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Bitte nicht streicheln — Die PET-Flasche in Deutschland und in der Schweiz

(reload vom 20.8.06)

  • What’s your favourite pet?
  • Ein „pet“ ist ein Schmusetier, ein Haustier, das gestreichelt werden will, denn „to pet“ bedeutet „streicheln“, auch wenn das die meisten nur vom Petting kennen.

    Als Anfang der 90er die Deutsche Getränkeindustrie immer mehr Mineralwassersorten und Softdrinks in leichten, und pfandfreien Plastikflaschen auf den Markt brachte, beschloss das damals noch nicht so lange existierende Bundesumweltministerium , welches 1986 wenige Wochen nach der Tschernobyl Katastrophe gegründet worden war, unter Klaus Töpfer (CDU) per Gesetz die Notbremse zu ziehen. PET-Flaschen wurden in Deutschland mit Stichtag 1.8.1988 verboten, oder besser gesagt: Sie durften nur noch mit einem Pfand-Rückgabesystem ausgestattet auf den Markt gebracht werden. Ich hatte damals einen Ferienjob bei einem Getränkegrosshändler und fand es faszinierend zu beobachten, wie von einem Tag auf den anderen sämtliche EVIAN und VITEL Plastikflaschen aus den Hochregallagern verschwanden und der dadurch freiwerdende Platz mit Anbietern gefüllt wurde, die ihre Abfüllung auf Glasflaschen oder TETRA-Pack umgestellt hatten.

  • Recycling in der Schweiz seit 1990
  • In der Schweiz ging man 1990 einen anderen Weg. Es wurde eine Recycling-Gesellschaft gegründet, und fortan standen an allen Abgabestellen von PET-Flaschen spezielle Sammelbehälter, mit denen eine Rücklaufquote von knapp unter den gesetzlich angestrebten 75% erreicht werden konnte. Seit kurzen ist auch der Discounter DENNER dabei, nicht ganz freiwillig, denn eigentlich ist Denner „sonst nicht Mitglied irgend eines Vereins“ :

    Bisher gab es für den Discounter keinen Grund, beim Recyclingverein mitzumachen. Denn die Mitgliedschaft beim Recyclingverein ist teuer. Seine Mitglieder bezahlen vier Rappen pro verkaufte Pet-Flasche –unabhängig von ihrem Fassungsvermögen. (…)
    Die Gebühr gilt als Rettungsanker des Staates, wenn die Rücklaufquote der Pet-Flaschen schweizweit nicht konstant über 75 Prozent liegt. Bisher vertrat der Recyclingvereint 85 Prozent des Getränkemarktes und erreichte nur knapp die kritische 75-Prozent-Marke.
    (Quelle Tages-Anzeiger vom 26-07-06)

    Wir fragen uns natürlich, wie man pro Pet-Flasche 4 Rappen abdrücken kann, wenn die kleinste Münze ein Fünfrappenstück ist. Gar nicht wahr, noch gibt es das „Einrappenstück“.

  • Einrappenstück im Portemonnaie
  • Falls Sie das noch nie gesehen haben, bitten Sie einfach mal ein paar Schweizer darum, in ihre Geldbörse schauen zu dürfen. Die meisten haben garantiert ein Einrappenstück darin, als Glücksbringer. In der aufgeklärten Schweiz, der Heimat von Zwinglis und Calvin, ist man nämlich garantiert absolut nicht abergläubisch.

  • Pfandsystem für PET-Flaschen
  • Erst die Regierungskoalition von Rot-Grün etablierte per Gesetz das PET-Flaschen Pfandsystem. Der grüne Umweltminister Jürgen Trettin „exekutierte“ die vom CDU Mann Klaus Töpfer erfundene und in die Wege geleitete „Dosenpfand-Verordnung“. Neben der Legalisierung der Homoehe war das einer der Meilensteine der Rot-Grünen Koalition, während der Reformstau im Land von Tag zu Tag länger wurde.

  • Warum PET in Deutschland nicht recycelt wird
  • Wird es schon, allerdings nur zu 30%. Der Rest geht nach China.

    Christoph Goldbeck beschreibt auf quarks.de , wie die PET Flaschen aus Deutschland Rohstoff für Fleece-Jacken aus China werden:

    Ungefähr 800 Millionen PET-Flaschen (1,5 l, 1 l und 0,5 l) sind pro Jahr in Deutschland im Umlauf. Eine gigantische Zahl. Seit der Einführung des Pflichtpfandes auf bestimmte Einweg-Getränkeverpackungen am 01.01.2003 sind die Umlaufmengen sprungartig gestiegen. Seit diesem Stichtag recycelte das „duale System“ rund 99 % der gesammelten PET-Flaschen. Das waren vor der Einführung des Pflichtpfandes knapp die Hälfte aller PET-Flaschen. Seit Anfang 2003 nehmen etwa 70 % der deutschen PET-Flaschen allerdings einen ganz anderen Weg.
    (…)
    Der größte Anteil der hier zurückgegebenen PET-Flaschen tritt eine lange Reise an. Etwa 500 Mio. PETs gehen jährlich nach China. Die chinesische Industrie wächst schnell und die Nachfrage nach Kunststoffen ist immens hoch. Deshalb importiert China diese aus dem Ausland. Für die Discounter, wie Plus, Aldi, Lidl & Co., in Deutschland eine wahre Goldgrube. Während sie von einem deutschen „Recycler“ bis zu 250 Euro pro Tonne bekommen können, zahlen die Chinesen bis zu 400 Euro pro Tonne PET.
    (…)
    Kommen die PETs, schon zerkleinert und schadstofffrei, in China an, werden sie auch hier gereinigt und nach Farben aussortiert. Die weißen Flakes werden chemisch bearbeitet, geschmolzen und zu Textilfasern verarbeitet. Bunte Flakes dienen eher als Füllstoff für Teddybären oder werden zu Folien. Die aus den weißen Flakes gewonnenen Textilfasern finden sich hier in Deutschland in fast jedem „Kleidergeschäft“ wieder, als Innenfutter von Sakkos, T-Shirts oder als teure „Fleece-Pullis“.
    (Quelle: quarks.de)

    

    10 Responses to “Bitte nicht streicheln — Die PET-Flasche in Deutschland und in der Schweiz”

    1. Rainer2401 Says:

      Kleiner Hinweis: Der letzte Link in der untersten Zeile des Beitrags führt auf eine falsche Seite.

      Hier ist der richtige Link:
      http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2007/0327/006_muell.jsp

    2. neuromat Says:

      kennt zufällig jemand einen zahlungskräftigen Chinesen? Ich habe aktuell hier noch fünf PET-Flaschen.

    3. neuromat Says:

      just höre ich hier: die Schweiz wird aufgeteilt. Stimmt das? Gibt es schon irgendwelche Demarkationslinien? Und läuft das heute schon, also braucht man seine ID-Karte für den Heimweg?

    4. Ric Says:

      *augenroll*
      Wenn es wirklich nix an Deutschland zu meckern gibt als Flaschenpfand und ähnliche Lapalien dann ist’s ja gut. Das sind die „Sorgen“ einer kleinen heilen Welt.
      Im Übrigen würde es Ihnen, Herr Wiese, gut zu Gesicht stehen sich nicht über die „Homo-Ehe“ lustig zu machen. Sonst befinden Sie sich in ideologischer Kumpanei mit Leuten mit denen Sie doch sicherlich nichts zu tun haben wollen…?

    5. neuromat Says:

      jetzt schlagen die Wogen natürlich hoch und man ist bereits dabei, seine neue Bleibe auszuhandeln.

      Die Zürcher möchten also nach Frankreich, Solothurner würden lieber zu Italien gehören und die Tessiner würden eher die Deutschen nehmen als die Italiener; es soll Appenzeller geben, die allerdings gleich zu Libyen gehören wollen.

      Ich habe in unserer Gemeinde angeregt, dass wir einen Antrag einreichen, dass, falls es zur Zerschlagung der Schweiz kommt, wir anschliessend zu Barbados gehören, ein sich hieraus ableitendes Einwanderungverbot für Zürcher ist ebenfalls vorbereitet.

    6. Volker Says:

      Auch wenn die Grünen in Deutschland nur noch ein Abklatsch ihrer selbst sind, ein wenig mehr als „nur“ Schwulenehe und Dosenpfand haben sie schon erreicht. Man denke an den, zumindest bis jetzt vorgesehenen Atomausstieg.

      In einer Zeit groß geworden, als es noch strafbar war sich ins eigene Geschlecht zu verlieben und das auch offen zu zeigen, ist für mich (Hetero) die Tatsache der Machbarkeit einer Schwulenehe nicht zu unterschätzen. Mittlerweile ist es ja sogar in der Politik schick geworden sich zu outen, bedarf es keines Rosa von Praunheim mehr, der das für andere tut.

      Und das Gejammere über das Dosenpfand kann ich absolut nicht nachvollziehen. Wäre der Mensch nicht so eine Umweltsau, wäre das nicht nötig gewesen. Aber erst, seit er bares Geld wegwirft wenn er seine Einwegflasche in Wald und Flur entsorgt, hat die Vermüllung der Landschaft extrem nachgelassen. Autobahnausfahrten bspw. glichen früher einem Sammeldepot für Leergut. Es war scheinbar ein regelrechtes Hobby, die leeren Getränkebehälter an solchen Stellen zu entsorgen.

    7. Lupino Says:

      Salut Neuromat! Schön dass Du wieder da bist. Dem kein-Zuercher so hilflos ausgeliefert zu sein war echt traurig!

    8. AnFra Says:

      Die Schweiz wird verschenkt und ………..keiner will sie haben!

    9. AnFra Says:

      @Anfra

      Pssst!

    10. Volker Says:

      War der Zuercher unterwegs?

      http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/Tessiner-verpruegeln-Aargauer-Schueler-21119629

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