Ohne Zweifel — Jetzt kommt Zweifel

Dezember 14th, 2009

(reload vom 20.10.06)

  • Ennet der Grenze wird „eh net“ alles verkauft
  • Wir alle kennen die regelmässigen „Migrationsbewegungen“ der Schweizer am Wochenende über die Grenze ins befreundete „Europäische Ausland“. Der Umsatz, der von allen Supermärkten auf der anderen Seite der Grenze (die Schweizer sagen kurz und präzise „ennet der Grenze“ zu diesem Satzungetüm) gemacht wird, steht bereits seit einiger Zeit an dritter Stelle hinter den Umsätzen von Migros und Coop, und noch vor dem von Denner.

    Doch im Herbest 2006 kam der Gegenangriff. „The empire strikes back“, „macht kaputt was euch kaputt macht“, hätte man in den wilden 68ern skandiert.

    Die Rede ist von Zweifel, dem Schweizer Quasi-Monopolisten für die eidgenössisch lizenzierte, subventionierte und durch Schutzzöllen am Leben erhaltene Produktion von Kartoffelchips. Die lässt sogar die grosse Migros für sich von Zweifel produzieren, denn was man nicht nachmachen kann, das kauft man ein, heisst dort die Devise.

    Zweifel versuchte sich auf dem Deutschen Markt und hatte das schweizerische Grüezi und die Schweizerflagge gleich mitgebracht:
    Zweifel in Deutschland
    Foto: Was ist das da für ein weisses Ding auf dieser Flagge?

  • Weg mit Hammer&Zirkel, her mit dem Schweizerkreuz
  • War das nicht genial? Und wie vortrefflich sich das weisse Schweizerkreuz in den roten „Blut-Balken“ der Schwarz-Rot-Goldenen Flagge schmiegt! Als ob es nie woanders zu Hause gewesen wäre. Offiziell wird dieses Rot übrigens „Verkehrsrot“ genannt, vielleicht weil diese Rot bei Unfällen im Verkehr häufig zu sehen ist? Was bedeuten eigentlich diese drei Farben?

    Die Farbzusammenstellung ergibt sich aus einem (historisch verbürgten) Ausspruch in den Befreiungskriegen:
    Aus der Schwärze (schwarz) der Knechtschaft durch blutige (rot) Schlachten ans goldene (gold) Licht der Freiheit.
    (Quelle: Wikipedia)

    Können wir auch heute gut nachvollziehen, da blutige Schlachten täglich auf den Autobahnen ausgefochten werden.

  • Was könnte man als Werbegimmik in die Packung legen?
  • Wir finden es klasse, was Zweifel da unternahm, und drücken den Herstellern alle vorhandenen Daumen für den Erfolg im Chio-Chips Land. Vielleicht sollten Sie auf die Packung noch Gutscheine verstecken, für eine Grundkurs Schweizerdeutsch an der Clubschule Migros in Zürich, oder Coupons für die Teilnahme an der Verlosung von 100 permanenten C-Bewilligungen für die Schweiz. Als Hauptpreis vielleicht das Heimatrecht in einer Gemeinde ihrer Wahl plus einem hübschen druckfrischen Schweizerpass? Das würde den Absatz sicher steigern helfen.

    Die Deutschen sind neugierige Konsumenten von Chips, ich habe da keine Zweifel. Ob sie auf die Dauer das hübsche weisse Kreuz auf ihrer Flagge akzeptieren, nach dem dort vor ein paar Jahren erst Hammer & Zirkel raus und der Adler reinmontiert worden sind, gilt abzuwarten. Wahrscheinlich halten sie es sowieso für einen Flagge vom Internationalen Roten Kreuz. Rot und Weiss und Kreuz, wir kennen das ja zu genüge (vgl. Blogwiese).

    Und wenn die Schweizer am Wochenende im „befreundeten Ausland“, zufällig wie immer bei der Warenkontrolle und beim „Einkauf minderer Qualität“ bei Aldi anzutreffen, freuen sich sicherlich, jetzt völlig subventionsfrei und höchstwahrscheinlich billiger die beliebten Zweifel-Chips einkaufen zu können. Und „erst noch“ mit Mehrwertsteuerrückerstattung. Später dann nicht mehr.

    Fleisch oder Käse? — Verwirrungen beim Probewochenende

    Oktober 26th, 2009

    Probewochenende mit Fleisch
    Am letzten Wochenende waren wir auf einem Probenwochenende mit der Neuen Bülacher Kantorei zu Gast in Dietikon. Nein, nicht Dintikon oder Dietlikon, sondern „Dietikon“. Die Welschen haben ihren Spass daran, dass man in der Deutschschweiz gern Orte bewohnt, die auf „-kon“ enden, was wie „con“ klingt und auf Französisch so viel wie „Depp“ heisst. In ihren Ohren klingt das dann wie „Deppenhausen“ (einem hübschen Ort im Schwäbischen).

  • Was ist ein Fleischteller?
  • Es wurde fleissig geprobt, und anders als der Name des Probenortes vermuten lässt, wurde bei den Mahlzeiten nicht auf „Diät“ geachtet. Wir durften vorab wählen, ob wir zum Mittag einen Fleisch- oder einen Käseteller essen wollten. Ein Fleischteller, das klingt wie ein Berg Fleisch mit Speck und Würsten, ist aber in der Deutschschweiz nichts anderes als ein Teller mit „Aufschnitt“.

    Fleischteller mit Käse
    (Quelle Foto: brotmacher.ch)

    Eine Sangesschwester, die aus Lyon stammt, mit einem Ostfriesen verheiratet ist und schon lange in Dietikon lebt, zeigte deutlich ihre Enttäuschung, denn das was da vor ihr stand und als „Fleisch“ angekündigt war, hatte sie sich als „de la viande“ übersetzt. Bei genauer Betrachtung konnte es für sie aber allenfalls als eine „assiette de charcuterie“ durchgehen, also als einen „Wurst- und Aufschnittteller“ mit drei „t“.

  • Bitte immer ohne Butter
  • Nicht so bei den „Suisse-Toto“. Da ist das „Fleisch“, wenn Wurst auf den Tisch kommt. Kredenzt mit Brot, aber ohne Butter, Verzeihung „Anker“ wollte ich schreiben. Wurst aufs Brot geht auch ohne Butter, so wie Gipfeli am Morgen auch ohne Konfitüre oder Anker genossen wird, ganz puristisch. „Ist ja schon Butter drin im Gipfeli“, lautet die Begründung, und wahrscheinlich Fett genug in den Wurstwaren. Nun, es hat uns gleichwohl geschmeckt.

    Kaffee Complet und Fleischteller als Abend Menü
    (Quelle Foto: sunnewies.ch)

  • Kaffee Complet und du bist vollständig
  • Am Abend gab es dann nach dem warmen „Nachtessen“, das wir Deutsche „Abendbrot“ nennen, auch wenn es kein Brot gibt, noch Kaffee. Auch dies ist eine typisch Schweizerische Erfindung und wird als „Kaffee Complet“ bezeichnet, d. h. sogar Milch und Zucker sind dabei, muss man nicht extra bestellen, selbst mitbringen oder bezahlen, alles komplett! Wir fragen uns immer, wie Menschen am Abend nach einer Portion Kaffee noch einschlafen können. Entweder ist das für sie Gewohnheitssache, oder der Kaffee ist so dünn, dass jeder Schweizer danach perfekt träumen kann. Träumen konnten wir gut nach dem Chorwochenende, und die ganze Nacht probten wir weiter fleissig im Schlaf A. Vivaldis Magnificat und Gloria, permanent und ohne Unterbruch, quasi in der Endlosschleife. Barockmusik klebt schön im Ohr.

    Die Aufführung ist am Sonntag den 13.12.09 um 17:00 Uhr in der Ref. Kirche Bülach. Der Vorverkauf beginnt am Freitag, 30.10.09, in der Altstadtbuchhandlung Bülach.

    Vom Abfallprodukt zum Kultgetränk — Welche Farbe hat Dein Durst?

    Oktober 16th, 2009

    (reload vom 26.09.06)

  • Mögen Sie Molke? Was ist das eigentlich?
  • Milch ist eine äusserst vielseitige Flüssigkeit. Frisch von der Kuh gemolken, wird sie kurz darauf mit hohem Druck homogenisiert, um die in der Milch enthaltenen Fett und Eiweisspartikel zu zerkleinern.

    Hierbei wird die Rohmilch unter hohem Druck (150-300 bar) durch eine feine Düse gegen eine Stahlwand gespritzt, wodurch die ursprünglich relativ großen Fetttröpfchen (Chylomikronen) so stark zerkleinert werden (unter 1 µm Durchmesser), dass die Trennung von Fett und Wasser (Rahmbildung) nach diesem Verfahrensschritt ausbleibt.
    (Quelle Wikipedia)

    Täte man dies nicht, würde die Milch das tun, was sie in unbehandeltem Zustand tut, wenn man sie in die Wärme stellt und ihr ein bisschen Zeit lässt: Sie wird fest. „Dickmilch“ nennt man das Ergebnis, welches sich neben später mit Früchten angereichert in Plastikbechern verkaufen lässt. Das macht auch gar nicht dick, man, anders als die Dinger von Dickmann.

    Schöpft man diese gebundene Masse ab in ein sauberes Handtuch, so löst sich nun die „kleine Milch“ („le petit lait“ in Frankreich), d. h. die „Molke“ von der Fett und Eiweissmasse. Molke ist ein Abfallprodukt. Früher haben die Käsereien sie an die Kälber verfüttert, natürlich aus der Flasche, oder weggeschüttet. Bisweilen findet man in Bioläden die Molke als besonders wertvolles Getränk, gleich neben der Stuten- und Ziegenmilch.

    Molke (Milchserum, auch Sirte genannt) ist die wässrige grünlich-gelbe Restflüssigkeit, die bei der Käseherstellung entsteht. Sie besteht zu 94 % aus Wasser, zu 4–5 % aus Milchzucker und ist nahezu fettfrei. Außerdem enthält sie Milchsäure, die Vitamine B1, B2 (dies bewirkt die grünliche Farbe) und B6, Kalium, Kalzium, Phosphor und andere Mineralstoffe, doch vor allem 0,6–1 % Molkenprotein. Das ist deutlich weniger Eiweiß als in der Milch. Dort ist das Kasein Haupteiweiß.
    Es gibt zwei Sorten von Molke, die Lab- oder Süßmolke, die entsteht, wenn man Milch mit Lab zur Käseherstellung dicklegt. Die zweite Sorte, die Sauermolke, entsteht, wenn Milch mit Milchsäurebakterien behandelt wird. Nachdem das Eiweiß (der Käse oder Quark) abgetrennt wurde, bleibt die Molke übrig.
    Molke wirkt abführend. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde Molke als Lebenselixier entdeckt und angepriesen. Es sind zahlreiche Kuranstalten entstanden, um die Zivilisationskrankheiten zu heilen. Die Molkekur war ein Programm und ein Teil der damaligen Lebensreform-Bewegung.
    Molke wird heute hauptsächlich in der Schweinezucht verwendet, vor allem als Molkepulver. Viele Molkereien arbeiten daher eng mit Schweinemästereien zusammen.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Vom Abfallprodukt zum Kultgetränk
  • Die Schweizer hatten eine andere Idee zur Verwertung. Sie machten daraus ein Kultgetränk mit Namen „Rivella“, erhältlich in den Farben Rot, Blau und Grün.
    Rivella gibt es in drei Farben
    (Quelle: nezrouge-biel.ch)

    Seitdem heisst es in der Werbung: „Welche Farbe hat Dein Durst?“, und jeder Schweizer weiss was gemeint ist.
    Farbe bekennen. Wie schmeckt denn Rot?
    Wie schmeckt eigentlich Rot?

    Bei der Migros heisst Rivella übrigens „Mivella“. Mal wieder ein Markenklau? Von wegen, es ist einfach eine andere Abfüllung:

    Rivella ist ein kohlensäurehaltiges Tafelgetränk mit 35 % Milchserum, das in der Schweiz hergestellt wird. Rivella wird, wie auch die günstigere Kopie der Migros namens Mivella, von der gleichnamigen Rivella AG in Rothrist abgefüllt. Diese ist bis heute im Besitz der Familie des Gründers Robert Barth.
    (Quelle: Wikipedia)

    Die Rezeptur wurde für die Migros leicht geändert, damit sich Mivella von Rivella unterscheiden lässt.

  • Rivella ist nichts bei LI
  • Laktose-Intoleranz, kurz „LI“ ist ein weit verbreitetes und selten erkanntes Fehlen eines Enzyms, welches der Mensch normaler Weise zum Aufspalten von Milchzucker, d. h. von „Laktose“ benötigt. Ohne dieses Enzym, dass vor allem älteren Menschen und/oder Asiaten häufig fehlt, kann der Milchzucker nicht zerlegt, und somit nicht vom Körper verarbeitet werden. Er sammelt sich im Darm an und bereitet jede Menge Bauchweh. Da Rivella einen sehr hohen Anteil an Laktose enthält, ist dieses Getränke genau wie normale Milch natürlich für LI-Patienten äusserst unbekömmlich.

  • Laktose freie Milch gibt es bei der Migros und beim COOP
  • Die Problematik der Laktose-Intoleranz ist so verbreitet und bekannt, dass die grossen Lebensmitteldistributoren sich auf die steigende Nachfrage an laktosefreien Produkten eingestellt haben. Sie bieten laktosefreie Milch an, deren Milchzucker bereits aufgespalten ist. Handelsketten wie Edeka sind da ein Stück weiter, weswegen viele unter LI leidende Schweizer eine Reihe weiterer laktosefreier Produkte wie Joghurt, Butter oder Käse in Deutschland einkaufen. Es nützt übrigens gar nichts, bei LI auf Ziegen- oder Schafsmilch auszuweichen, in der Hoffnung, damit das Problem zu umgehen. Milchzucker enthalten die genauso. LI kann übrigens auch nur vorübergehend z. B. durch eine Stoffwechselerkrankung auftreten und dann wieder verschwinden. Hauptproblem bei diesem Krankheitsbild ist die grosse Ahnungslosigkeit vieler Ärzte, was dieses fehlende Enzym und die daraus folgende LI angeht.

  • Einmal Rivella gelb bitte
  • Wenn Sie also in die Schweiz kommen und so schweizerisch sein wollen wie die Schweizer, dann bestellen Sie sich demnächst eine Rivella. Nur die richtige Farbe müssen Sie sich vorher noch überlegen. „Rivella Gelb“ war zum Beispiel lange Zeit ganz falsch. Das dürfte man höchstens zu einem Feldschlösschen (Schweizer Edelbiermarke) sagen. Erst spät wurde begonnen, diese Sorte auf Basis von Soja- anstatt Milchserum zu produzieren.

    Und falls Sie von Rivella Rot oder Blau Bauchweh bekommen, weil Sie keine Laktose oder kein Milchserum vertragen, dann sagen Sie bitte nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.

    Für alle diejenigen, die wirklich Bauchweh von Milch oder Milchprodukten bekommen, hier noch das ernsthaftes Lebenshilfeforum zum Thema Laktoseintoleranz: www.libase.de.

    Nur nicht an Schwellkörper denken — Gschwellti in der Schweiz

    August 20th, 2009

    (reload vom 12.8.06)

  • Was schwillt denn da?
  • Im heissen Sommer 2006 konnten wir in einer Zürcher Kantine zur Mittagszeit unseren kulinarischen Schweizerdeutschen Grundwortschatz (vgl. Schweizer Essen) um eine weitere Vokabel ergänzen, die sich, nur so vom Lesen, ohne praktisches Beispiel oder Foto, einem Deutschen nicht leicht erschliesst. Die Rede ist von „Geschwellti“.
    Gschwellti sind Pellkartoffeln in der Schweiz
    Nein, geschwollen brauchen wir jetzt nicht daher reden, und auf die Pelle rücke ich Ihnen jetzt nicht, auch wenn die Dinger in Deutschland „Pellkartoffel“ heissen. Unser Variantenwörterbuch hilft weiter:

    Gschwellti CH nur Plur. (Grenzfall des Standards):
    Erdapfel: Erdapfel in der Schale / Montur A
    Schelfeler A-West(Tir.)
    Kartoffel: Geschwellte Kartoffel CH;
    Gekochte Kartoffel D-mittelost/süd;
    Gesottene Kartoffel D-südost
    Pellkartoffel D-nord/mittel „ in der Schale gekochte Kartoffel als Speise“. Vorgestern gab’s Gschwellti mit selbst gemachter Mayonnaise (Blick 28.1.1998,7)
    (Quelle: Variantenwörterbuch DeGruyter Verlag)

    Dennoch haben wir keine Ahnung, was „geschwellen“ mit Kochen zu tun haben könnte, oder mit „schwellen“. Eine Eisenbahnschwelle heisst der Holzbalken, über den die Tür gebaut wird, oder über den man Schienen verlegt.

    Der Duden meint:

    schwellen (st. V.; ist) [mhd. swellen, ahd. swellan, H. u.]:
    1. [in einem krankhaften Prozess] an Umfang zunehmen, sich [durch Ansammlung, Stauung von Wasser od. Blut im Gewebe] vergrößern: ihre Füße, Beine s.; die Adern auf der Stirn schwollen ihm; die Mandeln sind geschwollen; sie hat eine geschwollene Backe, geschwollene Gelenke; Übertragung: die Knospen der Rosen schwellen; die Herbstsonne ließ die Früchte s.; schwellende (volle) Lippen, Formen, Moospolster.
    2. (geh.) bedrohlich wachsen, an Ausmaß, Stärke o. Ä. zunehmen:
    der Fluss, das Wasser, die Flut schwillt; der Lärm schwoll (steigerte sich) zu einem Dröhnen; während der Donner … verhallte, schwoll (steigerte sich) der Wind zum Sturm (Schneider, Erdbeben 105).

  • Ist es schwelen und nicht schwellen?
  • Ob die Kartoffeln in der Schweiz anschwellen, wenn sie in heissem Dampf gegart werden? Oder hat es gar nichts mit diesem Wort zu tun, sondern kommt von „schwelen„:

    schwelen (sw. V.; hat) [aus dem Niederd. < mniederd. swelen = schwelen; dörren; Heu machen, verw. mit schwül]:
    1. langsam, ohne offene Flamme [unter starker Rauchentwicklung] brennen:

    Ob man in der Schweiz die Pellkartoffeln nicht gekocht, sondern über „schwelendem Feuer“ gedörrt hat?
    Aber das dauert doch viel länger als kochen über dem Feuer.

    Auf jeden Fall bringt es das Wort auf 4950 Erwähnungen bei Google-CH, das meiste sind Rezepte.

    Die Lösung des Geheimnisses verdanken wir, wie so oft, dem alten Wörterbuch der Brüder Grimm, denn darin steht:

    im oberdeutschen ist schwellen sehr gewöhnlich in der bedeutung ‚etwas im wasser sieden, bis es weich wird, in siedendem wasser kochen,‘ bes. erdäpfel (kartoffeln), s. STALDER 2, 363. HUNZIKER 235. SEILER 267a. SCHM. 2, 630: o sprach Bruno, du wirst sie (die frau) swellen und essen mit dein czen. STEINHÖWEL decam. s. 565 Keller (9, 5); (man soll einer mastgans) trei mal im tage gersten, und inn wasser geschwöllten weytzen … zuessen geben. SEBIZ feldbau 111; er hat viel tag nichts dann einen geschwelten weitzen zu essen gehabt. RIVANDER 2, 222b. so auch (?): sawer und murrecht sehen, gleich als wann er ein pfann voller geschwelter teuffel gefressen hett. HÖNIGER narrensch. 30b.

    7) in Nürnberg bedeutet schwellen (schwach) auch fest schlafen und schnarchen. SCHM. 2, 630.
    (Quelle: Grimm)

    Dann wollen wir mal tun, was Bruno verlangt und unsere Frau essen, bzw wie in Nürnberg einfach tief schwellen.

    Na dann: En Guete!

    Was wir als Deutsche in der Schweiz vermissen (Teil 3) — Die Bierkultur

    März 9th, 2009

    (reload vom 7.4.06)

  • Es gibt kein Bier in Deutschland, sondern viele Biere
  • In Deutschland gibt es praktisch in jeder Stadt eine andere Biersorte zu geniessen. Die Kölner trinken „Kölsch“, die Düsseldorfer „Alt“. Wenn Sie mal richtig Spass haben wollen in einer Kneipe der Kölner Altstadt, dann bestellen Sie lautstark, so das alle anwesenden Jecken es hören können, „eine Runde Alt für alle“.

    Die Schwarzwälder trinken „Tannenzäpfchen“ oder unser Lieblingsbier, frisches „Alpirsbacher“ vom Fass. Die Bayern lieben Paulaner oder Weizenbier, bei dem es eine Kunst und Wissenschaft für sich ist, die Flasche schnell und mit Schwung so kopfüber ins hohe Weizenbierglas zu stellen, dass sie sich entleert ohne dabei allzuviel Schaum zu bilden.

  • Flens muss ploppen
  • Ganz oben an der Grenze zu Dänemark in Flensburg werden sie nicht umhin kommen, ein „Flens“ zu trinken, das aus der Bügelflasche, die so schön „plopp“ macht.
    Flens in der Bügelflasche
    Diese Bierflasche wurde übrigens zum Verkaufsschlager auf Grund des „Werner“ Comix, weil dort permanent nur Bier aus Bügelflaschen gekippt wird. Nur handelte es sich hierbei nicht um die Sorte Flens (danke für die Hinweise in den Kommentaren!).
    Berühmtes Zitat aus der Werner-Welt:

    „Werner, Bölkstoff is‘ alle, sach mal Bescheid..“ Werner geht zur Theke und sagt: „Bescheid“. Werner kommt zurück und die Kumpels fragen ihn: „Na, hasse Bescheid gesagt?“. Antwort: „Na klar, man“

  • Pils dauert sechs Minuten
  • Ja, das vermissen wir manchmal in der Schweiz: Die Deutsche Biervielfalt. Obwohl man sie selten richtig geniessen kann, denn dort wo sie sich gerade befinden in Deutschland, von dort weden sie auch das Bier kredenzt bekommen. Die Deutschen nehmen sich Zeit zum Biertrinken. Und sie sind sehr skeptisch, wenn nach einer Bestellung in zu kurzer Zeit das Bier bereits serviert wird. Denn das lernen die Deutschen, sobald sie eine „Tulpe“ (so heisst das Bierglas wegen seiner Form) halten können: „Ein Pils dauert 6 Minuten“.
    Eine Tulpe ist ein Glas und keine Blume

    Schneller geht das nicht mit dem Zapfen, denn das Bier muss sich ja mit dem Schaum erst setzen können und die Deutschen schätzen eine schön geformte „Krone“ auf dem Glas. Anders als die Engländer, die ihr Glas immer bis zum Überlaufen gefüllt haben möchten und sich sonst vom Wirt betrogen fühlen. Wenn das Bier doch schneller serviert wird als in sechs Minuten, ist es entweder abgestanden oder der Wirt hat verschwenderisch die Hälfe daneben gehen lassen, statt die nötige Geduld aufzubringen.

  • Der magische Swimmingpool
  • Dazu gibt es einen alten Witz aus Helmut Kohls Regierungszeit:

    Die Staatsoberhäupter Europas sind bei einem Scheich im Orient zu Gast. Der Scheich macht eine Führung durch seine Besitztümer und sie kommen schliesslich zu einem wunderschönen, vergoldeten Swimming-Pool ohne Wasser, aber mit Sprungturm. Der Scheich erklärt den erstaunten Gästen, das es sich hier um einen magischen Pool handelt. Man können vom Sprungturm aus hineinspringen, nachdem man einen Getränkewunsch geäussert habe, und schon füllt sich das Becken mit der gewünschten Flüssigkeit.
    Mitterand macht den Anfang, klettert auf den Turm und sagt: „Champagner“ und springt. Das Becken ist sofort mit prickelndem Schampus gefüllt. Als nächstes klettert Craxi (Italien) auf den Turm und sagt: „Vino Rosso“, und sofort füllt alter italienischer Edelwein das Becken. Es folgen einige weitere Staatsoberhäupter, und schliesslich ist Kohl an der Reihe. Er klettert auf den Turm, sagt „Pils“ und springt. Prompt knallt er unten auf den harten Beckenboden, worauf eine Stimme aus dem Off ertönt: „Pils dauert 6 Minuten“…

    Es gibt dann noch einen zweiten Teil, bei dem Kohl vor lauter Überlegen schliesslich das Gleichgewicht verliert, fällt, und im Fallen „Scheisse“ ruft, aber den lassen wir jetzt weg. Keine Witze über den Vater der Deutschen Einheit bitte.

  • Im Land der Biervielfalt
  • Denn Bierbrauen ist eines der ganz seltenen noch existierenden „Polypole“, was bedeutet: Viele kleine Anbieter teilen sich den Markt, die umsatzstärksten Brauerein haben zusammen nur einen geringen Marktanteil. Anders als in Skandinavien, wo Carlsberg 1970 den letzten Konkurrenten Tuborg schluckte und seitdem praktisch den Markt allein dominiert. Zu Carlsberg gehören heute die folgenden Marken in Deutschland und der Schweiz:

    * Holsten Pils
    * Astra, Hamburg
    * Feldschlösschen in Braunschweig, Dresden und Rheinfelden AG (Marktführer in der Schweiz)
    * Hannen Alt, Mönchengladbach
    * Landskron, Görlitz
    * Lübzer, Lübz
    * Cardinal Lager, Freiburg im Üechtland (Schweiz)
    (Quelle: Wiki)

    Der Trend geht also auch in Deutschland dahin, dass immer mehr kleine Brauereien von grossen Anbietern wie z. B. Carlsberg geschluckt werden. Sie behalten pro forma ihren Namen, gehören aber zu grossen Bier-Konzernen.

  • Der Deutsche trinkt mehr Kaffee als Bier
  • Es ist übrigens auch ein Gerücht, dass die Deutschen viel Bier trinken. An erster Stelle kommt in Deutschland der Kaffee, der dünner und häufiger pro Tag getrunken wird, als Bier, rein vom Volumen her:

    Was trinken die Deutschen am liebsten? Kaffee ist mit insgesamt 151 Litern pro Jahr Dauerspitzenreiter beim Verzehr. Mineralwässer – vor allem kohlensäurearme Sorten – wurden im letzten Jahr deutlich mehr konsumiert (135 Liter) und verbannen das Bier (118 Liter) auf Platz drei der Rangliste.
    (Quelle: fitforum.msn.de)

    Zusätzlich zu den grossen Brauereien, wie z. B. die Ganter-Brauerei in Freiburg im Breisgau, gibt es zahlreiche kleine Lokalbrauereien, die das Bier in geringer Menge nur für die eigenen Gäste brauen. Wir beobachten in Deutschland, dass die hohe Anzahl solcher lokaler Brauereien oft den Rückschluss zulässt, dass die eigentliche Marke im Ort nicht so beliebt ist. Eigentlich sollte ja nix drin sein im Bier, ausser Hopfen, Malz und Wasser, gemäss dem Reinheitsgebot:

    Das bayerische Reinheitsgebot wurde am 23. April 1516 von dem bayerischen Herzog Wilhelm IV. (Bayern) in Ingolstadt erlassen. Dieser Erlass regulierte einerseits die Preise, andererseits die Inhaltsstoffe des Bieres. Es galt bis 1998 als das älteste Lebensmittelgesetz.
    (…)
    Das bayerische Reinheitsgebot war nicht das erste Gesetz seiner Art: Von folgenden Städten ist ein Erlass überliefert, der die Qualität des Bieres betraf: Augsburg (1156), Nürnberg (1293), Erfurt (1351), München (1363), Landshut (1409), Weißensee in Thüringen (1434), Regensburg (1447), Eichstätt (1507). Einige dieser Verordnungen wurden erst in den letzten Jahrzehnten wieder entdeckt. Es ist wahrscheinlich, dass in vielen Fällen keine Zeugnisse mehr erhalten sind und diese Liste deshalb nur exemplarischen Charakter hat.
    (Quelle: Wiki)

    Dennoch gab es in den letzten 500 Jahren auch beim Bier den ein oder anderen Skandal wegen unerlaubter Zusatzstoffe im Gerstensaft, was aber die Freude der Deutschen an diesem Getränk nicht wesentlich trüben konnte. Bekanntlich trinken die Deutschen ihre Bier nicht stangenweise, wie die Schweizer, sondern lieber in Massen, aus einer „Mass“ genauer gesagt.
    Eine Maß mit Scharfem-ß

    Ach, jetzt vermissen wir plötzlich das Deutsche Scharf-ß, denn ohne dies sieht es ja so aus, als ob die Deutschen nur in grossen Menschenmassen Bier trinken würden! Solches passiert vorwiegend in München, auf dem Oktoberfest. Aber das ist ja definitiv nicht in Deutschland, sondern im „Freistaat Bayern„.
    Bayern ist übrigens ein dreisprachiges Land:

    Gesprochen werden mehrere Dialekte aus drei großen Dialektfamilien:
    Bairisch im Großteil des Landes (Nord- und Mittelbairisch, am Rand zu Tirol auch Südbairisch)
    Fränkisch von etwa 3 Millionen im nördlichen und westlichen Landesteil
    Alemannisch von 2 Millionen Schwaben im Westen
    (Quelle Wiki)

    Aber jetzt kommen wir wirklich zu weit vom Thema ab, Bayern ist nicht unser Bier. Und ein solches werden wir jetzt trinken. Prost!