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Wie wird man Mitglied im Schweizerverein? – Durch Vereinsmitgliedschaft

  • Seit 35 Jahren im Land, leider nicht an einem Ort
  • Der Tages-Anzeiger vom 7.03.08 brachte einen interessanten Bericht über einen 35-Jährigen „Nicht-Schweizer“, der gern Schweizer werden möchte. Er bringt dazu eigentlich die idealen Voraussetzungen mit: Er wurde in Horgen (das liegt in der Schweiz) geboren, ist dort aufgewachsen und lebt seit acht Jahren in Freienbach. Von Beruf ist er „Kader einer grossen Schweizer Bank“, hat sogar die Prokura bekommen, doch alle das reicht nicht aus:

    [er]hat einen tadellosen Leumund, schreibt fehlerfrei Deutsch und spricht, da er als Kind eine italienische Schule besuchte, zwar keinen Dialekt, aber ein tadelloses Hochdeutsch. Und dennoch ist die Einbürgerungskom­mission der Gemeinde nach einem Gespräch im Februar zum Schluss gekommen, Molina erfülle die Einbürgerungsvoraussetzungen nicht. «Das Gremium konstatierte, dass bei Ihnen weder auf kommunaler noch auf regionaler Ebene eine Eingliederung in die schweizerischen Verhältnisse spürbar ist», heisst es in einem Schreiben der Kommission. Man werde dem Kanton und dem Bund deshalb beantragen, Molinas Einbürgerung abzulehnen.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 7.3.08, S. 15)

  • Hier ausgebildet, aber als Bürger nicht erwünscht
  • Nachdem also der Schweizer Steuerzahler die Ausbildung dieses Herrn „Molinas“ (Name wurde vom Tagi geändert) finanziert hat, er als Banker zu den guten Steuerzahlern gehört, will man ihn doch nicht richtig haben im Land. Schliesslich gibt es zwei grosse Probleme: 1.) Der Mann spricht auch nach 35 Jahren noch kein Schweizerdeutsch, sondern nur Italienisch, Hochdeutsch und wahrscheinlich Französisch. 2.) Der Mann ist in keinem Schweizer Verein engagiert!
    Der Tagi schreibt weiter:

    Für Molina kam das Verdikt aus heiterem Himmel. «Ich denke wie ein Schwei­zer, meine Kollegen sind Schweizer, meine Familie ist hier», sagt Molina. An jenem Gespräch mit der Kommission sei es nie um seine Eingliederung in der Schweiz gegangen: «Man hat mir Fragen zur Geographie gestellt, die ich alle beantworten konnte. Dann kamen Fragen zur Politik. Da wusste ich nicht auf alles eine Antwort, das gebe ich zu. Aber welcher Schweizer könnte das?», fragt er. Möglich, dass dem jungen Mann eines zum Verhängnis wurde: Er ist in keinem Verein.
    (Quelle: Tages-Anzeiger vom 7.3.08, S. 15)

    Vielleicht spielte sein loser Lebenswandel auch eine Rolle, denn er lebte erst seit 8 Jahren in Freienbach. Und dann bereits Bürger werden wollen, wie soll das gehen? Von Sesshaftigkeit ist da noch nicht viel zu spüren. Dann fehlt einfach noch die Mitgliedschaft im Schützenverein, im richtigen Bankverein, im Kirchenchor und und und. Lässt sich aber alles noch nachholen. Der Mann ist jetzt 35. Bis zur Rente soll der Antrag dann durch sein. Die „Integration in die Schweizer Verhältnisse“ kann schon mal etwas länger dauern. Ein Migros-Clubschule Kurs in Schweizerdeutsch hilft vielleicht auch.

  • Was ist eine integrationsunwillige Gesinnung?
  • Im Grunde genonmmen hat dieser Wunsch-Schweizer noch Glück gehabt, nicht wegen „integrationsunwilliger Gesinnung“ gleich ausser Landes verwiesen zu werden, denn am 11.03.08 lasen wir ebenfalls im Tages-Anzeiger:

    Lausanne. – Eine «integrationsunwillige Gesinnung» ist kein ausreichender Grund, einen Ausländer auszuschaffen. Mangelnde gesellschaftliche Integration sei kein Verstoss gegen die Rechtsordnung. Mit diesen Argumenten hat das Bundesgericht die zehnjährige Landesverweisung eines 48-jährigen Türken rückgängig gemacht, der vom Kanton St. Gallen weggewiesen worden war.

    Fazit: Nichts wie rein in den Verein.

    

    35 Responses to “Wie wird man Mitglied im Schweizerverein? – Durch Vereinsmitgliedschaft”

    1. Carlos Says:

      Ich finde, wenn Herr Molina in der deutschen Schweiz aufgewachsen ist und gar keinen Dialekt spricht, ist das Stellen der Frage nach seiner Eingliederung schon sinnvoll. Dass er keinem Verein angehört, scheint mir eher zweitrangig.

    2. antoine Says:

      Wer es endlich schafft die Staatsbürgerschaft zu erlangen, ist noch lange kein Schweizer.
      Er ist ein Papier ‚Papierli‘ Schweizer. Mein Urgrossvater der aus Ostdeutschland (heute Polen) zugezogen ist, wurde vor mehr als 100 Jahre eingebürgert.
      Noch heute werde ich gefragt: „Sind sie Schweizer“, vor kurzem fragte mich einer: „Kannst Du auch Deutsch“.
      In der Westschweiz zb. La Chaux Fonds lässt sich die Schweizerstaatsbürgerschaft leichter ‚erschleichen‘. Vielleicht sollte Molina ein Umzug in Erwägung ziehen.
      PS: Französisch ist leichter als Schweizerdeutsch zu erlernen

    3. Zappadong Says:

      Huch, da bin ich froh, habe ich den Schweizer Pass … ich bin nämlich in keinem Verein *Schweiss von der Stirn wisch*. Verraten Sie das aber bloss nicht weiter, sonst werde ich ausgebürgert. Und weil ich keinen anderen Pass habe als eben diesen Schweizer Pass, wäre ich dann tatsächlich staatenlos.

    4. DaniDo Says:

      Tja, Schweizer sein – im Verein sein…

      Eigentlich ist es schade, wie stark oft mit dem Bürgerrecht gegeizt wird. Da kommt eine unglaubliche Arroganz hervor, die nachdenklich stimmt. Etwas mehr Augenmass wäre angebracht!

      Stossend ist ja vor allem, dass es durch die Entscheidungskompetenz der Gemeinden von sehr unterschiedlichen Gegebenheiten abhängt, ob man Schweizer werden kann. Da vergeben wir uns viele Chancen, indem wir treue Leute so behandeln!

      …ob ein Engagement im Deutschen Club Zürich als Vereinsengagement gelten würde?:-)

    5. pit vo lissabon Says:

      behörden sollten leute wie herr molina BITTEN das bürgerrecht anzunehmen. wer deckt denn sonst die finanzlücke bei der ahv? ich gebe zu, ihn habe diesbezüglich meine staatsbürgerliche pflicht vernachlässigt und nur einen einzigen sohn gezeugt.
      dass man anderseits im rahmen des familiennachzugs grosszügig schweizerpässe an leute aus südosteuropa verteilt, von denen man von anfang an weiss, dass dass sie sich nie integrieren können und wollen, ist den einbürgerungsbehörden nie in den sinn gekommen. ist aber höchste zeit.

    6. bk Says:

      Meines Erachtens ist dieser Fall nicht representativ. TA eben. Kürzlich habe ich den Bericht der Gemeindeversammlung einer grösseren ZH Gemeinde gelesen. Bei der Durchsicht der Namen unserer neuen Mitschweizer musste ich spontan an die Geschichte von den Indianern, Siedlern und den Reservaten denken…

    7. Brun(o)egg Says:

      Verein und Schweizerdeutsch? Ist das die Messlatte? Es ist zum kotzen! Aber natürlich Freienbach!! Wir sind ja wer. Tiefe Steuern. Herr Ospel isst da manchmal zu Mittag und in Hurten ist Herr Schmidheiny domiziliert. Ja wer sind wir denn?! Der will doch nur vom tiefen Steuersatz profitieren, der Fötzel der ausländische.

      Der Herr hat Pech. Kanton Schwyz, das konservative „Gottseibeiuns“ und dann auch noch Freienbach!
      Hoffentlich zieht er es weiter!

    8. Neuromat Says:

      «Das Gremium konstatierte, dass bei Ihnen weder auf kommunaler noch auf regionaler Ebene eine Eingliederung in die schweizerischen Verhältnisse spürbar ist»

      Liebes Gremium

      Da fickt Ihr Euch ja hier ordentlich ins Knie. Was bestimmt nicht leicht gefallen ist, auch und gerade wenn der Fall kein Präservativ ist, dann treibt es einem uneingebürgerten Wahlschweizer doch den Angstschweiss auf die Stirn. So blass wie nach dem Fall Molina habe ich schon lange nicht mehr aus meinem roten Pulli (weisses Kreuz – typisches Touristenprodukt, unter Anwendung von Schweizerdeutsch (wurde im Wallis nicht goutiert) in Zermatt erworben) geguckt. Darf ich das „Dings“ (Schweizerdeutsch) jetzt wegschmeissen.

      Wie läuft eigentlich so eine Zeremonie ab. Ist das so wie in diesem Hollywoodfilm, mit der Dings (Schweizerdeutsch), die dann da im Rock so ganz ohne Höschen, habt Ihr den Film mal gesehen, ja, da müsst Ihr die DVD auf Superzeitlupe abspielen, die ist wirklich, aber wo war ich stehen geblieben, richtig, und Ihr sitzt dann davor und der e chli finer Seiberfaden läuft am Mundwinkel runter oder ist das mehr so rustikal, so eine verqualmte Stube, die Alten sitzen vor dem Kachelofen und richten den Daumen nach oben oder unten.

      Das wäre doch fernsehreif. In Deutschland hätten wir längst eine Doku-Soap zu diesem Thema, eine Show und so ein neuartiges Adventure Format: „Bürgert mich ein – ich bin auch verrückt.“ Das erlaubt mir einen Themenwechsel: Wie qualifiziert man sich eigentlich für so ein Gremium ausser dem Härtetest: Dreissig Jahre Atmen im Mief der Kleingeistigkeit. Wäre doch vorstellbar, dass da drei Immigranten sitzen oder Abkömmlinge von Immigranten oder wie ich da gelesen habe Indianer, vielleicht mit schwulem Zwillingsbruder (na sagt Euch das jetzt was – sonst dürft Ihr nie wieder auf Deutschland ins Kino!)

      Wahrscheinlich sollte man das ganz anders regeln. Ich denke da an so eine Art Ablösesumme, die der eine Staat dem anderen zahlt, wenn er seinen Bürger bei sich einbürgern möchte. Das hätte Signalwirkung: Schweiz zahlt acht Millionen Euro für Neuromat! Na ja mehr ein Geschenk an die sich langsam zivilisierende Menschheit.

      Aber wir waren ja beim Ablauf dieses Einbürgerungs SüV – Schweizerischer Überwachungsverein. Werden dann da richtige Fragen gestellt, so wie, sagen Sie mal Molina um wie viel Uhr fand denn die Schlacht bei Sempach statt, darf man da zurückfragen und gibt es eigentlich noch das Verfahren der Zwangseinbürgerung aus dem Jahre 1851 noch. Das dürft Ihr nämlich demnächst wieder auspacken. Ihr habt nämlich jetzt eine ganz andere Signalwirkung: Strahlerküsse schmecken besser und

      es ist völlig uninteressant, die Schweizer Staatsbürgerschaft zu beantragen.

      Und so Leute wie Molina, lasst den doch in zwanzig Jahren den Papp aufhaben, der macht einen genialen Einmalbezug seiner zweiten Säule nahezu zeitgleich mit einhunderttausend anderen und versäuft dies und den Rest in Bella Italia, während Ihr wieder wie vor dem Krieg auf die Hilfslieferungen aus der Sowjetunion wartet, nur dass es keine Sowjetunion mehr gibt. Vielleicht wird dann ja mal was spürbar.

    9. Simone Says:

      @Herr Administrator:
      Sind Sie sicher, dass Sie sich da keinen vorzeitigen Aprilscherz erlaubt haben? Es wäre auch interessant, ob der Tages-Anzeiger auch ins deutschsprachige Ausland exportiert wird. Wenn solche Meldungen die Runde machen, schliesst die EU sicher wieder die Grenzen und lässt die Schweizer nicht mehr rein.

    10. Brun(o)egg Says:

      @ Simone

      Wir kommen nur unfreiwillig. smile. Grenzen können offen bleiben.

    11. Gery us büüli. Says:

      Der Herr Molina scheint sich ja wirklich angepasst zu haben an die Schweizer Gepflogenheiten. Da sollte Ihm das Bürgerrecht nicht verwehrt werden.
      Die Kehrseite der Medaille ist das „Hinz und Kunz “ aus dem Balkan ohne Probleme eingebürgert werden ohne sich zu hinterfragen. Wird da etwa mit zwei Massstäben gemessen?

      Ausserdem seit wann muss man bei irgendwelchen Vereinen dabei sein?
      Da müsste ich ja den CH Pass abgeben wenn dies so wäre…

    12. Gery us büüli. Says:

      und in Deutschland Asyl beantragen. hehehehe

    13. Bünzli Says:

      Wie wird man denn Deutscher Staatsbürger?

      Dass es in der Schweiz seltsame Regeln und Bräuche zum Erhalt des Schweizer Bürgerrechts gibt, ist bekannt.
      Aber ist es nicht in Deutschland so, dass man sogar seine alte, angeborene Staatsbürgerschaft ablegen muss, um den begehrten Deutschen Pass zu erhalten? Konsequent wie eh und je.

    14. Ingo Says:

      @pit vo lissabon:
      „dass man anderseits im rahmen des familiennachzugs grosszügig schweizerpässe an leute aus südosteuropa verteilt, von denen man von anfang an weiss, dass dass sie sich nie integrieren können und wollen, ist den einbürgerungsbehörden nie in den sinn gekommen.“
      Du hast also die Menschenkenntnis mit Löffeln gefressen? Echt traurig, dass es noch Menschen gibt, die solch einen geistigen Dünnsch… absondern. Immer dieses National-Denken: „der kommt vom Balkan, der kann und will sich nicht integrieren. Menschen zweiter Klasse eben…“ Schäm Dich!
      @bk:
      „Bei der Durchsicht der Namen unserer neuen Mitschweizer musste ich spontan an die Geschichte von den Indianern, Siedlern und den Reservaten denken…“
      Genau derselbe Mist! „Ah, der Name endet auf -ic oder -ow – wir armen Schweizer mit gut-schweizerischen Namen werden in Reservate zurückgedrängt. Schnell SVP wählen, damit das aufhört!“ Wie kann man bitte nur so oberflächlich und stumpf sein??? Zum K***en…

    15. Neuromat Says:

      Herr Bünzli, das haben Sie ja hübsch formuliert mit den Bräuchen zum Erhalt des Schweizer Bürgerrechts. Da sind Sie doch nicht etwa Mitglied in einem Verein zur Pflege und Förderung des Brauchtums.

      Zur Ihrer Frage betreffend den konkreten Fall bei Geburt in Deutschland:

      Seit 1. Januar 2000 erwirbt ein in Deutschland geborenes Kind ausländischer Eltern mit Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn wenigstens ein Elternteil am Tag der Geburt des Kindes
      · sich seit 8 Jahren rechtmäßig und gewöhnlich in Deutschland aufhält und
      · ein unbefristetes Aufenthaltsrecht oder als Staatsangehöriger der Schweiz oder dessen Familienangehöriger eine Aufenthaltserlaubnis auf Grund des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten und der Schweizerischen Eidgenossenschaft über die Freizügigkeit besitzt.
      Das Kind ausländischer Eltern erwirbt mit Geburt in der Regel neben der deutschen auch eine ausländische Staatsangehörigkeit. Es ist damit Mehrstaater. Das Kind ist verpflichtet, sich nach Vollendung des 18. Lebensjahres zwischen der Heimatstaatsangehörigkeit und der deutschen Staatsangehörigkeit zu entscheiden (§ 29 StAG – Optionspflicht).

      Wozu es eigentlich mehrere Staatsangehörigkeiten braucht, ist mir persönlich nicht klar.

      Wie meinten Sie denn das mit dem konsequent wie eh und je, Herr Bünzli?

    16. Simone Says:

      @Brun(o)egg:
      Ich hörte kürzlich von einigen mit EU-Frauen verheirateten CH-Männern, dass letztere den EU-Pass anstreben. Das einzige, was sie fürchten, ist das Ausfüllen des Formulars. Männer halt!

      An Molinas Stelle würde ich freiwillig vom Einbürgerungsgesuch zurücktreten. Vor so einem debilen Gremium zu bestehen, ist eher eine Beleidung als ein Zustand, den es anzustreben gilt.

    17. balzercomp Says:

      Seit September 2007 können Deutsche Staatsbürger neben der Deutschen auch noch die Staatsangehörigkeit eines Landes der Europäischen Union oder der Schweiz haben, ohne die auf die Deutsche Staatsangehörigkeit verzichten zu müssen.

    18. Daniel Says:

      @Simone: Ja, die Meldung ist echt. Ich habe sie selber auch gelesen. Als Abonnent des Tages-Anzeigers konnte ich es fast nicht vermeiden. Allerdings fand ich die Meldung ziemlich beschämend. Nicht alle Schweizer haben dieselben Denkgewohnheiten wie die Vertreter dieses Einbürgerungsgremiums.

      Deutsch (womit „Standarddeutsch“ oder Hochdeutsch gemeint ist) ist zwar offizielle die am weitesten verbreitete Landessprache der Schweiz, bloss leider ist es halt eben genau genommen „nur“ die Schriftsprache der Deutschschweizer, und nicht die gesprochene Sprache. Letztere ist, wie seit Jahrhunderten, der alemannische Dialekt. An diesem Problem werden wir uns noch lange die Zähne ausbeissen.

    19. neuromat Says:

      @ Ingo, ich will ja nicht sagen, dass Du gänzlich daneben liegst, aber ich weiss auch nicht, ob Du Recht hast. Nur würde hier eine Diskussion eröffnet, die wie nicht führen können, da die, die gemeint sind, nicht dabei sind. Die Schieflage auf die pit v.L. hinweist, die ist nun gegeben, ob es einem passt oder nicht.

      Der Comment von bk deckt sich hingegen wohl offensichtlich nicht mit dem von Herrn Bünzli. So weit kann es da offensichtlich nicht her sein mit den Schutzbräuchen.

      Mit Schutz hat es psychologisch betrachtet sicher zu tun. „Molina“ dürfte ein Machertyp sein, der wie Jens schon angemerkt wahrscheinlich fliessend zweisprachig, Deutsch und Italienisch spricht, unverkrampft und gelassen zu diesem „debilen Gremium“ (Zitat) hin ist und denen einfach überlegen war. Die haben sich dann in die Hose geschissen und den Inhalt derselben zu Papier gebracht. Angst. Da kommt einer, der ist schneller, erfolgreicher… aber eben der ist kein Schweizer. Heiliger Schutzpatron und ewig jungfräuliche Helvetia helft, einer, der so ist, der kann eben auch niemals Schweizer sein. Man stelle sich das vor, der engagiert sich politisch, wird Gegenkandidat, darf mitreden zumindest zum Teil … weiter brauchten die meisten gar nicht denken, da war der Darm schon leer. Das ist genau „Zürcher Universitätsmentalitaet“. Da kommt die Besitzstandswahrung von Herrn Bünzli zum Vorschein – möglicherweise legitim aber kleingeistig. Und eben nicht attraktiv: Wer möchte diesem Club angehören.

      Ich wage aber zu behaupten, dass viele Schweizer mit denen man sich hier mal einen kleinen Wortaustausch gönnt „aus einem anderen Holz geschnitzt sind“, da ganz anders und viel souveräner und eben auf „echter Augenhöhe“ entscheiden würden, auch wenn sie in gewissen Punkten mal eine andere Meinung haben. Das ist meiner unmassgeblichen Meinung nach hier das Problem.

      Und vielleicht antwortet Herr Bünzli ja noch auf die Frage nach der zweiten Staatsbürgerschaft.

    20. pit vo lissabon Says:

      dass ausländer schweizerdialekt reden, halte ich nicht für unbedingt nötig oder erstrebenswert. die meisten (skandinavier und holländer ausgenommen) schaffen es sowieso nie. wichtig finde ich, dass ein ausländer unsern dialekt nach einiger zeit versteht. meine grossmama aus dem schwabenland hat auch ihr leben lang von „schwoizerkäs“ statt von emmentaler geredet. entscheidend ist doch, man versteht sich.
      ja, und die beamteten besserwisser auf unseren amtsstuben gehen auch mir (schweizer und mitglied eines schützenvereins) grausam auf den wecker.

    21. renegade Says:

      @Neuromat

      Nee, ich glaube es ist nicht mehr so. Seit August letzten Jahres ist es bspw. so, dass man seine (Frau auch) Deutsche Staatsbürgerschaft nicht mehr verliert, wenn man z. Bsp. „Schweizer“ werden will (Hab ich von einen Bekannten, der bei der Botschaft in Bern ackert). Sozusagen wäre man dann Doppelbüger. Allerdings, sollte ich jetzt unverhofft zu ganz viel Kohle kommen und in der Schweiz leben, wäre ich ja bescheuert die Schweizer Staatsbügerschaft zu beantragen.

      Anderseits, wenn Lafontaine und die CDU es tatsächlich umsetzen sollten, Auslandsdeusche in Deutschland zu besteuern, sehe es wohl wieder anders aus 😉

      Die Geschichte zeigt mir nur eins: Weil die klugen immer nachgeben, regieren die Dummen die Welt…. *fg*

    22. Ingo Says:

      @Neuromat:
      Mir ging es nicht darum, die von p.v.l. angeführte „Schieflage“ in Frage zu stellen, aber ein (Teil-)Satz wie „an leute aus südosteuropa, von denen man von anfang an weiss, dass dass sie sich nie integrieren können und wollen“ ist für mich einfach unterste Schublade. Sowas kann ich einfach nicht stehen lassen. Wer Herkunft oder gar so etwas Schwammiges wie „Ethnie“ („die Deutschen sind ja wenigstens nicht so schlimm wie die Albaner, die haben ja zumindest Kultur“ – alles schon gehört…) als Entscheidungsmerkmal heranzieht, ist und bleibt in meinen Augen ein Ar***loch. Sorry, aber da gibt es einfach keine „mildernden Umstände“…

    23. Ingo Says:

      Zum Thema doppelte Staatsbürgerschaft:
      Wenn wir schon unbedingt dieses gestrige Konzept der „Nationalität“ auf absehbare Zeit nicht loswerden können, dann seh ich aber nicht ein, warum manche Menschen mehrere haben dürfen sollen. Vielleicht noch verständlich bei Ländern, wo man sich durch Abgabe der alten den Rückweg verbauen oder erschweren würde.
      Aber Deutsch-Schweiz? Beide Nationalitäten geben Dir in der Welt quasi die gleichen Möglichkeiten. Reise, Arbeit, etc. Warum bitteschön darf dann so ein Doppel-Bürger den deutschen Bundestag und den Schweizer Nationalrat wählen? Wenn das keine Ungerechtigkeit ist…

    24. Neuromat Says:

      @ Ingo

      und nebenbei für Herrn Bünzli

      die doppelte Staatsbürgerschaft ist wahrscheinlich nur dann notwendig, wenn es Länder gibt, die Staatsbürgerschaften 2. Klasse verteilen. Hier fiel öfters der Begriff „Papierschweizer“.

      Deiner Kritik des „gestrigen Konzepts“ möchte ich voll zustimmen.

      Treppenwitz: bei fortschreitender Globalisierung nehmen die nationalistischen Tendenzen zu.

      Ich glaube, wir müssen akzeptieren, dass es Menschen gibt, die zur Stabilisierung des Selbst eine nationale Identität benötigen. Zum Glück spielt dies im realen Leben weniger eine Rolle. Auf den virtuellen Spielwiesen der Politik und an irgendwelchen „grünen Tischen“ und bei einigen debilen Dauerfrustrierten sieht das zwar meist anders aus, aber das sollte auch nicht weiter irritieren.

    25. bk Says:

      @ Ingo

      Gepflegt artikuliert…
      Wann hast du zum letzten mal dein Kind aus dem Kindergarten abgeholt? Wann warst du zum letzten mal nach 20.00 Uhr am ZH HB oder Samstags beim Einkaufen? Schon mal was von Werten und Prinzipien gehört? Offensichtlich spielt dir dein Realitätssinn mächtig einen Streich. Anders kann ich mir dein „oberflächlich und stumpf“ nicht erklären. Aber bitte nur weiter so. Ingo! Aufgewacht! Multikulti ist tot! UK oder BRD taugen in dieser Beziehung gerade noch als abschreckende Beispiele…

    26. Simone Says:

      Ich kann Ingo bis zu einem gewissen Punkt verstehen. Sicher, Molina wegen fehlender Vereinsmeierei und artikulierter Sprachfähigkeit nicht einzubürgern, darüber sollte man nicht diskutieren. Das ist nur noch peinlich.

      Ohne jedoch auf seinen Fall noch näher eingehen zu wollen, sei hier ein anderer genannt. Der Ausländerbeauftragte der Stadt Frankfurt gab einmal an (lange her übrigens), sein Sohn habe drei Pässe. Den vom Land der Mutter A, den vom Land des Vaters B und den vom Geburtsland, in dem Fall von Deutschland, C. Wenn dieser Sohn irgendwann in die Schweiz auswandert, dort nach Jahren die Staatsbürgerschaft beantragt, eingebürgert wird, die Staatsbürgerschaft D (Schweiz) dann auch noch bekommt, die Frau aus dem Land E in der Schweiz heiratet und auch noch den E-Pass erhält, dann hat er 5 Pässe. Ich gönne sie ihm. Aber: Braucht man so viele Pässe?

    27. Kreis7 Says:

      Tja, Tja, wenn es den Schweizer Bankverein noch gäbe wäre es für jeden ein Kinderspiel das Kriterium der Vereinszugehörigkeit zu erfüllen. Mit der Kontoeröffnung könnte auch gleich der rote Pass entgegen genommen werden. Leider hat vor zehn Jahren der viel gescholtene, und von Brun(o)egg anscheinend abgrundtief gehasste, Herr Ospel eben diesen wegfusioniert.

      Im übrigen süss bis peinlich, wie einige Schreibende die Fäkalsprache verwenden müssen, um ihrem anscheinend tiefsitzenden Frust oder Komplex in dieser Thematik gehörig Ausdruck verleihen zu können.

    28. Guggeere Says:

      @ bk: Samstags bzw. nach 20 Uhr am Bahnhof einkaufen, Kinder im Kindergarten abholen: Was hat das mit Einbürgern oder Nichteinbürgern zu tun? Was für eine billante Logik! Und dann noch anderen fehlenden Realitätssinn vorwerfen …

    29. Brun(o)egg Says:

      @ Kreis 7

      Ähm, Ospel hassen? Ich? Kostet zuviel Energie. Ich weiss nur, dass er jeweils zwei Parkplätze braucht mit dem teuren Porsche. Aber sonst?
      Es wird ihm ja von Winkelried-ähnlich denkenden Schweizern mit blutendem Adlerherz vorgeworfen, er habe die Swissair den „bachab“ geschickt. Hat er. Und das zu Recht. Wer steckt schon Millionen in ein vom unfähigen Zürcher Filz versautes Unternehmen und muss dieselben dann, bei fast sicherem Verlust, vor den Aktionären vertreten?

    30. Neuromat Says:

      ich hätte da noch eine Frage.

      Langes Überlegen brachte zum Vorschein, dass ich an früherer Stelle unterschlagen hatte, dass ich doch Mitglied in einem Verein bin, zumindest im Schweizer Alpen Club – Sektion verrate ich nicht –

      reicht das dann aus?

      Zudem kann ich zwei Gönner-Mitgliedschaften vorweisen

      die Zubereitung von Chäsi-Fondue gelingt mir besser als der Dame im besagten Film

      Notfalls gelingt es mir sogar, nach 26 Flaschen Calanda Alpenperle im Dialekt zu rülpsen

      Zürcher sind mir suspekt. (Besonders die aus Kreis 7)

      zuzutrauen wärs mir, dass ich ig im Morgengrauen erröte, quatsch im Morgenrot dahertrete, beim Abendglühn komme, im Nebelflor ziehe und dann im wilden Sturm wieder fahre

      ich hasse Schnäppchenjäger (weil ich dann nie Zeit zum Einkaufen habe)

      sollte ich sicherheitshalber dem TCS beitreten oder geht das nur mit Auto

      ich habe eine eigene Meinung – das ist doch die Grundvoraussetzung für eine freie Persönlichkeit

      würde das langen

      sollte ich meine Blogwiesen Comments dem Gremium vorlegen

      oder muss ich Österreicher werden, wenn ich schon nicht reich bin

      ??????????????

    31. Ingo Says:

      @bk:
      „Werte und Prinzipien“, wie Du es nennst, sind kein Monopol von Schweizern, Deutschen oder . Und wenn ich nach 20h am HB nur (mutmassliche) Albaner und Türken sehe – es sind alles nur Menschen. Wenn ich von einer Gang von 5 Albanern (mir fällt grad nichts besseres ein) verprügelt werde, kann der 6. immer noch mein bester Kumpel werden. Und ich fühl mich in der Schweiz immer noch wohl, obwohl >25% SVP wählen – was für mich einem Gewaltakt ziemlich nahe kommt. 😉

      Kurzum:
      Wer Menschen nach Ihrer Herkunft beurteilt, ist ein Ar***. Da wiederhole ich gerne meine „gepflegte Ausdrucksweise“. Es geht nicht um Multikulti. Es geht nur darum, dass jeder ein Recht darauf hat, unabhängig von seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion etc. einfach nur als Mensch gesehen zu werden. Wenn Du Dich abends am HB ZH fehl am Platze fühlst, dann ist das, mit Verlaub, verdammt nochmal Dein Problem.
      Nebenbei: Bahnhöfe haben es an sich, dass abends eher zwielichtige Gestalten dort rumlungern. Deshalb verstehe ich, wenn Du den HB dann eher meidest. Aber Deine Kommentare sprechen eine andere Sprache: Du machst dieses Unwohlsein an Herkunft, an Nationalität fest, hast Angst davor, in ein „Reservat“ für Schweizer zurückgedrängt zu werden.

      Soll ich Dir was sagen:
      Wenn es in 100 Jahren, keine „ethnischen“ Schweizer mehr gibt (falls es sowas jemals gab) oder auch Deutsche, dann ist das für die Menschheit als Ganzes einfach nur schnurz-piep-egal. Wenn es keine Demokratien und keine Menschenrechte mehr gibt, dann wäre das schlimm. Aber darauf haben wir „westlichen Völker“ kein Monopol (ich kann das Wort „Volk“ nicht ohne Anführungszeichen schreiben, das Konzept ist nämlich eine reine idiotische Erfindung).

    32. Christian Says:

      Salve

      Gott sei Dank habe ich den Schweizer Pass schon, ich bin nämlich weder in einem Verein noch einer politischen Partei, engagiere mich nicht in der Gemeinde für die Sozialhife. Das einzige das ich vorweisen kann ist die Erfüllung der Militärdienstpflicht. Sogar ein Tag zuviel… Hat Herr Molina die seine eigentlich erfüllt? 😉

      Christian

    33. neuromat Says:

      so so Christian Du warts also einen Tag beim Militär … 🙂

    34. pit vo lissabon Says:

      hallo christian, wie soll herr molina seine militärdienstpflicht erfüllen, wenn er nicht schweizer ist? think!

    35. Chrigel Says:

      Ui, der Tagi, dieses Käseblatt. Hier muss man mal wieder zwischen den Zeilen lesen: Mollina ging in eine italienische Schule. Vermutlich ist er also im Tessin aufgewachsen. Er spricht insofern die richtige Sprache heute am falschen Ort. Dieses Problem kennt ein Bekannter von mir auch. Er ist Türke, der aufgrund 20 Jahre Aufenthalt in der Romandie sehr gut französisch spricht, sein Deutsch ist aber eher mangelhaft. Er kann sich in unser Deutsch sprechenden Gemeinde so nicht einbürgern lassen. Ist einerseits Pech, dass er nicht früher auf die Idee gekommen ist, als er noch in der Westschweiz lebte. Andererseits vergeben wir das Bürgerrecht auf Gemeindeebene. Die Integration in der Wohngemeinde – auch die sprachliche – ist dringende Voraussetzung. In einem Land, das unzählige kulturelle Unterschiede zwischen geographischen Räumen, Sprachen und Kantonen kennt, ist eigentlich ziemlich sinnvoll.

      Ja, und Hochdeutsch allein reicht halt nicht. Ein Deutschschweizer spricht nun mal Schweizerdeutsch. Möchte mal die Gesichter sehen, wenn sich jemand in Deutschland einbürgern wollte, der nur Schweizerdeutsch spricht (theoretisch, weil diese Gruppe gibt es oberhalb der Altersgruppe von null bis fünf Jahren nicht)
      Integration – Vertrautheit mit den örtlichen Gepflogenheiten – ist ein schwierig zu beurteilender Begriff. Wenn Kenntnis der Geschichte, der politischen Umstände und Kenntnis der Hochsprache ausreichen würde, könnte ich mich ja jetzt per sofort in Deutschland und Österreich einbürgern lassen. Den entsprechenden Test auf spiegel.de habe ich jedenfalls mit Bravour bestanden.

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