Wann wird endlich der Wald aufgeräumt? — Eine saubere Betonfläche wäre schön
Oktober 19th, 2007Die Schweizer sind für ihre Ordnungsliebe bekannt. Ordentlich sind die Vorgärten, Ordnung herrscht in der Waschküche dank Waschküchenordnung, und auch im Wald, da sollte es schön ordentlich sein. Nur leider liegt da soviel Zeugs auf dem Boden rum. Blätter und Äste, geschlagene Stämme usw. Soviel, dass man einfach nicht mehr den ordentlich gefegten Waldboden sehen kann. Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 16.10.07:
Gut ein Drittel der Waldbesucher beklagt sich über Asthaufen und umgestürzte Bäume in den Wäldern.
Zürich. – «Früher war es im Wald noch ordentlich», sagt die ältere Frau im mausgrauen Lodenmantel, die an diesem schönen Herbstnachmittag durch den Wald spaziert. Sie ärgert sich über die am Wegrand liegenden Asthaufen und die gefällten Stämme – «die lassen sie einfach liegen», das mache doch keine Gattung.
Wir sind uns nicht ganz sicher, ob diese ältere Frau der gleichen „Gattung“ angehört wie diese Frevler, die einfach Laub und Äste im Wald liegen lassen. Die Gattung Mensch lässt so manches rumliegen. Oder hat „Gattung“ in der der Schweiz eine ganz andere Bedeutung? Vielleicht wird es als Substantiv zu „gatten“ aufgefasst, zu dem der Duden weiss:
gạtten, sich; hat› [mhd. gaten = zusammenkommen, genau zusammenpassen; vereinigen; (refl.:) sich fügen, sich zugesellen, sich vereinigen
(Quelle: duden.de)
Sinngemäss also könnte die Aussage „das mache doch keine Gattung“ soviel heissen wie „das passt nicht zusammen“, was da im Wald auf dem Boden liegt.
Leider falsch. Die Redewendung „(k)eine Gattung machen“ heisst einfach „(un)ordentlich sein“ in der Schweiz.
Wir lesen weiter im Tages-Anzeiger:
Eine Klage, die Forstarbeiter oft zu hören kriegen. Die mangelnde Ordnung im Wald ist nämlich laut einer Umfrage des Bundesamtes für Umwelt die mit Abstand am häufigsten geäusserte Kritik der Waldspaziergänger («Zürcher Wald» 5/2007). 37 Prozent beklagen die Ordnung im Wald.
Für dieses Problem gibt es verschiedene Lösungsansätze. Zum einen natürlich die Bestrebungen des Künstlers Urs Wehrli, bekannt durch das Duo Ursus und Nadeschkin, der sehr erfolgreich „Kunst aufräumt“. Wir schlagen vor ihn zu bitten, sich ein passende „Aufräum-Konzept“ für den Schweizer Wald zu überlegen.

(Quelle Foto: e-shop.ch)
Urs Wehrli hat in seinen Handbüchern zum Thema „Kunst aufräumen“ überzeugend demonstriert, wie einfach ein unordentlicher Kandinsky oder Van Gogh oder Miró aufgeräumt werden kann. Warum sollte das nicht auch für den Wald funktionieren?
Doch radikaler und erfolgversprechender ist der Plan, die Waldfläche einfach zu zementieren. Das schafft gleichzeitig Arbeitsplätze in der unausgelasteten Bauindustrie sowie im Zementwerk, sorgt für raschen Abfluss des Regenwassers und vieles mehr. So eine Zementfläche, die hat was, aber gepflegt muss sie sein.
Wunderbar vorgemacht und erzählt im Roman „Der Zementgarten“ von Ian McEwan aus dem Jahr 1978.

(Quelle Foto: Amazon)
In der Geschichte, die mit Andrew Birkin 1993 verfilmt wurde, setzen die Kinder nach dem Tod ihres Vaters dessen Lebenswerk fort und zementieren Beet für Beet im Garten, damit endlich eine Ruh‘ ist mit dem vermaledeiten Unkraut:
Der Titel des Romans nimmt Bezug auf die Bemühungen des Vaters, seinen Garten mit viel Zement so pflegeleicht zu gestalten, wie es seiner und der Gesundheit seiner Frau entsprach; der Plan des Vaters ist auch der Grund dafür, weshalb die Kinder genügend Zement im Haus haben, um die Leiche der Mutter verschwinden zu lassen.
(Quelle: Wikipedia)
Passend zum Zementgarten empfehlen wir noch den handlichen Flammenwerfer zum restlosen Abfackeln der frechen Gräser und Halme, die sich eventuell durch übrige Ritzen vorwagen, sowie eine grosse Flasche „Planta-Ex“ Herbizid, damit auch wirklich nichts mehr nachwächst. Dann wäre endlich eine Ordnung!






