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Wir sind wie wir sind — Die Gruppe „Basta“ über die Deutschen

  • Wie sind die Deutschen?
  • Die Fussballweltmeisterschaft in Deutschland ist lang her, die Vorfreude auf die EM in Österreich wird von Tag zu Tag grösser. Eine noch nicht allzu bekannte A-Cappella Band namens BASTA brachte bereits im letzten November die CD „Wir sind wie wir sind“ heraus, mit einem Stück zum Thema „Deutsche“. Könnte zum Schlachtgesang der deutschen Fans bei der anstehenden EM werden. Weil die Gruppe kein eigenes Video produziert haben, schrieben sie einen Wettbewerb aus, und viele Fans produzierten fleissig Filmchen zu diesem Song. Hier ein Beispiel (man achte besonders auf den typisch deutschen Wetterman) :


    Gewonnen hat den Wettbewerb allerdings eine Gruppe aus einem Altersheim mit diesem Film

    Weitere Stücke der Gruppe kann man sich hier auf der Homepage anhören. Das Stück „Ich will nicht nach Paris“ läuft sogar schon ab und zu im Schweizer Radio. Das Stück „Deutsche“ ist aber höchstwahrscheinlich mit Sendeverbot belegt.

    Hier noch der komplette Text, direkt von der Homepage. Schweizer Leser dürfen jetzt entweder weiterblättern zu Polo Hofer und seiner sexy Alpenhose oder weiterlesen und anstreichen, wann sich das Wort „Deutsche“ mit „Schweizer“ problemlos ersetzen können. Vielleicht bei „unser Land ist klein, doch es passen viele rein„? Oder bei „Frauen an die Macht„?

    Deutsche werden Helden über Nacht
    Deutsche lassen auch mal Frauen an die Macht
    Deutsche sind zwar blond, aber nicht doof
    Deutsche lieben Zäune und jagen sich vom Hof

    Deutsche wären gern Amerikaner
    Deutsche sind nicht so, sie sind viel humaner
    Deutsche Wohnzimmerschränke sind schwedisch
    Deutsche wollen’s französisch und essen italienisch

    Deutsche reden auch in Spanien deutsch
    Deutsche sind nicht deutsch, das ist typisch deutsch

    Wir sind, wie wir sind, weil wir Deutsche sind
    Deutsche waren wir schon als Kind
    Unser Land ist klein, doch es passen viele rein
    Nicht alle müssen Deutsche sein
    Wir sind Deutsche
    Deutsche rechnen noch in deutscher Mark
    Deutsche fluchen übers Wetter jeden Tag
    Deutsche zahlen Steuern wie die Pest
    Deutsche mögen niemand, der das Land verlässt

    Deutsche fordern alles jetzt und heut
    Deutsche wollen nicht warten, das ist typisch deutsch

    Wir sind, wie wir sind, weil wir Deutsche sind
    Deutsche waren wir schon als Kind
    Unser Land ist klein, doch es passen viele rein
    Nicht alle müssen Deutsche sein
    Wir sind Deutsche
    Deutsche schlafen vor der Glotze ein
    Für „Wer wird Millionär“ gehen sie auch da rein
    Wir sind Goethe, Schiller und Beethoven
    Auch Drafi war ein Deutscher – alle sind schon oben

    Deutsche reden auch in Spanien deutsch
    Deutsche sind nicht deutsch, das ist typisch deutsch

    Wir sind, wie wir sind, weil wir Deutsche sind
    Deutsche waren wir schon als Kind
    Unser Land ist klein, doch es passen viele rein
    Nicht alle müssen Deutsche sein
    Wir sind Deutsche
    (Quelle: basta-online.de)

    Für alle diejenigen, die gern noch mehr sehen und hören möchten, hier noch ein Nachschlag zum Thema Fussball, der Song „Spielerfrauen“:

    

    23 Responses to “Wir sind wie wir sind — Die Gruppe „Basta“ über die Deutschen”

    1. Holger Says:

      Danke, Jens. Schöner Text, tolle Videos. „Deutsche sind nicht deutsch, das ist typisch deutsch“ – herrlich! Allerdings fehlt im Liedtext noch der Bezug zu *der* typisch deutschen Verhaltensweise: im Urlaub mit Handtüchern die Sonnenliegen am Pool zu blockieren. In diesem Zusammenhang: http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,540567,00.html

    2. Ugugu Says:

      Als EM-Schlachtenbummler-Lied? Na ja, da hab ich jetzt aber doch leise Zweifel anzumelden.

    3. Neuromat Says:

      @ Holger

      😉 ich war da an Bord.

      Es formierte sich eine Untergrundbewegung der britischen Billigkabinenbucher, die den englischen Kapitän unter Druck setzten. Es wurde sogar kurzzeitig geplant, einige der Deutschen „Kiel zu holen“. Einer niederländischen Reisegruppe gelang es dann in einer Nacht und Nebelhornaktion mehrere strategische Liegen mit Grossmüttern zu besetzen, die Wind und Wetter durch jahrelange Fahrten auf dem Dachgepäckträger durch Deutschland nach Italien gewohnt waren. Belgier wurden beobachtet, wie sie die Liegen udn vor allem die Handtücher der Deutschen mit Pommes und Mayo einschmierten. Mehrere Franzosen torpedierten den internen Schwimmwettbewerb, indem sie das Wasser aus dem Aussenpool ablaufen liessen. Es wäre darum gegangen, die ersten drei Plätze durch fest reservierte Dauerliegen zu belohnen. Unentschlossen waren einige Schweizer, die ihre eigenen selbst mitgebrachten Liegen vorerst noch im Frachtraum beliessen – dachten sie. Dort waren diese längst von einigen Polen entwendet worden … das Chaos fand erst ein Ende, als der einzige mit reisende Russe kurzerhand den ganzen Pott kaufte…

    4. Thomas Says:

      mmh eine Analyse der folgenden 2 Linien

      Deutsche fordern alles jetzt und heut
      Deutsche wollen nicht warten, das ist typisch deutsch

      ergibt irgendwie genau dass arrogante überhebliche Vorurteil der Schwaben, hier in der Schweiz. 😉

      [Anmerkung Admin: Ungeduldig und fordernd sein ist zum Glück etwas, dass anderen Völkern total fremd ist. Denke ich an den Kampf der Londoner um einen Platz in der U-Bahn oder an Schweizer beim Winterschlussverkauf. Nicht warten wollen ist ein Zeichen von fehlender Geduld, aber doch von nicht „Überheblichkeit“.]

    5. Ostwestfale Says:

      Kürzlich las ich zum Liegenproblem von einem deutschen Juristen. Er meinte, dass der Besitz an der Liege mit deren Verlassen verwirkt ist und es jeden anderen Hotel- und Schiffssgast frei steht diese dann zu benutzen, egal ob da noch Sachen drauf liegen oder nicht, denn schließlich hat man ja selbst keine auch keine Reservierung vorgenommen. Anders ist es bei Liegen, die vorab für eine bestimmte Zeit reserviert oder gar gemietet wurden.
      In diesem Sinne wäre es doch gut die Gäste davon in Kenntnis zu setzen. Und wer länger Zeit eine Liege haben möchte sollte sie dann mieten/reservieren können. Sowas zu organisieren kann doch nicht schwer sein.

    6. Hessemädsche Says:

      Das mit den Liegen reservieren ist nicht typisch deutsch, habe ich schon auf Teneriffa in einem von fast ausschliesslich schweizerischen Gästen erlebt, wenn die Trudi partout neben dem dem Bärti und das Bärti nebem dem Rudi liegen will. Also bitte keine solchen Pauschalverurteilungen. Eine gute Lösung habe ich einmal in Spanien erlebt, wo die Zimmernummer mit den Nummern der Liegen übereinstimmte, da gab es überhaupt keine Diskussion. Zur Nachahmung empfohlen.

    7. Simone Says:

      @Thomas:
      Auf diese beiden Sätze bezogen würde ich eher sagen, „fordernd“, vielleicht „nervend“ und vor allen Dingen „ungeduldig. „Arrogant“ und „überheblich“ lese ich da nicht raus. Habt ihr wirklich nur diese beiden Vokabeln?

    8. Brun(o)egg Says:

      @ Neuromat

      Selten so gelacht!

    9. Thomas Says:

      @Admin und Simone: Das Smiley habt ihr gesehen? Gut. Fordernd kann sehr wohl sehr arrogant sein. überheblich aber eher nicht, da geb ich euch recht. Zum warten kommt mir halt einfach wieder der Schilift in den Sinn. Und was ist (objektiv) und wie was wirkt (subjektiv), das sind halt 2 paar Stiefel. Gustav ist nicht Gasthof, sagte mein Deutschlehrer immer, und der war aus Aachen.

    10. Marroni Says:

      Lieber Pasta als Basta, sagte der Italiener vor ein paar Tagen, nun sollen wir Schweizer also rennen! Aber wir können rennen, soviel wir wollen, die Deutschen sind eh schon da. Grins. Also, heiraten und einschweizern.

    11. Neuromat Says:

      @ Thomas

      interessant wäre doch, wie würde ein solches Lied in der Schweiz aussehen, welche Gruppe, welcher Sänger würden hier einen Text singen, der inhaltlich von Franz Hohler stammen könnte, zu Zeiten als es um den UNO Beitritt ging.

      Vielleicht Andres Andrekson oder irgendein aightgenosse.

      Dir entgeht hier nämlich etwas. Der selbstkritische Ton mit dem Schuss Ironie auch gegen das eigene Ego. Das kulminiert dann fast in einer typisch schweizerischen Position: Ja, ja wir Deutsche, wir sind ebenso, aber wir sind eben deutsch … In diesem Zusammenhang wird die Position dann alles andere als „arrogant“. Eine Haltung, die ich hier manchmal ein wenig vermisse. Andererseits kommt ja gelegentlich die „Selbstbeschimpfung“ Deutscher ganz gut an in der Schweiz und dann … gibt es ja noch importierte Comedians – chany äurro näh?- die den Job auch machen können …

      Das Liegen-Problem löse ich seit einigen Jahren durch Bergsteigen. Aber auch sehr interessant, was einem da manchmal für „Besitzansprüche“ entgegen“duften“ und -tönen, dies auch dann, wenn noch nicht so ganz klar ist, wieviel Dialekt man versteht.

      Menschen sind eben Menschen, das ist überall so. So plakativ und einfach wie das ist, ist das manchmal. Kompliziert machen lässt es dann immer noch.

    12. Simone Says:

      @Thomas:
      Auch in Aachen gibt es schlechte Deutschlehrer.
      Du hast Recht, aus Schweizer Sicht muss sich jedes Adjektiv, das einen Deutschen beschreibt, als Synonym für „arrogant“ und „überheblich“ verwenden lassen. Anders geht es nicht. Sonst müsste ja der Wortschatz erweitert werden. Und das geht nun wirklich nicht…

    13. AnFra Says:

      Folgend eine kleine Märchenstunde:
      Wie man Liegestühle belegt und dabei zum Deutschen mutiert.

      Es war einmal vor einigen Jahren……als ich dienstlich in Hotels auf Seychellen war und um 06.00 Uhr den Sonnenaufgang erleben wollte.

      Habe mich in einen von sieben aufgestellten Liegestühle hingesetzt und so vor mich hingeträumt. Plötzlich stürmte aus dem Hotel eine Horde von 7 Touristen auf mich zu und ich wurde in englischer Sprache aufgefordert, meinen Liegestuhl zu verlassen. Vorsichtig fragte ich, was damit gemeint sei. Der Hordenführer meinte, dass man doch sehen würde, das die Stühle markiert und somit für sie reserviert seien, da sie ebenfalls den Sonnenaufgang sehen wollen.
      In der Tat lag ein großes Handtuch mit einer Schwimmkappe im mittlerem Liegestuhl! Das erinnerte mich plötzlich an einen Gesslerhut. Die Horde sprang um mich herum und wollte mich sichtlich durch einen rituellen Tanz verjagen.
      Dazwischen hörte ich einige leisegesprochenen Worte in Deutsch. Habe es für schweizerdeutschen Tonfall im Rheintal gehalten und habe in engl. gefragt, ob sie Deutsche oder Schweizer waren. Habe aber keine Antwort bekommen und mich danach getrollt, da mir durchgeknallte Touristen gefährlich vorgekommen.

      Mittags haben wir beim Durchgang am Strand vom Direktor erfahren, dass eigentlich nur die Deutschen dieses „beliebte“ Spiel des „Stühlchen deck dich“ machen würden.
      Zufällig gingen wir an dieser besagten Stuhlgruppierung vorbei und er zeigte auf diese und meinte: „Auch diese Deutsche!“
      Wir haben uns fast totgelacht. Danach sagt ich ihm: Das sind nicht Deutsche, sondern Schweizer. Er meinte: Die würden deutsch sprechen und seien damit Deutsche. Ich sagte ihm: Auch einige Schweizer könnten deutsch sprechen. Er verstand nicht und meinte: Wer deutsch spreche sei Deutscher. Habe ihm gesagt: Ab 1648 ist dieses Volk aus dem Heiligen Römischen Reich entlassen worden und man hätte niemals versucht, sie wieder „Heim ins Reich“ zu holen. Er verstand noch weniger.
      Ich sagte: Diese Leute sprechen ein eigenes deutsch- schweizer Deutsch. Er verstand nun und sagte: Es sind also deutsch-schweizer Deutsche und würde also wie die anderen Deutschen die Liegestühle okkupieren und die echten Schweizer, welche französische und italienisch wie er sprechen würden, machen so etwas nicht.
      Da mir der Kopf schwirrte sagte ich: Ja, so ist es. Der Herr Direktor war bezüglich seiner europäischen Geschichtskenntnisse sehr glücklich und es gab ein Drink.

      Und wenn der Direktor nicht gestorben ist so, glaubt er immer noch an das Märchen von den exklusiven deutschen Stuhlbelegungen.

    14. Simone Says:

      So, jetzt habe ich endlich auch die Videos ansehen können. Das Gewinnervideo ist mit Abstand das beste. Habe mich allerdings gefragt, warum die da die Schweizer Fussballnationalmannschaft abbilden…

    15. Honigbaerli Says:

      Lieber Jens,
      hast Du schön geschrieben so sind die Deutschen..
      ich fühle mich wenn ich in Deutschland unterwegs bin immer sehr gut „aufgehoben“ wie in „Abrahams Schoss“.
      was ich an euch Deutschen mag ist die direkte Art und die Freundlichkeit..die fehlt den meisten Schweizern (zumindest dehnen die ich treffe)
      Also lieber Jens bleib wie du bist!

      liebe Grüsse
      Der ändu (berner Ausdruck für Andreas)

    16. Thomas Says:

      @Neuromat: was ich nicht verstehe: ich nehme 2 Zeilen aus diesem Lied, setze sie in den gross-thematischen Überbau dieses Blogs und versetze das ganze mit einem selbstironischen Smiley… und was passiert? Das Ganze wird mir um die Ohren gehauen. Wieso?
      Was die Selbstbeschimpfung angeht: nun ja, vor gar nicht all zu langer Zeit wollte eine komische Gruppe ‚La Suisse n’existe pas‘ ausdrücken und es gab einen Riesentumult um Schweizerfahnen. Nun ja, das Ganze war das perfekte Eigengoal, denn seit dem laufen die Schweizer mit T-Shirts und Taschen voller Schweizer- und Kantonswappen rum.
      Menschen sind Menschen. Sie besitzen eine Tastatur. Und damit lassen sich nun einmal gewisse Sachen nicht super-genau rüberbringen. Deshalb bedient man sich in der digitalen Welt den Smileys. Wenn das nicht verstanden wird… sorry.

      @Simone:
      es kann gut sein, dass es IN Aachen schlechte Deutschlehrer gibt. Ich habe aber von einem Deutschleherer AUS Aachen gesprochen. Das sind eben zwei Paar Stiefel. Im übrigen kenne ich dutzende Wörter, um einen Deutschen zu beschreiben, und die sind weit weg von ‚arrogant‘ und ‚überheblich‘. Was Du nicht zu „tscheggen“ scheinst ist eben genau die Sache von subjektiv zu objektiv.

    17. Simone Says:

      @Thomas:
      „von subjektiv zu objektiv“: Was meinst du damit? So oder so, der Deutschlehrer aus Aachen hat allem Anschein nach keinen besonders guten Job gemacht. Frag‘ mich, ich helfe gerne, meine Schweizer Kollegen aus der Schweiz fragen mich auch immer nach den geeigneten Präpositionen…Simone hier, Simone da, was sagt man, wie schreibt man…So geht es den ganzen Tag. „Sagt man dem so?“

    18. Neuromat Says:

      Lieber Thomas,

      da hast Du recht. Leider sind auch die smileys nicht immer eindeutig zu verstehen.

      Mach mal was am Wetter – es hat jetzt eigentlich genug gestürmt 😉

    19. Kreis7 Says:

      @Admin

      Was ist ein „Winterschlussverkauf“? Ist es die kurze Zeit vor und die nicht aufhören wollende Zeit nach Weihnachten? Das ist doch, trotz milder Temperaturen, noch voll im Winter! Und wenn ich mich zu dieser Zeit dummerweise in einen Shop verirre, fühle ich mich nicht sonderlich heimisch. Die Schnäppchenjägerei scheint mir keine ausgeprägte Schweizer Eigenart zu sein.

      [Antwort Admin: Wie der Name schon sagt, da wird er „Schluss vom Winter“ verkauft. Ich will den auch nicht haben. Freue mich auf den Sommer]

    20. Phipu Says:

      An Kreis7

      Der „Winterschlussverkauf“ ist ein Teutonismus der derart kratzen und zischen würde, wenn das Schweizer aussprächen, dass wir uns mit „Ausverkauf“ begnügen*. Achtung, das soll nicht heissen, dass der in Deutschland wegen dem längeren Wort auch länger dauert. Bis ich „Ausv…“ gesagt habe, hat ein Klischee-Berliner schon „Winterschlussverkaufsladenöffnungszeiten“ zu Ende gesprochen.

      (* analog zu ohrenschonenden Wörtern wie „Fahrzeugausweis“ für „Kraftfahrzeugbrief“ oder „Car“ für „Turistikreisebus“)

      Dass Jens dieses deutsch-deutsche Wort gebraucht hat, kann man ihm nun wirklich nicht übel nehmen. Er kann ja „Ausverkauf“ gar nicht kennen. Die Platzverhältnisse in der dicht besiedelten Schweiz und die dadurch schmalen Schaufenster (und höchstwahrscheinlich ausschliesslich dieser Grund) haben dazu geführt, dass man hierzulande nur noch das Wort „sale!“ vorfindet.

      [Anmerkung Admin: Kann mir nicht helfen, aber „Ausverkauf“ hat für Deutsche eine sehr negative Konnotation. So ähnlich wie „Pleite“ oder „Konkurs“. Während „Winterschlussverkauf“ schon fast den Status eines weiteren Feiertags besitzt.]

    21. neuromat Says:

      @ Phipu

      kaum jemand der umgangssprachlich nicht auch „We Es Fau“ sagt.

      Kraftfahrzeugbrief ist schon recht umständlich, Fahrzeugbrief wäre üblich. Den hast Du aber immer daheim. Er ist eine Art Besitzurkunde für das Auto. (Oder bin ich schon zu lange weg) Das was Du mitführst ist der „Fahrzeugschein“ – das ist ja doch mindestens eine Silbe weniger und für manche Ohren auch schonender, da das aaauuuu in Ausweis ja wie zwei oder drei Silben gezogen wird ;-). Darum braucht es für den Ausverkauf ja auch länger.

      Dieser Ausverkauf ist „auf dem Land“ noch üblich. Und es ist schon erstaunlich wie schnell man solche Begriffe übernimmt und den We Es Fau streicht. Natürlich hat das Ganze in Deutschland wieder rechtliche Hintergründe. Da werden die Zeiträume für diese Aktionsangebote streng gesetzlich geregelt. Vermutlich ähnlich dürfte es bei dem in der Schweiz möglichen „Winter Sonderverkauf“ sein. Der Begriff birgt ja auch wieder im Marketing eine ansprechende Strategie: Das „Sonder“. Hier wird sofort Sonderfall erkannt und angenehme Heimatgefühle öffnen auch bei Kreis 7 das Portemonnaie.

      Der Ausverkauf wird vermutlich daher mit „Pleite“ assoziiert, da es den „Totalausverkauf“ als „Räumungsverkauf“ gibt. Zu beachten ist aber, dass der verschiedene Hintergründe haben kann, neben der Geschäftsaufgabe gibt es auch, die Möglichkeit, sich der Ware bei Renovierungen, Neugründungen (oder ähnlich steuerlich interessanten) auf diesem Weg zu entledigen.

      Mit dem Berliner dürftest Du Recht haben: „Watkiekste..iszu“

      Sale lockt natürlich auf unbewusster Ebene die genetisch tradierte lateinisch Sprachebene. Jeder geht dort gerne hin, den Salarium, den Sold abholen. Dass er dafür zahlen muss, scheint kaum zu stören. Und manch einer trägt ja den Salarium ins Solarium.

    22. Phipu Says:

      Neuromat

      Merci für die Worterklärungen. Ich wusste gar nicht, dass mein Amüsement über die Wortlaute soviel Wirtschafts- und Administrationswissenschaft bergen kann.

      Nur noch rasch zu den lateinischstämmigen: Es wird wohl tatsächlich lediglich am Portemonnaie liegen, dass man im Welschland ohne Mucksen die Saumode mit dem Wort „sale“ in der aufgezwungenen lingua franca einfach akzeptiert. Die Marketingspezialisten in Zürich mit amerikanischem Master sind immer noch ratlos über das Phänomen, weshalb Unterwäsche in Wühlkörben, die mit „sale“ beschriftet sind, nur in der Westschweiz so lausig verkauft werden (fr: sale = de: schmutzig). Und im Tessin gibt es unerklärlicherweise so viele Reklamationen wegen Irreführung der Kundschaft, nachdem im Ausverkauf Zucker im Angebot war. (it: sale = de: Salz).

    23. neuromat Says:

      @ Phipu

      ich glaube, in Deutschland gibt es nichts, für das es nicht irgendeine Regelung gibt. Vermutlich ist selbst dieser Umstand geregelt.

      Deine Ergänzungen lassen mich spontan assoziieren: so war es denn auch ursprünglich das „Salzgeld“, das Verpflegungsgeld, der Sold, den man sich mit nicht selten schmutziger Arbeit verdient hat und Marketingspezialisten aus Zürich sind vermutlich meist männliche Individuen, neuzeitliche „Söldner“, die nicht verstehen, dass es irgendwo tatsächlich Menschen gibt, die den Kauf garantiert nicht benutzter Unterwäsche vorziehen, auch à tout prix zum prix sacrifié.

      Und im Tessin verkaufen Sie daher Unmengen Backpulver mit der Unterwäsche, äh dem Zucker. Das Natron sorgt dann wieder für den Salzgeschmack…

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