Was muss Doktor Pögg? – Werbung in Bern

November 14th, 2008
  • Werbung nicht verstanden
  • Ein Deutscher Kollege, der früher in der Schweiz gearbeitet hat und lange nicht mehr im Lande unterwegs war, schickte mir dieses in Bern fotografierte Werbeplakat mit der Bitte um sprachliche Aufklärung:

    „Dr Pögg muess ids Gou u dr. Börger ids Muu”

    Dr Pögg muess ids Gou
    (Quelle: privates Foto aus Bern)

  • Da könnten die Navajos einpacken
  • Wir fragen uns bei so einem prächtigenBeispiel für „gelebtes Berndeutsch im Alltag“ immer, warum die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg eigentlich für die Verschlüsselung ihrer Funksprüche im Pazifikkrieg gegen die Japaner die Hilfe von Angehörigen des Navajo-Indianderstammes in Anspruch nahmen. Kannten die vielleicht einfach keine Berner? An diesem Code hätten sich Japanische Dechiffrierspezialisten sicherlich auch die Zähne ausgebissen. Jetzt beissen sie, wie überall auf der Welt, in den „Börger“. Der gehört ins Muu, will heissen „Maul“, will heissen das humanoide Kauorgan in der unteren Gesichtshälfte, jedenfalls in der Schweiz. Wenn sie hier jemand auffordert, das Maul zu öffnen, dann ist das keine Beleidigung, sondern eine Arzthelferin, die einen Abstrich von ihrer Schleimhaut, sorry, „Schliimhuut“ natürlich, machen will.

  • Und Doktor Pögg?
  • Nein, das ist kein D.J. wie Dr. House oder Dr. Love oder Dr. Feelgood oder Dr. Strangelove (der in Deutschland „Dr. Seltsam“ heisst), das ist „der Puck“. Eine bekannte Gestalt aus Shakespeares Mittsommernachtstraum, ein Mond des Uranus, eine Hafenstadt in Polen und eine kleine runde flache Scheibe beim Eishockey, und um die geht es hier. Die darf nicht ins Maul, darum hat der „Keeper“ beim Eishockey auch ein Gitter davor, was dachten Sie denn? Diese Scheibe muss ins „Gou“. Da fehlt nur noch ein „a“ und ein „l“, dann ist es ein „Goal“. Kein Gaul, sondern das englisch Wort für „Tor“.

  • Vom Gou zum Muu
  • Wie kommen die Werber nur vom Eishockey-Puck auf den Burger? Vielleicht durch die ähnliche runde und kompakte Form, oder weil die Zielgruppe der Börger-Mampfer dieses Ding beim Eishockey-Gucken verspeisen sollen? Oder weil der Reim so hübsch ist? Da in Bern sowieso 80 % aller Wörter auf „ou“ enden, muss das Reimen dort grossen Spass machen. Wir wissen es nicht, freuen uns aber, wieder ein kleines Stück poetisches Berndeutsch gelernt zu haben. Und jetzt brauchen wir was „ids Muu“, muss ja nicht aus dem Restaurant mit den zwei Goldenen Bogen sein.

    Das neue Deutsche Selbstbewusstsein und die Schweiz — Die Schweiz nach dem angedrohten Peitschenhieb von Peer Steinbrück

    November 13th, 2008
  • Übung macht den Meister
  • Vor ein paar Tagen war ein Team vom Schweizer Fernsehen bei uns zu Gast. Im Rahmen einer Fortbildung mussten sie einen Beitrag zum aktuellen Deutsch-Schweizerischen Verhältnis erstellen. Peer Steinbrück, die Peitsche, das neue Deutsche Selbstbewusstsein im historischen Umfeld usw.

  • Echtes, ungesendetes Material
  • Das Ergebnis wurde nicht gesendet, obwohl es ganz nett geschnitten ist. Sie schicken mir die DVD mit der Erlaubnis, das Material auf die Blogwiese zu packen. So gibt es heute also exclusiv ungesendetes Material vom Schweizer Fernsehen auf diesem Kanal:

  • Ist die Freiheit zu dienen etwas typisch Deutsches?
  • Besonders hübsch finden wir „Die Freiheit zu dienen“ als typisch deutsche Eigenschaft. Und das nach 502 Jahren Schweizergarde und einer ruhmreichen Tradition des Schweizer Söldnerwesens. Doch heute lautet die Parole „Keine Schweizer Söhne für fremde Händel opfern„. So etwas nennt man „Mut zur Lernfähigkeit“. Noch hübscher ist der „Blockwart“ aus dem Mund eines Schweizers als Vorwurf. Den „Blockwart“ haben die Deutschen seit 1945 abgeschafft, der „Abwart“ muss bis heute zuwarten und abwarten in der Schweiz. Hauswart und Zeugwart blieben übrig.

  • Kohls hessischer Ton
  • Wer genau aufpasst bei den eingespielten Filmausschnitten vom deutschen Ex-Kanzler Kohl, findet dort den“Ton hessisch entspannt“ erwähnt. Merkwürdig. Wer kommt denn da aus dem entspannten Hessen? Kohl ist Pfälzer, nicht Hesse, und bekannt für seine Vorliebe für den „Pfälzer Saumagen„, den nicht wenige Staatsbesucher bei ihm serviert bekamen. Aber wie soll man als Schweizer sich schon bei den unterschiedlichen deutschen Kantonen auskennen, wenn die immer alle nur Hochdeutsch sprechen.

    In den 1980er und 1990er Jahren erlangte der Saumagen bundesweite Bekanntheit durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, der in seiner pfälzischen Heimat Staatsgäste wie Margaret Thatcher, Michail Gorbatschow, Ronald Reagan und François Mitterrand mit dem typischen Gericht bewirten ließ.
    (Quelle: Wikipedia.de)

    Zum Schluss noch eine Quizfrage für die Zuschauer an den Empfangsgeräten daheim. Welche Nationalität besitzt der freundliche Herr rechts in diesem gespielten Streitgespräch, der vor der Deutschlandflagge sitzt?

    Komm lass Dich aufrichten — Wenn Schweizer Bauarbeiter feiern

    November 12th, 2008

    (reload vom 14.2.06)

  • Wenn Aufsteller nicht mehr helfen
  • Geht es Ihnen auch so schlecht in dieser düsteren Jahreszeit? Alles drückt auf das Gemüt, Sie sind ewig müde und abgespannt? Womit könnte Ihnen geholfen werden? Vielleicht durch einen original Schweizer „Aufsteller“ oder einer Schar „aufgestellter Leute“ (vlg. Blogwiese).

    Wir lasen im Tages-Anzeiger vom 28.01.06 (S. 17) von einer Schweizer Veranstaltung, die kann Sie vielleicht wieder aufrichten:
    Aufrichte beim Zoo

  • Die Aufrichte
  • Wird da ganz aufrichtig ein moralisch niedergeschlagener Mensch aufgerichtet? Vielleicht jemand, der mit seiner „An-richte“ nicht mehr zufrieden war? So ganz richtig ist das nicht, was wir da anrichten. Denn auch in Deutschland wird bei dieser Veranstaltung alles richtig gemacht, es heisst darum auch „Richt(ig)fest„. In unserem Tagi-Artikel ging es um die Baustelle des Fifa-Neubaus beim Zürcher Zoo (der sehr weit weg von der Zoll-Grenze liegt und darum nicht „Zolli“ heisst wie der in Basel):

    Wir finden das hübsche Wort sogar im Duden erklärt:

    Aufrichte, die; -, -n (schweiz.):
    Richtfest:
    „Ein bräunliches Foto aus Fees Album zeigt den stolzen Hausgründer am Tag der Aufrichte.“ (Muschg, Gegenzauber 25).

    Mit „Muschg“ ist hier übrigens nicht das „Mutterschutz-Gesetz“ gemeint, das schreibt sich „MuSchG“ in Deutschland, sondern der Schweizer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Adolf Muschg, dem wir eine grossartige Biographie Gottfried Kellers verdanken. „Gegenzauber“ ist kein Schweizer Harry-Potter-Verschnitt, sondern sein zweiter Roman von 1967.

    Google-Schweiz findet die Schweizer Form für das deutsche „Richtfest“ übrigens 8’900 Mal erwähnt, Google-Deutschland nur 828 Mal, wobei diese Fundstellen mit allem Möglichen zu tun haben, was aufgerichtet wird, aber nicht mit Hausbau.

    Feiern die hier ein Richtfest oder eine Aufrichte?
    Aufrichte oder Richtfest?
    (Quelle Foto haldemann-holz.ch)

    Die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm kannten in ihrem 16 Bd. langem Deutschen Wörterbuch zwar „aufrichten“, „aufrichtig“ und „aufrecht“, nicht jedoch die „Aufrichte“. Also bleibt dieses Wort wie so viele andere auf ewig auf der „Insel der aufgestellten Leute“ als Aufsteller allein. Schade eigentlich. Denn „Richtfest“, wer denkt da nicht eher an einen Scharfrichter mit Guillotine als an freudiges Häuslebauen?

    Warum ist die Schweiz eine Hochpreisinsel?

    November 11th, 2008

    (reload vom 13.2.06)

  • Geiz ist uncool
  • Die Schweiz ist eine Hochpreisinsel. Das wissen alle, die hier leben. Die alteingesessenen Schweizer genauso wie die neu zugezogenen Deutschen. Alles ist unglaublich teuer, doch das hat seinen Grund. Unter Schweizer ist es verpönt, den genauen Grund für die hohen Preise zu hinterfragen. Denn Geiz ist nicht geil, Geiz ist uncool. Geld hat man und darüber spricht man nicht. So schrieb unser Freund Räulfi in einem Kommentar über manche Deutsche:

    Die Geiz-ist-geil-Mentalität geht da auf’n Wecker, wo immer gesagt wird: ‘’Waaaas? Ist das alles teuer hier… Das gleiche gibts bei Aldidl für 1 Euro…!’’ Und wenn’s dann was gratis gibt rennen alle, respektive nehmen das Angebot/Einladung/wasauchimmer gern an und nutzen’s auch ausgiebigst

  • Warum alles teuer ist, und wie die Schweizer beruhigt werden
  • Argument: Mit den hohen Preisen werden die hohen Löhne bezahlt.
    Nun, in Deutschland sind die Preise niedriger, die Löhne natürlich auch, aber das stimmt nicht ganz, denn mit den wesentlich höheren Lohn-Nebenkosten kommt es für einen Arbeitgeber gleich teuer, ob er sein Personal in der Schweiz oder in Deutschland beschäftigt. Die Lohn-Nebenkosten sind Deutschland höher als in der Schweiz:

    Lohnnebenkosten (…) fassen die Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zusammen. Sie werden je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber gezahlt. Die Lohnnebenkosten lagen 2003 bei rund 42 Prozent des Bruttolohnes (Rentenversicherung 19,5 Prozent, Krankenversicherung durchschnittlich 14,3 Prozent, Pflegeversicherung 1,7 Prozent, Arbeitslosenversicherung 6,5 Prozent) bis zur Beitragsbemessungsgrenze.
    (Quelle: Bundesregierung.de)

    Aus Arbeitgeber Sicht sind die Löhne in der Schweiz nicht höher als in Deutschland, der Arbeitnehmer bekommt nur selbst mehr ausgezahlt (um damit die hohen Lebenskosten bezahlen zu können). In der Schweiz liegen Sie wesentlich tiefer:

    Die vom Arbeitgeber aufzubringenden Lohnnebenkosten liegen somit je nach Branche und Alter des Angestellten zwischen ca. 7.5 und 16%.
    (Quelle: Wiki)

    Argument: Die Qualität der Lebensmittel ist höher in der Schweiz und hat damit ihren Preis
    Das mag stimmen für Eier, die in der Schweiz nicht aus Legehennen-Batterien stammen:

    1981 wurde die Batteriehaltung von Legehennen in der Schweiz faktisch verboten. Während einer zehnjährigen Übergangszeit wurden verschiedene neue Haltungssysteme entwickelt.
    (Quelle: aramis-research.ch)

    Auch gilt es für die Fleischproduktion, die weniger intensiv und dafür artgerechter in der Schweiz betrieben wird, vor allem bei der Geflügelproduktion. Das stimmt aber schon lange nicht mehr für Gemüse und Salate. Als Greenpeace im November 2005 das Gemüse aus Lebensmittelketten auf Pestizide untersuchte, schnitten Aldi und andere Supermärkte in Deutschland überraschend gut ab, die Migros hingegen erstaunlich schlecht:
    Gemüse bei der Migros
    (Quelle: www.ignoranz.ch)

    Warum dann die hohen Preise? Es liegt am Zwischenhandel, der bei allen in die Schweiz importierten Artikel tüchtig mitverdient. Das wird deutlich bei zwei Produkten: Der Kinder-Milchschnitte von Ferrero und dem Philadelphia-Frischkäse von Kraft Foods.

    Tages-Anzeiger vom 28.01.06 (S. 27):

    „Hier sind unsere Einstandspreise sogar deutlich höher als die deutschen Verkaufspreise“, so die Migros damals. Um den Zwischenhandel zu umgehen und Geld zu sparen, wollte sie per sofort aus Deutschland importieren.

  • Wenn die Migros plötzlich selbst importiert
  • Noch mal ganz langsam zum Mitschreiben: Über den offiziellen Importeur und Zwischenhändler werden der Migros diese Artikel zu einem Einkaufspreis angeboten, der höher liegt als der End-Verkaufspreis für Kunden in einem Deutschen Supermarkt! Also wird versucht, direkt zu importieren: Heh, das ist ja eine sensationelle Idee! Genau das machen doch die zigtausend Schweizer, die jedes Wochenende über die Grenze fahren und „direkt importieren“. Nur dass sie sich damit für ihre Schweizer Nachbarn zu „Vaterlandsverräter“ und „Heimatschädlingen“ werden. Der Versuch der Migros, die Artikel auch einfach direkt zu importieren, ging jedoch schief:

    Nach zwei Wochen war mit günstigen Milchschnitten aber bereits wieder Schluss. Offiziell unternahm Ferrero zwar nichts gegen die halb legalen Parallelimporte. Stattdessen ging der Bezugsquelle der Migros der Nachschub aus. Vom Lieferengpass betroffen war damals aber nur der Schweizer Grossverteiler.

    Warum sollte man es auch zulassen, dass solche günstigen „Parallelimporte“ möglich sind, so lange immer noch ein Grossteil von Konsumenten in der Schweiz bereit ist, höhere Preise zu zahlen für das „hohe Lohnniveau“ und die „hohe Qualität“.

    Mit Kraft Foods Schweiz ging die Geschichte anders aus:

    Der Importeur von Philadelphia reagierte sofort, als er Ende November von den geplanten Parallelimporten erfuhr. „Noch am gleichen Tag rief Kraft an und bot uns neue Konditionen an“, so [Migros-Sprecher Urs-Peter] Naef. In der Zwischenzeit habe man eine Lösung gefunden, mit der beide zufrieden seien. Naef: „Bereits im Februar werden die Preise sinken.“

    Es bewegt sich also doch was. Der Druck durch die Käuferschichten, die nicht mehr bereit sind, automatisch die hohen Importpreise zu zahlen, scheint langsam etwas zu bewirken in der Schweiz.

  • Wie subventioniert die Schweiz ihre Landwirte?
  • Natürlich gibt es auch viele Bereich, in denen der Import durch hohe Importzölle künstlich verteuert wird, um die Schweizer Landwirtschaft zu schützen:

    Die Preise vieler landwirtschaftlicher Produkte liegen in der Schweiz wesentlich über dem Weltmarktpreis. Das liegt unter anderem daran, dass nach wie vor ein starker Importschutz besteht. Bei vielen landwirtschaftlichen Erzeugnissen wird der Importzoll auf prohibitive [=verhindernd, abhaltende] Höhen angesetzt, sobald eine durch das GATT vorgegebene minimale Menge zu einem tiefen Zollsatz eingeführt worden ist. Dadurch werden zusätzliche billige Importe verhindert und die schweizerischen Konsumenten können nur noch die teuren schweizerischen Erzeugnisse erstehen. Der prohibitiv hohe Importzoll führt also im Vergleich zu einer Situation ohne staatlichen Eingriff zu einer Umverteilung von den Konsumenten zu den Landwirten.
    (Quelle: Forschungsinstitut für Empirische Ökonomie und Wirtschaftpolitik der Uni-St. Gallen)

    Da hilft es dem Konsumenten nur, so vorzugehen wie die Migros es vormachte, und selbst nach billigeren Importmöglichkeiten Ausschau zu halten.

  • Fust, Interdiscount und Media-Markt haben keine Importprobleme
  • Übrigens gibt es Branchen, die nicht durch Zölle geschützt werden, und trotzdem gute Geschäfte machen in der Schweiz. So zum Beispiel die Computer- und Unterhaltungsindustrie: Media-Markt Schweiz oder Deutschland bieten fast identische Preise; die Computer und Fernseher von FUST oder Interdiscount Schweiz sind „ennet“ (=jenseits) der Grenze nicht billiger, auch nach Abzug der 19% deutscher Mehrwertsteuer.

    Hier lohnt es kaum, diese Dinge in Deutschland zu kaufen. Ausser natürlich, Sie kaufen sich in Deutschland einen Computer und verpacken ihn ordentlich in viel frischer Petersilie (Schweizerdeutsch „Peterli“). Dann müssen Sie nach dem Heimtransport das „Verpackungsmaterial“ nur noch auf dem nächsten Schweizer Wochenmarkt gewinnbringend zum ortsüblichen Preis verkaufen, und schon ist ihr neuer Rechner finanziert, denn auf Peterli beträgt der Importzoll satte 1.000 Prozent. Na, haben wir Sie da gerade auf eine klasse Idee gebracht?

    Zum „Peterli“ müssen wir noch unseren Deutsch-Schweizer Lieblingswitz loswerden:

    Sitzen ein Schweizer und ein Deutscher in der Schweiz in einem Restaurant und essen Spargelcremesuppe. Findet der Deutsche plötzlich ein Gummiband in der Suppe. Der Schweizer ruft den Kellern und fragt ihn: „S’isch s’Gümmeli vom Peterli?“ Worauf der Deutsche (der meint, Schweizerdeutsch zu verstehen) einwendet: „Ach, Du kennst den Koch hier?“

    Wenn sie in der Hitze einen Hitzgi bekommen

    November 10th, 2008

    (reload vom 12.2.06)

  • Was ist ein Hitzgi
  • Was könnte das nur wieder sein? Vielleicht einen „Hit“ beim „Ski“ fahren? Oder einen „Hitzeschlag“? Vielleicht ist es ja auch ein Einwanderer aus Polen, denn die haben alle irgendwie Familiennamen, die auf –ski enden.

  • Die Ruhrpolen
  • Im Ruhrgebiet wimmelt es in den Telefonbüchern von Essen, Dortmund oder Bochum nur so von Wischnewski, Maslowski, Rosowski und Kowalski. Alles keine „Ski-Fahrer“, sondern Nachfahren von Bergleuten, die vor über 120 Jahren zu Beginn der Industriellen Revolution, als der Kohlenpott noch eine grüne Wiese mit hübschen Fachwerkdörfern war, aus Polen geholt wurden:

    Mit Ruhrpolen sind die Menschen gemeint, die seit 1880 mit ihren Familien aus Polen ins Ruhrgebiet eingewandert sind und dort meist als Bergleute gearbeitet haben. Heute schätzt man, dass ca. 150.000 Deutsche von diesen Ruhrpolen abstammen.
    (Quelle: Wiki)

    Aber die schreiben sich alle mit „k“ im „-ski“ und haben mit dem „Hitzgi“ nur rein lautlich was zu tun. Google hat 560 Belege für „Hitzgi“.

    Duden und Wikipedia wissen dennoch nix darüber, also müssen wir die Schweizer fragen. Wir lernen sehr schnell:

    „Gegen Hitzgi hilft rückwärts trinken. Hicks!“
    (Quelle: Hitzgi)

    Denn ein „Hitzgi“ ist ein Schluckauf. Darüber weiss Wiki zum Glück wieder Bescheid:

    Der Schluckauf (lat. singultus = Schluchzen, Schlucken) ist eine reflektorische Einatmungsbewegung (Kontraktion) des Zwerchfells, wobei die Einatmung durch plötzlichen Stimmritzenverschluss unterbrochen wird. Dadurch entsteht ein hörbares Geräusch.
    (Quelle: Wiki)

    Im Schwäbischen haben wir die Bezeichnung „Häcker“ vernommen, und im Siegerland sollen die Leute dazu „Schlick“ sagen. Eigentlich eine wunderbare Sache, für die es zahlreiche lautmalerische Wortbildungen in jedem Dialekt gibt:

    In Bayern ist es ein Heschar oder Häggr

    In Südtirol ist es ein Schnaggl oder Schlukker . (Quelle:).

    In Kleve ein Schluckauf ein Hekk, ganz ohne Mek (Quelle:)

    In Franken ein Hedscher

    Mein Gott, das hört ja gar nicht mehr auf, ich kriege gleich selbst noch einen…
    Und falls Sie mal einen Schluckauf / Hitzgi / Häcker / Schlick / Heschar / Häggr / Schnaggl / Schlukker / Hek / Hedscher haben sollten, dann kennt Wiki auch ein paar Tricks, wie man ihn wieder los wird:
    Beenden von Schluckauf

    * Atem anhalten
    * tief in den Bauch ein- und ausatmen
    * viel trinken
    * sich stark auf etwas konzentrieren
    * während eines Kopfstands ein Glas Wasser trinken
    * Wasser schlucken mit zugehaltener Nase bzw. zugehaltenen Ohren
    * Zucker schlucken
    * einen Schluck Wasser nehmen und so lange wie möglich gurgeln
    * den Schluckauf vergessen (dabei kann man sich z.B. die Mahlzeiten der vergangenen Tage überlegen)
    * versuchen, die nächste Schluckauf-Kontraktion bewusst zu provozieren
    * Salz auf die Zunge streuen
    * erschrecken
    * auf einem Bein stehen
    * Kopf unter Wasser halten
    * plötzlich kaltes Wasser oder Eis in den Nacken
    * Mund in fließendes Wasser halten
    * Erbrechen (hierbei fragt sich jedoch, was als unangenehmer bzw. leichter ertragbar empfunden wird)
    * tiefes Summen „mit dem Bauch“. Beim Gesang ist „mit dem Bauch singen“ eine Singtechnik. Es gibt auch noch das „Singen mit der Brust“.
    * Reizung des Atemzentrums durch Einatmen von kohlendioxidreicher Luft, z.B. Ein- und Ausatmen durch Textilien oder Papiertüte, flache Atmung mit minimalem Luftaustausch, Einatmen über stark kohlendioxidhaltigen Getränken
    * ein Schnapsglas mit Balsamico-Essig trinken, zur besseren Verträglichkeit eventuell mit einem Teelöffel Zucker verfeinern
    * küssen
    * lachen, z.B. indem man sich auskitzeln lässt
    * Es wird oftmals „scherzhaft“ behauptet, ein Schluckauf lässt sich beenden wenn man an drei Glatzköpfe denkt.
    Man sollte aber auch an die Wirkung dieser Methoden glauben. Es ist möglich, dass die Wirkung erst durch den Placeboeffekt eintritt.