Wann wird endlich der Wald aufgeräumt? — Eine saubere Betonfläche wäre schön

Oktober 19th, 2007
  • Der Wald ist zu unordentlich
  • Die Schweizer sind für ihre Ordnungsliebe bekannt. Ordentlich sind die Vorgärten, Ordnung herrscht in der Waschküche dank Waschküchenordnung, und auch im Wald, da sollte es schön ordentlich sein. Nur leider liegt da soviel Zeugs auf dem Boden rum. Blätter und Äste, geschlagene Stämme usw. Soviel, dass man einfach nicht mehr den ordentlich gefegten Waldboden sehen kann. Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 16.10.07:

    Gut ein Drittel der Waldbesucher beklagt sich über Asthaufen und umgestürzte Bäume in den Wäldern.
    Zürich. – «Früher war es im Wald noch ordentlich», sagt die ältere Frau im mausgrauen Lodenmantel, die an diesem schönen Herbstnachmittag durch den Wald spaziert. Sie ärgert sich über die am Wegrand liegenden Asthaufen und die gefällten Stämme – «die lassen sie einfach liegen», das mache doch keine Gattung.

    Wir sind uns nicht ganz sicher, ob diese ältere Frau der gleichen „Gattung“ angehört wie diese Frevler, die einfach Laub und Äste im Wald liegen lassen. Die Gattung Mensch lässt so manches rumliegen. Oder hat „Gattung“ in der der Schweiz eine ganz andere Bedeutung? Vielleicht wird es als Substantiv zu „gatten“ aufgefasst, zu dem der Duden weiss:

    gạtten, sich; hat› [mhd. gaten = zusammenkommen, genau zusammenpassen; vereinigen; (refl.:) sich fügen, sich zugesellen, sich vereinigen
    (Quelle: duden.de)

    Sinngemäss also könnte die Aussage „das mache doch keine Gattung“ soviel heissen wie „das passt nicht zusammen“, was da im Wald auf dem Boden liegt.
    Leider falsch. Die Redewendung „(k)eine Gattung machen“ heisst einfach „(un)ordentlich sein“ in der Schweiz.
    Wir lesen weiter im Tages-Anzeiger:

    Eine Klage, die Forstarbeiter oft zu hören kriegen. Die mangelnde Ordnung im Wald ist nämlich laut einer Umfrage des Bundes­amtes für Umwelt die mit Abstand am häufigsten geäusserte Kritik der Waldspaziergänger («Zürcher Wald» 5/2007). 37 Prozent beklagen die Ordnung im Wald.

  • Den Wald aufräumen lassen durch Urs Wehrli
  • Für dieses Problem gibt es verschiedene Lösungsansätze. Zum einen natürlich die Bestrebungen des Künstlers Urs Wehrli, bekannt durch das Duo Ursus und Nadeschkin, der sehr erfolgreich „Kunst aufräumt“. Wir schlagen vor ihn zu bitten, sich ein passende „Aufräum-Konzept“ für den Schweizer Wald zu überlegen.

    Kunst Aufräumen von Urs Wehrli
    (Quelle Foto: e-shop.ch)

    Urs Wehrli hat in seinen Handbüchern zum Thema „Kunst aufräumen“ überzeugend demonstriert, wie einfach ein unordentlicher Kandinsky oder Van Gogh oder Miró aufgeräumt werden kann. Warum sollte das nicht auch für den Wald funktionieren?

  • Eine saubere Betonfläche wäre schön
  • Doch radikaler und erfolgversprechender ist der Plan, die Waldfläche einfach zu zementieren. Das schafft gleichzeitig Arbeitsplätze in der unausgelasteten Bauindustrie sowie im Zementwerk, sorgt für raschen Abfluss des Regenwassers und vieles mehr. So eine Zementfläche, die hat was, aber gepflegt muss sie sein.

  • Der Zementgarten muss real werden!
  • Wunderbar vorgemacht und erzählt im Roman „Der Zementgarten“ von Ian McEwan aus dem Jahr 1978.
    Der Zementgarten
    (Quelle Foto: Amazon)

    In der Geschichte, die mit Andrew Birkin 1993 verfilmt wurde, setzen die Kinder nach dem Tod ihres Vaters dessen Lebenswerk fort und zementieren Beet für Beet im Garten, damit endlich eine Ruh‘ ist mit dem vermaledeiten Unkraut:

    Der Titel des Romans nimmt Bezug auf die Bemühungen des Vaters, seinen Garten mit viel Zement so pflegeleicht zu gestalten, wie es seiner und der Gesundheit seiner Frau entsprach; der Plan des Vaters ist auch der Grund dafür, weshalb die Kinder genügend Zement im Haus haben, um die Leiche der Mutter verschwinden zu lassen.
    (Quelle: Wikipedia)

    Passend zum Zementgarten empfehlen wir noch den handlichen Flammenwerfer zum restlosen Abfackeln der frechen Gräser und Halme, die sich eventuell durch übrige Ritzen vorwagen, sowie eine grosse Flasche „Planta-Ex“ Herbizid, damit auch wirklich nichts mehr nachwächst. Dann wäre endlich eine Ordnung!

    Die Wäsche-Wahl — Schweizer Nationalratskandidatinnen machen sich nackig.

    Oktober 18th, 2007
  • In der Wäsche parat zur Wahl
  • So kurz vor den Nationalratswahlen in der Schweiz die, wie wir aus zuverlässiger Quelle von einem Schweizer mit erhaltener Wahlwerbung erfuhren, am Sonntag den 21.10.07 stattfinden wird, lassen diverse Kandidatinnen und Kandidaten die letzten Hüllen fallen. Werbung bis aufs letzte Hemd, dem Unterhemd. Machen die sich „nackig“, was in meinem Heimatdialekt als „nackisch“ wie „knackisch“ klingt? Nein, sie machen Werbung. Nicht für sich selbst und ihren gewünschten Platz im zukünftigen Schweizer Nationalrat, sondern für Unterwäsche von der Migros.

    Migros Wäsche zur Wahl

    Wir lesen auf dem Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft:

    Von der Personalberaterin bis zur Hausfrau, vom Bademeister bis zum kaufmännischen Angestellten sind bereits weit über Hundert Personen für die Migros Modell gestanden – im letzten Herbst präsentierten beispielsweise Gemeinderäte aus der Schweiz die Damen- und Herren-Oberwäsche, und Skilehrerinnen und Skilehrer zeigten sich in Unterwäsche. Und in diesem Frühling wurde die Unterwäsche präsentiert von Singles, die nicht länger Singles sein wollten.
    (Quelle: persoenlich.com)

    Migros Waesche zur Wahl 2

    Nichts Neues also, ganz normale Menschen wie Ich und Du, die sich da präsentieren, vielleicht etwas hübscher als Ich und Du. Das oben ist Mirjam Arnold aus Oberrieden, für die JCVP, und unten sehen wir Silvio Pasquale aus Boningen für die JSVP.

    Zwei Wochen vor den Nationalratswahlen wirbt die Migros nun grossflächig mit möglichen zukünftigen Volksvertretern in Migros-Höschen. Für die Kampagne wurden per Mail auserwählte Kandidatinnen und Kandidaten gesucht. Und überraschend schnell gefunden: 41 wollten bei der Plakatkampagne mitmachen, 7 wurden schliesslich gewählt. Vertreten sind aber nicht alle Parteien.

  • Wählen interessiert mich nicht
  • Es sollen sogar weitere Bewerber freiwillig ihre Mithilfe angeboten haben. Doch die weisen Migros-Werber trafen gnädig eine Auswahl. Sie haben lange ihre Wahl getroffen, mehr als die Hälfte der Schweizer noch nicht. Warum sollte ich wählen, sagen sich 55 % der Schweizer. Ein 27jähriger Arbeitskollege erklärte mir neulich, dass er noch nie gewählt habe. Das interessiere ihn nicht. Ein stressfreies Leben lässt sich auch ohne so leben in der Schweiz, ohne diesen Papierkram.

  • Wo kein Zoff ist und nur Harmonie, wird Politik langweilig
  • Die geringe Wahlbeteiligung wird von den Eidgenossen als grosses Problem erachtet. Sie ist die Kehrseite der ewig dauernden harmonischen „Konkordanz“ mit Zauberformel und Regierungsbeteiligung aller grossen Parteien. Wo kein Zoff herrscht sondern fast nur Harmonie, wird Politik langweilig und immer weniger wählen. Daran wird auch der aktuelle Streit um die „Schwarzes Schaf“ Kampagne der SVP nicht viel ändern. Seit Jahre langem liegt die Wahlbeteiligung bei den Nationalratswahlen unter 50%, siehe Grafik:

    Wahlbeteiligung Nationalratswahlen
    (Quelle Grafik: politik-stat.ch)

    Aktivisten der Bewegung „21. Oktober“ haben darum am Mittwoch, den 17.10.07 um 7:30 Uhr illegal eine riesige Fahne auf dem Zürcher Zentral aufgehängt:
    Nur die halbe Schweiz wählt
    (Quelle Foto: Heute vom 17.10.07, S. 11)

    Um 8:20 Uhr hängten sie sie wieder ab, nach Aufforderung der Polizei. Jetzt ist die Schokoladenwerbung wieder gut zu sehen. Lieber eine ganze Schokolade als ein halbes Schweizerkreuz.

    Die Partei ohne Punkte und die deutsche Lockerheit — Samuel Knopf tritt immer noch zur Kantonalratswahl an

    Oktober 17th, 2007
  • Die Partei ohne Punkte
  • Die Schweizer FDP schreibt sich wie die deutsche Guido Westerwelle Partei ohne Punkte (die deutsche FDP gab ihre Punkte 2001 auf, siehe hier). Nicht im Parteiprogramm ohne Punte, denn dort hiessen die Dinger sowieso „Traktanden“, sondern im Namen hinter den Buchstaben. Uns wäre es lieber, sie würde ihren Namen ausschreiben, denn er ist ausgesprochen poetisch und vieldeutig: „Freisinnig-Demokratische-Partei“ , genannt auch „der Freisinn“ oder die „Freisinnigen“, was uns seit vielen Jahren mit der Frage beschäftigt, ob die nun frei von Sinnen sind oder sinnlos frei.

  • Der Freisinn geht um
  • Der angsterfüllte Ruf erzkonservativer Bayern „der Freisinn geht um“ wird in Liedern von Konstantin Wecker genauso furchteinflössend zitiert wie „die Russen kommen“ Oder war das damals eher der „Freigeist“? . Für die Jüngeren unter uns sei gesagt, dass Konstantin Wecker einst durch seine Lieder mit hochdeutschen Texten bekannt und berühmt wurde, z. B. mit der Geschichte vom Willy (hier aus Platzgründen nur der Anfang):

    Willy
    Mei, Willy, jetz wo i di so doliegn sich, so weit weg hinter dera Glasscheibn, genau oa Lebn zweit weg, da denk i ma doch, es hat wohl so kumma müaßn, i glaub oiwei, du hast as so wolln, Willy. (…)
    (Quelle: magistrix.de)

    Doch was sollen die vielen Worte, heutzutage gibt es ja YouTube, und dort findet sich auch ein 30 Jahre altes Wecker-Stück. „Es herrscht wieder Frieden im Land„.

  • Der städtische Delgierte Samuel Kopf
  • Wir lasen auf der Homepage von Samuel Kopf, was er in der Zürcher FDP so ist:
    Samuel Knopf

    Vorstandsmitglied, städtischer Delgierter, kantonaler Delegierter
    (Quelle: samuelknopf.org)

  • Psst, die Wahl ist gelaufen!
  • Das wirft bei uns die Frage auf: Benutzt ein Delgierter eigentlich häufig die Del-Taste? Oder ist der Computer-Distributor „DELL“ irgendwie involviert? Wir lasen weiter, dass er in den Kantonsrat von Zürich gewählt werden will. Vielleicht sollte ihn mal jemand darüber aufklären, dass diese Wahlen bereits am 17. April 2007 stattfanden und es bei der FDP im Zürcher Kreis 4 und 5 nicht für einen Platz (siehe hier) reichte. Doch der gute Mann lässt sich durch solche Kleinigkeiten nicht davon abhalten, weiterhin die Fahne hochzuhalten und unverdrossen im Internet für diese Wahl zu werben, oder ist das schon die Werbung für die nächste Wahl?

  • Deutsche Willkommen bei Yoga-Lehrern und Friseusen
  • Besonders erfreut hat uns auf dieser Homepage ein Artikel mit dem Titel „Deutsche Willkommen“ , aus dem wir hier zitieren:

    Der grosse Beutezug
    Ausserdem ist die deutsche Einwanderung der grösste Beutezug in den Norden seit dem zweiten Hegauerzug.
    Man muss sich das vor Augen führen: Deutschland bildet für viel Steuergeld einen junge Menschen von der Grundschule bis zum Uniabschluss aus. Kaum haben diese ihre Ausbildung, kommen sie in die Schweiz und stellen hier ihre Arbeitskraft zur Verfügung. So kommen wir gratis zu fertig ausgebildeten Arbeitnehmern, ohne dafür auch nur einen Rappen zu bezahlen. Das ist, wie wenn uns Deutschland mehrere Primarschulen, Gymnasien und mindestens eine Uni sponsern würde. Wir profitieren so jedes Jahr in Millionenhöhe.
    Natürlich bringen auch viele Deutsche nicht nur ihre Arbeitskraft sondern auch ihr Vermögen mit. Sie bauen Häuser (ein Architekt und ein Bauarbeiter mehr) und legen das Geld in unseren Banken an (eine Privatebankerin plus Assistent mehr, die wiederum einen Yoga-Lehrer und eine Friseuse mehr brauchen).
    (Quelle: samuelknopf.org)

    Diese Argumente so nett auf auf die Reihe gebracht, das haben wir lange nicht gelesen in der Schweiz. Sehr sympathisch! Kein Wunder wurde der Mann nicht gewählt. Zuviel Freisinn. Zu wenig Yoga.

  • Deutsche Lockerheit macht uns befangen
  • Noch besser gefallen hat uns seine Einschätzung der unterschiedlichen Kommunikationskultur im letzten Abschnitt zum Thema „deutsche Lockerheit“:

    Zu guter Letzt: gerade uns nicht besonders kommunikationsfreudigen Zürchern tut die deutsche Einwanderung vielleicht ganz gut. Ich persönlich finde es erfrischend, wenn ich mal jemandem gegenübersitze, der einfach mal losplätschert, ohne das hier übliche angstvolle und hochstrategische Kommunikationsschachspiel. Die unbekümmerte Natürlichkeit der Deutschen befreit vielleicht auch den einen oder anderen in cooler Dauerschauspielerei gefangenen Zeitgenossen. Und was bringen unsere schicken Kleider ohne ein paar schlecht gekleidete Leute um uns herum, die unseren guten Modegeschmack um so mehr zur Geltung bringen ;-).
    (Quelle: samuelknopf.org)

    Also irgendwie macht mich das jetzt befangen. Wenn es irgendwo plätschert muss ich immer gleich dringend aufs Klo. Soviel Freundlichkeit lässt jede unbekümmerte Natürlichkeit vergehen, ausserdem sitzt meine Hose schlecht, wie ich gerade feststelle. Sollte jetzt dringend einen Termin mit meinem Yoga-Lehrer vereinbaren, oder meiner Friseuse. Ich dachte, die heisst stets „Coiffeuse“ in der Schweiz?

    Schweizer Politik — Wer wählt den Ständerat und was ist der Major mit Z?

    Oktober 16th, 2007
  • Wann sind die Wahlen?
  • In der Schweiz wird gewählt. Durch die vielen Plakate mit den freundlich grinsenden Gesichtern ist das auch für die im Land lebenden Ausländer nicht zu übersehen. Schwieriger ist es, wie immer, den genauen Wahltermin zu erfahren, denn den bekommen nur echte Schweizer mit den zugeschickten Wahlunterlagen verraten. Oder haben Sie jemals ein Plakat in der Öffentlichkeit mit dem Termin „21.10.2007“ gesehen? Vielleicht steckt dahinter eine geheime Taktik und ein wohlberechnetes Kalkül, denn so können die Plakate in einigen Jahren erneut verwendet werden.

  • Wie wird der Ständerat gewählt
  • In unserem Bemühen, in Schweizer Staatskunde rechtzeitig vor den anstehenden Wahlen auf den neusten Stand zu kommen, beschäftigen wir uns heute mit dem Ständerat, dieser interessanten zweiten Kammer des Schweizer Parlaments. Gestern erfuhren wir, dass das Wort „Stand“ in der Schweiz ein Synonym für „Kanton“ ist, stand sogar im Duden, der Stand. Doch es gibt Weiteres zu lernen, denn schon Wikipedia kann die Angelegenheit „für einmal“ nicht kurz und präzise erklären:

    Die Mitglieder des Ständerates werden nach einem vom jeweiligen Kanton bestimmten Wahlmodus und für eine vom Kanton bestimmte Wahlperiode gewählt.

    Der alte Wahlspruch aller Schweizer, wenn man man sie um eine genaue Erklärung bittet: „Das ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich“:

    So war im Kanton Bern bis 1979 das Kantonsparlament, der Grosse Rat, für die Wahl zuständig. Mit der Zeit hat sich allerdings eine Vereinheitlichung des Wahlverfahrens ergeben. Alle Kantone haben als Wahlmodus die unmittelbare Wahl durch das Kantonsvolk bestimmt und die Amtsdauer auf vier Jahre festgelegt. Mit Ausnahme des Kantons Jura, der seine Ständeräte mit Proporzwahl bestimmen lässt, werden die Ständeräte heute in allen Kantonen mit Majorzwahl durch das Volk gewählt. Der Ständerat des Kantons Appenzell Innerrhoden wird an der Landsgemeinde gewählt; im Kanton Neuenburg können sich auch Ausländer an den Ständeratswahlen beteiligen. (…)

    Weiterhin unterschiedlich ist der Zeitpunkt der Wahl. In den meisten Kantonen findet diese am selben Tag statt wie die Nationalratswahl. Ausnahmen sind die Kantone Zug und Appenzell Innerrhoden. Die Zuger wählen ihre Ständeräte bereits ein Jahr vor der Nationalratswahl; in Appenzell Innerrhoden findet diese Wahl an der traditionellen Landsgemeinde im April vor den Nationalratswahlen statt. Auch im Kanton Graubünden fand die Wahl der Ständeräte zunächst schon ein Jahr vor der Nationalratswahl statt. Per Verfassungsänderung im Jahre 2007 haben nun auch die Bündner die Praxis der Mehrheit aller Kantone übernommen und wählen ihre Ständeräte parallel zur Nationalratswahl.
    (Quelle: Wikipedia)

    Darum werden Wahltermine nicht auf Plakate gedruckt! Weil die Plakate dann für die verschiedenen Kantone jeweils neu erstellt werden müssten?

    Allein diesen kleinen Abschnitt vollständig zu behalten sehen wir als kleine Denksportaufgabe und Vorbereitung für die WBK Prüfung an (vgl. Blogwiese)

  • Der Major mit dem Z am Ende
  • Besonders angetan hat uns der Begriff „Majorzwahl“. Es gibt zwar den Namen „Zwahlen“ mit einem deutlichen „Z“ vor der „Wahl“ recht häufig in der Schweiz, bei Google-CH ist es zehn Mal häufiger als bei Google-DE zu finden, aber das muss sich dann nicht unbedingt immer um eine Major handeln. Warum hat die Wahl nach „Major“ ein „Z“ und kein Fugen-S? Höchst wahrscheinlich als Anlehnung an die „Proporzwahl“, die laut Duden in Österreich und in der Schweiz als „Verhältniswahl“ gilt. Doch die „Majorzwahl“ suchen wir im Duden vergeblich. Hingegen finden wir das Wort „Majorz“ als echt schweizerisch ausgewiesen, und unsere Vermutung mit „Proporz“ war richtig:

    Majorz der; -es, gebildet nach Proporz: (schweiz.) →Majoritätswahl
    (Quelle: duden.de)

    Weil Proporz also ein Z am Ende hat, bekommt Majorz auch eins verpasst. Wortbildung à la Suisse. Analog zu „Kommerz“, „Scherz“ oder „Konkurz“. Das schreibt man aber mit „s“ am Ende? Ist doch „schnurz“.

    Flup ist Schweizer — Der Deutsche Ulrich Kring muss erst einen Test machen

    Oktober 15th, 2007
  • Flup ist Schweizer
  • Er steht für Sauberkeit und gute Abbaubarkeit. Denn Flup ist ein Allesreiniger, bei Coop erhältlich. Wenn man ihn googlen möchte, ist er so sauber, dass er sich stets flugs in „Flug“ verwandelt. Das Wort „Flup“ akzeptiert Google nicht, wahrscheinlich ist es bereits vollständig abgebaut.
    Flup ist Schweizer
    (Quelle: COOPZEITUNG Nr. 28 10.07.07)

  • Ulrich Kring will Schweizer werden
  • Der Deutsche Ulrich Kring will Schweizer werden, nachdem er in der Schweiz geboren wurde und hier 70 Jahre lebt. Er spricht Berndeutsch und will sich einbürgern lassen, doch der zuständige Gemeinderat von Dielsdorf verlangt von ihm, einen Deutschtest abzulegen. Er wurde im Rahmen seines Einbürgerungsverfahren aufgefordert, sich für eine Standortbestimmung bei den Weiterbildungskursen Dübendorf (WBK) zu melden.

  • Die Schweizermacher von Dielsdorf
  • In Dielsdorf sollen sich nach dem Willen des Gemeinderates selbst Menschen wie Ulrich Kring, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind, einer solchen Standortbestimmung unterziehen müssen. Kring wehrt sich: «Ich sehe nicht ein, weshalb ich meine Sprachkompetenz unter Beweis stellen muss, nur weil die Behörde einen derart blödsinnigen Entscheid gefällt hat. Das ist doch unsäglich.»
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 10.10.07)

    Was für eine Nationalität hat dieser Mensch? Er ist nicht zufällig Deutscher? Doch nicht etwa einer von der Sorte, die sich nicht hinten anstellen wollen, wie alle anderen auch?

    Und Kring handelte: Er schrieb der Verwaltung. Einmal, zweimal, dreimal. Erklärte, dass er in der Schweiz geboren und ausgebildet wurde, dass er während seiner 47 Berufsjahre unter anderem über 30 Jahre bei der Electrolux AG Schweiz im Führungskader war. Dass er in dieser Zeit oft mit Behörden zusammengearbeitet habe, so mit dem Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal), als er ein Lehrmittel für Monteure im Umgang mit Kältemitteln mitverfasste. Dass er als Fachdelegierter im Schweizerischen Fachverband Elektroapparate das «technische Gewissen des Verbandes» war. Dass er in Fachgremien des eidgenössischen Starkstrominspektorates sass, wo er unter anderem sicherheitstechnische Normen erarbeitete. Dass er glaube, durch seine zahlreichen Weiterbildungen sei sein Bildungsstand hinreichend dokumentiert. Und dass er unter diesen Umständen eine sprachliche und staatskundliche Standortbestimmung als Zumutung empfinde.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 10.10.07)

  • Die Grammatik wird hoffentlich auch überprüft
  • In Dielsdorf legt man Wert auf neue Mitbürger mit staatlich geprüften Deutschkenntnissen, sonst könnte sich ja jemand einbürgern lassen, der Probleme mit Nominativ und Akkusativ hat. Die WBK sind Pflicht, da lässt der Gemeinderat nicht locker:

    Kring bat die Behörde, in seinem Fall auf eine solche zu verzichten. Am 29. Juni erhielt er Antwort: Der Gemeinderat halte an seiner Aufforderung zur Standortbestimmung fest. Das Schreiben schliesst wörtlich: «Als nächster (sic!) Schritt müssen Sie [. . .] die Standortbestimmungen absolvieren.»

    Bleibt uns nur der Rat: Am besten in der saure Apfel beissen und der nächste Schritt machen.

  • Die Waschküchenordnung will verstanden sein
  • Um was es bei diesen WBK-Prüfungen geht, wird im Tages-Anzeiger erklärt:

    Während eineinhalb Stunden wird unter anderem anhand von Haus- und Waschküchenordnungen das Sprachverständnis nach Kriterien des Europäischen Sprachenportfolios (ESP) eingestuft. Beim zweiten Termin wird während einer Stunde das staatskundliche Wissen getestet. Wer weniger als 60 Prozent der Fragen richtig beantwortet, muss entsprechende Kurse besuchen und anschliessend beim jeweiligen Gemeinderat wieder vorstellig werden. Die Standortbestimmung kostet die Bewerber aus Dielsdorf pro Modul 250 Franken; Gesuchsteller aus allen anderen Gemeinden bezahlen je 150 Franken, weil die gesamte Administration über die zuständige Gemeinde läuft.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 10.10.07)

    Wer die Haus- und Waschküchenordnung bzw. das allfällige Waschküchenschlüsselübergabereglement in der Schweiz nicht versteht, wird Schwierigkeiten bei der Einbürgerung bekommen. Dazu gehört auch das Verständnis für Wörter wie „Rüstabfälle“, die in den Kompost gehören. (vgl. Blogwiese)

    Wir entrüsten uns weiter und lernen schon fleissig für die anstehende WBK Prüfung in 30 Jahren. Zum Beispiel staatskundliches Wissen: Der Ständerat hat nichts mit der Ständerlampe (= Stehlampe in der Schweiz) zu tun, und der Name „Stand“ ist laut dem Duden Universalwörterbuch die alte Bezeichnung für die Schweizer Kantone. Hah, das weiss doch jedes Kind in der Schweiz. Sie nicht? (Mehr zur Schweizer Staatskunde folgt morgen)