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Die Italiener sind uns lieber — War das immer so?

  • Gibt es zuviele Deutsche in der Schweiz?
  • Zu einem älteren Posting auf der Blogwiese wurde ein frischer Kommentar eingestellt von einem Leser, der sich „Liebe die Schweiz“ nennt:

    Zuviele Deutsche? Inzwischen bekomme ich Panik, wenn ich nur noch auf deutsche Autonummern treffe – wenn mir im Spital nur noch auf Hochdeutsch geantwortet wird, wenn mir Versicherungen von einer Deutschen angedreht werden sollen etc. etc. –
    (Quelle für dieses und alle folgenden Zitate: Kommentar auf der Blogwiese)

    Das müssen Besucher sein, denn die meisten mir bekannten Deutschen haben recht bald Schweizerkennzeichen, allein schon um nicht zufällig Opfer eines (zum Glück immer seltener werdenden) Pneustechers zu werden, der was gegen Deutsche hat.

    aus den Kommentaren der Deutschen lese ich in Blogs viel Mieses über uns – warum kommen sie und warum bleiben sie – wer Zweifel und Aengste hat wird verspottet, als Hinterwälder oder Höhlenbewohner verlacht – dies auch von “weltoffenen Schweizer”

  • Wer spricht hier von „Höhlenbewohnern“?
  • Schade dass der Schreiber dieser Zeilen nicht genauer angibt, wo denn dieses „Miese“ geschrieben steht auf der Blogwiese. Die meisten Deutschen sind gern und freiwillig in dieses Land gekommen, weil sie die Arbeitsbedingungen schätzen, die Natur lieben und unvoreingenommene Sympathie gegenüber den Schweizern empfanden. Den Begriff „Hinterwälder“ oder „Höhlenbewohner“ lese ich zum ersten Mal. Manchmal ist vom „kauzigen Bergvolk“ die Rede, aber auch dieses Klischee verliert sich rasch, wenn man eine Weile im flachen Limmattal, im Zürcher Unterland oder sonst einer Agglomeration unter Schweizer Stadtbewohner lebte. Was für schreckliche Dinge muss „Liebe die Schweiz“ erlebt haben. Vielleicht war dieser Schreiber ja noch nie in Deutschland. Na ja, die Schweiz und ihre Bewohner sind „weltoffen„, dafür ist dieser Kommentar ein hübscher Beleg.

    die Deutschen-Schwemme ist nicht zu vergleichen mit den Italienern in den 70 er. Dies waren Saisonniers – die gingen wieder nach Hause, die Deutschen bleiben, sitzen aus … und verspotten uns – übernehmen Manager-Posten, Spitäler, Universitäten – sie werden die Elite der Schweiz – die Herrenmenschen der Nazis werden gewinnen –

  • Doppelt so viel Italiener im Land als Deutsche
  • Der Schreiber übersieht, dass die Italiener sehr wohl geblieben sind und vielerorts nach wie vor die grösste Gruppe der Ausländer stellen. Eine Zahl von 2000 gibt 527.817 an. In Zürich wurde die Anzahl der Italiener erst im letzten Jahr von den Deutschen eingeholt. Schweizweit sind immer noch mehr als doppelt so viel Italiener als Deutsche im Land. Auch aus Deutschland kommen massig Grenzgänger und Saisonniers, aber die Wirtschaft ist mehr an festen Kräften interessiert, die nahe am Arbeitsplatz wohnen und ganzjährig verfügbar sind. Und was das „Übernehmen“ der Manager-Posten angeht: Diese Leute werden angeworben in Deutschland, werden von Schweizer Personalvermittlern und Headhuntern ins Land geholt, weil es keine eine genügend grosse Zahl von qualifizierten Schweizer Bewerbern einfach nicht gibt auf dem Arbeitsmarkt, und weil der dringende Bedarf der Wirtschaft und Spitäler sonst nicht anders gedeckt werden könnte. „Blick am Abend“ vom 07.07.08 berichtete über die Stellenanzeigen in der Deutschen Wochenzeitung „Die ZEIT“, mit welcher händeringend Hochschulprofessoren für die ETH in Zürich gesucht werden.

  • Keine lustige Zeit als Italiener in der Schweiz vor 30 Jahren
  • Ein alter Italiener, der vor 30 Jahren nach Bülach kam, erzählte mir neulich eindrücklich, was für eine schreckliche Zeit es am Anfang für ihn hier war. Wie oft er verspottet wurde, wie man ihm immer nur Nudeln vorsetzte, ohne alles, weil man glaubte, dass sei seine Leibspeise. Wie er unter Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit als „Tschingg“ litt. Auch die Schwarzenbach-Initiative von 1970 war vor allen gegen die Italiener in der Schweiz gerichtet. Scheint heute alles vergessen zu sein.

    Die Zweite und bekannteste „Überfremdungsinitiative“ ist, die nach ihrem Urheber benannte Schwarzenbach-Initiative. Am 20. Mai werden der Bundeskanzlei 70.292 gültige Stimmen für eine Volksabstimmung gegen die Überfremdung vorgelegt. Ziel der Initiative ist eine Beschränkung der Ausländer auf maximal 10% pro Kanton (mit Ausnahme Genf mit 25%).Der Abbau hat innerhalb von vier Jahren zu erfolgen.
    1970
    Am 7. Juni entscheiden sich, bei einer ausserordentlich hohen Stimmbeteiligung von 74,1%, 654.588 Schweizer gegen und 557.714 für die Initiative. Eine dritte, durch die „Nationale Aktion“ lancierte Initiative wird 1974 mit grosser Mehrheit verworfen. Im April des gleichen Jahres wird in Luzern das Comitato Nazianale d’lntesa – CNI gegründet. Ziel dieses Komitees ist es, auf Probleme, die die Italiener in der Schweiz betrifft, zu reagieren.
    (Quelle: Migrationsgeschichte der Italiener in der Schweiz)

  • Rete Uno hören macht Spass
  • Das scheint unser Leser „Liebe die Schweiz“ etwas verdrängt zu haben.

    und ich höre Rete uno – und ich spreche italienisch – ist viel schöner als Deutsch – die Italiener gefallen mir besser – sie sind willkommen – die Uebernahme der Elite nicht.
    (Quelle: Kommentar auf der Blogwiese)

    Auch ich höre sehr gern RETE UNO, siehe hier, und zweifelsohne ist Italienisch eine wunderschöne Sprache. Warum gibt es sonst so viele Opern in dieser Sprache? Aber warum die Italiener erst heute so willkommen sind, das soll uns mal jemand erklären.

  • Die Herrenmenschen der Nazis
  • Auch der Spruch von den „Herrenmenschen der Nazis“, die gewinnen werden wirft weitere Fragen auf. Diese Herrenmenschen waren eng verbunden mit den Herrenmenschen Mussolinis, als die sogenannten „Achsenmächte“. Das Italienische „Herrenmenschen-Verhalten“ wurde z. B. in Äthiopien ausgelebt, dem damaligen Abessinien.

    1935 kam es zu einem weiteren italienischen Angriff unter Mussolini (Italienisch-Äthiopischer Krieg bis 1936). Nur mit massivem Einsatz von Giftgas auch gegen die Zivilbevölkerung, gegen Krankenhäuser usw. gelang es den Italienern, bis zur Hauptstadt Addis Abeba vorzustoßen.
    (Quelle: Wikipedia)

    Natürlich sind die von den Nazis verübten Greueltaten in Europa um ein vielfaches grösser, aber dennoch merkwürdig, wie die Erinnerung an die italienischen „Herrenmenschen“ aus der Erinnerung an die Faschisten in Europa verdrängt wurde. Später wollten die Achsenmächte zusammen mit den „Herrenmenschen“ Asiens, den Japanern, die Welt unter sich aufteilen.

  • Faschismus kommt von fascismo
  • Dass der Begriff „Faschismus“ auf italienisch „fascismo“ zurückgeht, wohl auch:

    Faschismus (italienisch fascismo) bezeichnete zuerst die von Benito Mussolini 1922 zur Macht geführte politische Bewegung in Italien. Von dort aus wurde der Begriff für ähnliche politische Strömungen und Systeme anderer Staaten, besonders in den Jahren 1920 bis 1945, verwendet.
    (Quelle: Wikipedia)

    Doch wir wollen nicht stänkern. Vielleicht müssen die Deutschen einfach noch 30 Jahre warten, um auch so geliebt zu werden vom Kommentator „Liebe die Schweiz“ wie heute die Italiener.

    

    20 Responses to “Die Italiener sind uns lieber — War das immer so?”

    1. cydet Says:

      Mein Gott, hoffentlich gibt es nicht viele „Liebe die Schweiz“

      Den Deutschen kann das was damals den Italienern passiert ist zum Glück nicht widerfahren. Die Saisoniers wurden gerne und massiv ausgenutzt, zahlten stark überhöhte Mieten für ihre Verschläge und arbeiteten schutzlos unter lausigsten Bedingungen.

      Die meist reise-unerfahrene Bevölkerung verstand dazumals die (süd)italienische Mentalität nicht, fröhlich und etwas laut war den meisten suspekt. So entstand auch der Übernahme „Tschingge“ weil Italiener gerne knobelten und die Zahl 5 (Cinque) klanglich offenbar eine gewisse Dominanz besitzt.

      Aber es gab auch wirklich faire Arbeitsgeber, welche persönliche Kontakte mit den Italienern schmiedeten, aus denen dann manch langjährige Freundschaft entstand. (so erlebt in meiner Familie)

      Die Schwarzenbach-Initiative (mein einmaliger Gang zur Urne) war und bleibt ein beschämender Tiefpunkt in der Schweizer Politik.

    2. Simone Says:

      An Positings wie von „Liebe die Schweiz“ erkennt man eindeutig die Schattenseiten des Internets. Sollte der Verfasser nicht gar ein Fake sein, handelt es sich vermutlich um ein recht intelligentes Wesen aus einer sozial angesehenen Berufsgruppe, das sich in der Öffentlichkeit niemals trauen würde, die eigene Meinung zu irgendeinem Thema zu bekunden. Wer derart ins braune Vokabular überwechselt, treibt sich vermutlich heimlich unter einem unverfänglichen Nickname mit gefälschter E-Mail-Adresse auf irgendwelchen Fetischseiten rum und postet dann zu Themen wie „Wie bekomme ich trotz meiner ungewaschenen Füsse ein Callgirl, ohne dabei die Ehe mit meiner evangelischen Pfarrsekretärin zu gefährden?“ Danach leert man den Cache und klickt sich einige Studen später wieder ein um zu sehen, ob in der Zwischenzeit jemand einen Geheimtipp gegen Fussgeruch und die Neurosen in den Hosen gepostet hat.

    3. Holger Says:

      Man muß aber auch das Positive sehen: der Kommentator hat es geschafft, ohne das Wort „arrogant“ auszukommen. Vielleicht ein erster kleiner Erfolg dieser Website. 😉

    4. Philipp Sury Says:

      Als waschechter Schweizer beobachte ich, wie ich langsam immer (noch) weniger Toleranz entwickle für diese Deutschenschwemme Debate, weil man nicht etwas künstlich verkomplizieren muss, was eigentlich ganz einfach ist. Man begegnet sich, grüsst sich, kommt ins Gespräch, schmunzelt wegen gewissen Eigenheiten, arbeitet konstruktiv zusammen und versöhnt sich wieder, falls mal die Fetzen fliegen sollen. Mit anderen Worten, courant normal.

      Und der Herrenmenschenvergleich ist unter aller Sau. Wenn ein Schweizer sich wegen deutschen überfordert fühlt, soll er besser seine Energie in die eigene Bildung investieren statt zu jammern.

    5. P Says:

      Lieber Jens

      Herzlichen Dank für Deinen interessanten Blog. In diesem Blog finde ich immer wieder Beiträge die mich freuen und unterhalten, aber leider auch einige Dinge die mich etwas ärgern, beschämen und/oder nachdenklich machen.

      Zuerst möchte ich mich für die vielen positiven Erfahrungen die ich mit deutschen Staatbürgern gemacht habe sei es nun in der Schweiz oder in Deutschland bedanken. Ich persönlich halte mich sehr gerne in Deutschland auf und bevorzuge es noch vor Italien oder Österreich (Anmerkung: habe nichts gegen Italiener oder Österreicher).

      Es kann durchaus sein das viele Schweizer eine gewisse Angst vor Deutschen haben besonders oder gerade wegen der Job-Konkurzenz. Die Italiener welche zum Arbeiten in die Scheiz gekommen sind, haben Jobs auf der untersten (Lohn)stufe besetzt. Kein Bankmanager, Uniprofessor oder Chefarzt einer Universitätsklinik musste befürchten seinen Job an einen italienischen Berufskollegen zu verlieren. Bei den Deutschen sieht die Sache schon ganz ander aus. Sie werden von der CH-Wirtschaft angeworben und übernehmen Chefposten und somit auch Befehlsgewalt. Und hier beginnt das eigentliche Unheil eines jeden Schweizers.

      In den Köpfen der Schweizer ist wohl immer noch ein gewisser Basic-Instinct von unseren Urväter vorhanden der lautet „Wir wollen sein ein einzig Volk von Bründern und leben in Freiheit und frei von jeglicher fremder Knechtschaft). Und so bricht wieder ein erbitterter Widerstandskampf gegen die fremde Lordschaft aus. Gott sei Dank gibt es heute das Internet und die Köpfe fremder Herrscher rollen nur noch in den Blogs. Vor 300 Jahren wären wohl noch echte Köpf gerollt.

      Eine kleine Bitte an den Jens hätte ich noch. Bitte stell uns Schweizern die Deutschen doch einmal vor. Wie sieht den ein Deutscher die Deutschen. Ihr selber pflegt unter euch doch auch Klischees. Ich denke da an das Verhältnis zwischen Ossis und Wessis oder die Bayern und die Preussen oder auch Nord und Süd. Worin seht ihr eure Stärken und Schwächen. Warum entscheiden sich Deutsche für die Schweiz und nich unbedingt für Österreich.

      PS. Ich freue mich schon auf die nächste Deutschlandreise.

      mfG

      ProGermany

      [Anmerkung Admin: Danke für die freundliche Anregung! Nun, über Deutschland zu schreiben, das versuche ich immer wieder in den „CH-D kontrastiv“ Beiträgen. Was die Italiener angeht, so gibt es sehr wohl auch solche in Führungspositionen. Hier war zu lesen von einem Italiener mit Bank-Prokura Wie wird man Mitglied im Schweizerverein? – Durch Vereinsmitgliedschaft
      Deutschland vorzustellen wird für mich, mit jedem Jahr das wir in der Schweiz leben, immer schwieriger. Das müssen andere Blogs versuchen.]

    6. Friederike Says:

      einem Ausländer-Anteil der nicht mal die Hälfte des schweizerischen ausmacht. Es gibt ja in meiner alten Heimat auch immer wieder massive Gewalttätigkeiten gegen Ausländer auch in Gebieten mit marginalsten Ausländer-Anteilen.
      Und zum Thema „Pneu-Stechereien“: Ich lebe im Kreis 7 mit einem hohen Anteil an Deutschen und entsprechend auch immer wieder neuen Autos mit deutschen Kennzeichen, die einem beim Parkplatzsuchen mit der Zeit vertraut vorkommen. Ich habe noch nie einen zerstochenen deutschen Pneu gesehen und auch von uns befreundeten Deutschen und Schweizern in unserer Gegend davon gehört. Ich will nicht sagen, dass es das nicht gibt auch bei Schweizer Autos – aber mir scheint das hier reichlich hochgespielt.

      [Anmerkung Admin: Danke für Deine postive Einschätzung! Auf 20Min.ch wurden da im letzten Herbst mehrfach von berichtet. Dabei ging es aber um Kreis 4 oder 5. Umso besser, wenn sich diese Spinner jetzt nicht mehr auf das Pneustechen konzentrieren.
      Beispiel vom 14.05.08 http://www.20min.ch/news/zuerich/story/26081368 ]

    7. g.feikt Says:

      Die Italiener, oft aus dem tiefen Süden als Bau- und Textilarbeiter und -arbeiterinnen hergeholt, hatten einen sehr tiefen Status in den 50er- und 60er-Jahren. Sie hatten eine schlechte Schulbildung und fast nichts wurde getan, um ihnen die Integration in der Deutschschweiz zu erleichtern.

      Ich wuchs in einem grösseren Zürcher Textilort in sehr protestantischen Verhältnissen auf. Die Italiener waren katholisch. Schon falsch. Die Männer waren klein, pfiffen uns blonden Teenagern aus den Kanalisationsgräben nach oder liefen uns nach Feierabend unter schmachtenden Zurufen in einer unverständlichen Sprache nach. Die Frauen spazierten am Sonntag Arm in Arm schnatternd, sonst sah man sie kaum.

      Die Kinder waren unglaublich süss angezogen, mit Feströckchen und schwarzen Lackschühlein die Mädchen, mit Pommadehaaren die Buben.

      In den Schulen hatten sie es schwer. Als in der 4. Klasse ein Italiener zuzog, sorgte unsere Lehrerin, die Italienisch sprach, dafür, dass er rasch integriert wurde und dabei Deutsch lernte. Leider wurde sie schwanger und wir bekamen für die 5. und 6. Klasse einen unglaublich unpädagoischen, rassistischen von Vorurteilen durchströmten älteren Lehrer. Er sprach kein Italienisch. Für Marco wäre das nicht mehr nötig gewesen, aber er verliess die Klasse irgendwann (liess ihn der neue Lehrer repetieren? Ich weiss es nicht mehr.

      Aber dann kamen die Schwestern Cosima und Theresa in unsere Klasse. Cosima war mindestens ein Jahr älter als wir, Theresa gleich alt. Wir waren 40 Kinder und hatten keine Ahnung, was wir mit den beiden ausschliesslich italienischsprachigen, äusserst scheuen Mitschülerinnen anfangen sollten. Sie gingen in der Menge unter, weil sich niemand um sie kümmerte.

      Wenn ich doch das Rad der Zeit zurückdrehen könnte! Der Schulalltag von Cosima und Thesesa sah so aus: Sie sassen nebeneinander zuhinterst im grossen Klassenzimmer und lösten die schriftlichen Rechnungen im Rechenbuch. Das konnten sie. Etwas anderes war wohl nicht zu erwarten, denn wenn sie das Buch durchgearbeitet hatten, mussten sie wieder von vorne beginnen. Kopfrechnen lernten sie nicht, denn der Lehrer konnte keine Italienisch und sie kein Deutsch. Sie arbeiteten ja den ganzen Tag gelangweilt an ihren Rechnungen, die der Lehrer korrigieren musste. Da war jeder Aufwand Luxus. Darum nahmen sie auch an allen andern Fächern nicht Teil – ausser beim Singen, beim Zeichnen und beim Turnen, wo sie wieder scheu irgendwo am Rand mitmachten.

      Für uns alle waren sie einfach da, aber so etwas wie Autisten. Es gab einfach keinen Kontakt. Niemand kümmerte sich um sie. Niemand forderte sie zum Mitspielen auf in der Pause. Sie vegetierten dahin. Sie hatten die Etikette Italienerinnen. Die waren wohl so. Die Eltern wussten davon auch nichts, denn die durften damals ja nur an den Schulexamen am Ende des Schuljahrs ins Schulzimmer treten – für die grosse Show.

      Cosima und Theresa, was ist wohl aus Euch geworden? Passiv habt Ihr vielleicht unbemerkt Deutsch gelernt, aber hattet kaum Gelegenheit, Euch aus dem Klassenghetto* heraus zu befreien, weil Ihr zu scheu wart, endlich auf den Tisch zu klopfen und Eure Eltern wohl auch. Gehört Ihr jetzt zu den italienischen Secondos, die geschätzt werden? Ich fürchte, dass Ihr mit Eurer nichtexistenten Schulbildung und mangels aktiven Sprachkenntnissen weit unten geblieben seid. Oder vielleicht zurück in die alte Heimat geflüchtet. Es tut mir leid, dass wir Euch nicht integrierten.

      * Ich weiss, dass man heute Getto schreiben muss, aber es ist unerträglich.

    8. cydet Says:

      Lieber Jens,

      aus dem Reifen-stecher Bericht von 20min geht aber nicht hervor, dass es spezifisch Reifen von Deutschen Reifenbesitzern waren, genauso hat es offenbar auch Schweizer Pneubesitzer getroffen.

      Schon ein bisschen widersprüchlich zu deinem Einführungstext:

      Das müssen Besucher sein, denn die meisten mir bekannten Deutschen haben recht bald Schweizerkennzeichen, allein schon um nicht immer wieder neue Reifen, Verzeihung „Pneu“, kaufen zu müssen.

      Bi Allem was rächt isch, aber s`Hämd ghört in d`Hose 😉

      [Anmerkung Admin: Recht hast Du. So oft in den vergangenen Jahren vom Pneustechen und deutschen Autokennzeichnen die Rede war, verschwand in den dazugehörigen Artikel der Hinweis auf die deutschen Kennzeichen, wohl um da keine schlechte Stimmung aufkommen zu lassen 😉 . Nehmen wir es als gutes Zeichen: Auch Schweizer Autos werden abgestochen. Wer es genau wissen will, der parkiere parke sein Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen einfach ein Wochende lang im Zürcher Kreis 4 oder 5.
      BTW: Habe den Text angepasst, d. h. das Hemd ist wieder in der Hose… ]

    9. cydet Says:

      Danke Jens,

      mir wurde nämlich auch mal ein Pneureifen zerstochen und ich beurteilte das auch nicht als rassistischen Angriff auf den damaligen Fiat Panda 😉

      [Anmerkung Admin: Sind eigentlich Pneureifen teurer als Reifenpneu? ]

    10. cydet Says:

      Lieber Jens,

      kommt ganz auf das Nummernschild und auf die Reife des Pneu-, und oder, die Pneus des Reifenwechslers an. Ich denke im Kreis 4 oder 5 in ZH mit einer DE Nummer kommts astronomisch …. auch laut Statistik.

    11. Rainer Says:

      Über die Situation der italienischen Fremdarbeiter (so wurden sie damals genannt) in den 50ern und 60ern Jahren gibt es einen wunderschönen Film: „Pane e cioccolata“ von Franco Brusati. Den muss man gesehen haben und dann staunen, wie sich ihr Status hier in der Schweiz verändert hat.

    12. Samwise Says:

      Mir wurde auch schon ein Reifen zerstochen! Dabei bin ich doch gar kein Deutscher. Velleicht sah man dem Reifen einfach an, dass ich mich mit zu vielen Deutschen zu gut verstehe (erst noch solche mit heilen Reifen…). und ich wurde als Kollaborateur abgestraft…

      Sehr „stichhaltig“, das Ganze…

    13. AnFra Says:

      @Administrator

      Antwort:
      Natürlich sind „Luft“-Reifen teurer als Reifen-„Luft“, da es diese an jeder Tankanlage, Garage, Werkstatt und Autobahnraststätte kostenlos gibt.

      Habe ne ernsthafte Frage:
      Wie sagt man in der CH offiziell korrekt zu einem Vollgummireifen? Denn es kann ja nicht Vollgummi-„Pneu“ lauten, da ja „Pneu“ tatsächlich „Luft“ heißt?

    14. cydet Says:

      @ AnFra

      in der Schweiz heissts auch Vollgummireifen, aber wie immer , ist auch dies kantonal verschieden geregelt, bei uns z.b. Vollgummifingge. 😉

    15. ch.atzefrey Says:

      Ich durfte heute mein neues Fahrrad besichtigen. Es braucht noch eine technische Anpassung, darum konnte ich es erst testfahren und musste es noch für 2 bis 3 Tage im Fahradies lassen (ist das nicht ein fahradiesischer Name für eine Velowerkstatt?).

      Das neue Velo ist deutlich schwerer als das alte. Das sei, so erklärte mir der Fahradies-Engel, weil ich „unkaputtbare“ Pneus gewünscht hätte, die wögen eben je ein Kilogramm zusätzlich.

      Vielleicht wäre „Unkaputtbar“ ein einprägsamer Begriff auch für Vollgummireifen (im Gegensatz zu Pneu). Erfunden hat ihn aber nicht der Fahradies-Engel, sondern ich fand ihn kürzlich in einem Fahrradreifen-Testbericht, den Pro Velo (neuer Name der IG Velo) veröffentlichte.

    16. Friederike Says:

      @AnFra: Vollgummi-Pneu wird in Schweizerdeutsch gesagt, auch wenn die Luft fehlt – habe mich bei meinen Kindern schlau gemacht.

    17. Phipu Says:

      Im Gegensatz zu Ch.atzefreys Schilderung sind Vollgummireifen eher etwas, das geschichtlich noch vor den Luftreifen existierte, wenn ich z.B. an den Automobil- oder Fahrradbau denke.

      Nichtsdestotrotz sage ich ganz natürlich und fachlich falsch „Vollgummipneu“, weil für mich und meine Zeitepoche die äusserste Gummischicht einfach ein „Pneu“ (Nicht Pneureifen oder Reifenpneu, einfach Pneu von „pneumatique“) ist.

      Es ist heute sehr schwierig, derart alte Leute zu finden, für die es selbstverständlich ist, dass man auch im Dialekt von Reifen spricht, mit dem Gedanken, dass vor bald hundert Jahren der Radreifen der Kutsche aus Stahl logischerweise nicht Pneu genannt wurde, und davon abgeleitet die ersten Gummireifen natürlich auch nicht.

      Hier noch weitere Kommentare, in denen es um den Pneu geht:
      http://www.blogwiese.ch/archives/309#comment-5590

    18. alessina Says:

      Nur so als kleine Anmerkung zum Thema Schwobe und Tschings: ich bin Italienerin, spreche aber akzentfreies Hochdeutsch, werde also immer als Deutsche „gehandelt“. Ich wollte, dass meine Tochter etwas früher in die Schule käme und musste mich deshalb mit der Schulleiterin anlegen (weil sie es partout nicht zulassen wollte). Und wurde von ihr mit der Frage konfrontiert: „Warum meinen immer alle deutschen Eltern, ihre Kinder seien intelligenter als die Schweizerischen?“. Das war wohl Kern des Pudels Nummer 1. Ich verbat mir jegliche Antwort auf ihre Polemik, sondern stellte nur richtig, dass wir ja gar keine Deutschen seien – woraufhin sie natürlich fragte, was wir denn dann seien, und ich ihr sagte, wir seien aus Italien. Ihr Kommentar war ein „pffft“ mit wegwerfender Handbewegung – in Worte gefasst: „Abschaum!“. Und das war Pudelkern Nummer 2. Dass wir insgesamt 4x zur Schulpsychologin mussten, war wohl die Reaktion (obwohl schon beim ersten Test herauskam, dass meine Tochter schulfähig war – aber Italiener verdummen ja im Lauf der Monate, oder?). 😉

      Die Ballung von Klischees und Vorurteilen ist zum Lachen – manchmal vergeht es mir allerdings schon.

    19. Wir sind Frei Says:

      pro Woche kommen 2000 BRD’ler in meine Heimat! Jeder 3te meiner Kollegen ist Deutsch. Wie würde man in der BRD darauf reagieren ? Und was macht die politische BRD dafür? Sie versucht unseren Staat zu sabotieren da wir z.B. ein anderes Bankgeheimnis haben (und die Deutschen bringen ja freiwillig Ihr Geld in die CH) oder den Airport Kloten? Jeder 2,5t Arbeiter dort ist aus der BRD. Ein grosser Teil der Fluggäst hat den D Pass, und ich achte darauf bei meinen fast wöchentlichen Flügen aus der Schweiz. Und unsere Bundesräte? Davon sprechen wir lieber erst gar nicht als Schweizer. Dann spricht man davon das wir ein Minderwertigkeitskomplex haben da wir nicht gut Hochdeutsch sprechen können. Oder man versucht uns einzureden das wir ein schlechtes Bildungsniveau haben und deswegen man den Weg in die Schweiz als Deutscher so leicht findet. Alles Unsinn. Die Wahrheit sind in den Löhnen zu suchen. Und zwar in allen Einkommensschichten werden die CH Löhne unterboten. Ca. um 20-30% unter unserem jetzigem Niveau. Es geht also nicht nur um Mindestlöhne sondern um Löhne jeglicher Art. Damit macht unsere Politik die CH EU kompatibel. Dann wird gesagt ja die Schweizer Manager sind es ja die die Deutschen einstellen. Wahr ist dieses, aber! In Deutschland sind nur z.B. tausende Metzger arbeitslos, nicht weil sie schlechter qualifiziert sind, nein, die Polen sind billiger. Und wer stellt diese ein, Deutsche Manager! Es fehlt immer mehr an der Ehtik! Und nebenbei ist schwyzerdütsch eine Sprache. Man kann Kurse besuchen um diese zu erlernen. Ich habe selbst in D studiert und kann nicht mehr höhren wie niedlich unsere Sprache ist und der fränkli….
      Nebenbei ist unsere aufnahme Schwelle in die Kantonsschule wessentlich höher als die für ein D Gymi. Die Sek würde ich dem deutschem Abi gleichsetzen. Ferner die geo Dichte der Kantonsschulen ist sehr viel kleiner als die für Gymis in D. So ist es

      [Anmerkung Admin: Nein, so isses nun doch nicht. 2000 pro Woche, das wären 104 000 im Jahr. Insgesamt sind es jetzt 162 000 Deutsche in der Schweiz, und das hat Jahre gedauert. Denn es kommen nur 384 pro Woche, d. h. ca. 20 000 im Jahr aus Deutschland in die Schweiz. Viele der 20 000 bringt eine von Deutschland und den deutschen Steuernzahlern finanzierte Hochschulausbildung mit, die ca. 1 000 000 CH kostet. Also darfst du jetzt mal rechnen, was die Schweiz da gespart hat, weil sie nicht selbst diese Kosten bezahlen musste]

    20. Alessandro Ogheri Says:

      Liebe Alessina,
      ich bin auch Italiener, wohne aber in Deutschland.

      Da habe ich auch sehr schoene Erfahrungen gemacht, z.B. als ich meinen Umsatzsteuernummer beantragt habe, um meine freiberufliche Aktivitaeten in Deutschland anzufangen (ein Land wo ich immerhin etwa 50000 Eur Steuer pro Jahr zahle!): als die Ansprechpartnerin vor mir fragte, ob mir lieber waere dass einige Titel angeschrieben wuerden (wie Doktor, oder Herr Professor oder so…), lachte die Nachbarin… und schuettelte den Kopf… hoffensichtlich sind wir nur als Pizzalieferant zu verstehen…

      oder als meine Kinder am Spielplatz gespielt hatten, und mir passiert ist, zu hoeren ,wie andere Muetter sofort ihre Kinder weggenommen hatten (komm Vera, komm Juergen, gehen wir irgendwoanders spielen) als sie uns (mich und meine Frau) auf italienisch sprechen hoerten…

      also, die so empfindliche Deutsche!
      (ich rede von Erfahrungen, die ich vor ein Paar Jahren gemacht habe, nicht vor 50 oder 60 Jahren, uebrigens!)
      Alex

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