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Wann wird endlich der Wald aufgeräumt? — Eine saubere Betonfläche wäre schön

  • Der Wald ist zu unordentlich
  • Die Schweizer sind für ihre Ordnungsliebe bekannt. Ordentlich sind die Vorgärten, Ordnung herrscht in der Waschküche dank Waschküchenordnung, und auch im Wald, da sollte es schön ordentlich sein. Nur leider liegt da soviel Zeugs auf dem Boden rum. Blätter und Äste, geschlagene Stämme usw. Soviel, dass man einfach nicht mehr den ordentlich gefegten Waldboden sehen kann. Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 16.10.07:

    Gut ein Drittel der Waldbesucher beklagt sich über Asthaufen und umgestürzte Bäume in den Wäldern.
    Zürich. – «Früher war es im Wald noch ordentlich», sagt die ältere Frau im mausgrauen Lodenmantel, die an diesem schönen Herbstnachmittag durch den Wald spaziert. Sie ärgert sich über die am Wegrand liegenden Asthaufen und die gefällten Stämme – «die lassen sie einfach liegen», das mache doch keine Gattung.

    Wir sind uns nicht ganz sicher, ob diese ältere Frau der gleichen „Gattung“ angehört wie diese Frevler, die einfach Laub und Äste im Wald liegen lassen. Die Gattung Mensch lässt so manches rumliegen. Oder hat „Gattung“ in der der Schweiz eine ganz andere Bedeutung? Vielleicht wird es als Substantiv zu „gatten“ aufgefasst, zu dem der Duden weiss:

    gạtten, sich; hat› [mhd. gaten = zusammenkommen, genau zusammenpassen; vereinigen; (refl.:) sich fügen, sich zugesellen, sich vereinigen
    (Quelle: duden.de)

    Sinngemäss also könnte die Aussage „das mache doch keine Gattung“ soviel heissen wie „das passt nicht zusammen“, was da im Wald auf dem Boden liegt.
    Leider falsch. Die Redewendung „(k)eine Gattung machen“ heisst einfach „(un)ordentlich sein“ in der Schweiz.
    Wir lesen weiter im Tages-Anzeiger:

    Eine Klage, die Forstarbeiter oft zu hören kriegen. Die mangelnde Ordnung im Wald ist nämlich laut einer Umfrage des Bundes­amtes für Umwelt die mit Abstand am häufigsten geäusserte Kritik der Waldspaziergänger («Zürcher Wald» 5/2007). 37 Prozent beklagen die Ordnung im Wald.

  • Den Wald aufräumen lassen durch Urs Wehrli
  • Für dieses Problem gibt es verschiedene Lösungsansätze. Zum einen natürlich die Bestrebungen des Künstlers Urs Wehrli, bekannt durch das Duo Ursus und Nadeschkin, der sehr erfolgreich „Kunst aufräumt“. Wir schlagen vor ihn zu bitten, sich ein passende „Aufräum-Konzept“ für den Schweizer Wald zu überlegen.

    Kunst Aufräumen von Urs Wehrli
    (Quelle Foto: e-shop.ch)

    Urs Wehrli hat in seinen Handbüchern zum Thema „Kunst aufräumen“ überzeugend demonstriert, wie einfach ein unordentlicher Kandinsky oder Van Gogh oder Miró aufgeräumt werden kann. Warum sollte das nicht auch für den Wald funktionieren?

  • Eine saubere Betonfläche wäre schön
  • Doch radikaler und erfolgversprechender ist der Plan, die Waldfläche einfach zu zementieren. Das schafft gleichzeitig Arbeitsplätze in der unausgelasteten Bauindustrie sowie im Zementwerk, sorgt für raschen Abfluss des Regenwassers und vieles mehr. So eine Zementfläche, die hat was, aber gepflegt muss sie sein.

  • Der Zementgarten muss real werden!
  • Wunderbar vorgemacht und erzählt im Roman „Der Zementgarten“ von Ian McEwan aus dem Jahr 1978.
    Der Zementgarten
    (Quelle Foto: Amazon)

    In der Geschichte, die mit Andrew Birkin 1993 verfilmt wurde, setzen die Kinder nach dem Tod ihres Vaters dessen Lebenswerk fort und zementieren Beet für Beet im Garten, damit endlich eine Ruh‘ ist mit dem vermaledeiten Unkraut:

    Der Titel des Romans nimmt Bezug auf die Bemühungen des Vaters, seinen Garten mit viel Zement so pflegeleicht zu gestalten, wie es seiner und der Gesundheit seiner Frau entsprach; der Plan des Vaters ist auch der Grund dafür, weshalb die Kinder genügend Zement im Haus haben, um die Leiche der Mutter verschwinden zu lassen.
    (Quelle: Wikipedia)

    Passend zum Zementgarten empfehlen wir noch den handlichen Flammenwerfer zum restlosen Abfackeln der frechen Gräser und Halme, die sich eventuell durch übrige Ritzen vorwagen, sowie eine grosse Flasche „Planta-Ex“ Herbizid, damit auch wirklich nichts mehr nachwächst. Dann wäre endlich eine Ordnung!

    

    13 Responses to “Wann wird endlich der Wald aufgeräumt? — Eine saubere Betonfläche wäre schön”

    1. Thomas Says:

      mmh…
      kommt das schweizerdeutsche ‚das macht ke Gattig‘ wirklich daher?
      Ich meine, die Bedeutung ist ja nicht, dass etwas , das ‚ke Gattig‘ macht nicht zusammenpasst. Sondern eher das es einfach Schei** aussieht. Paradebeispiel für etwas, das ‚ke Gattig‘ macht, ist ein ungepflegter, halb vermorschter Gartenzaun.

    2. Solanna Says:

      “Äs macht e kä Gattig!” bedeutet, es macht/hinterlässt unordentlichkeitshalber keinen guten Eindruck.
      Kaum gebraucht wird, z.B. “äs macht ä Gattig”. Meistens sagt man untertreibend: “So, jetzt machts (wenigschtens) ä chli ä Gattig.” Dies, nachdem man etwas, das “kä Gattig” gemacht hat, verbessert oder “ordeliger gemacht” hat.

      “Kä Gattig” macht jemand mit offenen Schuhbändeln (Schnürsenkel) (jedenfalls bei den Älteren; bei den Jugendlichen ists Stil), mit einem Fleck auf der Kleidung oder ohne Kravatte.

      Leider gibt es auch Leute, für die darf kein Blümchen im Kiesweg wachsen und sogar ein letztes Herbstblatt auf dem Rasen macht “kä Gattig”. Die würden am liebsten auch den Waldboden mit dem Laubbläser reinpusten.

      [Anmerkung Admin: Danke für den Hinweis! War meine Vermutung doch richtig, dass es sich hier um einen Helvetismus handelt, der sich aber “für einmal” nicht aus Wörterbuch etc. erschliessen lässt, weil es sich hier um Redewendung und nicht nur um ein vereinzeltes Wort handel. Wieder was gelernt! Habe deinen Hinweis gerade eingebaut.]

    3. Borkenkäfer Says:

      Der Biologe weiss wie man Lebewesen einteilt. Dieses „lateinische“ System hat folgende Reihenfolge.
      Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art.
      Das gilt auch für den Wald: Wenn der Stamm einfach rumliegt ist das gar nicht Klasse und schon gar nicht in Ordnung, kommt zwar in den besten Familien vor, hat aber keine „Gattig“ – soll heissen: das ist doch keine Art so ein Verhau im Forst.

    4. Phipu Says:

      Das Wort „Gattung“ in diesem Sinne kenne ich zwar noch passiv, brauche es aber selten bis nicht. Ich kann mir durchaus Personen mit nicht nur mausgrauen Mänteln, sondern auch ebensolchen Haaren vorstellen, die das noch am ehesten im aktiven Repertoire haben.

      Einmal mehr empfehle ich Grimms Wörterbuch http://germazope.uni-trier.de/Projects/DWB : Dort steht unter der Bedeutung 4) „aber auch gleich Art in dem Sinne, den wir deutlicher durch A r t u n d W e i s e geben, und zwar nicht aus blosser missverständlicher Anwendung der vorigen Bedeutung, sondern zugleich nach Gatten 2, b. d, ordnen, einrichten u. ähnl.“
      Und dann unter c) „schweiz. besonders auch von form und ansehen, wie es schon MAALER auch mit gestalt eines dings, forma erklärt (auch nl. gadinghe forma, figura KIL.), besonders auch von menschen: er hed e gueti gattig, ein einnehmendes äuszeres, angenehmes betragen STALDER, er macht e guete gattig, stellt etwas vor, ist von schöner haltung TOBLER, der dazu selbst als zeitwort gibt gattiga ordnen, mäszigen, und ‚gättela (gattungeln)‘, form haben, in der ordnung sein, vgl. gattlichen und gattigen unter gätlich 2, g und h (gleich schön u. ä.), worin gattung und das adj. gattig sich mischen. ähnlich ist auch rhein. gatting, gattings (gârings, d. i. gâdings) passend, schicklich KEHREIN 152, doch mehr in den begriff von dem nahverwandten gätlich übertretend, wie in gattingsäpfel u. ä., gätliche äpfel, gerade recht in grösze und güte; s. dazu unter 2, d.“

      Bei dieser Glegenheit denke ich auch an das Emmentaler-Lied: „Niene geits so schön u luschtig, wie bi üs im Ämmitau. Dert het’s auer Gattig Ruschtig, schöni Meitschi überau“ (Nirgends geht es so schön und lustig [zu und her] wie bei uns im Emmental, dort gibt’s aller Arten Sachen, schöne Mädchen überall).

      Mehr über „Ruschtig“ findet man hier: http://www.blogwiese.ch/archives/313

      Was in den obigen Beispielen nicht steht, ist das negative „ungattlich“. Am ehesten im Sätzen wie „Er wär süsch ke Ugattlige, aber sini Aaleggi…!“ (Er wäre sonst kein [äusserlich] schlechter [Typ], aber seine Art sich zu kleiden …!).

      Ebenfalls negativ wird oft „Das isch doch ke Art!“ verwendet. Mit „Art“ zielt man aber auf das Verhalten, den fehlenden Anstand, ab.

      Aber – ergänzend zu Solanna – gibt es auch die positive, lobende Form. Wenn man die Wohnung endlich vollständig aufgeräumt hat, kann man ins Kanapé plumpsend zufrieden feststellen: „So, jetz machts wieder e Gattig!“ (ohne Untertreibung) oder „So, jetz machts wieder e Falle!“ (jetzt sieht es wieder nach etwas aus). Zu „Falle“ hier schauen: http://www.blogwiese.ch/archives/331

    5. hawyli Says:

      Es wird niemand erstaunen, dass wir Schweizer sogar die Waldordnung schriftlich geregelt haben. 😉 Es wird durch die Gemeinde geregelt und kommt immer auf den gegenwärtigen Trend draufan. Im Moment liegen Mischwälder und Naturwälder durchaus im Trend.
      Verstösst ein Waldbesitzer gegen die Verordnungen wird er vom Förster daraufhingewiesen.
      Das es momentan nicht attraktiv ist Wald zu besitzen, bestätigen wohl auch die Holzpreise. So deckt der Holzverkauf kaum die Arbeitskosten.
      kein Wunder das es gewisse Besitzer es nicht unbedingt genau mit der bewirtschaftung nehmen.
      Es verblüfft mich, das es doch gewisse Menschen gibt die die Natur aufgeräumt und ordentlich erleben möchten, ohne die Beine arg zu heben, da Bewegung ja ungesund sein könnte…

    6. Tellerrand Says:

      Vielleicht eine Anleihe bei den Schwaben machen und eine Kehrwoche im Wald etablieren? Oder Bach- und Waldputzete veranstalten, wie das in schwäbischen Teil Baden-Württembergs verbreitet ist?

      Ich kenne im Hochdeutschen eine etwas aus der Mode gekommene Formulierung mit einer ganz ähnlichen Bedeutung: „etwas macht keinen Staat“. Hört man heute sicher eher selten, meine Oma hat das aber ziemlich häufig gesagt, wenn ich mich recht erinnere. Man sprach auch vom Sonntags-Staat und meinte damit eine besonders kultivierte Aufmachung.

    7. AnFra Says:

      @Administrator Jens

      Zur „Zementfläche“ eine kleine Bemerkung.

      In Deinem Text wird meist von einer „Zementfläche“ gesprochen, wenn eigentlich tatsächlich eine „Betonfläche“ gemeint ist. In der letzten Zeit scheint sich fälschlicherweise immer die Zementfläche anstelle der gemeinten Betonfläche durchzusetzen
      Die üblicherweise gemeinte „Betonfläche“ ist die Oberfläche einer Betons, welche nach dem Erhärten begeh- und befahrbar ist. Beton: http://de.wikipedia.org/wiki/Beton. Der Beton besteht u.A. aus Sand, Kies, Wasser, sonst. Zuschlagstoffen und natürlich dem ZEMENT.
      Dieser Zement ist der eigentliche Bindestoff in / für Beton und ist im frischen Zustand pulverförmig! Zement: http://de.wikipedia.org/wiki/Zement.

      Bitte diese Vorstellung realisieren:
      Die nächste Autobahnbrücke auf unserer Route ist nicht mit einer „Betondecke“ sondern mit einer „Zementdecke“ überspannt. Na dann guten Fall und Grüße vom Isaac Newton.

    8. Schnägge Says:

      Kürzlich haben wir hier
      http://www.blogwiese.ch/archives/702#comment-172139
      das schöne Wort „usselig“ gelernt und ich kann mich immer noch beömmeln darüber. 🙂
      Immerhin habe ich eine Vermutung, zu welcher Gattung Borkenkäfer gehören…

    9. Marroni Says:

      @hawyli: Es wird niemand erstaunen?? Kannst Du mir bitte sagen, was das jetzt für ein Fall ist? Ich hab mal den WEN WER WES WEM Fall gelernt.
      Das eidgenössische Forstgesetz ist weit über 100 Jahre alt, ( 1876 ) das erstaunt doch, oder? Setzt mehr MARRONI Bäume!

    10. neuromat Says:

      @ Phipu

      nicht ganz sicher, ob es in Deinen Ausführungen nicht doch irgendwo verschachtelt ist. Das Verb „gattige“ – wohla anpacken, etwas ins reine bringen.

      gattlech oder gattlig ordentlich, wohlanständig, schön anzusehen

      gattere verlattert sein, klaffen; D Düütsche gattertet ist zu locker. In dem Zusammenhang: Gast ….. Gascht… e strube Gascht ein ungepflegter Kerl. Jetzt weiss ich also was es mit dieser Gastrolle auf sich hat.

    11. tschekko Says:

      jaja, aufgeräumt bis 5000m über dem Meer 🙂

    12. hQuadrat Says:

      Über so en Blödsinn schribt der „Tagi“… thth
      Früher war die Zeitung wirklich mal besser!

    13. colette Says:

      Habe gerade den Ausdruck „eine Gattung machen“ in einem Protokoll gebraucht. Auf der Such nech einem Deutschen Ausdruck bin ich auf dieser Seite gelandet. Fazit: Ich belasse den Satz wie vorgesehen: „Der XY soll „eine Gattung machen“ und wird deshalb auf weissem Papier gedruckt und geheftet.“

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