Deutschen Kammerjäger, die gerne „Müsli“ (kleine Maus) mit Haut und Haaren essen, statt wie hierzulande „Müesli“ (kleines Mus).

    2. Neuromat Says:

      ein Sofa ist kein Kanapee

      chrüsi ist mit kraus schon richtig zugeordnet. Die Wurzel ist krus. Weitere Zuordnungen sind nicht möglich. Es sei denn AnFra übertrifft sich selbst …

      seit Neuestem braucht „es“ für die Blogwiese einen Taschenrechner

    3. yvi Says:

      Mir gefällt die Erklärung von Jens – wo auch immer er sie her hat – bezüglich „Chrüsimüsi“ eindeutig besser als die an den Haaren herbeigezogene. Subjektives Sprachgefühl in Ehren – doch es gibt tatsächlich zu fast jedem Schweizer Dialekt ein eigenes Grammatik- und Wörterbuch. Besonders prägnante Dialekte haben sogar mehrfach inspiriert – wie z.B. das Appenzellische oder das Bernische. Und dann haben wir ja noch das Idiotikon – ich bin sicher, dass hier Chrüsimüsi ausführlich erklärt wird.
      Wegen dem Fötzel oder Fätzli oder Fetzli – würde ich – subjektiv jetzt – mal meinen, dass es eine Frage der Sprachregion ist, wie es geschrieben wird. Wir haben als Kinder noch das Spiel „Fätzli gleit, niemerem gseit, liege loo wos isch“ gespielt. Da kam dann meist ein textiles Taschentuch zum Einsatz.
      Und die Innerschweizer sind schon nicht ganz identisch mit den Zentralschweizern – zumindest geographisch grenzen sie sich gegenseitig ab oder aus – je nachdem. Laut Wikipedia: Die Zentralschweiz ist die Schweizer Region, die den zentral gelegenen Teil der Alpen und Voralpen umfasst. Zu ihr gehören die Kantone Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Luzern und Zug. Das städtische Zentrum der Zentralschweiz ist Luzern.

      Begriffliche Abgrenzung – Der Kanton Glarus wird oft fälschlicherweise zur Zentralschweiz gezählt, obwohl er mit ihr weder geografisch noch wirtschaftlich, politisch, mentalitätsmässig oder linguistisch grössere Gemeinsamkeiten aufweist.

      Nicht deckungsgleich mit der Zentralschweiz, obschon häufig mit ihr verwechselt, ist die Innerschweiz. Ihr Gebiet wird rein nach geografischen Kriterien definiert. Zur Innerschweiz gehören die Kantone Uri, Obwalden und Nidwalden sowie die dem Vierwaldstättersee zugewandten Teile der Kantone Luzern und Schwyz – im wesentlichen also das Gebiet, das zum Teil noch heute als Waldstätte bezeichnet wird.

      Davon wiederum abzugrenzen ist das historische Gebiet der Urschweiz (im französischen Suisse primitive). Sie umfasst die Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden (Obwalden und Nidwalden).

      Dass Chrüsimüsi eher selten mehr gehört wird, hängt wohl eher damit zusammen, dass sich die Sprache gewandelt hat und wir heute tatsächlich mehr von einem „Puff“ oder gar „Saupuff“ sprechen – ein Wort, das vor 20 Jahren genauso verpönt war wie „geil“ oder „huere“. So wandelt sich die Sprache und wir uns mit ihr. Die älteren Semester werden sich weiterhin an die unverfänglicheren Ausdrücke halten und halt auch versuchen, keinen „Chabis“ zu erzählen, wogegen die Jungen gerne mal „en Seich“ erzählen oder gar einen „Bullshit“ rauslassen.

      Übrigens – Hobbymässig sich immer mal wieder mit der Schweizer Mundart in ihrer ganzen Farbenpracht auseinanderzusetzen, macht tatsächlich enorm Spass und ich danke jedem Deutschen Migranten, der mich daran erinnert, wie ungeheuer vielseitig und „träf“ ein Dialekt sein kann – auch die deutschen übrigens – im Gegensatz zur doch eher steifen Schriftsprache.

    4. Thomas Says:

      woher das Chrüsimüsi genau kommt, weiss ich nicht, aber bedeuten tut es eine bestimmte Form eines Durcheinanders, eine Art Potpourri, ein Gnusch. Also nicht einfach eine simple Unordnung.

    5. AnFra Says:

      Wenn man die Sprachhistorie zurückschaut ergibt sich folgend eine mögliche Entwicklung.

      Das „Chrüsimüsi“ zerlegen wir in „Chrüsi“ und in „Müsi“. Das „Chrüsi“ kommt wohl vom „chrusi“, dieses vom „krusi“, dieses vom „krus“. Das „krus“ im Alemannischen entspricht phonetisch und inhaltlich dem nhd. „kraus“.
      Die Überlegung, was dieses „krus = kraus“ bedeutet, ergibt eine Lösung zum „krause“ d.h. fludrig-wollig-zusammenhängend ein „Staubballen, Natomaus, eine WOLLMAUS halt“. Anderseits ergibt „krus“ auch den Sinninhalt von etwas durcheinanderseiendes wie z. B. „Er hat sehr krause (krude) Ideen oder Haare“.
      Das führt zu einer anderen Überlegung: Das „krus“ hat auch die Bedeutung von Gemischen, Vermischten oder Gemengen (ein Puff), weil hier einige Sachen durcheinander sind. Jedoch kann dann das „Müsi“ nicht eine Maus sein, sondern hat sicherlich eine andere inhaltliche Bedeutung.

      Nun kann man bei den Brüdern Grimm eine eindeutige Quelle zum „Chrüsimüsi“ finden und ist doch etwas erstaunt: Es bedeutet „Mischmasch“.
      D.h.: schw. „Chrüsimüsi“ heißt hd. „Krausemause“. Siehe: http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=hierarchy&textsize=600&onlist=&word=krause&lemid=GK12717&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GK12717L0

      Im GWD ist es so beschrieben: ….. so schweiz. krusi musi n., mengsel von speisen, auch galimatias …..das sind eben so brocken, krausi mausi durcheinander…..

      Wenn man „die unterstellte Vorliebe der Schweizer für Ordnung“ als Grundlage nimmt, so kann natürlich ein Kindergarten schon etwas durcheinander sein, halt „Chrüsimüsi“ bzw. „Krausemause“. Dies entspricht auch dem biblischen „Tohuwabohu“.

    6. Phipu Says:

      An AnFra

      Bravo für diese Grimm-Fundstelle. Damit hätte ich viel Selberdenken durch bequemeres Lesen (bzw. kopieren – einfügen) ersetzen können. Diese Quelle ist ja wirklich nahezu unerschöpflich.

      Mich erstaunt immer wieder, wie viele Ausdrücke, die hier als besonders schweizerisch vorgestellt werden, ihren Ursprung eigentlich ganz woanders haben, oft auch so, dass sie eigentlich eher typisch Deutsch wären. Zum Glück entwickelt sich die Sprache, so dass wir zu Lebzeiten der Blogwiese noch auf viele interessante Funde stossen werden.

    7. Neuromat Says:

      @ yvi

      Deine Freude an den Dialekten teilen wir ja bereits. Nun erscheint es mir so sein, dass es an Dir wäre auf Entdeckungsreise zu gehen und zu erkennen, welchen Facettenreichtum die „Schriftsprache“ und der schriftliche Ausdruck parat halten. Vielleicht erscheint sie dir dann weniger steif. 😉

      @ Anfra
      „krause Maus“ das war auch mein spontanes Gefühl. Irgendwie musste ich an eine Speisekarte im Cinarestaurant denken …

    8. AnFra Says:

      Noch ein kleiner Nachtrag.

      Im hermeneutischen Sinne meint „Chrüsimüsi“ folgendes: Die Gedanken, Ideen, Entscheidungen, Zustände und Gegebenheiten sind eigentlich verworren, haben also keine so richtig klaren geraden Handlungen oder Abläufe.

      Diese „Krausemause“ will uns bei den Gedankengängen der Menschen sagen: Seine Gedanken springen hin und her wie eine Maus bei Futtersuche. Die Maus ( Siehe: Hier bes. 3.f ) spielt hierbei doch eine gewichtige Rolle!
      Sein Gedankengang wechselt dauernd die Richtung wie eine Maus, die hin und her seckelt, als wenn sie nicht wüste wohin.

      Diese Redewendung mit der „Chrüsimüsi / Krausemause“, welche in D. wohl langsam erlöscht, hat eine Vergleichbarkeit zu folgenden: „Er hat Grillen im Kopf“, denn er ist ein arger Phantast.

    9. Dirtbag Says:

      Gelegentlich gebrauche ich anstatt „puff“ auch „gettho“ (de het wieder es riese gettho im zimmer!) tönt halt weniger nach sex, aber ob es moralisch „korrekter“ ist, ist natürlich fraglich 😉

    10. AnFra Says:

      @Phipu

      Dank für Deine Überlegungen bezüglich der Ursprünge der vielen Ausdrücke. Dies ist mein kleines Anliegen, solche gemeinsamen Ursprünge, Quellen, Sprach- und Begriffs-Wanderungen und auch der Sinnveränderungen hier auf der Blogwiese zu beackern.
      Die dt. Sprache kommt mir wie ein großer Pilz vor, dessen oberflächlich sichtbaren Körper eigenständig erscheinen, jedoch unsichtbar unter der Oberfläche durch Myzelien fast unüberwindbar miteinander verbunden ist.

      @neuromat

      Bezüglich der „krausen Maus“ (Kochtipp: Ausgenommen, mit Bambusbohrer-Engerlingen und Frosch-Laich gefüllt, in Palmmilch getaucht, in Sesamkörnern gewälzt, mit tib. Himalaya-Salz bestreut und in Bullentalk gegart) aus dem chin. Lokal möchte ich auf die neue lateinisierte intern. Schreibweise hinweisen: „Klu Sii Mu Si“.
      Guten Appetit.

    11. kikri Says:

      Ich stimme AnFra zu,
      Chrüsimüsi ist mit das normale Chaos, das mit aufräumen bekämpft werden kann, Chrüsimüsi ist das Chaos, das im Gehirn herrscht.
      Man muss es zuerst entwirren, bevor man klare Gedanken zu einem bestimmten Thema fassen kann.

    12. alex Says:

      Kinder täten jedoch in einer Kindertagungsstätte tagen, interessierten sie sich für so einen Erwachsenenquatsch.

    13. pit vo lissabon Says:

      habe mich amüsiert über den aus druck nato-maus. in basel nennt man das staub-huppele.

    14. Elli Says:

      @Phipu
      Von wegen typisch Schweizerisch oder typisch Deutsch. Ich kannte früher einige Germanistikstudenten aus Deutschland, die für ein Jahr Sprachaufenthalt in der Schweiz waren. Anfangs hat mich das heftigst verwirrt. Ist doch alles Deutsch. Wieso ausgerechnet hier?
      Unabhängig voneinander haben alle dasselbe geantwortet. Nämlich, dass die heutigen Dialekte in der Schweiz dem alten Deutsch ähnlicher wären als alles, was heute noch in Deutschland gesprochen wird. Tja… *staun*
      Leider weiss ich nicht mehr, woher aus Deutschland diese Studenten waren und welchen historischen Zeitraum sie mit ihrem Sprachaufenthalt hier abdecken wollten.
      Find ich aber immerhin interessant. Vielleicht weiss ja einer von den ganzen Sprachexperten hier mehr 🙂

    15. AnFra Says:

      @Elli

      In gewisser Weise stimmt dies sicher, aber nach vielen Jahren als Amateuer auf diesem Gebiet glaube ich: Das Schweizerdeutsch hat gewisse Reste des „alten Deutsch“ erhalten bzw. wendet diese noch an.

      Jedoch glaube ich: Die nhd. Umgangssprache ist dem „Urdeutschem!!!“ einiges näher als das Schweizerdeutsche.
      Durch die extreme Kehllautigkeit mit dem „CH“ wird hier eine sog. Urtümlichkeit vorgetäuscht, die so eigentlich nicht stimmt bzw. stimmen kann. Jedoch haben sich massenhaft alte, altertümlich klingende / tönende sowie sich altertümlich gebende Worte, Begriffe, Redewendungen uam. in der Schweiz erhalten.

      Wenn man in all die schlauen Bücher hineinblickt, sieht man immer wieder den Effekt: Die sprachliche „Aufspaltung / Trennung“ zwischen der Eidgenossenschaft und dem Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) lässt sich ab dem 16. besonders dem 17. JH manifestieren. Am diesem Zeitpunkt kann man einen gewissen Drang der deutschsprachigen Eidgenossen erkennen, ihre Eigenständigkeit auf ALLEN Gebieten zu beweisen.
      Wenn man sprachlich, kulturell, wirtschaftlich und historisch genau hinschaut und unter die Oberfläche geht, erblickt man den zuvor weiter oben beim Phipu beschriebenen Pilz, welcher eigenständig, jedoch unsichtbar unter der Oberfläche durch Myzelien fast unüberwindbar mit den anderen Pilzen verbunden ist.

      Bitte beachten: Um möglichen Missverständnissen durch „Blocheristen“ vorzubeugen, möchte ich sagen: Hier geht es nicht um einen (groß)- deutschen Anspruch auf, in und um die Schweiz! Es geht nur um die dt. Sprache!!!

      Oft scheint mir bei der schw. Sprache ein Vorgang zu wirken, den ich mit einem technischen Beispiel besser beschreiben kann:
      Die schweizdt. Sprache wirkt wie ein Sedimentationsraum in einer Zentrifugentrommel, in welcher bei der Rotation der Trommel die restlichen, nicht gebundenen und somit frei beweglichen Sprachpartikel zusammenkommen, ablagern und verfestigen können.
      Dadurch ergeben sich sprachliche Ansammlungen, die so in dem übrigen deutschsprachigem Fluid nicht mehr gibt, es aber jedoch zuvor ebenfalls gegeben hat. Als Ergebnis dieser Sprachrotation und der daraus ergebenden Sprachsedimentation haben wir die Helvetismen.
      Man kann sicherlich mind. 95 % der sog. Helvetismen in der alten, nicht mehr im heutigen Deutschland gesprochenen deutschen Sprache bei williger und geduldiger Suche finden.

      Ein extrem schönes Beispiel finden wir in diesem Blog um den Begriff „Chrüsimüsi / Krausemause“, welcher sicherlich
      „urschweizerischer“ hätte nicht sein können!

    16. Ostwestfale Says:

      @Elli

      Ich würde mich zwar nicht als Sprachexperte bezeichnen (sondern nur als interessierten Laien), aber ich kann die These insofern bestätigen, als dass mal ein Schweizer Geschichtsstudent (in diesem Blog?) erzählte, dass er beim Lesen mittelhochdeutscher Schriften ( ca 1050 bis 1350) von Anfang an sehr viel verstand, während seine deutschen Mitstudenten große Mühe mit dem Verständnis der Schriften hatten.

    17. Phipu Says:

      An Elli und Ostwestfale

      Das mit der allemanisch sprechenden Schülerin, die mittelhochdeutsche Texte besser als die Mitschüler verstand, könnte wohl dieser Artikel sein:
      http://www.blogwiese.ch/archives/486
      Die vielen Kommentare dazu zeugen auch von einem recht heissen Eisen.

    18. yvi Says:

      @neuromat
      mach ich glatt – gehe „zwiebelfisch“ geniessen – bastian sick ist auf tournee in der schweiz und wird mich auf lustvolle weise mit den eigenarten, resp. der korrekten grammatik der deutschen sprache vertraut machen. sein buch „der dativ ist dem genitiv“ sein buch ist alles andere als steif, obwohl korrekt geschrieben – natürlich.

      ich mag grundsätzlich alle deutschen schrift- und dialektsprachen sehr – ist mein bevorzugtes tummelfeld, mit dem ich mich auch öffentlich regelmässig und gerne ausdrücke!

    19. Lekkeres Krausemausen Says:

      Kennt jemand eigentlich das Niederländische Pendant zu Chrüsimüsi. Ich glaube es lautet [phonetisch] ungefähr so wie Krusemus [klingt zwar eher so wie Chruusemuus], hab aber in den Suchmaschinen und Übersetzungsmaschinen nichts in dieser Schreibweise gefunden. Kann mich der genauen Schreibweise Es bezeichnet aber ein viel spezifischeres Durcheinander, nämlich ein akustisches. Zu deutsch Stimmenwirrwar.

    20. Lekkeres Krausemausen Says:

      Hab’s gefunden:
      „geroezemoes“ [stemmen] (sprich: cherusemus oder chrusmus)
      = niederl. Stimmengewirr, Gewirr [Stimmen]

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