Nicht gruselig aber guguselig — Neue Schweizer Lieblingswörter
Juli 24th, 2008Bei der Lektüre des „Magazins“ am Samstag stiessen wir auf dieses gar nicht so seltene Schweizer Prachtadjektiv:
Das ist mir zu guguselig
(Quelle: Das Magazin.ch)
Nein, keine neue Schreibweise von „gruselig“, dieses „guguselig“. Es gibt jede Menge Fundstellen, so wie hier auf Swissmomforum.ch
Es ist mir zu theatralisch, zu „guguselig“, zu behütend…
(Quelle: Swissmomforum.ch)
Ohne „g“ am Ende bringt es die Variante „guguseli“ sogar auf 7´310 Belegstellen bei Google.
Beispiel:
Oder s Schnuderhuhn und s Guguuseli, den manche auch Suguuseli nennen.
(Quelle: bezsins.ch)
Im Schweizer Lexikon von Michael Kühntopf finden wir es ganz ohne „-elig“:
gugus: hier bin ich, aber auch „Quatsch“ und „Unfug.
Klar, einfach „guck kuck“ oder „Kuckuck“ etwas abändern, schon sind wir bei guguseli(g).
Mit dem standarddeutschen Verb „gucken“ verbinde ich die Erinnerung an eine merkwürdige Erfahrung aus der Grundschulzeit. Ich hatte es in einem Aufsatz geschrieben, zusammen mit dem Wörtchen „kriegen“ (ohne „be“). Es wurde angestrichen als „umgangssprachlich“ und als „nicht schriftfähig“. Wieso „nicht schriftfähig“? Ich hatte es doch eben geschrieben. Geht doch.
Dass es tatsächlich Wörter in meiner Muttersprache gab, die man zwar sagen aber nicht schreiben durfte, war eine denkwürdige Lernerfahrung für mich. „Kriegen“ sagen, aber „bekommen“ schreiben. „Guck mal!“ sagen, aber „schau mal!“ schreiben. Erst mit dem Filmtitel „Kuck mal wer da spricht“

wanderte das Verb „kucken“ etwas weiter rüber in die Schriftsprachenkiste. Gesprochen hat übrigens Thomas Gottschalk, nur gesehen hat man ihn nicht, auch wenn man noch so am „Kucken“ war.
Im Kleinen erlebte ich in dieser Situation die Differenz „Gesprochene Sprache vs. Schriftsprache“, mit der Schweizer Primarschüler und auch manche Erwachsenen heute noch zu kämpfen haben.
Später hatte ich einen deutschen Kollegen, der ständig das hübsche Wort „diesbezüglich“ im normalen Gespräch verwendete. Es ist ein Wort der geschriebenen Sprache, das, so permanent verwendet, doch recht merkwürdig klingt. Jeder von uns scheint eine feine Abgrenzung im Kopf zu haben zwischen den Ausdrücken der geschriebenen und der gesprochenen Sprache.






