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Ein Felsen aus Stoff — Neues von der geheimen Landesverteidigung der Schweiz

  • Ein Stoffloch in der Felswand
  • Auf dem Polenweg bei Rothenbrunnen (vgl. Blogwiese) entdeckten wir an der engsten Stelle des Tales, wo die Autobahn nach Thusis durch einen Tunnel geführt wird und der Hinterrhein unverbaut durch das Tal fliesst, diesen merkwürdigen Felsen mit Loch:

    Ist das eine Felswand?
    Wer entdeckt auf diesem Bild etwas Ungewöhnliches?

    Erst das kleine schwarze Loch, dass aussieht, als sei es aus Stoff, machte uns auf diesen falschen Felsbrocken aufmerksam. In der Detailansicht wird es besonders deutlich.

    Stoffloch im Felsen

    Das ist keine Felswand, das ist eine gut getarnte Öffnung, ca. 15 Meter oberhalb der Strasse, mit freiem Blick und Schussfeld über die gesamt Talenge bei Rhäzüns. Wenn man genau hinschaut, sieht man den Rand der Stoffbahn, die dort eine Öffnung tarnt.

    Der Verdacht, dass es sich hier um gut verstecktes Geschützversteck handeln muss, verstärkte sich, als wir am Fusses des Felsens diesen Bunkereingang fanden:

    Bunkereingang im Felsen

    Und gleich daneben Leitern die zu einem zweiten gut getarnten Eingang führten:

    Leitern zum getarnten Felsenloch

    Warum bloss die Leitern nicht als Felsen getarnt wurden? Und der Bunkereingang nicht mit Tarnfarbe bestrichen wurde? Von dort oben kann leicht das ganze Tal und diese Engstelle beobachtet und natürlich auch beschossen werden, auch 62 Jahre nach Kriegsende.

    Schon bei der Anfahrt kamen wir durch diese Sperre. Die grossen Betonklötze, im Volksmund liebevoll „Beton-Toblerone“ genannt, finden sich auch am bewaldeten Abhang unterhalb der Strasse:

    Sperre des Polenwegs

    Leider fehlte uns die Zeit, die dazu passenden Querbalken zu suchen, um diese alte Sperre auszutesten. Aber es war ja auch niemand hinter uns her.

    

    19 Responses to “Ein Felsen aus Stoff — Neues von der geheimen Landesverteidigung der Schweiz”

    1. Barbarella Says:

      Beton-Toblerone? … wie niedlich *grins*

    2. Thomas Says:

      ich weiss ja, dass die CH voll von Bison-Geschützen, Panzersperren und Bunkern ist. Aber mal ne Gegenfrage: Sind in Deutschland keine Militärischen Einrichtungen sichtbar? Keine alten, stummen Zeugen einer kriegerischen Vergangenheit? Tät mich wirklich interessieren, ob die CH das einzige Land ist, in dem die Bunker einfach ewig rumstehen.

      [Anmerkung Admin: Was man in Deutschland hübsches aus alten Bunkern macht, siehe hier http://www.blogwiese.ch/archives/197 ]

    3. R. Says:

      gäääääähn
      der ist ja mal wieder so alt wie die Menschheit…………
      der Nächste…!

      [Anmerkung Admin: junge und stets extrem lustige Artikel finden Sie auf http://www.blick.ch oder http://www.lustig.de
      Viel Vergnügen dort beim Lesen!]

    4. Phipu Says:

      an Barbarella

      Auch Ausländer, die seit anderthalb Jahre Blogwiese lesen, kennen „Toblerone“ als Ausdruck für Panzersperren schon. Siehe: http://www.blogwiese.ch/archives/58 . Und wenn Jens den entsprechenden Link einfügen würde, könnte er erst noch** Eigenwerbung machen.

      Die Form des hier gezeigten Klotzes ähnelt nicht so sehr einem Toblerone. Den sollte man viel mehr „Mahony*“ nennen. Das wäre dann nicht mehr nur „niedlich“ sondern besonders für Ausländer „verwirrlich“!

      Hier dennoch die Lösung:
      * = Konkurrenzschokolade der Migros***

      ** = siehe http://www.blogwiese.ch/archives/178

      *** = siehe http://www.blogwiese.ch/archives/17

    5. neuromat Says:

      um was für einen Stoff handelt es sich denn da? Im neuen Nebelspalter geht es ja um das Thema Filz und ich wollte denen ohnehin noch schreiben, dass Filz für die durchlöcherte Schweiz aus Stabilitätsgründen unabdingbar ist.

      Möglicherweise ist es aber auch Leinwand. Die Rhäzünser sind ja nicht blöd. Die warten nicht auf irgendeinen UEFA Entscheid zum Public Viewing; die haben ihre Grossbildleinwand schon mal installiert.

      Zwar ist Fussball auch Krieg, aber in diesem Fall geht es nicht um die Vergangenheit sondern um die Zukunft: Euro2008. Bereits jetzt titelt Facts: „Wer ist besser? Die Schweiz? Österreich? Ein Jahr vor der Euro 08 messen sich die EM-Partner im FACTS-Duell. Es geht um mehr als Fussball“ Genau! Noch eine kleine belebende Frage: bei der WM waren ja die Brasilianer die „schweizerische“ Mannschaft neben der Schweiz, der man wohl nicht allzuviel zutraute. Welches ist denn die Zweitmannschaft bei der EM – Kleiner Tipp Brasilien macht nicht mit. Andererseits, nachdem die Schweizer recken nun grösstenteils in der Bundesliga spielen schafft man auch ein 1:1 gegen Argentinien. Also, soviel zum Militär.

    6. SZündhölzli Says:

      Das ist sehr wahrscheindlich ein zu delikates Thema. Oder liegt es am Freitag? Eine weitere typisch schweizerische Eigenschaft. Über welche nicht gesprochen wird…

    7. Schnägge Says:

      @ phipu: Wow. Willst du dich nicht mal bei Wetten dass bewerben – der Mann, der über 600 Blogwiese-Artikel im Kopf hat?

      @ neuromat: Das erklärt natürlich alles. Für den Fall einer deutschen Invasion zur EM ist man also gut gerüstet. (Andere potentielle Invasoren würden höchstwahrscheinlich nicht per Velo angreifen… 🙂 )

    8. mare Says:

      Wenn ich mich recht erinnere, waren wir 1968 mit Bekannten in einem Bunker in Kiel bzw. der Umgebung von Kiel. Der war weder einem zivilen Zweck zugeführt noch war ihm sonst was passiert, und auch den Nachbarbunkern nicht. Aber die älteren Herrschaften schwärmten plötzlich von Wehrmachtszeiten, was mich – um es mal so auszudrücken – befremdete. Diese älteren Herren waren durchaus keine Nationalsozialisten gewesen, aber der Krieg war offenbar doch was Schönes.

    9. Lieschen Müller Says:

      @mare: warst du in Laboe?

      Die alten Knacker sterben ja langsam aus, die Gesinnung nur leider nicht. Dort und überall.

      @Thomas: In Deutschland stehen eine ganze Menge von alten Bunkern und Militätanlagen herum. Auch aus Zeiten der DDR. Meistens, aber längst nicht immer, werden sie für irgend etwas Ziviles oder als Museum genutzt.

      Unterschied zur Schweiz: es gibt zwar auch in Deutschland Bunker für den Zivilschutz, aber doch bedeutend weniger. Die „Bedrohungslage“ scheint hier eine andere zu sein als dort.

      In Hamburg, gleich neben dem Fussballstadion des FC St. Pauli, nicht weit von Stadtzentrum, steht ein fünfstöckiger riesiger Betonklotz, ein Hochbunker. Zu meiner Zeit waren da noch Übungsräume für Bands, anmietbare Lagerräume usw. drin. Heutzutage ist der Klotz wohl denkmalgeschützt.

    10. neuromat Says:

      @ mare

      1968, also quasi gestern. Mitten im chalten Kriech chriechen Schweizer durch unsere ehemaligen (?) Bunkeranlagen an der Kieler Förde. Den Bekannten hätte ich mir die Ferien erstatten lassen – oder ging es um Spionage. 😉

      Die Schwärmerei … sagen wir es mal so: mich wundert es, dass man überhaupt vom Militär schwärmen kann. Das braucht man natürlich in der Schweiz nicht zu erzählen (Hi, hi). Wehrmacht, im Sinne von Militär, war eben etwas ganz anderes als Nationalisozialismus. Und in dieser Armee da schwärmen die Männer dann schon mal über das Abenteuer. Andererseits hätte es keine Wehrmacht gegeben, hätten die Nationalsozialisten Zivildienstleistende für ihre Kriegszwecke instrumentalisieren müssen.

      Und: ich habe noch keinen knallharten Fremdenlegionär getroffen, der mir vom Krieg vorgeschwärmt hätte. Ich glaube, da geht es immer um so „Kameradschaftsabende“.

    11. Ami auf Landgang Says:

      Es ist doch durchaus üblich, dass man die Vergangenheit mit der sprichwörtlichen Rosa-Brille betrachtet. Wer also kann es den alten Leutchen verdenken?

    12. Rolf Says:

      Wer alte deutsche Bunker und ähnliches sucht, schaue doch mal in der Website „lostplaces.de“ nach, dort hat es allerlei skurriles aus Deutschland drin. Für schweizerische Belange empfiehlt sich „unterirdischeschweiz.ch“ oder „festung-oberland.ch“ sowie die Seiten der diversen Festungsmuseen.

      In der Schweiz hat man ein recht ungezwungenes Verhältnis zu militärischen Objekten, in der ehemaligen „DDR“ auch, da werden alte Anlagen aus der sowjetischen Besatzungzone stolz hergezeigt und sind teil der Geschichte (selber besucht, habe gestaunt über die Offenheit und die robuste russische Technik.), hingegen in Westdeutschland habe ich den Eindruck, die Gruppierungen, die sich um den Erhalt wertvoller historischer Zeitzeugen bemühen, verbrauchen ein gut Teil ihrer Energie damit, sich gegen den Eindruck zu wehren, sie seien verkappte Neonazis. (Erlebt im Gebiet Bergzabern, Westwallmuseum, wo die Behörden ein Gesuch eines Vereins um Erhaltung von alten Bunkern sofort mit deren Schleifung beantworteten.)

    13. Ostwestfale Says:

      >Diese älteren Herren waren durchaus keine Nationalsozialisten gewesen,
      >aber der Krieg war offenbar doch was Schönes.

      Ich könnte mir vorstellen, dass es sich bei der Schwärmerei im Eigentlichen um die Kameradschaft und der Zusammenhalt gehandelt hat, die die Menschen in solchen harten Zeiten zusammenschweisst.

    14. Reto Says:

      Apropo Filz

      Da währe noch die aktuelle Ausgabe
      des Nebenspalters zu erwähnen.

      Tilel: „ACHTUNG SCHWEIZER FILZBEFALL!“

      12 Seiten Filz
      Kleine Textilkunde für Möchtegernmischler

      Gruess vom Retu

    15. neuromat Says:

      Am Wochenende ist ja immer Blogwiese Pause. Zeit für eine kleine militärische Übung. In eignem Interesse betone ich: Diese ist nicht ernst gemeint. Die Zitate haben sich zufällig in diesen Text verirrt.

      Also besser mit Ankündigung: Es ist Satire. Das kommt von Satyr, dachte man früher, nein von satura lanx, das heisst soviel wie Leipziger Allerlei, also habe ich etwas hinzu gemischt..

      Certain Encounter

      Eines war sicher. Nichts war sicher. Die Tolle schmissig nach links über die halbmondförmige Haarverlustzone geworfen hatte der schneidige Vorsitzende unserer eidgenössischen Verbündeten vor Stunden Manövereinstimmung betrieben:

      „Dies hier ist kein glamouröser Anlass, besonders an unsere ausländischen Manöverteilnehmer möchte ich den Hinweis platzieren, wir befinden uns hier zwar in der Schweiz, aber in keinem „Hideaway der Rich and Famous“. Sie gönnen sich deshalb folgerichtig – nach einem beeindruckenden Champagner-Apéro – vorerst einmal ein Feuerwerk rhetorischer und nicht kulinarischer Höhepunkte – noch rasch durch einen Bundesrat, der hier mit seinem Super Puma angereist ist, denn Ihnen stehen rustikale Tage ins Haus und die heutige EuroMilitaryNightssiirroääiit wird Ihnen mehr abverlangen meine ausländischen Teilnehmergäste, als Sie gewohnt sind, wenn ich die Herren Generäle aus Frankreich, Deutschland und Polen einmal mit diesen nebensächlichen Details belästigen darf. Ich komme zum Manövermotto: Auschwitz, Kübelmist, Einsitz, halt mir ist der Zettel verrutscht. Ich korrigiere mich und darf verkünden, es lautet korrekt: Aussicht. Übersicht. Einsicht. Und mit Einsicht meine ich nicht den stieren Blick von General Przpolsky in das Dekolleté unserer Serviertöchter, obgleich diese stammen mittlerweile ja aus Sachsen. Teil dieser Spassgesellschaft sind wir, auch wenn ich der gar nicht angehören möchte. Nicht weil ich keinen Spass verstehe, sondern weil ich sage, wer die Guten und wer die Bösen sind. Und die mit dem roten Fähnlein jetzt einmal alle links aufstellen und die mit dem weissen alle rechts. Und die Damen nehmen bitte die Kopftücher ab, denn jetzt möchte ich das Codewort verkünden. Es heisst diese Jahr nicht: Alldieweil ablaktierte Atombusen backiger Bissgurken cäsarische Dorfschulze eingedenk frühkluger galanter Hupfdohlen inkommodieren, jüngsthin kaltsinnige Ladenschwengel Menkenke machen. Sondern: Chuchichäschtli ([ˈχʊχːiˌχæʃtli]). Wir haben keine alphabetischen Abzählreime unserer arroganten Berliner Stabsgefreiten nötig. Somit darf ich Chris Oergeli und Chris am Rohr bitten mit dem musikalischen Teil zu beginnen und das Manöverlied : „Be calm, Mireille“ zu intonieren.“

      Und dann war es losgegangen, unter den Jodelgesängen zogen die Roten und die Weissen in ihre Zielgebiete. Der Chef stieg mit seiner nur leicht alkoholisierten amerikanischen Begleiterin, dem Super Puma, die den Reissverschluss des Overall etwa zwei Handtellerbreit bis unter den Bauchnabe geöffnet hatte in seinen Jeep und überliess ihr das Ruder, während wir anderen zu Fuss durch den kalten Regen stapften. Es war ja schliesslich Krieg.
      Jetzt sassen wir schon seit fünf Wochen hinter einer völlig durchnässten Stoffleinwand und warteten auf das Manöverende, nachdem die Dinge unserem Einsatzleiter entglitten waren. Der war zuerst nur noch stunden- und dann seit kurzem nur noch minutenlang erschienen, sich die Hose zurecht ziehend und dann wieder zu seinem Super Puma in ein luxuriös eingerichtetes Hinterzimmer verschwindend, zwischendrin eine kleine Ansprache haltend: „Dass ich hier zwischen Pfeffersuppe und Trüffelsauce zu Ihnen sprechen darf, das habe ich in verdankenswerter Weise meinem Präsidium zu verdanken, das ich mir selbst verliehen habe. Dieses Ehrenpräsidium macht mich nach wie vor sehr stolz.“ Dann machte er auch schon auf dem Absatz kehrt und verschwand in den Gemächern mit den Worten „Hier und heute also ein kleines Heimspiel, das ich demütig antrete. Denn was ist bundesrätlicher Erguss im Vergleich zu einem solchen Truppenverband.“
      General Przpolsky hatte das Zeitliche gesegnet und vermoderte weiter vor unserer gut geschlossenen Bunkertür. Beim Codewort war er ausgerutscht und hatte, im Nebel als unbekannte Person angerufen, selbstsicher von sich gegeben „Nuschelhäsli“ oder „Kuschelhäsli“, das war nicht mehr genau zu verstehen, da sich die Worte mit der Salve von mehreren Sturmgewehren mischten, bevor er in den vom Dauerregen aufgeweichten Boden fiel und einige Meter nach unten glitt, wobei sich die Fotografien mehrerer einheimischer Damen aus seinem feschen Uniformmantel und sein Handy lösten, das in des Generals Verrenkungen noch eine Nachricht ausspuckte: „Sie haben drei neuen Nachrichten. Die Nachrichten lauten“ und dann wurden sie mit der gleichen blechernen Stimme vorgetragen: Hüt schiint de Mond nu für dich und mich. Ich pflück en Stärn vum Himmel und schenk en dir! Gseesch, wie s Display lüüchted“, was es tatsächlich tat, während die Blechstimme weiterplärrte „Du Wilder, ich Wildi! – Ich will di“, bevor sich die Stimme aufhängte und wir die dritte Nachricht nie erfuhren, dabei aber bis zum Ableben der Nato Spezialbatterien tage- und nächtelang ich Wildi, ich will di, hören durften.
      In Woche vierundzwanzig bahnte sich dann die erste Katastrophe an. Mit stierem Blick und verzerrter Miene brach unser Chef aus seine Kemenate und auf dem Boden zusammen mit den Worten: „Ich bin verletzt – schnell, helfen Sie mir“. Es dauerte etwas bis der Truppendoktor bei dem sich vor Pein schüttelnden die schreckliche Diagnose einer Schussverletzung stellen konnte: Hexenschuss. Und die Hexe sass, vielmehr lag noch immer in der Stube. Die Reinkarnation der permanenten Bedrohung, alles also keine Paranoia.
      Mit letzter Kraft hob der General seine zittrige Hand und winkte mich heran. Junger Mann, obwohl so jung sind sie auch nicht mehr, Mensch nach den paar Wochen hier im Schweizer Luxusbunker, wie sie riechen … aber sie sehen noch kräftig aus und sie bekommen nun von mir einen Spezialauftrag. Diese wichtige Botschaft muss noch bis zum Ende der Regenzeit ins Parlament. Nehmen Sie mein Sturmgewehr und kämpfen sich durch die Feindeslinie. Mein Einwand, dass ich ja meine Uniform mit 45 abgegeben hätte, ignorierte er. Da kämpft man sich dann in den Sommern der Klimakatastrophe in Badehose durch den feindlichen Dschungel zu den Verbündeten. Und damit presste er mir seinen Zettel in die Hand, bevor sie ihn zu der mittlerweile ungeduldigen Gespielin in sein kleines privates Hilton zurücktrugen.
      Ein Papier, für welches ich in den nächsten Tagen mein Leben riskieren sollte, nicht auch inhaltlich zu kennen, war eigentlich unvorstellbar. Ich konnte also nicht umhin – es war schliesslich Krieg – das Blatt auseinanderzufalten und seinen geballte Last zur Kenntnis zu nehmen. Lieber Brüder, liebe Schwestern, hiess es da, die Kernfrage, die uns umtreibt, nachdem Deutschland es gelungen ist, mit der Fussball-WM im Juni 2006 das Image positiv zu korrigieren, und nun unsere nördlichen Nachbarn als cool, als weltoffene, fröhliche Menschen, die Feste feiern können, dastehen, sind Deutsche nicht weiterhin gemein. Daher habe ich mir erlaubt, drei Punkte auszuarbeiten und zur Verlautbarung zu bringen, um Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen:
      Sind Deutsche gemein?

      1. Deutsche sind grob und böse, weil sie lecker sagen, denn sie tun es mit voller Absicht. In Deutschland gibt es viele so genannte China Restaurants. Da können die sprachlich nicht so begabten Deutschen ihr Essen nach Zahlen bestellen. In den meisten Fällen nimmt man die 5 und 48 und trinkt ein 61 dazu, aber auch mit der 7 und der 21 kann man nicht viel verkehrt machen. Wenn man schon am Anfang seinen Spass haben will bestellt jeder die 3 und die 33 und trinkt die 63, das erfordert aber einen geübten Gaumen und könnte den obligatorischen Spass am Ende trüben, wenn gefragt wird „unhatteleckelsmeckt“ und alles im Chor antwortet: „ja wal sehl leckel“. Das zeigt: Deutsche sind gemein.
      2. Deutsche sind grob und böse, weil sie immer und überall ihre Badetücher liegen lassen. Deutsche reisen nicht ungern in Hotelanlagen südlicher Länder, in denen neben der typischen Landeskost wie Sauerbraten und Bulette mit Rotkohl auch Poolanlagen vorhanden sind, die sich häufig durch eine künstliche Verknappung der hier zur Verfügung stehenden Sonnenliegen auszeichnen. Diese Sonnenliegen stellen für die aus anderen Ländern anwesenden Gäste, zu deren Kultur in heimischen Gefilden ein faulenzendes Sonnenbad nicht zum geduldeten Tagesablauf gehört, die einzige Möglichkeit dar, einmal im Jahr richtig faul deutsch in der Sonne zu liegen, wären da nicht die von den Deutschen schon um 05:30 platzierten Badetücher mit dem eilends noch in der ersten Nacht Aufgeflockten: reserviert – reserved – ocupado – occupato. Das zeigt: Deutsche sind gemein.
      3. Deutsche sind grob und böse, weil sie nicht selten unansehnlich und geschmacklos daherkommen. Sie sind so abscheulich, abstossend, anmassend, barsch, bäurisch, beleidigend, blasiert, boshaft, charakterlos, derb, dreist, dünkelhaft, eingebildet, ekelerregend, elitär falsch, frech, gebieterisch, gehässig, geistlos, gemein, geringschätzig, gewissenlos, grell, grob, hässlich, herablassend, herrisch, hinterhältig, hochmütig, hundsgemein, impertinent, infam, insolent, kulturfeindlich, lästig, niederträchtig, peinlich, penibel, plump, rotzig, schal, schändlich, scheusslich, schlüpfrig, selbstgefällig, taktlos, tückisch, überheblich, unangenehm, unerfreulich, unerwünscht, unfein, unhöflich, unkultiviert, unverschämt, verächtlich, verhasst, verletzend und vorlaut, dass für die anderen Völker ausser der Arroganz kaum noch etwas anderes von diesen überlebenswichtigen Eigenschaften übrig bleibt. Das zeigt: Deutsche sind gemein.

      Mit diesem Stück Wortgewalt hiess es nun, sich durch die feindlichen Linien zu manövrieren. War ja schliesslich Manöver.

      Bevor Neuromat, dann aus der Blogwiese aussteigt, wird es hoffentlich morgen zu lesen geben, wie sich unser Protagonist durchschwingt, dabei lernt, was Zulu Zeit ist, wie man(n) sich an Schweizerinnen „ranmacht“ und erfahren wir vielleicht ausgeliehenes Neues vom Deutschen.

    16. neuromat Says:

      Certain Encounter 2

      Was bisher geschah:
      Eine als harmlose Wehrübung beginnende Nato Veranstaltung unter Schweizer Primat gerät durch die Klimakatastrophe und die Hexenschussverletzung des obersten Einsatzleiters geringfügig aus den Fugen. Aufgrund des nahenden EuroSoccerFights 2008 muss eine programmatische Botschaft her um den bei den WorldSoccerFights2006 entstanden emotionalen Germanenvorteil richtig gerade zu rücken. Verletzungsbedingt kann der oberst Heerführer dies nun nicht mehr selbst und beauftragt dem ihm zufällig am nächsten stehenden gewöhnlichen Fähnrich.

      Nachdem ich nun seit etwa zwei bis drei Stunden Fussmarsch unterwegs gewesen war, lockerte sich die Bewölkung, der Dauerregen liess nach, die Erdrisse aus den die Kröten das Land bevölkert hatten schlossen sich, das Donnern der Felsstürze verstummte und die wärmende Sonne spiegelte sich friedlich auf meinem blitzblank polierten Sturmgewehr, als ich in einer grösseren Stadt an einem See, in welchem offensichtlich ein riesiges Seeungeheuer ein andauernde Fontäne abgab. Eine alte Dame trat auf mich zu und bedankte sich ueberschwenglich für die Landesverteidigung, während dieser Peter Ustinov, Adliger auf dem zweiten Bildungsweg, die Szene beobachtete und später bestimmt in eine seiner larmoyanten und wenig kurzweiligen Stories einbauen sollte. Der sollte mir aber nun nicht so einfach davon kommen; immerhin musste ich nach dem Weg nach Bern fragen und zweitens hatte ich seit Wochen einen gewissen Notstand zu verzeichnen, da, während tagelang des Generals Przpolsky Handy die Wildi, i will di untermalt durch die Verlautbarungen eines amerikanisch-schweizerischen Stellungskrieges, bestimmte Regungen zunehmend ununterdrückbar wurden. Also schnappte ich mir den greisen Lebensweisheitproduzenten und stellte ihm die Frage aller Fragen:

      Wie mache ich mich an eine Schweizerin ran?

      Und Ustinov begann zugleich mit mitleidgem Blick auf meine verdreckte und wenig kleidsame Uniform zu lamentieren:
      Ein grosses, fast unlösbares Problem für das ledige deutsche Jungschwein stellt im schweizerischen Ausland die in den Brunftzeiten übliche Balz dar. Hier hilft selten die Liebeserklärung des Monats und auch nicht der Apfel des Caligula. Auch der Begriff der zufälligen Ähnlichkeit, meistens in ein „Du kommst mir irgendwie bekannt vor“ ist in den hiesigen Gefilden völlig ungeeignet. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht sicher gewährleistet werden kann, dass die wenngleich schon volljährige, aber noch jugendliche Schweizerin bereits aufgeklärt ist, es sei denn, sie ist mit ihren Eltern regelmässig in das Tessin gefahren oder hat ein Jahr als Au pair im Welschen, nein also im Welschland mit einem oder mehreren Welschen hinter sich. Meistens gilt auch bei zurückhaltend höflich vorgebrachten Anliegen wie, „willst Du mir zu Willen sein“: Fragen zwecklos!

      Die Schweizerin liebt das Besondere, womit nicht gerade die Teilnahme an den Bittprozessionen Ora et deflora in Kopenhagen gemeint ist, es sei denn, es gelingt sie davon zu überzeugen, dass man in der Eigenschaft als argentinischer Leihbischof dringend gemeinsam dorthin müsse. Und wenn sie fragt: Und das Zölibat? Dann antworte, die lassen wir daheime.

      Nicht das romantische Maigedicht, sondern der exotische Schmuck ist gefragt und der Exot bist Du. Als Deutscher mit B-Bewilligung bist Du natürlich kein Exot, hier ist am Anfang die Rolle des kretischen Taubstummen absolut empfehlenswert. Als Aal Sexis Lorbass steigen zwar Deine Chancen auf einen gelungenen Abend, aber vergiss nie, das B in Deiner Bewilligung steht nur für Bussi und nicht für B…fallera. Dafür kannst Du Dich ab der C-Bewilligung damit trösten, dass man Koitus zwar mit K schreibt, aber in dem Land, in dem jetzt lebst, nach der zweiten Lautverschiebung mit C-H spricht. Aber bedenke:erst kürzlich erstickte ein Hannoveranischer Gelegenheitstourist an einem Lungenkuss.

      Mit dem notwenigen Hintergrundwissen versorgt, um nun die auf ewig angelegte Truppenübung fortzusetzen, beschloss ich die triebhaften Elemente endgültig zu verbannen, was im Sinne der gewünschten Assimilation mir eindeutig Vorteile einbrachte. Derart ausgestattet mit humanbiologischer Neutralität, gelangte ich ohne weitere Umweg ans Ziel.

      Nun kam es nur noch darauf an, die Botschaft an den Mann und natürlich auch an die Frau zu bringen und so folgte ich meinen Ohren und den Schildern Besammlung des Bundes, ich lag offensichtlich doch noch gut in der Zeit. Das ganze lief noch bis zum 22. Juni. Der mächtigen Löwenstimme nachgehend lauschte ich dem text des entschlossenen Redners:

      Die Krise der modernen Schweiz, wie wir sie seit 500 Jahren, wenn nicht noch länger, kennen, gründet primär, so vielschichtig und hoch differenziert ihre Ursachen, verschraubt und verdreht ihre Verursacher, auch sein mögen, Verursacher deren tiefst analysiert psychologische Motive noch viel weniger in einen kausalen Nexus, den wir ungeachtet hochnäsig-arroganter, ridikülisierender, aber selbst gewählter Verniedlichung, sei es bürgerlich-kaufmännisch-pekuniärer oder militärisch-geheimbündlerisch wie auch bäuerischer Provenienz, ja gründet primär nur darin, das wir gar keine Krise kennen und auch nie ein gekannt haben.

      Tosender Applaus, die Türen öffneten sich und begeisterte Menschen strömten mir entgegen, blinzelten mich an, salutierten oder zeigten mir einen Vogel. Ich fürchte ich bin etwas spät dran, wandte ich mich an den Saalordner, der mich umgehend beruhigte. Ihr seid niemals spät dran, bei Euch ist immer Zulu Zeit, die anderen sind eine Stunde früher dran, das ist Alpha-Zeit und dann gibt es welche, die sind noch zwei Stunden eher dran. Na, Bravo, sagte ich. Genau antwortet der Ordner, die Bravo Zeit. Bei uns herrscht aber immer Zulu. Und so kam ich dann doch noch zu meiner Rede, direkt nach den der verbesserten Überwälzung energetischer Massnahmen im Gebäudebereich. Und weil ich ja kein Schweizerdeutsch sprechen kann und weil da ja auch noch Franzosen und Italiener mit schweizerischem Pass sitzen hatte der Oberst den Text auf Englisch vorbereitet, leider war es ein umgewandeltes Plagiat, abgekupfert von einem Deutschen aber sei’s drum:

      News from the German
      1
      The German is a grim wild monster and his heart is full of anger and the desire for blood. That’s the fact. Everyman is afraid of him.

      2
      The German preferred meal is always young maiden girls in the circumstances of innocence. Only when they are outsold as a distresslotion very small children were taken as well for food. Oh, what tasted they lecker, a real titbit. But German’s heart is sometimes so angry, that he sees caughts them, fills them, grills them, kotzed them and eates them once more. Mmm! Mmmpf, what means in German good appetite, good day and have a god way all as the same time. In his elder days the German changes for a short time to eat old boys: Clergymen, statesmen, popes and lawyers. So he hopes to get healthy, wealthy, religious and wise. But this was not. German remain stupid. Sometimes they decide to eat money or Swiss people in hope to get rich. But this is not they remain poor.

      3
      What’s about German’s sex? Now, wow! The German-Research, which ist mostly done in Switzaland is going to confirm, that the German is no good lover. Because he is no good, it is impossible for him to be a good lover. There is no right partner for him.

      4
      Who were the German’s parents? Now his father was called Old Stinky and was a foetid working man in mining and logging, the mother of German was the daughter of a famous Egyptian sunking and wegslept by pirates. Later taken as hostage in Greece she turned into flagellation for them, so they send her away.

      5
      After this the German is still going on living joyless, despised and rejected by the whole mankind especially by the Swiss und the Swiss misses…yes what misses the swiss, they real misses real misses and the Germans, when they have left the mountain villages, where in holidays the threw money over a fence in hope to tear down the fence in the head, which is made of beton and sometimes added by spikewire.

      Im Anschluss fand dann die Krönungszeremonie statt, die Haube sass wie angegossen. Und jetzt muss nur noch ein repräsentatives Schloss her für das Königreich Schweiz.

      Auf dem Weg in den Betrieb fiel mir heute das Schild „outside“ auf. Ein Wink des gestern angekündigten Schicksals. Ich werde mich entbloggen.

    17. Die taube Nuss Says:

      @Ostwestfale:

      Kameradschaft und Zusammenhalt? Durchaus.Selbst Menschen,
      die diesen Mechanismus durschauten, konnten sich dem
      nicht ohne weiteres entziehen.

      Ein Text von Sebastion Haffener über 1933, geschrieben 1939
      im Londoner Exil:

      http://images.zeit.de/text/archiv/2002/21/200221_haffner.xml

    18. Inda Says:

      Es ist nun definitiv an der Zeit, dass uns neuromat über die genaue Zusammensetzung und vor allem die Menge der von ihm eingeworfenen Substanzen informiert… 😉

    19. Schnägge Says:

      Neuromat, das kannst du uns doch nicht antun! 🙁

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