Fleisch oder Käse? — Verwirrungen beim Probewochenende
Probewochenende mit Fleisch
Am letzten Wochenende waren wir auf einem Probenwochenende mit der Neuen Bülacher Kantorei zu Gast in Dietikon. Nein, nicht Dintikon oder Dietlikon, sondern „Dietikon“. Die Welschen haben ihren Spass daran, dass man in der Deutschschweiz gern Orte bewohnt, die auf „-kon“ enden, was wie „con“ klingt und auf Französisch so viel wie „Depp“ heisst. In ihren Ohren klingt das dann wie „Deppenhausen“ (einem hübschen Ort im Schwäbischen).
Es wurde fleissig geprobt, und anders als der Name des Probenortes vermuten lässt, wurde bei den Mahlzeiten nicht auf „Diät“ geachtet. Wir durften vorab wählen, ob wir zum Mittag einen Fleisch- oder einen Käseteller essen wollten. Ein Fleischteller, das klingt wie ein Berg Fleisch mit Speck und Würsten, ist aber in der Deutschschweiz nichts anderes als ein Teller mit „Aufschnitt“.

(Quelle Foto: brotmacher.ch)
Eine Sangesschwester, die aus Lyon stammt, mit einem Ostfriesen verheiratet ist und schon lange in Dietikon lebt, zeigte deutlich ihre Enttäuschung, denn das was da vor ihr stand und als „Fleisch“ angekündigt war, hatte sie sich als „de la viande“ übersetzt. Bei genauer Betrachtung konnte es für sie aber allenfalls als eine „assiette de charcuterie“ durchgehen, also als einen „Wurst- und Aufschnittteller“ mit drei „t“.
Nicht so bei den „Suisse-Toto“. Da ist das „Fleisch“, wenn Wurst auf den Tisch kommt. Kredenzt mit Brot, aber ohne Butter, Verzeihung „Anker“ wollte ich schreiben. Wurst aufs Brot geht auch ohne Butter, so wie Gipfeli am Morgen auch ohne Konfitüre oder Anker genossen wird, ganz puristisch. „Ist ja schon Butter drin im Gipfeli“, lautet die Begründung, und wahrscheinlich Fett genug in den Wurstwaren. Nun, es hat uns gleichwohl geschmeckt.

(Quelle Foto: sunnewies.ch)
Am Abend gab es dann nach dem warmen „Nachtessen“, das wir Deutsche „Abendbrot“ nennen, auch wenn es kein Brot gibt, noch Kaffee. Auch dies ist eine typisch Schweizerische Erfindung und wird als „Kaffee Complet“ bezeichnet, d. h. sogar Milch und Zucker sind dabei, muss man nicht extra bestellen, selbst mitbringen oder bezahlen, alles komplett! Wir fragen uns immer, wie Menschen am Abend nach einer Portion Kaffee noch einschlafen können. Entweder ist das für sie Gewohnheitssache, oder der Kaffee ist so dünn, dass jeder Schweizer danach perfekt träumen kann. Träumen konnten wir gut nach dem Chorwochenende, und die ganze Nacht probten wir weiter fleissig im Schlaf A. Vivaldis Magnificat und Gloria, permanent und ohne Unterbruch, quasi in der Endlosschleife. Barockmusik klebt schön im Ohr.
Die Aufführung ist am Sonntag den 13.12.09 um 17:00 Uhr in der Ref. Kirche Bülach. Der Vorverkauf beginnt am Freitag, 30.10.09, in der Altstadtbuchhandlung Bülach.
October 26th, 2009 at 9:11 am
«Aufschittteller» ist gut… Wie hat er wohl geschmeckt?
October 26th, 2009 at 9:46 am
Aufschitt-Teller ! echt mit drei T und ohne N ?
[Antwort Admin: Nee, nur echt mit drei “t” und einem “n”. ]
October 26th, 2009 at 4:16 pm
…und Anke bitte ohne r, hat mit der christlichen Seefahrt nichts zu tun (mit Engelke aber auch nicht).
October 27th, 2009 at 5:16 pm
Sieht lecker aus!
October 29th, 2009 at 1:04 pm
Ist für Deutsche Aufschnitt, also Wurst, kein Fleisch? Könnte man wirklich vermuten, da dort Lyoner (oder so etwas ähnliches) als “Fleischwurst” bezeichnet wird. Hat mich auch amüsiert, gibts in Deutschland auch Würste ohne Fleisch drin, und wie heissen die? Also wenn nur in Fleischwürsten Fleisch ist, dann will ich nicht wissen was in einer Frankfurter Wurst ist
[Anmerkung Admin: Blutwurst wird mit Blut gemacht, und Leberwurst mit Leber]
July 29th, 2010 at 2:02 pm
Käse und Fleisch…. das Beste. Ein Fleischteller darf ja auch Käse drauf haben, das passt doch optimal, rohschinken und reifer, würziger hartkäse, oder extrahart-Käse….