To be or not to be at the «Chilbi»

Juni 10th, 2009

(reload vom 10.6.06)

  • Sommerzeit ist Chilbi-Zeit
  • Die Schweizer „Chilbi“ kommt nicht von „Hillbilly“ = dem Hinterwäldler Fest der Amerikaner, und hat auch nichts mit ab-„chillen“ in der Chille zu tun, vielmehr findet es sich, mit streng knackig-konservativem „k“ im Anlaut geschrieben, im Duden:

    Kilbi, die; -, Kilbenen [zu alemann. Kilche = Kirche] (schweiz. mundartl.):
    1. Kirchweih.
    2. Fest, [private] Feier:
    Als endlich das Haus erbauet war, zogen sie hinüber … und gaben als … Hausräuki eine Kilbi, die drei Tage lang dauerte (Gotthelf, Spinne 103).

    Es gibt diese „Kirchweih“ auch als

    Kirtag (Österreich)
    Kirchtag (D-südost)
    Kirbe (D-südwest)
    Kirmse (D-nordost)
    Kirta (D-südost) oder
    Rummel (D-ost/nord)
    (Quelle: Variantenwörterbuch DeDruyter S. 163)

    Die Schweizer fügen mitunter noch die Alpen hinzu zum „Älperchilbi“ oder einen Sennen zur „Sennenchilbi“.

  • Jedem Ort seine Kirmes
  • Jedem sein eigenes Wort für dieses Fest also, welches zudem noch in jeder Stadt einen eigenen Namen haben kann. In Hamburg heisst die Kirmes der „Hamburger Dom“ , in Stuttgart der „Cannstatter Wasen“ und in Zürich das Knabenschiessen, und in Bern „Frühjahrsession„, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

  • Haifisch mal ganz leicht essen
  • Die sechs Wochen Fifa-WM-Zeit waren in der Schweiz genau wie in Deutschland bei gutem Wetter absolute „Biergarten“ und „Draussen-Fussball-Gucken“ Zeit. Vielerorts wurden Feste veranstaltet. Ohne Grossleinwand lief da gar nichts mehr. Am Zürisee entdeckten wir damals diese hübsche Ankündigung in Thalwil:
    highlights in Thalwil
    (Quelle: Hafenfest Thalwil)
    Uns wundert bei diesen „highlight’s“ nur, dass sie nicht konsequent mit „ai“ geschrieben wurden, wie „Hai-Lite’s“, als „Haifischflosse auf die leichte Art“ zubereitet. Die falschen angelsächsischen Genitive werden überhaupt nirgends mehr wahrgenommen. Neulich lasen wir auf einer Speisekarte auch das Versprechen: „Stet’s frische Speisen“ serviert zu bekommen. Nein Danke. So frisch können die nicht sein, wenn hinten schon das „s“ abfällt.

  • Dröschschürtor und Halbrännärs
  • In Stadel im Zürcher Unterland öffnete vom 9. – 11. Juni das „Dröschschürtor“. Zweimal „sch“ in einem Wort plus zwei Umlaute, da wird es dann heikel für uns Deutsche, wenn wir nicht beherzt das Wort einfach laut vorlesen. „Dreschen“ ist eine alte landwirtschaftliche Tätigkeit, dazu braucht es einen „Dreschflegel“. Oder geht es hier um „Dressur“ in der Toreinfahrt?
    Dröschschürtor und Austrinkete
    (Quelle Zürcher Unterländer 08.06.06 Seite 9)

    Wir wissen es nicht. Jedenfalls spielte dort eine Musikgruppe namens „Halbrännärs“. Oder war das gar keine Musikgruppe, und nur eine Verkaufsstand für halbe Vorbrenner der Mantafahrer im Unterland, bzw. halb gebrannte Schnäpse? Aus der Website der Halbränners wurden wir jedenfalls nicht schlau, was diese Halb-Brenner mit nur einem „b“ eigentlich machen. Sie stecken vielleicht mit den „highlight’s“ in Thalwil unter einer Decke, denn auch hier gibt es Plural-S als Genitiv:
    flyers mit Plural S
    flyer’s
    (Quelle Foto)

  • Was tut man auf einer „Austrinkete“?
  • Auf der Chilbi in Stadel fand dann am Sonntag um 11:00 Uhr die „Austrinkete“ statt. Sie kommen bestimmt nicht drauf, was man da so tun muss. Na, austrinken, was denn sonst! Ob die restlichen zwei Festtage die Gläser grundsätzlich nur halb leer getrunken wurden durften, entzog sich unserer Kenntnis.

    Vertragen Sie sich mit Ihrem Zeitungsboten?

    Mai 28th, 2009

    (reload vom 28.5.06)

  • Vertragen Sie sich mit Ihrem Zeitungsboten?
  • Der verträgt das nämlich nicht, wenn man nicht nett zu ihm ist. Dann kann er richtig unangenehm werden, und einfach ihre Zeitung nicht mehr „vertragen“. Am besten machen Sie doch einen „Vertrag“ mit ihm, so dass er ihnen gegenüber nie „nachtragend“ ist, sondern die Zeitung in den frühen Morgenstunden austrägt.

  • Vertragen und nicht austragen
  • Wieder so ein hübscher Unterschied mit grossen Auswirkungen. In der Schweiz werden die Zeitungen am Morgen nicht „aus-ge-tragen“ sonder „ver-tragen“.

    Beispiele:

    Oder Sie suchen gemeinsam einen richtigen „Job“: zum Beispiel einen Nachmittag als Aushilfe im Dorfladen, Kinder hüten oder Zeitungen vertragen am Wochenende.
    (Quelle: moneybasics.ch)

    Ich war kürzlich wieder Zeitungen vertragen. Musste mich erst ein wenig aus dem Bett schlagen, damit ich aufstand
    (Quelle)

    Das Deutsche Verb „vertragen“ ist ein absolut vielschichtiges Ding. Der Duden zählt acht verschiedene Bedeutungen auf, aber nur eine hat was mit Zeitungen zu tun, und zwar ausschliesslich in der Schweiz:

    vertragen (st. V.; hat) [mhd. vertragen, ahd. fartragan = ertragen]:
    4. (schweiz.) (Zeitungen o. Ä.) austragen: Zeitungen vertragen
    (Quelle: duden.de)

  • Wann kommt den zu Ihnen der Bote am Morgen?
  • Wir waren von diversen Wohnorten in Deutschland gewohnt, dass die Zeitung tatsächlich in „aller Herrgottsfrühe“ ausgetragen wurde, also schon ab 5 Uhr spätestens im Kasten lag. Wohnen wir in der Schweiz einfach nicht in den richtigen Gegenden, oder woran liegt das sonst, dass hier der Bote am Morgen erst gegen 6:30 Uhr, manchmal auch erst um 7:00 Uhr erscheint? Zu spät für eine Lektüre beim Frühstück der echten Frühaufsteher. Alternativ kann man sich um Mitternacht schon die Morgenzeitung für den nächsten Tag in der Innenstadt von Zürich von halb-legalen Zeitungsverkäufern auf der Strasse kaufen. Die holen sich einen Haufen druckfrischer Exemplare bei der Druckerei und rennen dann aufgeregt durch die Stadt, immer ein Blick über die Schulter, ob die Polizei nicht in der Nähe ist, um mit Gewinn die Tagespresse vom nächsten Morgen bereits vor 24.00 Uhr zu verkaufen. Muss schrecklich lukrativ und gleichzeitig illegal sein, was die tun.

    Aber wer ist schon jede Nacht so spät noch in der „Wald-Stadt Züri“, die weniger etwas mit grünen Wäldern als mit falsch verstandener „Weltstadt“ zu tun hat, unterwegs?

    Strahlen in den Haaren? — Es „strählen“ nicht nur die Narren

    Mai 27th, 2009

    (reload vom 26.05.06)

  • Strahlen in den Haaren?
  • Die Schweizer sind nicht zimperlich, wenn es um ihre eigene Körperpflege geht. Fangen wir doch ganz oben an, beim Kopf, oder um noch genauer zu sein: Bei den Haaren. Die werden in der Schweiz nicht nur „gekämmt“, sondern quasi mit einer Strahlenkanone malträtiert. Der Fachmann dafür ist in der Schweiz natürlich kein „Frisör“ wie in Deutschland, sondern ein „Coiffeur“ und der spricht vom „Strählen“.

  • Wir strählen das Gewinde
  • In der Industrie ist das eine beliebte Technik der Metallbearbeitung:

    – Mehrkantdrehen und Tieflochbohren auf der Drehmaschine
    – Gewinde schneiden, strählen, rollen und walzen
    – Rundschleifen, spitzenlosschleifen und flachschleifen
    (Quelle: www.accurtec.ch)

    Was wir mit Gewinde anstellen können, warum sollten wir das nicht auch mit unseren Haaren tun?

  • Wir strählten schon in alter Zeit
  • Der Duden klärt uns über die Herkunft dieser Technik auf:

    strählen sw. V.; hat [mhd. strælen, ahd. strāljan]
    (landsch., schweiz. mundartl., sonst veraltet):
    (langes Haar) kämmen:
    ich strähle [mir] mein Haar; Die Friseurin nimmt eine Rundbürste aus der Tasche und strählt und föhnt und windet ihr kunstvoll das Haar um den Kopf (Frischmuth, Herrin 46);

    Wir bemerken, dass die Duden-Redaktion einmal mehr ein schweizer Wort als „veraltet“ einstuft, und es als „landschaftlich schweiz. mundartl“ kennzeichnet. Hinter „landschaftl.“ versteckt sich wahrscheinlich wie immer der restliche alemannische Sprachraum ausserhalb der Schweiz, sprich das Elsass, Schwaben usw.

    Auch DWDS, das „Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh.“, herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, nennt das Verb veraltet:

    strählen /Vb./ veralt. jmdn., sich, etw. kämmen
    (Quelle: dwds.de)

    Mit umfangreichen Quellen und Belegen kann hingegen wie immer das fabelhafte Wörterbuch der Gebrüder Grimm aufwarten:

    kämmen, ahd. strâlen (aus *strâljan); mhd. strælen; as. …
    1) in eigentlicher Bedeutung ‚kämmen‘; ahd. in glossen für lat. pectere: stralta …
    a) das haar, die locken, den bart mit dem kamm, der bürste ordnen, kämmen; pectere strelen .
    (Quelle: Grimm)

  • Wenn der Narr den Bürger strählt
  • In Deutschland kennt man das Verb „strählen“ ausserhalb der Metallverarbeitung heutzutage nur noch in der alemannischen Fasnacht. Dort werden die Besucher eines Umzugs von den Narren „gestrählt“:

    Ein rückläufiger Brauch ist das „Strählen„, „Schnurren“, „Hecheln“, „Aufsagen“oder „Welschen“, d.h., der Narr spricht den unvermummten Mitbürger (den „Gestrählten“) auf der Straße oder im Gasthaus, ggf. mit verstellter Stimme, an und kann diesem hinter der Maske ohne Rücksicht auf die soziale Stellung des Angesprochenen unverhohlen und geradeheraus die Meinung sagen, ihn rügen (Rügerecht des Narren), ihn mit der Kenntnis der einen oder anderen Begebenheit überraschen oder einfach Unsinn reden. Das Gesagte sollte allerdings niemals verletzend oder gar ehrenrührig sein. Daher lautet in Rottweil auch das Motto: „Niemand zu Leid – jedem zur Freud“. Da der Narr heutzutage aber immer mehr Zugezogene oder Fremde am Straßenrand oder im Wirtshaus antrifft, fällt es ihm zunehmend schwerer, den Brauch des „Schnurrens“ zu pflegen. „Schnurren“ leitet sich ab von „Schnurre“ = „Posse, komischer Einfall“ (ursprünglich ein Lärmgerät, mit dem besonders Possenreißer umgingen). „Strählen“ = „kämmen“ und „hecheln“ = „Fasern des Hanfs oder Flachses spalten“: der Narr zieht im übertragenen Sinn sein Gegenüber, wie einst die Bäuerin die Flachsbüschel, durch ein (kammartiges) Nagelbrett (den Hechelkamm).
    (Quelle: www.narren-spiegel.de)

    In der Schweiz hingegen wird auch mal in der Politik etwas durch „strählen“ wieder ansehnlich, denn „strählen“ kann auch „verschönern“ bedeuten:

    dass wir in diesem Saal oder mindestens die Kommissionen diese Berichte – ich glaube, im Dezember 2003 sind der dritte und vierte Bericht fällig – noch anschauen und „strählen“ können, bevor solche Dinge wieder nach aussen gehen.
    (Quelle: parlament.ch)

    Schon lange ist den Hausfrauen bekannt: Die schönsten Muster in der Butter bekommt frau mit einem Kamm hin! Warum solche Verschönerungen nicht auch beim „Strählen“ von Kommissions-Berichten versuchen?

    Zum Abschluss ein paar Verse Schweizerdeutsch. Geben Sie Obacht und versuchen Sie einmal, die Herkunft dieses Dialektgedichts zu ergründen:

    dîn hâr was dir bestroubet:
    dô strælte dir dîn houbet
    zeswenhalp der rabe dâ,
    winsterhalp schiet dirz diu krâ
    (Quelle: Grimm)

    Na, woher stammt das? St. Gallen oder doch eher aus dem Wallis? Lassen Sie sich nicht in die Irre führen. Es ist etwas viel Älteres. Die Verse sind kein Versuch eines Deutschen, Schweizerdeutsch zu schreiben sondern entstammen der Versnovelle „Meier Helmbrecht“ von Wernher dem Gärtner aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts

    Hätten wir das jetzt nicht erwähnt, wäre bestimmt sogleich eine Diskussion entbrannt. Wir werden uns hüten, nochmals Schweizerdeutsch „frei-nach-Gehör“ zu verschriften. Sonst kommt noch jemand mit dem Kamm und will uns strählen.. lieber nicht.

    Strählen geht nicht immer ohne Nebenwirkungen:
    Strählen mit dem Kamm

    Nicht pöbeln sondern pröbeln — Wenn der Verurteilte seine Probezeit erlebt

    Mai 14th, 2009

    (reload vom 21.5.06)
    Der „Pöbel“ ist, wie der Lateiner weiss, das Überbleibsel von lat „populus“:

    Pöbel, der; -s [(unter Einfluss von frz. peuple) mhd. bovel, povel = Volk, Leute von afrz. pueble, poblo von lat. populus = Volk(smenge)] (abwertend): ungebildete, unkultivierte, in der Masse gewaltbereite Menschen [der gesellschaftlichen Unterschicht]
    (Quelle: duden.de)

    An diesen „Pöbel“ mussten wir unweigerlich denken, als wir zum ersten Mal in der Schweiz das hübsche Wörtchen „pröbeln“ lasen. Ist es etwas, das der Pöbel tut? Vielleicht eine Variante zu „herumpöbeln“:

    pöbeln sw. V.; hat (ugs.): jemanden. durch freche, beleidigende Äußerungen provozieren:
    (Quelle: duden.de)

    Weit gefehlt! Es handelt sich vielmehr um eine geniale Wortschöpfung der Schweizer, mit der die langatmige Formulierung: „etwas ausprobieren“ kurz und präzise zum Ausdruck gebracht werden kann. Passend zum „Pröbchen“, der kleinen Probe, gibt es immer was zum „pröbeln“ in der Schweiz. Handelt es sich hierbei um Wein oder Käse, sprechen die Schweizer allerdings lieber von der „Dégustation“, die „erst noch“ gratuite sein muss, also umsonst. Später wird es dann teuer, wenn man nach dem fünften Probierglas Rotwein alle Hemmungen fallen lässt und unbeschwert den Bestellschein des Weinhändlers auszufüllen beginnt.

    pröbeln (sw. V.; hat) (schweiz.): allerlei [erfolglose] Versuche anstellen: unser Nachbar pröbelt jetzt mit Elektromotoren; Während der Bub mit seinem Schwert herumpröbelt, pröbelt er ein wenig mit den Spiegeln (Geiser, Fieber 113).
    (Quelle: Duden.de)

    Bezogen auf das Wortfeld „Probe“ erfahren wir aus dem Variantenwörter noch ein paar weitere markante Unterschiede:

  • Eine Sechs für eine Probe ist in der Schweiz etwas sehr Gutes
  • Die „Probe“ wird in der Schweiz nicht nur für eine Chorprobe oder Theaterprobe verwendet, sondern kommt auch als Klausur, Klassenarbeit oder Schularbeit daher:

    Zum ungetrübten Ärger fast aller Lehrer waren sie gezwungen, uns nach jeder Probe eine Fünf oder Sechs zu notieren
    (Quelle: Schädelin: Mein Name ist Eugen, Seite 60)

    Die zitierte Quelle ist ein äusserst bekanntes Jungendbuch, das in der Schweiz Kultstatus hat, im Sommer 2004 genial verfilmt wurde und als einer der erfolgreichsten Schweizerdeutschen Filme überhaupt in die Geschichte einging. Link zum Film hier.

    Deutsche Leser müssen an dieser Stelle noch wissen, dass die Schweizer Schulnoten von 6 bis 1 absteigend vergeben werden. Die Sechs und die Fünf sind in der Schweiz die besten Noten, während sie in Deutschland als schlechteste Noten gelten.

  • Probelektionen sind nicht umsonst in der Schweiz
  • Die „Lehrproben“, die in Deutschland die Referendare während ihrer Ausbildung haufenweise abgeben müssen, heissen in der Schweiz passend „Probelektionen“. In Deutschland würde das allerhöchstens als erste kostenlose Unterrichtsstunde in einer Fahrschule oder in einem Tanzkurs aufgefasst.

  • „Der ist in der Probezeit“ muss nichts Gutes heissen in der Schweiz
  • Die „Probezeit“ wird in Deutschland nur für die ersten 3 Monate eines Arbeitsverhältnisses geltend gemacht, während sie in der Schweiz als „Bewährungsfrist“ bei einer bedingten Verurteilung gilt:

    Das Gericht entschied sich für eine Strafe von drei Monaten Gefängnis auf eine Probezeit von drei Jahren.
    Quelle: NLZ 24.08.01, Internet; CH, nach Variantenwörterbuch S. 592

  • „Der tut nix“ kann vieles heissen
  • So können die einfachsten Formulierungen schon zu grossen Missverständnissen zwischen Deutschen und Schweizern führen. Aber mitunter sind die Verwirrungen und Zweideutigkeiten auch direkt in der Deutschen Sprache verankert. So lernt der türkische Held des Romans „Selim oder die Gabe der Rede“, von Sten Nadolny, im Laufe der Geschichte während seines Aufenthalts als Gastarbeiter in Deutschland zwar immer besser Deutsch, ist aber völlig verwirrt bei dem Satz: „Der tut nix“. Wird dieser über einen Hund geäussert, bedeutet er etwas sehr Gutes. Auf einen Lehrling in einer Lehrwerkstatt bezogen jedoch etwas sehr Negatives.

    Haben Sie auch einen Knopf in der Leitung?

    Mai 12th, 2009

    (reload vom 19.5.06)

  • Der Knopf in der Leitung
  • Wir lasen im Tagesanzeiger vom 05.05.06 auf Seite 28:

    Der Knopf in der Doha-Leitung

    Der Knopf in der Leitung
    und verstanden natürlich erst mal nur noch Bahnhof. Verstehen Sie das?

  • Wenn Deutsche nichts verstehen
  • Wenn Deutsche etwas nicht verstehen, dann können Sie das auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck bringen. Zum Beispiel, in dem Sie „gerade auf der Leitung stehen„. In der Schweiz klappt das nicht, denn die Schweizer telefonieren nicht über Leitungen, sondern über Linien, genauer gesagt „Telefon-Linien“, wenn man den digitalen Ansagen des Telekommunikationsanbieters Swisscom Glauben schenken darf „Alle unsere Linien sind belegt“ (vgl. Blogwiese).

    Die Schweizer weigern sich, im Falle eines Verständnisproblems nach draussen zu gehen. „Ich komme nicht draus“ (vgl. Blogwiese). Wahlweise kann man in Deutschland auch noch auf dem „Schlauch“ stehen, wenn man nichts versteht. Ob das nun die Sauerstoffleitung auf der Intensivstation ist, auf der man da steht, oder der Bierschlauch, welcher vom grossen Tank der Kleinbrauerei hinüber in den Biergarten führt, ist nicht bekannt. Wenn alle Stricke reissen, dann verstehen die Deutschen nur noch Bahnhof, oder es kommt ihnen alles Spanisch vor.

  • Warum ist ein Knopf in der Leitung?
  • Als Deutsche wundern wir uns, wenn plötzlich von Knöpfen geredet wird, obwohl es gar nicht um Kleider und Hemden geht. Der Knopf ist in der Schweiz dass, was wir Standarddeutschen als „Knoten“ bezeichnen. Knöpfe braucht man beim Klettern mit Seil, beim Segeln und beim Schuhe zubinden sollten man sie tunlichst vermeiden.
    Das Variantenwörterbuch verrät uns:

    Knopf der; -(e)s, Knöpfe: 1. A CH D-süd Verknüpfung von Fäden, Schnüren o. Ä:
    Du machst oben an der Scheibe einen Knopf in den Faden, unten befestigst du eine bunte Holzperle (Bastellecke, 2002, Internet; A); Die Turnschuhe dürfen lediglich mit einem normalen Knopf verschnürt werden (Schweizerischer Turnerverband, 2002, Internet; CH)

    Sogar die Krawatte erhält in der Schweiz einen „Krawattenknopf“, ganz ohne Knopfloch.

    Wenn in der Schweiz „jemandem der Knopf aufgeht“, dann verliert er nicht gleich seine Hose, sondern er ist

    „plötzlich zu sehr guter Leistung fähig, macht einen sprunghaften Fortschritt“
    (Quelle: Variantenwörterbuch, S. 420)

    Gerade im Sport scheint in der Schweiz der Knopf recht häufig aufzugehen:

    Der als Vorlage gedachte Schuss fand den direkten Weg ins Tor von Piamont. In der Folge ging der Knopf auf und Kerzers fing an zu spielen – und zu treffen.
    (Quelle: freiburger-nachrichten.ch)

    Wir fanden noch einen Beleg beim FC Henau:

    Wir mussten bis ca. in die 15. Minute, bis uns endlich das erste Tor gelang. Erst jetzt ging der Knopf auf, bis zur Pause gelangen uns noch zwei weitere Treffer.
    (Quelle: fchenau.ch)

    Zum Schluss noch ein Tipp: Wenn der Knopf mal nicht aufgeht, dann hilft es manchmal, ihn einfach abzuschneiden. So wie im „Krieg der Knöpfe“.