In der Schweiz wohnen und in Deutschland wählen

September 17th, 2009
  • Wählen auch aus dem Ausland möglich
  • Wer als Deutscher in der Schweiz seinen festen Wohnsitz hat kann dennoch sein Wahlrecht in Deutschland wahrnehmen und an der nächsten Bundestagswahl am 27.09.2009 teilnehmen. Es kostete uns ein wenig Anstrengung, dies herauszufinden. Ich fragte vor Jahren einen deutschen Grenzbeamten, wie das funktioniert, und ob ich dazu ein Konsulat oder die deutsche Botschaft in Bern aufsuchen müsse.

    „Das weiss ich nicht, fragen sie bitte meinen Schweizer Kollegen“

    war die entwaffnend ehrliche Antwort.

    Da ich davon ausging, dass Schweizer Grenzbeamten in deutschem Wahlrecht eher nicht ausgebildet werden, suchte ich lieber im Internet nach einer Antwort auf meine Frage. Auf der Homepage der Deutschen Botschaft in Bern bzw. später auf der Homepage der Gemeinde, in welcher wir zuletzt in Deutschland gemeldet waren, fand ich ein Formular zum Herunterladen, welches uns erlaubte, ins Wählerverzeichnis eines benachbarten Landkreises in Deutschland eingetragen zu werden.

  • Eintrag ins Wählerverzeichnis bis zum 6. September 2009
  • Das muss allerdings bis 6. September geschehen sein. Denn:

    „Der Antrag muss bis spätestens zum 21. Tag vor der Wahl (6. September 2009) bei der letzten Wohnsitzgemeinde in Deutschland eingehen.“
    (Quelle: www.bern.diplo.de)

  • Kein Heimatort aber einen Geburtsort
  • Ist dies geschehen, bekommt man 3 Wochen vor der Wahl seine Briefwahlunterlagen zugeschickt. In Deutschland werden anders als in der Schweiz nicht grundsätzlich immer alle Wahlunterlagen per Post zugeschickt, man muss eine Briefwahl eigens beantragen bzw. sich seine Briefwahlunterlagen in der Heimatgemeinde abholen. „Heimatgemeinde“ ist die Gemeinde, in der man zurzeit gemeldet ist, das hat nichts mit dem Schweizer „Heimatort“ zu tun.

    Deutsche haben keinen Heimatort, sie haben nur einen „Geburtsort“. Den wiederum haben die Schweizer nicht, jedenfalls habe ich noch keinen Geburtsort in einem Schweizerpass oder in einer „ID“ = der Identitätskarte entdecken können.

  • Wählen im Landkreis in Grenznähe
  • So wählen wir nun im Landkreis Waldshut, obwohl wir nie dort wohnten oder lebten, mit erster und zweiter Stimme die richtigen Kandidaten und die richtige Partei. Welcher Landkreis für Deutsche in Bern oder in der Innerschweiz als „grenznah“ gilt, dass weiss einzig das deutsche Wahlrecht bzw. die Beamten, die es hüten. Bislang konnten wir nicht herausfinden, wie diese Entscheidung getroffen wird, in welchem Wahlkreis man am Ende per Briefwahl abstimmen darf. Eine Anfrage beim Wahlleiter blieb noch unbeantwortet.

    Stimmzettel Bundestagswahl 2009
    (Foto: Stimmzettel für die Bundestagswahl am 27.09.2009, Wahlkreis 288)

    In Deutschland muss man Kreuzchen machen auf dem Wahlzettel und nicht „Ja“ oder „Nein“ schreiben, wie in der Schweiz. Die wenigsten der mehr als 276 000 Deutschen in der Schweiz werden sich diese Mühe machen, vermuten wir. Ob sie in Deutschland so gefürchtet sind wie die Stimmen der über 700 000 Auslandsschweizer in der Schweiz? Wer sich aus Deutschland verabschiedet hat oft auch nichts mehr mit der zurückgelassenen politischen Mitbestimmung am Hut. Eigentlich schade, das.

    Licht an, Licht aus — Autofahren mit Licht in der Schweiz

    September 14th, 2009

    (reload vom 27.8.06)

  • Licht an, Licht aus
  • Wer in die Schweiz zieht oder als Tourist in der Schweiz unterwegs ist bemerkt es schnell auf den Strassen: Hier fährt man gern mit Licht, auch am Tage. Was wir in Deutschland nur als Vorschrift für Motorradfahrer (Schweizerdeutsch „Töfffahrer“, mit drei „f“) kannten, um deren Verkehrssicherheit und Erkennungsrate zu steigern, ist in der Schweiz Usus auch für jeden motorisierten Verkehrsteilnehmer. Zum einen ist es ein ein Stück weit Faulheit, denn in manchen Gegenden oder auf bestimmten Strecken kommt man vor lauter Unterführungen, Tunneln, Galerien etc. gar nicht immer dazu, das Licht ständig wieder auszuschalten, so oft wie es angeschaltet werden muss. Natürlich sind all diese Tunnel und Strecken mit „Deckel“ oben drauf auch am Tag gut ausgeleuchtet, aber es erhöht die Verkehrssicherheit, hier das Licht angeschaltet zu lassen.

  • FLT ist kein Kürzel für einen Flughafen
  • So wunderte es uns nicht, dass „Fahren mit Licht am Tag“, kurz „FLT“ in der Schweiz gesetzlich verankert wurde:

    Ab Januar 2002 wird die Verkehrsregeln-Verordnung (Art. 31 Abs. 5) um eine neue Soll-Vorschrift ergänzt, wonach alle Motorfahrzeuge auch am Tag das Licht einschalten sollen: “Fahren mit Licht am Tag” (FLT). Ziel ist, zunächst auf freiwilliger Basis, später verpflichtend, dass nur beleuchtete Fahrzeuge unterwegs sind. Begründet wird die Massnahme mit der Erhöhung der Verkehrssicherheit.
    (Quelle: fussverkehr.ch)

    Diese Regelung hat von Seiten der organisierten Fussgänger der Schweiz keine Gegenliebe gefunden, sie sehen die schwächsten Verkehrsteilnehmer hier im grossen Nachteil:

    Mehr Schaden als Nutzen für die Fussgängerinnen und Fussgänger
    Fussverkehr Schweiz hat die begründete Vermutung, dass FLT den zu Fuss Gehenden mehr schadet als nützt: Fahrzeug Lenkende beachten andere Fahrzeuge mit Lichtern stärker als die zu Fuss Gehenden. Unbeleuchtete verschwinden im “Lichtermeer”. Die Summe aller Wahrnehmungen im Verkehr wird durch FLT nicht erhöht, das heisst die Wahrnehmung der Fussgänger durch die Autofahrer wird insgesamt schlechter.
    (Quelle: fussverkehr.ch)

    Da hilft nur eins: Beleuchtung auch für Fussgänger vorschreiben!

  • Boom boom, out goes the light in England
  • Dies ist ein alter Blues-Song der amerikanischen Blueslegende Little Walter, der von von etlichen Musikern nachgespielt.

    Wir mussten an diesen Song denken, als wir in diesem Sommer mit dem Auto in England unterwegs waren. Hier herrscht die Devise, dass das Fernlicht nur in tiefster Nacht angeschaltet werden braucht. Der britische Autofahrer fährt ohne Licht, auch durch sämtliche Tunnel. Solche Tunnel führen in England nicht durch die spärlich vorhandenen Berge, sondern sie unterqueren die zahlreichen Buchten, Flüsse und „mouthes“ von Flüssen. Tunnel unter der Themse, Tunnel unter dem Mersey bei Liverpool, Tunnel unter den Tyne bei Newcastle, Tunnel und dem Hull bei Kingston. Meistens kosten diese Tunnel 3-6 Franken Mautgebühr und sind nur sparsam beleuchtet, was die britischen Autofahrer aber jetzt nicht dazu veranlasst, ihrerseits ihr Licht anzuschalten.

    Hier die Tunnelausfahrt des Mersey-Tunnels bei Liverpool.
    Mersey Tunnel ohne Licht
    Von sechs Fahrzeugen haben drei kein Licht an, ein Mini fährt mit Standlicht, und nur die Volvos fahren mit Licht, denn bei denen schaltet es sich automatisch ohne Zutun des Fahrers ein.

    Schilder, wie wir sie aus Deutschland oder der Schweiz kennen, die einen dazu auffordern, das Licht an oder auszuschalten, sucht man vergebens.

  • Für die Briten bedeutet mit Standlicht fahren Strom sparen
  • Wenn es ganz arg wird mit Nebel, Sprühregen oder der Abenddämmerung, schaltet der ein oder andere dann beherzt sein Standlicht ein. Muss reichen, solange man die Stossstange des voraus fahrenden Autos noch erkennen kann. Zum Ausgleich wird das so gesparte Benzin dann verpulvert, wenn auch bei Stillstand des Fahrzeugs während einer Pause der Motor laufen gelassen wird. Dabei kostet der Liter Benzin in Grossbritannien fast ein Pfund, d. h. zur Zeit 1.90 CHF

  • Licht aus, Spot an
  • In Deutschland haben wir das „FLT“ noch nicht erlebt, aber es wird sicherlich auch dort kommen. Dann heisst es auch dort: „Licht aus, womm, Spot an, jaaa!“. Die älteren Leser werden diesen Satz aus der Deutschen Fernsehgeschichte kennen, er wurde von Ilja Richter in der Kultsendung „Disco“ (lief von 1971-82) geprägt:

    Alle vier Wochen lockte die Sendung die deutsche Jugend vor die Bildschirme. Seine Sprüche („Licht aus, womm, Spot an, ja …“) sind zu geflügelten Worten geworden. Disco erreichte Traumeinschaltquoten. Wegen des großen Erfolgs kam die Sendung bald ins Abendprogramm. Das Außergewöhnliche an der Sendung war, dass Interpreten völlig unterschiedlicher Musikrichtungen (Schlager, Pop, Rock) nacheinander auftraten. Aufgelockert wurde das Programm von Einspielungen vorher aufgezeichneter Sketche, in denen Ilja Richter zusammen mit einem prominenten Gast auftrat. Während seiner Disco-Zeit hatte Ilja eine mehrjährige, vor der Öffentlichkeit verborgene Liebesbeziehung zu der Sängerin Marianne Rosenberg.
    (Quelle Wikipedia)

    Ilja Richter damals:
    Ilja Richter früher
    und heute:
    Ilja Richter heute
    (Quelle Foto: daserste.de)

    Der erste Schultag in Deutschland und in der Schweiz

    September 11th, 2009

    (reload vom 26.08.06)

  • Wenn der Schulanfang ein Familienfest wird
  • In Deutschland und in der Schweiz beginnt in diesen Tagen für viele Erstklässler die Schule. Während Schweizer Kinder in der Regel 7 Jahre und älter bei der Einschulung sind, wird in Deutschland ein Jahr früher eingeschult. Das ist bei weitem nicht der einzige Unterschied. In Deutschland ist der „Schulanfang“ in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem richtigen Festtag geworden, der an einem Samstag regelrecht „zelebriert“ wird. Am Samstag, weil dann Verwandten, Grosseltern und Paten des Kindes (die nur im Süden Götti u. a. genannt werden, vgl. Blogwiese ) von nah und fern anreisen können.

  • Schulanfang ist ein Fest wie Taufe oder Konfirmation
  • Es beginnt mit einer Begrüssungsrede des Schulleiters in der Aula der Grundschule, dann gibt es ein paar Vorführungen der Schüler, schliesslich werden die Kinder zum ersten Mal aufgerufen und gehen, zusammen mit ihrer neuen Klassenlehrerin, in ihr neues Klassenzimmer. Schuhe werden keine ausgezogen, auf die Idee mit den Hausschuhen für alle, in der Schweiz nach dem Singvogel „Finken“ benannt, ist man in Deutschland noch nicht gekommen. Dann lernen die Kinder ein Lied, vielleicht im Stil von „Ja ja ja, ich bin da, in der Schule im ersten Jahr“, bekommen eine Geschichte erzählt und dürfen wieder nach draussen zu den auf dem Schulhof wartenden Verwandten.

    Die Gaststätten der Umgebung sind an diesem Tag zum Mittagessen ausgebucht, ohne Reservierung läuft da nichts, denn dieser Tag wird im Familienkreis bei einem Essen auswärts gefeiert. Dieser Einschulungssamstag ist für viele Familien zu einem Festtag geworden, der sich zwischen Taufe und Konfirmation bzw. Firmung in Reihe der Familienfeste einfügt.

  • Der erste Schultag in der Schweiz
  • Der erste Schultag in der Schweiz ist da noch etwas nüchterner, auch hier werden die Kinder in die Klassen geführt, lernen ihren Klassenlehrer kennen, malen ein Bild oder lernen ein Lied und sind nach 1-2 Stunden wieder daheim.

  • Grosse Klasse in Deutschland
  • Deutsche Grundschulklassen haben bis 32 Schüler, erst dann werden sie geteilt. Die Schweizer Primarschulklassen, die wir kennenlernten, waren wesentlich kleiner und wurden zudem noch in zwei Lerngruppen aufgeteilt, die jeweils einen anderen Stundenplan bekamen. Während in Deutschland das Kind morgens um 8:00 Uhr bei der Schule abgegeben wird und dann bis 13:00 Uhr betreut wird, ist die Kernzeitbetreuung in der Schweiz zwar auch Programm, wird aber nicht an allen Orten und in allen Kantonen garantiert. Falls Sie neu mit Grundschulkindern in die Schweiz ziehen, stellen sie sich darauf ein, dass ihre Kinder schneller morgens wieder auf der Matte stehen, als sie sich vorstellen können.

  • Wer leitet die Grundschule?
  • In Deutschland werden die Lehrer vom Bundesland bezahlt, vom jeweiligen Kultusministerium, das in Form eines Oberschulamts die personellen Dinge einer Schule vor Ort regelt. Es gibt einen Schulleiter, der nur ein beschränktes Pensum unterrichtet, und mindestens eine hauptamtliche Schulsekretärin, die die Verwaltung vor Ort betreut. In der Schweiz ist man erst in den letzten Jahren dazu übergangen, Primarschullehrer als Schulleiter für organisatorische Belange in einer Grundschule teilweise freizustellen. Den Verwaltungskram erledigt eine gewählte Schulpflegschaft, die zum Grossteil aus Ehrenamtlichen besteht. Markantester Unterschied dieser Organisationsform: Wenn sich in einer deutschen Grundschule ein Lehrer morgens krank meldet im Sekretariat, gibt es einen Vertretungsplan und er wird sofort von einer dafür bereitgestellten Fachkraft vertreten. Die Beaufsichtigung der Kinder in der Zeit von 8:00 bis 13:00 Uhr ist vorgeschrieben. In der Schweiz können die Kinder bei Erkrankung des Lehrers die ersten 2-3 Tage wieder heimgeschickt werden, bis die Schulpflege eine Vertretung gefunden hat.

    In Deutschland hat jeder Grundschullehrer ein Studium an einer Pädagogischen Hochschule absolviert, d. h. in der Regel 4-5 Jahre Studienzeit mit anschliessendem Referendariat. In der Schweiz sind die Pädagogischen Hochschulen erst vor wenigen Jahren gegründet worden, bis dahin war es üblich und möglich, in einer Seminarausbildung auch ohne Hochschulreife (=Abitur oder Matura) Grundschullehrer zu werden.

    Was wir hier beschreiben erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Allgemeingültigkeit, sicher ist es auch in der Schweiz von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt. Wir können lediglich unsere Erfahrungen aus dem Zürcher Unterland erzählen.

    Bitte nicht streicheln — Die PET-Flasche in Deutschland und in der Schweiz

    September 3rd, 2009

    (reload vom 20.8.06)

  • What’s your favourite pet?
  • Ein „pet“ ist ein Schmusetier, ein Haustier, das gestreichelt werden will, denn „to pet“ bedeutet „streicheln“, auch wenn das die meisten nur vom Petting kennen.

    Als Anfang der 90er die Deutsche Getränkeindustrie immer mehr Mineralwassersorten und Softdrinks in leichten, und pfandfreien Plastikflaschen auf den Markt brachte, beschloss das damals noch nicht so lange existierende Bundesumweltministerium , welches 1986 wenige Wochen nach der Tschernobyl Katastrophe gegründet worden war, unter Klaus Töpfer (CDU) per Gesetz die Notbremse zu ziehen. PET-Flaschen wurden in Deutschland mit Stichtag 1.8.1988 verboten, oder besser gesagt: Sie durften nur noch mit einem Pfand-Rückgabesystem ausgestattet auf den Markt gebracht werden. Ich hatte damals einen Ferienjob bei einem Getränkegrosshändler und fand es faszinierend zu beobachten, wie von einem Tag auf den anderen sämtliche EVIAN und VITEL Plastikflaschen aus den Hochregallagern verschwanden und der dadurch freiwerdende Platz mit Anbietern gefüllt wurde, die ihre Abfüllung auf Glasflaschen oder TETRA-Pack umgestellt hatten.

  • Recycling in der Schweiz seit 1990
  • In der Schweiz ging man 1990 einen anderen Weg. Es wurde eine Recycling-Gesellschaft gegründet, und fortan standen an allen Abgabestellen von PET-Flaschen spezielle Sammelbehälter, mit denen eine Rücklaufquote von knapp unter den gesetzlich angestrebten 75% erreicht werden konnte. Seit kurzen ist auch der Discounter DENNER dabei, nicht ganz freiwillig, denn eigentlich ist Denner „sonst nicht Mitglied irgend eines Vereins“ :

    Bisher gab es für den Discounter keinen Grund, beim Recyclingverein mitzumachen. Denn die Mitgliedschaft beim Recyclingverein ist teuer. Seine Mitglieder bezahlen vier Rappen pro verkaufte Pet-Flasche –unabhängig von ihrem Fassungsvermögen. (…)
    Die Gebühr gilt als Rettungsanker des Staates, wenn die Rücklaufquote der Pet-Flaschen schweizweit nicht konstant über 75 Prozent liegt. Bisher vertrat der Recyclingvereint 85 Prozent des Getränkemarktes und erreichte nur knapp die kritische 75-Prozent-Marke.
    (Quelle Tages-Anzeiger vom 26-07-06)

    Wir fragen uns natürlich, wie man pro Pet-Flasche 4 Rappen abdrücken kann, wenn die kleinste Münze ein Fünfrappenstück ist. Gar nicht wahr, noch gibt es das „Einrappenstück“.

  • Einrappenstück im Portemonnaie
  • Falls Sie das noch nie gesehen haben, bitten Sie einfach mal ein paar Schweizer darum, in ihre Geldbörse schauen zu dürfen. Die meisten haben garantiert ein Einrappenstück darin, als Glücksbringer. In der aufgeklärten Schweiz, der Heimat von Zwinglis und Calvin, ist man nämlich garantiert absolut nicht abergläubisch.

  • Pfandsystem für PET-Flaschen
  • Erst die Regierungskoalition von Rot-Grün etablierte per Gesetz das PET-Flaschen Pfandsystem. Der grüne Umweltminister Jürgen Trettin „exekutierte“ die vom CDU Mann Klaus Töpfer erfundene und in die Wege geleitete „Dosenpfand-Verordnung“. Neben der Legalisierung der Homoehe war das einer der Meilensteine der Rot-Grünen Koalition, während der Reformstau im Land von Tag zu Tag länger wurde.

  • Warum PET in Deutschland nicht recycelt wird
  • Wird es schon, allerdings nur zu 30%. Der Rest geht nach China.

    Christoph Goldbeck beschreibt auf quarks.de , wie die PET Flaschen aus Deutschland Rohstoff für Fleece-Jacken aus China werden:

    Ungefähr 800 Millionen PET-Flaschen (1,5 l, 1 l und 0,5 l) sind pro Jahr in Deutschland im Umlauf. Eine gigantische Zahl. Seit der Einführung des Pflichtpfandes auf bestimmte Einweg-Getränkeverpackungen am 01.01.2003 sind die Umlaufmengen sprungartig gestiegen. Seit diesem Stichtag recycelte das „duale System“ rund 99 % der gesammelten PET-Flaschen. Das waren vor der Einführung des Pflichtpfandes knapp die Hälfte aller PET-Flaschen. Seit Anfang 2003 nehmen etwa 70 % der deutschen PET-Flaschen allerdings einen ganz anderen Weg.
    (…)
    Der größte Anteil der hier zurückgegebenen PET-Flaschen tritt eine lange Reise an. Etwa 500 Mio. PETs gehen jährlich nach China. Die chinesische Industrie wächst schnell und die Nachfrage nach Kunststoffen ist immens hoch. Deshalb importiert China diese aus dem Ausland. Für die Discounter, wie Plus, Aldi, Lidl & Co., in Deutschland eine wahre Goldgrube. Während sie von einem deutschen „Recycler“ bis zu 250 Euro pro Tonne bekommen können, zahlen die Chinesen bis zu 400 Euro pro Tonne PET.
    (…)
    Kommen die PETs, schon zerkleinert und schadstofffrei, in China an, werden sie auch hier gereinigt und nach Farben aussortiert. Die weißen Flakes werden chemisch bearbeitet, geschmolzen und zu Textilfasern verarbeitet. Bunte Flakes dienen eher als Füllstoff für Teddybären oder werden zu Folien. Die aus den weißen Flakes gewonnenen Textilfasern finden sich hier in Deutschland in fast jedem „Kleidergeschäft“ wieder, als Innenfutter von Sakkos, T-Shirts oder als teure „Fleece-Pullis“.
    (Quelle: quarks.de)

    Vom Beobachten des Beobachters

    August 24th, 2009

    (reload vom 14.08.06)

  • Kein Beobachter mehr, seit dem „Völkischen Beobachter“
  • In der Schweiz ist die Zeitschrift „Der Beobachter“ eine wichtige Institution in Fragen Verbraucherschutz, Rechtsschutz, Aufdecken von fragwürdigen Praktiken etc.
    Der Beobachter
    Sie spielt eine ähnliche Rolle wie die „Stiftung Warentest“ oder die RTL Sendung „Wie Bitte“ (1992-1999) mit Gert Müller-Gerbes.

    Die Schweizer Zeitschrift „Der Beobachter“ erinnert uns an die unselige Deutsche Geschichte und den „Völkischen Beobachter“, das zweitwichtigste Propaganda-Hetzblatt der Nazis, nach dem „Stürmer“:

    Der Völkische Beobachter war seit 1920 das publizistische Parteiorgan der NSDAP. Die Zeitung erschien zunächst wöchentlich, ab dem 8. Februar 1923 täglich im Franz-Eher-Verlag. (…) Die Auflage steigerte sich mit dem Erfolg der nationalsozialistischen Bewegung enorm, 1931 erreichte sie über 120.000 und steigerte sich bis zum Jahr 1944 auf 1,7 Mio. Exemplare. Wenige Tage vor der deutschen Kapitulation stellte der Völkische Beobachter Ende April 1945 sein Erscheinen ein.
    (Quelle: Wikipedia)

    Der Name „Beobachter“ ist in Deutschland seit dieser Zeit für eine Zeitung „verbrannt“. Nur Zeitungen, die ihn schon vor 1920 führten, blieben bei ihm, wie der „Seesener Beobachter“, aus Seesen, am Nordrand des Harzes, der bereits über 131 Jahre existiert (der Harz ist freilich älter).

    Der Schweizerische Beobachter ist eine alle zwei Wochen erscheinende Schweizer Konsumenten- und Beratungszeitschrift. Er hat eine Auflage von 332.808 Exemplaren (2004) und eine gute Million Leser. Der Beobachter wird von der Jean Frey AG herausgegeben.
    Der Beobachter behandelt vor allem rechtliche Themen aus dem Alltag an praktischen Beispielen. Themen sind u. a. Arbeitsrecht, Mietrecht, Geldthemen, sozialpolitische und sozialrechtliche Themen, Familienrecht, verschiedene die Konsumenten betreffende Themen sowie Umweltschutz. Neben der Information seiner Leserinnen und Leser bietet der Beobachter zudem eine Rechtsberatung und Rechtsunterstützung für die Abonnenten. Im hauseigenen Beobachter Verlag werden Ratgeber zu den verschiedensten Themen herausgegeben.
    (Quelle: Wikipedia)

  • Vom Beobachter des Beobachters der Beobachter
  • Nicht unerwähnt lassen möchten wir in diesem Zusammenhang die lesenswerte „Novelle“ von Friedrich Dürrenmatt, einem unserer Schweizer Lieblingsdichter, die kunstvoll in 24 „Kapitelsätzen“ geschrieben ist und den hübschen Titel trägt. „Der Auftrag oder Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter“. Jedes der 24 Kapitel besteht aus einem Satz, der sich über mehrere Seiten hinzieht. Beim lauten Vorlesen unbedingt das Luftholen nicht vergessen!