DRS3 empfiehlt Blogwiese

April 1st, 2006
  • Blogwiese als Weblink empfohlen
  • Wie wir jetzt erst erfuhren, wurde am Freitag, den 31.03.06 um ca. 12:54 Uhr in der Rubrik „Webnews“die Blogwiese in den DRS3 erwähnt. Hier ein Transkript ins Hochdeutsche des kurzen Wortbeitrags:

    Das Schöne vom persönlichen Tagebuch im Internet dunkt mich, dass man Sachen lesen kann, wo man sonst nie drauf käme. Ein empfehlenswerter Blog: Blogwiese.ch
    Speziell darum, weil dort eine Sicht von der Schweiz gezeigt wird, die man sonst nirgendwo liest. Schreiben tut die Blogwiese nämlich ein Deutscher, der seit 5 Jahren hier lebt. Er schaut uns Eidgenossinnen und Eigenossen genau über die Schulter. Sehr genau. Ein Beispiel:
    Codename Zurigo — Die geheimen militärischen Rituale beim Brandschutz„. In der witzigen und amüsanten Geschicht erzählt er über eine Zivilschutzübung in einem Einkaufszentrum, wenn es brennt. Was um Himmelswillen ist damit gemeint, wenn es durch die Lautsprecher im Einkaufszentrum plötzlich heisst: „Zurigo – Zurigo – Zurigo“. Die Antwort darauf und viele andere schöne kritisch-liebevolle Sichten auf unser Land unter blogwiese.ch.

    Der Originalbeitrag ist nachzuhören in dem Stream von 12:50 – 13:00 Uhr. Dort ungefähr bei 04:33 Minuten.

  • Deutsche sind nicht witzig und amüsant
  • Am gleichen Tag kam dann auch prompt ein neuer kritischer Kommentar zu diesem Beitrag von einem Schweizer (siehe Kommentare zum Codename Zurigo Artikel), der offensichtlich eine besondere Zuneigung zu den Deutschen hat. Er nennt sich selbst „go home“ und hat leider keine echte Email-Adresse hinterlassen. Jetzt wissen wir also auch, was die Quelle seiner Bemerkung über die „amüsanten und witzigen“ Deutschen ist. Wir sind nur froh, dass nicht erwähnt wurde, um welches Einkaufszentrum es sich handelt, denn sonst hätten wir uns wohl wirklich des Geheimnisverrates schuldig gemacht.

    Verunmöglichen Sie doch mal das Verhühnern einer Verzeigung

    April 1st, 2006
  • Verzeigungen und andere Spezialitäten mit „ver“
  • Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 19.03.06

    Die Verzeigungen wegen Cannabis-Konsum nehmen von Jahr zu Jahr zu.

    Verzeigungen

    Jetzt haben wir dieses Wort schon so oft gelesen, und wissen genau, dass man in der Schweiz nicht nach Canossa gehen muss, im Büsserhemd wie einst Heinrich IV, um Busse zu tun, falls man auf Grund von „fehlbarem“ Verhalten verzeigt wurde und eine „Busse“ auferlegt bekam, sondern dass dann eher an Bezahlung in bar oder per Überweisung gedacht ist.

    Und dennoch können wir uns nicht ganz Abfinden mit den „Verzeigungen“, denn wer zeigt da eigentlich auf was, und kann man die Verzeigungen auch verzeihen, oder sprengt das jegliche sprachliche Auffassungsgabe? Die Schweizer haben da noch ein wunderbares Wort dafür, wenn etwas „unmöglich“ gemacht wird, dann wird es schlicht und einfach „verunmöglicht“.

    Fragen wir doch das Variantenwörterbuch des Deutschen:

    Verzeigung CH die;-,-en (Recht): ‚Strafanzeige’:
    132 Lenker wurden mit Bussen zwischen 40 und 250 Franken bestraft, in 22 Fällen kam es zu einer Verzeigung beim Polizeirichter (TA 30.10.1999,15)

    Der nette Mensch, der sie verzeigte, hat in der Schweiz auch einen hübschen Namen. Es ist der „Verzeiger“, und wenn es eine Frau ist, dann halt eine „Verzeigerin“. Wir müssen unweigerlich an Stehgeiger denken, lesen wir vom Verzeiger.

  • Verunfallen und verwohnen

  • Die Schweizer scheinen eine ganz besondere Vorliebe für Wörter mit der Vorsilbe „ver“ zu haben. (Wir erinnern nur an „Ver-micelles„). So hat man in der Schweiz nicht einfach einen Unfall, sondern man „verunfallt“ und wenn sie lange in einer Wohnung gewohnt haben, dann würde man in Deutschland eine solche Wohnung „abwohnen“, so wie „absitzen“ der Strafe im Knast, während man in der Schweiz die Wohnung „verwohnt“.

    „Wer sich nicht daran stört, dass die Wohnung einen (…) etwas verwohnten Eindruck macht…, wird sich schnell wohl fühlen.
    (Quelle: Tages-Anzeiger 20.3.1998, nach Variantenwörterbuch)

    Verwohnen“ bitte auf keinen gar keinem Fall mit „verwöhnen“ verwechseln, das wäre peinlich. Sagt die potentielle zukünftige Schweizer Mieterin bei der ersten Besichtigung der neuen Wohnung: „Darf ich sie auch ein bisschen verwohnen“, könnte das von einem Deutschen Vermieter als „verwöhnen“ verstanden und völlig falsch interpretiert werden.
    Haben Sie auch schon mal etwas verhühnert?

  • Haben Sie hier Hühner gehalten?
  • Wenn es sehr sehr unordentlich zugeht bei den Schweizern, wenn dann etwas „durch Unordnung oder Unkonzentriertheit verlegen, verloren oder vergessen“ wird, dann spricht man in der Schweiz von etwas „verhühnern“. Vielleicht weil so ein Huhn manchmal sein frisch gelegtes Ei nicht wieder finden kann, und es so „verhühnert“ hat? Sie haben das Wort bisher noch nicht gehört? Nun, das liegt einfach daran, dass es sehr selten so unordentlich bei den Schweizern zugeht. Wir erinnern wieder an die Erfahrungen der Schweizer im Bereich Agrartechnik (vgl. Blogwiese von gestern).

  • Von Schusseln und verschusseln
  • Wenn Sie in Deutschland übrigens ihren Schlüssel nicht mehr finden, haben sie ihn nicht verhühnert, sondern „verschusselt“. „Ich Schussel!“ wäre dann der dazu passende Ausruf. So ein Schussel kann auch ein Sprung haben, den allerdings dann eher in der Schüssel, wenn er nicht ganz richtig tickt im Kopf.