Deutsch am Rande der tunesischen Wüste

August 8th, 2006
  • Deutsch am Rande der tunesischen Wüste
  • Die Geschichte mit den Deutschen in Strasbourg erinnerte mich an einen Aufenthalt auf der Ferieninsel Djerba, im Süden von Tunesien, welches zu den Maghrebstaaten in Nordafrika gehört. Dort kam in einem Strassencafe der tunesische Kellner und fragte mich sofort auf Deutsch nach meinen Wünschen. Hatte ich denn das grosse „D“ auf die Stirn tätowiert, oder einen Schwarz-Rot-Goldenen Schminkstift benutzt? Nicht einmal ein Versuch wurde auf Französisch gestartet, obwohl Djerba auch eine bei den Franzosen beliebte Insel ist. Als Deutscher zu Gast im Norden von Afrika löste das bei mir gemischte Gefühle aus. Ist es wirklich nur eine Minderheit von Deutschen, die im Ausland ihr Schulfranzösisch zu sprechen wagt? Wer mit einem Billigflieger für 349 Euro nach Djerba fliegt, gehört wahrscheinlich nicht dazu und erwartet für sein Geld, dass er sich nirgends auf die Anstrengung gefasst machen muss, eine Fremdsprache zu sprechen.

  • Der Wüstenfuchs war auch schon hier
  • Generalfeldmarschall Erwin Rommel, von den Engländern „desert fox“ genannt wurde, Vater des späteren Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel, zog hier im Februar 1941 durch Tunesien auf dem Weg nach Ägypten:

    Die britische Großoffensive Crusader am 19. November 1941 zwang Rommel zum ersten Mal zum Rückzug. Daraufhin verkürzte er die Nachschublinien, führte Verstärkung herbei und bluffte die Engländer. Er ließ Panzerattrappen auf Volkswagen montieren, die ständig im Kreis fuhren. Die dabei aufgewirbelten Staubwolken sollten das Herannahen eines großen Panzerverbandes anzeigen, woraufhin die Briten ihren Kampf abbrachen und sich zurückzogen. Dadurch stand er im Januar 1942 wieder in dem Gebiet, von dem aus sein Afrikafeldzug Anfang 1941 begonnen hatte.
    (Quelle: Wikipedia Rommels Afrikafeldzug)

    Im „ordentlich Staub aufwirbeln“ waren Deutsche also auch schon früher ganz gut.

  • Mercedes Benz und Judenvernichter
  • Deutsche, die in Tunesien, Marokko oder Ägypten tatsächlich mal mit älteren Einheimischen ins Gespräch kommen, können heute noch merkwürdige „Zeugnisse der Hochachtung“ vor den Deutschen zu hören bekommen. Es ist eine Mischung aus Bewunderung für die Erfinder von Mercedes Benz, den Bekämpfern der Ex-Kolonialherren aus England, Frankreich und Italien, sowie den Organisatoren der Judenvernichtung. Für die Araber sind wir ein tolles Volk. Was die selbsternannten „germanischen Herrenmenschen“ nach einem Sieg in Europa mit den Völkern des Maghrebs und des Vorderen Orients angestellt hätten, wurde offensichtlich im Geschichtsunterricht dort nicht genauer erklärt.

    Sind Deutsche unhöflicher? — Wie Deutsche in Strasbourg nach dem Weg fragen

    August 7th, 2006
  • Ein Volk von Unhöflichen?
  • Vorweg eine Einschränkung: Wir sprechen oft und gern von „den Deutschen“ als ein Volk. Natürlich wissen wir, dass es sich hier um 75 Millionen Individuen handelt, die unterschiedlicher nicht sein können. Höfliche und Unhöfliche gibt es unter ihnen sicherlich gleichermassen. Es ist schwierig, hierfür einen objektiven Massstab festzulegen. Den Schwaben und Badener wird eine gewisse Scheu und Zurückhaltung nachgesagt, was den Umgang mit Zugezogenen angeht.

    Berliner sagt man ihre „Berliner Schnauze“, eine sehr direkte und unverfrorene Art nach, die Dinge auf den Punkt zu bringen und keinen ausserordentlichen Respekt gegenüber Fremden zu haben. Lässt sich daraus ableiten, dass „die Deutschen“ unhöflich sind?

  • Weniger Höflichkeitsrituale
  • Sie sind sicherlich um einiges direkter in ihrer Art, und pflegen weniger „Höflichkeitsrituale“, wie sie in der Schweiz üblich und vorgeschrieben sind. Zum Beispiel die formalisierte Begrüssung per Handschlag unter gleichaltrigen Arbeitskollegen ist garantiert etwas, was wir in Deutschland noch nicht erlebt haben.

  • Wie Deutsche in Strasbourg nach dem Weg fragen
  • Wir erlebten an einem verschlafenen Sonntagnachmittag in der Elsässisch-Französischen Stadt Strasbourg, der „Hauptstadt Europas“, wie ein Auto aus Deutschland mit Tagesbesuchern bei einem französischen Polizisten am Strassenrand anhielt, der Fahrer das Fenster herunterkurbelte und den verdutzten Staatsbeamten sofort auf Deutsche fragte: „Wie kommen wir zur Kathedrale?

    Keine Begrüssung, kein „Entschuldigen Sie bitte“, kein „Sprechen Sie Deutsch?“, kein „Könnten Sie uns bitte erklären“. Einfach nur die direkte Frage nach dem Zielort. Der Polizist war überfordert, und erklärte wiederholt auf Französisch, dass er leider kein Deutsch versteht, bis ein Kollege hinzukam und die Auskunft geben konnte. Wir hätten diese Geschichte nicht notiert, wenn nicht exakt zwei Minuten später das Gleiche nochmals passierte: Die Deutschen waren kaum weitergefahren, da hielt ein Auto an derselben Stelle, wieder Deutsche, wieder die Frage. „Zur Kathedrale?“

    Diesmal war der Französische Kollege mit den Deutschkenntnissen schon dort, um zu antworten. Die Deutschen waren wahrscheinlich Urlauber aus dem nahen Schwarzwald, einer deutschen Ferienregion, die sich die wunderschöne Stadt Strasbourg mit ihrer Kathedrale anschauen wollten. Man wird ihnen in ihrer badischen Pension erklärt haben, dass dort im Elsass garantiert jeder Deutsch oder zumindest Elsässisch spricht, was leider nicht ganz der Wahrheit entspricht.

    Fasziniert und sprachlos stand ich zweimal daneben, ohne mich einzumischen, und konnte beobachten, wie deutsche Direktheit im Ausland wirkt. Meine Güte, was sind wir doch für ein unhöfliches Volk! Eine Erkenntnis, die jedem Deutschen nach einigen Jahren Schweizaufenthalt unweigerlich kommt. Wären Schweizer dort so aufgetreten? Hätten sie überhaupt nach dem Weg gefragt oder ihn lieber gleich selbst gesucht?

    Zur Ehrenrettung der Deutschen Urlauber möchte ich noch erklärend anfügen, dass sie im touristischen Teil Strasbourgs sehr wohl ohne Französischkenntnisse zurecht kommen können und diese Erfahrung vielleicht bereits früher gemacht haben.

    (2. Teil Morgen: Deutsche in Tunesien und im Maghreb)

    Blochen ohne Blocher — Wenn es der Schweizer eilig hat

    Juli 28th, 2006
  • Er blocht auch ohne Blocher
  • Wir lasen in der SonntagsZeitung vom 16.07.06 über zwei in der Schweiz gestoppte Teilnehmer des verbotenen „Cannonball-Rennen“:

    „Die Lady musste 1500 Franken Bussendepot hinterlegen, ihr Konkurrent 2’500 Franken. Beträge aus dem Benzinkässeli, die beide anstandslos bezahlten. Keine Wirkung hatte das Fahrverbot für die Tempobolzer: Die für solche Fälle vorgesehenen Beifahrer übernahmen das Steuer. Und blochten unbeeindruckt weiter, durch den Gotthard Richtung Rimini.
    (SonntagsZeitung 16.07.06, S.2)

    Nun, dass hier nicht Geld dafür bezahlt wird, um Reisebusse ins Depot zum Übernachten zu bringen, haben wir nach fünf Jahren Schweiz begriffen. Auch über das „Benzinkässeli“ verziehen wir keine Miene mehr, es steht gleich neben dem Kuchenkässeli (Chochichästli) auf dem Küchentisch. Nein, was uns hier irritierte ist das Tätigkeitswort „blochen“. Es hat doch nichts mit dem Schweizer Bundesrat Christoph Blocher zu tun?

  • Ein Blocher ist zum blochen da
  • Doch, der Familienname des von Deutschen Einwanderern (vgl. Tages-Anzeiger) abstammende Bundesrat Blocher stammt von einem Tätigkeitswort, welches uns zwar irgendwie an „bloggen“ oder „blocken/blockieren“ erinnert, tatsächlich aber auf Hochdeutsch „bohnern“ bedeutet.

  • Wenn Sie einen Blocher haben, müssen Sie einlassen
  • Der Schweizer „Blocher“ ist in Deutschland ein „Blocker“, ein „Bohnerbesen“, eine „schwere Bürste mit Stiel zum Einwachsen von Fussböden“ (Quelle: Variantenwörterbuch S. 126)
    Der Bohnerbesen ist ein Blocher
    (Ein Blocher = Bohnerbesen von Manufaktum.de)

    Und „blochen“ heisst in Deutschland demzufolge auch „blocken“, „einlassen“, „bohnern“, „wachsen“, „mit Wachs polieren“.

  • Wer blocht da auf der Autobahn?
  • Nur was diese durchgeknallten Porschefahrer des Canonballrennens da in der Schweiz taten, das hatte bestimmt nichts mit Bohnerwachs zu tun. Sie fuhren zu schnell, was merkwürdiger Weise in der Schweiz als „blochen“ bezeichnet werden kann. Vielleicht weil die tiefergelegten Wagen mit Breitreifen enormen Druck auf die Strasse ausübten, wie sonst nur ein Blocker oder Blocher?

    Weil „schnell fahren“ im gesamten Deutschsprachigen Raum beliebt ist, gibt es auch zahlreiche Varianten für diese Tätigkeit:

    Blochen CH: 1. Sw.V./ist;
    bretteln A, tuschen: tuschen lassen A, bledern A-mitte/ost, fahren wie eine gesengte Sau A D, fräsen CH, brettern CH D, heizen D-mittelwes/südwest, stochen D-mittelwest =„schnell [und rücksichtslos]fahren; rasen“
    (Quelle: Variantenwörterbuch S. 126)

    „Brettern“ und „bretteln“ muss aus der Skifahrer-Fachsprache stammen, als die Jungs noch auf Brettern stehend den Hang hinab donnerten, und nicht auf Hightech-Sportgeräten.

    „Tuschen“ und „tuschen lassen“, das müssen uns die Freunde aus Österreich erklären, was schwarze Tusche = Tinte mit schnellem Fahren zu tun hat. Vielleicht wegen der schwarzen Streifen beim „Kavaliersstart“, durch den Abrieb der Reifen auf der Fahrbahn? Oder tönt der Motor beim Gasgeben wie ein Tusch?
    Interessant finden wir noch die zweite Bedeutung von „tuschen“:

    tuschen sw. V.; hat [mhd. tuschen, wohl lautm.] (landsch.):
    a) (durch einen Befehl) zum Schweigen bringen;
    b) dämpfen, unterdrücken:
    Die Gegenwart des Amtmannes und seine Anstalten tuschten einen Auflauf (Goethe, Werther II, Der Herausgeber an den Leser).

    „Bledern“ ist vielleicht ein Variante von „brettern“ im asiatischen Raum von Mitte- und Ost-Österreich. „L“ und „r“ tauschen dabei die Plätze, so wie beim „schüss-saulen Schweinefreisch“, kennen Sie doch von Ihrem unbezahlbaren Lieblingschinarestaurant.

    Fahren wie eine gesengte Sau“, das grenzt schon an Tierquälerei, denn wenn das weibliche Schwein mit einem Brenneisen sein Brandzeichen bekommt, dann wird ihm die Haut versengt und es entwickelt eine enorme Laufgeschwindigkeit.

    „Fräsen“ tun die Schweizer, mit der Motorsäge durch den Bannwald, dass Du — haste nicht gesehen — nur noch mit den abgesägten Wimpern zucken kannst.

    „Heizen“ hatten wir schon bei der Diskussion um den Schweizer „Chauffeur“ erklärt, vgl. Blogwiese, und „stochen“, das ist laut Duden:

    stochern [Iterativbildung zu veraltet stochen, mniederd. stōken = schüren, eigtl. = stoßen, stechen, wohl zu stoßen]:
    mit einem [stangenförmigen, spitzen] Gegenstand, Gerät wiederholt in etw. stechen:
    (Quelle: Duden.de)

    Im Prinzip also ähnlich wie „heizen“, als die Eisenbahnen noch mit Feuer und Dampf betrieben wurden.
    Witzig, dass „ich stoche seit drei Stunden über die Autobahn“ offensichtlich in der Schweiz nicht verstanden wir, oder irrt das Variantenwörterbuch da vielleicht?

    Unser Lieblingswort wurde hier vergessen, und sicherlich können auch die Blogwiese-Leser noch die ein oder andere Variante für „schnell fahren“ nennen.
    „Sauen“ sagt man im Schwäbischen, und „pesen“ kennt sogar der Duden:

    pesen sw. V.; ist [H. u.] (ugs.):
    a) sehr schnell laufen; rennen:
    da ist er ganz schön gepest; zum Bahnhof pesen;
    b) sehr schnell fahren:
    sie ist mit dem Auto um die Ecke gepest.

    Ob das was mit lecker „Pesto“ zu tun hat? Ich kriege jetzt jedenfalls Hunger und pese, presto presto, in die Küche.

    Was den Kohl nicht fett und den Braten nicht feist macht

    Juli 20th, 2006
  • Kulinarische Redewendungen in der Schweiz und in Deutschland
  • Die Schweiz und Deutschland liegen definitiv in zwei unterschiedlichen Kulturkreisen. Nirgends ist dies so deutlich zu erkennen, wie bei der Esskultur und den Redensarten, die mit diesem äusserst wichtigen Teil des Lebens zu tun haben.

  • Tu Butter bei die Fische!
  • Tu ordentlich Butter bei die Fische“ pflegt man in Norddeutschland im Ruhrgebiet zu sagen, wenn man möchte, dass bei einer Sache nicht gespart wird, dass etwas grosszügig gehandhabt werden soll, oder wenn jemand endlich deutlich mit der ganzen Wahrheit rausrücken soll. Die Schweiz liegt zwar nicht am Meer, Fisch wird jedoch auch hier in rauen Mengen aus den Seen und Flüssen geholt und gegessen. Man munkelt, dass die in der Schweiz verzehrte Menge an „original Schweizer Eglifisch“ niemals in all den Seen Platz gehabt hätten, wären sie wirklich aus der Schweiz. Ein Wunder wie das der Fischvermehrung von Jesus am See Genezareth wird vermutet.

    Fisch war nicht immer rar und teuer. So lesen wir bei Wikipedia zm Thema „Lachs“:

    Allerdings war der Lachs im 19. Jahrhundert so billig, dass die Dienstboten sich weigerten, jeden Tag Lachs essen zu müssen. Schließlich gab es eine Übereinkunft, dass nur zweimal in der Woche Lachs zumutbar sei.
    (Quelle Wikipedia)

  • Fisch, Fleisch oder Vogel?
  • Während man in Deutschland und Österreich zu nicht bestimmbaren, nicht einzuordnenden Dingen sagt: „Das ist weder Fisch noch Fleisch“, ist es in der Schweiz der Vergleich mit dem Federvieh: „Das ist weder Fisch noch Vogel“:

    Ebenso abwegig scheint uns eine verbreitete Zwischenlösung, die weder Fisch noch Vogel ist (Rutishauser, Geschäftsbriefe 22; CH);
    (Quelle Variantenwörterbuch DeGruyter, S. 246)

    So ganz glauben können wir den Jungs und Mädels aus dem DeGruyter Verlag allerdings nicht, denn obwohl die Formulierung „Das ist weder Fisch noch Vogel“ schweizerisch sein soll, findet sie sich auch an zahlreichen Stellen bei Google-Deutschland. Wahrscheinlich sind das, wie meistens in solchen Fällen, alles ausgewanderte Schweizer, die sich kein ordentliches Steak sondern nur Chicken-Nuggets leisten konnten in Deutschland und dann mit Fischstäbchen böse hereingelegt wurden.

  • Fett, feist oder feiss?
  • Während „fett“ und „feist“ zum Standarddeutschen gehören, und folglich überall verstanden werden, ist „feiss“ mit oder ohne „ß“ geschrieben, alemannisch und damit auch in der Schweiz verbreitet. Wir finden im Duden:

    Feiss
    1. feiß [mhd. vei (e), urspr. = strotzend, schwellend] (alemann.): fett, feist.
    2. Feis, Feiss, Feiß, Feist: ober- und mitteldeutsche Übernamen zu mhd. veiz(e), veizt beleibt, feist, fett . Ulr. der Faist ist a. 1340 in Regensburg bezeugt.

    Dank dieser Hilfe wird uns auch klar, warum in der Schweiz der Braten nicht „fett“ sondern „feiss“ wird in der Redewendung: „Dass macht den Braten nicht feiss“.

    Google findet hierzu lediglich Stellen in der Schweiz (vgl. Google-CH)
    Kein Wunder, denn in Deutschland ist man keinen fetten Braten, sondern lieber Kohl, auch ohne Helmut davor. Die verstorbene Frau des Alt-Kanzlers Helmut Kohl erwähnte einst vor der Presse ihre Pläne, ein Kochbuch zu veröffentlichen. Sofort mutmasste man über einen möglichen Titel: „Das macht den Kohl auch nicht fett“, aber leider war es da schon zu spät. Der stete Genuss des „Pfälzer Saumagens“ hatte seine Wirkung nicht verfehlt.

  • „Das macht den Kohl [auch]nicht fett — Das macht das Kraut [auch] nicht [mehr] fett
  • Unser Variantenwörterbuch meint dazu:

    D-nord/mittel „Das macht eine Sache nicht besser“: Natürlich kann man hie und da ein wenig in der Verwaltung einsparen, aber das macht das Kraut nicht fett. Kurier 6.3.2002, Internet
    Selbst die strukturellen Spar-Entscheidungen im öffentlichen Dienst … machen den Kohl nicht fett (TAZ 20.6.2001, Internet; D)

    Wenn das Kraut schon nicht fett wird, dann bekommt sicher sonst jemand „sein Fett ab“. Denn „ein Fett abbekommen / wegbekommen / wegkriegen“ ist nur in Deutschland (ohne südost) beliebt für „Recht für etw. bestraft oder getadelt werden

    Wir fragen uns dann natürlich, was die Schweizer abbekommen, wenn nicht ihr Fett?

    Was wir als Deutsche in der Schweiz nicht vermissen: Die Baggerseen

    Juli 18th, 2006
  • Die Deutschen baden nicht im Rhein
  • Was machen die armen Deutschen, wenn es so heiss ist wie jetzt im Juli, und sie sich abkühlen wollen? Im Rhein schwimmen, das traut sich seit der Rheinkatastrophe von Sandoz niemand mehr nördlich von Basel. Obwohl es wieder möglich sein soll. Zu meiner Jugend war es hingegen möglich, Fotos im Rhein zu entwickeln. Man muss nur die richtige Stelle finden, alle notwendigen Chemikalien waren bereits in ihm vorhanden. Und Otto Waalkes brachte vor 30 Jahren den Joke: „Hände hoch! — Wieso denn, ist ja nur ne Wasserpistole. — Ja, ist aber Wasser aus dem Rhein drin“.

  • In der Elbe können Sie wieder baden
  • Der würde heute nicht mehr funktionieren. Die Flüsse sind sauber, wie uns Sabine aus Hamburg auf ihrem köstlichen Blog „Kühles Blondes“ erzählt:

    Vor achtundzwanzig Jahren schwamm ich zuletzt in der Elbe.

    Kurz darauf wurde empfohlen, dies doch lieber zu unterlassen, weil die dort hineingeleiteten Rückstände menschlicher Zivilisation dazu führen könnten, am ganzen Körper Pickel, Hautreizungen und anderweitige lustige Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Daran hielt ich mich natürlich. Wer hat schon gern Pickel?

    Seit gestern ist die Durststrecke vorbei. Es ist gem. offizieller Angaben mittlerweile nämlich gesundheitlich völlig unbedenklich, bis zu einem Liter Elbwasser zu trinken. Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen und verbrachte daher den Tag voll der fröhlichen Kindheitserinnerungen im Wasser und am Strand. Zugegebenermaßen schaffte ich keinen ganzen Liter. Doch ich vermute, daß die angegebene Menge eher optional zu betrachten ist.
    (Quelle: Kühles Blondes)

    Durch die Giftwelle, welche die Chemiefirma Sandoz am 1.11.1986 nach einem Grossbrand bei Basel in den Rhein abliess,
    Giftwelle von Sandoz
    starben nicht nur Flora und Fauna von Basel bis zur Nordsee, nein, es wurde war auch der Name dieses Unternehmens fortan in Deutschland bekannt. Ein PR Erfolg, wie er grösser nicht mit Werbung erzeugt werden konnte. Doch kurz darauf verschwand Sandoz von der Bildfläche und tauchte als „Novartis“ wieder auf. Solche negativen Ereignisse bleiben im kollektiven Gedächtnis dennoch erhalten. Wer denkt beim Namen „Landshut“ schon an das verträumte bayrische Provinzstädtchen und nicht an die von Terroristen entführte Lufthansa Maschine? Gibt es eine positive Konnotation zu Dachau? Würden Sie gern freiwillig in Gelsenkirchen wohnen? Oder in Olten? Wir wissen nicht, was die Schweizer immer gegen diesen Ort haben, wir fanden ihn bei einem Besuch bedeutend hübscher als das ganze Ruhrgebiet.

  • Die Deutschen gehen zum Baggersee
  • Seit wir in der Schweiz leben, sind wir nie wieder zu einem Baggersee zum Baden gegangen. In Deutschland ist das gang und gäbe, denn es gibt nicht viele Alternativen. Zwar hat jedes mittlere Dorf ein Freibad, aber die schönen Badeseen mit guter Wasserqualität sind nicht so dicht verteilt wie die Seen und Flüsse in der Schweiz. Da praktisch im gesamten Oberrheingraben, zwischen Basel und Karlsruhr, Flusskies abgebaut wurde oder wird, finden Sie links und rechts des Rheins und der Rheinautobahn in zuverlässigen Abständen Baggerseen und aufgelassene Kiesgruben. Ab und zu verirrt sich dahinein dann ein freigelassener Kaiman oder ein Flusskrokodil, um das Sommerloch mit nicht enden wollenden Fortsetzungsgeschichten über die vergebliche Jagd zu füllen:

    [So] Anfang der 90er Jahre ein vierbeiniger Exot namens Sammy. Der Kaiman war seinem Besitzer bei einem Ausflug an den Nievenheimer Badesee ausgebüxt und in den Fluten abgetaucht. Wochenlang blieb das Gewässer mitten in einem heißen Sommer für die Badefreunde geschlossen. Stattdessen gingen Taucher, Lebensretter, Biologen und Tierärzte auf die Suche nach dem scheuen Reptil, das seinen Jägern immer wieder entwischte. Partys wurden gefeiert, T-Shirts und Becher mit dem Konterfei von Sammy produziert, und selbst ein Schlager besang den „Held“ vom Badesee.
    (Quelle: ksta.de)

    Kaiman
    (Quelle Foto: oeaz.at)
    Auch in der Schweiz wird Kies abgebaut, z. B. in Weiach, unweit von Eglisau. Doch auf die Idee, dort in der Kiesgrube baden zu gehen, während nebenan der saubere Hochrhein fliesst, würde niemand von den Schweizern kommen.

    Wir vermissen sie nicht, diese Baggerseen mit der zweifelhaften Wasserqualität. Es gehört zu den Top-Highlights der Schweiz, dass man unweit des Bellevue-Platzes von Zürich im See baden kann, dass man in Bern mitten in der Stadt in der die Aare schwimmt und in Basel im Sommer Menschen in Badehose durch die Innenstadt laufen, um sich ein paar Kilometer den Rhein hinabtreiben zu lassen.
    Rheinschwimmer bei Basel
    Rheinschwimmer bei Basel

    Wann erleben die Hamburger das an der Alster, oder die Frankfurter das am Main? Nur die Engländer, die sind während der WM reihenweise in den Main gesprungen, um sich danach von der hessischen Wasserschutzpolizei wieder rausfischen zu lassen, hatten da keine Hemmungen. Gefährdung der Schiffahrt und so. Klar, ein stabiler Englischer Hooligan baut schnell eine Beule in so einen Lastkahn. Nur die Münchener, die trauen sich in die Isar. Aber richtig schwimmen kann man in der leider auch nicht. Nur den Champus kühlen für ein Glässchen „Kir Royal“ beim Angucken von „Monaco Franze„.