Was Schweizer gerne essen (Teil 4) — Ovomaltine-Riegel

Mai 27th, 2008

(reload vom 3.1.06)

  • Schokolade made in the U.S.A.
  • Der grösste amerikanische Hersteller von Schokolade ist die Firma „Hershey “. Die meisten Spezialitäten dieses Konzern wie z. B. die „Hershey Kisses“ haben es nicht auf den europäischen Markt geschafft. Bis auf den Schokoriegel „KitKat“ sind die Spezialitäten von Hershey nur Insidern und Amerikanern bekannt.

    Die Firma Hershey machte während des 1. Golfkriegs, als der grosse George ohne Double-Juu Bush die Truppen von Saddam Hussein aus Kuwait verjagte und zurück nach Bagdad trieb, von sich reden, weil sie einen Schokoladenriegel entwickelte für die Soldaten, der so staubtrocken war, dass er auch in der Wüste nicht schmelzen konnte. Das Produkt wurde als „Desert-Bar“ bekannt.

  • Schokolade, die auch bei 60 Grad Celsius nicht schmilzt
  • During Operation Desert Shield and Operation Desert Storm, Hershey’s Chocolate tested a new high temperature chocolate that they dubbed the Desert Bar. Hershey’s shipped 144,000 Desert Bars to American troops, as a test market for the new chocolate bar. According to Hershey’s, the bar could withstand heats in excess of 60 degrees Celsius (…). While Army spokesmen said the bar’s taste was good, troop reactions were mixed and the bar was not launched into commercial production. (Quelle Wikipedia:)

    Ein Biss, und schon hat man den Rest des Tages keine Lust mehr auf was Süsses.

    Als wir in die Schweiz kamen, entdeckten wir, dass dieser „Desert-Bar“ gar keine amerikanische Erfindung sein konnte, denn in der Schweiz gab es eine sehr ähnliche Köstlichkeit: Den Ovomaltine-Riegel.
    OvoSnack staubtrocken
    Er besteht aus fest gepresstem Ovomaltine-Pulver, garantiert ohne Schokolade, reine Energie, Traubenzucker und wissen die Schweizer was noch alles. Ich würde ihn „Schweige-Riegel“ nennen, denn ein Biss hinein, und Du schweigst erst mal eine ganze Weile, weil Dir die Spucke zum Reden fehlt, so staubtrocken ist dieses Teil.

  • Wer den runterkriegt…
  • Man könnte ihn bei der nächsten „Einbürgerung“ als Testriegel einführen. Jeder Bewerber für die Eidgenössische Staatsbürgerschaft muss ohne mit der Wimper zu zucken oder etwas dabei zu trinken kalt lächelnd einen solchen Riegel verzehren. Wer das schafft hat auch das Zeug zum Überleben in der Schweiz.

    Keine Leberwurst in der Schweiz — das ist Parfait

    April 15th, 2008
  • Es gibt keine Leberwurst in der Schweiz
  • Schreibt mir doch eine Baslerin (das sind die Schweizer jenseits der Leckerli-Linie), dass sie des Deutschen liebste Streichwurst, die „Leberwurst“, noch nie in einer Schweizer Fleischtheke gesehen hat. Es gäbe dieses Produkt nur in Deutschland (Und Theken oder „Theks“ werden in der Schweiz auf dem Rücken ohne Fleisch getragen, aber das hatten wir schon).

  • Mögen Sie Leberwurst?
  • Wir nannten diese Spezialität als Kinder nur „Omastrumpfwurst“, weil wir fanden, dass die Farbe dieser Wurst genauso aussieht wie die Strümpfe unserer Oma. Hört sich richtig lecker an, nicht wahr? Das Konzept „Oma“ war auch lecker, denn sie brachte stets was Süsse mit zu Besuch. Dann erinnere ich mich noch sehr deutlich an ein Kinderbuch, in welchem ein kleiner Junge gern seine selbstgemalten Bilder aufhängen wollte, ihm dazu aber Tesafilm oder Heftzwecken fehlten. Also nahm er ebenfalls Leberwurst als Kleberersatz. Ist vielseitig verwendbar.

  • Parfait nur für die Hunde?
  • Als „Hündeler“ in der Schweiz lernten wir dann die handliche Tubenwurst „Parfait“ von Nestle kennen, einer Schweizer Firma. Sie wird hier gern beim Hundespaziergang mitgeführt, weil man daraus so schön praktisch in Miniportionen seinem Hund bei Wohlverhalten eine Belohnung spendieren kann. Es soll Hunde geben, die haben sogar schon das „Nuckeln“, also Wurst aus der Tube saugen, gelernt, und sie stehen genauso auf Tubennahrung wie die Astronauten, welche in der Schwerelosigkeit auf herumfliegende Krümel und Brotaufstrich gut verzichten können.

    Le Parfait
    (Quelle Foto: nestle.ch)
    laut Webseite enthält diese Tube:

    Hefe, Wasser, Pflanzenfett und -öl, Schweinleber (12%), Stärken, Kochsalz, Herbsttrompeten, Gewürzextrakte. Kochsalz, Gesamtgehalt: 1.3 g / 100 g

    Immerhin 12% Schweineleber. Deswegen ist da unser Hund so scharf drauf! Wie „Herbsttrompeten“ schmecken, möchte ich lieber nicht so genau wissen. Wie Totentrompeten, habe ich mir sagen lassen.
    Als Kinder liebten wir diesen Abzählvers:

    Ich kenne eine Frau, hat Haare wie Kakao, hat Beine wie ne Leberwurst, ich kenn‘ sie ganz genau. Sie heisst: Zie-zippeli-zippelonika, und wer’s nicht glaubt der bleibt gleich da

    Und wenn wir schon beim Reimen sind, hier noch ein Leberwurst-Gedicht:

    Die Leberwurst
    Du fragst, warum die hausgemachte Wurst
    mancher Bauern man so achte,
    dass – man behauptet frank und frei –
    sie besser als vom Metzger sei!
    Mein Freund, das kann ich Dir erklären,
    ich hoffe gern, Du lässt Dich lehren:
    Dem Metzger war seit alter Zeit
    ein hoher Grundsatz – Reinlichkeit.
    Sein Arbeitsraum ist hell und proper,
    er sorgt dafür mit Bürst‘ und Schrobber,
    und ganz besonders frisch und rein
    muss allererst der Kessel sein.
    Hingegen: Wo der Bauer schlachtet –
    das hab‘ ich manchmal schon beachtet! –
    da kocht man Fleisch vom Schwein und Bock
    im Pott, wo vorher Unterrock
    nebst Hemd und Hos‘ und Socken schäumte
    und Kuhstallgrün den Rand besäumte!
    Und solch‘ Aroma als Extrakt das bleibt der Metzgerzunft versagt!
    (Quelle: SWR4)

    Schweizerdeutsch für Fortgeschrittene (Teil 8) — Wer schafft sein Essen nicht?

    März 7th, 2008

    (reload vom 10.12.05)
    Die Schweizer lieben deftiges Essen, sie essen auch gerne viel. Wenn sie dann gemeinsam am Tisch sitzen und die Portionen mal wieder sehr gross sind, dann stellen sie sich gegenseitig die Frage: „Na, schaffst Du es, alles aufzuessen?“. Ein solches Essen, bei dem nicht sicher ist, wer seine Portion ganz aufessen kann, nennen sie dann ein „Wer-schafft’s?“ Essen.

    Aus historischen Gründen wurden bei dieser Bezeichnung der Buchstabe „ä“ und „h“ beibehalten, so schreibt man „währschaft“ zusammen, wie bei „Gewähr“. Diese haben Sie nämlich, wenn sie währschaftes Essen zu sich nehmen müssen und sich vergeblich dagegen wehren: Sie werden unter Garantie satt, denn das kann Dank der „währschaften“ Nahrung immer „gewährleistet“ werden.

    Währschaftes Essen“ ist äusserst beliebt. Wir finden bei Google-Schweiz 661 Belege .

    Schweizer Kost im Gastrotrend – Währschaft essen, symbolisch fooden (Quelle)

    In Deutschland ist eine „Wehrschaft“ mit „e“ eine Studentenverbindung mit ziemlich militärischer Ausrichtung:

    Wehrschaften wurden nach dem 1. Weltkrieg gegründet, um militärisches Wissen trotz der strengen Bedingungen der Verträge von Versailles (Berufsheer 100.000 Mann) bzw. Saint-Germain in der akademischen Bevölkerung zu verbreiten. Teilweise wandelten sich aufgrund der geänderten politischen Verhältnisse auch bereits bestehende Verbindungen in Wehrschaften um. (Quelle)

    Diese Wehrschaften robbten dann in der Freizeit gemeinsam durch das Unterholz und übten Nahkampf mit Holzgewehren, um ihr „militärisches Wissen“ nicht zu verlieren, nehmen wir an. Wahrscheinlich hatten sie nicht genug echte Erfahrungen in den Schützengräben von Verdun sammeln können.

    Ob die bei ihren Zusammenkünften auch immer so deftige „währschafte“ Kost zu sich nehmen müssen? Um sich danach besser wehren zu können? Wahrscheinlich jedoch ernährt man sich in diesen Verbindungen vorzugsweise von Hopfen, Malz, Gerste und Wasser, in flüssiger Form selbstverständlich.

    Beispiel für „währschaftes Essen“ in Zürich im Restaurant Blockhus:
    Restaurant Blockhus: Holzhütten-Tatar

    Währschaftes Essen in gemütlicher Umgebung zeichnet das Reich von Wirt Pierre Sobkowiak aus. (Quelle)

  • „En guote“ und „Maaahlzeit“
  • Die Deutschen wünschen sich bei solchen Gelegenheiten immer eine „gesegnete Mahlzeit„, was aber im Laufe der Zeit radikal zu „Maaaahlzeit“ verkürzt wurde, und als Standardgruss im Büro zwischen 11.00 Uhr und 15.00 Uhr gilt. Recht skurril mit unter, wenn ihnen um 14.30 Uhr ein Kollege auf dem Weg zum Klo begegnet, und ihnen eine gesegnete Mahlzeit in Kurzfassung wünscht.

    Was die Schweizer gerne essen (Teil 3) — FIGUGEGL

    Februar 14th, 2008

    (reload vom 3.12.05)

  • Einladung per Abkürzung
  • Wenn Sie als Deutscher in die Schweiz gezogen sind, werden Sie vielleicht irgendwann in der kälteren Jahreszeit einmal eine Einladung von einem Schweizer bekommen zu FIGUGEGL. Dann können Sie sich freuen, denn ich garantiere Ihnen: Sie werden bestimmt satt werden.

  • Hat FIGUGEGL was mit Googeln zu tun?
  • Nein, das Wort entstand, bevor die Suchmaschine Google überhaupt exisitierte. Es hat was mit Essen zu tun, und mit der Gugel-Hopf-Form, die man unweigerlich bekommt, wenn man zu viel isst.

    FIGUGEGL sagt man, um auszudrücken dass die „FIGur GELitten“ hat beim Essen. Nein, kleiner Scherz, es ist natürlich Schweizerdeutsch und steht für Fondue isch guet und git e gueti Luune. Der Werbespruch wurde zur Absatzsteigerung von Fondue-Produkten lanciert, irgendwann in den 70er Jahren, und ist durch Vererbung und mündliche Überlieferung jedem Schweizer, auch den Jüngeren, gut bekannt. Da sieht man mal, wozu mündliche Überlieferung heute noch taugt. Wir haben da so ein Problem mit Werbesprüchen, die gemacht werden, um uns davon zu überzeugen, dass „Fondue gut für uns“ sein soll. Irgendwas kann da nicht stimmen, wenn man dafür eine Werbung kreieren musste.

    Fondue ist lecker und macht satt, sehr satt sogar

  • Das Wasser von Köln ist auch gut
  • In der Domstadt Köln am Rhein müssen die Einwohner das 7 Mal gefiltertes Rheinwasser trinken (darum liebe Basler, überlegt es euch bitte nochmal genau, bevor ihr da beim nächsten Spaziergang hinein…). Sieben Mal gefiltertes Wasser? Das erzeugt Argwohn und Misstrauen, also machten die Wasserwerke von Köln Werbung auf Plakatwänden für ihr Wasser: Dat Wasser von Kölle is joot (der Satz heisst übrigens nicht, dass man in Köln „Jod“ trinkt). Und genau da wird es mir dann unheimlich: Warum Werbung für eine Sache machen, wenn sie doch gut ist? Warum die Werbung für Fondue, wenn man davon ganz allein gute Laune bekommt?

    Nun, wir bekommen bei Fondue immer eins: Einen dicken Bauch, und manchmal auch einen dicken Kopf, je nachdem wie gut der dazu genossene Weisswein war. Ob es sich um die „Rache Südfrankreichs“ handelt, die da in grossen Tankwagen nach Deutschland gekarrt und abgefüllt wurde, oder ob es doch lieber ein trockner Chardonnay aus Chile war. Schweizer Wein zur Abwechslung? Nun, wir trinken ihn recht gern, aber er ist uns einfach zu teuer, für die angebotene Qualität. Also wenn Sie die Rechnung zahlen?

  • Den Zapfen ohne Zapfenstreich loswerden
  • Schweizer Wein wird übrigens traditionell in recht kleinen Gläsern offeriert. Warum das so ist? Nun, da muss man öfters nachschenken, die Flasche hält länger vor, und wenn mal ein Glas umfällt, ist gleich nicht so viel von dem „kostbaren“ Saft verloren gegangen. Sie sind echt praktisch veranlagt, diese Schweizer. Was glauben Sie, warum am Sackmesser immer ein Korkenzieher dran ist? Und wenn der erste Korken gezogen wird, dann ist das für die Schweizer der Zapenstreich, denn dabei wird der Zapfen gezogen. Die Münchener schlagen den Zapfen aus dem Fass, beim Anstich zum Oktoberfest. Die Schweizer ziehen den Zapfen aus der Weinflasche, mit einem ziemlich eirigen Zapfezieier„. Kein Joke, so schreibt sich das Teil in der Schweiz, sofern ich kein „i“ oder „e“ vergessen habe:
    Zapfenzieher

    Rettet die Cervelat? — Rettet den Schweizerdeutsch!

    Februar 8th, 2008
  • Wer will die denn retten?
  • Jetzt haben wir mühsam und in grammatikalischer Schwerstarbeit endlich begriffen, dass der Schweizer Cervelat eine hochheilige und „erst noch“ äusserst männliche Angelegenheit ist, da müssen wir dies in einer Anzeige lesen:
    Rettet die Cervelat
    (Quelle Foto: Rettet die Cervelat

    Das ist falsch. „Die Cervelat“ will niemand retten, sonst könnten wir auch gleich aufrufen zur Kampagne „Rettet den Schweizerdeutsch“. Es gibt keine weibliche Cervelat in der Schweiz. Es gibt eine Wurst, das ist richtig, aber die nennt sich „der Cervelat“. Da haben wir den WurstSalat. Was soll nun gerettet werden? Die Sprache, das richtige Wurstgeschlecht oder doch die Wurst selbst? Als alte Currywurstfans bleiben wir dann doch lieber bei unser echten „Bratzwurst“ mit einem ordentlichen „tz“ in der Mitte, so wie in „getz ist genug“.